Montag, 7. Januar 2013

올드보이 - Oldeuboi - Oldboy (2003)

http://www.imdb.com/title/tt0364569/

15 Jahre – so lange wird Dae-Su Oh, ein ganz durchschnittlicher Geschäftsmann und Familienmensch, in einem Ein Zimmer Appartement ohne Fenster eingesperrt, nachdem er von unbekannten Gangstern überwältigt und entführt wurde. 15 Jahre ohne jeden menschlichen Kontakt und in völliger Unklarheit darüber, warum und wie lange er festgehalten wird. Aus den Fernsehnachrichten erfährt er vom Mord an seiner Ehefrau, den die Täter ihm in die Schuhe schieben. Als er ebenso unvermittelt, wie er seiner Freiheit beraubt wurde, wieder in diese entlassen wird, stellt ihm sein Entführer die Aufgabe, den Grund für die unaussprechliche Tortur herauszufinden. Doch er kennt nur ein Ziel: Er will Rache üben. Rache an denen, die sein Leben zerstört, seine Frau getötet und seinen Seelenfrieden für immer auf dem Gewissen haben.

Ein Lächeln des "Oldboy"s, untermalt von stimmiger Flötenmusik bildet das Ende dieses melancholischen Meisterwerks. Nach einer unbeschreiblich grausamen Tour de Force, schenkt uns der Regisseur einen kurzen Moment der Freude, es ist zwar nur ein Lächeln, ein verzweifelt anmutendes Lächeln, aber es erlöst den Zuschauer. 

Park Chan-Wooks "Oldboy" ist voll von solchen Momenten. Ein Kunstwerk der Filmgeschichte. Ein Mann wird 15 Jahre eingesperrt. Kommunikation mit anderen Menschen bleibt ihm verwährt, das einzige was er hat, ist sein Zimmer und ein Fernseher. Schon hier wird klar, was uns in "Oldboy" erwarten wird. Kein Feel-Good-Movie, kein versöhnliches Ende. Oh Dae-Su verfällt scheinbar nach und nach dem Wahnsinn, ich meine, wer würde das nicht? Ameisen krabbeln auf ihm herum, reine Einbildung. 

"Nach 10 Jahren gewöhnt man sich an die Situation" (Zitat aus dem Original "frei" übersetzt) lässt Oh Dae-Su später im Film verlauten. So scheint er den Entschluss zu fassen, zu trainieren, um Rache auszuüben. Rache für verlorene 15 Jahre. Doch nachdem er frei gelassen wird, zeigt sich sein Peiniger erstaunlich schnell und schickt Oh Dae-Su auf die Frage nach dem "Warum?". Warum 15 Jahre? 

Park Chan-Wook bebildert sein ästhetisches Kunstwerk mit düsteren und melancholischen Bildkompositionen, unterbricht diese immer wieder mit brutalen Gewaltszenen, die aber nie bejahend oder zum Selbstzweck verkommen. Sei es das Ziehen von Zähnen oder das Abschneiden einer Zunge, Rache ist nunmal kein edler, sondern ein grausamer Weg. Ein Weg auf dem man sich verliert und verirrt. Und je mehr Oh Dae-Su über das "Warum" erfährt, desto weiter stürzt er in die Abgründe seines eigenen Monsters. Seine Beziehung zu Mi-Do bietet zwar einen gewissen Schutz, denn sie bewahrt seine Menschlichkeit. Doch Schluss endlich, stellt er sich seinem Peiniger, ein Mann der seine ganz spezielle Art der Rache ausübt. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Doch schlussendlich, verwährt er Mi-Do den Blick in die Kiste, ein Blick den Oh Dae-Su schon vollführt hat und der ihn in eine aussichtslose und bettelnde Unterwerfung führt. 

Hier stoppt Woo-Jin seine Rache. Dae-Su wurde zu einem Monster und Woo-Jin ist erlöst. Die darauffolgende Szene im Aufzug, bietet eine der emotional stärksten Szenen der letzten Jahre. Woo-Jin verabschiedet sich von seiner Schwester und dann von sich selbst und seinen Schuldgefühlen. Unterlegt mit einem zu Tränen rührenden Streicherensemble und einem wunderbar verzweifelten Blick von Ji-Tae Yu, (Schauspiel-)Kunst in Perfektion. Beachtlicher ist jedoch die Ausnahmeleistung von Choi Min-Sik, der seiner Figur einiges abverlangt. Vom rachegetriebenen Monster, bis zum verzweifelten "Hund" bietet er eine explosive und facettenreiche Schauspielleistung, wie es sie selten gibt. Auch in den Kampfszenen macht er eine hervorragende Figur. Herausstechen tut hierbei natürlich die Kampfszene im Korridor seines ehemaligen Gefängnisses. Klasse gefilmt, keine "Sprung-Kicks", Salti oder andere unnötige Manöver, einfach nur echt und brutal. Die Gewaltszenen sind aber in Anbetracht der zwei Stunden Laufzeit, recht rar gesät und weit vom Fokus entfernt. Oldboy lebt viel mehr von seiner Atmosphäre, der Philosophie, der melancholischen Musik, von den Bildern, den Metaphern und der gnadenlosen Auflösung. Sei es das Essen eines lebenden Tintenfisches, die gemeinsame Zugfahrt mit einer Ameise oder das Teilen der Persönlichkeit und der darauffolgende "Tod" des Monsters, "Oldboy" steckt voller Symbole, die nach jeder Sichtung in einem anderen Licht erscheinen. Man entdeckt immer wieder neue Facetten, interpretiert den Film anders. "Oldboy" ist ein Film für die Ewigkeit, ein Kultfilm und der Grund warum Südkorea bei vielen Filmfans so hoch im Kurs steht. Oldboy ist perfekt und daran besteht kein Zweifel.

8,5/10