Sonntag, 12. Juli 2015

Gremlins - Gremlins: Kleine Monster (1984)

http://www.imdb.com/title/tt0087363/

Zu Weihnachten erhält Billy (Zach Galligan) von seinem Vater, dem erfolglosen Erfinder Rand Peltzer (Hoyt Axton) ein süßes Pelztier. Doch der Inhaber des kleinen Ramschladens in Chinatown, in dem Rand den sogenannten Mogwai erstanden hat, gibt drei wichtige Regeln mit auf den Weg, die unbedingt eingehalten werden müssen: Das Tier darf nicht grellem Licht ausgesetzt werden, nicht mit Wasser in Berührung kommen und niemals nach Mitternacht gefüttert werden. Billy tauft das süße Pelzknäuel auf den Namen Gizmo und ist völlig verzückt. Doch dann kommt Gizmo doch mit Wasser in Kontakt, woraufhin fünf weitere Tierchen entstehen - und die sind weit weniger süß und niedlich als der erste Mogwai. Das Unheil nimmt seinen Lauf, denn schnell werden die Tiere zu einer ernsten Gefahr für die Kleinstadt Kingston Falls...

Regel 1: Setze ihn nicht dem Licht aus, sonst stirbt er. Regel 2: Bringe ihn niemals mit Wasser in Berührung. Und ganz wichtig, Regel 3: Füttere ihn niemals, wirklich niemals nach Mitternacht.

"Gremlins", wohl das Werk des Regisseurs Joe Dante. Bis heute wirkte kein anderer Film von ihm so nachhaltig auf das Publikum. Zwar kennen (wenn man es mal genau nimmt) relativ wenige Menschen ausserhalb des Filmuniversums Joe Dante, aber wenn man die "Gremlins" ins Spiel bringt, sagt plötzlich jeder "Ach der!". Was aber genau macht diesen Film so besonders? Denn im Grunde ist es eine einfache Geschichte: kleine Monster zerstören eine Stadt. Fertig. Nun, das besondere steckt in den vielen kleinen Details. Die, die sowohl für den Laien leicht erkennbar sind und die, bei denen Dante immer wieder kleine versteckte Leckerbissen an Filmreminiszensen für uns Freaks einbaut. Diese kleinen Filmverweise dienen nicht nur dazu, viele Erinnerungen an vergangene Tage des Fantasyfilms hochleben zu lassen, sondern auch zu zeigen, wie sehr die Welt der Fantasy (und auch des Horrors) den Zuschauer beeinflusst.

Aber Dante wäre nicht Dante wenn er mit seinen kleinen Monstern nicht nur die Unterhaltung hochleben lässt, sondern er schafft auch die Gradewanderung zwischen Humor und Horror. Ohne den Humor in seinen Filmen (und diesen hier ganz speziell) wäre es knallharte Horrorstreifen geworden. "Gremlins" überzeugt durch beiden Seiten.


Einerseits ist er ein atmosphärisch sehr spannend inszenierter Horrorfilm, der durch seine Schockeffekte und spannungsgeladenen Aufbau zu unterhalten weiß. Andererseits ist dieser Film eine perfide Attacke auf das kleinbürgerliche Vorstadtleben. Die Gremlins zerstören hier das amerikanische Kultur- und Lebensgut auf hundsgemein Art und Weise. Dante benutzt sie, um eben diesen Traum des heilen Lebens zu zerstören. Und wie der Mensch darauf reagiert wird in Dantes Welt stets als ironisch und etwas simpel-konstruiert dargestellt. Allein schon wie die Katzenlady mit ihrem Treppenlift ins Jenseits befördert wird ist fies, grausam und gleichzeitig herrlich lustig. Auch die Tatsache, dass der Song "Silent Night", der das völlig Äquivalent zur Szenerie darstellt, immer wieder im Hintergrund als Thema auftaucht unterstreicht den sarkastischen Unterton des Films. Doppelt.

Dante benutzt somit die Bedrohung und Zerstörung der Gremlins um die Engstirnigkeit der Menschen aufzuzeigen und die "heile Welt" als eine Illusion darzustellen. Er entwirft ein Gegenbild der spielbergschen Welt der 80er Jahre und zelebriert sie gleichzeitig (allein die Tatsache das in denselben Kulissen wie "Zurück in die Zukunft" gedreht wurde zeigt das). Neben diesen inhaltlichen Tatsachen kann Dante einfach perfekt inszenieren und spielt mit allerlei Erwartungen. Der Film kann perfekt unterhalten, immer und immer wieder. Auch wenn die SFX für heutige Bedürfnisse angestaubt wirken, sind diese handgemachten, animatronischen Effekte nahezu perfekt. Neben vielen, vielen netten Anekdoten ("Gremlins" ist neben "Indiana Jones" der Film, wegen dem in den USA das PG-13-Rating eingeführt wurde) und das Dante immer wieder gerne mit seiner alten Crew arbeitet und seinen Lieblingsdarstellern, wie Dick Miller, ist dieser Film eine der anarchistischsten Filme die jemals gedreht wurden. Ein Film der die Kultur herrlich denunziert. Hier stimmt (bis auf wenige verschmerzbare Kleinigkeiten) einfach alles.

8,5/10