Freitag, 6. September 2013

Gangs Of New York (2002)

http://www.imdb.com/title/tt0217505/

"Unser Glaube ist die Waffe, die unsere Feinde am meisten fürchten, denn es gibt unserem Volk die Kraft, sich gegen diejenigen zu erheben, die uns vernichten wollen."

Schon die Eröffnung, dieser Kampf zwischen den "Natives" und den "Dead Rabbits" hat eine tolle Mixtur aus Brutalität und viel Blut, aus Gewalt und Abschlachten. Tolle Kameraeinstellungen, Großaufnahmen der Menschen und Kampfgeschehnisse und dazu die moderne Musik machen daraus eine große künstlerische Sequenz. Danach ist man sofort mitten in dieser Welt drin. In den Five Points, einem heruntergekommenen Viertel in New York um das Jahr 1850.Die Geschichte von "Gangs of New York" wird oft als "dünn" beschrieben und oberflächlich könnte man sie auch schnell zusammenfassen.

Es ist das Jahr 1862: In den Five Points, einem Stadtteil von New York, herrscht ein erbitterter Krieg zwischen den einheimischen ‘Natives’ und den irisch-stämmingen ‘Dead Rabbits’. Nach 16 Jahren in der Erziehungsanstalt kehrt Amsterdam Vallon (Leonardo DiCaprio) nun an den Ort zurück, wo 1846 sein Vater und Anführer der ‘Dead Rabbits’, Priester Vallon (Liam Neeson), während eines Bandenkrieges durch die Hand von Bill ‘The Butcher’ Cutting (Daniel Day-Lewis) starb. Bill ist Oberhaupt der ‘Natives’ und schürt abgrundtiefen Hass gegen Schwarze und Einwanderer aus Europa. Er regiert das Viertel wie ein König und ehemalige Weggefährten von Amsterdams Vater haben sich seiner Macht gebeugt. Um seinem Ziel ‘Vergeltung’ näher zu kommen, unterwandert Amsterdam die ‘Natives’ mithilfe seines alten Freundes Johnny Sirocco (Henry Thomas). Nach und nach kann er sich in der Hierachie hocharbeiten und das Herz des Butchers für sich gewinnen. Doch sein Plan wird noch schwieriger, als er Jenny Everdeane (Cameron Diaz) begegnet. Denn auch Jenny hat eine Vergangenheit mit dem Butcher, wodurch seine Pläne noch komplizierter werden...

Aber diese Zusammenfassung würde diesem Film nicht gerecht werden. Denn sie ist viel mehr. So haben wir die echten historischen Hintergründe der "Draft Riots" im Jahr 1863. Und neben der Geschichte über Rache handelt die Geschichte ebenso  von Macht und Vorherrschaft, von Einfluss. Es geht um Freundschaft, Liebe und Verrat, um Bürgerkrieg, um Politik, um Gewalt. Die Geschichte zeigt, dass man für seine Überzeugungen, dass man für seine Ideale und sein Glück kämpfen muss.

Ich habe eine gewisse Zuneigung für solche Historienfilme. Für die Kostüme und für eben diese Zeiten, die mehr als 100 Jahre her sind. In denen man die Historie förmlich schmecken kann. Und gerade in der Hinsicht ist der Film einfach fantastisch. Kombiniert mit den tollen Kulissen und der vor allem mit Trommeln, Flöten und Geigen eingespielten Musik vermittelt der Film ein glaube ich wirklich gutes Bild der damaligen Zeit, vor allem aber - und das ist viel wichtiger - lässt er den Zuschauer in diese Welt eintauchen, bringt einem das Gefühl dieser zeit näher.
Auch ästhetisch kann der Film so einiges bieten. Nicht nur in der bereits erwähnten Eröffnungsszene, eigentlich den ganzen Film hindurch. Durch Rückblenden, durch tolle Kameraeinstellungen und vor allem durch die Darstellung der Gewalt. Grausam, brutal, blutig, roh und ungeschönt. Phasenweise auch zur Kunst stilisiert und gleichzeitig erniedrigt, wenn zum Beispiel das Töten mit dem Schlachten von Schweinen gleichgesetzt wird.

"Durch das Fleischerhandwerk lernst du so einiges. Wir sind alle gleich geschaffen, aus Fleisch und Blut, Gewebe und Knochen."

Schauspielerisch ist der Film nicht weniger als überragend: Leonardo DiCaprio spielt den jungen Amsterdam super. Man nimmt ihn den rachsüchtigen jungen Heißsporn und den charismatischen Anführer gleichermaßen ab. Wer, warum auch immer, behauptet, DiCaprio sei ein schlechter Schauspieler, der wird hier mal wieder eines besseren belehrt. Er gehört zu den besten Schauspielern seiner Generation. Sebenso sein Gegenspieler Daniel Day-Lewis. Ausgerechnet in der Rolle, die einem vielleicht am längsten im Gedächtnis bleibt, die Rolle des Bill „The Butcher“ Cutting. Eigentlich gehört so ziemlich jeder der Darsteller zu meinen Lieblingen: Liam Neeson als Amsterdams Vater, Jim Broadbent als einflussreicher Politiker, Brendan Gleeson als hervorragender Straßenkämpfer und später gewählter Sheriff oder John C. Reilly als korrupter Polizist. Und sogar die sonst ziemlich nervige Cameron Diaz ist diesmal nicht schlecht (auch wenn sie optisch nicht so recht passen will). Weil aber der Cast ansonsten so außergewöhnlich perfekt ist, ist sie doch so ein kleiner Schwachpunkt im gesamten Ensemble.

Dass der Film keine Höchstwertung bekommt liegt für mich aber vor allem an einer Sache. Wie schon erwähnt, wirkt die Story eventuell etwas dünn und vor allem zu lang. Ich sehe das nicht so, ganz im Gegenteil. Das mag bei einer Laufzeit von über zweieinhalb Stunden zwar vielleicht etwas merkwürdig klingen, aber es ist so. Sie ist so voll mit spannenden Geschichten, mit interessanten Persönlichkeiten, über die ich so gerne mehr erfahren hätte. Und oft wird deren Einzelgeschichte auch begonnen, aber irgendwo ververliert siie sich, genau wie die Menschen, die zu der Zeit einfach spurlos verschwanden und bleibt damit zu oberflächlich. Man gewinnt den Eindruck, dass Regisseur Martin Scorsese eigentlich noch viel mehr erzählen wollte.

So ist - bis auf diesen kleinen Schönheitsfehler - "Gangs of New York" ein wahrhaftig großer und großartiger Film, ein toll gespieltes, optisch starkes, rohes, brutales und blutiges Historiendrama. Und ein leider viel zu unterschätztes Werk. Und die Endszene beschert mir - mit der gigantischen musikalischen Untermalung - jedes Mal eine wohlige Gänsehaut. Toll.

9/10

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