Freitag, 20. Oktober 2017

Addams Family Values - Die Addams Family in verrückter Tradition (1993)

http://www.imdb.com/title/tt0106220/

Onkel Fester (Christopher Lloyd) verguckt sich in das neue Kindermädchen Debbie (Joan Cusack), das vorgibt, mit der ungewöhnlichen Familie zurechtzukommen, aber ein dunkles Geheimnis birgt. Sie plant, Fester zu heiraten und nach der Hochzeit zu töten, um die Versicherungsprämie zu kassieren. Da Wednesday (Christina Ricci), eines der Kinder aus der Addams-Family, Debbies schändlichen Plan durchschaut hat, sorgt das pfiffige Kindermädchen dafür, dass Wednesday in ein Sommercamp abgeschoben wird. Aber die Möglichkeit, ungestört Onkel Festers Tod herbeizuführen, nützt Debbie wenig, weil gängige Methoden völlig wirkungslos bleiben und bei den Mitgliedern der Addams-Fmily nur zur Erheiterung beitragen...

"Die Addams Family in verrückter Tradition", die Fortsetzung zur 1991er Serien-Adaption "Die Addams Family", hat etws inne, was nicht viele Fortsetzungen von sich behaupten können: sie ist gleichauf mit dem schon großartigen ersten Teil. Die Sprüche sind sogar fieser und pointierter, die Szenen makaberer und die Story ist unterhaltsam. Ausgereift und perfekt, weiß "Die Addams Family in verrückter Tradition" durchgehend zu unterhalten und einem ständig ein fieses Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

Szenen wie das ständige Umbringen-Wollen des Babys oder das "Casting" der Babysitterinnen sind nur der Auftakt. Mit dem Auftauchen von Joan Cusack gehts erst richtig los. Die spielt die fiese Babysitterin und mörderische Schwarze Witwe so durchtrieben, hassenswert und durchgedreht, dass es eine wahre Freude ist. Fester kann einem schon leid tun, obwohl gerade seine ständigen Überlebenskünsten einen oft zum Lachen bringen. Lloyd und Cusack sind ein "Traumpaar" und spielen Huston und Julia, ja in Teil 1 noch die uneingeschränkten Hauptfiguren, problemlos an die Wand und degradieren sie zu beinahe Nebenfiguren.

Aber der eigentliche Star ist diesmal ohne Wenn und Aber Christina Ricci. Tochter Wednesday im ach so fröhlichen Sommercamp ist einfach in jeder Sekunde komisch, und diese merkwürdige Mädchen in Schwarz bringt einen bösen Spruch nach dem anderen und ist durch ihre Gesichtsblässe und Kaltschnäuzigkeit einfach nur gespenstisch. Das Highlight: Wednesday versucht sich, anzupassen, und zwingt sich unter enormen körperlichen Anstrengungen ein Lächeln aufs Gesicht. Grandios! Dazu kommen dann noch u.a. das mörderische Thanksgiving-Schauspiel oder das Foltern der unanständigen Kinder, denen Fröhlichkeit mit Hilfe von Disney-Videos aufgezwungen wird. Verrückte Ideen im Minutentakt sorgen somit für Unterhaltung pur. Von Vetter It will man da erst gar nicht anfangen. Genial.

8/10

Monster Trucks (2016)

http://www.imdb.com/title/tt3095734/

Nichts wie weg aus seiner Heimatstadt in North Dakota und dem damit verbundenen Leben, das ist der Traum, den Highschool-Schüler Tripp (Lucas Till) lieber früher als später in die Tat umsetzen würde. Früh machte sich sein Vater aus dem Staub, weshalb er ohne ihn aufgewachsen ist und das Verschwinden des Papas nie ganz überwunden hat. Wohl auch deshalb gerät er häufiger mal in Schwierigkeiten. Um aber endlich aus der Stadt verschwinden zu können, braucht er ein Auto, doch sein aus Einzelteilen selbstgebauter Truck fährt nicht mehr. Nach einer Reihe von mysteriösen Unfällen trifft Tripp eines Tages auf ein merkwürdiges, aber harmloses Monster, das eine Vorliebe für hohe Geschwindigkeiten und Benzin hat und gern den Motor in Tripps Truck ersetzt – das Ticket, um die Stadt zu verlassen. Doch Tripps neuer Freund hat auch Feinde und er muss ihn gemeinsam mit seinen Freunden Meredith (Jane Levy) und Sam (Tucker Albrizzi) beschützen...

Die Grundidee ist so absurd, kindlich naiv und lachhaft, das es bei vielen wohl das Kind im Manne hervor holt. Bei dem anspruchslosen Außenseiterabenteuer darf man sich schon fragen, an welche Zielgruppe es eigentlich gerichtet ist. Immerhin geht es hier um ein graufarbenes , tentakeliges CGI-Monster, das sich von Öl ernährt, sich auf einem Schrottplatz mit einem Teenie anfreundet und sich dann in einen Truck versteckt, weil bewusstes Monster natürlich auch gejagt wird. Nebenbei macht das schleimige Tentakelmonster den schrottreifen Truck wieder fahrtüchtig und fungiert als Motor, was zu ganz unglaublichen Vefolgungsjagden führt. Aber Filme wie diesen braucht es. Und zwar sehr, allerdings nur in einem bestimmten Alter. Dies ist so ein Titel, den man als Grundschüler problem- und gefahrlos sehen kann und vermutlich unwahrscheinlich cool findet: Aliens die in Autos kriechen, jugendliche Helden die mit aufgemotzten Karren dann durch die Gegend brettern und eben jede Menge gewaltfreier Action. Dabei sei gesagt daß die technische Umsetzung solide ist, der Held liebenswert und die Aliens zwar Zahnbewehrt und schleimig, aber auch unglaublich niedlich und knuddelig; ebenso daß Jane Levy im Film ist was auch immer einen Pluspunkt darstellt. Am Ende ein putziges Filmchen mit - eben Monstern und Trucks. Dass es bei genauerer Betrachtung das ein oder andere Logikloch gibt und alles doch recht spannungsarm vonstatten geht: geschenkt.  "Monster Trucks" ist eben ein Kinderfilm aber auch für junggebliebene und nicht verbohrte Erwachsene durchaus einen Blick wert.

6,5/10

Divergent - Die Bestimmung: Divergent (2014)

http://www.imdb.com/title/tt1840309/

Das Chicago der Zukunft ist abgeschnitten von der Außenwelt und die Menschen werden entsprechend ihrer Eigenschaften in fünf unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Sie heißen Ferox (die Furchtlosen), Altruan (die Selbstlosen), Cadnor (die Freimütigen), Ken (die Gelehrten) und Amite (die Friedfertigen). Wenn die jugendlichen Bewohner 16 Jahre alt werden, bekommen sie die einmalige Möglichkeit, ihre Fraktion zu wechseln. Beatrice Prior (Shailene Woodley) ist in der Altruan-Fraktion aufgewachsen, war aber nie ganz zufrieden damit. Bei ihrem Eignungstest erhält sie allerdings ein außergewöhnliches Ergebnis: Mit ihren Charaktereigenschaften passt sie zu drei Fraktionen – damit ist sie eine „Unbestimmte“. Die gelten als gefährlich für den gesellschaftlichen Frieden und werden deshalb unter dem Kommando der skrupellosen Jeanine Matthews (Kate Winslet) gejagt. Beatrice muss fortan ihre wahre Identität verbergen und sich für eine Fraktion entscheiden. Während Beatrice ihrem Trainingsleiter Four (Theo James) immer näher kommt, macht Konkurrent Peter (Miles Teller) der jungen Frau das Leben zur Hölle...

Ähnlich wie die "Tribute von Panem" bewegt sich auch "Die Bestimmung: Divergent" als Jugendroman-Verfilmung mit negativer Utopie-Attitüde in etwa gleichen Gefidlen. Diese Filme haben ja zur Zeit Hochkonjunktur. Alle wollen vom "Panem"-Kuchen ein Stück abhaben. So ist der überlange Action-Sci-Fi-Blockbuster "Die Bestimmung" nur ein weiteres Zielgruppen-Vehikel, das sein jugendliches Publikum dort abholen möchte wo es angeblich steht, mit ihren Sehnsüchten, Unsicherheiten und Lebenswirklichkeiten.


Die Grundidee, die zugegebenermaßen durchaus Parallelen zu vorgenanntem Film aufzuweisen hat, weiß prinzipiell erst einmal zu überzeugen. So wird in der ersten halben Stunde auch auf eine dichte Atmosphäre gesetzt, die ein Ambiente schafft, dass den Zuschauer gespannt bei der Sache werden lässt. Das Ganze wird dann noch von einer großartigen Besetzung gekrönt, vor allem Shailene Woodley und Miles Teller überzeugen. Kate Winslet fühlt sich ein wenig unterfordert an, gern hätte man von ihr mehr gesehen. Doch nach der ersten halben Stunde schwächt die Story aber deutlich ab. So kann der Plot nicht mehr so recht überzeugen, bzw. wird ein wenig monoton und auch die Inszenierung wirkt streckenweise mehr und mehr fahrlässiger.


So löst sich die Anfangs so dichte Atmosphäre nahezu in Luft auf und auch der Soundtrack ebbt in stoische Klangwelten ab, die vielleicht anfangs noch gut einleiten, gegen Ende hin aber auch mehr und mehr gewöhnlich klingen und die Szenerie geradezu beiläufig untermalen. Das ist eigentlich nicht schlecht, aber hier fällt es besonders negativ auf. Im Sinne von "gewollt und nicht gekonnt". So werden verschiedene Remixe von aktuellen Chart-Hits verwendet, was leider ziemlich einfallslos wirkt.

Zudem bekommen viele Charaktere auch nicht genügend Raum, um sich zu entwickeln. Dadurch verliert man sie schnell aus dem Sinn und kann hat kaum einen Protagonisten, mit dem man sich identifizieren kann. Durch diese wenigen, jedoch grundlegenden, Schwächen wirkt besonders die zweite Hälfte des Filmes relativ langatmig. Zusammenfassend weist "Divergent" durchaus gute und sogar recht spannende Ansätze auf, kann diese jedoch nicht weiter ausbauen. Ebenso ist es mit dem romantischen Unterton, der den Film umhaucht, so stimmt zwar die Chemie zwischen Woodley und James, sie wird jedoch nicht weiter vertieft, sondern bleibt stets oberflächlich. Unterm Strich kann man nur bedingt eine Empfehlung für "Divergent" aussprechen. Er hat durchaus seine Momente und gerade das erste Viertel ist sehr stark. Schade, dass das Ganze dann ein wenig im Sande verläuft, so dass am Ende kein vollends gelungener Eindruck zurückbleibt.

6/10

Donnie Brasco (1997)

http://www.imdb.com/title/tt0119008/

FBI-Spitzenmann Joe Pistone (Johnny Depp) schleust sich als Undercover-Agent Donnie Brasco in die Mafia ein. Vier Jahre liefert er - völlig auf sich und seine Fähigkeiten angewiesen und unter ständiger Lebensgefahr - dem FBI wichtige Informationen über den Gangster-Clan, um die Bande für immer zu zerschlagen. Immer tiefer und tiefer gerät Donnie in den Sog der Kriminalität. Schließlich wird er zur rechten Hand des berüchtigten Mafioso Lefty Ruggiero (Al Pacino), dessen Vertrauen und Freundschaft er gewinnen kann. Als den Gangstern klar wird, dass in ihren Reihen ein Verräter sitzt, bleibt Donnie Brasco nur noch eine Chance. Auf der Flucht vor den skrupellosen Killern der Mafia muss er Lefty dem FBI ans Messer liefern, bevor es ihm selber an den Kragen geht...

"Donnie Brasco" ist in einfachen Worten ausgedrückt eine mehr als gelungene Mafia-Milieustudie. Zumal der Streifen nicht die in Saus und Braus lebenden Clanbosse zeigt, sondern sich auf die in prekären wirtschaftlichen Verhältnissen lebenden Kleinganoven fokussiert. Die dazu passende, leicht angegrindelte Sechziger-Jahre-Optik tut ihr übriges und schafft einen stimmigen und mit guter Atmosphäre gefällig inszenierten Mafiathriller. Dabei sind echte Spannungspunkte eher dünn gesät, die ruhige Grundstimmung punktet mehr mit einer latent interessanten Thematik. Inszenatorisch weitestgehend sachlich bis unspektakulär mutet Donnie Brasco somit wie eine nüchterne, faktentreue Wiedergabe der realen Ereignisse an. Ganz so ist es nicht, denn Mike Newell fokussiert sich eindeutig auf die Beziehung seiner beiden Hauptfiguren und das massive Identitäts- und Loyalitätsdilemma welches damit einhergeht. Allein deswegen war die Überlänge absolut nötig, dadurch konnten die Hintergründe und die Charaktere gut ausgeleuchtet werden, was dem Streifen viel an Tiefgründigkeit beschert.

Interessant vor allem die Figur des Lefty (Al Pacino), einem Verlierer innerhalb des Verbrecherclans, ein kleines Rädchen im Getriebe, das durch seine Ungeschicklichkeit immer ein solches bleiben wird. Im beruflichen Umfeld kommen einem solche Typen immer wieder mal unter, kleine Schreibtischtäter, die – wie man so schön sagt - eine große Zukunft hinter sich haben. Lefty erkennt und versteht die Mechanismen der Organisation, kann diese für sich aber nicht vollends ausschöpfen. Anders als Joe/Donnie (Johnny Depp), der die Gunst der Bosse rasch zu erringen weiß und eine entsprechende 'Karriere' beginnt. Bei diesem ist vor allem die charakterliche Wandlung von Joe zu Donnie von Interesse, macht er sich den Mafia-Habitus mehr und mehr zu eigen (bzw. muss es machen), entfremdet sich damit von seiner Frau und seiner Familie und nähert sich zunehmend der Clan-Familie an. Das erklärt sich natürlich mit der Gefahr, in der Joe und seine Familie schweben, ist aber auch aus jenem Aspekt interessant, dass ein Mensch ja auch immer das Produkt seiner Umwelt ist. Anpassung, das sogenannte Hineinwachsen in ein Umfeld, eine Firma, eine Clique. Joe droht sich in dieser Rolle zu verlieren, das FBI zieht die Reißleine jedoch rechtzeitig. Bei der Ehrung seiner Verdienste meint der aufmerksame Zuschauer, sogar etwas Wehmut über den Verlust seiner ihm während der Operation ans Herz gewachsenen Verbrecher-Freunde zu erkennen.

Vom erfahrenen Cast bekommt man in "Donnie Brasco" durch die Bank weg Qualität geboten, die zum Großteil bekannten Darsteller machten ihre Sache sehr gut. Al Pacino und Johnny Depp ein kongeniales Duo, stellte die Befindlichkeiten ihrer Charaktere und die Beziehung ihrer Figuren zueinander gut dar. Vor allem Pacino passte die Rolle wie die Faust aufs Auge. Michael Madsen tat, was er am Besten konnte, den unterschwelligen Psychopathen mit latent vorhandenem Aggressionspotential kann er wie kein zweiter. Anne Heche als zunehmend verzweifelte Ehefrau spielt ebenfalls sehr glaubwürdig. Alle anderen schwanken von solide bis gut. Obwohl der Film mit den erlösenden Worten "Komm Joe, wir gehen nach Hause" die Story um Joe Pistone versöhnlich abschließt, die finale, die wichtige Szene spielt sich eigentlich vorher ab. Lefty, der mit all seinem erlernten Anstand nicht mit dem Schicksal hadert, sondern es wie ein echter Wise Guy hinnimmt. Wie ein Mann von Ehre. Seine spärlichen Wertsachen ablegt, sich von seiner Lebensgefährtin beruhigend, unaufgeregt verabschiedet und einfach kurz nochmal weg muss. Ein würdevoller Abgang.

"Donnie Brasco" ist lange nicht so atmosphärisch wie "GoodFellas" oder die "Godfather"-Trilogie und sicher auch nicht derart fantastisch inszeniert. Dennoch schafft es der Film, abgesehen von wenigen Längen, den Zuschauer zu fesseln. Der Start ist mitunter etwas holprig, aber gegen Ende hin gleicht der Streifen dies aus. Vor allem die Bindung zwischen Pacino und Depp, die ihre Rollen großartig spielen, ist eines der Kernelemente dieses großartigen Mafiastreifens und geht vor allem zum Schluss wahnsinnig unter die Haut. "Donnie Brasco" hat zwar seine Schwächen, aber verstecken muss er sich auch nicht, zumal der Film auf wahren Begebenheiten basiert und passend realistisch umgesetzt wurde, sowohl thematisch wie auch im engeren Sinn. Für Genrefreunde und Filmliebhaber eine absolute Empfehlung.

8,5/10

Von TURBINE Medien kommt der Film als Erstauflage im auf 1.000 Stück limitierten Mediabook und weltweit erstmalig mit der Kino- und Langfassung auf BD in HighDefintion.


Donnerstag, 19. Oktober 2017

Twins - Twins: Zwillinge (1988)

http://www.imdb.com/title/tt0096320/

Die Zwillinge Julius (Arnold Schwarzenegger) und Benedict (Danny DeVito) das Ergebnis eines genetischen Experiments, bei dem der Versuch unternommen wurde, das perfekte Kind zu zeugen. So ist Julius nicht nur mit überdurchschnittlicher Intelligenz gesegnet, sondern besitzt auch noch eine erstaunliche Physis, wohingegen sein Bruder - ein versehntliches Nebenprodukt des Experimentes - zu einem untersetzten Kleinkriminellen geworden ist. Da es sich um ein geheimes Experiment handelte, wurden die Brüder nicht von der Existenz des jeweils anderen unterrichtet. Als Julius nach Jahren erfährt, dass er einen Zwillingsbruder hat, macht er sich sofort auf nach Los Angeles, um seinen Bruder zu suchen...

"Twins" ist ein zeitloser Feel-Good Movie aus der 80er Jahren. Arnold Schwarzenegger und Danny DeVito sind Zwillinge, welche "nur ihre Mutter auseinander halten kann". Allein schon mit dieser Tagline ist klar, wohin die Reise geht. Regisseur Ivan Reitman, der sich für viele ähnlich gelagerte Komödien verantwortlich zeichnete, macht auch hier nach altbewährtem Rezept weiter: leichtfüßig, unbeschwert und mit einer gesunden Mischung aus Humor und Action bringt er mit Schwarzenegger und DeVito, die später in der Komödie "Junior" erneut zusammen arbeiteten, ein gutes Team auf die Leinwand. Passt nicht? Passt doch! Die zwei haben Charme und verzaubern mit ihren Gags ihr Publikum. Schwarzenegger beweist mit "Twins", dass er mehr als nur eine menschliche Maschine und sogar ein halbwegs guter Comedy-Actor ist. Er und DeVito sind irgendwie das perfekte Leinwand-Paar. "Twins" bietet aber leider nur eine recht durchschnittliche Story mit etwas Klamauk rundherum. Im Kino damals ein Riesenhit, hat der Film über die Jahre doch etwas Staub angesetzt und wird die heutige Jugend nur schwerlich erreichen. Dennoch ist er für die Generation Achtzig irgendwie ein kleiner Klassiker. Nett anzusehen und unterhaltsam.

6/10

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Tschick (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4911940/

Eigentlich kann sich der 14-jährige Maik Klingenberg (Tristan Göbel) nicht beschweren, denn dank seiner wohlhabenden Eltern verbringt er seine Tage in eine schicken Haus mit Swimmingpool. Nur leider droht ihm für die großen Ferien auch die große Langeweile, denn seine Mutter steckt in einer Entzugsklinik und sein Vater muss auf „Geschäftsreise“ mit seiner Assistentin. Doch dann kreuzt Tschick (Anand Batbileg) auf - und der Sommer scheint gerettet. Denn Tschick, der aus dem tiefsten Russland stammt und in einem der Hochhäuser in Berlin-Marzahn lebt, hat einen Kleinwagen geklaut. Prompt brechen die zwei Freunde ohne Karte, Kompass und Ziel auf und machen gemeinsam die ostdeutsche Provinz unsicher...

Man hätte kaum einen passenderen Regisseur als Fatih Akin für die Verfilmung des gleichnamigen Romans "Tschick" von Wolfgang Herrndorf aus dem Jahr 2010 wählen können. Der gebürtige Hamburger ist ein Meister in kantigem deutschem Kino und schafft meistens die Gratwanderung zwischen gespielter Coolness und kindischem Klamauk. "Soul Kitchen" war 2009 ein leuchtendes Beispiel dafür, dass auch Deutschland schwarzen Humor beherrscht und dabei sogar gelegentlich in die Weiten des Slacker-Films abdriftet. Genau dieser liebevolle Hang zur Anarchie wohnt auch "Tschick" inne. Akin zeigt seine Charaktere mit Fehlern aber ohne diese dafür bloßzustellen. Viele eher ist Maiks Dasein als Außenseiter ein notwendiger Schritt in sein erwachsenes Leben. In seinen besten Momenten zeigt "Tschick" eine ungemeine Liebe zu jugendlicher Naivität und unreflektiertem Tatendrang und macht aus ihm einen durch und durch sympathischen Film, den man aufgrund seiner knuffigen (und doch unheimlich ehrlichen) Art einfach nur ins Herz schließen kann.

Der Freak und der Assi lassen die zwangbehaftete Normalität hinter sich und suchen das Abenteuer - an dem folgenden Roadtrip ist zwar auf den ersten Blick nichts besonders, das Märchen von "diesem einen perfekten Sommer in der Jugend" hat jeder Zuschauer bereits x-mal gesehen, und doch reißt "Tschick" im seiner frechen Leichtigkeit unheimlich mit. Weil er Herz hat, die richtigen Aussagen zum Jungsein trifft und sich mit Inbrunst für Individualität und ein Ausbrechen aus der öden Norm stark macht. Mit angenehm verschrobenen Figuren gesegnet, in seinen vielen kleinen Momenten herrlich charmant und mit augenzwinkerndem Blick auf Gesellschaft und Co. bewaffnet, macht diese Reise im Lader ebenso viel Spaß, wie sie im Kern sehr wahres über das Aufwachsen trägt.

Man könnte "Tschick" vorwerfen ähnlich wie Oskar Roehlers Filme zu sein. Komplett auf hip gebürstet, ohne über eine inhaltliche Rechtfertigung nachzudenken. In diese Richtung macht auch "Tschick" ganz klar Fehler, jedoch ohne komplett darin zu versinken. Man merkt Akins Film an, dass er gerne Seite an Seite mit "Trainspotting" und ähnlichen Generationenportraits stehen möchte. Maiks Off-Kommentar ist in seiner zynischen Abgebrühtheit damit auch eher ein Störfaktor als wirklich ein großes Plus für den Film. Immer wieder Gerät der Film damit in eine unangenehme Grauzone, in der auch mal Fremdschämen angesagt ist. Letzteres ist tatsächlich ein Faktor, der einem Film locker mal das Genick brechen kann. Oftmals, gerade gegen Anfang, drohten gerade längere Szenen mit Maik auch in diese Ecke abzurutschen, bis dann Tschick auftritt. Jungschauspieler Anand Batbileg ist derart gut gecastet, dass man - auch ohne den Roman zu kennen - ihm die Rolle zu Einhundert Prozent abkauft. Er wirkt, als hätte man den Charakter direkt von den Seiten in die Realität übertragen. Batbileg bringt den hochsympathischen Grundtenor von Tschick haargenau auf die Leinwand. Letztendlich entspringen den vielen Momenten mit Tschick auch Akins größte Stärken.

Wenn Isa, Maik und Tschick im See baden gehen, Maik langsam seine Sexualität entdeckt und Isa mit einer schmutzigen Kiste nach Prag fährt, entwickelt "Tschick" eine Energie und Schamlosigkeit, die man lange nicht mehr in deutschen Jugendfilmen bewundern durfte. Klar, immer wieder ist das Schauspiel etwas ungelenk und immer wieder wirkt der Film in seiner Dramaturgie zu abgekürzt, dennoch hat "Tschick" das Herz am rechten Fleck und trifft genau da, wo man es erwarten würde: mitten ins Herz. "Tschick" ist ein kleiner, rotzfrecher Film, der sich gerne auch mal "Jugendfilm" nennen darf. Klasse!

8/10

Dienstag, 17. Oktober 2017

Piedone Lo Sbirro - The Knock Out Cop - Sie nannten ihn Plattfuss (1973)

http://www.imdb.com/title/tt0070534/

In Neapel schiebt der bullige Kommissar Rizzo, genannt "Plattfuß", seit zwanzig Jahren Dienst im Kampf gegen Mord, Erpressung, Raub, Prostitution und Rauschgifthandel. Im Alleingang und unter Einsatz seiner mächtigen Fäuste macht er so manchem Gangster das Leben schwer. Als er erfährt, dass ein Rauschgiftring in Neapel eine neue Operationsbasis aufbauen will, wird er von seinem neuen Vorgesetzten vom Dienst suspendiert. Kann es sein, dass dieser korrupt ist? Plattfuß nimmt die Ermittlung in die eigene Hand...

Der Auftakt des "Plattfuss"-Franchise, dem in den Siebzigern noch weitere drei Filme folgen sollten. Gerade, wenn man das nach einer der starken Spencer/Hill-Komödien gesehen hat, bekommt man das Gefühl, dass Bud Spencer trotz seiner Körperfülle nur eine halbe Portion ist. Es fehlt schlicht die Kongenialität des Erfolgsduos. Der Plot versucht eine halbwegs ernst dargestellte Kriminalgeschichte um Rauschgifthandel mit Spencer-Prügelklamauk und seinen grummeligen Sprüchen zu kombinieren. Leider zündet das nur selten - die Albernheiten und bestenfalls sporadischen Lacher geben kaum das Gefühl eines gelungenen komödienhaften Elements, auch wenn ein gewisser Charme vorhanden ist. Die Kriminalstory um Bud Spencer alias sperriger Kommissar Rizzo bietet zwar etwas Unterhaltung, übersteigt aber kaum "Tatort"-Niveau.

Aber zugute halten muss man dem Auftakt der "Plattfuss"-Reihe, dass der Film noch ein wenig ernster und seriöser daherkommt, natürlich wird auch nicht rücksichtslos gemordet und im Übermaß gemeuchelt (wie man es bei der Mafia-Thematik erwarten könnte) sondern es bleibt durch die Bank weg Familienfreundlich. Letztlich bleibt mit "Sie nannten ihn Plattfuss" ein unterhaltsamer Krimi mit legendärem Hauptdarsteller und ein netter Einblick in das Neapel der 70er. Alles ist schmuddelig, klein, jenseits jeglicher Entwicklung oder Erneuerung aber genauso heimelig und sympathisch.

7/10

Nerve (2016)

http://www.imdb.com/title/tt3531824/

Im Internet macht ein neues, illegales Spiel namens "Nerve" die Runde, bei dem die Teilnehmer riskante Herausforderungen meistern müssen, während die Welt ihnen dabei zuschaut. Nirgendwo scheint es noch ein anderes Gesprächsthema zu geben und auch die schüchterne Vee (Emma Roberts) bekommt davon Wind. Damit sie endlich mal im Mittelpunkt des Geschehens stehen kann, so wie ihre Freundin Sydney (Emily Meade), meldet sie sich als Spielerin an. Ihrer Mutter (Juliette Lewis) passt gar nicht, was die Tochter da vorhat – und wie zur Bestätigung der mütterlichen Sorgen hat Vee gleich zu Beginn von Nerve die Aufgabe, einen fremden Typen zu küssen. Spontan drückt sie Ian (Dave Franco) ihre Lippen auf den Mund. Von da an versuchen die beiden, die immer gefährlicheren Etappen zu meistern und werden dabei zur Internetsensation. Doch als Vee und Ian aus dem Spiel aussteigen wollen, merken sie, dass es dafür längst zu spät ist...

Genau wie die sich stellenden Frage "Bist du "Watcher" oder "Player"?" kann man auch als Zuschauer hin- und hergerissen sein. Aber vielleicht ist dies alles gar nicht so zwiespältig und wir sind alle einfach nur Gefangene, eingesperrt in der Trivialität und schuldig wegen unseres dummen Herdentier-Verhaltens? Der Film "Nerve" will eine warnende Geschichte über narzisstische Auswüchse und hemmungslose Gier nach Anerkennung durch die soziale Medien sein. "Nerve" ist aber leider nicht bereit, konsequent in die abartigen Tiefen des Themas einzutauchen. Er setzt einmal zu oft auf Oberflächlichkeit, auf den angenehmen Reiz, und negiert letztlich damit die Botschaft des Films, weil er von seinen Plattitüden selbst zu sehr fasziniert ist.


"Nerve" wirkt wie ein kultur-pessimistisches Comic, das das Internet als eine Art Gladiatoren-Arena aus Voyeurismus und Mutproben darstellt, in dem Smartphone-besessene Teenager herumlungern. Mit seiner durchaus mitreißenden Geschichte, seinem energischen, elektrisierenden, aber zu poppigen Soundtrack und seinen schicken Produktionswerten holt er unruhige Zuschauer da ab wo sie nicht stillstehen können. Sein zeitgenössisches Thema, mediale Sensationslust zwischen Internet-Technologie und Menschlichkeit, ist eigentlich eine originelle Idee. Er erzählt seine Story aufregend, irgendwie naiv-süß und voller Wendungen. Selbst die dunklen Seiten wirken bunt und werden mit dem Aussage-Holzhammer am Ende dem Zuschauer eingeprügelt. Mit hippen Visualisierungen von Chat-Verläufen aus Handy-/Kameraperspektive, quasi "hinter dem Display" und angesagter 80er Jahre Optik wird der überwältigende, soghafte Reiz medialer Selbstdarstellung reizvoll eingefangen und mit einer Teenager-Romanze (Mauerblümchen trifft coolen Jungen) zielgruppenorientiert aufgefangen. Die Behauptung, dass anonyme Sensationsgier "böse" ist geht aber im Rausch der Flüchtigkeit verloren. Das konstruierte Finale hat bei weitem nicht den Tiefgang oder den bitter nötigen Wumms nach dem es schreit und verlässt sich lieber auf die Wohlfühlzone. 


"Nerve" ist in seinem dystopischen Ansatz ebenso erfrischend wie frustrierend unbesonnen. Wie seine Charaktere sind Style und Tempo wichtiger als Nachhaltigkeit. Das Drehbuch ist holprig, schlampig und ziemlich naiv. Trotzdem macht dieser Neon-gesättigte Coming of age - Traum mit seinen digitalen Herzen "Spaß". Die Darstellerleistungen sind dabei eher mittelmässig, das passt aber eigentlich recht gut in dieses Konzept. Russisch Roulette im Social-Media-Style. Kann man riskieren.

6,5/10

Alien Nation - Alien Nation: Spacecop L.A. 1991 (1988)

http://www.imdb.com/title/tt0094631/

Nachdem ein Raumschiff mit Außerirdischen auf der Erde gestrandet ist, müssen die Neuankömmlinge lernen, sich in der Welt der Menschen zurechtzufinden. Die Außerirdischen wurden als Sklaven gezüchtet, aber die Menschheit pflegt diese Spielart der Unterdrückung nicht mehr. Deswegen gehen die Außerirdischen gewöhnlichen Jobs nach. Sam Francisco (Mandy Patinkin), einer von ihnen, arbeitet als Polizist. Er soll der neue Partner von Detective Sergeant Matthew Sykes (James Caan) werden, der seinen vormaligen Kollegen ausgerechnet durch ein paar Außerirdische verloren hat, die als Kriminelle ihr Dasein fristen. Natürlich hat Sykes zunächst Bedenken, mit Francisco zusammenzuarbeiten, aber dann kommt ihm der Gedanke, dass ein außerirdischer Polizist an seiner Seite ideal wäre, um in deren Milieu ermitteln zu können. Denn der Schlüssel zur Aufklärung des Mordes an seinem Ex-Partner liegt bei William Harcourt (Terence Stamp), dem Paten der außerirdischen Gangster...

Buddy-Movies lagen Ende der 80er Jahre hoch im Kurs. So verwundert es auch nicht, dass man sich in Hollywood an eine Kombination aus Actionkino und Sci-Fi-Kino heranwagte. Hauptprotagonisten in diesem flott inszenierten Sci-Fi-Actionfilm sind ein menschlicher und außerirdischer Cop, die nach dem typischen Buddy-Movie-Prinzip erst mal zusammenwachsen müssen, um dann gemeinsam den Fall zu klären. Das ist alles ist natürlich mit Action, Spannung und coolen Sprüchen verbunden, die zwar nie die Klasse eines "Lethal Weapon"-Teils erreichen, aber trotzdem bestens unterhalten.

Außerirdische, die auf der Erde ein neues Leben beginnen und denen mit rassistischen Ressentiments begegnet wird - das klingt auch verdächtig nach  dem wesentlich später erschienenen "District 9". Es ist aber die Grundstory von "Alien Nation", die ansonsten jedoch in keinster Art und Weise etwas mit der von "District 9" zu tun hat. Vielmehr ist "Alien Nation" ein ordentlicher Krimi, der sich von anderen Genrevertretern zuerst einmal nur dadurch abhebt, dass Aliens vorkommen. Die können natürlich auch stellvertretend für andere, weltliche Kulturen stehen. Aber Puerto-Ricaner, Mexikaner oder Russen sind nun mal nicht so cool wie extraterrestrische Einwanderer. Zudem kann man Aliens allerhand Fähigkeiten oder Eigenarten andichten, die auf Menschen befremdlich wirken. Das kommt einfach gut. Genauso gut ist die Maske. Da wurde mit viel Liebe gearbeitet, sie wirkt, soweit möglich, authentisch. Das würde selbstredend nicht viel nützen, wenn die Schauspieler Krampen wären. Aber Mandy Patinkin hat auch mit kiloweise Make-Up noch mehr drauf als manch hochgejubelter Star von heute, und James Caan ist einfach nur saucool in diesem SciFi-Krimi. Das alles in Kombination hebt die eher leichte Kost doch deutlich von halbwegs ähnlichen gelagerten Filmen ab und macht aus "Alien Nation" einen ordentlichen und vor allem unterhaltsamen Action-Krimi.

7/10

Von NSM Records kommt der Film hierzulande ungeschnitten und in HD im auf 333 Stück limitierten Mediabook:

アウトレイジ - Autoreiji - Outrage (2010)

http://www.imdb.com/title/tt1462667/

Tokios Unterwelt wird von zwei konkurrierenden Klans der Yakuza regiert, die sich permanenten Machtkämpfen unterziehen. Erlaubt sind alle Mittel. Heimliche Abkommen, gebrochene Schwüre oder blutige Rachezüge stehen auf der Tagesordnung. Als Sekiuchi (Soichiro Kitamura), Anführer des Sanmo-Kai-Klans vom misslungenen Auftrag seines Handlangers Ikemoto (Jun Kunimura) erfährt, zweifelt er an dessen Gangster-Fähigkeiten. Das kann der in seinem Stolz verletzte Ikemoto nicht einfach so auf sich sitzen lassen. Um Sekiuchi wieder auf seine Seite zu ziehen, entsendet er Otomo (Takeshi Kitano), seinen Mann fürs Grobe, um beim rivalisierenden Murase-Klan eine gehörige Portion Stunk zu verbreiten. Folglich lockt Otomo die gegenerischen Kriminellen in fiese Fallen, schreckt auch vor direkten Angriffen auf höhere Tiere nicht zurück und zettelt somit einen chaotischen Krieg an.

Das hier ist das Yakuza Milieu. Da, wo man sich den kleinen Finger abschneidet, wenn man sich für etwas entschuldigt. Regisseur Takeshi Kitano setzt hier wie im Titel angekündigt ausschließlich nur auf brutale Gewalt und Gräueltaten der übelsten Art. Lediglich beim optischen drapieren von Erschossenen schimmert mal kurz seine Ästhetik aus der "Hana-Bi"/"Feuerblume" durch. Verschiedene Clans bekämpfen sich wegen der Einnahmen aus Drogen und Prostitution, sowie aus dem Glücksspiel. Der Zuschauer sieht eine reine Männerwelt ohne familiären Hintergrund, in der sich die Machos durch Hahnenkämpfe gegenseitig eliminieren. Dabei geht es immer nur ums 'Gesicht verlieren' oder 'eine Lektion erteilen' und die Wortwahl ist mehr als farbig. Auf Nebenkriegsschauplätzen wird mit der Polizei verhandelt und sogar ein Botschafter wird nolens-volens mit hineingezogen. Die Männer leben in einem rechtsfreien Raum, in dem das Faustrecht gilt.

Fragmentarisch zerreißt Takeshi Kitano seine kinematographischen Wurzeln in blutbeschmierte Einzelteile und serviert seinem Publikum genau das, was es in dieser nihilistischen Rohheit nicht von ihm erwartet hätte. In "Outrage" gibt es keine ikonisierte Männerromantik innerhalb der Yakuza und Wert auf Milieuschwärmereien wird hier ebenso wenig gelegt. Vielmehr konfrontiert er das organisierte Verbrechen mit der bittereren Aggressivität der groben Realität und evoziert dadurch eine gefühllose Drastik, die sich in ihrer nüchternen Entmenschlichung wirklich gewaschen hat. Dabei sind die Figuren bloße Abziehbildchen, die einzig und allein am Aufstieg innerhalb der Mafiahierarchie respektive der Alleinherrschaft interessiert sind: Brüderliche Nächstenliebe gibt es nicht, Besessenheit ist das Stichwort und der eigentlich blinde Gehorsam weint dem tradierten Kodex keinerlei Träne nach, sondern fungiert auf eigene, zielorientierte Faust.

"Outrage" ist die distanzierte Dekonstruktion des universellen Gangstermythos und bewegt sich in einer unermesslichen Kälte, ohne jeden emotionalen Effekt, ohne empathischen Mehrwert oder zelebrierten Ästhetizismus, von Gewaltspitze zu Gewalteruption. Auch in der Welt der anonymen Anzugträger gibt es schließlich nur noch Verlierer, und auch wenn sie ihren wertlosen Untergang noch nicht realisieren möchten, die Messerspitze dringt bereits unbemerkt in ihr illoyales Fleisch. Der Regisseur verkörpert hier Ötomo, einen subalternen, der nach oben will und es fast auch schafft. Das Finale ist eine einzige Ballerorgie, in der das Erschießen zum Scherzartikel verharmlost wird. Alles wird eliminiert. Nutten nach dem Nümmerchen, Boten, Subalterne, Vorgesetzte und auch Polizisten. Auch der ganz große Boss muss dran glauben und wird vom Mörder verleumdet. Ötomo muss feststellen, dass er altmodisch ist. Er geht freiwillig ins Gefängnis. Aber da ist auch vor Dolchen nicht sicher. Die eigene Karikatur wird der Lächerlichkeit preisgegeben. "Outrage" ist besonders und dabei Knüppehart und unterhaltsam. Die fehlende Ironie und ein nicht vorhandener philosophischer Einschlag zeigen den Unterschied zu Tarantino. Die Gewalttätigkeiten sind oft überbordernd, aber die Menge des Blutes passt.

8/10

Von CAPELIGHT PICTURES erschien der Film nun endlich auch hierzulande in HD in einem tollen Mediabook: 

Montag, 16. Oktober 2017

La Giovinezza - Youth - Ewige Jugend (2015)

http://www.imdb.com/title/tt3312830/

Die beiden alten Freunde Fred Ballinger (Michael Caine) und Mick Boyle (Harvey Keitel) verbringen zusammen mit Freds Tochter und Managerin Lena (Rachel Weisz) einen Erholungsurlaub in einem hochklassigen Wellnesshotel am Fuß der Alpen. Während der berühmte Komponist und Dirigent Fred seinen Ruhestand genießt, ist der noch immer als Filmregisseur aktive Mick in Gedanken häufig bei seinem nächsten Projekt, das zugleich sein letztes werden soll. Doch auch Fred holt seine eigentlich bereits niedergelegte Arbeit bald ein, als ein Abgesandter des Buckingham Palace ihn mit der Anfrage aufsucht, für die Queen persönlich ein Konzert zu dirigieren. Fred lehnt jedoch dankend ab, da er viel lieber gemeinsam mit Mick und dem ebenfalls im Hotel abgestiegenen Schauspieler Jimmy Tree (Paul Dano) in Ruhe über Gott und die Welt sowie die skurrilen anderen Gäste philosophiert...

Paolo Sorrentino ist die neapolitanische und vor allem mitteilungsbedürftigere Form von Terrence Malick. Er steckt konkrete Ideen in metaphorische Bilder wie kein Zweiter, führt Motive ein, die zunächst seltsam erscheinen, greift erst lange Zeit später wieder darauf zurück und lässt sie auf einmal in einem solchen Licht erstrahlen, dass sie Sinn ergeben. Nach "La Grande Bellezza" (Fremdsprachen-Oscar 2014) erzählt Sorrentino nun in "Ewige Jugend" von, nun ja, eigentlich nichts weiter als einem Edelhotel-Aufenthalt in den Schweizer Alpen. Zwei der kaufkräftigen Gäste sind die gemeinsam gealterten Langzeitfreunde Fred (Michael Caine) und Mick (Harvey Keitel). Fred ist (oder besser "war") Komponist, doch möchte er von seinem Metier nichts mehr wissen. Nicht einmal ein Konzert für die britische Queen ist ihm Anlass genug, den Taktstock wieder in die Hand zu nehmen. Seine einzigen Konzerte sind taggeträumte Kuhglocken-Partituren auf den alpinen Wiesen, die er von einem Baumstumpf aus dirigiert. Mick, indes, ist (oder besser "war") Regisseur, doch seine großen Tage sind vorbei und dennoch legt er sein gesamtes Herzblut in ein letztes filmisches "Vermächtnis". Zur Fertigstellung des Drehbuchs lässt er eine Gruppe junger Köpfe für ihn mitdenken. 


Auch wenn sich der Großteil dieses, salopp gesagt, dahinplätschernden Films in der abgehobenen Absteige der Reichen und Schönen abspielt, begegnet man an jeder Ecke verrückten Ideen, ebenso brillant wie konsequent in ihrer Umsetzung. Die fabulöse Kamera von Luca Bigazzi gleitet durch das venezianische Acqua alta, es ereignen sich kleine Action-Szenen mit Rollstühlen, geschmacklose Musikvideos werden zur Horror-Mär. Dazu ein Fleischklops von einem (wohl argentinischen) Ex-Fußballstar und eine waschechte Jane Fonda. Paolo Sorrentino hüpft von Erzählstrang zu Erzählstrang auf eine Art, dass sich die Szenen gegenseitig unterstützen. Im Kern geht es um das Altern und das, was dadurch immer größer wird: die Vergangenheit. In "La Grande Bellezza" vermochte es der Regisseur ein Stück weit mehr, seine zentrale Idee auszuformulieren. Doch der einmal mehr gestalterischen Perfektion, der famosen Schauspieler und des musikalischen Genusses wegen ist Erbarmen geboten. "Ewige Jugend" - ein Film für die große Leinwand - So groß eine Arthouse-Leinwand eben sein kann und obwohl eine vollständige Handlung nur ansatzweise auszumachen ist, schaut man dem Geschehen gerne zu, eben auch dank des Humors.

7/10

Sonntag, 15. Oktober 2017

The Danish Girl (2015)

http://www.imdb.com/title/tt0810819/

Der dänische Landschaftsmaler Einar Wegener (Eddie Redmayne) führt mit seiner Frau Gerda (Alicia Vikander), ebenfalls Malerin, ein bewegtes Künstlerleben im Kopenhagen der Zwanziger Jahre. Die Ehe der beiden ist glücklich, bis Einars Leben eines Tages eine grundlegende Änderung erfährt: Als Gerdas Modell verhindert ist, bittet sie ihren Mann, sich von ihr als Frau verkleidet porträtieren zu lassen. Einar gelingt die Verkörperung einer Frau so gut, dass Gerda die Figur völlig begeistert „Lili“ tauft und fortan immer häufiger gemeinsam mit ihrem Mann dieses Rollenspiel auslebt. Doch für Einar ist Lilli sehr bald mehr als nur eine Rolle, er entdeckt in ihr seine wahre Identität. Er entschließt sich zu einer geschlechtsangleichenden Operation, um fortan als Frau leben zu können. Doch was bedeutet das für die Ehe der Wegeners?

Der britische Regisseur Tom Hooper ist kein Unbekannter. Seine letzten beiden Filme "The King’s Speech" und "Les Misérables", gewannen bei den jeweiligen Oscar-Verleihungen vier bzw. drei Oscars. Und auch sein neuestes Werk kam bei der Academy gut an: "The Danish Girl" kommt auf insgesamt vier Nominierungen, für das beste Kostümdesign, das beste Szenenbild und für die beiden Darsteller. Eddie Redmayne (nominiert als bester Hauptdarsteller) durfte sich nach seiner Auszeichnung im Vorjahr, für seine Rolle als Stephen Hawking in "Die Entdeckung der Unendlichkeit", erneut große Hoffnungen auf den begehrten Goldjungen machen, gewonnen hat aber letztlich seine Partnerin, Alicia Vikander als beste Nebendarstellerin. Für die Erzählung der wahren Geschichte von 1926, schlüpft Redmayne in die Rolle des Dänen Einar Wegener, Co-Star Alicia Vikander mimt seine Frau Gerda Wegener und gemeinsam bilden die beiden das Herzstück von "The Danish Girl", einer ruhigen, behutsam erzählten Biografie.

Das Prunkstück von "The Danish Girl" sind dabei ohne Zweifel die beiden herausragenden Darsteller. Der Brite Redmayne zeigt erneut über welch enormes Talent er verfügt und seine Leistung ist wahrlich Oscarwürdig. Die Rolle, die Redmayne sicherlich viel abverlangte, passt wunderbar zu ihm und er schafft es, den Wandel seines Charakters vom Mann zur Frau zu jederzeit glaubwürdig darzustellen und mit seinem subtilen Spiel zu berühren. Das gleiche gilt für die schwedische Newcomerin Alicia Vikander die 2015 mit Filmen wie "Ex Machina" und "Codename: U.N.C.L.E." zurecht durch die Decke schoss. Die Schwedin zeigt erneut ihr großes Talent und verleiht ihrer Figur, der Ehefrau von Einar Wegener, die nötige Glaubwürdigkeit und emotionale Tiefe. Dass sich die Erzählung Hoopers auf die beiden Darsteller fokussiert, ist bei einem solch außerordentlich starken Duo begrüßenswert und Redmayne und Vikander allein machen den Film bereits sehenswert. Die bewegende Story weiß allerdings ebenso zu überzeugen. Angesiedelt im Europa der zwanziger Jahre, sehen sich die Eheleute Wegener etlicher gesellschaftlicher Probleme auseinandergesetzt, da in dieser Zeit Wegeners Wunsch eine Frau zu werden, noch als psychische Krankheit angesehen wurde. Insgesamt erzählt "The Danish Girl" also eine beeindruckende, auf wahren Begebenheiten basierende Geschichte, die thematisch bedingt allerdings nicht sonderlich spannend daher kommt. Die Inszenierung von Tom Hooper ist indes sehr stimmig. Der ruhige, gefühlvolle Soundtrack passt gut zum ruhigen und langsamen Rhythmus des Films und Hooper schafft es die 120 Minuten nicht zu lang wirken zu lassen. Neben der tollen Inszenierung, überzeugt eben auch die Ausstattung und die Details eines Copenhagens von 1926.


"The Danish Girl" ist weniger gesellschaftskritischer Historienfilm, als vielmehr eine intime und zutiefst romantische Liebesgeschichte zweier Menschen, die entgegen aller gesellschaftlicher Normen zusammenhielten und damit Geschichte schrieben. Die auf wahren Begebenheiten beruhende Geschichte weiß zu überzeugen, doch es sind die beiden Darsteller Eddie Redmayne und Alicia Vikander, die mit ihren großartigen Performances den Film erst richtig sehenswert machen. Tom Hooper ist wieder einmal eine tolle Biografie gelungen; fern aller Tuntigkeit hält Eddie Redmayne die Balance zwischen Wagemut und verschreckter Zartheit. Vor allem aber seine Partnerin, der schwedische Shootingstar Alicia Vikander, rührt zu Tränen. Ein außergewöhnliches Liebespaar in einem bewegenden Film. Großartig.

8/10

Donnerstag, 12. Oktober 2017

The Stuff - The Stuff: Ein tödlicher Leckerbissen (1985)

http://www.imdb.com/title/tt0090094/

Die Eiscremesorte "The Stuff" ist der neue Verkaufsschlager und in so gut wie jedem Haushalt zu finden. Was niemand ahnt: Die Köstlichkeit ist in Wahrheit ein süchtig machender Parasit, der sich im Menschen einnisten und ihn zu einem willenlosen, zombieartigen Wesen macht. Der achtjährige Jason (Scott Bloom) bemerkt, dass "The Stuff" seine Konsumenten verändert und bald werden Stimmen gegen das neue Produkt lauten. Dummerweise hat sich die Köstlichkeit in der Zwischenzeit in ein "Blob"-ähnliches Schleim-Monster verwandelt, dass den Spieß umdreht und reihenweise Menschen verzehrt...

"The Stuff" erinnert mit seiner Geschichte ein wenig an "Die Körperfresser kommen", nur das es sich dieses Mal um Eis anstelle von Sporen und Pflanzen handelt. Die Idee ist damit zwar nicht neu, aber schon irgendwie lustig und vor allem interessant. Spannung baut sich von Anfang an gut auf, bricht aber gegen Ende leider etwas in sich zusammen. Punkten kann "The Stuff" aber vor allem bei der Inszenierung. Die ist herrlich trashig, humorvoill und trotzdem stylisch. Da gibt es plumpe, blöde Witzchen oder kernige Situationskomik. Letztlich ist es aber die Idee an sich, die aus "The Stuff" einen  amüsanten 80er-Trash macht, der hervorragend unterhält. Allein die Eingansgszene, in der ein älterer Mann "The Stuff" - woher auch immer der kommt - findet und erst einmal daran leckt. Voller erwartungsfrohem Ekel und fremdschämerischer Abscheu fragt man sich da schon nach 2 Minuten: "Warum zur Hölle...?".

"The Stuff" ist Trash in Reinkultur, gemacht von Larry Cohen und damit ein echter Klassiker. Einen Vergleich mit "Der Blob" braucht man da kaum zu scheuen - auch "The Stuff" ist ähnlich gelagert. Die Schauspieler sind zwar allesamt eher mau, die Dialoge teilweise echt blöde und stumpf und es werden Schnitte gesetzt, die die Actionszenen zum Teil zerstören. Dem zum Trotz gehört dies wohl zum Konzept dieser abgefahrenen Horror-Komödie. Doch so richtiger Horror ist "The Stuff" auch nicht, da wirklich kein Grusel oder ähnliches aufkommt. Diese seltsame Filmchen weist zudem zwei, drei richtig geniale, handgemachte Effekte auf, während der kümmerliche Rest zum Teil wirklich stümperhaft gedreht wurden. Oft sieht man den Schleimklumpen im Hintergrund und im Vordergrund sieht man die sehr schlecht hereinkopierten Schauspieler herumhüpfen. Vielleicht war mit einem Budget von 1,7 Millionen Dollar nicht mehr möglich, aber so richtig überzeugen kann das nicht. Da tut man gut, wenn man sich auf Story und das ganze Drumherum fokussiert. "The Stuff" ist und bleibt ein Trashfilm der 80er Jahre. Die Idee ist herrlich überdreht, macht aber durch den dumpfen Humor doch Spaß und unterhält wirklich hervorragend.

7/10

Von TURBINE Medien kommt der Film als Erstauflage im auf 2.000 Stück limitierten Mediabook und weltweit erstmalig auf BD in HighDefintion.