Dienstag, 2. Mai 2017

Kiss Kiss Bang Bang (2005)

http://www.imdb.com/title/tt0373469/

Das gebürtige Landei Harry (Robert Downey jr.) gaunert sich planlos durchs Leben in Los Angeles. Nachdem ein Einbruch schief gegangen ist, versteckt er sich mitten in einer Castinggruppe - prompt schlägt man ihn für eine Rolle als Detektiv vor. Zur Vorbereitung soll er den realen privaten Ermittler Perry (Val Kilmer), auch als der schwule Perry bekannt, ein paar Tage lang begleiten. Damit beginnt der Ärger: Nicht nur macht der abgezockt-kaltschnäuzige Perry überhaupt keinen Hehl aus der Tatsache, dass er Harry für den größten Versager auf unserem Planeten hält, auch die Ermittlungen zum Untreueverdacht einer jungen Frau laufen grundsätzlich schief – dank Harrys Einmischung und einer nicht eingeplanten Leiche. Doch damit ist noch lange nicht Schluss. In einer Bar lernt Harry die attraktive Harmony (Michelle Monaghan) kennen, mit der er es sich schon in der ersten Nacht einfach gründlich verdirbt. Doch Harmony kreuzt weiterhin ständig seinen Weg und bittet ihn, – da sie ihn für einen echten Privatdetektiv hält – um Hilfe bei der Aufklärung des Todes ihrer Schwester...

Selbstironie ist eines der wichtigsten Ingredienzen des Buddy-Movie-Genres. Nahezu jeder Film dieser Gattung lebt im Prinzip von den Ungleichheiten und Differenzen zwischen den beiden Protagonisten und zieht daraus meist einen großen Anteil Situationskomik und Humor. "Kiss Kiss Bang Bang", das Regiedebüt des auf Buddy-Movies wie "Lethal Weapon" und "Last Action Hero" spezialisierten Drehbuchautoren Shane Black, bildet da keine Ausnahme. Mit dem Unterschied, dass "Kiss Kiss Bang Bang" rundum als Parodie auf das Genre angelegt ist und die Humorkelle von der ersten bis zur letzten Minute komplett ausschöpft. Der Stoff ist genau richtig für eine skurrile und mit bösem, schwarzem Humor aufgepeppte Kriminalfilmkomödie, die es sich nicht nehmen lässt, neben den typischen Mustern des Film-Noir-Genres gleich noch die gesamte cinematische Scheinwelt Hollywoods auf die Schippe zu nehmen. Neben den meist sehr amüsanten Dialogen - nur von zu Zeit zu Zeit schleicht sich mal ein überflüssiger Flachwitz ein - und der energetischen Straffheit des Regietempos ist es vor allem die Erzähltechnik durch Hauptdarsteller Robert Downey, die den Humor ankurbelt.

Downeys Figur, die Hauptcharakter und allwissender Erzähler zugleich ist, durchbricht des Öfteren die vierte Wand und dringt immer wieder in die visuelle und erzählerische Struktur des Films ein, um beispielsweise anhand einer nachträglich eingefügten Rückblende zusätzliche Hintergrundinformationen einzureichen. Andernorts parodiert er das Überleben seines zuvor in einer Schiesserei anscheinend tödlich getroffenen Kameraden und lässt mit ihm gleich noch einmal alle zuvor verstorbenen Filmcharaktere (und Abraham Lincoln) auftreten. Was ausserdem mehr als nur stimmt ist die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern Downey und Kilmer. Beide hatten anscheinend Spass an ihren Rollen und scheuen sich auch nicht, das auf der Leinwand zu zeigen.

Shane Blacks "Kiss Kiss Bang Bang" ist kein Film der einen vom Hocker reisst und erfindet das Komödienrad nicht neu. Black mischt jedoch die meiste Zeit souverän Versatzstücke des Genres angereichert mit einigen guten neuen Ideen und verpackt das Ganze in der ersten Hälfte mit hohem Tempo und einer hohen Dichte an gelungenen Pointen. In der zweiten Hälfte verliert sich der Film dann teilweise ein kleines bisschen in seiner verworrenen und verwickelten Detektivgeschichte, bleibt aber weiterhin unterhaltsam. Zwei gut aufgelegte Hauptdarsteller runden das Gesamtpaket ab und machen aus "Kiss Kiss Bang Bang" eine angenehme, skurrile und witzige Krimiparodie.

8/10