Montag, 22. Januar 2018

Victor Crowley (2017)

http://www.imdb.com/title/tt5534434/

Zehn Jahre nach den Ereignissen der ersten drei "Hatchet"-Filme will Andrew Yong (Parry Shen), der den Bayou Butcher überlebt hat, seine Geschichte zu Geld machen. Doch seine Biografie verkauft sich trotz vieler Talkshow-Auftritte nicht wirklich gut. Viele glauben, dass Yong selbst der Mörder ist und Victor Crowley (Kane Hodder) nur eine Legende, ein Märchen ist, das er sich ausgedacht hat, um seine Taten zu verschleiern. Für einen PR-Stunt reist Yong schließlich an den Ort des grausamen Geschehens zurück – allerdings zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Denn Victor Crowley wurde kurz vorher durch ein YouTube-Video von den Toten zurückgeholt. Als Yong und die ihn begleitende TV-Crew im Sumpfgebiet abstürzen, müssen sie daher bald ums Überleben kämpfen. Denn Victor Crowley denkt nicht daran, eines seiner Opfer entkommen zu lassen...

Es kommt einem schon so vor, als erfüllte sich der Schöpfer der Reihe, Adam Green, mit "Victor Crowley" vor allem selbst einen Wunsch, als er Ende August im Rahmen einer vermeintlichen Anniversary-Aufführung von "Hatchet" überraschend den heimlich gedrehten, neusten Eintrag ins Franchise präsentierte. Von seinem ursprünglichen "Old School American Horror"-Anspruch (so die Tagline des ersten Teils, "Hatchet") hat sich die Reihe mittlerweile eher zu einer Splatter-Komödie entwickelt und konsequenterweise hat Adam Green für Teil 4 die komödiantischen Elemente noch einmal ordentlich aufgebohrt. Das funktioniert hier mal mehr, mal weniger, korreliert aber jederzeit wunderbar mit der grellen, sitcomartigen Ausleuchtung der vollkommen künstlich wirkenden Sumpf-Kulissen, die seit jeher eines der visuellen Markenzeichen der Reihe gewesen sind.

Da Victor Crowley der Akkordschlachter unter den cineastischen Serienkiller ist, bleibt die spannendste Frage bei "Hatchet"-Filmen, ob es gelingt eine ausreichend große Anzahl an einigermaßen interessanten Kanonenfutter einzuführen. In diesem Punkt hat Adam Green - im Rahmen eines Splatterfilms versagt. Er nimmt sich einen Haufen Zeit, um jeder Figur zumindest eine kleine Szene und Spleens mit maximalen Wiederkennungswert zu spendieren, was - für so einen Streifen - überhaupt nicht nötig ist, will doch der geneigte Fan sehen, wie sich ein Killer möglichst bluttriefend durch eine Vielzahl von Opfern schnetzelt. Immerhin: wo andere Genrevertreter schon bei einer Handvoll Charaktere krachend daran scheitern, diese unterscheidbar zu machen, jongliert Adam Green souverän mit einem guten Dutzend Figuren, bei denen bis zum Ende nicht wirklich klar ist, wer das Rennen macht.

Weniger gut gefällt dieses Mal aber der Splatter-Anteil, dessen lächerliche Künstlichkeit auch hier wieder offensiv in Szene gesetzt wird, diesmal aber ziemlich unkreativ abgehandelt wird und viel zu kurz kommt. Mit "Victor Crowley" knüpft Green damit also halbwegs, trotz einiger Schwächen, an die Qualität des Originals an und erweist sich als fähiger Komödienregisseur. Das ist alles natürlich weit davon entfernt die hohe Schule der Filmkunst zu sein, unterhält aber auf dem vermutlich auch angestrebten B-Movie-Niveau ganz gut.

6/10

Spider-Man 2 (2004)

http://www.imdb.com/title/tt0316654/

Die freundliche Spinne von nebenan zu sein ist nicht mehr leicht für Peter Parker (Tobey Maguire), der versucht sein Privatleben und seine Heldentaten als Spider-Man unter einen Hut zu bekommen. Er hat einen Nebenjob als Pizzabote, muss an der Universität glänzen und über die Trennung von Mary Jane (Kirsten Dunst) hinwegkommen. Zudem geht seiner Tante May (Rosemary Harris) das Geld aus, und sein bester Freund Harry (James Franco) hat den Tod seines Vaters noch nicht verkraftet und gibt Spider-Man die Schuld. Er ahnt nicht, wer hinter der Maske steckt und hilft Peter bei seinem Uniprojekt, indem er ihm zu einem Experiment von Doktor Octavius (Alfred Molina) Zutritt verschafft. Der Wissenschaftler versucht eine Energiequelle zu entdecken, die an einen Menschen angeschlossen werden kann. Das Experiment gerät jedoch außer Kontrolle und vier mechanische Greifarme verbinden sich mit seinem Körper. Mit Doc Ock ist in neuer Rivale für Spider-Man ist geschaffen. Peter würde jedoch nichts lieber tun, als sein Kostüm in den Müll zu werfen und seiner großen Liebe endlich seine Gefühle zu gestehen.

Was Sam Raimi mit seinem Vorgänger schon etablierte, führt er in der fulminanten Fortsetzung "Spider-Man 2" weiter: sein Spinnenmann, inzwischen von der Stadt New York akzeptiert, ist ein mittelloser Held. Peter Parker hat Ärger mit seinen Jobs, kann Verpflichtungen gegenüber seinen Freunden nicht einhalten, verschläft die Uni und hat Ärger mit seinem Vermieter. Während die Superhelden im aktuellen Blockbuster-Kino meist auf ihre Überlegenheit reduziert werden, hat Spider-Man Schwierigkeiten, sein Dasein als Kämpfer für Recht und den Mensch Peter Parker (ergo, seine persönlichen Wünsche) unter einen Hut zu bekommen. Darüberhinaus klassifiziert ihn Raimi als Kind der Arbeiterklasse, von der finanziellen Absicherung eines Iron Man oder Batman ist er weit entfernt. Jenes Dilemma stellt den Kern von "Spider-Man 2" dar. Raimi fokussiert sich auf den Werdegang seines Protagonisten, der sein Kostüm erst in den Müll werfen muss um zu erkennen, wie sehr er es braucht und wieder für das Gute kämpfen kann. Für diese Entwicklung tritt das Spektakel auch gerne mal in den Hintergrund, wobei es gerade die Actionszenen sind, in denen der Film zu absoluten Höchstleistung aufläuft. In den Kämpfen zwischen Spider-Man und Dr Octavius wird New York als Schauplatz umfangreich genutzt, angereichert mit scheinbar zeitlosen Effekte, die, im Gegensatz zum Vorgänger, kein bisschen an ihrer Wirkung verloren haben.

Was "Spider-Man 2" ebenfalls auszeichnet ist sein Schurke. Mit Dr Otto Octavius hat Spider-Man nicht nur einen, ihm ebenbürtigen Widersacher gefunden, sondern auch eine andere Form von Antagonist. Anders als der Grüne Kobold ist Octavius nicht an persönlicher Bereicherung interessiert, sondern will nur sein Lebensprojekt, die Erschaffung einer künstlichen Sonne, verwirklichen. Als sein Experiment misslingt verliert er seine Frau und eine künstliche Intelligenz nimmt seinen Verstand ein. Octavius ist unfähig, die Kraft die in seinem erweiterten Körper innewohnt, von seiner Wut zu trennen. Seine Entwicklung ist der von Peter Parker erschrecken ähnlich, nur Octavius hat im Gegensatz zu Peter keinen Halt mehr, der ihn Verantwortung übernehmen lassen könne, jener der sich Peter so sehr verschrieben hat. Die Tragik seines Charakters erzählt Raimi nachvollziehbar, ohne aber ihm seine Bedrohlichkeit zu nehmen.

Seine größte Szene findet "Spider-Man 2" in einem Moment, der fast beiläufig wirkt: nachdem Peter einen vollbesetzten Zug zum stehen gebracht hat, bricht er zusammen, doch er wird von den dankbaren Passanten aufgefangen. Plötzlich liegt er ohne Maske vor ihnen. Einer der Passanten bemerkt "Er ist nur ein Kind. Nicht älter als mein Sohn". In diesen Worten formt sich Raimis gesamter Ansatz an diese Figur. Spider-Man ist kein Übergott, er ist ein Mensch, der nur für das Gute kämpfen will, etwas das jeder tun könnte. Jeder könnte Spider-Man sein. Somit ist "Spider-Man 2" ein anrührender Appell daran, das Richtige zu tun, egal wie schwer es manchmal ist und das, wer daran festhält, auch selbst gerettet werden kann. Raimi verbindet diesen, zutiefst menschlichen Ansatz mit fulminanter Action und erschafft nicht mehr und nicht weniger als ein Beinahe-Meisterwerk.

8/10

In Großbritannien erschien dieser Film zusammen mit "Spider-Man" und "Spider-Man 3" als Teil der "Spider-Man Legacy Collection" in einem schicken, limitierten und nummeriertem Box-Set, welches den Film als 4K Ultra-HD Blu-ray enthält. Diese Box enthält zusätzlich die "Extended Version" des Films auf Blu-ray.

Sonntag, 21. Januar 2018

Patriots Day - Boston (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4572514/

15. April 2013: Wie immer am Patriots Day findet in Boston der Marathon statt. Wie in jedem Jahr ist das Sportereignis ein großes Volksfest, das aber an diesem bestimmten Nachmittag eine schreckliche Wendung nimmt. Innerhalb weniger Sekunden explodieren zwei Sprengsätze im Zielbereich des Rennens. Es gibt mehrere Tote und zahlreiche Verletzte. Doch für Schock haben die Police Sergeants Tommy Saunders (Mark Wahlberg) und Jeffrey Pugliese (J.K. Simmons) keine Zeit. Sie blicken wie auch Special Agent Richard DesLauriers (Kevin Bacon), Polizeichef Ed Davis (John Goodman) und Krankenschwester Carol Saunders (Michelle Monaghan) einer Vielzahl an Aufgaben ins Auge: Allen voran müssen Verletzte versorgt werden und zudem läuft ein Rennen gegen die Uhr, denn die Attentäter müssen ausfindig gemacht und gestoppt werden, bevor sie erneut zuschlagen können...

Basierend auf dem Bericht des Bostoner Polizeichefs Ed Davis, der nach den Anschlägen beim Boston-Marathon die Ermittlungen gegen die Täter leitete und die verschiedenen Einsätze koordinierte.

Der Marathonlauf in Boston ist eine feste Institution der Stadt: Tausende von Menschen nehmen teil, noch mehr schauen zu. Nichts ließ darauf schließen, dass es 2013 anders sein würde. Doch es kam anders. Die beiden Brüder Tamerlan (Themo Melikidze) und Dschochar Zarnajew (Alex Wolff) haben mehrere Sprengsätze versteckt. Während der anwesende Police Sergeants Tommy Saunders (Mark Wahlberg) und dessen Frau Carol Saunders (Michelle Monaghan) mit dem Schrecken davonkommen, haben andere weniger Glück: Drei Menschen sterben unmittelbar bei der Explosion, zahlreiche weitere sind verletzt. Die Untersuchungen unter Leitung von FBI-Agent Richard DesLauriers (Kevin Bacon) und Polizeichef Ed Davis (John Goodman) laufen schnell auf Hochtouren. Doch der Druck der Bevölkerung wächst ebenso schnell. Und so sind die Behörden gezwungen, eine folgenschwere Entscheidung zu treffen.

Die Stimmung ist in der "westlichen Welt" seit einiger Zeit ziemlich erhitzt, regelmäßige Attentate und die nicht abebbenden Flüchtlingsströme haben Tür und Tor für zahlreiche Populisten geöffnet. Da ist "Boston" natürlich so etwas wie Wasser auf den Mühlen der fremdenfeindlichen Brandstifter. Zwei Muslime, die im Namen ihrer Religion unschuldige Menschen töten, darunter ein Kind? Ein gefundenes Fressen. Umso mehr, wenn die vornehmlich weiße Bevölkerung zusammenhält und in einer gemeinsamen Hetzjagd die Monster stellt.


Patriotische Untertöne sind bei Regisseur Peter Berg nun wirklich keine Seltenheit. Indem er seinen Film im Original "Patriots Day" nannte, ließ er auch keinen Zweifel daran, was ihn dazu motivierte, die tragischen Ereignisse des Anschlags am 15. April 2013 auf die große Leinwand bringen zu wollen. Das Ergebnis wurde hierzulande zwar wohlweislich in "Boston" umbenannt, es bleiben aber eine Reihe von eher unangenehmen Begleiterscheinungen. Dass beispielsweise die Menschenjagd auf die beiden Verdächtigen so ungefragt angenommen wird, lässt den Zuschauer schon etwas nervös werden. Hinzu kommt, dass Berg auch nicht versucht, die beiden wirklich zu Wort kommen zu lassen. Sie werden zwar nicht als die blutrünstigen Monster dargestellt, die man - aus verständlichen Gründen - in ihnen sehen möchte. Was sie dazu gebracht hat, diese Anschläge ausüben zu wollen, bleibt aber im Rauch der beiden Explosionen verborgen.


Andererseits: Wirkliches Interesse an seinen Figuren hat "Boston" ohnehin nicht. Am ehesten funktioniert noch Bergs Liebling und Dauerschauspieler Wahlberg als Identifikationsfigur, auch seiner wenig heldenhaften Laufbahn wegen. Aber er bleibt einer von vielen Charakteren, die hier auftauchen. Eines von vielen bekannten Gesichtern. Mit einer schnellen Abfolge von Einzelschicksalen beginnt der Film, nur Sekunden schauen wir meist Paaren und Familien beim Alltag zu. Das reicht kaum, um ihnen ein echtes Profil zu verleihen. Soll aber auch nicht. Es geht hier eher darum, die Minimalanforderungen zu erfüllen, sodass man die Leute im späteren Trubel auch wiedererkennt. Denn turbulent wird es auch im Anschluss zugehen, der Thriller gönnt Protagonisten und Zuschauern keine Atempause. Nach wenigen Minuten bricht die Hölle los. Und auch wenn später anders als befürchtet keine weiteren Attentate mehr erfolgen, es bleibt actionreich.


Bemerkenswert ist dabei auch, wie wenig kompetent die Behörden gezeigt werden. Wenn "Boston" den Menschen der Stadt gewidmet ist, dann werden wenig schmeichelhafte Episoden nicht ausgespart. Die Polizisten sind zwar bemüht, aber kaum erfolgreich bei ihrer Jagd. Die zwei in Kirgistan geborenen Brüder schaffen es erstaunlich lange, sich den Verfolgern zu entziehen und sich auch in direkten Auseinandersetzungen zu wehren. Das hält die Spannung hoch, knapp zwei Stunden lang. Das Ergebnis mag vorher feststehen, die Art und Weise, wie der Zuschauer dort ankommt, sicher nicht. Wer es dann trotzdem schafft, die patriotische Färbung zu übersehen und nicht ganz so viel über das Gezeigte nachzudenken, der wird hier daher gut unterhalten.

7/10

Donnerstag, 18. Januar 2018

A Haunted House 2 - Ghost Movie 2 (2014)

http://www.imdb.com/title/tt2828996/

Malcolm (Marlon Wayans) und sein Cousin Ray Ray (Affion Crockett) sind auf der Suche nach Hilfe für Malcolms besessene Freundin Kisha (Essence Atkins), doch ein Unfall führt dazu, dass das Mädchen stattdessen stirbt. Die beiden fliehen vom Unfallort und lassen Kisha zurück. Malcolms Leben hat sich ein Jahr später grundlegend geändert, als er mit seiner neuen Freundin Megan (Jaime Pressly) und ihren beiden Kindern Becky (Ashley Rickards) und Wyatt (Steele Stebbins) ein Vorstadt-Haus beziehen will. Doch kaum eingezogen, geschieht Seltsames - angefangen mit dem mysteriösen Tod ihres Hundes. Wyatt freundet sich mit einem Unsichtbaren an, eine Box im Haus ergreift Besitz von Becky und Megan findet eine gruselige Puppe. Als Malcolm sich Videos vorheriger Einwohner ansieht, wird ihm klar, dass er sich in ein Spukhaus verirrt hat...

Der Produzent, Autor und Hauptdarsteller von "Ghost Movie" und nun eben auch "Ghost Movie 2" besudelt das ZAZ-Erbe seliger Filmparodien längst auch ohne Unterstützung seiner nicht minder nervtötenden Brüder Shawn und Keenen Ivory Wayans. Ihnen gelang mit "Scary Movie" eine seinerzeit vergleichsweise amüsante Genreparodie, in der Marlon Wayans den dauerbekifften Shorty Meeks spielte. Eine Dekade und eine unüberschaubare Reihe ähnlich betitelter Filme später liegt die Spoof-Komödie in ihren letzten Atemzügen. Während Jason Friedberg und Aaron Seltzer, die Regisseure hinter Comedy-Totgeburten wie "Date Movie", "Fantastic Movie" oder auch "Disaster Movie", ihre Filme nunmehr gottlob unter Ausschluss der Öffentlichkeit produzieren, scheint Wayans immer noch eine überschaubare Fanbase mobilisieren zu können.

Diese zumindest rannte 2013 wie blöde in "Ghost Movie" und bescherte der für 2,5 Millionen US-Dollar buchstäblich hingefurzten Horrorkomödie ein etwa 25 Mal so hohes Einspiel. Das umgehend beschlossene und nur unwesentlich kostspieligere Sequel gleicher Aufmachung startete dann bereits im April 2014 in den US-Kinos. Zwar blieb die Fortsetzung kommerziell hinter den Erwartungen zurück, dürfte aber dennoch ausreichend eingenommen haben, um nicht vor weiterem Spoof-Blödsinn gefeit zu sein. Schließlich hat "Paranormal Activity", das Referenzvorbild auch diesen zweiten Teils, eindrücklich vorgemacht, wie beharrlich sich mit der Wiederholung des ewig Gleichen Kohle scheffeln lässt.

"Ghost Movie 2" ist keineswegs schlechter als sein Vorgänger, was allein daher schwierig wäre, weil Filme wie dieser auch ganz einfach nicht mehr schlechter sein können. Insofern besitzt Marlon Wayans beinahe so etwas wie Narrenfreiheit. Er gibt eben, was er kann. Und weil das alles in allem so ziemlich genau gar nichts ist, hat er entsprechend wenig zu verlieren. Reputation schon mal gar nicht. Müßig also, dem Humorverständnis eins solchen Films über dessen erbärmliche Pipi- und Kacka-Witzchen auf den Grund zu gehen. Sich wiederholt an selbstunsicheren Sex-Zoten oder der Zielgruppe dienlichen Rassismus-Gags abzuarbeiten. Und erst recht in der Wahl der verballhornten Filme tatsächlich parodistische Ansätze zu erspüren, so sich Wayans einmal mehr darauf beschränkt, diese lediglich nachzustellen, statt komödiantisch freizulegen.

Bemerkenswert ist es dennoch, wie sehr alle Beteiligten, darunter erneut hinlänglich bekannte Schmalspurkomiker wie Affion Crockett oder Cedric the Entertainer, sich dafür ins Zeug legen. Gespielt und gekreischt, das ist hier ohnehin dasselbe, wird stets auf Anschlag. In einer nicht enden wollenden Szene verlustiert sich Wayans mit der Annabelle-Puppe aus "The Conjuring/Annabelle" auf alle nur erdenklichen Arten – ein Musterbeispiel exaltierter Comedy-Verausgabung, die vollkommen ins Leere läuft. Ansonsten fällt dem Film natürlich ebenso wie seinem Vorläufer nichts weiter ein, als die oberflächlichen Erkennungsmerkmale saisonaler Horrorhits wie "Possession" oder "Sinister" in eine Dauerschleife hysterischer Flachwitze zu schnüren. Und die ja nun wirklich allzu angreifbare, leicht zu parodierende Found-Footage-Ästhetik nicht gehörig durch den Kakao zu ziehen, sondern nur langweilig abzumalen.

Nichts Neues also aus der Spoof-Hölle und ihres wohl letzten verbliebenen Exponenten Marlon Wayans. Und obwohl es sich wahrlich längst ausparodiert hat, kann und mag man über dessen Egal-Kino eigentlich kaum noch mit dem Kopf schütteln. Das wäre der körperlichen Regung schon viel mehr, als es "Ghost Movie 2" - als es jeder dieser falsch verstandenen Parodieversuche - überhaupt verdient hätte.

2,5/10

Montag, 15. Januar 2018

A Haunted House - Ghost Movie (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2243537/

Als Malcolm (Marlon Wayans) zusammen mit seiner Frau Kisha (Essence Atkins) in das gemeinsame Traumhaus zieht, ergreift ein Dämon von Kisha Besitz. Was am Anfang noch nach einem lustigen Spaß aussieht, wird mit zunehmender Zeit immer unheimlicher für den Ehemann. Malcolm gibt sich alle Mühe, um ihr den Dämon wieder auszutreiben. Er versucht es mit geistlichem Beistand und engagiert einen Priester (Cedric The Entertainer). Doch alle Bestrebungen scheinen ins Leere zu laufen und Malcom macht sich zunehmend Sorgen, denn der böse Geist gefährdet nicht nur ihre gemeinsame Beziehung, sondern noch etwas von viel größerer Bedeutung: sein Sexualleben. Nun sucht Malcolm Hilfe bei einem Medium (Nick Swardson) und einer Gruppe von Geisterjägern. Doch auch deren unorthodoxe Methoden führen nicht zum Erfolg und so muss es Malcolm alleine mit den übernatürlichen Kräften aufnehmen...

"A Haunted House" ist ein weiterer Vertreter dieser unsäglichen ***-Movie-Filme, die sich zur Aufgabe gemacht haben, ein paar bekannte Filme zu parodieren und dabei mit möglichst viel Sexismus und Fäkalhumor zu punkten. "A Haunted House" ist damit genau das, was "Scary Movie"-Fans erwarten; übertriebener und sexistischer Humor mit viel Fäkalsprache. Dennoch fehlt es dem Drehbuch an Gags die richtig gut zünden, denn aus der Hauptvorlage "Paranormal Activity" hätte man definitiv mehr herausholen können. Gefühlt minutenlange Furzattacken durch die Freundin im Bett, eine unnötig ausgedehnte "flotter Dreier"-Szene zwischen Marlon Wayans und zwei Kuscheltieren (ja, richtig gelesen), ein hormongesteuertes schwules Medium, dass seine Finger von Wayans‘ Charakter nicht lassen kann, Kruzifixmasturbation, Darmentleerung auf dem Teppich und die nächtliche Vergewaltigung des männlichen Hauptcharakters durch den Dämon.


Das sind die Zutaten, derer sich das Autorenteam von Wayans und Rick Alvarez bedient, um die Zuschauer zum Lachen zu bringen. Dazu gibt es noch Anspielungen auf andere Filme, die eindeutig über ihr Verfallsdatum hinaus sind. "Blair Witch Project"-Witze waren bei "Scary Movie" vor über einer Dekade gerade noch akut und kann sich wirklich einer noch an "Snakes On A Plane" erinnern? Möglicherweise war es bei den Dreharbeiten noch alles witzig und ein großer Spaß, doch dem Zuschauer ringt das alles bestenfalls ein gequältes Lächeln und ungläubiges Kopfschütteln ab. Schade, denn Marlon Wayans ist prinzipiell zu Besserem fähig. Was eigentlich wirklich unglaublich ist: der Film ist mancherorts sogar witzig.

3,5/10

Sonntag, 14. Januar 2018

La La Land (2016)

http://www.imdb.com/title/tt3783958/

Mia (Emma Stone) ist eine leidenschaftliche Schauspielerin, die ihr Glück in Los Angeles sucht. Sebastian (Ryan Gosling) will dort ebenfalls seinen Durchbruch schaffen, allerdings nicht als Schauspieler, sondern als Musiker, der Menschen des 21. Jahrhunderts für traditionellen Jazz begeistern möchte. Mia und Sebastian müssen sich mit Nebenjobs durchschlagen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern – sie arbeitet in Cafés, er sitzt in Clubs wie dem von Boss (J.K. Simmons) am Keyboard. Nachdem sie einander vorm Klavier begegnet und schließlich ein Paar geworden sind, geben sich gegenseitig Kraft. Von nun an arbeiten sie zu zweit daran, groß rauszukommen. Doch schnell müssen Mia und Sebastian feststellen, dass ihre Bestrebungen auch Opfer fordern und ihre Beziehung auf eine harte Probe stellen. Verrät sich Sebastian selbst, wenn er in der Band von Keith (John Legend) Musik spielt, die er gar nicht mag? Und kann Mia ihre Zeilen nicht auch mit ihrem Freund auf Tour lernen, oder muss sie dazu wirklich in L.A. bleiben?

Mit "La La Land" hat Damien Chazelle einen sehenswerten Musicalfilm gedreht. Mit der Flut an Preisen, die der Film erhalten konnte, ist dieser scheinbar über alles erhaben, bleibt im Gesamteindruck allerdings maximal sehr gut und keinesfalls überragend. In der knapp ersten Stunde kann "La La Land" noch am stärksten mit ansehnlichen Gesangseinlagen, gelungenen Choreographien und einer schönen Liebesgeschichte überzeugen. Im weiteren Verlauf wird es allerdings recht mau, was den Musical-Teil betrifft und die besagte anfängliche Stimmung kann sich weder tragen, noch erneut auf die Leinwand gezaubert werden.

So trifft "La La Land" nicht Hundertprozentig den Kern der Sache, auch er als Musicalfilm schon etwas speziell ausfällt, nichtsdestotrotz sollte "La La Land" jeder einmal zumindest gesehen haben. Ja, man wird so einige hochkitschige "Friede, Freude, Eierkuchen"-Lieder über sich ergehen lassen müssen, die zu Beginn des Weiteren etwas aufgesetzt wirken und sich nur holprig in die Handlung einfügen. Das bessert sich mit der Zeit allerdings und aus Dialog- und Liedszenen entwickelt sich ein harmonischer Fluss. Dennoch hätte sich diese Dramödie komplett ohne Musicaleinlagen bedeutend besser enthalten können.

Warum sollte man den Film also sehen? Weil Damien Chazelle mit "La La Land" ein äußerst reifes und weises Traumfabrikmärchen präsentiert. Gekonnt erweckt er, unterstützt durch das Traumpaar Gosling und Stone, den Glanz Hollywoods und den Traum des kleinen Mannes bzw. der kleinen Frau vom großen Showgeschäft zum Leben, verwehrt sich letztendlich jedoch gegen ein Happy End, welches dem Film ansonsten den Todesstoß verpasst hätte. Lediglich eine knackigere Laufzeit hätte so einer Art Film sicherlich gut getan. Aber auch die oftmals gelobte Kameraarbeit kann nur teilweise als Besonders hervorstechen. Gerade in den normalen Sequenzen (in denen eben nicht gesungen oder getanzt wird) ist diese höchstens durchschnittlich. Wenn allerdings gesungen und getanzt wird, dann macht "La La Land" definitiv Spaß und die Songs sind zudem sehr gut geschrieben - auch wenn man anfangs zu schnell in diese Art von Film hineingeworfen wird.

Die Geschichte als solche ist währenddessen solide, aber eigentlich kaum eine Erwähnung wert, da die üblichen Stationen und Erwartungen bedient werden. Stattdessen lehrt uns Chazelle bittersüß, dass man im Leben sehr wohl träumen darf und auch soll, es aber eben nicht jeder Traum in Erfüllung gehen wird. Dies gelingt ihm auf subtile Art so gut, dass man nach dem Streifen immer noch daran zu fressen hat. Solche Filme können einem viel geben, weil sie als Spiegel des Lebens fungieren und zeigen, dass es auch im Leben anderer Menschen nicht immer rund läuft. Im Moment ist man emotional zwar geplättet, kann aber auf diesem Tief aufbauen und sich leichter ermuntern, das eigene Leben selbst zu verbessern. Sehr gut, aber kein Meisterwerk.

7,5/10

8 Mile (2002)

http://www.imdb.com/title/tt0298203/

Mit Rap und Hip Hop - seiner großen Leidenschaft - will es Jimmy Rabbit (Eminem) vom Detroiter Elendsviertel bis ganz nach oben schaffen. Trotz aller Vorbehalte, die ihm wegen seiner weißen Hautfarbe in dem von Schwarzen dominierten Musikstil entgegengebracht werden, wird Jimmy wenigstens von seinen Freunden respektiert und unterstützt. Denn die erkennen sein außergewöhnliches Talent. Bei seinem ersten großen Auftritt bei einem Battle-Rhyme-Duell versagt Rabbit jedoch - vor lauter Nervosität muss er sich übergeben und bringt auf der Bühne später keinen Ton heraus. Auch sonst hat Jimmy wenig zu lachen. Er haust mit seiner heruntergekommenen Mutter (Kim Basinger) und seiner kleinen Schwester Lily (Cloe Greenfield) in einem Wohnwagenpark jenseits der 8 Mile Road, jener Straße, die in Detroit arm von reich trennt. Zudem ist sein Job in einer Stahlfabrik auch kein Zuckerschlecken. Erst Jimmys neue Freundin (Brittany Murphy) verschafft ihm wieder das nötige Selbstvertrauen, einen weiteren Anlauf in Richtung Durchbruch zu unternehmen...

"8 Mile", so die Erwartungshaltung, sollte das so krisengebeutelte wie höhepunktreiche Leben von Marshall Bruce Mathers III, besser bekannt als Eminem, auf der großen Leinwand rekonstruieren. Diese Vermutung zu hegen, würde dem Werk des begnadeten Regisseurs Curtis Hanson jedoch nicht gerecht werden – im Endeffekt würde es der filmischen Wirkung sogar ungemein abträglich wirken. "8 Mile" nämlich muss man nicht als Biographie verstehen, sondern als ein ausgestanzter Einblick in das Dasein ein jungen Mannes (Eminem in der Rolle des fiktiven Jimmy "Rabbit" Smith Jr.), in dessen Leben Rap eine beträchtliche Bedeutung trägt. Anstatt also eine autobiographische Geschichte im Spielfilmformat abzuliefern, startet "8 Mile" mittendrin: Rabbit ist davor, sein erstes Battle in der lokalen Spelunke von Detroit anzutreten - und versagt gnadenlos.

"8 Mile" widmet sich nicht explizit einem Publikum, welches eine Affinität zur Rap-Musik pflegt oder Anhänger des prominenten Hauptdarstellers ist. Curtis Hanson hat vielmehr ein Sozialdrama, bei der nur eine Zutat die Musik ist, in Szene gegossen, in dem der Wunsch nach Anerkennung und Absicherung zum Katalysator der Narration erhoben wird, drumherum aber der aufmerksame Blick des Regisseurs für ein wirklich einnehmendes Lokalkolorit sorgt. Und mit Sicherheit ist genau das die große Stärke, mit der sich "8 Mile" noch heute brüsten darf: seine Authentizität. Die soziale Armut wirkt hier keinesfalls voyeuristischer Natur, sondern ist Teil einer veritablen Gegenwartsbestandaufnahme. Ohnehin vermeidet es "8 Mile" darüber hinaus, Durchhalteparolen und eine blasierte Selbstbekräftigungsrhetorik zu bemühen und beschreibt den Werdegang eines Mannes, der für sein Leben lernt. Was er aber aus dieser Lektion macht, bleibt unbeantwortet.

Wenngleich "8 Mile" also kein Meisterwerk sein mag, ist dem großartigen Curtis Hanson immer noch ein beachtliches Sozialdrama geglückt, in dem nicht nur Eminem sein durchaus vorhandenes schauspielerisches Talent beweisen darf. "8 Mile" gelingt es auch weitestgehend, Erwartungen an herkömmliche Biopic-Schleuderware zu entsagen und baut dafür auf ein wirklich einnehmendes Lokalkolorit. Wenn gerappt wird, dann sind das wuchtige Augenblicke, schön ist jedoch, dass "8 Mile" auch darüber hinaus gelungene Attribute vorzuweisen hat. 

7/10

Samstag, 13. Januar 2018

Bean - Bean: Der ultimative Katastrophenfilm (1997)

http://www.imdb.com/title/tt0118689/

Mr. Bean (Rowan Atkinson) arbeitet als Museumswächter in der Londoner Royal National Gallery und ist seinen Vorgesetzten ein Dorn im Auge. Da er vom Museumsdirektor persönlich eingestellt wurde und dieser sehr viel von ihm hält, können sie den tollpatschigen Mr. Bean nicht einfach entlassen. Glücklicherweise sucht die Galerie in Los Angeles gerade einen englischen Kurator, weswegen er als vermeintlicher Kunstexperte nach Kalifornien geschickt wird. Damit reiht sich eine Katastrophe an die nächste: Bean versetzt schon auf dem Flughafen von L.A. den gesamten Sicherheitsdienst in Alarm, zerstört dann die Ehe seines Gastgebers, verwandelt ein harmloses Fahrgeschäft eines Vergnügungsparkes zu einer richtigen Horrorshow und stürzt Langley in vollkommene Verzweiflung, nachdem er das Gemälde zerstört hat. Doch dann verwandelt sich Bean zu einem Retter in der Not und das Chaos nimmt seinen Lauf...

Als Fan der Serie kennt man irgendwann alle Sketche auswendig. 1997 kam, 2 Jahre nach Ende der erfolgreichen TV-Serie, der erste Kinofilm heraus und die Story ist - ähnlich die der Serie - denkbar einfach gehalten: Mr. Bean fliegt nach Amerika und soll dort ein 50 Millionen schweres Gemälde präsentieren. Dass dabei natürlich einiges schief geht sollte klar sein. Rowan Atkinson macht auch hier als Mr. Bean einen guten Job. Er ist Mr. Bean und so sehr ein Schauspieler das hasst: er wird es immer ein Stück weit sein, egal in welcher Rolle. Er schafft es einfach ohne viele Worte, vieles auf den Punkt zu spielen und ist dabei stets witzig und unterhaltsam.

Ein kleines Problem, was dieser Film hat, ist, dass viele Gags einfach aus der Ursprungs-Serie übernommen wurden. Das ist irgendwie unnötig, zumal es so wirkt, als würde "Bean" seine bekannten Momente zum ersten Mal erleben, wodurch vieles unglaubwürdig wirkt. Und ein weiteres Problem ist, dass Mr. Bean für seine Verhältnisse zu viel spricht und das nimmt ihm ein wenig die Authentizität. Ansonsten amüsiert der Film von vorn bis hinten. Die Mehrheit der Gags sitzt, nur einige wenige nicht.

Der erste Kinofilm mit Mr. Bean ist damit aber trotzdem mehr als solide Komödien-Unterhaltung, die keinem wehtut und wesentlich witziger ist als der lahme zweite Kinofilm. Man muss allerdings Mr. Bean, sein Art der Komödie und seine Skurrilität mögen, um mit diesem Film etwas anfangen zu können, ansonsten läuft man Gefahr, sich in einem zu klamaukigem Spektakel wiederzufinden.

7/10

Freitag, 12. Januar 2018

Death Proof - Death Proof: Todsicher (2007)

http://www.imdb.com/title/tt1028528/

Ein Frauenwochenende soll das werden, was Jungle Julia (Sydney Tamiia Poitier) mit ihren nicht minder attraktiven Freundinnen Arlene (Vanessa Ferlito) und Shanna (Jordan Ladd) geplant hat - Männer unerwünscht. Ok, so ganz ohne geht es auch nicht: Um dem Trip einen zusätzlichen Kick zu verpassen, kündigt Radiomoderatorin Julia in ihrer Sendung an, dass der Mann einen Lapdance von ihrer Freundin Arlene bekommen wird, der ein bestimmtes Gedicht exakt vorträgt. Der erste Bewerber um den lukrativen Lapdance ist der äußerst eigenwillige Stuntman Mike (Kurt Russell). Er hängt in derselben Bar am Tresen bei Wasser und Virgin Pina Coladas ab. Eine furchteinflößende Gesichtsnarbe hat den Haudegen entstellt, was Arlene trotz reichlich Alkohol im Blut deutliches Unbehagen bereitet, als Stuntman Mike das Versprechen eingelöst haben will. Arlenes schlechte Gefühl ist berechtigt, entpuppt sich der Fremde doch schon bald als psychopathischer Killer...

14 Monate später heftet sich Mike in Lebanon, Tennessee, an die Fersen eines weiteren Mädelsgespanns. Doch Kim (Tracie Toms), Zoe (Zoe Bell), Abernathy (Rosario Dawson) und Lee (Mary Elizabeth Winstead) wissen, wie Frau sich zu wehren hat...

Die erste Hälfte von "Death Proof" ist eine klare Zehn, die zweite leider nur wenig ein Meisterwerk. In einer unheimlich versifften Bar lässt Tarantino seine Gruppe verlorener Seelen aufeinandertreffen und demonstriert eindrucksvoll wie vielleicht nie zuvor sein inszenatorisches Geschick. Er isoliert Figuren und wirft sie wieder zusammen, seine Kamera tastet diese begrenzten Räume ab, kein Kamerawinkel ist ihm zu unkonventionell und doch ist da keine Einstellung bloß ihrer selbst wegen. Er setzt die ästhetische Messlatte schon schon in der Titelsequenz hoch an, seinem Material gibt er von da an einen fast surreal dreckigen aber damit aber auch überaus sinnlichen Look. Irgendwann ist man dann einfach mit dabei in dieser miefigen Holzhütte und meint schon fast den Geruch von Bier und Zigarette in der Nase zu haben. Und beobachtet Tarantino dabei wie er das macht, was er eben macht. Wie er Figuren, die man für nicht mehr als wandelnde Klischees gehalten hat langsam und subtil tragische Größe und tiefere Abgründe entlockt. Und damit auch jegliche Erwartungshaltungen unterwandert.

Man kann nicht anders als diese Frauen zu bewundern die in einer trostlosen, einsamen, postmodernen Welt mehr als tapfer kämpfen, auch wenn nicht immer klar ist um was (einen Sinn vermutlich). Irgendwann gönnt der Mann sich dann auch selbst den besten Cameo seiner Karriere. Wenn Tarantino in "Pulp Fiction" noch als Schöpfer in seine eigene Welt trat um sich mit der Dummheit seiner eigenen Figuren abrackern zu müssen (was sicherlich auch etwas Liebevolles hatte), so ist er nun einer von ihnen, einer dieser Verrückten, Loser und verlorenen Seelen. Und er trinkt seinen rituellen Shot mit ihnen.

Sobald auch noch dann Kurt Russell seinen Auftritt hat (fast schon mythisch überhöht, ein Archetyp des Kinos, virtuose Einführung) und Rosario Dawson dem seelischen Striptease einen physischen Lapdance gegenüberstellt ist das, das was manche als "pures Kino" bezeichnen. Bewegung und Berührung. Danach kommen noch Highlights am Fließband: Die Crashszene, in der das ziehen an einem Schalter den Rhythmus vorgibt für ein grausames Crescendo des Todes, eine wunderbar voyeuristische Szene die Stuntman Mike beim "Kennenlernen" mit seinen Opfern zeigt und damit die vollständige objektifizierung ebendieser, eine komplett verrückte Verfolgungsjagd. Am Ende bedarf es eigentlich nur einer handvoll Stuntfrauen um einen patriarchalischen Archetypen des Kinos endgültig zu begraben. Und die dazugehörige Form von Kino begräbt Tarantino damit vielleicht auch noch.

7/10

Donnerstag, 11. Januar 2018

Mr. Bean's Holiday - Mr. Bean macht Ferien (2007)

http://www.imdb.com/title/tt0453451/

Als glücklicher Gewinner einer Kirchenverlosung reist Mr. Bean (Rowan Atkinson) an die Côtes d‘Azur zur Filmprominenz nach Cannes. Die erste Station der Reise ist Paris, wo der trottelige Anzugträger nicht nur eine Schneise der Verwüstung hinter sich zurück lässt, sondern durch einen dummen Zufall auch einen russischen Jungen (Max Baldry) von seinem Vater trennt. Daraufhin versucht der sanftmütige Brite, den Kleinen zu seiner Familie zurück zu bringen. Dass der Junge der Sohn eines bekannten russischen Regisseurs ist, der Bean der Entführung bezichtigt und ihn somit auf die polizeiliche Fahndungsliste setzt, stört den eigenwilligen Engländer nicht im geringsten. Zusammen mit seinem neuen kleinen Freund macht er sich auf, um Südfrankreich gehörig aufzumischen. Dabei tritt er in jedes Fettnäpfchen, das sich ihm bietet. Der ambitionierte Arthouse-Regisseur Carson Clay (Willem Dafoe) z. B. muss sich dank Bean schon bald Sorge um die weitere Einhaltung seines Drehplans machen...

Mit "Mr. Bean" erschuf Komiker Rowan Atkinson seine Paraderolle. Mit vielen Lachern um den schrulligen, wortkargen und exzentrischen Mann, der allein mit einer Mimik mehr Menschen zum Lachen bringen kann, als heutzutage manch neumodische Komödie aus Hollywood. Doch mit seinem zweiten Film nach der grandiosen Serie, "Mr. Bean's Holiday" kann Atkinson nicht an den Erfolg der Serie, geschweige denn an den ersten Teil "Bean", anknüpfen. Man sitzt vor dem Bildschirm, ganz erwartungsvoll, wann denn endlich ein großer Brüller kommen mag. Leider sind Schmunzler alles, was Atkinson dem Zuschauer abzuringen vermag. Dabei ist die Grundidee doch eine optimale Bedingung für eine geniale Komödie. Engländer macht in Frankreich Urlaub. Man hätte mit den Klischees spielen können, mit den Vorurteilen und der Abneigung der beiden Nachbarländer. Stattdessen sind die Aufnahmen von Südfrankreich uninspiriert. Das stellt eine Kunst für sich dar, denn bei der Schönheit der Natur kann man eigentlich kaum was falsch machen. Standardwitzchen werden aufgetischt von mittelmäßigen bis schlechten Darstellern, die größte Idee des Films scheint der Film selbst gewesen zu sein. Selbst wenn man die Figur mag und die Idee toll findet, der große Wurf war das hier nicht. Im Gegenteil. Es scheint bereits nach kurzer Zeit wie eine Billigkomödie nach Schema F. Schade.

4/10

Dienstag, 9. Januar 2018

Hostile (2017)

http://www.imdb.com/title/tt5085522/

Nachdem es zu einer großen Katastrophe gekommen ist, die die Welt in apokalyptischen Zuständen hinterlassen hat, versuchen die Überlebenden eine neue Zivilisation aufzubauen und kämpfen dennoch jeden Tag ums Überleben. Denn sobald die Sonne untergeht, wird die Oberfläche von tödlichen Kreaturen heimgesucht. Juliette (Brittany Ashworth), eine furchtlose Frau, macht eines Tages jedoch einen dramatischen Fehler und hat einen Unfall, der sie bewegungsunfähig in ihrem Auto einklemmt. Mit gebrochenem Bein muss sie nicht nur gegen Hunger und Durst ankämpfen, sondern bald wohl auch gegen die Kreaturen. Denn die Nacht rückt immer näher...

Mathieu Turis abendfüllendes Spielfilmdebüt als Regisseur und Drehbuchautor mit dem klangvollen und actionversprechenden Namen "Hostile" bietet vor allem Nervenkitzel und spannungsgeladene Dramatik, auch wenn Hautdarstellerin Brittany Ashworth als Juliette eine eher durchwachsene als glanzvolle Leistung abliefert. Während sie in einem großen Gefährt das karge Ödland nach Nahrung und nützlichen Gegenständen durchsucht, begegnet sie den aus ähnlich gelagerten Filmen bekannten Gefahren und monströsen Kreaturen gleichermaßen. Als sie in einen Unfall verwickelt wird, findet sie sich in ihrem umgestürzten Fahrzeug mit einem gebrochenen Bein gefangen, wieder. Währenddessen brechen die Mitglieder ihrer Gruppe die Suche nach ihr wegen der Gefahren nach Einbruch der Dunkelheit ab. Unnötig zu sagen, dass hungrige Kreaturen nach einer leichten Beute suchen. Klingt nach "alles schon einmal gesehen" und vermutlich hat auch jeder zweite schon mal ein solches oder zumindest ähnliches Konstrukt sehen dürfen. Mit einer Mischung aus "The Monster", "Resident Evil" und ja, vielleicht auch ein wenig "The Descent", wenn man die Atmosphäre in Betracht zieht, wagt Turis nur wenig Neues, verstrickt sich sogar zuweilen in Logiklöchern und Plotholes.

Zwischen den Kämpfen um ihr Überleben reflektiert Juliette ihr Leben vor diesem als gegeben zu betrachtenden apokalyptischen Ereignis, zu einer Zeit als sie noch ein Junkie war. Der wohlhabende Kunstgalerist Jack (Grégory Fitoussi) ist sofort von ihr auf einer seiner Eröffnungsshows fasziniert, und die beiden treten eine gleichsam leidenschaftliche wie herausfordernde Beziehung an. Leider stimmt zwischen beiden die Chemie nur wenig. Turi wechselt nun die harten, post-apokalyptischen Horror-Sequenzen der Gegenwart mit Rückblenden ab, die in einem Stil erzählt werden, bei dem die Zuschauer die Puzzleteile langsam zusammensetzen müssen. Er mischt, trotz der etwas altbackenen Story diese beiden Geschichten meisterhaft und bringt "Hostile" zu neuen und gleichsam überraschenden Werten. Turi beweist, dass er ebenso versiert darin ist, Spannung aufzubauen, wie er ergreifende, dramatische Szenen liefert. "Hostile" gibt den Zuschauern die Möglichkeit, sich wirklich auf seine Charaktere einzulassen und je mehr er über die Tragödie erfährt, desto mehr fiebert man mit.

Dennoch ist "Hostile" nicht der ganz große Wurf geworden. Der Film hält sich zwar mit dem Horror nicht zurück und bietet viele bösartige und blutige Angriffe, atemberaubende Gore-Effekte und gruselige Monster. Das Make-up für das unbenannte Geschöpf ist ziemlich gut, und erinnert an die Charaktere im [REC]-Franchise. Mit dem renommierten Schauspieler Javier Botet hat man diesbezüglich einen guten Charakter gefunden. Das alles täuscht jedoch nur wenig über die schauspielerische Leistung und der - abgesehen von der Puzzelarbeit - bekannten Story hinweg. Auch ist es ein wenig viel vom Zuschauer verlangt, glauben zu müssen, dass die Rückblenden im heutigen New York City stattfinden - und die Gegenwart befindet sich in einer Wüste in der Wüste. Wo zur Hölle ist dieses Ödland? Denn wenn es nicht an der gleichen Stelle wie in New York City ist dann ist es ein wenig verlangt, dies zu schlucken. Grund ist, dass "Hostile" nie eine Erklärung liefert - außer einem chemischen Terroranschlag. So haben die seltsamen Mutanten, die durch das Land streifen und sich von Menschen ernähren, keine Ursprungsgeschichte. Wie viel Zeit ist vergangen? Und woher kamen diese Viecher? Das ist alles schon ein wenig seltsam. Wenn man aber über die Kritikpunkte hinwegsehen kann, ist "Hostile" dennoch ein guter Vertreter seines Genres geworden. Für einen Debütfilm tatsächlich sehr gut, in der Masse an den inflationären post-apokalyptischen Streifen der letzten Jahre aber leider kein besonders herausragender Vertreter.

6,5/10

Your Highness - Your Highness: Schwerter, Joints und scharfe Bräute (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1240982/

Thadeous (Danny McBride) nimmt die Pflichten eines Prinzen nicht so ernst wie sein heroischer Bruder Fabious (James Franco). Während der Mustersohn auf Reisen geht und den Helden spielt, vergnügt sich Thadeous mit hartem Alkohol und einfachen Mädchen. Als Fabious‘ Verlobte Belladonna (Zooey Deschanel) aber von einem bösen Zauberer (Justin Theroux) entführt wird, kommt auch Thadeous nicht um seine Pflicht herum. Der König stellt ihm ein Ultimatum: Entweder er hilft seinem Bruder bei der Rettung oder er wird rausgeschmissen. Nicht gerade erfreut über diese Entwicklung begibt er sich mit Fabious und der Kriegerin Isabelle (Natalie Portman) auf Rettungsmission...

Wo Danny McBride draufsteht ist auch meist Danny McBride drin, ebenso kann der Name James Franco ein Hinweis auf eine eher unverfrorene und bisweilen vulgäre Art von Humor sein. Der Holzhammer als probates Mittel, um die Leute zum Lachen zu bringen. Wenn man damit etwas anfangen kann, klappt das zunächst auch bei "Your Highness" recht gut. 


Dabei ist das Maß an Albernheit teilweise auch für Männer wie McBride, der hierfür das Script verfasst hat, ziemlich hoch, mit moderatem Blödsinn hat das nichts mehr zu tun. Erstmal lassen sich einige Gags noch durchwinken, vielleicht auch in Kombination mit einem leichten Kopfschütteln, dass die eventuelle Fassungslosigkeit über gehört- und gesehenes ausdrückt. Allerdings nutzt sich der Witz auch relativ schnell ab und wird aller Wahrscheinlichkeit nach ab einem gewissen Punkt gar keine Reaktion mehr auslösen.

Die größte Leistung von "Your Highness" ist da sicherlich noch, sich der Beteiligung solch hochkarätiger Darsteller wie Natalie Portman oder James Franco versichert zu haben und auch Zooey Deschanel ist kein unbeschriebenes Blatt mehr, wenngleich ihre Rolle hier durchaus mehr Raum verdient hätte, als ihr letztlich zugestanden wird. Dreh- und Angelpunkt der Geschichte sind aber die zwei ungleichen Brüder, die im weiteren Verlauf nicht nur auf die Kriegerin Isabel treffen, sondern auch auf dauergeile Minotauren, perverse Waldbewohner, ein pädophil angehauchtes, ebenso perverses Orakel und selten dämliche Schergen des eigensinnigen, sexgeilen Zauberers Leezar (Justin Theroux). Somit ist "Your Highness" zwar in Teilen gewiss "ganz witzig", aber eben bestimmt auch weit davon entfernt, eine rundum gelungene Sache zu sein.

6,5/10

Montag, 8. Januar 2018

UHF - UHF: Sender mit beschränkter Hoffnung (1989)

http://www.imdb.com/title/tt0098546/

Tagträumer George Newman hält es nicht lang bei einem Job - seine sprudelnde Fantasie kommt ihm immer in die Quere. Eines Tages heuert ihn sein Onkel an, den maroden Fernsehsender Kanal 62 zu übernehmen. George geht mit einem bizarren Programm - mit fliegenden Pudeln und Fischverlosungen - auf Sendung. Und prompt steigen die Quoten! Das gefällt dem Boss des mächtigen Konkurrenzsenders Kanal 8 überhaupt nicht. Mit allen Mitteln sabotiert er die aufstrebende TV-Station. Klar, dass die durchgeknallte Kanal 62-Crew sich das nicht gefallen lässt!

1989 schuf sich der, hierzulande unberechtigt unbekannte, Parodist, Sänger und Comedian "Weird" Al Yankovich ein völlig verdientes Denkmal. Er verkörperte als Protagonist den Loser George, der sein Leben hauptsächlich mit dem Verlieren von Jobs und enorm kreativen Tagträumereien verbringt. Als er jedoch, mehr zufällig, den Job des Programmdirektors bei einem runtergekommen Fernsehsender erhält ("mehr Leute schauen sich ihre Aquarien an"), geht der Film ab wie eine funktionierende V2.

Der Grundplot ist platt und im Lieblingsstil der Amis, nämlich David gegen Goliath gehalten. Was dieses Werk so einzigartig und zu einer herrlichen Komödie macht, ist die Flut abgedrehtester Gags in großem und im ganz kleinen und versteckten Stil. Einerseits böseste Parodien auf den Nonsens, den Fernsehsender dem Zuschauer so auftischen, in der Erwartung, dass diese es bereitwillig schlucken, und damit zeitlos aktuell. Andererseits geniale Slapstickmomente und damit zeitlos komisch. Ausnahmslos alle Schauspieler bringen hier keine sonderlich bemerkenswerten Leistungen (was angesichts der Gagdichte auch kaum möglich wäre), mit Ausnahme des legendären Michael "Cosmo Kramer" Richards, der in der Rolle des Stanley Spadowski dieselbe überdrehte Energie an den Tag legt, die ihn später in der Serie "Seinfeld" weltberühmt machen sollte.

"UHF" ist einer der Filme, die man ohne Einschränkung für einen Abend voller Lacher empfehlen kann. Allein die Parodien sind genial, mit "Conan, der Bibliothekar" oder "Ghandi 2". Weltbest. Bis es dazu kommt, dauert es eine kleine Weile, aber man wird dafür mehr als belohnt. Es ist keine "Nackte Kanone" und kein "Hot Shots" (die ungekrönten Könige der zum Brüllen komischen Albernheiten), aber eines ist sicher: Kanal 62 rockt.

7/10

Von CAPELIGHT PICTURES erschien der Film nun endlich auch hierzulande in HD in einem tollen Mediabook: