Sonntag, 12. Juli 2015

Her (2013)

http://www.imdb.com/title/tt1798709/

Theodore Twombly (Joaquin Phoenix) arbeitet als Autor persönlicher Briefe, die in der nahen Zukunft eine Seltenheit geworden sind. Während er sein Geld also damit verdient, wildfremden Auftraggebern zu privatem Glück zu verhelfen, fühlt sich Theodore nach der Scheidung von seiner Frau Catherine (Rooney Mara) selbst allein und einsam. Beeindruckt von einer Werbung kauft er sich ein neues Betriebssystem, das mit einer artifiziellen Intelligenz ausgestattet ist und ihn von nun an auf allen seinen Geräten begleitet. Nachdem Theodore einige persönliche Fragen beantwortet hat, bekommt das Programm eine Stimme und einen Namen: Die charmante Samantha (Stimme: Scarlett Johansson) ordnet nicht nur Theodores Mails und sucht den besten Song für jede Stimmung aus, sondern entpuppt sich auch als perfekte Gesprächspartnerin, mit der Theodore über Gott und die Welt reden kann. Durch Samanthas humorvolle und einfühlsame Art beginnt der deprimierte Mann, langsam wieder Freude zu empfinden – und sich in das Programm zu verlieben…

Spike Jonzes "Her" ist die Entdeckung des Jahres. "Her" spielt in der Zukunft. Was die Kleidung nicht vermuten lässt. So ähnelt sich diese doch stark an die 70er und 80er Jahre und deutet so an, dass die heutige und zukünftige Mode sich retrospektiv entwickeln wird. Man lernt Theodore Twombley kennen. Dieser arbeitet in einer Firma, die sich auf das Schreiben von Briefen spezialisiert. Ja, richtig gelesen, in der Zukunft werden keine Briefe mehr selbst geschrieben. Man lässt sie schreiben. Aber eigentlich werden diese doch mehr diktiert und vom Computer geschrieben. Zukunft eben. Jeder hat einen kleinen Knopf im Ohr, der das ausführt was man ihm sagt. Emails lesen, Nachrichten, Wetter, Kontake, Termine... wer sich ein Bild davon machen möchte, der stelle sich doch einfach mal vor, das auf der Straße quasi jeder mit sich selbst redet, doch auch irgendwie wieder nicht. Theodore scheint ein besonderes Talent dafür zu besitzen besonders liebevolle, emotionale und schöne Briefe zu schreiben . Doch befindet er sich selbst in einer Lebensphase in der er selbst nach Zuneigung und Liebe sehnt. So lebt er getrennt von seiner Frau, die er immer noch liebt. Plötzlich kommt ein besonderes Betriebssystem auf dem Markt. Es besitzt eine so gut ausgebildete Künstliche Intelligenz die es ihr erlaubt, sich komplett auf den Benutzer einzustellen. Und ab dann beginnt für mich der Teil indem sich der Film in seiner völligen Magie entfaltet.

Nach einer kurzen Einrichtung des Betriebssystems, meldet sich in Theodores Knopf eine weibliche Stimme. Eine wunderschöne Stimme. Es ist Samantha, so nennt sie sich zumindest selbst, nachdem sie die Datenbank nach weiblichen Namen durchsucht hat. Samantha ist witzig, verständnisvoll, liebevoll oder anders gesagt, die perfekte Freundin/Frau für Theodore. Sie werden Freunde. Später intensiviert sich ihre Beziehung und Theodore verliebt sich in Samantha, in ihre Stimme. Und immer wieder die Frage: "Was wäre, wenn du echt wärst? Neben mir liegen würdest? Ich dich anfassen könnte? Ich dich richtig lieben könnte?"

Selten hat ein Film so berührt wie "Her". Er weiß ganz genau, wie er zum Lachen und zum Nachdenken anregt. "Her" unterhält und rührt auch gleichzeitig zu Tränen. So wirkt das Szenario doch auf den ersten Blick ziemlich surreal. Doch denkt man mal genau darüber nach, ist dies doch erschreckend echt. In Großstädten vereinsamen Menschen, sehnen sich wie Theodore nach Liebe und Zuneigung. Die Welt wird dabei immer digitaler, und Kommunikation findet dabei immer mehr über digitale Wege statt. So wäre eine KI die sich so wie Samantha auf einen einstellt der nächst logische Schritt. So fühlt man sich doch nie allein, wenn man mal wieder einsam ist. Unterlegt von Sound von Arcade Fire, Bildern von grandioser Schönheit und Brillianz, immer zur Stimmung passender homogener Farbgebung... Jonze hat mit "Her" einfach nur einen brillianten Film geschaffen.

Ein Film mit Witz aber auch mit vielen rührenden Momenten. "Betörend schön, formal brilliant, eine philosophische Herausforderung." (Zitat Die Welt) Und ja, es ist eine Herausforderung, doch ist diese so schön und leicht zugänglich, dass man sich dieser gerne annimmt.

9/10