Mittwoch, 14. Februar 2018

赤壁 - Chi Bi - Red Cliff (2008)

http://www.imdb.com/title/tt0425637/

Die letzten Tage der Han Dynastie sind gezählt. Der kluge Premierminister Cao Cao überzeugt den wankelmütigen Kaiser Han, dass es nur einen Weg gibt, China zu vereinen: Er muss den Königreichen Xu im Westen und East Wu im Süden den Krieg erklären. So beginnt in ganz China ein beispielloser Krieg, angeführt vom Premierminister Cao Cao. Der letzte Ausweg für die eigentlich verfeindeten Königreiche Xu und East Wu ist eine Allianz. Nach zahlreichen Schlachten auf Land und Wasser endet der Krieg schließlich in der Schlacht von Red Cliff am Jangtse, wo die Geschichte Chinas neu geschrieben wird...

Vorneweg: Wer sich die sehr stark gekürzte internationale Filmschnittfassung mit ihren vergleichsweise kümmerlichen 143 Minuten ansieht, ist selber schuld, denn nur im fast-5-Stunden-Zweiteiler-Marathon kann das historische Schlachtenepos dann doch im Großen und Ganzen seine von den Machern angestrebte Wirkung entfalten. Vielfach wurde auch von Fans und Kritikern die Tatsache beanstandet, dass das ursprünglich zweiteilige Filmwerk für das westliche Publikum um fast die Hälfte gekürzt und zu einem Film zusammengeschnitten wurde, was zu unlogischen Handlungssträngen und fehlenden Hintergründen führte. Doch zurück zum Zweiteiler.

John Woo versucht alles, um mit dem bis dato teuersten asiatischen Film, dieser historischen, im kulturgeschichtlich essenziellen chinesischen Roman "Die Geschichte der drei Reiche" niedergeschriebenen Zeit am Ende der Han-Dynastie mit ihren verschiedenen Persönlichkeiten und wechselseitigen Fehden, Schlachten und Bündnissen gerecht zu werden. Die Bilder der akribisch rekonstruierten Schlachtordnungen in epischer Breite sind gigantisch und trotz der teilweise überstrapazierten Anwendung von Schwenks und Zooms gut gefilmt und geschnitten. Viel Zeit wird auf Kriegstaktiken und -listen verwendet. Die vom einschlägig für seine Arbeit bekannten Corey Yuen choreografierten Actionsequenzen sind rasant und fantasievoll inszeniert. Mit Slow Motion, pfeil- und speerdurchbohrten Kriegern sowie Kunstblutspritzern wird nicht wirklich gegeizt, sodass die "Bloodshed"-Anforderungen an einen John-Woo-Film durchaus erfüllt werden. Wenn ein Baby auf abenteuerliche Weise im Kampfgetümmel gerettet wird, ist die Freude des geneigten Fans über eine solche Anspielung auf ein anderes epochales Werk des Regisseurs doch recht groß. Selbst die beim Actionmeister nicht wegzudenkenden Tauben sind anzutreffen und eine von ihnen bekommt ziemlich zur Mitte hin einen wunderbaren Soloauftritt spendiert. Da Wire Work in den Martial-Arts-Szenen nur sehr begrenzt zum Einsatz kommt, ist das vorliegende Werk eher dem zum Realismus tendierenden chinesischen Historienkino zuzurechnen und gehört nicht wirklich zum fantastischen Wuxia-Film mit seinen durch Baumwipfel und über Häuserdächer schwebenden Protagonisten. Die historischen Helden Zhou Yu, Zhuge Liang, Liu Bei, Guan Yu und Cao Cao, die in China jedes Kind kennt, sind aber trotzdem in bester Asia-Film-Manier überlebensgroß in Szene gesetzt worden und kämpfen schon mal alleine gegen Dutzende Feinde.

Dem Schwertergeklirre gegenüber stehen die ruhigen, fast schon kontemplativ anmutenden Sequenzen, in denen geredet, taktiert, musiziert, und sich belauert wird, wo der chinesischen Lebensart gefrönt, Weisheiten ausgetauscht, Bünde geschmiedet und zaghafte Liebesbekundungen ausgetauscht werden. Hier kann der durchaus erlesene Cast zeigen, was er auf dem Kasten hat. Allen voran begeistert Takeshi Kaneshiro als gerissener Kriegstaktiker Zhuge Liang, ganz ohne einen einzigen Kampfeinsatz. Ihm zur Seite steht in der Rolle des Oberkommandierenden Zhou Yu der allseits bekannte chinesische Schauspielstar Tony Leung Chiu-Wai, der kurz nach Ang Lees "Gefahr und Begierde" mal wieder sowohl als begabter Kämpfer als auch Charakterdarsteller zu überzeugen weiß. Beide haben sichtlich Spaß daran, das Zweckbündnis der eigentlich verfeindeten Kriegsherren schauspielerisch zu interpretieren. Hier sitzt jede noch so kleine, unterschwellige Geste. Große Wiedersehensfreude bereitet der Auftritt von Zhang Fengyi als Premierminister Cao Cao, der schon in den Chen-Kaige-Filmen "Lebewohl, meine Konkubine" an der Seite des leider verstorbenen Leslie Cheung und in "Der Kaiser und sein Attentäter" schauspielerische Glanzpunkte setzte, seitdem aber eine zehnjährige Auszeit vom Film nahm. Alle anderen markanten männlichen Charaktere bekommen zwar ihren Auftritt, verblassen aber etwas hinter den genannten Herren. Nur die Damen können da noch einige Akzente setzen, Zhao Wei aus "Wächter über Himmel und Erde" als freche, den Konventionen trotzende Kampfamazone und Lin Chiling als fatalerweise von gleich zwei verfeindeten Kriegsherren begehrtes Edelfräulein in ihrer ersten Filmrolle.

Trotzdem wird das Epos einer bei diesen Ausmaßen verständlichen Erwartungshaltung nicht vollends gerecht. Dies liegt zum einen an den doch eher dürftigen visuellen Effekten, die vor allem bei der gigantischen, den Jangtsekiang hinaufschippernden Flussarmada negativ auffallen. Bei einem Budget von umgerechnet rund 80 Mio. US-Dollar muss da definitiv mehr drin sein. Zum anderen weist das Drehbuch, dem manchmal die Fokussierung auf das gerade Wesentliche abhandenzukommen scheint, durchaus Längen und Defizite auf. Oft scheint es so, als könnte man sich bei all dem inszenatorischen Überschwang und der Hingabe nicht so recht entscheiden, wie viel Raum man denn nun den Schlachten und wie viel den eher ruhigen Dialogszenen lassen sollte, damit das Ziel, ein größtmögliches Publikum zu unterhalten, nicht verfehlt wird. Auch der eine oder andere Humorversuch in der zweiten Hälfte wirkt eher unausgegoren und platt bei der durchweg ernsten Thematik. Schlussendlich weiß man nach Sichtung dieses Mammutwerks, dass man ein großes Stück historisches Actionkino aus Asien gesehen hat, fühlt aber gleichzeitig eine gewisse Distanziertheit und bleibt von den Geschehnissen doch seltsam unberührt.

7,5/10