Dienstag, 9. Januar 2018

Hostile (2017)

http://www.imdb.com/title/tt5085522/

Nachdem es zu einer großen Katastrophe gekommen ist, die die Welt in apokalyptischen Zuständen hinterlassen hat, versuchen die Überlebenden eine neue Zivilisation aufzubauen und kämpfen dennoch jeden Tag ums Überleben. Denn sobald die Sonne untergeht, wird die Oberfläche von tödlichen Kreaturen heimgesucht. Juliette (Brittany Ashworth), eine furchtlose Frau, macht eines Tages jedoch einen dramatischen Fehler und hat einen Unfall, der sie bewegungsunfähig in ihrem Auto einklemmt. Mit gebrochenem Bein muss sie nicht nur gegen Hunger und Durst ankämpfen, sondern bald wohl auch gegen die Kreaturen. Denn die Nacht rückt immer näher...

Mathieu Turis abendfüllendes Spielfilmdebüt als Regisseur und Drehbuchautor mit dem klangvollen und actionversprechenden Namen "Hostile" bietet vor allem Nervenkitzel und spannungsgeladene Dramatik, auch wenn Hautdarstellerin Brittany Ashworth als Juliette eine eher durchwachsene als glanzvolle Leistung abliefert. Während sie in einem großen Gefährt das karge Ödland nach Nahrung und nützlichen Gegenständen durchsucht, begegnet sie den aus ähnlich gelagerten Filmen bekannten Gefahren und monströsen Kreaturen gleichermaßen. Als sie in einen Unfall verwickelt wird, findet sie sich in ihrem umgestürzten Fahrzeug mit einem gebrochenen Bein gefangen, wieder. Währenddessen brechen die Mitglieder ihrer Gruppe die Suche nach ihr wegen der Gefahren nach Einbruch der Dunkelheit ab. Unnötig zu sagen, dass hungrige Kreaturen nach einer leichten Beute suchen. Klingt nach "alles schon einmal gesehen" und vermutlich hat auch jeder zweite schon mal ein solches oder zumindest ähnliches Konstrukt sehen dürfen. Mit einer Mischung aus "The Monster", "Resident Evil" und ja, vielleicht auch ein wenig "The Descent", wenn man die Atmosphäre in Betracht zieht, wagt Turis nur wenig Neues, verstrickt sich sogar zuweilen in Logiklöchern und Plotholes.

Zwischen den Kämpfen um ihr Überleben reflektiert Juliette ihr Leben vor diesem als gegeben zu betrachtenden apokalyptischen Ereignis, zu einer Zeit als sie noch ein Junkie war. Der wohlhabende Kunstgalerist Jack (Grégory Fitoussi) ist sofort von ihr auf einer seiner Eröffnungsshows fasziniert, und die beiden treten eine gleichsam leidenschaftliche wie herausfordernde Beziehung an. Leider stimmt zwischen beiden die Chemie nur wenig. Turi wechselt nun die harten, post-apokalyptischen Horror-Sequenzen der Gegenwart mit Rückblenden ab, die in einem Stil erzählt werden, bei dem die Zuschauer die Puzzleteile langsam zusammensetzen müssen. Er mischt, trotz der etwas altbackenen Story diese beiden Geschichten meisterhaft und bringt "Hostile" zu neuen und gleichsam überraschenden Werten. Turi beweist, dass er ebenso versiert darin ist, Spannung aufzubauen, wie er ergreifende, dramatische Szenen liefert. "Hostile" gibt den Zuschauern die Möglichkeit, sich wirklich auf seine Charaktere einzulassen und je mehr er über die Tragödie erfährt, desto mehr fiebert man mit.

Dennoch ist "Hostile" nicht der ganz große Wurf geworden. Der Film hält sich zwar mit dem Horror nicht zurück und bietet viele bösartige und blutige Angriffe, atemberaubende Gore-Effekte und gruselige Monster. Das Make-up für das unbenannte Geschöpf ist ziemlich gut, und erinnert an die Charaktere im [REC]-Franchise. Mit dem renommierten Schauspieler Javier Botet hat man diesbezüglich einen guten Charakter gefunden. Das alles täuscht jedoch nur wenig über die schauspielerische Leistung und der - abgesehen von der Puzzelarbeit - bekannten Story hinweg. Auch ist es ein wenig viel vom Zuschauer verlangt, glauben zu müssen, dass die Rückblenden im heutigen New York City stattfinden - und die Gegenwart befindet sich in einer Wüste in der Wüste. Wo zur Hölle ist dieses Ödland? Denn wenn es nicht an der gleichen Stelle wie in New York City ist dann ist es ein wenig verlangt, dies zu schlucken. Grund ist, dass "Hostile" nie eine Erklärung liefert - außer einem chemischen Terroranschlag. So haben die seltsamen Mutanten, die durch das Land streifen und sich von Menschen ernähren, keine Ursprungsgeschichte. Wie viel Zeit ist vergangen? Und woher kamen diese Viecher? Das ist alles schon ein wenig seltsam. Wenn man aber über die Kritikpunkte hinwegsehen kann, ist "Hostile" dennoch ein guter Vertreter seines Genres geworden. Für einen Debütfilm tatsächlich sehr gut, in der Masse an den inflationären post-apokalyptischen Streifen der letzten Jahre aber leider kein besonders herausragender Vertreter.

6,5/10