Mittwoch, 31. Januar 2018

Alien³ (1992)

http://www.imdb.com/title/tt0103644/

Nachdem sie sich, Hicks und das Mädchen Newt im letzten Teil aus den Klauen der Aliens befreien konnte, schweben sie nun in einer Rettungskapsel im Tiefschlaf durchs All. Nach einem Brand leitet der Bordcomputer eine automatische Notlandung ein, direkt auf einem einsamen Gefängnisplaneten, wo die schlimmsten Verbrecher der Galaxis inhaftiert sind. Diese haben sich einem leicht mystischen Glaubenskodex verschworen und arbeiten unter recht rückständigen Verhältnissen in einer runtergekommenen Bleigießerei. Doch Ripley ist nicht, wie zuerst vermutet, die einzige Überlebende der Bruchlandung...

"Alien³" versucht, der Tradition von James Cameron zu folgen und alles anders zu machen, als sein Vorgänger. Soviel vorweg: Was James Cameron glänzend gelungen ist, geht in der hier gesehenen Kinofassung gründlich in die Hose, weshalb man diese Fassung von "Alien³" als den schwächsten Teil der Reihe ansehen kann. Infolge der problematischen Produktion und der kontroversen Umstände bei der Veröffentlichung wurde "Alien³" immer mehr zu einer Kuriosität unter den Alien-Fans. David Finchers Erstlingswerk hat heute aufgrund aufgeheizter Gerüchte über kreative Einmischung, verschollene Szenen und sogar einer vollkommen unterschiedlichen Schnittfassung, die angeblich die ursprüngliche Vision Finchers wiederherstellen sollte, Kultstatus erreicht. Viele waren allerdings der Meinung, dass Finchers Werk ernsthaften Schaden davongetragen hatte.

Fakt ist aber: es gibt keinen richtigen "Director's Cut" von Alien³. Aber es gibt eine vollständig restaurierte und überarbeitete Version des 1991 erstellten Rohschnitts von "Alien³", welche als "Director's Cut bezeichnet wird. Diese Version zeigt außerdem eine Kombination von außergewöhnlichen, bisher unveröffentlichten optischen Effekten und einigen kürzlich vervollständigten digitalen Effekten, die notwendig waren um das neue Material nahtlos in den Film zu integrieren. Doch zurück zur Kinofassung.

"Alien³" spielt auf einer Sträflingskolonie und wir haben es hier wieder mit nur einem Alien zu tun. Die Sträflinge sind sich selbst überlassen und stehen unter keiner lokalen Aufsicht, sie haben im Gegenzug jedoch in den Schmelzanlagen der Kolonie zu arbeiten. Vom Prinzip her bietet dieses Setting reichlich Platz für ausgefeilte Charaktere, psychologische Schockmomente und darstellerische Leistungen. In der Praxis ist von all dem leider nicht viel zu sehen. Die Charaktere bleiben oberflächlich, ansatzweise vorhandene Ideen werden nicht ausgearbeitet, und der Horror hält sich in starken Grenzen. Man merkt ganz deutlich, dass sich für "Alien³" insgesamt zehn Drehbuchautoren die Klinke in die Hand gegeben haben - und anscheinend hat niemand etwas davon gehalten, die Ideen seiner Vorgänger weiter auszubauen. David Fincher, dessen Regiedebüt "Alien³" darstellte, war mit dieser Situation anscheinend heillos überfordert. Erstmalig wurde das Alien in diesem dritten Teil auch nicht mehr vollständig durch Menschen in Puppenkostümen dargestellt, sondern digital animiert. Und dem kann man durchaus mit gemischten Gefühlen entgegen treten, da dieses CGI-Alien oft als solches auch deutlich erkennbar ist.

Was aber wirklich neu ist: Fincher hat versucht, in seinem Film mehr über die Natur der Aliens und vor allem über deren Beziehung zu ihrer Umwelt darzustellen. So ist die Beziehung zwischen Ripley und dem Alien diesmal eine ganz spezielle. Doch auch hier hätte man weitaus mehr aus der Story machen können. Das Ende, das ursprünglich das Ende der (damals so geplanten) "Alien"-Trilogie darstellen sollte, ist dann auch entsprechend "endgültig" und bietet dann auch noch eine interessante kleine Endszene zwischen Ripley und "ihrem" Alien. Das war's dann aber auch schon. Alles andere sind alte Bekannte: das 10-kleine-Negerlein-Prinzip, dieses Mal jedoch nicht in aller Konsequenz umgesetzt, angedeutete Nebenhandlungen, die ebenso abrupt enden, wie sie begonnen haben, die Jagd von Menschen auf das Alien/ Jagd vom Alien auf die Menschen, visuell wieder düster, rostig und schmutzig wie im ersten Teil - "Alien³" bietet bis auf das Setting leider kaum Neues und wirkt so zerstückelt, wie es seine Entstehungsgeschichte bereits erahnen ließ. Und das ist sehr schade.

6/10

Als exklusive und auf jeweils nur 1000 Stück limitierte Ausgabe erschien 2014 bei Zavvi in Großbritannien der Film in beiden Fassungen (Kinofassung und Special Edition) im geprägten Steelbook mit einem unglaublich schönen, weil schlichtem Artwork.

Montag, 29. Januar 2018

Cars 3 - Cars 3: Evolution 3D (2017)

http://www.imdb.com/title/tt3606752/

Lightning McQueen (Stimme im Original: Owen Wilson) ist ein alter Hase im Rennzirkus. Doch obwohl er von einer neuen Generation Rennwagen mehr und mehr ins Abseits gedrängt wird, will der rote Flitzer vom Ruhestand nichts wissen, vielmehr steckt er sich ein neues ehrgeiziges Ziel: Er will das Piston-Cup-Rennen gewinnen und den Jungspunden zeigen, dass er immer noch das Zeug zum Sieger hat. Doch vor allem der blitzschnelle Newcomer Jackson Storm (Armie Hammer) ist für Lightning McQueen ein ernstzunehmender Gegner und mit etlichen technischen Spielereien ausgestattet, über die McQueen nicht verfügt. Und so holt er sich Hilfe von der jungen Renntechnikerin Cruz Ramirez (Cristela Alonzo): Sie soll ihn trainieren und ihm die neuesten Tricks aus dem Rennzirkus beibringen. Und sie hat auch schon ein paar Ideen, wie sie Lightning zurück in die Spur helfen kann... 


An die Stelle der hektischen Agentenstory aus "Cars 2" ist nun, knapp 6 Jahre später, wieder eine klassische Sportgeschichte getreten, die sich genüsslich bei "Rocky" und anderen Genregrößen bedient. Innovationen sucht man bei dieser Handlung vergeblich, dafür bekommt man aber einen kindgerechten Motorsportfilm im Animationsformat zu sehen, der auf allzu alberne Blödeleien verzichtet und etwas wehmütig von einem Wagen erzählt, der mittlerweile sprichwörtlich zum alten Eisen zählt und nochmal seinen Weg nach oben sucht. Dass hier bereits der Zweitplatzierte als absoluter Verlierer gewertet wird, ist leider ein fatales Signal, aber ansonsten wird auf allzu viel Disney-Zuckerguss verzichtet und sogar erneut die eine oder andere konsumkritische Spitze eingestreut. Dies geht sogar bis zur selbstironischen Betrachtung der unzähligen Merchandise Artikel, die diesem Franchise mittlerweile entsprungen sind.


In technischer Hinsicht ist "Cars 3: Evolution" über jeden Zweifel erhaben. Die 3D-Umsetzung verleiht dem Bild die nötige Tiefe. Die Animation an sich entspricht ohne Abstriche dem derzeitigen state of the art. Selbst (oder ganz besonders im Hintergrund) sind oft nahezu fotorealistische Details zu entdecken, die bisher ihresgleichen suchen. Technisch ganz große Klasse und von der Handlung her trifft der Film deutlich eher den Geschmack als noch Teil 2, obwohl aus der Reihe "Cars" wohl nie ein ganz großer Verterter des Genres werden wird.

6,5/10

In der Schweiz gibt es den Film schon jetzt auf Disney 3D-BD, und während wir hierzulande noch knapp 2 Wochen warten müssen kann man das schicke und limitierte Steelbook jetzt schon in den Händen halten. 

Sonntag, 28. Januar 2018

High Plains Drifter - Ein Fremder ohne Namen (1973)

http://www.imdb.com/title/tt0068699/

Eastwood spielt wie in den Leone-Filmen einen fremden, namenlosen Reiter, den es in die kleine Stadt Lago verschlägt. Dort wird er von den Bewohnern, fast allesamt Feiglinge, zuerst misstrauisch beäugt. Doch als der Fremde örtliche Halunken erschießt und dabei einen schnellen Umgang mit der Waffe zeigt, wollen die Bewohner ihn unbedingt zum Bleiben bewegen. In Kürze wird eine Gruppe Banditen in der Stadt erwartet, frisch aus dem Gefängnis entlassen und auf Rache ob des einjährigen Gefängnisaufenthaltes sinnend. Von den angsterfüllten Einwohnern des Ortes wird der Fremde um Hilfe im Kampf gegen die Banditen gebeten. Nach einigem Zögern willigt er schließlich ein. Allerdings lässt er sich dazu nur unter der Bedingung überreden, dass man ihm jeden Wunsch erfülle...

Eastwoods zweite Regiearbeit orientiert sich stilistisch ganz eindeutig viel mehr am Italowestern als am klassisch amerikanischen Western. Clint Eastwood vergewaltigt, hinterlässt einen Haufen Leichen - die Härte und zynische Verächtlichkeit dieses von ihm selbst inszenierten Werkes liegt für US-Western deutlich über dem Durchschnitt und orientiert sich klar am Italo-Western. Als "Fremder ohne Namen" schüchtert er die Bewohner eines Nestes ein, stellt für sie aber die einzige Rettung gegen brutale Banditen dar, die aus dem Gefängnis entlassen wurden und sich für Vergangenes an ihnen rächen wollen. So heuern sie Eastwood an, der als Entlohnung bekommt was er will. Es ist klar, dass auch er ein Rächer ist, der es den Bewohnern heimzahlt.

Daraus entwickelt sich der interessanteste Aspekt mit etlichen guten Plotideen: Eastwood beginnt ein übles Spiel mit den Einwohnern und spielt sie gegeneinander aus, was sogar witzig ist und für mehr Lacher sorgt als so manche "Komödie". Dazu gehören auch die trockenen Macho-Sprüche. "Stellt euch vor, sie vergehen sich an euren Frauen, oder schlimmer noch, knöpfen euch das Geld ab..."

Erfrischend, weil Eastwood nicht den üblichen, im Verlauf immer gleichen Racheplot ansetzt, sondern mit einer clever aufgebauten Handlung punktet, worin eine gesunde Härte in starker Western-Atmo einflochten ist. Der wortkarge "Held", der ätzende Zynismus, die fragwürdige Moral, die schmutzige Gewalt und die oft karge Inszenierung, all das findet sich hier wieder. "Ein Fremder ohne Namen" reitet in die Stadt Lago ein und der Totengräber bekommt viel Arbeit, aber erst nach und nach offenbaren sich seine wahren Motive. Einen Revolverhelden brauchen sie, also werden auch all die Demütigungen ertragen. Ein bizarres Spiel wird daraus. Ein sich gegeneinader Aufhetzen. Die schlimmste Geißel ist die selbst auferlegte. Eastwood variiert nur seine Figur aus den Leone-Klassikern, legt sie aber auch deutlich böser an. Das Frauenbild allerdings gehört zweifellos hinterfragt. Ein unbequemer Film, weil moralisch doch oft sehr grenzwertig. Und doch eins: großartig.

8/10

Von CAPELIGHT PICTURES erschien der Film nun endlich auch hierzulande in HD in einem tollen Mediabook:

Freitag, 26. Januar 2018

Spider-Man 3 (Editor's Cut) (2007)

http://www.imdb.com/title/tt0413300/

Im letzten Teil der Trilogie hat Peter Parker (Tobey Maguire) es endlich geschafft, seine Liebe zu Mary Jane (Kirsten Dunst) und seine Pflichten als Superheld in Einklang zu bringen. Doch schon ziehen am Horizont dunkle Wolken auf. Als sich Spider-Mans Anzug plötzlich pechschwarz verfärbt und ihm neue, ungeahnte Kräfte verleiht, verändert dies auch Peter und bringt die dunklen, rachsüchtigen Seiten seines Charakters ans Licht, Eigenschaften, die Peter bald nicht mehr kontrollieren und beherrschen kann. Unter dem Einfluss des Anzugs wird Peters Ego immer größer. Dabei vernachlässigt er zunehmend all die Menschen, denen er am meisten am Herzen liegt. Bald ist Peter gezwungen, sich zwischen der verführerischen Kraft des neuen Anzugs und dem mitfühlenden Helden, der er einst war, zu entscheiden. Peter muss seine persönlichen Dämonen bezwingen, während zwei der meist gefürchteten Schurken, Sandman (Thomas Haden Church) und Venom (Topher Grace), beispiellose Macht erlangen und in ihrer Rachsucht Peter und jeden, den er liebt, bedrohen...

Eins vorweg: der "Editor's Cut" macht den dritten Teil des "Spider-Man"-Franchise mit Tobey Maguire nicht besser oder schlechter. "Spider-Man 3" ist und bleibt ein Paradebeispiel dafür, wie man ein Franchise gekonnt durch völlige Überlastung der Story und der zu schweren Sicht auf  den Kampf im Inneren des titelgebenden Helden, in den Sand setzen kann. Nach "Spider-Man" und "Spider-Man 2" spielen die Akteure sichtbar lustlos und unmotiviert. Aber der Hauptkritikpunkt ist Venom. Ein in den Comics so übermächtiger und abgrundtief-böser Gegner - im Film ein Gegner, der nebenbei auftaucht und quasi im Vorbeigehen (und damit viel zu leicht) plattgemacht wird. Dazu kommen der Sandman und (anfänglich) der neue grüne Kobold. Drei so große Gegner sind einfach zu viel für einen Film, selbst mit zwei Gegnern kratzt man schon an der Grenze des Möglichen. Dazu die Liebesschnulze, die vorhersehbaren Intrigen - so etwas passt so gar nicht in einen Superhelden-Film. Raimi wollte hier einfach zu viel - und das wirkt ungemein negativ auf das Gesamtbild.

Dafür sind die Animationen toll - gerade der Sandmann ist hervorzuheben - und die Story, bis auf den drögen Mittelteil immerhin spannend und interessant. Peters Selbstfindungsphase hingegen ist zu überkandidelt, zu übertrieben, schlicht zu blöd. Da hilft kein noch so beherzter Gag - im Gegenteil. Diese ziehen die ganze Geschichte sogar noch mehr ins Lächerliche. Zudem ist die ständig kreischende Mary-Jane offenbar nicht mal in der Lage, sich selbstständig aus Gefahrenzonenen zu bewegen. Nein, da muss immer und ständig Spider-Man antanzen, um ihr selbst dabei noch die Hand zu halten. So etwas nervt und hinterlässt ein flaues Gefühl. Das war zwar auch schon in den beiden Vorgängern so, aber hier wird maßlos übertrieben. So bleibt leider nur ein teilweise unterhaltsamer Blockbuster übrig, der zwar mit seinen klasse Actionszenen und Wow-Effekten punkten kann, aber ansonsten leider versagt. Der "Editor's Cut" fügt nun einige Handlungsszenen hinzu, um den Sadnmann näher zu beleuchten, beschränkt sich aber ansonsten auf Alternative Takes und Musik (die übrigens in der deutschen (Ton-)Fassung fehlen). Am Interessantesten ist da noch die Szenen aus dem Trailer, die nun endlich wieder eingfügt worden, in denen sich der schwarze Spider-Man durch die Häuserschluchten New Yorks schwingt. Trotzdem bleibt "Spider-Man 3"der schlechteste Teil des Maguire-Franchise. Er unterhält zwar, aber eben nicht durchgängig.

6/10

In Großbritannien erschien dieser Film zusammen mit "Spider-Man" und "Spider-Man 2" als Teil der "Spider-Man Legacy Collection" in einem schicken, limitierten und nummeriertem Box-Set, welches den Film als 4K Ultra-HD Blu-ray enthält.

Donnerstag, 25. Januar 2018

Baby Driver (2017)

http://www.imdb.com/title/tt3890160/

Fluchtwagenfahrer Baby (Ansel Elgort) hat einen Tinnitus, weswegen er ständig über Kopfhörer Musik hört. Doch dies macht ihn trotz seiner jungen Jahre auch zu einem der besten in seinem Job: Zu den Klängen seiner persönlichen Playlist rast er jedem Verfolger davon, ein Talent, welches Gangsterboss Doc (Kevin Spacey) auszunutzen weiß. Bei ihm steht Baby in der Schuld und daher muss er für Doc Aufträge als Fluchtwagenfahrer ausführen und zum Beispiel Buddy (Jon Hamm), dessen Freundin Darling (Eiza Gonzalez), den fiesen Griff (Jon Bernthal) und den unberechenbaren Bats (Jamie Foxx) bei ihren Coups kutschieren und anschließend dafür sorgen, dass sie den Cops entkommen. Dabei hat sich Baby in Kellnerin Debora (Lily James) verliebt und will eigentlich aussteigen. Doch vorher gibt es noch einen letzten Auftrag zu erledigen...

Ähnlich in der Form, was Joseph Gordon-Levitt 2012 in "Premium Rush" auf dem Fahrrad vorwegnahm, sieht man nun als konsequente Konzept-Weiterführung mit Shooting Star Ansel Elgort als "Baby Driver" im Auto. Auch diese wiederum ebenso leicht autistisch gefärbte Comic-Variante hat ihr Herz schön angenehm am rechten Fleck. Nur schon die rasante Eingangssequenz zeigt dem Zuschauer gleich, wo es hier in den nächsten 100 Minuten lang gehen wird. Aber nicht nur die ungewöhnliche Action setzt Maßstäbe, langweilig wird es auch dank den äusserst spassigen Dialogen nicht.

Hier kam Director Edgar Wright natürlich vor allem das unvergleichliche Talent von Jamie Foxx zu Gute, seine wundervoll absurde One-Man-Show-Szene in einem Schnellimbiss ist schon fast der (versteckte) Höhepunkt des Films. Die Kumulation weiterer schrägen Figuren (wie etwa Eiza González mit ihrem Typ als moderne Bonnie and Clyde-Variante) mit dem immer um sie als Mittelpunkt zentrierten, sich selten artikulierenden Teenager "Baby", der vordergründig nur seinen Job macht und sich immer seine Sache zu dem übertriebenen Schmierentheater denkt, wird damit quasi zur psychologisch beruhigenden, guten Seele stilisiert. Der Soundtrack (voll mit ungewöhnlichen Soul-Perlen und etwas Punk fernab des gängigen Radio-Mainstream-Grundwissen-ABC's) ist diesmal so toll konzipiert, dass er auch für echte Musik-Nerds zur Herausforderung wird.

Die einzige befremdliche Note des Films ist wohl der Abgesang von Kevin Spacey. Wie man mittlerweile erfahren musste, brauchte er seine Rolle als Machtmensch über jüngere Leute gar nicht wirklich gross spielen. Schon im Las Vegas-Film "21", trumpft er als charismatischer Führer der Truppe auf. Smart, cool und skrupellos. Mit dem heutigen Wissen hinterlässt dies natürlich einen faden Beigeschmack, und gerade wenn er hier in einer Drohung zu Ansel sagt "You were always my baby!", holt einem die Gegenwart (auch ohne moralischen Zeigefinger) wohl in aller Ungemütlichkeit ein.

8/10

Dienstag, 23. Januar 2018

Baywatch (Extended Version) (2017)

http://www.imdb.com/title/tt1469304/

Mitch Buchannon (Dwayne Johnson) hat als charismatischer Anführer eines Teams von Rettungsschwimmern alle Hände voll zu tun. Vor allem ein Neuzugang bereitet ihm Sorgen: Matt Brody (Zac Efron) war einst olympischer Schwimmer, doch wurde nach einem Aufsehen erregenden Zwischenfall verbannt. Nun muss Mitch ihn als PR-Maßnahme in sein Team aufnehmen, obwohl er den aufrührerischen Jungspund überhaupt nicht leiden kann. Summer (Alexandra Daddario) hingegen ist recht angetan von dem Neuankömmling - und das nicht nur rein beruflich. Und auch die Kollegen Stephanie (Ilfenesh Hadera), Ronnie (Jon Bass) und C.J. (Kelly Rohrbach) kämpfen nicht nur mit den Wellen, sondern auch mit privaten Problemen und der ein oder anderen Liebelei. All das muss aber bald beiseite gewischt werden, denn als Mitch und Matt einer kriminellen Verschwörung auf die Spur kommen, die ihren Strand bedroht, müssen sie als Team perfekt funktionieren...

Anfang der 90er war "Baywatch: Die Rettungsschwimmer von Malibu" mit David Hasselhoff und Pamela Anderson fester Bestandteil des TV-Programms. 2017 legte man nun mit Dwayne "The Rock" Johnson als Mitch eine Kino-Neuauflage nach, über deren Notwendigkeit sich sicher streiten lässt und der unfassbar schwer zu bewerten ist. Er ist einerseits so unfassbar hohl, so dümmlich, so intelligenzbeleidigend und wartet mit dem schlechtesten Cameoauftritt in langer Zeit auf, andererseits ist er aber auch lustig und teilweise wirklich unterhaltsam. Er läuft nach Schema F ab, und er weiß das auch. Daraus macht der Streifen zu keiner Sekunde einen Hehl. Er ist im Grunde eine über das Maß hinaus aufgeblasene Folge "Baywatch" ohne weitere, darüber hinausgehend Substanz.
 

Es wird nicht mal versucht, das zu kaschieren. Alle paar Minuten fragt man sich, wie das gerade eigentlich sein könne, wie die Szene funktioniere, weil der Film halt einfach keinen Sinn ergeben will. Sicherlich überspannt man auch mal den Bogen, aber diese gelebte Dummheit imponiert durchaus noch, und sie wirkt, im Gegensatz zu den "The Asylum"-Filmen, auch nie manipulativ. Dass da der ein oder andere Limbogag dabei ist und dieser dann auch voll ausgekostet wird, versteht sich von selbst. Ein ums andere Mal fragt man sich jedoch, wieso ein paar der Stars sich dafür hergegeben haben, wo sie doch in anderen Filmen bewiesen haben, dass sie weit über diesem Niveau spielen könnten. Außer Zac Efron. Der lebt für solchen Schmus.


Wie so oft legte man auch hier noch eine erweiterte Fassung fürs Heimkino nach. Bei rund 5 Minuten zusätzlich bekommt man ein paar Handlungsszenen zusätzlich zu sehen, die im Grunde nicht weiter der Rede wert sind und den Charakteren nichts Wesentliches hinzufügen. Besonders Victoria wird anfangs in ausführlicherer Szene alternativ eingeführt und hat auch in der zweiten Hälfte noch weitere Dialoge. Ansonsten gibt es noch, wenig überraschend, ein paar weitere Momente zwischen Mitch und Matt, immerhin die beiden Hauptfiguren. Trotz einer kurzen "das Oberteil hochziehen und den BH präsentieren"-Szene jedenfalls absolut nichts, was eine Freigabe gefährdet hätte oder den Film gar in irgendeiner Form aufwertet.

Man kommt also nicht umhin zu denken, man wollte einfach einen Film im Geiste der Serie machen, und das ist bis auf den Fakt, dass man dem Film ansieht, dass er 2017 herauskam, auch gelungen. Aber wie bewertet man das? Wohl irgendwo zwischen "Autsch" und "Yeah" und knapp über Mittelmaß.

5,5/10

Montag, 22. Januar 2018

Victor Crowley (2017)

http://www.imdb.com/title/tt5534434/

Zehn Jahre nach den Ereignissen der ersten drei "Hatchet"-Filme will Andrew Yong (Parry Shen), der den Bayou Butcher überlebt hat, seine Geschichte zu Geld machen. Doch seine Biografie verkauft sich trotz vieler Talkshow-Auftritte nicht wirklich gut. Viele glauben, dass Yong selbst der Mörder ist und Victor Crowley (Kane Hodder) nur eine Legende, ein Märchen ist, das er sich ausgedacht hat, um seine Taten zu verschleiern. Für einen PR-Stunt reist Yong schließlich an den Ort des grausamen Geschehens zurück – allerdings zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn Victor Crowley wurde kurz vorher durch ein YouTube-Video von den Toten zurückgeholt. Als Yong und die ihn begleitende TV-Crew im Sumpfgebiet abstürzen, müssen sie daher bald ums Überleben kämpfen. Denn Victor Crowley denkt nicht daran, eines seiner Opfer entkommen zu lassen...

Es kommt einem schon so vor, als erfüllte sich der Schöpfer der Reihe, Adam Green, mit "Victor Crowley" vor allem selbst einen Wunsch, als er Ende August im Rahmen einer vermeintlichen Anniversary-Aufführung von "Hatchet" überraschend den heimlich gedrehten, neusten Eintrag ins Franchise präsentierte. Von seinem ursprünglichen "Old School American Horror"-Anspruch (so die Tagline des ersten Teils, "Hatchet") hat sich die Reihe mittlerweile eher zu einer Splatter-Komödie entwickelt und konsequenterweise hat Adam Green für Teil 4 die komödiantischen Elemente noch einmal ordentlich aufgebohrt. Das funktioniert hier mal mehr, mal weniger, korreliert aber jederzeit wunderbar mit der grellen, sitcomartigen Ausleuchtung der vollkommen künstlich wirkenden Sumpf-Kulissen, die seit jeher eines der visuellen Markenzeichen der Reihe gewesen sind.

Da Victor Crowley der Akkordschlachter unter den cineastischen Serienkiller ist, bleibt die spannendste Frage bei "Hatchet"-Filmen, ob es gelingt eine ausreichend große Anzahl an einigermaßen interessanten Kanonenfutter einzuführen. In diesem Punkt hat Adam Green - im Rahmen eines Splatterfilms versagt. Er nimmt sich einen Haufen Zeit, um jeder Figur zumindest eine kleine Szene und Spleens mit maximalen Wiederkennungswert zu spendieren, was - für so einen Streifen - überhaupt nicht nötig ist, will doch der geneigte Fan sehen, wie sich ein Killer möglichst bluttriefend durch eine Vielzahl von Opfern schnetzelt. Immerhin: wo andere Genrevertreter schon bei einer Handvoll Charaktere krachend daran scheitern, diese unterscheidbar zu machen, jongliert Adam Green souverän mit einem guten Dutzend Figuren, bei denen bis zum Ende nicht wirklich klar ist, wer das Rennen macht.

Weniger gut gefällt dieses Mal aber der Splatter-Anteil, dessen lächerliche Künstlichkeit auch hier wieder offensiv in Szene gesetzt wird, diesmal aber ziemlich unkreativ abgehandelt wird und viel zu kurz kommt. Mit "Victor Crowley" knüpft Green damit also halbwegs, trotz einiger Schwächen, an die Qualität des Originals an und erweist sich als fähiger Komödienregisseur. Das ist alles natürlich weit davon entfernt die hohe Schule der Filmkunst zu sein, unterhält aber auf dem vermutlich auch angestrebten B-Movie-Niveau ganz gut.

6/10

Spider-Man 2 (2004)

http://www.imdb.com/title/tt0316654/

Die freundliche Spinne von nebenan zu sein ist nicht mehr leicht für Peter Parker (Tobey Maguire), der versucht sein Privatleben und seine Heldentaten als Spider-Man unter einen Hut zu bekommen. Er hat einen Nebenjob als Pizzabote, muss an der Universität glänzen und über die Trennung von Mary Jane (Kirsten Dunst) hinwegkommen. Zudem geht seiner Tante May (Rosemary Harris) das Geld aus, und sein bester Freund Harry (James Franco) hat den Tod seines Vaters noch nicht verkraftet und gibt Spider-Man die Schuld. Er ahnt nicht, wer hinter der Maske steckt und hilft Peter bei seinem Uniprojekt, indem er ihm zu einem Experiment von Doktor Octavius (Alfred Molina) Zutritt verschafft. Der Wissenschaftler versucht eine Energiequelle zu entdecken, die an einen Menschen angeschlossen werden kann. Das Experiment gerät jedoch außer Kontrolle und vier mechanische Greifarme verbinden sich mit seinem Körper. Mit Doc Ock ist in neuer Rivale für Spider-Man ist geschaffen. Peter würde jedoch nichts lieber tun, als sein Kostüm in den Müll zu werfen und seiner großen Liebe endlich seine Gefühle zu gestehen.

Was Sam Raimi mit seinem Vorgänger schon etablierte, führt er in der fulminanten Fortsetzung "Spider-Man 2" weiter: sein Spinnenmann, inzwischen von der Stadt New York akzeptiert, ist ein mittelloser Held. Peter Parker hat Ärger mit seinen Jobs, kann Verpflichtungen gegenüber seinen Freunden nicht einhalten, verschläft die Uni und hat Ärger mit seinem Vermieter. Während die Superhelden im aktuellen Blockbuster-Kino meist auf ihre Überlegenheit reduziert werden, hat Spider-Man Schwierigkeiten, sein Dasein als Kämpfer für Recht und den Mensch Peter Parker (ergo, seine persönlichen Wünsche) unter einen Hut zu bekommen. Darüberhinaus klassifiziert ihn Raimi als Kind der Arbeiterklasse, von der finanziellen Absicherung eines Iron Man oder Batman ist er weit entfernt. Jenes Dilemma stellt den Kern von "Spider-Man 2" dar. Raimi fokussiert sich auf den Werdegang seines Protagonisten, der sein Kostüm erst in den Müll werfen muss um zu erkennen, wie sehr er es braucht und wieder für das Gute kämpfen kann. Für diese Entwicklung tritt das Spektakel auch gerne mal in den Hintergrund, wobei es gerade die Actionszenen sind, in denen der Film zu absoluten Höchstleistung aufläuft. In den Kämpfen zwischen Spider-Man und Dr Octavius wird New York als Schauplatz umfangreich genutzt, angereichert mit scheinbar zeitlosen Effekte, die, im Gegensatz zum Vorgänger, kein bisschen an ihrer Wirkung verloren haben.

Was "Spider-Man 2" ebenfalls auszeichnet ist sein Schurke. Mit Dr Otto Octavius hat Spider-Man nicht nur einen, ihm ebenbürtigen Widersacher gefunden, sondern auch eine andere Form von Antagonist. Anders als der Grüne Kobold ist Octavius nicht an persönlicher Bereicherung interessiert, sondern will nur sein Lebensprojekt, die Erschaffung einer künstlichen Sonne, verwirklichen. Als sein Experiment misslingt verliert er seine Frau und eine künstliche Intelligenz nimmt seinen Verstand ein. Octavius ist unfähig, die Kraft die in seinem erweiterten Körper innewohnt, von seiner Wut zu trennen. Seine Entwicklung ist der von Peter Parker erschrecken ähnlich, nur Octavius hat im Gegensatz zu Peter keinen Halt mehr, der ihn Verantwortung übernehmen lassen könne, jener der sich Peter so sehr verschrieben hat. Die Tragik seines Charakters erzählt Raimi nachvollziehbar, ohne aber ihm seine Bedrohlichkeit zu nehmen.

Seine größte Szene findet "Spider-Man 2" in einem Moment, der fast beiläufig wirkt: nachdem Peter einen vollbesetzten Zug zum stehen gebracht hat, bricht er zusammen, doch er wird von den dankbaren Passanten aufgefangen. Plötzlich liegt er ohne Maske vor ihnen. Einer der Passanten bemerkt "Er ist nur ein Kind. Nicht älter als mein Sohn". In diesen Worten formt sich Raimis gesamter Ansatz an diese Figur. Spider-Man ist kein Übergott, er ist ein Mensch, der nur für das Gute kämpfen will, etwas das jeder tun könnte. Jeder könnte Spider-Man sein. Somit ist "Spider-Man 2" ein anrührender Appell daran, das Richtige zu tun, egal wie schwer es manchmal ist und das, wer daran festhält, auch selbst gerettet werden kann. Raimi verbindet diesen, zutiefst menschlichen Ansatz mit fulminanter Action und erschafft nicht mehr und nicht weniger als ein Beinahe-Meisterwerk.

8/10

In Großbritannien erschien dieser Film zusammen mit "Spider-Man" und "Spider-Man 3" als Teil der "Spider-Man Legacy Collection" in einem schicken, limitierten und nummeriertem Box-Set, welches den Film als 4K Ultra-HD Blu-ray enthält. Diese Box enthält zusätzlich die "Extended Version" des Films auf Blu-ray.

Sonntag, 21. Januar 2018

Patriots Day - Boston (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4572514/

15. April 2013: Wie immer am Patriots Day findet in Boston der Marathon statt. Wie in jedem Jahr ist das Sportereignis ein großes Volksfest, das aber an diesem bestimmten Nachmittag eine schreckliche Wendung nimmt. Innerhalb weniger Sekunden explodieren zwei Sprengsätze im Zielbereich des Rennens. Es gibt mehrere Tote und zahlreiche Verletzte. Doch für Schock haben die Police Sergeants Tommy Saunders (Mark Wahlberg) und Jeffrey Pugliese (J.K. Simmons) keine Zeit. Sie blicken wie auch Special Agent Richard DesLauriers (Kevin Bacon), Polizeichef Ed Davis (John Goodman) und Krankenschwester Carol Saunders (Michelle Monaghan) einer Vielzahl an Aufgaben ins Auge: Allen voran müssen Verletzte versorgt werden und zudem läuft ein Rennen gegen die Uhr, denn die Attentäter müssen ausfindig gemacht und gestoppt werden, bevor sie erneut zuschlagen können...

Basierend auf dem Bericht des Bostoner Polizeichefs Ed Davis, der nach den Anschlägen beim Boston-Marathon die Ermittlungen gegen die Täter leitete und die verschiedenen Einsätze koordinierte.

Der Marathonlauf in Boston ist eine feste Institution der Stadt: Tausende von Menschen nehmen teil, noch mehr schauen zu. Nichts ließ darauf schließen, dass es 2013 anders sein würde. Doch es kam anders. Die beiden Brüder Tamerlan (Themo Melikidze) und Dschochar Zarnajew (Alex Wolff) haben mehrere Sprengsätze versteckt. Während der anwesende Police Sergeants Tommy Saunders (Mark Wahlberg) und dessen Frau Carol Saunders (Michelle Monaghan) mit dem Schrecken davonkommen, haben andere weniger Glück: Drei Menschen sterben unmittelbar bei der Explosion, zahlreiche weitere sind verletzt. Die Untersuchungen unter Leitung von FBI-Agent Richard DesLauriers (Kevin Bacon) und Polizeichef Ed Davis (John Goodman) laufen schnell auf Hochtouren. Doch der Druck der Bevölkerung wächst ebenso schnell. Und so sind die Behörden gezwungen, eine folgenschwere Entscheidung zu treffen.

Die Stimmung ist in der "westlichen Welt" seit einiger Zeit ziemlich erhitzt, regelmäßige Attentate und die nicht abebbenden Flüchtlingsströme haben Tür und Tor für zahlreiche Populisten geöffnet. Da ist "Boston" natürlich so etwas wie Wasser auf den Mühlen der fremdenfeindlichen Brandstifter. Zwei Muslime, die im Namen ihrer Religion unschuldige Menschen töten, darunter ein Kind? Ein gefundenes Fressen. Umso mehr, wenn die vornehmlich weiße Bevölkerung zusammenhält und in einer gemeinsamen Hetzjagd die Monster stellt.


Patriotische Untertöne sind bei Regisseur Peter Berg nun wirklich keine Seltenheit. Indem er seinen Film im Original "Patriots Day" nannte, ließ er auch keinen Zweifel daran, was ihn dazu motivierte, die tragischen Ereignisse des Anschlags am 15. April 2013 auf die große Leinwand bringen zu wollen. Das Ergebnis wurde hierzulande zwar wohlweislich in "Boston" umbenannt, es bleiben aber eine Reihe von eher unangenehmen Begleiterscheinungen. Dass beispielsweise die Menschenjagd auf die beiden Verdächtigen so ungefragt angenommen wird, lässt den Zuschauer schon etwas nervös werden. Hinzu kommt, dass Berg auch nicht versucht, die beiden wirklich zu Wort kommen zu lassen. Sie werden zwar nicht als die blutrünstigen Monster dargestellt, die man - aus verständlichen Gründen - in ihnen sehen möchte. Was sie dazu gebracht hat, diese Anschläge ausüben zu wollen, bleibt aber im Rauch der beiden Explosionen verborgen.


Andererseits: Wirkliches Interesse an seinen Figuren hat "Boston" ohnehin nicht. Am ehesten funktioniert noch Bergs Liebling und Dauerschauspieler Wahlberg als Identifikationsfigur, auch seiner wenig heldenhaften Laufbahn wegen. Aber er bleibt einer von vielen Charakteren, die hier auftauchen. Eines von vielen bekannten Gesichtern. Mit einer schnellen Abfolge von Einzelschicksalen beginnt der Film, nur Sekunden schauen wir meist Paaren und Familien beim Alltag zu. Das reicht kaum, um ihnen ein echtes Profil zu verleihen. Soll aber auch nicht. Es geht hier eher darum, die Minimalanforderungen zu erfüllen, sodass man die Leute im späteren Trubel auch wiedererkennt. Denn turbulent wird es auch im Anschluss zugehen, der Thriller gönnt Protagonisten und Zuschauern keine Atempause. Nach wenigen Minuten bricht die Hölle los. Und auch wenn später anders als befürchtet keine weiteren Attentate mehr erfolgen, es bleibt actionreich.


Bemerkenswert ist dabei auch, wie wenig kompetent die Behörden gezeigt werden. Wenn "Boston" den Menschen der Stadt gewidmet ist, dann werden wenig schmeichelhafte Episoden nicht ausgespart. Die Polizisten sind zwar bemüht, aber kaum erfolgreich bei ihrer Jagd. Die zwei in Kirgistan geborenen Brüder schaffen es erstaunlich lange, sich den Verfolgern zu entziehen und sich auch in direkten Auseinandersetzungen zu wehren. Das hält die Spannung hoch, knapp zwei Stunden lang. Das Ergebnis mag vorher feststehen, die Art und Weise, wie der Zuschauer dort ankommt, sicher nicht. Wer es dann trotzdem schafft, die patriotische Färbung zu übersehen und nicht ganz so viel über das Gezeigte nachzudenken, der wird hier daher gut unterhalten.

7/10