Mittwoch, 7. Februar 2018

Fences (2016)

http://www.imdb.com/title/tt2671706/

Die 50er Jahre in Pittsburgh, USA: Der afroamerikanische Ex-Baseballspieler Troy Maxson (Denzel Washington) ist Müllmann und trägt schwer daran, es als Sportler nie dahin geschafft zu haben, wo er hinwollte. Troys Familie besteht aus Ehefrau Rose (Viola Davis), die alle von Troys Launen kennt – die ihn liebt, wenn er sanftmütig ist und ihn erträgt, wenn er herrisch wird. Die Familie besteht weiter aus Sohn Cory (Jovan Adepo), einem Teenager mit Ambitionen auf eine Footballkarriere, die vom Vater dadurch torpediert wird, dass der seine eigenen sportlichen Enttäuschungen auf den Sprössling projiziert. Außerdem sind da Lyons (Russell Hornsby), Troys sanftmütiger Sohn aus seiner vorherigen Ehe, ein 34-jähriger finanziell klammer Jazzmusiker, und Troys jüngerer Bruder Gabriel (Mykelti Williamson), ein Kriegsveteran. Diese Familie droht zu zerreißen, als Troy eine fragwürdige Entscheidung offenbart...

Wenn Denzel Washington nicht die Hauptrolle in "Fences" spielen würde, hätten viele Zuschauer diesen Film wohl nie gesehen. Doch Washington hat schon zu viele starke Filme gemacht, um diesen zu ignorieren. Die Beschreibung und Reaktionen vielerorts ließen bereits im Vorfeld ein zähes, schwer zugängliches Werk in Überlänge vermuten, das viele Sehgewohnheiten wohl mit Füßen treten wird, und genau das ist es leider auch. Man merkt sofort, dass der Film auf einem Theaterstück basiert, aber anders als bei guten Theater-/Kammerspielen ist die Story nicht spannend genug und baut zu wenig Spannung auf, sondern resultiert eher in einem sehr langatmigen Film.

Allein die Anfangsphase - wir reden hier von einer Dreiviertelstunde - ist nur ein einziger Wortschwall, der den Zuschauer wie ein Zug überfährt. Eine Handlung ist nicht erkennbar, weder, worum es in diesem Film eigentlich gehen soll, noch, wohin das alles führt. Inhaltlich ist gefühlt 90% des Gesagten in dieser ersten Phase unwichtiger Smalltalk, der nur dazu dient, die Charaktere zu beleuchten: Washington ist ein verbitterter Prinzipienreiter, der nach außen den fröhlichen, guten Menschen zeigt, aber seine antiquierten Werte den anderen Familienmitgliedern überstülpt. Allmählich zeichnet sich ab, dass die anderen damit nicht glücklich sind und sich dagegen auflehnen, was im Verlauf in Streitereien und schließlich offene Konfrontation mündet.

"Fences" erweist sich in der zweiten Phase als reines Familiendrama, das seine kargen Inhalte nur sehr langsam und extrem Dialoglastig entfaltet. Zudem, dass schon diese Form der Inszenierung kaum zu ertragen ist, interessieren auch die Inhalte nur bedingt, wenn nicht sogar gar nicht. Unbekannten Menschen beim Streiten zu zusehen, oder wie sie mit ihren Problemen hadern, daran scheitern, hat wohl nur für Voyeure eine Bedeutung, und ist genauso, wie wenn Gaffer auf der Autobahn nach einem Unfall stieren. "Fences" erreicht damit genau das Gegenteil dessen was er wohl erreichen wollte, denn es nervt, weil die Handlung ausschließlich auf "Soap" ausgerichtet ist und man gezwungen wird, sich mit den Problemen anderer auseinanderzusetzen, obwohl einem kaum etwas ferner liegt. Erst viel zu spät am Ende nimmt der Film etwas Fahrt auf.

Mit allem, was "Fences" repräsentieren möchte, sinken Interesse und Unterhaltungswert trotzdem gen Null. Wenn man bei der Stange bleiben kann und über die vielen Belanglosigkeiten hinwegsieht, könnte man dem Film noch etwas abgewinnen. Dass es trotzdem ein paar Punkte gibt, reflektiert Washingtons starke Leistung als wirklich starker Charakterdarsteller, die damit gewürdigt sei und die tolle Kameraarbeit. Aber mehr kann man hier kaum mitnehmen.

5/10