Dienstag, 13. Februar 2018

Assassination Of A High School President - Lange Beine, kurze Lügen und ein Fünkchen Wahrheit... (2008)

http://www.imdb.com/title/tt1018818/

Bobby Funke (Reece Thompson) ist Schüler der katholischen St. Donovan's High School und gilt als einer, der eine große Zukunft vor sich hat. Als Prüfungsfragen des Abschluss-Tests gestohlen werden, überredet Francesca (Mischa Barton) ihn - einen Redakteur der Schülerzeitung -, dem Fall nachzugehen. Er findet heraus, dass Schülersprecher Paul (Patrick Taylor) hinter dem Diebstahl steckt. Nun ist Bobby ein Journalistik-Stipendium sicher, genauso wie die (Ex-)Freundin von Paul, Francesca. Noch dazu nimmt Direktor Jared T. Kirkpatrick (Bruce Willis) ihn von der Abschussliste. Doch irgendetwas stimmt an Bobbys Story nicht...

Die High School. Ort pubertärer Phantasien, erster Sexual- und Drogenkontakte, feucht fröhlicher Parties, und dumm-dreister Streiche. Dieses in all seinen Facetten inzwischen massiv ausgebleichte Bild malen US Teenie-Komödien (und manchmal auch -Dramen) in ermüdend eintöniger und gefühlt jahrzehntelanger Dauerrotation. Da massiert man sich schon mal verwundert die ob solch penetranter Einfallslosigkeit bleischweren Augenlider, wenn es dann doch einmal anders kommt.

"Assassination Of A High School President" (über den dämlichen deutschen Titel Lange Beine, kurze Lügen (und ein Fünkchen Wahrheit ...) breiten wir mal lieber den Mantel des Schweigens) ist ein solch seltenes Pflänzchen. Auf den ersten Blick wirkt alles wie gehabt: ein schüchterner, aber intelligenter Loser begehrt die Schulschönheit, die natürlich mit dem Sportstar der Anstalt liiert ist. Unnötig zu erwähnen, dass dieser mit deutlich mehr Muskel- denn Hirnschmalz gesegnet ist und in etwa so sympathisch wie Nachbars Kampfhund rüberkommt. Aber halt. Dieses vertraute Szenario dient lediglich als Hintergrundmusik für ein gepfeffertes "Noir Dramödchen". Es ist nicht nur die durchaus ernsthaft durchgezogene Krimihandlung, die "Assassination Of A High School President" aus dem High-School-Komödien-Einheitsbrei hervorhebt. Auch der durchgängig schwarzhumorige Unterton, die scharfzüngigen Dialoge und der lakonische Erzählstil der Hauptfigur lassen einen weit mehr an Film Noir als an "Film Teen" denken. Bobby Funke ist ein (zugegebenermaßen nicht ganz so) abgebrühter Detektiv in einem undurchsichtigen Verschwörungsszenario. Ein Losertyp mit Köpfchen und Biss, der um jeden Preis die Wahrheit ans Licht bringen will. Francesca ist natürlich die unnahbare femme fatale in dem wendungsreichen Spiel. Überhaupt sind viele der handelnden Figuren nicht das, was sie zunächst zu sein scheinen.

Auch visuell verlässt man ausgetrampelte Genrepfade. Ein clever arrangierter Plot und eine feine Figurenzeichnung brauchen keine hektischen Schnitte oder knallbunten Bilder. Hier müssen keine Schwächen übertüncht werden. Das ruhige Erzähltempo und die ebenso ruhige Bildsprache unterscheiden sich wohltuend von den heute offenbar zunehmend als obligatorisch empfundenen Zappel-Sperenzien, wenn man ein jugendliches Publikum erreichen will. Der Film verlässt sich ganz auf seine wendungsreiche Geschichte und seine teilweise skurrilen Charaktere, was auch prächtig funktioniert. Neben Hauptdarsteller Reece Daniel Thompson - der Bobby Funke gekonnt als Mischung aus einem grüblerisch-abgeklärten Erwachsenen (als Detektiv) und einem unsicher/schüchternem Teenager (als Liebhaber) spielt - hinterlässt vor allem Mischa Barton als undurchsichtige High-School-Queen Fancesca einen nachhaltigen Eindruck. Sie ist gleichzeitig kühl, berechnend, verführerisch, unschuldig und schutzbedürftig. Eine explosive Mischung, die nicht nur für Bobby Funke einer Tretmine gleichkommt. Und schließlich ist da noch Bruce Willis. Seine Darbietung als Golfkriegserfahrener Schulleiter Kirkpatrick ist trotz, oder vielleicht gerade wegen seiner wenigen Auftritte das komödiantische Sahnehäubchen. Willis spielt genüsslich mit seinem Image als wortkarger Actionheld und feuert eine wahre Salve an trockenen Sprüchen auf seine eingeschüchterten Schüler ab.

"Assassination Of A High School President" ist lediglich auf den ersten Blick eine weitere Komödie aus der filmisch mehr als ausgelutschten High-School-Welt. Hinter der klassischen Fassade verbirgt sich eine clever arrangierte Krimi-Dramödie, die mit klugem Wortwitz, schwarzem Humor und skurrilen Figuren für beste Unterhaltung sorgt. Lediglich der etwas abrupte Schluss enttäuscht etwas. Actionstar Bruce Willis beweist zum wiederholten Mal eine gehörige Portion Selbstironie und ist als kriegsversehrter, lakonische Sprüche klopfender Schulleiter das i-Tüpfelchen auf einem Genreübergreifenden Filmspass, der auch für der Schulpflicht Entronnene eine Empfehlung wert ist.

7/10