Samstag, 3. Februar 2018

The Dentist (1996)

http://www.imdb.com/title/tt0116075/

Als Zahnarzt ist es normal, sich um die hygienischen Belange seiner Patienten zu kümmern. Dr. Alan Feinstone hat jedoch eine sehr extreme Abneigung gegen Schmutz jeder Art. Sei er nun physischer oder psychischer Natur. Da ist an etwas so schmutziges wie Sex gar nicht zu denken. Deshalb muß er auch schon bald entdecken, daß sich seine Frau einen Geliebten hält. Für Dr. Feinstone erweitert sich in diesem Moment der Bereich in welchem er Schmutz bekämpft von der Mundhöhle seiner Patienten zu seinem gesamten persönlichen Umfeld, das er nun von menschlichem Abschaum reinigt. Und sein Terminkalender ist immer voll - schließlich müssen wir alle mal zum Zahnarzt...

"The Dentist" ist ein herrlich sadistischer Schocker der es sogar auf ein Sequel gebracht hat aber insgesamt gesehen vielleicht acht bis zehn Jahre zu spät kam. 1996 aber lagen die meisten Horror Franchises am Boden und so wundert es nicht, dass Dr. Feinstone dann in den Videotheken eher ein minimaler Erfolg beschieden war. Wäre der Streifen in den 80ern gedreht worden hätte er sich bestens in die ausufernden Reihen um Jason, Michael und Konsorten einreihen können. Hier gibt es zwar nichts Übernatürliches aber wenn man ehrlich ist, kann man ruhig zugeben, dass ein Amok laufender Yuppie-Zahnarzt, der seine Patienten quält, wirklich an Ängsten rührt. Kann man jetzt nicht wirklich als Urphobie bezeichnen, wie beispielsweise die Angst vorm schwarzen Mann oder die Furcht im Traum zu sterben aber richtig prickelnd findet wohl niemand den Besuch beim Mann der die Bonushefte ausfüllt. Das mag, ganz salopp ausgedrückt daran liegen, dass die Situation beim Zahnarzt einen ganz schönen Kontrollverlust seitens des Patienten darstellt.

Natürlich steht und fällt ein solcher Film mit der Hauptrolle und da hat Brian Yuzna mit Corbin Bernsen einen absoluten Glücksgriff getan. Der ehemalige "L.A. Law" Anwalt, der nie einen Hehl aus seiner Vorliebe für Trash- und Horrorfilme gemacht hat, füllt die Rolle glänzend aus, hat sichtlich Spass an der Sache und erwischt genau die richtige Mischung aus Bedrohlichkeit und spaßigem Overacting. Am Anfang kommt seine Rolle sogar noch erstaunlich sympathisch rüber und es wird sogar versucht seinen psychischen Verfall einigermaßen glaubhaft zu erklären. Das wird natürlich niemals ein Arthouse-Drama, hat aber bei dem Regisseur aber auch niemand erwartet. Der Rest ist dann purer schwarzhumoriger Sadismus der trotz oder gerade wegen seiner Brutalität (die übrigens hauptsächlich im Kopf des Betrachters entsteht) ein echter Partyspass und alle Menschen, die auf die neueren Folterfilme a la "SAW" oder "Hostel" stehen, sollten ruhig mal auf einen Besuch in Dr. Feinstones Praxis vorbeischauen.

7/10

Von NSM Records kommt der Film hierzulande ungeschnitten und in HD im limitierten Mediabook: