Samstag, 3. Februar 2018

The Crucifixion (2017)

http://www.imdb.com/title/tt4181782/

Rumänien, 2004: Nachdem ein Exorzismus mit dazugehöriger Kreuzigung zum Tode des Besessenen führte, werden ein Priester und fünf Nonnen des Mordes angeklagt. Dahinter wittert die nach einem schweren familiären Schicksalsschlag sehr religionskritische Journalistin Nicole Rawlins (Sophie Cookson) eine aufsehenerregende Story und fliegt deshalb nach Rumänien, um dort die genauen Hintergründe des Vorfalls zu recherchieren. Zunächst erfährt sie nur wenig, die örtliche Kirche scheint etwas zu verschweigen – doch schon bald verdichten sich die Anzeichen, dass tatsächlich ein waschechter Dämon hinter dem Ganzen steckt. Und plötzlich gerät die Amerikanerin selbst in höchste Lebensgefahr: Dämonen nisten sich nämlich am liebsten in die Körper von Menschen ein, die nicht an Gott glauben.

Wenn man unter einem Film den Namen Xavier Gens liest, horcht man auf, denn man erinnert sich mindestens an sein großartiges Spielfilmdebüt "Frontière(s)", ein Film, der sich nicht allein aufgrund seiner Drastizität ins Hirn brannte und einige Szenen auch bis heute nicht von dort weggehen wollen. Nein, "Frontière(s)" war außerdem durchdacht und wartete neben extremst blutigen Einlagen mit einer fesselnden Story auf. Mit "The Crucifixion" begibt sich Gens nun auf etwas ausgetretenere Pfade, nimmt er sich doch wie so viele Genreregisseure vor ihm dem Thema des Exorzismus an. Doch Gens macht hier etwas, was noch nicht viel vor ihm taten, denn er konzentriert sich wie in "Frontière(s)" auf die Story und lässt seine Protagonistin lieber ermitteln, als irgendeinen tiefgläubigen Priester zum gefühlt tausendsten Male allein gegen einen bösen Dämonen kämpfen. 

Nun sind Exorzismus-Filme ja irgendwie die Stiefkinder des Horrorgenres. Sie gehören auf ihre Art und Weise einfach dazu, aber nur wenige schaffen es, aus der breiten Masse herauszustechen, da sie immer wieder dieselbe alte Leier spielen. Soll heißen, solche Filme sind meist etwas dünn. Heißt aber auch, dass Gens "The Crucifixion" einer der besseren Genre-Beiträge der letzten Jahre ist, obgleich er niemals an den unumstrittenen Meister der Exorzismus-Filme ("Der Exorzist") herankommt. Der Film basiert lose auf einer wahren Begebenheit, aber dies ist sicher uninteressant, außer dass sich der Film damit irgendwie wichtiger machen möchte. Das kann man getrost unter den Tisch kehren, denn auf der einen Seite hat er dies nicht nötig und auf der anderen Seite ganz andere Qualitäten: "The Crucifixion" wandelt zwar mit seinem Drehbuch von den "The Conjuring"-Autoren Chad und Carey Hayes auf keinen allzu neuen Wegen und führt zumeist die erforderlichen Schritte eines Exorzismus-Filmes aus, aber aus dieser recht oberflächlichen Geschichte holt Gens das Beste heraus. Hier merkt man von Anfang an, dass Gens einfach Lust hatte, diesen Film zu machen. "The Crucifixion" hat einige der atemberaubendsten Landschaftsfotografien, die man seit langer Zeit in einem Horrorfilm gesehen hat. Und er enthält auch mehr als nur einen Anteil an viszeralen Albtraumbildern, die der Trailer des Films nur andeutet. Auch die Herangehensweise ist durchaus originell gestaltet. Sicher fehlt es dem Drehbuch etwas an Schreckmomenten, jedoch macht Gens dies mit einer visuellen Tour-de-Force wieder wett und macht aus den wenigen, wirklich angsteinflößenden Momenten wirklich spannende Sequenzen. Dass der Zuschauer bei der Stange bleibt, verdankt der Film zudem seinen Figuren, die sich nur selten abstrus verhalten und die knapp anderthalbstündige Geschichte interessant und folgbar ausrollen. Der Film beginnt eher als Thriller, wenn Nicole (Sophie Cookson) auf eine Mauer des Schweigens stößt und sich langsam versucht zur Wahrheit vorzukämpfen. Mit der Zeit werden dann immer mehr Horrorelemente eingestreut - eine Mischung die erstaunlich gut funktioniert.

Mitsamt seiner charmanten Besetzung, angeführt von der hinreißenden Sophie Cookson, macht Gens den Film damit zu einem Sammelsurium aus verschiedenen Genre-Elementen, bei dem er zum Glück auf allzu viele Jumpscares verzichtet und lieber seine Geschichte erzählt. Allein die wenigen Exorzismus-Szenen, bei denen es im Inneren der Räume beginnt zu regnen, sind ein Fest für die Augen. Und am Ende ist "The Crucifixion" ein Film, den man bedenkenlos jedem empfehlen kann, der ein Fan von Exorzismus-Filmen ist und sogar denen, die das Gefühl haben, genug von diesem ganzen Genre zu haben. Wen diese Neu-Inkarnation des Genres nicht an den Knöcheln packt und elektrisiert, der sollte dieses Untergenre am besten vorerst aufgeben. Aktuell gibt es keinen besseren Vertreter als diesen hier.

7/10