Mittwoch, 3. Mai 2017

Hellraiser: Inferno (2000)

http://www.imdb.com/title/tt0229440/

Nackte Realität oder perverser Albtraum? Joseph kann es nicht mehr auseinander halten. Während der Ermittlungen in einem Mordfall wird der Cop plötzlich von schrecklichen Visionen gequält. Es ist, als ob sich in naher Zukunft weitere bestialische Morde ereignen würden und er selbst irgendwie darin verwickelt sei. So setzt Joseph alles daran, dem Mörder schnellstens auf die Spur zu kommen. Ein erster Fingerzeig scheint dieser eigenartige, metallische Würfel zu sein, den er am Tatort findet. Doch die Visionen lassen ihn jetzt nicht mehr los. Sie verzerren seinen klaren Blick. Joseph erlebt, wie ein anderes "Ich" offenbar mehr und mehr die Oberhand gewinnt und ihn zu sadistischen Handlungen treibt. Auf der verzweifelten Suche nach einem Ausweg durchlebt Joseph die Hölle.

Der vierte Aufguss des legendären "Hellraiser" von Clive Barker ist weit entfernt von der einstigen Qualität, die die Reihe zu Beginn noch auszeichnete. Im Grunde war spätestens nach "Hellbound: Hellraiser II" die Luft vollkommen raus, fand man doch keinen stimmigen Ansatz mehr, die Hölle und deren Abgesandte, die Zenobiten, in ihrer verstörenden Abgründigkeit und sadistischen Morbidität und Fleischeslust glanzvoll zu inszenieren. Der einst so berüchtigte Titel wurde für immer weitere Billigproduktionen regelrecht missbraucht. Das Ergebnis ist bekannt.

Nichtsdestotrotz ist "Hellraiser: Inferno" - hat man sich erstmal vom Anspruch freigemacht, hier nochmal etwas Großes zu erwarten, ein solide inszenierter wie gespielter Mystery-Thriller, der den Antihelden Detective Joseph Throne auf seiner Suche nach einem sadistischen Serienkiller begleitet. Die Handlung bleibt dabei lange Zeit geradlinig und stringent, ködert nur äußerst selten mit Elementen, die gewissermaßen die DNA der Reihe ausmachen, und gleitet insofern auch erst spät in deutlich verstörendere und verwirrendere Gefilde ab. Scott Derrickson, den man heutzutage im Horrorbereich durchaus als Namen im Kopf präsent hat, inszenierte seinen damals erst zweiten Spielfilm durchaus gekonnt. Auffällig sind in erster Linie die intensiven Farbfilter, die die Traum- und Fantasiewelten, in die der Detective zu rutschen scheint, deutlich von der Realität abheben. Allerdings ist "Hellraiser: Inferno" aufgrund seines geringen Budgets wirklich keine Augenweide. Die Settings vermitteln stark den Eindruck eines TV-Films und erinnern entfernt auch an die heutzutage doch gut produzierten Crime-Serien, die zuhauf auf verschiedenen Sendern ausgestrahlt werden. Tatsächlich war "Hellraiser: Inferno" der erste 'Direct-To-Video'-Ableger nach dem vom Produktionsteam versaubeutelten Vorgänger "Hellraiser: Bloodline".

Letztendlich ist "Hellraiser: Inferno" schlichtweg zu wenig "Hellraiser". Näher am Film ist man mit der Denkweise, dass hier ein Film mit Hellraiser-DNA umgeschrieben wurde. Was den Film trotz alledem in einem adäquaten Mittelmaß hält, sind die verhandelten Themen um Schuld und Sühne und verdrängte Traumata. Selbsterkenntnis wird zum obersten Gebot und, wie für die Reihe üblich, ist dies ein äußerst schmerzhafter Vorgang. Auch wenn die Zenobiten doch arg wenig Auftritte haben, so sind sie doch in ihrer Bedeutung nah am Original. Sie sind Richter aus der Hölle, bereit ihrer Rolle als exekutiver Arm auszuüben. Das Wenige, was dem Zuschauer von "Hellraiser" geboten wird, ist doch recht gut durchdachte Kost. Mit ein wenig Geduld für zähe Ermittlungen im Mittelteil ist das Finale eine ordentlich befriedigende Angelegenheit. Ob es dazu alle diese Twists gebraucht hätte,  wer weiß das schon? Ein Film jedenfalls sollte eben nie intelligenter scheinen wollen, als er tatsächlich ist.

5/10

Von KINOWELT erschien der Film Uncut und Unrated in HD im "2-Disc Limited Uncut Edition" Mediabook. Die "Black Edition" ist sufgrund der Limitierung von 1.000 Stück schon seit langer Zeit ausverkauft.