Samstag, 4. Juli 2015

The Place Beyond The Pines (2012)

http://www.imdb.com/title/tt1817273/

Motorradstuntman Luke (Ryan Gosling) zieht mit einem Jahrmarkt, auf dem er seine Kunststücke vorführt, durch die Lande. Zufällig trifft er Romina (Eva Mendes) wieder, eine Frau, mit der er einst einen One-Night-Stand hatte. Romina wurde schwanger und der kleine Sohn der beiden ist mittlerweile ein Jahr alt. Für Luke kommt die Nachricht, dass er Vater ist, überraschend. Um der jungen Mutter und seinem Sprössling finanziell unter die Arme zu greifen, raubt er gemeinsam mit dem weltfremden Automechaniker Robin (Ben Mendelssohn) Banken aus. Im Vertrauen auf sein fahrerisches Talent geht Luke immer mehr Risiken ein, bis schließlich bei einem Überfall etwas schiefläuft und er sich auf der Flucht vor den Gesetzeshütern in einem Haus verschanzen muss. Der ehrgeizige Kleinstadtpolizist Avery Cross (Bradley Cooper), der sich vor Frau (Rose Byrne) und Kind in die Arbeit flüchtet, wittert darin seine Chance. Wenn es ihm gelingt, den Bankräuber dingfest zu machen, der in dem Haus in der Falle sitzt, könnte das für ihn einen weiteren Sprung in der Karriereleiter bedeuten. Jahre später begegnen sich die Söhne (Dane DeHaan, Emory Cohen) der beiden Männer und werden Freunde, bis sie entdecken, dass ihre Leben bereits früh miteinander verknüpft wurden. Die Situation zwischen den Teenagern eskaliert.

Regisseur Derek Cianfrances offensichtlicher Hang zur Melancholie ist in seinem Werk "The Place Beyond The Pines" tief verankert. Es ist eine Geschichte in drei Akten. Drei tragische Geschichten über Schuld und Sühne, Leben und Tod, und nicht zu Letzt über Väter und Söhne. Die Übergänge verlaufen dabei erstaunlich unbemerkt, sodass selten das Gefühl aufkommt kein homogenes Ganzes zu gucken. Leider krankt der Film in der Mitte mit einigen Hängern, was das Gesamtbild aber nur ein wenig trübt. Außerdem ist der erste Teil so unglaublich stark, dass ein etwas magerer Mittelteil den Film nicht merklich runterzieht.

Der Streifen punktet auf sehr vielen Ebenen. Da wäre zum einen der großartige Soundtrack. So wartet Cianfrance's Streifen mit einer elektrisierenden Mischung aus minimalistischen Instrumental-Sounds und ruhigen Songs auf. Alles tief in Melancholie und Traurigkeit getunkt. Dabei aber nie kitschig, einfach nur wunderschön. Die kühlen Bilder und die großartige Kamera-Arbeit (vor allem die anfängliche Plansequenz gibt Einiges her) schaffen eine wunderbare Atmosphäre, die sich durch den gesamten Film zieht. Wenn Gosling auf seinem Motorrad durch den Wald brettert, ist das nicht nur toll gefilmt, es vermittelt auch ein einzigartiges Gefühl der Freiheit.


Auch die Schauspieler machen allesamt eine gute Figur, allen voran Ryan Gosling. Er ist offenbar für solche Werke wie gemacht. Er gibt wie immer den coolen, wortkargen Helden, der zu Gewaltausbrüchen neigt. Allerdings sollte er langsam aus diesem Trott rauskommen, der Mann hat eine Menge drauf, er muss es nur häufiger zeigen. Hier funktioniert diese Figuren-Verkörperung von Gosling aber total. Auch Bradley Cooper gibt eine gute Figur ab, hin- und hergerissen zwischen Recht und Unrecht. Eva Mendes macht sich ebenfalls gut, auch wenn sie scheinbar die einzige ist, die 15 Jahre später gealtert ist. Aber gut. Ansonsten ist noch ein sehr überzeugender Dane DeHaan und Ray Liotta zu erwähnen, welcher zwar auch wie so oft den korrupten Bullen mimt, dabei aber ebenso voll aufgeht.

Eine weitere Schwachstelle (neben dem bereits erwähnte Mittelteil) von "The Place Beyond The Pines" ist leider die Lauflänge von knapp zweieinhalb Stunden. Auch wenn die Story viel hergibt und auch ordentlich erzählt wird, hätten 20 Minuten weniger vermutlich nicht geschadet. Der Mittelteil um Bradley Cooper und die Aufdeckung der Korruption zieht sich ein wenig. Der viel interessantere Aspekt: wie Cooper mit der Tatsache umgeht, dass er einem kleinen Jungen den Vater genommen hat. Eine tiefere oder intensivere Spiegelung der eigenen (jungen) Vaterschaft, hätte wohl mehr Wirkung erzielt. Aber dafür holt der dritte Akt einiges raus: der Fokus liegt nun wieder auf dem eigentlichen Interesse. Nach zwei doch recht unterschiedlichen Akten, folgt nun der Rache-Akt, der aber hier erfreulich gewaltarm ausfällt und sich so perfekt in das Gesamtbild einfügt.

Auch wenn die Story kaum etwas Neues bietet, ist doch die ausufernde Erzählweise sehr interessant. Schauspieler und Regie machen allesamt einen soliden Job. Sinn für Ästhetik hat der Film auf alle Fälle und der Soundtrack lässt sich hören. Ein vordergründiges Drama, was aber durch die Darstellung korrupter Polizisten und deren Deckung durch ihre Vorgesetzen eine Gesellschaftskritik zeigt, die deutlich subtiler- und deswegen beeindruckend ist. Es ist ein Film der irgendwie anders ist, einzigartig, aber sicher nicht einfach und nichts für Zwischendurch.

8/10