Samstag, 12. August 2017

The Devil's Advocate - Im Auftrag des Teufels (1997)

http://www.imdb.com/title/tt0118971/

Der erfolgreiche Anwalt Kevin Lomax (Keanu Reeves) ist ein junger Emporkömmling aus einer Südstaaten-Kleinstadt und kann schon auf 64 in Folge gewonnene Gerichtsverhandlungen zurückblicken. Doch um diese Erfolgsquote zu halten, bedient er sich gelegentlich moralisch fragwürdiger Methoden. Der Vorsitzende einer großen New Yorker Kanzlei, John Milton (Al Pacino), wird auf den Staranwalt aus der Provinz aufmerksam und bietet Kevin einen Job an, mitsamt stattlichem Honorar und einem riesigen Apartment in der Fifth Avenue. Kevin nimmt das Angebot an und zieht mit seiner Frau Mary Ann (Charlize Theron) in die große Stadt. Zunächst sind die beiden begeistert vom neuen Leben und Kevin blüht auf in seiner Position. Doch schon bald bemerkt Mary Ann, dass etwas faul ist an dieser Firma. Sie hat plötzlich Erscheinungen und beginnt merkwürdige Dinge zu sehen...

In Gänze betrachtet ungefähr so subtil wie die regelmäßigen Erzeugnisse der Michael-Bay'schen Hollywood-Schmiede, nur das "The Devil's Advocate", und das ist der entscheidende Unterschied, wirklich Spaß macht und, man vergebe mir den Kalauer, teuflisch unterhält. Es ist ein Mystery-Thriller ohne Tod aber mit viel Teufel. Er spielt sich in einem Dreiecksverhältnis ab: John Milton (Al Pacino) ist, - wie wir erst nach und nach erfahren - der Satan, für ihn arbeitet Kevin Lomax (Keanu Reeves), der mit Mary Ann (Charlize Theron) verheiratet ist. Reeves ist teuflisch gut, Pacino ist noch besser, furchterregend souverän und Theron ist einfach überirdisch. Sie wandelt sich von der schicken Partymaus zu einer kaputten, kranken Frau. Für literaturkompatible Zuschauer ist der Genuss doppelt so groß. Man kann aber auch einfach nur die eskalierenden Hinweise bis zum bombastischen Finale goutieren, bis sich der Teufel outet. Zuvor gab es mal eine Monsterfratze, einen züngelnden Al oder einen Schnellschnitt: Baby, Blut, Traum, Charlize hüllenlos in der Kirche. Hat sie der Teufel besessen? Hat Reeves es mit seiner 'Schwester' (Connie Nielsen) getrieben? Ein Mysterium.

Der Film mag mit Sicherheit nicht so durchdacht und stilbildend sein, wie beispielsweise Roman Polanskis thematisch verwandter Beitrag "Rosemary's Baby", dafür bedient er sich auch allzu offenherzig bei ähnlich gelagerten Werken der einzelnen Subgenres. Das Bild der Anwälte als Sammelsurien der Sünden ist mittlerweile wahrlich abgenutzt, jedoch ist sich "The Devil's Advocate" seines Vorteils bewusst, all diese Elemente hemmungslos auf die Spitze treiben zu können. Dies mag den Film, wie gesagt, nicht zum Meilenstein seines Genres erheben, er garantiert jedoch zwanglose und kurzweilige Unterhaltung. Die Auflösung ist optisch raffiniert, dramatisch hochspannend und inhaltlich überraschend. Und das geschieht auf hohem sprachlichem Niveau. Hier war die Romanvorlage sicherlich hilfreich. Sie liefert auch die Dialoge. ("Gott ist ein Spießer, ein Sadist. Ich bin vielleicht der letzte Humanist (...)." oder "(...) die Tugend des Teufels ist in seinen Lenden.") Man muss nicht unbedingt John Milton mit dem "Verlorenen Paradies" ins Feld führen. Lomax hat seine Seele dem Teufel verkauft und sein Paradies verloren. Er nahm quasi Blutgeld, wir haben zwei Selbstmorde zu verkraften und erwachen aus einem bösen Albtraum. Und können beim letzten Bild, das die Perpetualität des Bösen dokumentiert, wieder schmunzeln.

8,5/10