Montag, 19. Februar 2018

Tonight She Comes (2016)

http://www.imdb.com/title/tt5161376/

Als die junge Kristy (Dal Nicole) spurlos verschwindet, führt die Suche nach ihr ihre beiden besten Freundinnen Ashley (Larissa White) und Lyndsey (Cameisha Cotton) zu einer abgelegenen Hütte mitten in den Wäldern. In der Umgebung treffen sie auch auf den Postboten James (Nathan Eswine) und seinen sexbesessenen Freund Pete (Adam Hartley). Obwohl sie dem Mysterium um Kristys Verbleib noch nicht wirklich nähergekommen sind, wollen sich Ashley und Lyndsey auf eine vergnügliche Nacht mit den Jungs einlassen. Diese findet jedoch ein jähes Ende, als sie von einer blutüberströmten Frauengestalt überrascht werden, die sie attackiert. Die Teenager flüchten zur nahegelegenen Hütte und machen dort Bekanntschaft mit einer unheimlichen Hinterwäldler-Familie. Diese plant, die draußen wütende Dämonin mit einem mysteriösen Ritual zu bezwingen, und pocht dafür auf die Unterstützung der Neuankömmlinge. Doch hat diese einen hohen Preis...

"This film should be played loud… as hell" wird zu Beginn von Matt Stuertzs Film "Tonight She Comes" eingeblendet. Es ist ein Hinweis, den der Regisseur sicherlich zu dem Zweck erdacht hat, die atmosphärische Wirkung des Streifens noch zu intensivieren. Tatsächlich sollte man die Einblendung nicht nur als Hinweis, sondern als unbedingte Pflicht wahrnehmen, denn der Score von Wojciech Golczweski, der wieder einmal auf penetrante Weise vertraute Synthie-Klangmuster aus Horrorfilmen der 80er nachstellt, intensiviert sich eine anfangs recht unsympathische Story bis hin zum ekelerregenden Finale.

Der Anfang ist wirklich sehr plump und die Dialoge teilweise zum Fremdschämen unterirdisch. Um reißerisch wirken zu wollen, deutet man an, dass ein Mann, der die nackte Leiche der jungen Kristy findet, sich an ihr vergehen will. Kurz vorher wird er erwischt, wie er sich aus der Ferne sich entkleidende, Badende erblickend, selbstbefriedigen will. Man kann hier so sehr für Subtilität sein wie man will, aber warum man solche Szenen nicht wagt, auszuschöpfen, ist unverständlich. Das wäre zumindest spannender gewesen, als die mit Blut besudelte Kristy stets nackt herum laufen zu lassen, ohne diese Nacktheit plump hinzustellen. Das findet vielleicht bei Horrorneulingen Anklang, aber bei Horror geht es doch nicht nur um Blut.

Der Hauptteil der Story ist zwar nicht sehr vorhersehbar, aber in "Tonight She Comes" wird nur wenig bis überhaupt nichts gewagt. Nur andeutend, um den Zuschauer heiß zu machen und das Loch fehlender Spannung wird dadurch eher nur größer. Das schadet der Ernsthaftigkeit der Geschichte. So wird bei der Frage, wer im Raum eine Jungfrau ist, an einer Vagina geschnuppert, um sich von der Wahrheit zu überzeugen, aber diese ganzen Ansätze, Neues einzubringen, bleiben leider inhaltsleer und langweilig vom Niveau. Das konnte der ansatzweise ähnlich gelagerte "The Night Of The Virgin" wesentlich besser. Diesen Film hier kann man getrost auslassen. Es gibt relativ viel Blut und nach B-Movie sieht das auch nicht wirklich aus, aber der Inhalt zieht sich trotz kurzer Laufzeit von nur 82 Minuten zu sehr in die Länge, anstatt aufgeklärt zu werden. Schade.

4/10

Sonntag, 18. Februar 2018

Ég man þig - I Remember You (2017)

http://www.imdb.com/title/tt4966532/

Der Isländer Garðar (Thor Kristjansson) kommt eigentlich aus der Stadt, doch auf einer abgelegenen Insel mitten im Nirgendwo hat er ein altes Haus erstanden, das er jetzt auf Vordermann bringen will. Seine Frau Katrin (Anna Gunndís Guðmundsdóttir) und ihre gemeinsame Freundin Líf (Ágústa Eva Erlendsdóttir) wollen ihm dabei helfen und zunächst sieht es danach aus, als würde alles nach Plan verlaufen. Doch je länger sie an diesem unwirtlichen Ort verweilen, desto mehr häufen sich unheimliche Vorkommnisse, die sie sich nicht erklären können und die allesamt mit Kindern zu tun haben. Langsam wird klar, dass der Ort ein finsteres Geheimnis verbirgt. Und das irgendwie mit dem Psychologen Freyr (Jóhannes Haukur Jóhannesson) verbunden zu sein scheint, dessen Sohn vor Jahren verschwunden ist und von dem seitdem jede Spur fehlt...

"I Remember You" ist ein unterkühlter isländischer Mix aus Krimi und übernatürlichem Grusler, der mit tollen, kargen und trostlosen Landschaftsaufnahmen und einer ganz guten, aus zwei Handlungssträngen bestehender Geschichte, die nach und nach miteinander verwoben werden, hervorstechen kann. Bewusst langsam brütet der Film sein tragisches Geheimnis aus. In Verbindung mit den famos eingefangenen, mysteriös-nebligen Bildern eines kargen und kalten Islands entsteht eine drückend-deprimierende Stimmung. Die Schauspieler machen ihre Sache auch gut und das Ganze ist recht ansprechend inszeniert. Die Geschichte ist sehr ruhig eingefangen, hätte aber hier und da etwas mehr Tempo vertragen können. Einzelne Figuren und deren Motivationen hätten gerne etwas ausgeklügelter dargestellt werden können.

Einzig und allein das Ende des Films ist zwar gut gemacht, wenn dann der Zusammenhang zwischen den Handlungen klar wird, muss man leider sagen, dass bei vielen Sachen und Zusammenhängen, doch noch einiges an Klärungsbedarf besteht. Filmemacher Óskar Thór Axelsson verzichtet (fast) auf billige Jump-Scare-Tricks um Spannung zu erzeugen, aber sein Versuch das abgegriffene Thema Spukhaus irgendwie anders zu revitalisieren gelingt ihm irgendwie dennoch nicht vollends. Im Gegenteil, denn trotz interessanter Auflösung enthält der Film wieder nur abgedroschene Horror-Motive (spukende Kindern, knarzenden Türen usw.). Die Figuren sind seltsam unnahbar und das Skript wirkt zu lang gezogen für seinen wenig dramatischen Inhalt. Netter Versuch, aber etwas mehr Feuer hätte dem Film gut getan. Fazit: "I Remember You" ist ein netter und durchaus atmosphärischer Gruselthriller, der aber am Ende hinsichtlich Aufklärung und offene Fragen doch ein wenig schwächelt.

6,5/10

Samstag, 17. Februar 2018

The Evil That Men Do - Der Liquidator (Unrated) (1984)

http://www.imdb.com/title/tt0087222/

George, ein Freund des Profi-Killers Holland (Charles Bronson), wurde von einem gewissen Dr. Clement Moloch, zu Tode gefoltert. Welcher schon mehr als nur ein Menschenleben auf dem Gewissen hat. Von einem Freund nimmt Holland letztendlich den Auftrag an, Moloch zu töten. Eine mörderische Jagd auf die bösen Jungs beginnt und endet in einer stillgelegten Mine...

"Der Liquidator" schürt anfangs Hoffnung richtig gut abzugehen, als ein Folterknecht eine beherzte Rede über eben das Foltern schwingt - samt Vorführung und als Lippenleser Holland (Charles Bronson), der es sich bereits im Paradies heimelig machte, erst durch Schilderungen auf Video überredet werden muss, wieder als Berufskiller aktiv zu werden. Bronson ist zwar stoisch wie immer, wirkt aber in diesem bedrohlich-repressiven Umfeld nicht so unbesiegbar wie sonst. Mit der ausgedehnten Folterdemonstration am Anfang nordet sich "Der Liquidator" schon mal nachdrücklich im Unangenehmen ein und läßt auch nie mehr so richtig locker. Das ist kein geringer Verdienst. Im Mittelteil schwächelt "Der Liquidator" dann aber leider trotzdem ein wenig. Das liegt mitunter an Rhiana Hidalgo (Theresa Saldana), die mit ihrer scheinheiligen Moralapostel-Masche ziemlich nervt. Denn eigentlich hat der Mittelteil schon seine Momente, die aufgrund Brutalität oder Spannung den Zuschauer trotzdem bei der Stange halten können.

Das sehr gelungene Finale findet dann in einer verlassenen Mine statt, die gar nicht so verlassen ist. Der Doc hat sich auch etwas einfallen lassen, doch Holland ist ja nicht auf den Kopf gefallen. Da Holland ein Mann ist, der das Böse tut, wenn ein Mann Böses tun muss, tut er es nicht nur für lau, er stiftet auch den Opfern des Docs die Genugtuung. Kurz und gut: "Der Liquidator" ist ein anspruchsloses und primitives Action-Vehikel, aber macht zwischendrin irgendwie schon Laune. Es ist ein schön fieser Reißer, der sich überraschend kritisch gegenüber der Duldung von Menschenrechtsverletzungen durch die US-Regierung gibt.

6,5/10

Von NAMELESS Media kommt der Film ungekürzt und in beiden Filmfassungen (Uncut/-R-Rated und Unrated) in HD im auf 555 Stück limitierten Mediabook:

The Assassination Of Jesse James By The Coward Robert Ford - Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford (2007)

http://www.imdb.com/title/tt0443680/

Der Film erzählt vom Leben des Jesse James (Brad Pitt) und seiner Gang. Nach dem Bürgerkrieg überfallen sie Züge und Banken und werden in der Bevölkerung als moderne US-Variante von Robin Hood gefeiert. Während sie als Helden dastehen, geben sich die Pinkerton Detectives immer mehr der Lächerlichkeit Preis, weil es ihnen nicht die gelingt, die Jagd nach Jesse James und seinen Spießgesellen erfolgreich zu gestalten. Zur Bande um Jesse James stößt auch der junge Robert Ford (Casey Affleck). Aber schon bald muss Ford feststellen, dass der wahre Jesse James wenig mit dem idealisierten Mythos zu tun hat, der in der Bevölkerung kursiert. Er ging als der Feigling in die Geschichte in, welcher Jesse James rücklings ermordete. "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" ergründet diese kaltblütige Tat und die Legende vom Feigling, der Jesse James umgebracht hat.

"Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" zählt zu den besseren Vertretern des Westerngenres der letzten zwei Jahrzehnte und bietet eine ungewöhnliche Seherfahrung. Vor allem, weil der Film gar kein klassischer Western im eigentlichen Sinne ist. Wie der Titel bereits andeutet, dreht sich der zweite Film von Regisseur und Drehbuchautor Andrew Dominik weniger um die Schurkenstücke eines der bekanntesten Outlaws des Wilden Westens, sondern um dessen Niedergang und verwehrt sich damit der typischen Heroisierung, wie wir sie aus klassischen US-Western kennen. Im Gegensatz zu anderen modernen Western zeigt Dominiks Werk auch kein Interesse daran, die Stilmerkmale zu dekonstruieren oder zu ironisieren, um ganz postmodern eine Meta-Ebene zu etablieren.

Damit gesellt sich "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" tatsächlich zu den Werken einer ausgestorbenen Strömung – dem Kino des New Hollywood, das sich dem Genre mit Werken wie McCabe & Mrs. Miller, "Pat Garrett jagt Billy the Kid" oder "Der weite Ritt" melancholisch näherte und mit dramaturgischen Konventionen brach. Statt die archaische Welt des Western zu glorifizieren, entpuppte sich das weite Land als leer und karg, warf die Menschen auf sich selbst zurück und hinterfragte uramerikanische Ideale wie Freiheit und Selbstbestimmung. All dies trifft auch auf Andrew Dominiks Werk zu. Sieben Jahre, nachdem Dominik in Australien das so flippige wie misslungene Serienkillerporträt "Chopper" inszenierte, zeigt sich der Filmemacher bei seinem Hollywooddebüt erstaunlich gereift, legt einen gänzlich gegenteiligen Film vor und setzt auf totale Entschleunigung: Einhundertsechzig Minuten beträgt die Spielzeit von "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford", der sich ganz seiner elegischen Stimmung und den so ansehnlichen wie untypischen Bildern von Kameramann Roger Deakins hingibt.

Dominik setzt seine Figuren nicht ständig aktiv in Szene, um die Handlung voranzutreiben, sondern beobachtet sie in oft passiven Momenten und nutzt stille Szenen, um ihrem Geist nachzuspüren. Der von Brad Pitt wunderbar lethargisch verkörperte Jesse James wirkt im Verlauf des Films immer weniger wie von dieser Welt, sondern scheint, müde und seelisch ausgehöhlt von den Taten seiner Jugend, zunehmend willenlos dem Tod entgegenzutreiben und erinnert dabei an den Protagonisten aus Jim Jarmuschs Dead Man. Sein Gefährte Robert Ford hingegen muss seine Lebendigkeit im Zaum halten: das scheue schiefe Grinsen, das ständige Niederschlagen der Augen und die weinerliche Stimme mögen die Gedanken und Wünschen des jungen Banditen verbergen, doch dank Dominiks aufmerksamer Regie und der herausragenden Darstellerleistung von Casey Affleck erkennen wir – ebenso wie James – Fords Schwäche: "Do you want to be like me or do you want to be me?"

Der ambitionierte Mittelteil des Films mag deutlich zu lang erscheinen und dürfte vor allem jene Filmfans enttäuschen, die sich zumindest ein Mindestmaß an Handlung wünschen; tatsächlich mag vordergründig nicht viel passieren, doch "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" ist ungemein reich an Zwischentönen und sinniert über Werte, Seelenheil und das Miteinander der Menschen. In der letzten halben Stunde läuft Dominiks Werk zur Höchstform auf und etabliert einen wuchtigen Fatalismus shakespearscher Prägung, der intensive Szenen hervorbringt und viel Spannung, wenn wir erkennen, dass Robert Ford kein Feigling war, sondern Opfer in einem abgekarteten Spiel, das keinen Sieger kennt. Trotz seines gemächlichen Tempos beeindruckt "Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford" und hallt lange nach.

8/10

Donnerstag, 15. Februar 2018

[KINO] Black Panther 3D (2018)

http://www.imdb.com/title/tt1825683/

Nach den Ereignissen von "The First Avenger: Civil War" begibt sich T'Challa alias Black Panther (Chadwick Boseman) zurück in seine afrikanische Heimat Wakanda. Er bereitet sich darauf vor, seinen rechtmäßigen Platz als König des isolierten, aber technologisch höchst fortschrittlichen Staates einzunehmen, obwohl er das nicht geplant hatte. Der Söldner Erik Killmonger (Michael B. Jordan) will ihm die Regentschaft jedoch streitig machen und sucht sich für sein Vorhaben Unterstützung beim zwielichtigen Waffenschieber Ulysses Klaue (Andy Serkis). Um das Erbe seines Vaters und seine Position als König zu bewahren, tut sich der Held mit CIA-Agent Everett K. Ross (Martin Freeman) zusammen. Außerdem unterstützt von den Mitgliedern der Dora Milaje (unter anderem Danai Gurira), einer exzellent ausgebildeten Kriegerinnentruppe, und seiner Exfreundin, der Spionin Nakia (Lupita Nyong'o), nimmt der Black Panther den Kampf gegen die beiden Schurken auf...

Es gab in "Captain America: Civil War" eine Szene, in der wie aus dem Nichts ein neuer Superheld auftauchte. Ganz in schwarz, das Gesicht unter einer schwarzen Maske, mit katzenhafter Agilität. Der "Black Panther". Und viele Kritiker waren damals wie heute der Ansicht, dass es doch endlich mal Zeit für einen schwarzen Superhelden sei, der nicht wie der "Falcon" oder "Nick Fury" beinahe ausschließlich im Hintergrund oder als Sidekick agiert, dass dies "richtig und wichtig" und noch dazu von historischer Bedeutung sei. So ein ausgemachter Unsinn. Erinnert sich keiner der Kritiker an Spawn oder "Blade"? Letzterer war der erste "richtige" Superheld im MCU, aber beide werden - so hat man das Gefühl - gern vergessen. Erinnert sich auch keiner dieser Kritiker mehr an den Satz "Setzen Sie immer auf schwarz." (aus "Passagier 57")...? Long story short: es würde kein MCU geben, wäre da nicht der Erfolg von "Blade" gewesen. Und es ist ausgemachter Unsinn, dass Menschen diesen Film lieben, weil er "historisch wichtig" ist. Einen Film soll man mögen, weil der Filme gut ist, unterhält und nicht weil er eine schwarze Besetzung hat. So. Genug der Schimpftirade, beschäftigen wir uns lieber mit dem  "Black Panther".

"Black Panther" ist der nunmehr achtzehnte Film (das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen) im MARVEL Cinematic Universe (MCU) und er ist der erste, der sich stark auf einen Ethos, bekannt als Afrofuturismus, stützt - grob gesagt, ein Ansatz zu Science Fiction und Fantasy, der auf schwarzer Erfahrung und den Kulturen des afrikanischen Kontinents basiert. Dies ist selten im cineastischen Bereich, da solche Filme kaum aus Nischen herauskommen und so manche epische Visionen neigen auch oft dazu, hohe Budgets zu fordern. Regisseur Ryan Coogler wagte es dennoch und liefert mit seinem Beitrag zum MCU "Black Panther" einen Streifen ab, der dem vorgenannten Afrofuturismus endlich einen gewissen Tribut zollt. Und das mit Stil, Style und und einem geradezu überwältigendem Produktionsdesign. Davon sind die Fans des MCU ja mittlerweile schwer verwöhnt, gerade wenn man Ausstattungskolosse wie "Captain America: Civil War", "Guardians Of The Galaxy" oder "Avengers: Age Of Ultron" betrachtet. Doch irgendwie schafft MARVEL es immer und immer wieder, auf einen sowieso schon extrem hohen Standard noch eins draufzusetzen. Es ist beinahe schade, dass es der "Black Panther" nicht schon früher ins MCU geschafft hat, doch eines weiß man so schon: er fügt sich hervorragend in das vorhandene Konstrukt ein.


Und vielleicht ebenso, weil er ein Stück weit vom restlichen MCU isoliert steht. Nicht vollends, das würde nicht funktionieren, aber die Welt ist doch eine ganz andere. Es fällt auf, dass MARVEL sich sehr darauf konzentrierte, die in "Phase III" laufenden Filme jeweils als separate Einheit zu etablieren. Schon "Thor: Ragnarok" grenzte sich deutlich von seinen beiden Vorgängern ab und mit "Doctor Strange" oder "Spider-Man: Homecoming" wurde gar ein gänzlich neues Kapitel (wie auch hier) aufgeschlagen. Selbst "Guardians Of The Galaxy, Vol. 2" bot alle Kraft auf, sich vom "Avengers"-Universum zu distanzieren - und nun präsentiert sich dem Zuschauer die Welt von Wakanda. Die Handlung von "Black Panther" überbrückt die Lücke zwischen "Captain America: Civil War" und dem bevorstehenden "Avengers: Infinity War", und nimmt T'Challas Krönung und eine schlummernde Bedrohung für sein Königreich auf, das mit dem Tod Königs T'Chaka  wachgerüttelt wird. Dies geschieht die Form von Michael B. Jordans Figur Erik "Killmonger" Stevens, einem rachsüchtigen Exil-Wakandaner, der ebenfalls ein Auge auf den Thron geworfen hat, und Ulysses Klaue, ein von Andy Serkis gespielter, bulliger Waffenhändler. Seine Aufmerksamkeit richtet sich auf die riesigen Vibranium-Lagerstätten des Landes, ein unzerstörbares Metall, das in Filmen wie diesem oft sehr nützlich ist. Hier hat MARVEL schon wieder grandiose Arbeit geleistet, denn egal wie altbacken diese Story nun auch klingen mag, sie schaffen es immer und immer wieder, eine perfekte Besetzung zusammen zu bringen, die wirklich Lust und Freude am Spiel haben und "Black Panther ist dabei keine Ausnahme.


Chadwick Boseman beweist sich hier als einer der besten, unbesungensten Schauspieler, die gerade in Hollywood agieren, und er hat die Chance bekommen, hier wirklich zu brillieren. Er strahlt eine stille Kraft, Anmut und Intelligenz aus, die eine solche Rolle erfordert. Sein Charakter T'Challa / Black Panther hat einfach die nötige "Freshness". Er ist ein junger Anführer, der entscheiden muss, in welche Richtung er sein Land gehen lassen soll. Lässt er Wakanda mit der übrigen Welt in Verbindung treten oder hält er sein Land weiterhin versteckt? Um seiner Aufgabe Herr zu werden, hat er auch ein starkes Unterstützungssystem in Form seiner immer für einen Gag bereiten Schwester Shuri (Letitia Wright), einem wissenschaftlichen Genie, seiner Ex-Liebhaberin Nakia (Lupita Nyong'o) und sein treuer General Okoye (Danai Gurira). So weit, so gut. Einer der Bereiche, in denen nahezu alle Superheldenfilme, egal ob nun DCU oder MCU, fast immer versagen, ist die Schaffung überzeugender Schurken, die nicht irgendwelche lahme Charakterklischees sind. Die einzige Ausnahme bildet hier Loki, aber das liegt eher an Tom Hiddlestons erstaunlicher Leistung als an dem Bösewicht selbst.

Vielleicht werden die Leute nach "Black Panther" auch Michael B. Jordan etwas gewogener aufnehmen und zugeben, dass er ein richtig guter Schauspieler ist. Sein Killmonger ist einer der besten Bösewichte, die Marvel jemals geschrieben hat. Er ist erstaunlich komplex und wie alle großen Schurken sind seine Motivationen nicht komplett böse. Sicher, Hass ist in gewisser Weise involviert, aber seine Figur ist nicht in seinem Hass falsch. Im gegenteil: man kann seine Situation nachempfinden. Der Konflikt zwischen ihm und T'Challa erfährt einen erfrischend langsamen Aufbau und führt zu einer mehr oder minder erwartbaren Enthüllung, was aus ihm aber einen gleichwohl sympathischen und hasserfüllten Charakter macht. Es gab auch einige nervige Stereotypen in diesem Film, jedoch sind diese einerseits belanglos, andererseits kann man darüber mit einem wohlwollenden Achselzucken einfach darüber hinwegsehen.

Das Drehbuch bietet aber auch die zu erwartenden Unebenheiten, doch sowohl Charakterdynamik und Motivationen fühlen sich größtenteils natürlich und rhythmisch an und sorgen dafür, dass es in der knapp zweistündigen Laufzeit des Films nie langweilig wird. Es gibt ein paar Szenen außerhalb von Wakanda, aber der Film als Ganzes spielt innerhalb der Stadtmauern und zentriert sowohl über, als auch unter der Oberfläche. Die Zuschauer werden in eine funktionale Welt eingeladen, die durch Metall und Technologie glänzt, aber auch durch Kultur, Sitte und Bürgerlichkeit Leben erhält.


"Black Panther" ist in zwei Dingen mehr als bemerkenswert. Zum einen, weil Wakanda so schön ist und hier der Film vom Produktionsdesign bis hin zur Kostümierung nahezu perfekt aussieht. Es gibt zwar hier und da einige raue CGI-Einschläge, durch die sich aufgrund überhasteter Übergänge und einer zu starken Abhängigkeit vom Green Screen Risse unter der ansonsten atemberaubenden Oberfläche offenbaren, aber dies nur am Rande. Zweitens ist er nicht das große Actionspektakel, was man vielleicht erwarten würde. Es gibt ein größeres Schlachtfeld im Finale, welches schön mit den Kräften des Metalls Vibranium spielt und eine sehr von "Captain America" motivierte und inspirierte Verfolgungsjagd, aber im großen und ganzen konzentriert sich die Geschichte mehr auf den Teil der Erzählung, die wirklich etwas aussagt, als alles in Materialschlachten untergehen zu lassen. Es gibt auch ein paar One-on-One-Kämpfe, die, während sie präsentiert werden, sogar noch einen etwas faden Geschmack hinterlassen, wenn man erkennt, dass diese unglaublich fortschrittliche Utopie ihren Anführer durch Kämpfe bis zum Tod (oder zur Konzession) wählt. Das ist irgendwie... seltsam weil rückständig. Aber okay.

In "Black Panther" sind es damit gerade auch die zuvor genannten kurzen Action-Einschübe, während man darauf wartet, zu Rachel Morrisons prächtiger Cinematographie zurückzukehren, zu Hannah Beachlers auffallendem tollen Produktionsdesign und Ruth E. Carters faszinierenden Kostümentwürfen. Wieder ist es ein Teil des Gesamtbildes, aber es lohnt sich zu applaudieren, dass diese drei Frauen zusammen mit Coogler (und dem mittlerweile wohl allmächtigen CEO Kevin Feige) für den gesamten Look und das Design eines der größten Filme 2018 verantwortlich sind. Das ist keine Kleinigkeit und die Ergebnisse sind wirklich außergewöhnlich.

"Black Panther" ist also eine unterhaltsame Mischung aus Vertrautem und Neuem und erzählte eine komplette Geschichte und wird so zu einem hochgradig unterhaltsamen, handwerklich perfektem Blockbuster, der sich vor einer politischen Haltung nicht drückt und trotzdem nicht fehl am Platz in seinem Franchise wirkt. Vor zehn Jahren, als "Iron Man" zum ersten Mal seinen Arc-Reaktor in Gang setzte, hätte die obige Besetzungsliste wie ein Hirngespinst ausgesehen. Aber MARVELs kreatives Risiko - wenn überhaupt, das Studio selbst als solches zählt - haben die komische Angewohnheit, im Nachhinein als sichere Bank durchzugehen. Die Mid-Credits-Sequenz ist tasächlich dann noch eine Botschaft an die Welt, die sogar passt und nicht aufgesetzt wirkt. Was soll man da noch sagen, außer: erneut gewonnen, MARVEL. Chapeau!

8,5/10

Mittwoch, 14. Februar 2018

赤壁 - Chi Bi - Red Cliff (2008)

http://www.imdb.com/title/tt0425637/

Die letzten Tage der Han Dynastie sind gezählt. Der kluge Premierminister Cao Cao überzeugt den wankelmütigen Kaiser Han, dass es nur einen Weg gibt, China zu vereinen: Er muss den Königreichen Xu im Westen und East Wu im Süden den Krieg erklären. So beginnt in ganz China ein beispielloser Krieg, angeführt vom Premierminister Cao Cao. Der letzte Ausweg für die eigentlich verfeindeten Königreiche Xu und East Wu ist eine Allianz. Nach zahlreichen Schlachten auf Land und Wasser endet der Krieg schließlich in der Schlacht von Red Cliff am Jangtse, wo die Geschichte Chinas neu geschrieben wird...

Vorneweg: Wer sich die sehr stark gekürzte internationale Filmschnittfassung mit ihren vergleichsweise kümmerlichen 143 Minuten ansieht, ist selber schuld, denn nur im fast-5-Stunden-Zweiteiler-Marathon kann das historische Schlachtenepos dann doch im Großen und Ganzen seine von den Machern angestrebte Wirkung entfalten. Vielfach wurde auch von Fans und Kritikern die Tatsache beanstandet, dass das ursprünglich zweiteilige Filmwerk für das westliche Publikum um fast die Hälfte gekürzt und zu einem Film zusammengeschnitten wurde, was zu unlogischen Handlungssträngen und fehlenden Hintergründen führte. Doch zurück zum Zweiteiler.

John Woo versucht alles, um mit dem bis dato teuersten asiatischen Film, dieser historischen, im kulturgeschichtlich essenziellen chinesischen Roman "Die Geschichte der drei Reiche" niedergeschriebenen Zeit am Ende der Han-Dynastie mit ihren verschiedenen Persönlichkeiten und wechselseitigen Fehden, Schlachten und Bündnissen gerecht zu werden. Die Bilder der akribisch rekonstruierten Schlachtordnungen in epischer Breite sind gigantisch und trotz der teilweise überstrapazierten Anwendung von Schwenks und Zooms gut gefilmt und geschnitten. Viel Zeit wird auf Kriegstaktiken und -listen verwendet. Die vom einschlägig für seine Arbeit bekannten Corey Yuen choreografierten Actionsequenzen sind rasant und fantasievoll inszeniert. Mit Slow Motion, pfeil- und speerdurchbohrten Kriegern sowie Kunstblutspritzern wird nicht wirklich gegeizt, sodass die "Bloodshed"-Anforderungen an einen John-Woo-Film durchaus erfüllt werden. Wenn ein Baby auf abenteuerliche Weise im Kampfgetümmel gerettet wird, ist die Freude des geneigten Fans über eine solche Anspielung auf ein anderes epochales Werk des Regisseurs doch recht groß. Selbst die beim Actionmeister nicht wegzudenkenden Tauben sind anzutreffen und eine von ihnen bekommt ziemlich zur Mitte hin einen wunderbaren Soloauftritt spendiert. Da Wire Work in den Martial-Arts-Szenen nur sehr begrenzt zum Einsatz kommt, ist das vorliegende Werk eher dem zum Realismus tendierenden chinesischen Historienkino zuzurechnen und gehört nicht wirklich zum fantastischen Wuxia-Film mit seinen durch Baumwipfel und über Häuserdächer schwebenden Protagonisten. Die historischen Helden Zhou Yu, Zhuge Liang, Liu Bei, Guan Yu und Cao Cao, die in China jedes Kind kennt, sind aber trotzdem in bester Asia-Film-Manier überlebensgroß in Szene gesetzt worden und kämpfen schon mal alleine gegen Dutzende Feinde.

Dem Schwertergeklirre gegenüber stehen die ruhigen, fast schon kontemplativ anmutenden Sequenzen, in denen geredet, taktiert, musiziert, und sich belauert wird, wo der chinesischen Lebensart gefrönt, Weisheiten ausgetauscht, Bünde geschmiedet und zaghafte Liebesbekundungen ausgetauscht werden. Hier kann der durchaus erlesene Cast zeigen, was er auf dem Kasten hat. Allen voran begeistert Takeshi Kaneshiro als gerissener Kriegstaktiker Zhuge Liang, ganz ohne einen einzigen Kampfeinsatz. Ihm zur Seite steht in der Rolle des Oberkommandierenden Zhou Yu der allseits bekannte chinesische Schauspielstar Tony Leung Chiu-Wai, der kurz nach Ang Lees "Gefahr und Begierde" mal wieder sowohl als begabter Kämpfer als auch Charakterdarsteller zu überzeugen weiß. Beide haben sichtlich Spaß daran, das Zweckbündnis der eigentlich verfeindeten Kriegsherren schauspielerisch zu interpretieren. Hier sitzt jede noch so kleine, unterschwellige Geste. Große Wiedersehensfreude bereitet der Auftritt von Zhang Fengyi als Premierminister Cao Cao, der schon in den Chen-Kaige-Filmen "Lebewohl, meine Konkubine" an der Seite des leider verstorbenen Leslie Cheung und in "Der Kaiser und sein Attentäter" schauspielerische Glanzpunkte setzte, seitdem aber eine zehnjährige Auszeit vom Film nahm. Alle anderen markanten männlichen Charaktere bekommen zwar ihren Auftritt, verblassen aber etwas hinter den genannten Herren. Nur die Damen können da noch einige Akzente setzen, Zhao Wei aus "Wächter über Himmel und Erde" als freche, den Konventionen trotzende Kampfamazone und Lin Chiling als fatalerweise von gleich zwei verfeindeten Kriegsherren begehrtes Edelfräulein in ihrer ersten Filmrolle.

Trotzdem wird das Epos einer bei diesen Ausmaßen verständlichen Erwartungshaltung nicht vollends gerecht. Dies liegt zum einen an den doch eher dürftigen visuellen Effekten, die vor allem bei der gigantischen, den Jangtsekiang hinaufschippernden Flussarmada negativ auffallen. Bei einem Budget von umgerechnet rund 80 Mio. US-Dollar muss da definitiv mehr drin sein. Zum anderen weist das Drehbuch, dem manchmal die Fokussierung auf das gerade Wesentliche abhandenzukommen scheint, durchaus Längen und Defizite auf. Oft scheint es so, als könnte man sich bei all dem inszenatorischen Überschwang und der Hingabe nicht so recht entscheiden, wie viel Raum man denn nun den Schlachten und wie viel den eher ruhigen Dialogszenen lassen sollte, damit das Ziel, ein größtmögliches Publikum zu unterhalten, nicht verfehlt wird. Auch der eine oder andere Humorversuch in der zweiten Hälfte wirkt eher unausgegoren und platt bei der durchweg ernsten Thematik. Schlussendlich weiß man nach Sichtung dieses Mammutwerks, dass man ein großes Stück historisches Actionkino aus Asien gesehen hat, fühlt aber gleichzeitig eine gewisse Distanziertheit und bleibt von den Geschehnissen doch seltsam unberührt.

7,5/10

Dienstag, 13. Februar 2018

Assassination Of A High School President - Lange Beine, kurze Lügen und ein Fünkchen Wahrheit... (2008)

http://www.imdb.com/title/tt1018818/

Bobby Funke (Reece Thompson) ist Schüler der katholischen St. Donovan's High School und gilt als einer, der eine große Zukunft vor sich hat. Als Prüfungsfragen des Abschluss-Tests gestohlen werden, überredet Francesca (Mischa Barton) ihn - einen Redakteur der Schülerzeitung -, dem Fall nachzugehen. Er findet heraus, dass Schülersprecher Paul (Patrick Taylor) hinter dem Diebstahl steckt. Nun ist Bobby ein Journalistik-Stipendium sicher, genauso wie die (Ex-)Freundin von Paul, Francesca. Noch dazu nimmt Direktor Jared T. Kirkpatrick (Bruce Willis) ihn von der Abschussliste. Doch irgendetwas stimmt an Bobbys Story nicht...

Die High School. Ort pubertärer Phantasien, erster Sexual- und Drogenkontakte, feucht fröhlicher Parties, und dumm-dreister Streiche. Dieses in all seinen Facetten inzwischen massiv ausgebleichte Bild malen US Teenie-Komödien (und manchmal auch -Dramen) in ermüdend eintöniger und gefühlt jahrzehntelanger Dauerrotation. Da massiert man sich schon mal verwundert die ob solch penetranter Einfallslosigkeit bleischweren Augenlider, wenn es dann doch einmal anders kommt.

"Assassination Of A High School President" (über den dämlichen deutschen Titel Lange Beine, kurze Lügen (und ein Fünkchen Wahrheit ...) breiten wir mal lieber den Mantel des Schweigens) ist ein solch seltenes Pflänzchen. Auf den ersten Blick wirkt alles wie gehabt: ein schüchterner, aber intelligenter Loser begehrt die Schulschönheit, die natürlich mit dem Sportstar der Anstalt liiert ist. Unnötig zu erwähnen, dass dieser mit deutlich mehr Muskel- denn Hirnschmalz gesegnet ist und in etwa so sympathisch wie Nachbars Kampfhund rüberkommt. Aber halt. Dieses vertraute Szenario dient lediglich als Hintergrundmusik für ein gepfeffertes "Noir Dramödchen". Es ist nicht nur die durchaus ernsthaft durchgezogene Krimihandlung, die "Assassination Of A High School President" aus dem High-School-Komödien-Einheitsbrei hervorhebt. Auch der durchgängig schwarzhumorige Unterton, die scharfzüngigen Dialoge und der lakonische Erzählstil der Hauptfigur lassen einen weit mehr an Film Noir als an "Film Teen" denken. Bobby Funke ist ein (zugegebenermaßen nicht ganz so) abgebrühter Detektiv in einem undurchsichtigen Verschwörungsszenario. Ein Losertyp mit Köpfchen und Biss, der um jeden Preis die Wahrheit ans Licht bringen will. Francesca ist natürlich die unnahbare femme fatale in dem wendungsreichen Spiel. Überhaupt sind viele der handelnden Figuren nicht das, was sie zunächst zu sein scheinen.

Auch visuell verlässt man ausgetrampelte Genrepfade. Ein clever arrangierter Plot und eine feine Figurenzeichnung brauchen keine hektischen Schnitte oder knallbunten Bilder. Hier müssen keine Schwächen übertüncht werden. Das ruhige Erzähltempo und die ebenso ruhige Bildsprache unterscheiden sich wohltuend von den heute offenbar zunehmend als obligatorisch empfundenen Zappel-Sperenzien, wenn man ein jugendliches Publikum erreichen will. Der Film verlässt sich ganz auf seine wendungsreiche Geschichte und seine teilweise skurrilen Charaktere, was auch prächtig funktioniert. Neben Hauptdarsteller Reece Daniel Thompson - der Bobby Funke gekonnt als Mischung aus einem grüblerisch-abgeklärten Erwachsenen (als Detektiv) und einem unsicher/schüchternem Teenager (als Liebhaber) spielt - hinterlässt vor allem Mischa Barton als undurchsichtige High-School-Queen Fancesca einen nachhaltigen Eindruck. Sie ist gleichzeitig kühl, berechnend, verführerisch, unschuldig und schutzbedürftig. Eine explosive Mischung, die nicht nur für Bobby Funke einer Tretmine gleichkommt. Und schließlich ist da noch Bruce Willis. Seine Darbietung als Golfkriegserfahrener Schulleiter Kirkpatrick ist trotz, oder vielleicht gerade wegen seiner wenigen Auftritte das komödiantische Sahnehäubchen. Willis spielt genüsslich mit seinem Image als wortkarger Actionheld und feuert eine wahre Salve an trockenen Sprüchen auf seine eingeschüchterten Schüler ab.

"Assassination Of A High School President" ist lediglich auf den ersten Blick eine weitere Komödie aus der filmisch mehr als ausgelutschten High-School-Welt. Hinter der klassischen Fassade verbirgt sich eine clever arrangierte Krimi-Dramödie, die mit klugem Wortwitz, schwarzem Humor und skurrilen Figuren für beste Unterhaltung sorgt. Lediglich der etwas abrupte Schluss enttäuscht etwas. Actionstar Bruce Willis beweist zum wiederholten Mal eine gehörige Portion Selbstironie und ist als kriegsversehrter, lakonische Sprüche klopfender Schulleiter das i-Tüpfelchen auf einem Genreübergreifenden Filmspass, der auch für der Schulpflicht Entronnene eine Empfehlung wert ist.

7/10

Sonntag, 11. Februar 2018

The Magnificent Seven - Die glorreichen Sieben (1960)

http://www.imdb.com/title/tt0054047/

Ein kleines mexikanisches Dorf wird jedes Jahr von einer Räuberbande unter der Führung des Banditen Calvera (Eli Wallach) überfallen und all seiner Habseligkeiten beraubt. Das wollen sich die Dorfbewohner nicht mehr länger gefallen lassen und beschließen, einen Trupp Revolverhelden zu engagieren, die sie vor der raubenden, brandschatzenden und vergewaltigenden Horde beschützen soll. Mit Müh und Not schaffen sie es, sieben Männer unter der Führung des Revolverhelden Chris (Yul Brynner) davon zu überzeugen, diese lebensgefährliche und profitlose Aufgabe zu übernehmen. Seine sechs Gefährten sind alte Weggefährten wie der fruchtlose Vin (Steve McQueen) oder der gutherzige Bernardo (Charles Bronson), aber auch neue Abenteurer wie der junge Chico (Horst Buchholz). Sie stellen sich der Überzahl der Banditen in der Hoffnung, das kleine Dorf endlich befreien zu können...

Was für ein Aufgebot: Charles Bronson, Steve McQueen, Eli Wallach und James Coburn sind Namen, die jedem Filmfan auf der Zunge zergehen. Umso erstaunlicher ist es, wenn man bedenkt, dass im Jahre 1960 keiner der Genannten die Hauptrolle in "Die glorreichen Sieben" übernahm. Aus heutiger Sicht unverständlich, damals war eben ein gewisser Yul Brynner der Star im Aufgebot. Und das nicht ohne Grund, denn er spielt seinen Part großartig, wirkt in jeder Einstellung souverän als Anführer der "Sieben".


Ein James Coburn wirkt dagegen unscheinbar, einzig Charles Bronson und Steve McQueen merkt man ihr Können bereits deutlich an. Die Weltkarriere stand den Beiden damals aber noch bevor. Der Deutsche Horst Buchholz spielt den unbeholfenen Chico auffällig, wirkt jedoch hin und wieder ungewollt komisch. Eli Wallach tritt mit solider Leistung als Anführer der Banditen in Erscheinung, jedoch ohne auch nur annähernd sein ganzes Können unter Beweis zu stellen. Hierzu fehlte ihm wohl die darstellerische Freiheit, die er erst in "Zwei glorreiche Halunken" von Sergio Leone zugesprochen bekam. 

Bekannt sein dürfte, dass "Die glorreichen Sieben" ein amerikanisches Remake des japanischen Films "Die sieben Samurai" von Akira Kurosawa ist und schon die Titelmelodie dürfte auch dem noch so größten Westernfeind bekannt sein. Und schon dort wird einem klar, dass es nur klasse werden kann, was man jetzt vor sich hat. Obwohl oder gerade weil der Film in vielerlei Hinsicht als Vorreiter der beliebten Italo-Western gesehen werden kann, offenbart ein Vergleich mit den Größen des Sub-Genres gleichzeitig auch die Schwachstellen des Helden-Epos. So wirken die Kulissen gerade bei Nachtsequenzen altbacken und primitiv. Die zahlreichen, schauspielerisch mitunter mäßig interpretierten Nebenrollen lassen zudem wenig Platz für charakterliche Tiefe der Hauptfiguren, was sehr schade ist - angesichts aller anderen cineastischer Komponenten. Mit der heldenhaften Musik amerikanischer Western-Klassiker muss man sich hingegen anfreunden können, allerdings gelingt es Bernstein, sich hin und wieder von der klischeehaften Musik zu lösen und in spannenden Situationen sogar sehr passende, tiefere Klänge einzubauen, die beinahe schon an Altmeister Ennio Morricone erinnern.


Seine ganze Stärke offenbart der Film erst in den Actionszenen. Die Kamerafahrten sind spektakulär und lassen den Zuschauer mitten im Geschehen teilhaben, wenn es zur Sache geht. Gerade bei dem ersten Aufeinandertreffen der Banditen mit den "Sieben" im Dorf wird deutlich, dass hier keine Kosten und Mühen gescheut wurden. Auch die Schießereien sehen super aus, was für die damalige Zeit keine Selbstverständlichkeit ist. Eine weitere große Stärke des Klassikers ist die Story, die man wohl als absolut zeitlos bezeichnen muss: Ein mexikanisches Dorf wird regelmäßig von einer Banditenbande überfallen und engagiert sieben Männer, die sie vor ihnen beschützen sollen. Simpel aber gut. Einer der großen Western-Klassiker. Die fantastische Ensemble-Leistung der Darsteller, die tolle Kamera-Arbeit und die makellose Regie von John Sturges machen "Die glorreichen Sieben" auch heute noch zu einem unterhaltsamen Film.

8/10 

Samstag, 10. Februar 2018

Payback - Payback: Zahltag (Straight Up: The Director's Cut) (1999)

http://www.imdb.com/title/tt0120784/

Jede Woche zur gleichen Zeit transportiert eine asiatische Verbrecherorganisation einen Koffer mit viel Geld quer durch die Stadt. Wer das weiß, ist natürlich auch daran interessiert, dieses Geld in seinen Besitz zu bringen. Mit einem guten Plan will Porter (Mel Gibson) den Koffer gemeinsam mit seiner heroinabhängigen Ehefrau Lynn und seinem Freund Val stehlen. Das klappt so weit auch ganz gut – wenn Porter nur seine Partner besser kennen würde. Lynn und Val wollen das Geld nämlich keineswegs mit ihm teilen, sondern ihn aus dem Weg räumen, damit sie die 140.000 Dollar nicht mit ihm teilen müssen. Die beiden hätten sich aber besser vom Tod Porters überzeugt, und ihn nicht schwerverletzt mit einer Kugel im Rücken liegen lassen, denn er überlebt unerwartet, und will jetzt nur zwei Dinge: seinen Anteil von 70.000 Dollar und vor allem Rache! Dummerweise können Lynn und Val ihm das Geld aber nicht geben, selbst wenn sie es wollten, denn Val hat sich mit fast der kompletten erbeuteten Summe in ein Verbrechersyndikat eingekauft, und das Geld bekommt er von denen sicherlich nicht zurück. Also muß Porter sich selbst auf den Weg nach ganz oben machen, und den "Dienstweg" des Syndikats von unten nach oben durchlaufen, um an das Geld zu kommen.

"Payback" von Brian Helgand ist ein gutes Beispiel dafür, dass sich ein Filmstudio auch mal in die Produktion eines Films einmischen kann, weil der düstere Ton des Films nicht dem Geschmack des Studios entspricht. Dies bedeutete das Helgand nicht seine gewünschte Schnittfassung in die Kinos bringen konnte und er an dem Projekt kein Mitspracherecht mehr hatte. Es kam sogar soweit, das neue Szenen gedreht werden mussten um den Film in eine ähnliche Richtung wie die "Lethal Weapon"-Reihe zu bringen. Dabei wurde die Handlung im letzten Drittel verändert und neue Darsteller gecastet. Dieser Aufwand zwang Warner Brothers sowie die Produktionsfirma von Mel Gibson nochmal Millionen in das Projekt zu investieren um das gewünschte Produkt vom Filmstudio zu veröffentlichen. Der fertige Film war kein Kassenschlager, wurde von den Kritiker verhalten aufgenommen und sollte erst einmal so in Erinnerung bleiben. Erst im Jahre 2006 wurde über eine Veröffentlichung eines "Director's Cuts" nachgedacht - nämlich die gewünschte Schnittfassung des Regisseurs Brian Helgand.

Dieser hatte nun die Möglichkeit - mit der Rückendeckung von Mel Gibson - den Film für das Heimkino so herauszubringen, wie er es sich vorgestellt hat. Der "Director's Cut" ist etwas kürzer als die Kinofassung aber auch etwas härter und konsequenter, zudem wurde auch der Blaufilter der Kinoversion entfernt. Die Unterschiede werden durch den Vergleich beider Fassungen deutlicher, da einige Charaktere nun anders präsentiert werden. Ein großer Unterschied ist der Charakter Bronson. In der Kinofassung von Kris Kristofferson gespielt aber im Director's Cut nur gesprochen und im Hintergrund verbleibend von der Darstellerin Sally Kellerman. Zudem ist das Ende des Director's Cut anders als das der Kinoversion. "Payback" ist ein grandioses Beispiel dafür, dass ein Film durch Umschnitt und alternative Szenen, Filter und Rating völlig differenzierte Sichtweisen präsentieren kann.

Aber ob nun Kinofassung oder Director's Cut - "Payback" ist so oder so ein richtig guter Action-Thriller, der einen gut aufgelegten Mel Gibson zeigt. Er spielt seinen Charakter Porter herrlich zynisch, mit Köpfchen und nimmt den Zuschauer mit auf seinem Weg, um an seine 70.000$ heranzukommen. Der hier besprochene Director's Cut von "Payback" ist ironisch, weitaus härter und konsequenter. Absolut zu empfehlen. Welche Fassung von beiden aber nun die Bessere ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

8/10

The Italian Job - The Italian Job: Jagd auf Millionen (2003)

http://www.imdb.com/title/tt0317740/

Charlie Croker (Mark Wahlberg) tüftelt den Coup seines Lebens bis ins kleinste Detail perfekt aus - Goldbarren im Wert von 35 Millionen Dollar sollen in Venedig geraubt werden. Alle Crewmitglieder sind nach ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten eingeteilt: Safeknacker-Veteran John Bridges (Donald Sutherland), Computergenie Lyle (Seth Green), der virtuose Fahrer Rob (Jason Stratham), Explosionsexperte Left Earl (Mos Def) und das undurchsichtige Allroundtalent Steve (Edward Norton). Nachdem der Beutezug reibungslos über die Bühne geht und die italienische Polizei spektakulär ausgetrickst wurde, folgt die große Überraschung: Steve hat ein zweites Team, mit dem er die Beute der Bande stiehlt. Er erschießt John, die anderen versinken samt leerem Geldtranssporter in eiskaltem Flusswasser. Allerdings merkt Steve nicht, dass den Gangstern die Befreiung gelingt...

"The Italian Job" ist ein Heist-Movie. Und ein Remake von "Charlie staubt Millionen ab". Und dabei trotzdem ein typischer Vertreter seines Genres. Das bemerkenswerteste am Original waren der Raub mit anschließender Flucht (was ja schon die Hälfte des Filmes einnahm) und die coole Darstellung von Michael Caine. Wie im Original geht es auch hier um einen Raub in Italien (nur ist es hier Venedig), bei dem Gold erbeutet werden soll. Die Figuren Charlie Croker (Original: Michael Caine; hier: Mark Wahlberg) und Mr. Bridger (Original: Noël Coward; hier: Donald Sutherland) haben es ebenso ins Remake geschafft wie die berühmten drei Mini-Cooper. Aber das war es auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Denn die US-Version interpretiert den Stoff neu. Genau das erwartet man doch, wenn ein Remake gemacht wird. Keine Kopie des bereits bekannten, sondern eine Neuauslegung des Grundstoffes. Aber diesbezüglich hat Hollywood seine eigenen Regeln.

Jedenfalls wird genau dies hier gemacht. Und es gefällt. Eine modernisierte Version eines alten Heist-Movies. Wie im Genre üblich, so sind auch hier die Gauner die Sympathieträger. Nach der Figureneinführung erfährt man relativ früh von den Zielen des Raubüberfalles. Im Remake spielt neben dem finanziellem auch ein ideeller Wert eine Rolle. Deshalb ist der Plot hier sogar noch ein wenig interessanter. Leider vergibt der Film einige wenige Pluspunkte durch den einen oder anderen blass wirkenden Darsteller. Edward Norton sticht hier diesbezüglich stark heraus. Seine Leistung wirkt wie eine Pflichtkür, jedoch nicht mehr. Wahlberg spielt solide, kann es aber auch besser. Am positivsten im Cast fallen Mos Def und Seth Green auf. Die beiden passen ganz hervorragend in ihre Rollen und füllen diese sehr gut aus. Ziemlich cool kommt der Cameo-Auftritt von Napster-Erfinder Shawn Fanning.

Kurz und gut: "The Italian Job" macht einfach Spaß. Die Handlung wurde ordentlich geschrieben und gerade die zahlreichen Darsteller wissen sehr zu gefallen. Daneben ist auch die Inszenierung gelungen und die Atmosphäre ist richtig schön locker und amüsant. Daraus ergibt sich ein sehr hoher Unterhaltungswert und selbst nach etlichen Malen des Sehens, ist das Geschehen immer noch kurzweilig. Wer also Heist-Movie mag oder sich einfach mal relaxed unterhalten lassen will, sollte sich "The Italian Job" durchaus ansehen.

8/10

Freitag, 9. Februar 2018

Sleepaway Camp II: Unhappy Campers - Das Camp des Grauens 2 (1988)

http://www.imdb.com/title/tt0096118/
Den Hohn, Spott und die seelischen Quälereien ihrer damaligen Kameraden hat Angela auch nach ihrer Gefängnistheraphie nicht vergessen. Sie ändert ihren Familiennamen und wird Erzieherin im Feriencamp Rolling Hills. Keiner der so fröhlichen Urlauber ahnt, welche grausamen Abgründe hinter der lachenden Fassade Angelas versteckt sind! Der Hass auf alle, die nur ihren Spaß haben wollen, wird von Tag zu Tag größer. Für die besonders Vorlauten hat Angela ihre speziellen Erziehungsmethoden! Doch T.C., einer ihrer Kollegen schöpft Verdacht und bricht in Angelas abgelegene Hütte ein. Was er dort zu sehen bekommt lässt ihm den Atem stocken, doch auch er findet keine Gelegenheit mehr, die anderen Campbewohner zu warnen. Der blutige Sommer geht weiter...

Der transsexuelle Killer aus "Das Camp des Grauens" ist zurück! Nach zehn Jahren Zuchthaus und vollständig zur Frau umoperiert, kehrt Angela Baker als Betreuerin nach Camp Rolling Hills zurück. Die Jugendlichen sind aber alles andere als brav und Angie bestraft Ungehorsam und Ausschweifungen mit äußerster Härte. "Das Camp des Grauens 2" ist in den 80ern entstanden im Zuge der großen Slasher-Welle unzähliger Abwandlungen und Variationen der immergleichen Schlitz- und Stichgeschichte. "Das Camp des Grauens 2" galt schon damals als billiges Plagiat bekannter Genregrößen, schaffte es aber dennoch auf bis dato vier Fortsetzungen. Der zweite Teil, "Unhappy Campers", ist ein nettes Killerfilmchen. Im Grunde nicht der Rede wert, aber mit ordentlich Selbstironie und blutigen Morden bestückt. Massenmörderin Angela tritt als oberbiedere Spielverderberin, als Paragraphenreiter und Moralapostel auf. Zu ihren Opfern zählen vollbusige Dauerwellen-Blondinen, Vokuhila-Spacken, verpeilte Kiffer und dralle Nackedeis. Gekillt wird per Akkuschrauber, Machete und Batteriesäure. Aus einem Opfer wird BBQ gemacht, ein anderes im Plumpsklo ertränkt. Besonders cool: Freddy und Jason, praktisch die beiden direkten Vorbilder, bekommen ein kleinen Gastauftritt, zumindest indirekt. Beide werden jedoch von Angela, verkleidet als Michael Myers, mit der Kettensäge gekielholt. "Das Camp des Grauens 2" ist damit insgesamt ein mittelprächtiges "Freitag der 13."-Rip-Off mit annehmbarem Unterhaltungswert. Nicht mehr, nicht weniger.

6/10

Von NSM Records kommt der Film hierzulande ungeschnitten und in HD im limitierten Mediabook:

Donnerstag, 8. Februar 2018

On Air - Radio Silence (2012)

http://www.imdb.com/title/tt2292845/

Ein sehr brutaler Serienkiller, genannt der Nachtschlitzer (Charles Rettinghaus), hält die Stadt mit seinen grausamen Taten in Atem und die Polizei schafft es einfach nicht, ihn dingfest zu machen. Grund genug für Doc Rock (Markus Knüfken), Radio-Moderator seines eigenen Kellersenders "Night Hawk", seinem Ärger darüber in der Öffentlichkeit Luft zu machen und die Behörden ob ihrer Unfähigkeit zu provozieren. Doch nur wenige Augenblicke später ruft ein ganz besonderer Hörer in seiner Sendung an: Der Nachtschlitzer selbst ist am Apparat und schlägt Doc ein krankes Spiel vor, bei dem ein Menschenleben gefährdet ist. Der Schlitzer gibt die Verantwortung über das Leben der Geisel in die Hände des Moderators und der muss nun versuchen, den Mörder davon abzuhalten, ein weiteres Opfer zu hinterlassen. Sollte es ihm gelingen, kommt die Gefangene sogar frei. Jetzt liegt es an Doc: Er muss schnell und fehlerlos handeln, denn ansonsten wird er selbst zur nächsten Leiche...

Ein Psycho-Terror-Horror-Thriller mit Katz-und-Maus-Spielchen, zynischem Grundton und einer hohen Frequenz an Wendungen, vor allem am Ende als alle Puzzleteile sich ineinander fügen und die aufgestellten Dominosteine umgestoßen werden um das Gesamtbild zu offenbaren. Aus Deutschland. Oder kurz: Die deutsche Antwort auf "SAW". Es geht um den Moderator eines nächtlichen Piratensenders, der von einem total irren und bestialischen Frauenmörder/Serienkiller in ein makaberes Psychospiel um Leben und Tod verwickelt wird. Da das Ding aus Deutschland kommt, klingt das auf den ersten Moment ziemlich übel.

Aber "On Air" ist dann doch noch gut, phasenweise sogar sehr gut, und zudem sehr unterhaltsam anzuschauen, wenn man über ein paar Schwächen hinwegsehen kann. Etwas unausgegoren wirkt nämlich beispielsweise die Figur des Nachtschlitzers, in den etwas zu viel hineingepackt worden ist. Er ist zu psychopathisch und derbe überzeichnet. Dazu kommen einige Plotholes und Dinge, die etwas zu arg auf Zufall ausgelegt ist, aber dennoch weiß "On Air" mit einer stimmig-intensiven und düsteren Atmosphäre zu punkten. Die Umsetzung der Geschichte, die zudem spannend inszeniert war, auch wenn alles ein bisschen unwirklich und überzeichnet herüber kommt (was aber wohl auch so beabsichtigt war), ist in Ordnung.

Die Masse an Twists zum Ende hin, von denen so einige richtig fies und perfide waren, ziehen den Film noch etwas in fragwürdigeres Stirnrunzeln herab, aber dies ist nur ein weiterer geringer Wermutstropfen eines trotz alledem ansonsten ebenso gemeinen wie vergnüglichen Horrorthrillers, der Lust auf mehr deutsche Genrekost macht. Schade, dass Riedl und Vauth seitdem nicht mehr als Filmemacher in Erscheinung getreten sind.

5/10

Mittwoch, 7. Februar 2018

Hell Or High Water (2016)

http://www.imdb.com/title/tt2582782/

Der geschiedene, zweifache Vater Toby Howard (Chris Pine) und sein frisch aus dem Gefängnis entlassener Bruder Tanner (Ben Foster) versuchen verzweifelt, die Familienfarm im Westen von Texas zu retten. Ihre verstorbene Mutter hinterließ das Anwesen mit erheblichen Schulden bei der Bank, die sie nicht mehr begleichen konnte und weshalb der Zwangsverkauf droht. Die Brüder Howard schrecken auch vor Straftaten nicht zurück, wollen mehrere Banken überfallen, um mit dem erbeuteten Geld zu verhindern, dass ihr Heim und die dazugehörigen Ländereien zurück an den Staat gehen. Allerdings kommen ihnen schnell der Texas Ranger Marcus Hamilton (Jeff Bridges) und sein Partner Alberto (Gil Birmingham) auf die Spur und eröffnen die Jagd. Geschnappt zu werden, ist für Toby und Tanner jedoch keine akzeptable Option...

Es gibt eine Szene in "Hell Or High Water", die sehr schön zeigt, welche Themen der Film von Regisseur David Mackenzie unter seiner Oberfläche aus Neo-Western und Heist-Movie noch verhandelt. Dort, wo das scheinbar endlose Land grenzenlos wirkt, brennt ein gewaltiges Steppenfeuer und die letzten Cowboys dieser Region treiben ihre Viehherde vor dem Feuer her.

"21st century, I'm racing a fire to the river with a herd of cattle. And I wonder why my kids won't do this shit for a living" wird einer dieser Cowboys sagen und er trifft damit den Nagel auf den Kopf.

Die gute alte Zeit ist vorbei und die amerikanische Arbeiterklasse ist zum Auslaufmodell verkommen. Und auch wenn Hollywood nur zu gern diese Working Class rein zweckdienlich immer genau dort als Platzhalter verwendet wo es gerade nötig ist und sie als stereotypes Milieu benutzt werden kann, erliegt David Mackenzie dieser allzu simplen wie durchschaubaren Denkweise nicht. Stattdessen wirft er einen eher empathischen Blick sowohl auf die Howard-Brüder (Chris Pine und Ben Foster) als auch auf ihre Verfolger und positioniert sie spiegelbildartig zueinander. Auch Marshall Hamilton (Jeff Bridges) ist genauso ein Relikt dieser guten alten Zeit wie die beiden Brüder Toby und Tanner. Die Methoden dieses Archetypen des texanischen Gesetzeshüters sind in der modernen Gesellschaft schon längst ebenso aus der Mode gekommen wie sein rassistischer Humor. Er wirkt deplatziert und aus der Zeit gefallen, ein wandelnder Anachronismus, den der rasante Wandel der Welt schon längst überholt und hinter sich gelassen hat. Und so erzählt "Hell Or High Water" neben seiner eigentlichen Geschichte auch vom Niedergang eines einst sehr produktiven Landstriches und vom Konflikt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Abgehängten schlagen zurück. Insofern weist der Film durchaus auch Parallelen zu Werken wie "Killing Them Softly", "The Place Beyond The Pines", "Killer Joe" und ähnlichen White Trash-Crime/Dramen auf, verschleiert sie nur ein wenig durch den Staub und Dreck unter der brennenden Sonne in Texas.

Das Drehbuch von Taylor Sheridan, der als Autor bereits für "Sicario" von Denis Villeneuve verantwortlich war, erzählt seinen Plot sehr langsam vor sich hin köchelnd, steigert seine Spannung aber stetig und treibt seine Handlungsstränge und Figuren auf ein dramatisches Finale zu. Bald schon wird deutlich, dass nicht für jeden diese Geschichte gut wird ausgehen können und dennoch machen alle Beteiligten weiter, weil sie gar nicht mehr anders können und weil sie nichts anderes kennen. Atmosphärisch ist das alles ungemein dicht inszeniert, drückend wie die staubige Hitze von Texas, und Kameramann Giles Nuttgens fasst das alles in wunderbare Bilder dieser scheinbar endlosen Weite der texanischen Landschaft. Und die darstellerischen Leistungen von Chris Pine als eher introvertierte Toby (der eine großartige Performance abliefert), Ben Foster als immer nah am Tobsuchtsanfall vorbei schrammender und unberechenbarer Tanner und vor allem Jeff Bridges als US-Marshall Marcus Hamilton sind allesamt phantastisch. Auch der tolle Score aus der Feder von Nick Cave und Warren Ellis passt ganz hervorragend und unterstreicht gekonnt die brütende Atmosphäre ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu drängen.

Bei "Hell Or High Water" ist das Gesamtpaket in sich stimmig und beschert dem geneigeten Zuschauer einen toll erzählten, geradlinig, aber dennoch wunderschön inszenierten Film voller authentischer Figuren, angetrieben durch nachvollziehbare Motivationen und versehen mit sinnvollen Handlungen. David Mackenzie gelingt es tatsächlich, diesen vordergründig eher kleinen Thriller zwischen Neo-Western und Heist-Movie mit einer zärtlichen Melancholie aufzuladen und unterschwellig noch viel komplexere Themen anzusprechen und so größer werden zu lassen, als man es anfänglich vermuten würde.

8/10

Fences (2016)

http://www.imdb.com/title/tt2671706/

Die 50er Jahre in Pittsburgh, USA: Der afroamerikanische Ex-Baseballspieler Troy Maxson (Denzel Washington) ist Müllmann und trägt schwer daran, es als Sportler nie dahin geschafft zu haben, wo er hinwollte. Troys Familie besteht aus Ehefrau Rose (Viola Davis), die alle von Troys Launen kennt – die ihn liebt, wenn er sanftmütig ist und ihn erträgt, wenn er herrisch wird. Die Familie besteht weiter aus Sohn Cory (Jovan Adepo), einem Teenager mit Ambitionen auf eine Footballkarriere, die vom Vater dadurch torpediert wird, dass der seine eigenen sportlichen Enttäuschungen auf den Sprössling projiziert. Außerdem sind da Lyons (Russell Hornsby), Troys sanftmütiger Sohn aus seiner vorherigen Ehe, ein 34-jähriger finanziell klammer Jazzmusiker, und Troys jüngerer Bruder Gabriel (Mykelti Williamson), ein Kriegsveteran. Diese Familie droht zu zerreißen, als Troy eine fragwürdige Entscheidung offenbart...

Wenn Denzel Washington nicht die Hauptrolle in "Fences" spielen würde, hätten viele Zuschauer diesen Film wohl nie gesehen. Doch Washington hat schon zu viele starke Filme gemacht, um diesen zu ignorieren. Die Beschreibung und Reaktionen vielerorts ließen bereits im Vorfeld ein zähes, schwer zugängliches Werk in Überlänge vermuten, das viele Sehgewohnheiten wohl mit Füßen treten wird, und genau das ist es leider auch. Man merkt sofort, dass der Film auf einem Theaterstück basiert, aber anders als bei guten Theater-/Kammerspielen ist die Story nicht spannend genug und baut zu wenig Spannung auf, sondern resultiert eher in einem sehr langatmigen Film.

Allein die Anfangsphase - wir reden hier von einer Dreiviertelstunde - ist nur ein einziger Wortschwall, der den Zuschauer wie ein Zug überfährt. Eine Handlung ist nicht erkennbar, weder, worum es in diesem Film eigentlich gehen soll, noch, wohin das alles führt. Inhaltlich ist gefühlt 90% des Gesagten in dieser ersten Phase unwichtiger Smalltalk, der nur dazu dient, die Charaktere zu beleuchten: Washington ist ein verbitterter Prinzipienreiter, der nach außen den fröhlichen, guten Menschen zeigt, aber seine antiquierten Werte den anderen Familienmitgliedern überstülpt. Allmählich zeichnet sich ab, dass die anderen damit nicht glücklich sind und sich dagegen auflehnen, was im Verlauf in Streitereien und schließlich offene Konfrontation mündet.

"Fences" erweist sich in der zweiten Phase als reines Familiendrama, das seine kargen Inhalte nur sehr langsam und extrem Dialoglastig entfaltet. Zudem, dass schon diese Form der Inszenierung kaum zu ertragen ist, interessieren auch die Inhalte nur bedingt, wenn nicht sogar gar nicht. Unbekannten Menschen beim Streiten zu zusehen, oder wie sie mit ihren Problemen hadern, daran scheitern, hat wohl nur für Voyeure eine Bedeutung, und ist genauso, wie wenn Gaffer auf der Autobahn nach einem Unfall stieren. "Fences" erreicht damit genau das Gegenteil dessen was er wohl erreichen wollte, denn es nervt, weil die Handlung ausschließlich auf "Soap" ausgerichtet ist und man gezwungen wird, sich mit den Problemen anderer auseinanderzusetzen, obwohl einem kaum etwas ferner liegt. Erst viel zu spät am Ende nimmt der Film etwas Fahrt auf.

Mit allem, was "Fences" repräsentieren möchte, sinken Interesse und Unterhaltungswert trotzdem gen Null. Wenn man bei der Stange bleiben kann und über die vielen Belanglosigkeiten hinwegsieht, könnte man dem Film noch etwas abgewinnen. Dass es trotzdem ein paar Punkte gibt, reflektiert Washingtons starke Leistung als wirklich starker Charakterdarsteller, die damit gewürdigt sei und die tolle Kameraarbeit. Aber mehr kann man hier kaum mitnehmen.

5/10

Samstag, 3. Februar 2018

The Crucifixion (2017)

http://www.imdb.com/title/tt4181782/

Rumänien, 2004: Nachdem ein Exorzismus mit dazugehöriger Kreuzigung zum Tode des Besessenen führte, werden ein Priester und fünf Nonnen des Mordes angeklagt. Dahinter wittert die nach einem schweren familiären Schicksalsschlag sehr religionskritische Journalistin Nicole Rawlins (Sophie Cookson) eine aufsehenerregende Story und fliegt deshalb nach Rumänien, um dort die genauen Hintergründe des Vorfalls zu recherchieren. Zunächst erfährt sie nur wenig, die örtliche Kirche scheint etwas zu verschweigen – doch schon bald verdichten sich die Anzeichen, dass tatsächlich ein waschechter Dämon hinter dem Ganzen steckt. Und plötzlich gerät die Amerikanerin selbst in höchste Lebensgefahr: Dämonen nisten sich nämlich am liebsten in die Körper von Menschen ein, die nicht an Gott glauben.

Wenn man unter einem Film den Namen Xavier Gens liest, horcht man auf, denn man erinnert sich mindestens an sein großartiges Spielfilmdebüt "Frontière(s)", ein Film, der sich nicht allein aufgrund seiner Drastizität ins Hirn brannte und einige Szenen auch bis heute nicht von dort weggehen wollen. Nein, "Frontière(s)" war außerdem durchdacht und wartete neben extremst blutigen Einlagen mit einer fesselnden Story auf. Mit "The Crucifixion" begibt sich Gens nun auf etwas ausgetretenere Pfade, nimmt er sich doch wie so viele Genreregisseure vor ihm dem Thema des Exorzismus an. Doch Gens macht hier etwas, was noch nicht viel vor ihm taten, denn er konzentriert sich wie in "Frontière(s)" auf die Story und lässt seine Protagonistin lieber ermitteln, als irgendeinen tiefgläubigen Priester zum gefühlt tausendsten Male allein gegen einen bösen Dämonen kämpfen. 

Nun sind Exorzismus-Filme ja irgendwie die Stiefkinder des Horrorgenres. Sie gehören auf ihre Art und Weise einfach dazu, aber nur wenige schaffen es, aus der breiten Masse herauszustechen, da sie immer wieder dieselbe alte Leier spielen. Soll heißen, solche Filme sind meist etwas dünn. Heißt aber auch, dass Gens "The Crucifixion" einer der besseren Genre-Beiträge der letzten Jahre ist, obgleich er niemals an den unumstrittenen Meister der Exorzismus-Filme ("Der Exorzist") herankommt. Der Film basiert lose auf einer wahren Begebenheit, aber dies ist sicher uninteressant, außer dass sich der Film damit irgendwie wichtiger machen möchte. Das kann man getrost unter den Tisch kehren, denn auf der einen Seite hat er dies nicht nötig und auf der anderen Seite ganz andere Qualitäten: "The Crucifixion" wandelt zwar mit seinem Drehbuch von den "The Conjuring"-Autoren Chad und Carey Hayes auf keinen allzu neuen Wegen und führt zumeist die erforderlichen Schritte eines Exorzismus-Filmes aus, aber aus dieser recht oberflächlichen Geschichte holt Gens das Beste heraus. Hier merkt man von Anfang an, dass Gens einfach Lust hatte, diesen Film zu machen. "The Crucifixion" hat einige der atemberaubendsten Landschaftsfotografien, die man seit langer Zeit in einem Horrorfilm gesehen hat. Und er enthält auch mehr als nur einen Anteil an viszeralen Albtraumbildern, die der Trailer des Films nur andeutet. Auch die Herangehensweise ist durchaus originell gestaltet. Sicher fehlt es dem Drehbuch etwas an Schreckmomenten, jedoch macht Gens dies mit einer visuellen Tour-de-Force wieder wett und macht aus den wenigen, wirklich angsteinflößenden Momenten wirklich spannende Sequenzen. Dass der Zuschauer bei der Stange bleibt, verdankt der Film zudem seinen Figuren, die sich nur selten abstrus verhalten und die knapp anderthalbstündige Geschichte interessant und folgbar ausrollen. Der Film beginnt eher als Thriller, wenn Nicole (Sophie Cookson) auf eine Mauer des Schweigens stößt und sich langsam versucht zur Wahrheit vorzukämpfen. Mit der Zeit werden dann immer mehr Horrorelemente eingestreut - eine Mischung die erstaunlich gut funktioniert.

Mitsamt seiner charmanten Besetzung, angeführt von der hinreißenden Sophie Cookson, macht Gens den Film damit zu einem Sammelsurium aus verschiedenen Genre-Elementen, bei dem er zum Glück auf allzu viele Jumpscares verzichtet und lieber seine Geschichte erzählt. Allein die wenigen Exorzismus-Szenen, bei denen es im Inneren der Räume beginnt zu regnen, sind ein Fest für die Augen. Und am Ende ist "The Crucifixion" ein Film, den man bedenkenlos jedem empfehlen kann, der ein Fan von Exorzismus-Filmen ist und sogar denen, die das Gefühl haben, genug von diesem ganzen Genre zu haben. Wen diese Neu-Inkarnation des Genres nicht an den Knöcheln packt und elektrisiert, der sollte dieses Untergenre am besten vorerst aufgeben. Aktuell gibt es keinen besseren Vertreter als diesen hier.

7/10

The Dentist (1996)

http://www.imdb.com/title/tt0116075/

Als Zahnarzt ist es normal, sich um die hygienischen Belange seiner Patienten zu kümmern. Dr. Alan Feinstone hat jedoch eine sehr extreme Abneigung gegen Schmutz jeder Art. Sei er nun physischer oder psychischer Natur. Da ist an etwas so schmutziges wie Sex gar nicht zu denken. Deshalb muß er auch schon bald entdecken, daß sich seine Frau einen Geliebten hält. Für Dr. Feinstone erweitert sich in diesem Moment der Bereich in welchem er Schmutz bekämpft von der Mundhöhle seiner Patienten zu seinem gesamten persönlichen Umfeld, das er nun von menschlichem Abschaum reinigt. Und sein Terminkalender ist immer voll - schließlich müssen wir alle mal zum Zahnarzt...

"The Dentist" ist ein herrlich sadistischer Schocker der es sogar auf ein Sequel gebracht hat aber insgesamt gesehen vielleicht acht bis zehn Jahre zu spät kam. 1996 aber lagen die meisten Horror Franchises am Boden und so wundert es nicht, dass Dr. Feinstone dann in den Videotheken eher ein minimaler Erfolg beschieden war. Wäre der Streifen in den 80ern gedreht worden hätte er sich bestens in die ausufernden Reihen um Jason, Michael und Konsorten einreihen können. Hier gibt es zwar nichts Übernatürliches aber wenn man ehrlich ist, kann man ruhig zugeben, dass ein Amok laufender Yuppie-Zahnarzt, der seine Patienten quält, wirklich an Ängsten rührt. Kann man jetzt nicht wirklich als Urphobie bezeichnen, wie beispielsweise die Angst vorm schwarzen Mann oder die Furcht im Traum zu sterben aber richtig prickelnd findet wohl niemand den Besuch beim Mann der die Bonushefte ausfüllt. Das mag, ganz salopp ausgedrückt daran liegen, dass die Situation beim Zahnarzt einen ganz schönen Kontrollverlust seitens des Patienten darstellt.

Natürlich steht und fällt ein solcher Film mit der Hauptrolle und da hat Brian Yuzna mit Corbin Bernsen einen absoluten Glücksgriff getan. Der ehemalige "L.A. Law" Anwalt, der nie einen Hehl aus seiner Vorliebe für Trash- und Horrorfilme gemacht hat, füllt die Rolle glänzend aus, hat sichtlich Spass an der Sache und erwischt genau die richtige Mischung aus Bedrohlichkeit und spaßigem Overacting. Am Anfang kommt seine Rolle sogar noch erstaunlich sympathisch rüber und es wird sogar versucht seinen psychischen Verfall einigermaßen glaubhaft zu erklären. Das wird natürlich niemals ein Arthouse-Drama, hat aber bei dem Regisseur aber auch niemand erwartet. Der Rest ist dann purer schwarzhumoriger Sadismus der trotz oder gerade wegen seiner Brutalität (die übrigens hauptsächlich im Kopf des Betrachters entsteht) ein echter Partyspass und alle Menschen, die auf die neueren Folterfilme a la "SAW" oder "Hostel" stehen, sollten ruhig mal auf einen Besuch in Dr. Feinstones Praxis vorbeischauen.

7/10

Von NSM Records kommt der Film hierzulande ungeschnitten und in HD im limitierten Mediabook: