Dienstag, 7. Juli 2015

마이 웨이 - Mai Wei - My Way - Prisoners Of War (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1606384/

Jun Shik (Dong-gun Jang) arbeitet zur Zeit der japanischen Kolonisation in Korea auf einer Farm. Sein Traum ist es, als Marathonläufer bei Olympiade zu starten. Tatsuo (Odagiri Jo) teilt diesen Wunsch. Schon immer war deren Beziehung von großer Rivalität geprägt. Doch der Krieg beendet die Hoffnungen der beiden Männer und zwingt sie aufs Schlachtfeld. Im Laufe ihres Militäreinsatzes werden Jun Shik und Tatsuo, die für das japanisch Heer kämpfen, von den sowjetischen Streitkräften übermannt und in ein Arbeitslager für Kriegsgefangene gebracht. Jedoch gelingt ihnen kruz darauf auch schon wieder die Flucht. Davon lassen sich die beiden nicht unterkriegen und kämpfen wenige Zeit später an der Seite des deutschen Heeres in der Normandie. Zunächst wurden sie von den Deutschen getrennt, da sie in verschiedenen Heeren kämpfen, doch 1944 treffen sie sich auf dem Schlachtfeld der Normandie wieder.

Koreanische Filmemacher liefern seit einiger Zeit das, was Hollywood leider nur noch selten bieten kann. "Brotherhood" ("Taegukgi hwinalrimyeo") etwa gehört zu meinen absoluten Lieblings-Anti-Kriegsfilmen aus dem asiatischen Raum und vom selben Regisseur (Je-kyu Kang) kommt nun auch "My Way", der in Deutschland absurder Weise den ebenfalls englischen Titel "Prisoners Of War" trägt.

Die Grundidee des Films, die auf realen Ereignissen basiert, ist äußerst spannend und mitreißend. Sie zeigt einmal mehr die Sinnlosigkeit des Krieges, wie wenig den Befehlshabern das Leben ihrer Soldaten wert ist und wie wenig Bedeutung Moral oder Ideologie für einfache Soldaten im Kampf haben. Sowohl für Jun-Shik als auch für Tatsuo geht es letzten Endes nur noch darum, zu überleben. Für wen sie gerade kämpfen, auf wen sie schießen und wer den Krieg letztendlich gewinnt, ist ihnen irgendwann völlig egal. Für sie ist der Film im wahrsten Sinne des Wortes sinnlos. Botschaft angekommen.

Dazu passen auch die eindringlichen Schlachtszenen. In diesen wird nicht mit roher Gewalt gespart, sie verkommt aber auch nie zum Selbstzweck. Die Darstellung der verschiedenen Schlachten (von der Mandschurei bis hin zur Normandie) ist dabei nie wirklich realitätsnah. Die Befehlshaber scheinen noch nie etwas von Taktik gehört zu haben und meistens stürmen die Soldaten wie im Mittelalter aufeinander zu. Das ist zwar historisch zum Haare raufen, aber die Atmosphäre, die dadurch erzeugt wird, ist unglaublich intensiv. Die Schlachtfelder sind das reinste Chaos, von überall fliegen einem Kugeln um die Ohren, krachen Explosionen, spritzen Blut und Schlamm. Die Panik und Todesangst der Soldaten wird durch diese Kriegsdarstellung schon fast körperlich fühlbar. Was für grandiose Effekte, schöne Panoramen und beachtliche Soundeffekte hier mit recht geringem Budget erreicht wurden, ist bemerkenswert und muss sich nicht hinter Genregrößen verstecken.


Was "Prisoners Of War" nun von vielen Genrefilmen unterscheidet, ist die Perspektive, die der Film einnimmt. In vielen Kriegsfilmen gibt es klare Gut/Böse-Verteilungen. Nicht hier. Dadurch, dass die beiden Hauptcharaktere sowohl auf Seite der Achsenmächte als auch auf Seiten der Alliierten kämpfen, ist der Film sehr differenziert, der eigentliche Feind der beiden Leidensgenossen ist der Krieg selbst. Grausamkeiten werden sowohl von Deutschen, Russen, Japanern, Koreanern und Amerikanern verübt, keine Seite wird heroisiert aber auch keine dämonisiert. Der Film schafft es, die Kriegsparteien und deren Motivation aufzuheben und überzeugend darzustellen, dass prinzipiell alle Soldaten im selben Boot sitzen und Krieg immer furchtbar ist, egal für wen oder wofür man kämpft.

Leider gibt es einige Defizite, was Schnitt und Tempo anbelangt. So sind die einführende 30 Minuten eigentlich ziemlich ruhig, was aber derjenige, der für den Schnitt verantwortlich war, anscheinend nicht ganz mitbekommen hat. So bleibt kaum eine Kameraeinstellung länger als 3 Sekunden bestehen und das Bild wechselt teilweise bei ruhigen Dialogszenen so schnell wie bei den rasantesten Actionszenen. Das wirkt ausgesprochen störend und zerstört die anfängliche Atmosphäre des Films vollkommen. Etwas ähnlich geartet ist die leider in Mode gekommene Wackelkamera. Diese kommt später im Film beinahe zu oft zum Einsatz und macht es etwa bei Prügeleien oder Dialogszenen mit vielen Charakteren praktisch unmöglich, dem Geschehen zu folgen. Zu diesen negativen Aspekten der Technik gesellt sich noch die recht flache Charakterzeichnung, die für westliche Augen teilweise recht gewöhnungsbedürftige, weil überzeichnete Darbietung einiger Schauspieler und einige ziemlich kitschige und klischeehafte Szenen, die den Gesamteindruck leider etwas trüben. Auch wirken viele Szenen merkwürdig, wenn nicht gar absurd, gerade was die ethnologische Zusammensetzung der Armeen betrifft. Man darf nicht so weit gehen, und den Film als Kopie des besseren "Brotherhood" bezeichnen, oft wird man aber daran erinnert. Gerade wenn das Ende erreicht ist. Je-kyu Kang arbeit wohl gern so.

Insgesamt ist "Prisoners Of War" aber ein sehr guter (Anti-)Kriegsfilm, der es mehr als wert ist, gesehen zu werden. Es ist ein sehr sehenswerter, emotionaler Film mit teils wunderschönen Bildern, bombastischen Schlachtszenen und einer trotz allen kleinen Mankos gelungenen Botschaft.

8/10