Donnerstag, 14. Dezember 2017

살인의 추억 - Salinui Chueok - Memories Of Murder (2003)

http://www.imdb.com/title/tt0353969/

1986 in Südkorea. Das Land ist von der vorherrschenden Militärdiktatur geprägt und die Gesellschaft befindet sich in einem gelähmten Zustand. Als eines Tages in einem kleinen Dorf nahe Seoul eine tote Frau gefunden wird, gerät die abgesteckte Welt noch mehr aus ihren Fugen. Park Doo-Man (Kang-ho Song) und Seo Tae-yoon (Sang-kyung Kim), ihres Zeichens beide Kommissare der örtlichen Provinz, gehen dem Fall auf die Spur und stoßen schnell auf die grauenvollen Taten eines perfiden Serienmörders, der es strukturiert auf weibliche Opfer abgesehen hat. Obwohl anfangs sämtliche Hinweise im verregneten Schlamm der Felder zu versickern scheint, gelangen Park und Seo immer tiefer in ein Labyrinth aus düsteren Verbrechen und Geheimnissen. Am Ende wartet nur noch der moralische Abgrund des Menschseins auf sie.

Vorwort: Die Handlung des Films beruht auf wahren Begebenheiten, die sich zwischen 1986 und 1991 ereigneten. Der erste Serienkiller in der Geschichte Südkoreas ermordete zehn Frauen in einem Umkreis von zwei Kilometern auf besonders bestialische Art und Weise und hinterließ dabei niemals Spuren am Tatort. Das älteste Opfer war 71 Jahre alt, das jüngste 13. Mehr als 3000 Verdächtige wurden befragt und am Ende der Ermittlungen 300.000 Polizisten mobilisiert, aber dennoch konnte der Täter niemals gefasst werden. Gedreht wurde der Film am Originalschauplatz der Ereignisse und erforderte mehr als ein Jahr an Nachforschungen.

Zum Film: Alles beginnt in den 80ern mit dem Leichenfund einer jungen Frau in der tiefsten koreanischen Pampa, zwischen endlosen Feldern, Trampelpfaden und herumstreunenden Bauernlümmeln. Um dieses offensichtliche Gewaltverbrechen aufzuklären, machen sich zwei Provinzcops an die Arbeit, die mir Ihrer schlampigen Vorgehensweise scheinbar schon genug Probleme haben, den Tatort und Beweise zu sichern. Hilfe naht aus Seoul, in Form von einem studierten, augenscheinlich cleverem Kommissar, der der Provinz eine Serienkillerproblematik offenbart, der, wie üblich, nach bestimmten Schematas vorgeht. Die inszenatorische Klasse von Regisseur Bong Joon-ho zeigt sich dabei gleich von Beginn an; die Optik ist schier eine Wucht. Die Suche nach dem Mörder ist in vielen Filmen das Kernstück des Werkes. Aber wer glaubt, dass dieser Film diesen Regeln und diesem Ablauf folgen wird, der hat die Rechnung ohne Bong Joon-ho gemacht. Die Suche nach dem Täter wird nämlich zu einer blinden Hetzjagd. Je länger die Jagd wird, desto mehr Druck lastet auf den Polizisten. Desto dringender verlangt die Bevölkerung nach Aufklärung der Fälle. Desto radikaler werden die Methoden der Polizisten und desto stärker werden sie in den Strudel des Wahns und der Verzweiflung gesogen. Sie wollen die Geständnisse schließlich erzwingen. Da ist ihnen schon egal, wer es generell ist, den sie da vor sich haben. Egal, wer der Täter ist, solange es überhaupt jemand war und der Albtraum sein ersehntes Ende nimmt.

Während man sich die erste Stunde über noch fragt, ob es sich um eine sarkastische Polizeifarce handelt, bei dem die Provinzbullen lediglich durch hanebüchene Theorien, brutale Verhörmethoden und, zugegebenermaßen, recht eindrucksvolle Dropkicks, auffallen, wird aus dem zweiten Teil eine intensive, atmosphärische Jagd nach Indizien, Beweisen und Verdächtigen. Dabei erweisen sich nicht nur Trittbrettfahrer, falsche Fährten und schlampige Polizeiarbeit als problematisch, sondern auch die Spannungen und Spaltung zwischen der zunehmend ängstlichen Bevölkerung und den Beamten. Diese innere Zerrissenheit wird zunehmend an den handelnden Protagonisten deutlich, die sich immer weiter in Belanglosigkeiten verrennen während der Mörder weiter seinem Trieb nachgeht, was soweit geht, dass selbst der Ruhepol, der Cop aus Seoul sein Gesicht verliert. Diese Mischung aus Dilettantismus, Brutalität, Verzweifelung und zu großen Egos führt letztlich zu... nichts... was uns Regisseur Bong in der letzten Sequenz, einige Jahre später, mit dem ungewöhnlich vielsagendem offenem Ende, nochmal eindrucksvoll offenbart.

Mit "Memories Of Murder" gelingt dem südkoreanischen Regisseur Bong Joon-ho formidables Thrillerkino der saftigen Sorte. Er zeichnet eine erbarmungs- und manchmal auch hilflose Welt, von der die Protagonisten sich abkapseln, in einem letzten schwachen Versuch des Selbstschutzes. Der Spruch, der Täter käme immer zum Tatort zurück, wird dann zum Ende hin auch wahr, jedoch mit diesem erwähnt sanften Zynismus bestückt. Letztendlich ist es nämlich der Polizist Park, der zum Tatort zurückkehrt, an dem die erste Leiche gefunden wurde. Aus dem Holzschacht ist ein unendlich langer Tunnel geworden. Aus dem Fall ein böser Traum ohne Erinnerung. Nur noch ein taubes Gefühl, dass an die zerfressende Schuld erinnert, die sich am eigenen Körper zu schaffen macht.

8,5/10

[KINO] Star Wars: The Last Jedi - Star Wars: Die letzten Jedi 3D (2017)

http://www.imdb.com/title/tt2527336/

In einer entscheidenden Schlacht gegen die Erste Ordnung hat der Widerstand die Superwaffe Starkiller-Basis vernichtet. Der Triumph währt jedoch nicht lange, denn der von General Leia (Carrie Fisher) angeführte Widerstand gerät schnell wieder in große Bedrängnis. Nach dem Versagen seines Lehrlings Kylo Ren (Adam Driver) im Duell gegen Rey (Daisy Ridley) übernimmt der Oberste Anführer Snoke (Andy Serkis) mit seiner weit überlegenen Flotte höchstpersönlich die Jagd auf die Rebellen. Ein Großangriff auf deren Hauptbasis soll den Widerstand endgültig auslöschen. Zwar kann die galaktische Resistance dank mutigen Einsatzes des Piloten-Asses Poe Dameron (Oscar Isaac) mit knapper Not entkommen, doch die Erste Ordnung heftet sich prompt an ihre Fersen. Die letzte Hoffnung des Widerstandes liegt beim Jedi-Meister Luke Skywalker (Mark Hamill). Doch als Rey ihn in seinem Versteck auf einem abgeschiedenen Planeten aufspürt, ist der einsiedlerisch lebende, desillusionierte Luke wenig begeistert von der Ruhestörung. Er weigert sich kategorisch, an dem Konflikt teilzuhaben oder die machtsensible Rey auszubilden. Während dem Widerstand die Zeit davonläuft, unternehmen der bekehrte Stormtrooper Finn (John Boyega) und Mechanikerin Rose (Kelly Marie Tran) einen verzweifelten Rettungsversuch...

"This is not going to go the way you think!"

Dieses Zitat stammt von Luke Skywalker, das dem "Star Wars"-Fanboy schon im Trailer intensiv in die Ohren drang, und es fasst den gesamten Film eigentlich perfekt zusammen. Was man sich auch wünscht, vorstellt und ausmalt, es wird alles doch irgendwie anders kommen.

Doch von vorn. Als "Das Erwachen der Macht" vor fast genau zwei Jahren in den Kinos anlief, entfachte J.J. Abrams, der schon erfolgreich das "Star Trek"-Franchise wiederbelebte, mit seinem Film den "Star-Wars"-Hype neu und so wie man ihn seit den Achtzigern nicht mehr kannte. Disney und LucasFilm erfüllten ihr Versprechen, kehrten zu den Wurzeln der Reihe zurück und lieferten eine Fortsetzung, auf die die Fans seit über 30 Jahren gewartet haben. Obwohl die Reaktionen unter Zuschauern und Kritikern zunächst überwältigend positiv waren, wurden gerade in den Fankreisen kurz nach dem Start enttäuschte Stimmen laut, die Abrams vorwarfen, mit seinem Film die Reihe nicht voranzubringen, sondern stattdessen den allerersten Film, "Eine neue Hoffnung", zu kopieren und trotz abgewandelter Form nahezu 1:1 auf die Leinwand - natürlich mit 2015er Technik - zu bringen. Es läuft letztlich auf die Frage hinaus, wo eine Hommage bzw. eine Verbeugung endet und ein Plagiat beginnt. Es stimmt, Abrams und seine Autoren "borgten" sich viele Ideen aus der Original-Trilogie von George Lucas. Vor allem folgten sie jedoch im Geiste den Vorbildern und deren universellem Thema von jungen Träumern, die aus ihrem tristen Alltag ausbrechen, unglaubliche Abenteuer erleben und Heldentaten vollbringen - perfekte Identifikationsfiguren für die jungen Zuschauer der Filme. Durch die Rückbesinnung auf die Stärken der ersten "Star-Wars"-Filme führte "Das Erwachen der Macht" neue Charaktere und Handlungsstränge in eine vertraute Welt fließend ein und schaffte damit das notwendige Fundament für weitere Geschichten aus einer weit, weit entfernten Galaxie.

Und diese wird mit dem zweiten Kapitel der neuen Trilogie, "Die letzten Jedi" fortgeführt. Der Hype mag nun insgesamt etwas schwächer sein, doch zumindest Fanboys haben dem Teil enorm entgegengefiebert. Schließlich hatte "Das Erwachen der Macht" bei all den Wiederholungen doch auch eine Menge Neues gebracht – und damit offene Fragen. Was hat Luke all die Jahre getrieben? Wer sind die Eltern von Rey? Wie sieht der geheimnisvolle Snoke im wahren Leben aus? Und tatsächlich liefert Regisseur Rian Johnson, der mit dem Film "Looper" auf sich aufmerksam machte, auf all diese Fragen eine Antwort. Es sind nur nicht unbedingt die Antworten, die erwartet oder gar erhofft wurden. Die große Stärke des nunmehr achten Teils ist es dann auch, wie sehr er mit den Erwartungen des Publikums gespielt. Im einen Moment erfüllt er sie, im nächsten stellt er alles auf den Kopf. Aber er liefert über all das hinaus immer wieder großartigen Fan-Service.


Der Wermutstropfen zuerst: mit über 150 Minuten ist die neunte Episode deutlich zu lang geraten. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen. So erweist sich ein ganzer Handlungsstrang als regelrecht unnötig, wenn Autor Johnson sein Script etwas sorgfältiger ausgearbeitet hätte. Zwar gibt es innerhalb dieser Plotline mit Benicio Del Toro einen neuen Charakter, der durchaus stimmig ist und etwas Würze ins Universum bringt, das ändert aber nichts daran, dass das ganze Drumherum bei genauerer Betrachtung eigentlich keinerlei Sinn ergibt. Das soll nicht heißen, dass der Film "leiert", zäh oder gar langweilig ist, ganz im Gegenteil. Es bleibt nur das Gefühl, dass er unnötig aufgebauscht ist. Daneben gibt es diverse Plotholes, unzählige Logikfehler und man hat mehr als einmal das Gefühl, dass gerade "zufällig" die überleben, die das Script später noch braucht.

Fehlende Sorgfalt lässt sich auch beim Aufbau der Erzählstruktur erkennen. Das Pacing von "Die letzten Jedi" hat nämlich mehr als einmal so seine Probleme. Es ist vor allem Anfangs nahezu eine Katastrophe. Das Narrative springt da etwas unharmonisch zwischen den einzelnen Erzählsträngen umher und gerade wenn eine Plotline mal so richtig in Fahrt kommt, wechselt der Film zur nächsten. Das kann schon mal frustrieren, vor allem wenn so versucht wird, Spannungsmomente zu generieren, aber eigentlich damit das Gegenteil erreicht wird. Auch bei den Figuren läuft nicht alles glatt. So bleibt Schurke Kylo Ren (Adam Driver) die wohl interessanteste Figur der neuen Trilogie, aber es verwundert schon, dass seine Fähigkeiten und Kräfte immer gerade so stark sind, wie es das Script gerade erfordert. Er schien bereits in "Das Erwachen der Macht" nicht so recht in die Rolle des Gegenspielers und Neu-Darth-Vaders zu passen. Daran ändert auch "Die letzten Jedi" vielleicht nichts, zumindest darf Driver aber zeigen, wie viel schauspielerische Intensität in ihm schlummert. Und diese Weiterentwicklung ist echt gut.

Spannend sind zudem die gemeinsamen Auftritte von ihm und Daisy Ridley. Ridley beweist wieder einmal, was für ein Glücksgriff die Newcomerin im Franchise war und beeindruckt mit einer Performance, deren anfängliche Begeisterung über ihr neues Schicksal langsam dem Frust und der Enttäuschung über Lukes Widerwillen, sie zu unterrichten, weicht. Wie schon im ersten Film durchmacht Ridleys Charakter Rey auch in "Die letzten Jedi" die größte Entwicklung durch und diese bleibt zu jedem Zeitpunkt glaubwürdig. Natürlich werden im Handlungsstrang um Luke und Rey Erinnerungen an "Das Imperium schlägt zurück" wach, in dem ebenfalls der junge Protagonist bei einem alten Meister in die Lehre geht. Dass hier der Schüler von einst nun das Sagen hat, schließt schön den Bogen. Gleichzeitig weicht diese Konstellation beim späten Nachkommen aber deutlich von dem ab, was sich 1980 noch auf Dagobah zugetragen hat. Zusätzlich zu den düsteren Szenen, die auch in einem Horrorfilm nicht deplatziert wirken würden, wendet sich Johnson den seelischen Abgründen zu. Es sind die packendsten Momente in dem Streifen, nicht zuletzt der Besetzung wegen: Mark Hamill zeigt sich hier in Bestform. Es ist eine reine Freude.

So interessant es ist, was Johnson mit Luke Skywalker, Rey und Kylo Ren anstellt, so langweilig ist ein Großteil des Rests. Mit Finn wusste er beispielsweise gar nichts anzufangen, Poe Dameron (Oscar Isaac) wird zu einem kopflosen Draufgänger degradiert, BB-8 ist nur noch ein Schatten seiner selbst und das neue Widerstandsmitglied Rose Tico (Kelly Marie Tran) wird nur mit viel Schmalz und Getue in die Story gequetscht. Besonders schlimm hat es aber General Hux (Domhnall Gleeson) erwischt, der von einem beinahe schon faschistischem General in "Das Erwachen der Macht" zu einer kümmerlichen Witzfigur mutiert, die von ihren Gegner schon gar nicht mehr als ernste Bedrohung empfunden wird. Und auch sonst ist das mit der Komik von "Die letzten Jedi" so eine Sache. Sicher, Humor hat es immer in "Star Wars" gegeben. Die Original-Trilogie hatte witzige Momente. Die Prequels ebenfalls - mal beabsichtigt, mal weniger. Auch in "Das Erwachen der Macht" und in "Rogue One: A Star Wars Story" durfte mitunter gelacht werden. Das Vorhandensein von Witzen ist also nicht per se falsch. Sie sind oft sogar tatsächlich auch witzig. Sie passen nur so gar nicht in den Film. Die frechen One-Liner und humorigen Momente wirken wie aus einem Superheldenfilm und beißen sich gehörig mit dem Rest. Als hätte sie ein artfremder Autor in das Drehbuch geschmuggelt. Ganz besonders schlimm und vor allem deplatziert wirkt da noch (vor allem im Finale) der Running Gag mit Leias neuer Frisur.


"Die letzten Jedi" hat also einige Makel unumstößlich vorzuweisen. Dies ändert allerdings nichts daran, dass Johnson es versteht, die von vielen geliebte und verehrte Welt der Jedi, Sith, Rebellen und der First Order fortzusetzen. Dabei greift der Regisseur gerne in die Referenzkiste, vertraut aber nicht nur blind und gehörig auf Nostalgie, sondern versteht es, teils sogar exzellent, das "Star Wars"-Universum zu erweitern. Dabei wird Johnson aber wohl einige vor den Kopf stoßen, denn es gibt Momente, die gewiss für Unmut, Kopfschütteln und Unverständnis sorgen werden. Genau diese sind es aber, die "Die letzten Jedi" dazu verhelfen, dass die Karten im dritten Teil, der 2019 kommen soll, neu gemischt und vergeben werden könnten.

Auch das wird gewiss nicht allen gefallen. Genau wie der Humor des Films. Die ersten Bilder und Filmausschnitte versprachen ein durchaus düsteres Abenteuer, aber eigentlich erweist sich "Die letzten Jedi" als eher dem Humor zugetanes Werk. Johnson benutzt diesen viel zu gern dafür, um überdramatische Epik zu kontern. Gerade in den Szenen zwischen Rey und Luke Skywalker gibt es immer wieder Momente, in der aufkeimender Pathos durch Amüsement zum Schweigen gebracht wird. Und das passt oft gar nicht. Auf der anderen Seite wiederum hält der Film durchaus die Balance. Zu sehen ist das u.a. bei den kleinen Inselbewohnern namens Porgs. Die wurden im Marketing ziemlich omnipräsent dargestellt. Zum Glück bleiben sie aber eine niedliche Randnotiz und verbleiben sicher als käufliches Gimmick, welches wohl jeder neue (und junge) "Star Wars"-Fan haben wollen wird.

Kurzum: "Die letzten Jedi" ist wie die Macht. Es gibt eine helle und eine dunkle Seite. Welcher man sich anschließt, liegt im Auge des jeweiligen Betrachters. Diese Kritik hier tendiert klar zur hellen Seite, denn trotz einer zu sprunghaften Erzählweise, die noch dazu zu lang geraten ist, wird das Universum schön und teils überraschend weiter geformt. "Die letzten Jedi" ist kein "Das Imperium schlägt zurück" (auch wenn man dies unter Umständen erwarten würde), aber es ist klar das Werk eines Filmemachers, der sich vor der Nostalgie verbeugt, ohne ihr zu verfallen und gerade mit der letzten Szene gelingt Johnson eine der schönsten des Jahres. Warum? Weil darin wunderbarer Optimismus enthalten ist, genau wie ein deutlicher Meta-Kommentar zur Liebe der Fans für das Produkt und das ist ein großes Märchen, ein Sci-Fi-Spektakel, ein Fantasy-Abenteur: Es ist immer noch "Star Wars".

7/10

Dienstag, 12. Dezember 2017

Sleepy Hollow (1999)

http://www.imdb.com/title/tt0162661/

Constable Ichabod Crane (Johnny Depp) hat Ermittlungsmethoden, die für das Jahr 1799 ungewöhnlich sind - er setzt auf Verstand und Logik als einzigen Kriterien, um Motive und Täter aufzuspüren. Im kleinen Ort Sleepy Hollow soll er den Morden an einem angesehenen Bewohner, seinem Sohn und einer weiteren Person nachgehen, denen allen der Kopf abgeschlagen wurde. Die Köpfe der Opfer sind verschwunden, und die Einwohner – allen voran Bürgermeister Philips (Richard Griffiths), der Notar Hardenbrook (Michael Gough), der Arzt Dr. Lancaster (Ian McDiarmid) und Reverend Steenwyck (Jeffrey Jones) – erzählen dem verdutzten Crane eine merkwürdige, für ihn schier unglaubliche Geschichte: Der Mörder sei ein Toter, ein ehemaliger hessischer Söldner (auf Seiten der britischen Armee), der seinen Gegnern vor Jahren während des Unabhängigkeitskrieges die Köpfe abgeschlagen habe, bis man ihn selbst enthauptete und irgendwo in den Wäldern verscharrt habe. Der kopflose Reiter sei nun auf der Suche nach seinem Kopf und würde nicht eher ruhen, bis er ihn gefunden habe...

Tim Burton begibt sich mit "Sleepy Hollow" erneut in den Märchenwald und es ist eine wenig überraschende Erkenntnis, dass er sich dort ganz vorzüglich auskennt. Herausgekommen ist ein Film von einer überwältigenden Atmosphäre, die einen aber zu keinen Zeitpunkt überfährt, nie aufgesetzt oder künstlich wirkt, sondern einfach ein perfekte Melange aus Geschichte, Stimmung und Optik bietet. Und man wünscht sich danach fast mehr davon - das eine oder andere Grimm'sche Märchen in dieser Machart... ja, das wäre was.

Doch zurück zum Film. Im Grunde ist "Sleepy Hollow" eine mystische Kriminalgeschichte. Der leicht affektierte Polizist Ichabod Crane wird in das düstere Örtchen 'Sleepy Hollow' geschickt um einige seltsame Mordfälle aufzuklären und ist nebenbei ganz allein dafür zuständig, diesem Film seinen stillen, humoresken Unterton zu verleihen. Außerdem scheint dieser Ichabod Crane die Geburtsstunde eine ganz bestimmten Rollentypus zu sein, den Johnny Depp danach immer wieder bediente. Besonders dieser eine Piratenkapitän ist das in laut, was Mr. Ichabod Crane in leise ist. Hier gefällt das umso mehr, da es eben recht still und verhalten ist.

Aber man muss hier auch gar nicht soviel Worte verlieren, da es weder die Schauspieler sind, die "Sleepy Hollow" zu solch einem Vergnügen machen, noch ist es die Story an sich. Es ist dieser dunkle Wald in den man entführt wird, diese alte Welt in der die Grenzen noch schwammig waren in Bezug darauf, was man glaubte und was nicht. Und genauso wie Dorfbewohner in einer ungewissen Angst leben, sich vor einem Phantom fürchten, oder eben auch nicht, so ist genau dieser Umstand auch der Motivationsmotor für den Zuschauer. Gibt es das wirklich? Es ist möglich, da es in diesem tiefen Wald einiges gibt. Oder will doch wieder ein Regisseur den Zuschauer nur an der Nase herumführen? Tim Burton jedenfalls scheint nicht der zu sein, der sich um so was Gedanken macht. Er will seine Geschichten erzählen, sie ausschmücken wie Märchen und den Zuschauer mit Bildern verzaubern und verführen. Er akzeptiert kleine Geschichten als das, was sie sind, solange er etwas spezielles für sich in ihnen finden bzw. sehen kann. Er plustert sie nicht auf und macht sie nicht künstlich komplizierter - was ja doch meist auch gar nicht funktioniert. Ein moderner Märchenerzähler, dass ist wohl das, was Tim Burton am besten beschreibt. Und erzählte er vorher meist Geschichten für etwas kleineren, so beginnt er mit "Sleepy Hollow" damit, nur auch Schauermär für die größeren Leute zu erzählen.

8,5/10

Montag, 11. Dezember 2017

Monkey Shines - Der Affe im Menschen (1988)

http://www.imdb.com/title/tt0095652/

Der Sportler Alan Mann (Jason Beghe) wird von einem Truck erfasst und ist danach querschnittsgelähmt. Er hat Schwierigkeiten mit der Situation umzugehen, denkt oft an Selbstmord und lässt jegliche Lebensfreude vermissen. Doch sein Freund Geoffrey (John Pankow) arbeitet an einer Lösung: er hat es geschafft, menschliche Hirnzellen in einen Affenkörper zu transplantieren und verschafft Alan dadurch eine helfende Hand im Haushalt. Das Experiment scheint sehr erfolgreich zu laufen. Alan versteht sich gut mit seinem Äffchen Ella und findet neuen Lebensmut. Doch Ella will als einziges Lebewesen in Alans Gunst stehen. Vor allem Familie Mann scheint in den Augen des Affen im Weg zu stehen und Ella begegnet den Familienmitgliedern mit Aggressionen. Ella wird immer gefährlicher und schließlich kommt es zu einem erschütternden Todesfall...

Nachdem Regisseur George A. Romero mit "Day Of The Dead" einen der wohl besten Zombiefilme aller Zeiten abgeliefert hatte, widmete er sich dem heißbegehrte Tierhorror-Genre. Überraschenderweise gelang Romero mit seinem Beitrag ein ernster und auf seine Geschichte bedachter Streifen, der sich von anderen Subgenre-Beiträgen abhebt.

"Monkey Shines" möchte eine Story erzählen und er möchte auch einen ordnungsgemäßen Spannungsbogen aufbauen. Dies gelingt aber leider nicht so ganz wie gewollt. Der Film leidet etwas an seinem langsamen, beinahe schon behäbigen Erzählstil. So richtig spannend wird es erst zum Schluss. Da allerdings entfaltet der Streifen eine gute Spannung, Atmosphäre und auch ein klein wenig Horror. Man könnte praktisch meinen, der Film traut sich zu Beginn nicht aus sich herauszugehen. Beeindruckend sind auch die Aufnahmen mit dem Äffchen "Boo". Da hier ausschließlich mit einem echten Affen gedreht wurde, gewinnen die Szenen noch mehr an Intensität. Man hätte dem Affen einen Oscar verleihen sollen. Romero gab sich mit seinem Killer-Äffchen-Streifen sichtlich Mühe. Zwar kam hier kein Meisterwerk zum Vorschein, aber immerhin ein ganz guter und streckenweise spannender Film, der nicht viel Wert auf blutige Effekte legt, sondern seiner Geschichte treu bleibt. "Monkey Shines" ist mit Sicherheit einen Blick wert, denn auch wenn der Film viel zu spät richtig Fahrt aufnimmt, einen gewissen Reiz hat er schon.

6/10

Von NSM Records kommt der Film hierzulande ungeschnitten und in HD im auf 222 Stück limitierten Mediabook:

Sonntag, 10. Dezember 2017

Drive Angry 3D (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1502404/

John Milton (Nicolas Cage) ist zwar seit Jahren tot. Doch das hindert den Schwerkriminellen keineswegs darin, aus der Hölle auszubüchsen und sich an die Fersen einer satanischen Sekte unter der Führung des irrsinnigen Apokalyptikers Jonah King (Billy Burke) zu heften. Die nämlich haben nicht nur seine Tochter verführt und schlussendlich umgebracht, sondern wollen nun gleich noch seine kleine Enkeltochter auf den Opfer-Altar bringen, um so den Leibhaftigen auf die Erde zu rufen. Der ärgert sich derweil enorm über Miltons Ausbruch und hetzt ihm seine rechte Hand hinterher – den „Buchhalter“ (William Fichtner). Dem rätselhaften Hölleburschen fällt es leicht, der Spur der Verwüstung zu folgen, die Milton und seine Begleiterin Piper (Amber Heard) derweil angerichtet haben. Dann schaltet sich auch noch die Polizei ein...

Ein Film wie ein Sampler. Er stopft Elemente von Filmhits aus den letzten Jahren ineinander: das ganze hat Anteile von "Death Proof", "Shoot 'em Up", "Crank" und diversem Fantasykram. Heraus kommt eine wilde Mischung, die man hemmungslos genießen kann wenn man ein paar Abstriche macht: zum Beispiel Nicolas Cage. Mit der schlechtesten Frisur überhaupt (dagegen war selbst die "Con Air"-Matte kleidsam) gibt er den eiskalten Rächer, was aber nicht viel mit Schauspielerei zu tun hat und wäre der Film nicht aufwendig genug fürs Kino wäre dies die Eintrittskarte in die "Direct-to-DVD"-Hölle.


In der Tat ist eine ganze Menge zusammengeklaut, insbesondere die Szene in der Cage Sex hat während drum herum die Schurken einfallen und er den Beischlaf nicht unterbricht während er in alle Richtungen ballert – das wirkt wie Copy and Paste aus "Shoot 'em Up". Aber die Pluspunkte überwiegen trotzdem: Amber Heard hat zwar eigentlich nur die klassische Rolle der Frau, ist aber als flotter Hingucker atemberaubend und gibt einen höchst sympathischen Charakter mit Seele, William Fichtner hat scheinbar einen Heidenspaß als fieser Höllenvollstrecker und kann sich das fröhliche Grinsen kaum aus dem Gesicht wischen - und dann ist da noch der "Rausch": der Film setzt auf ein hohes Tempo und zieht den Zuschauer geradezu mit, das Actionlevel ist hoch und der Adrenalinrausch immens.

Da muss man es auch verkraften dass es - gelinde gesagt -ultra-brutal zugeht; man kann es kaum anders beschreiben. Insbesondere kommt die Nummer natürlich gut in 3D. Da fliegen Körperteile aus der Leinwand das es eine wahre Freude ist. Unterm Strich ist der Film hochpolierter Edeltrash: übelst mies eigentlich, aber spannend, vergnüglich und mitreißend. Auch wenn die Szene mit dem Tanklaster der übelste Spezialeffekt sei langem ist. Hirnverbrannt und dumm, aber irgendwie ein Heidenspaß.

6/10

Freitag, 8. Dezember 2017

아가씨 - Agassi - The Handmaiden - Die Taschendiebin (Langfassung) (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4016934/

Korea in den 1930er Jahren, während der Besatzung durch die japanischen Invasoren: Die junge Sookee (Kim Tae-Ri) ist eine gerissene Taschendiebin, die sich von der reichen japanischen Erbin Hideko (Kim Min-Hee) als Dienstmädchen einstellen lässt. Sookee zieht auf das abgelegene Anwesen, auf dem Hideko völlig zurückgezogen mit ihrem Onkel Kouzuki (Jin-Woong Cho) lebt. Was Hideko allerdings nicht weiß: Sookees Anstellung als Dienerin ist Teil eines perfiden Plans, den sie zusammen mit einem Heiratsschwindler (Jung-Woo Ha), der sich als Graf Fujiwara ausgibt, ausgeheckt hat. Der falsche Graf und das Dienstmädchen planen, die junge Erbin um ihr gesamtes Vermögen zu erleichtern. Und zunächst läuft alles wie am Schnürchen – bis ganz unerwartet Sookee und Hideko echte Gefühle füreinander entwickeln...

Der Originaltitel des zehnten Films des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-Wook, "Agassi" bedeutet so viel wie "Lady" und transponiert die Handlung vom viktorianischen England in das von Japan besetzte Korea der 1930er Jahre. Die in ärmlichen Familienverhältnissen aufgewachsene Sook-Hee (Kim Tae-ri) wird in das Anwesen der jungen Lady Hideko (Kim Min-hee) als deren Dienerin eingeschleust, um sie dazu zu bewegen, den undurchsichtigen Grafen Fujiwara (Ha Jung-woo) zu heiraten, der sich ihr Erbe durch einen Hochzeitsschwindel erschleichen will. Hideko kann das Erbe als Alleinstehende nicht selbst antreten und muss dazu heiraten. Weiterhin plant Graf Fujiwara Hideko anschließend in eine Irrenanstalt einweisen zu lassen und sich das Geld dann mit Sook-Hee zu teilen. Allerdings muss auch Hidekos Onkel Kouzuki (Cho Jin-woong) umgangen werden, der durch eine Heirat seiner eigenen Nichte ebenfalls an deren Erbe gelangen will.

Je weniger man vorweg vom Verlauf von "Die Taschendiebin" erfährt, umso besser kann man sich von den vielen Wendungen des Handlungsverlaufs überraschen lassen, und davon hat der Film eine Menge, bis zu einem bestimmten Punkt im Film an dem die komplette Geschichte um 180 Grad kippt und den Zuschauer völlig im Regen stehen lässt. Dabei ist der Film so gut in seiner Erzählweise konstruiert, dass dieser Twist absolut reibungslos wirkt und man sich gefühlt nahtlos in diese neue Richtung mitreißen lassen kann. Wovon der Film ebenfalls eine Menge hat, ist Sex. Generell ist die Geschichte über weite Strecken erotisch sehr stark aufgeladen und gipfelt in einer der expliziteren Sexszenen des modernen Mainstream-Kinos. Dennoch verkommt diese überdeutliche Darstellung niemals zum Selbstzweck, sondern ist absolut relevant für den Verlauf der Geschichte, die Entwicklung der Charaktere und die emotionale Bindung (oder auch) Distanzierung der Figuren. Schauspielerisch bewegt sich "Die Taschendiebin" ebenfalls auf dem höchsten Level. Gerade die beiden Hauptdarstellerinnen sind absolut glaubhaft und bis auf einen kleinen Moment von Kim Min-Hee, der allerdings auch nur den Bruchteil einer Sekunde ausmacht, war ich durch die Leistung aller Beteiligten von Anfang bis Ende in der Geschichte gefangen.

Etwas im Film verdient noch einen eigenen kleinen Absatz in dieser Rezension, und damit ist das Haus gemeint, in dem die Ereignisse der Geschichte stattfinden. Wie bei Stanley Kubriks "The Shining" oder Norman Bate’s Motel aus "Psycho" hat das Anwesen in "Die Taschendiebin" einen eigenen Charakter und wirkt wie ein lebender, atmender Organismus. 


Es ist ein gewaltiges Anwesen, in das die junge Sookee einzieht. Ein Anwesen, das sich in elegante Speisesäle, winzige Schlafkammern und eine düstere Bibliothek verästelt. Halb viktorianisch, halb traditionell japanisch erscheint es wie Kintsugi-Porzellan, zusammengekittet aus den Scherben zweier Kulturen. So wie das Haus mehrere Epochen der Architektur in sich vereint, so führt auch "Die Taschendiebin" verschiedene Fragmente zusammen: die Geschichte des virtuosen Thrillers entstammt Sarah Waters im viktorianischen England angesiedelten Roman "Solange du lügst", doch Park Chan-wook verlegt sie in das japanisch besetzte Korea der Dreißigerjahre den 20. Jahrhunderts, das er in opulentem Szenenbild und nicht minder akribisch gearbeiteten Kostümen präsentiert. Der Stil kreuzt westliche Gotik mit traditionell japanischem Baustil. Alles in diesem Gebäude hat Struktur, stark gemusterte und im Stil konträr laufende Tapeten, extrem kräftige und dunkle Farben, und der stete Wechsel zwischen klaustrophobisch wirkenden Korridoren und weitläufigen Eingangshallen und Gärten werden von Regisseur Park Chan-Wook mit absoluter Perfektion in Szene gesetzt. Durch die Verwendung der Arri Alexa in Kombination mit einer anamorphen 1974er Kameralinse von Hawk und der meisterhaften Beleuchtung schafft Park es, ein visuelles Meisterwerk auf die Leinwand zu bringen. Es ist ein wunderschöner Film.

Jo Yeong-Wook komponierte einen Soundtrack, der permanent Gänsehaut verursacht. Gerade das Stück "My Tamako, My Sook-Hee" ist der Wahnsinn und begleitet die beste Szene im Film. Die Musik erzeugt Spannung oder unterstreicht Humor, wenn es nötig ist, und trägt in den richtigen Momenten zur emotionalen Tragweite der Szenen bei. Ein Soundtrack, wie er funktionieren und klingen muss. Dadurch dass viele der Stücke Walzer sind, wirkt der klassische Soundtrack oft sehr europäisch und erzeugt hier und einen Moment oder ein Gefühl, das vielleicht an Filme wie "Die fabelhafte Welt der Amelié" erinnert.

Die Langfassung von "Die Taschendiebin" hat eine Lauflänge von 168 Minuten und ist somit 24 Minuten länger als die Kinofassung. Nichtsdestotrotz kann man nicht so weit gehen, die Langfassung als "ungeschnitten" oder gar als "Director’s Cut" zu bezeichnen. Park Chan-Wook erzählte in einem Interview, er habe sich im Grunde von den Koreanischen Fans dazu breitschlagen lassen, so viel von dem gedrehten Material im Film unterzubringen, wie nur irgend möglich, und brachte den Film mit längerer Laufzeit für eine exklusive, einmalige Aufführung ins Kino und veröffentlichte ihn anschließend auch in dieser Fassung für koreanisches PayTV. Aufgrund der Tatsache, dass jedes Standbild ein Gemälde ist, durchaus nachvollziehbar. Und auch, wenn man bereits die Kinofassung wirklich gut fand, ist die Langfassung aus allen soeben genannten Gründen definitiv die zu bevorzugende Fassung.

9/10

Von KOCH Media erschien der Film in der "Limited Collector's Edition" im Hardcoverschuber mit umfassenden Buch zum Film, Setcards und natürlich der Kino- und Langfassung auf DVD und Blu-ray.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Wrecker - Wrecker: Death Truck (2015)

http://www.imdb.com/title/tt4227282/

Emily (Anna Hutchison) und Lesley (Andrea Whitburn) machen einen Road Trip durch die Wüste. Zunächst haben die besten Freundinnen noch Spaß, doch dann entscheidet sich Emily für eine Abkürzung über eine wenig genutzte Straße. Dort rücken sie ins Visier eines mörderischen Truckers, der von nun an nichts unversucht lässt, um die beiden mit seinem massiven Gefährt von der Straße zu drängen...

"Wrecker: Death Truck" ist der hässliche, peinliche, kleine Möchtegern-Doppelgänger von Filmen wie "Joy Ride" und "Duell". Nur leider ist dieses Machwerk hier auf mehreren Ebenen seinen Vorbildern alles andere als ebenbürtig. Neben den von Anfang an völlig talentfreien Darstellern bis zu den sich immer wiederholenden Szenarien ist dieser Film eine einzige Qual. Die Fahrzeuge fahren völlig sinnfrei die immergleichen Streckenabschnitte hin und her. Dazu Filmfehler, die selbst ein Blinder bemerkt: mal spiegelt sich das Kamerafahrzeug im Lack wieder, mal tauchen in einer Einstellung mehrere Fahrzeuge auf, nur um Sekunden später bei der nächsten Einstellung wieder verschwunden zu sein und ständig tauchen Objekte binnen Sekunden mal auf der Fahrer-, mal auf der Beifahrerseite auf.

Kurzum: All jene Filmfehler, die von Komödien wie "Black Dynamite" genüsslich aufs Korn genommen werden, werden hier unverblümt und mit der vollen Ernsthaftigkeit begangen. Ansonsten wird hier völlig ungeniert auf der gesamte Klischee-Klaviatur dieses Genres gespielt. Man ist sich hier wirklich für keine Plattitüde zu schade und unterm Strich bietet "Wrecker" damit nicht nur flache Charaktere, miese Dialoge und dumme Handlungsverläufe, sondern auch extreme Blutarmut und kaum Spannung. Und das ist nicht gerade das, was man von einem Film erwarten würde, in dem die Protagonisten bei 120 Meilen pro Stunde über schmale Bergpässe gejagt werden...

3/10

Montag, 4. Dezember 2017

Colors - Colors: Farben der Gewalt (Unrated Cut) (1988)

http://www.imdb.com/title/tt0094894/

Die Straßenbanden von Los Angeles: Sie sind fast noch Kinder, bekämpfen sich aber bis aufs Blut. Um die Welle der Gewalt einzudämmen, setzt eine Spezialeinheit des LAPD den erfahrenen Polizeioffizier Bob Hodges (Robert Duvall) auf die Jugendlichen an. Ihm zugeteilt wird der junge Danny McGavin (Sean Penn). Doch mit seinem aggressiven Verhalten bringt der heißspornige Neuling schnell die Gangs gegen sich auf. Die beiden völlig gegensätzlichen Cops finden sich schon bald mitten im Krieg zwischen den rivalisierenden Bloods und den Crips wieder, die selbst vor Mord - auch an Polizisten - nicht zurückschrecken...

Mit "Colors" gelingt Dennis Hopper 1988 ein erstaunlich stilsicherer Blick auf die Gang-Szene von Los Angeles und gleichzeitig ein herausragender Beitrag zum sogenannten Police-Procedural-Film. Die Grundkonstellation von "Colors" dürfte dem Zuschauer bekannt vorkommen: ein Copthriller aus Los Angeles mit einem erfahrenen Polizisten und einem jungen Heißsporn als schicksalsträchtiges Doppelgespann. Probleme sind natürlich vorprogrammiert. Nur spielt es nicht wie im sehr populären Fuqua-Streifen "Training Day" zur Jahrtausendwende, sondern Ende der 80er Jahre. Es ist ein Buddy-Movie, dem allerdings der kumpelhafte Humor anderer Vertreter wie "Red Heat" aus dem gleichen Jahr und der "Lethal Weapon"-Reihe abgeht. Die Konstellation des erfahrenen Cops, der einen Rookie unter seine Fittiche nimmt, war auch 1988 nicht mehr neu, wird aber von Robert Duvall und Sean Penn mit feinfühliger Schauspielkunst zum Leben erweckt. Hopper führt den Zuschauer mit voller Inbrunst in diese Zeit zurück. Da reicht es schon, wie die Kameraführung es im Vorspann vollführt, lediglich aus dem fahrenden Polizeiwagen auf die unterschiedlichsten Straßenzüge zu blicken.

Wie es Dutzende Filme vor und nach ihm gezeigt haben, hatte die Stadt immer ihre Vorzüge und zugleich ihre Schattenseiten. Eine solche sind die blutigen Bandenkriege, womit der Film sogleich startet und damit auch Bezug auf die damalige Realität genommen hat (unter anderem die real existierenden Gangs namens 'Crips' und 'Bloods'). Die Aufklärung einer Schießerei bildet den Auftakt, dessen Handlungsstrang aber neben der charakterlichen Ausgestaltung unserer beiden Protagonisten vergleichsweise locker weitergeführt wird. In diesem Fall kann man das dennoch sehr mögen. Sowieso ist die große Stärke des Films viel mehr die detaillierte Gesellschaftsstudie und ein Einblick in den generellen Umgang der Polizeiapparate mit diesem Thema. Sanfter, abgeklärter Kumpelton oder hartes, konsequentes Eingreifen? Die beiden tollen Hauptdarsteller Robert Duvall und Sean Penn verkörpern diesen Kontrast durch ihr Auftreten auf sehr eindrucksvolle Weise, ohne jedoch dies unnötig plakativ auszureizen. Final wird die ansonsten sehr differenziert ausgearbeitete Geschichte nachvollziehbarerweise auf einen dramatischen Höhepunkt zulaufen, mit einer sehr interessanten Epilogszene hat Hoppers Regiearbeit einen starken Nachhall hinterlassen. Gutes Ding.

7/10

Von CAPELIGHT PICTURES erschien der Film in beiden Versionen (Kinofassung und der hier besprochene Unrated Cut) in HD in einem tollen Mediabook in VHS-Optik:

Sonntag, 3. Dezember 2017

Dr. Giggles (1992)

http://www.imdb.com/title/tt0104139/

Der kleine Evan muss miterleben, wie sein Vater, ein angesehener Arzt, zum gefährlichen Serienkiller wird, in der Hoffnung, die todkranke Mutter zu retten. Viele Jahre später entkommt der inzwischen erwachsene Evan aus seiner Nervernheilanstalt, nachdem er einen Wachmann im Operationssaal einer sehr tödlichen Behadnlung unterzogen hat. Er kehrt zurück in seine Heimatstadt Moorehigh und ist vom gleichen Wahn getrieben wie sein Vater - um jeden Preis das passende Herz zu finden. Dabei will er auch gleich den Mord an seinem Vater rächen, den die Bewohner damals lynchten.

"Dr. Giggles" ist eine unterhaltsame Slasher-Komödie, der es leider an Spannung fehlt. Dafür ist die Handlung aber generell recht ausgewogen und wird in angemessener Geschwindigkeit erzählt, sodass keine Längen entstehen. Außerdem kann Larry Clarke viel überbrücken, da er den psychopathischen Arzt Dr. Giggles herrlich skurril spielt, ihn jedoch hätte vielleicht etwas beängstigender praktizieren lassen können. Doch da so ein Arztkoffer zum Glück viel hergibt, fallen seine alternativen Behandlungsmethoden ideenreich und teilweise herrlich makaber aus. Zudem sind auch die Einsatzorte abwechslungsreich gestaltet und er hat immer einen passenden, sarkastischen Spruch auf den Lippen. Leider wird vieles nur angedeutet oder passiert im Off. Außerdem hätte neben den bissigen Kommentaren noch etwas schwarze Situationskomik nicht geschadet. Geschenkt.

Neben dem Haupt-Handlungsstrang gibt es noch zwei weitere. Und zwar bekommt man noch einige Passagen aus Dr. Giggles Kindheit zu sehen, die dem Zuschauer nahelegen, woran sein Vater arbeitete, was die Bewohner aufgrund dessen mit ihm anstellten, wie der Kicher-Knirps entkommen konnte und warum er zum verrückten Doktor wurde. Ein weiterer Handlungsstrang handelt von Jennifer Campbell (Holly Marie Combs), die mit einem Herzklappenfehler zu kämpfen, Probleme mit der Stiefmutter und den üblichen Stress mit dem Freund hat. Doch Jennifer ist auch die perfekte Patientin für Dr. Giggles, um das unvollendete Werk seines Vaters fortzuführen. Also dauert es nicht lange, bis sich beide in die Arme laufen. Das heißt, dass beide sogar etwas charakterliche Tiefe bekommen. Nicht schlecht. Auch das Finale enttäuscht nicht und deswegen ist - insgesamt betrachtet - "Dr. Giggles" dem Genre-Freund durchaus zu empfehlen.

6,5/10

Von X-CESS ENTERTAINMENT erschien der Film uncut und in HD im limitierten Mediabook.

Munich - München (2005)

http://www.imdb.com/title/tt0408306/

Während der olympischen Sommerspiele 1972 in München kommt es zu einem feigen Terroranschlag durch die palästinensische Terrorgruppe Schwarzer September, bei dem elf israelische Athleten ermordet werden. Getreu dem Motto "Auge um Auge, Zahn um Zahn" stellt die israelische Regierung eine Todesliste zusammen, auf der die Namen von elf Verantwortlichen stehen. Der junge Mossad-Agent Avner Kaufman (Eric Bana), Sohn eines israelischen Helden, wird speziell für diesen Auftrag ausgesucht, der ausschließlich jenseits des Eisernen Vorhangs in Europa durchgeführt werden soll. Außerpolitische Komplikationen sollen dadurch vermieden werden. Auf sich allein und sein Team gestellt, nimmt Avner den Auftrag an und bekommt von seinem Vorgesetzten Ephraim (Geoffrey Rush) die Namen der in das Attentat Involvierten.

Steven Spielberg entschied sich für "Munich" als Titel seines Politthrillers und dieser Titel verwirrt in der Tat, man könnte erwarten hier eine Nachstellung des furchtbaren Geiseldramas präsentiert zu bekommen - statt dessen gibt's das Massaker nur in ein paar Rückblenden (die trotzdem ihre Wirkung nicht verfehlen) und der Film beschäftigt sich mit den Folgen. Man könnte jedoch der Hollywood-Legende eine bewusste Täuschung unterstellen. Eine ausgeklügelte Marketingstrategie anlässlich der Fokussierung auf ein bedeutendes, geschichtliches Ereignis zu unterstellen wäre dabei aufgrund des enormen, weltweiten Bekanntheitsgrades der Regielegende vermessen, von der wahren Botschaft des Filmes abzulenken jedoch eher in Betracht zu ziehen, denn der Titel der (fiktiven) Buchvorlage lautet "Vengeance" - und trifft den Kern der Sache auf den Punkt.

Schnell wird dem Zuschauer klar, dass ideologische, politische, wirtschaftliche und vorallem profitgierige Interessen längst ein weltweites, verworrenes und undurchschaubares Netz aus Terror und Tod gesponnen haben, in dessen klebrigen Fäden irgendwo als kleines Opferteilchen auch die damaligen Ereignisse aus München auftauchen. Die schonungslose und brutale Darstellung der blutigen Kettenreaktion, welche das olympische Desaster ausgelöst hat, wird von den Machern leider Pro-Israel geführt, wenn auch lediglich anhand der Hauptcharaktere um den Anti-Helden Eric Bana. Dies ist verständlich, aufgrund dramaturgischer Überlegungen, denn irgendwo muß der Zuschauer nun mal seine Emotionen und seine Anteilnahme lassen, oder? Nein, denn ohne diese Positionierung wäre "Vengeance" wohl als Meisterwerk durchgegangen, offenbart es doch (fast) ultimativ die Sinnlosigkeit der weltweiten Vergeltungsspirale, welche seit Jahrhunderten existiert und wohl auch leider niemals enden wird. 

Der Weg den Spielberg dabei einschlägt ist aber verwirrend: er will eigentlich die Ereignisse aufzeigen und im Grunde mahnen das Gewalt eben Gegengewalt erzeugt (ein Kritiker nannte den Film "ein Gebet für Frieden"), benutzt aber dabei sehr viele Thrillerelemente um den Film unterhaltsam zu machen. Letztlich ist es ein düsterer, deprimierender Agentenfilm geworden in dessen Mittelpunkt das Gewissen seiner Hauptfigur steht (Eric Bana bringt als gewissensgebeutelter Agent eine Superdarstellung) und der auf der Grundlage realer Ereignisse basiert.

8/10

Samstag, 2. Dezember 2017

Lion - Lion: Der lange Weg nach Hause (2016)

http://www.imdb.com/title/tt3741834/

Mit fünf Jahren wird der kleine indische Junge Saroo (Sunny Pawar) von seiner Familie getrennt, woraufhin er sich schließlich tausende Meilen von Zuhause entfernt und verwahrlost in Kalkutta wiederfindet. Nach dieser beschwerlichen Odyssee nehmen ihn Sue (Nicole Kidman) und John Brierley (David Wenham) auf, ein wohlhabendes australisches Ehepaar, das ihn in ihrer Heimat wie seinen eigenen Sohn aufzieht. Doch seine Wurzeln hat Saroo nie vergessen und so macht er sich als junger Mann (nun: Dev Patel) mit Hilfe seiner trüben Erinnerungen und Google Earth auf die Suche nach seiner wahren Mutter. Während seiner Reise in die eigene Vergangenheit hofft er endlich auf jenes Dorf zu treffen, das sich mit seinen Erinnerungen ans Vergangene deckt...

"Lion" ist die unglaubliche, aber wahre Geschichte um den indischen Jungen Saroo Brierley, der im Alter von fünf Jahren verloren ging und 25 Jahre später wieder zurück nach Hause findet. Regisseur Garth Davis Debütfilm schöpft dabei komplett aus dem Vollen. So eine wahre herzzerreißende Geschichte mit einem verzweifelten Jungen punktet ja immer, man muss schon fast Angst davor haben, emotional manipuliert zu werden. "Lion" nimmt sich seine Zeit. Das erste Drittel zeigt nur den jungen Saroo, wie er sein ärmliches Leben als kleiner Junge in Indien lebt. Erst relativ spät kommt der Film in der nahen Gegenwart an, wo Saroo als Erwachsener gezeigt wird. Und dann dauert es erneut einige Zeit bis ihm klar wird, dass er seine leibliche Familie wiedersehen muss. Dies alles wird sehr ruhig, mit sehr hochwertigen Bildern eindrucksvoll und eindringlich geschildert.

Dev Patel, der den Saroo der Gegenwart spielt, macht dabei einen sehr guten Job, auch David Wenham und Nicole Kidman, die endlich mal wieder eine Rolle spielt, in der sich sich nicht nur auf einen Gesichtsausdruck verlassen kann, sind glaubwürdig und hervorragend, aber ausgestochen werden sie alle, ohne Ausnahme, von dem jungen Sunny Pawar, der den Saroo im Alter von fünf Jahren spielt. Man kann ihn und seinen Charakter innerhalb von Sekunden ins Herz schließen und bereits nach 10 Minuten Film klammert man sich an Taschentücher und versucht mit Mühe, die Tränen zu unterdrücken, sofern dies einem überhaupt gelingt. Ja, "Lion" ist dramatisch und berührend. Mehr als das, er ist geradezu Herzzerreißend, wenn man mit dem kleinen Saroo mitgerissen wird und sein Leben verfolgt. Dabei gibt es immer wieder total dramatische Elemente, die durch glückliche Fügung oder Cleverness des Kleinen aufgelockert werden.

Eine Stärke des Films ist auch der Stimmungswechsel in die Gegenwart, wo Saroo nun ein schönes Leben in Australien leben darf. Dieser Kontrast lässt Indien und Australien fast wie zwei verschiedene Welten wirken. Aber obwohl von außen gesehen alles super läuft, er dank seiner priveligierten Eltern alle Chancen der Welt erhält, ist nicht alles so heile Welt wie es auf den ersten Blick wirkt. Diese Familiendramatik packt den Zuschauer, Saroo's Zerrissenheit wird sehr gut übersetzt, aber auch wie sich die Familie fühlt und wie ihn der durch eine Erinnerung erweckte Gedanken seine echte Familie wiederzusehen aus dem Konzept bringt ist nachvollziehbar. Leider schleichen sich in diesen Part gewisse Längen ein, die man so hätte etwas besser hätte ausarbeiten können.


Davis brüllt sein "Lion" jedoch insgesamt so zurückhaltend, fast schon sparsam, dass sich ein wunderbar sanfter filmischer Sog entfalten kann. Natürlich ist die erste Hälfte des Films alles andere als 'Feel-Good-Kino', aber Davis deutet vieles nur an und überlässt es uns Zuschauern, die Bilder in Schwarz oder Bunt auszumalen. Die zweite Hälfte ist damit eigentlich ein komplett anderer Film. Was "Lion" allerdings zu einem Ganzen verbindet, ist genau das, was man an Dramen so lieben kann: emotional herausfordernd, ganz wunderbar gefilmt und mit einem schönen Score unterlegt, schauspielerisch herausragend und am Ende Herzen sprengend. "Lion" reisst von Anfang an mit und entlässt mit einer bitter-süßen, klaffenden Wunde in den Familienalltag.

9/10

Freitag, 1. Dezember 2017

47 Meters Down (2017)

http://www.imdb.com/title/tt2932536/

Die beiden Schwestern Lisa (Mandy Moore) und Kate (Claire Holt) gönnen sich eine Auszeit in Mexiko, nachdem Lisas Freund gerade mit ihr Schluss gemacht hat. Seine Begründung lautete, Lisa wäre zu langweilig gewesen. Um solch ein Ereignis für die Zukunft auszuschließen, lässt sich Lisa zu einem abenteuerlichen Ausflug aufs Meer überreden: Einige gutaussehende Männer, die sie vor Ort kennenlernen, unternehmen nämlich eine Haikäfig-Tauchfahrt und die beiden Schwestern sind natürlich mit von der Partie. Draußen auf dem Wasser tritt dann der absolute Albtraum ein: Als der Käfig mit den beiden Frauen im Inneren hinabgelassen wird, reißt das Sicherheitsseil und schickt Lisa und Kate auf den Meeresgrund - umringt von Haien! Während der Sauerstoff zur Neige geht, beginnt eine verzweifelte Rettungsaktion, dessen erstes Hindernis die unterbrochene Kommunikation zum sicheren Boot ist. Denn in 47 Metern Tiefe versagen die Funkgeräte...

Nachdem mit dem grandiosen "The Shallows" der Hai-Horror quasi wiederbelebt wurde, kommt mit "47 Meters Down" nun der nächste klassische Hai-Thriller, bei dem das "Gefängnis" diesmal kein Fels ist, der in der Flut zu versinken droht, sondern ein Beobachtungskäfig, in dem zwei Schwestern auf den Grund des Meeres gesunken sind. Neben den Haien, die auf Grund des trüben Wassers und der geringen Sichtweite meist erst in letzter Sekunde zu sehen sind und so für die ein oder andere Schrecksekunde sorgen, ist diesmal der zur Neige gehende Sauerstoff das größte Problem. Wie in "The Shallows" ist das Setting also sehr begrenzt und wie in "The Shallows" gibt es wieder eine Backstory, die es zu überwinden gilt und die in diesem Falle aber deutlich schwächer ausfällt. Der Aufbau ist zudem etwas zäher, die Bilder sind nicht ganz so beeindruckend, wenngleich weitaus realistischer, und das Unterwassersetting wird auf Dauer leider etwas eintönig - hier wäre die ein oder andere originelle Idee für etwas mehr Abwechslung vielleicht hilfreich gewesen - andererseits spielt "47 Meters Down" auch in einer deutlich geringeren Budget-Klasse als "The Shallows" und dafür macht er - das muss man fairerweise sagen - seine Sache dann doch recht gut: die Haie sehen ordentlich aus und zweifelsohne gelingt es dem Werk, eine beklemmende Atmosphäre aufzubauen. Dazu kommt ein gelungener Schlussakt, so dass Freunde von Tierhorrorfilmen auf jeden Fall einen Blick riskieren können.

6,5/10

Dienstag, 28. November 2017

The Dead Pool - Dirty Harry V: Das Todesspiel (1988)

http://www.imdb.com/title/tt0094963/

Inspektor "Dirty" Harry Callahan (Clint Eastwood) hasst nichts so sehr wie die so genannten Schönen und Reichen und ihren Lebensstil. Vor allem, da es seine Arbeit erschwert. Doch nach seinem zuletzt gelösten Fall muss er sich wohl oder übel mit der Oberschicht beschäftigen, denn ein kranker Psychopath hat eine fiktive Todesliste veröffentlicht, auf der viele Berühmtheiten, aber auch er selbst zu finden ist. Als der erste Kandidat der Aufzählung, der Rockstar Johnny Squares (Jim Carrey), umgebracht wird steigt auch das mediale Interesse an dem 'Spiel' und Callahan muss unter Zeitdruck die Verbindung zwischen den gelisteten Persönlichkeiten herstellen, um so die Hintermänner dingfest zu machen...

Clint Eastwoods letzter Auftritt im "Dirty Harry"-Franchise - damals 58 Jahre alt, erklärte er das Ende damit, dass er zu alt für die Rolle wird und es nicht mehr glaubwürdig wirkt. Man wünschte sich, dass viel andere ebendiese Einsicht auch hätten.

Das Gesetz, dass sich jeder Teil von den anderen abhebt, setzt sich fort. "Das Todesspiel" ist nach wie vor solide Unterhaltung mit einem kompromisslosen Charakter, der keine Gefangenen macht. Ähnlich wie in "The Enforcer" ist auch nach wie vor die simple und vorhersehbare Story der größte Schwachpunkt, wohl auch deswegen werden ein paar Nebengeschichten eingestreut, die mit der Haupthandlung gar nichts zu tun haben - leider nur Stangenware, die vor allem nach der Mitte Längen enthält, aber auch an manchen Stellen für Lacher sorgt. Jedoch ist Eastwood beim Schurkenaufräumen mit seinem unnachahmlich angewiderten "Dirty Harry"-Gesichtsausdruck unschlagbar.

Der Plot hat hier nur zwei Besonderheiten: zum einen der Cameo-Auftritt der Guns'n'Roses, die bei einer Beerdigung und Aufnahmen für einen Film von Horror-Regisseur Peter Swan (gespielt von Liam Neeson) erscheinen. Die Band hatte nur ein halbes Jahr vor dem Dreh zu "Dirty Harry V" ihr epochales erstes Album "Appetite For Destruction" herausgebracht, war aber noch weit vom späteren Kultstatus entfernt. Es spricht für die Macher, das Besondere in dieser Band erkannt zu haben, als der sog. Glam Metal noch dominierte, und den GnR-Hit "Welcome To The Jungle" mit einer starken Einlage von Jim Carrey als durchgeknallter Rockstar zu bringen.

Das andere Feature ist Eastwoods Verfolgung durch ein ferngesteuertes Spielzeugauto, das mit Sprengstoff bestückt ist - weit weniger beeindruckend, weil die recht ausgedehnte Sequenz überhaupt nicht glaubwürdig erscheint und damit die sonst realistisch gehaltene Krimireihe von allen anderen abhebt. Für den Plot langt das aber allemal. Dafür wartet aber eine der Nebenhandlungen mit einem richtigen Brüller auf. Die Postbotenszene im Knast ist natürlich der Knaller des gesamten Films. Das Finale einer Reihe mit vielen Höhen und Tiefen geht damit insgesamt zwar nicht mit einem Knall in die Filmanalen ein, aber Clint Eastwood als Harry Callahan ist immer einen Blick wert. Alles in allem somit ein würdiger Abschied von "Dirty Harry".

6,5/10

In den USA gibt es die komplette Kollektion in einer 5-Disc Ultimate Collector's Edition mit allen 5 Filmen auf Blu-ray, dem Replik von Callahans Polizeimarke, einem informativen Begleitbuch, das Ganze verpackt in 2 Digipaks in einer stabilen Box. Ein echter Blickfang und Schmuckstück. Natürlich auch mit deutschem Ton.

Sonntag, 26. November 2017

Underworld: Blood Wars 3D (2016)

http://www.imdb.com/title/tt3717252/

Vampirkriegerin Selene (Kate Beckinsale) muss erkennen, dass sich die Welt gewandelt hat und das Geheimnis um die Existenz von Vampiren und Werwölfen gelüftet wurde, woraufhin die Menschen alles daran setzen, beide Seiten auszulöschen. Indes denkt der Anführer des Lykaner-Clans, Werwolf Marius (Tobias Menzies), selbst im Angesicht der gemeinsamen Bedrohung nicht an einen Frieden mit den Vampiren. Selene kehrt schließlich aufs Schlachtfeld zurück und muss sich gegen zahlreiche Angreifer aus den Reihen der Werwölfe zur Wehr setzen - aber auch einige verräterische Vampire sind der ausgezeichneten Kämpferin feindlich gesinnt. Dabei will Selene nur eins: Den ewig währenden Krieg gemeinsam mit David (Theo James) und dessen Vater Thomas (Charles Dance) endlich beenden, auch wenn sie dafür das ultimative Opfer bringen muss...

So merkwürdig das auch klingen mag, "Blood Wars" lebt davon, dass man hier wirklich gar nichts Relevantes mehr zu erzählen hat. Nach einem Intro, in dem das "Awakening"-Ende und der die Reihe mittlerweile meidende Scott Speedman über Bord geworfen werden, folgt eine 60-minütige Exposition und ein unbedeutendes, aber unterhaltsames Kammer- und Intrigenspiel.


Und - das kann man kaum anders sagen  -als "Game Of Thrones"-Fan hat man daran großen Spaß. Während der böse "Edmure Tully"/Marius mit seiner Werwolfhorde vor der Tür steht, streiten sich die Vampirfürsten "Tywin Lannister", "Randyll Tarly" und "Irene Adler" um den eisernen... ach nein - die Macht am Hof des Östlichen Ordens. Irgendwo dazwischen bewegt sich eine immer noch sehr sexy auftretende Kate Beckinsale, die hier allerdings gar nicht wirklich benötigt wird. Mehr Dialoge mit Charles Dance, James Faulkner und Lara Pulver wären da angebrachter gewesen. Stattdessen hetzt "Underworld: Blood Wars", der nunmehr fünfte Ableger des "Underworld"-Franchise von Scharmützel zu Scharmützel und vebindet diese durch etwas generischen Dialog. Immerhin sind die Kämpfe schön actionreich und auch blutig, sodass hier keine Langeweile aufkommt.


Doch irgendwann schickt "Tywin" dann seinen Sohn David (ganz gut: Theo James) und Selene in den eisigen und beeindruckend bebilderten Norden, wo sie eine Mauer erklimmen und im Nördlichen Vampirorden von Davids wahrer Abstammung erfahren: er ist der Erbe des Throns des Östlichen Ordens! Selen stirbt im Kampf gegen Werwolf Marius ("Edmure Tully") auf dem Eis, wird von den nördlichen Vampiren allerdings wiederbelebt. Zum Schluss kommt es im Östlichen Orden zum entscheidenden Kampf, in dem die Werwölfe von einer nun noch mächtigeren Selene und David mit seinem neuen übermächtigen Familienschwert bezwungen werden. Wie unfassbar vorhersehbar.

Eigentlich komplett nichtssagend und ziemlich mies, bewegt sich "Underworld: Blood Wars" dennoch irgendwo zwischen langweilig und unterhaltsam hin und her. Die Optik bleibt weiterhin ein Augenschmaus, einen schöneren Bildschirmschoner als diesen Film kann es daher gar nicht geben.

5,5/10