Donnerstag, 21. September 2017

The Next Three Days - 72 Stunden: The Next Three Days (2010)

http://www.imdb.com/title/tt1458175/

Als Lara Brennan (Elizabeth Banks) verhaftet und des Mordes angeklagt wird, fällt ihr Ehemann John (Russell Crowe) aus allen Wolken. Der bis dato eher gemütliche Akademiker glaubt fest an die Unschuld seiner Frau und gibt fortan alles, um das Gericht von ihrer Unschuld zu überzeugen. Doch all seine Mühen sind umsonst – Lara wird verurteilt, den folgenden Suizid-Versuch überlebt sie nur Haaresbreite. John bleiben exakt 72 Stunden, ehe sie in einen Hochsicherheitsknast verlegt wird. Und so wendet er sich hilfesuchend an Ex-Häftling Damon Pennington (Liam Neeson), um einen irrwitzigen Plan auszufeilen: John will erst ins Gefängnis einbrechen, um dann mit Lara zu fliehen...

Regisseur Paul Haggis schuf 2010 den Thriller "72 Stunden: The Next Three Days" und geht hinsichtlich seiner Inszenierung einen deutlich geradlinigen Weg, denn der Plot um einen Ehemann, der verzweifelt versucht, seine unschuldig hinter Gittern sitzende Frau zu befreien, lässt zu kaum einem Zeitpunkt auch nur den leisesten Zweifel daran aufkommen, dass sie die Tat nicht begangen hat. Nun macht eine stringentere Ausgestaltung aber nicht automatisch den besseren Film, denn ändert es nichts an der Tatsache, dass der Plot zuweilen reichlich zusammengeschustert wirkt und mehr als nur ein paar Fragen offen lässt, angefangen damit, dass mir die Verhaftung und Verurteilung deutlich zu hastig abgehandelt worden sind, auch wenn dadurch natürlich deutlich mehr Zeit bleibt, den eigentlichen Plot um den verzweifelten Ehemann zu entfalten.

Der überzeugt allerdings auch nicht in jeder Hinsicht, obwohl Protagonist Russell Crowe sich als John Brennan redlich abmüht und eine überzeugende Vorstellung gibt, gerade was seine anfänglich extrem unbeholfenen Versuche angeht, sich in die kriminelle Halbwelt zu begeben, um dort beispielsweise gefälschte Pässe für die Zeit nach dem Ausbruch zu erwerben. Leider versäumt es Haggis hier aber, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Ausbruchsplanung und restlichem Leben zu finden, denn abgesehen von ein paar wenigen Einstellungen, die Brennan bei der Arbeit zeigen, hat man das Gefühl er würde alle Zeit der Welt mit der Planung des Gefängnisausbruchs verbringen, derweil sein kleiner Sohn anscheinend zum Selbstversorger mutiert und er auch ansonsten nichts tut, außer vor sich hinzubrüten. Die Ausbruchsplanung selbst ist dabei durchaus gelungen und entpuppt sich als interessante Variation typischer Heist-Motive, wo das Drehbuch immer wieder die Chance nutzt, sich Brennans kriminelle Unbedarftheit zunutze zu machen, derweil sich im Verlauf der Handlung von "The Next Three Days" eine spürbare Wandlung vollzieht.

Crowe gegenüber steht hier Elizabeth Banks als dessen Ehefrau Lara, ist in ihren Möglichkeiten aber weit eingeschränkter, denn abgesehen von der Eingangssequenz verbringt sie eben die meiste Zeit des Films im Gefängnis und kann dort kaum mehr machen, als wechselweise traurig, hoffnungsfroh, verzweifelt oder gleichgültig zu sein, doch überzeugt auch sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten, gerade wenn ich berücksichtige, dass ich sie früher einmal aus mir unbekannten Gründen überhaupt nicht leiden konnte. Alle weiteren Figuren allerdings verkommen doch in weiten Teilen zur Staffage und während Olivia Wilde kaum mehr zu tun hat, als eine alleinerziehende Mutter zu spielen, die man anfänglich kurz und gegen Ende noch einmal in zwei bis drei Szenen zu sehen bekommt, ist Liam Neesons Rolle kaum mehr als ein Cameo, tritt sein Damon Pennington – sozusagen der Gefängnisausbruchs-Guru – schließlich in genau einer Szene in Erscheinung, um Brannan das grundlegende Handwerkszeug und ein paar Tipps zum geplanten Coup an die Hand zu geben, wofür man – so gerne man Liam Neeson auch zu Gesicht bekommt – wirklich jeden beliebigen Schauspieler hätte heranziehen können.

So ist und bleibt "The Next Three Days" also in weiten Teilen eine One-Man-Show und funktioniert als selbige auch durchaus, nur sind es eben die vielen Details und Auslassungen, die ein wenig an der Qualität des Films kratzen, während Crowes Interpretation des von verbissener Getriebenheit motivierten Ehemanns über jeden Zweifel erhaben ist. Gegen Ende gar dreht der Film noch einmal gehörig auf und hat dies auch bitter nötig, ist bis zum finalen Akt schließlich das Geschehen überwiegend recht behäbig inszeniert und neigt beispielsweise in Anbetracht der sich wiederholenden Gefängnisbesuche durchaus zur Redundanz, denn dass Brennan alles daran setzt, seine Frau zu befreien, ist ebenso klar, wie dass Lara daran zu knabbern hat, ihren Sohn nicht öfter zu sehen, weshalb die Besuche im Grunde ohne zielführenden Konsens bleiben und beinahe ein wenig überflüssig wirken. Nichtsdestotrotz in der Summe ein guter Genre-Vertreter, der damit durchaus eine Empfehlung verdient hat. Jedoch hätte man aus dem Stoff durchaus mehr machen können, zumal der Film gar nicht einmal so wendungsreich und überraschend gerät, wie man das dem Zuschauer gerne verkaufen möchte, derweil die falschen Fährten allzu plump ausfallen und auch nicht jede Auflösung so glücklich gerät, wie sich das der Regisseur vielleicht vorgestellt hat. Nicht unerwähnt bleiben sollte in diesem Zusammenhang auch, dass es sich bei dem Film um eine Remake des nur zwei Jahre älteren französischen Thrillers Pour Elle (hierzulande als "Ohne Schuld" vertrieben) handelt und insbesondere dann hätte man erwarten können, dass so manche inszenatorische Schwäche ausgebügelt würde, was leider nicht geschehen ist.

7,5/10

Dienstag, 19. September 2017

Inferno - Horror Infernal - Feuertanz (1980)

http://www.imdb.com/title/tt0080923/

Rose (Irene Miracle) ist eine alleinstehende Poetin und lebt in New York City. Ein antikes Buch führt sie in den Keller ihres Wohnhauses, hin zur Heimstätte einer mächtigen Hexe, der Mater Tenebrarum. Sie ist eine der "drei Mütter" - die anderen hausen in Freiburg und Rom: Aus ihren Verstecken heraus regieren sie die "Welt mit Tränen, Seufzern und Finsternis". Rose ist entsetzt und verständigt ihren Bruder Mark (Leigh McCloskey). Doch als dieser nach langer Reise ankommt, ist Rose verschwunden. Und in der Stadt, die niemals schläft, ist etwas erwacht. Eine unheimliche, bösartige Kreatur. Die Mutter der Finsternis.

Dario Argento ist mit Sicherheit einer der polarisierendsten Regisseure des Horrorkinos. Während die einen Leute seine hervorragende Kameraarbeit, den flippigen und für Genreverhältnisse sehr aggressiven Musikeinsatz der Band "Goblin" sowie das ausgeprägte Spiel mit Farben bewundern, schütteln andere eigentlich nur den Kopf angesichts seiner völlig hanebüchenen, dramaturgisch schwachen und mit teilweise furchtbaren Dialogen versehenen Drehbücher. Zumindest bei den Werken "Suspiria", "Profondo Rosso" und "Phenomena" zog sich dieser Trend durch. Insofern rufen die Filme von Argento stets sehr gemischte Gefühle hervor: kreativ und faszinierend sind die Szenen, wenn dieser Italiener sich visuell austobt oder einmal mehr sein Können für hinterhältige Mordszenen unter Beweis stellt, doch nur gerade so erträglich wird es, sobald er versucht, tatsächlich eine Geschichte zu erzählen oder Dialogpassagen zu inszenieren.

Der zweite Teil aus Dario Argentos mystischer "Mütter-Trilogie" ist nun dank der Inszenierungswut des Italieners erneut ein optisches Feuerwerk. Ein verfilmter Alptraum, in dem keine Figur sicher ist vor einem unbekannten Killer. Garniert mit starken Rot- oder Blautönen, einem eingängigen Score und deftigen, einfallsreichen Killszenen. Das Hauptargument für "Inferno" ist allerdings, dass Argento vor und nach diesem Werk keinen Film mehr gemacht hat, der so stark in traum- bzw. tranceähnliche Gefilde vorstößt und eher einem surrealen Kunstwerk ähnelt. Bereits die brillante Unterwasserszene zu Beginn gibt den hypnotischen, betörenden Ton vor, der die durchgehende Atmosphäre bestimmt. Radikal wie selten zuvor wirft Argento hier Konventionen über Bord und verweigert sämtliche Formen von schlüssiger Narration. Stil und Atmosphäre sind am wichtigsten und stehen immer im Vordergrund.

Auch die einzelnen Sets scheinen noch farbenfroher und heller ausgeleuchtet zu sein als schon bei "Suspiria". Wer sich früh in die Atmosphäre des Films fallen lassen kann, erlebt die Geschichte rund um Mater Tenebrarum und alchemistische Motive nicht als herkömmlichen Film, sondern wandelt auf einem (alb-)traumartigen Pfad durch ein berauschendes Labyrinth, das mit sinnlich-grausamen Höhepunkten gepflastert wurde. Nicht umsonst bezeichnete Argento diesen Film als seinen reinsten und aufrichtigsten. Nur knapp hinter "Suspiria" und einer der absoluten Höhepunkte im Schaffen des Regisseurs.

7/10

Von KOCH Media erschien der Film im limitierten Mediabook. Dieses beinhaltet den ungeschnittenen Film auf Blu-ray und DVD, sowie jede Menge Bonusmaterial.

The Constant Gardener - Der ewige Gärtner (2005)

http://www.imdb.com/title/tt0387131/

Der in Kenias Hauptstadt Nairobi tätige britische Diplomat Justin Quayle (Ralph Fiennes) wird von der Nachricht tief getroffen, dass seine Frau Tessa Abbott Quayle (Rachel Weisz) gemeinsam mit ihrem Fahrer ermordet aufgefunden worden ist. Entgegen seines bisherigen Naturells beginnt Quayle mit Nachforschungen über die Hintergründe, da er nicht so ganz an die Theorie glaubt, dass der Arzt Arnold Bluhm (Hubert Koundé), Tessas Begleiter, für den Mord verantwortlich ist. Quayle taucht in die Arbeit seiner Frau ein, die ihm bis dahin weitgehend unbekannt war. Dabei stößt er auf brisante Informationen, die Tessa vor ihrem Tod über das Treiben der Pharmaindustrie gesammelt hat. Quayle führt die Nachforschungen fort und versucht unter Einsatz seines Lebens, die Hintermänner zu enttarnen, die für den Mord an seiner Frau und kriminelle Machenschaften auf dem Gebiet der Arzneimittelforschung verantwortlich sind...

Eine anfänglich interessante Mischung aus Thriller und Drama, die mit viel Liebe in der Gestaltung und einem großartigen Cast (Weisz ist gut, aber performt nicht oscarwürdig, Fiennes hingegen zeigt deutlich was er kann) besticht. Die Thematik verspricht genauso viel, und so erzählt "Der ewige Gärtner" eine zunächst großartige Geschichte über Liebe und Verrat, sowie die ungebändigte Gier und Skrupellosigkeit der Pharmaindustrie; die politisch kontroversen Vorgänge dienen als erschütternder Rahmen und der Streifen justiert seinen Fokus auf dem gefassten Staatsdiener Justin Quayle, der nach Antworten auf den Tod seiner Frau giert und durch seine Odyssee ein Ventil findet, seine regressive Trauer zu entfesseln. Das "Zunächst" sollte aber hierbei besonders betont werden, denn die Handlung wird im Verlauf derart träge und zäh erzählt, dass sich "Der ewige Gärtner" tatsächlich ewig anfühlt und die Spannungskurve steil herab fällt. 
 
Die Präsenz des Todes ist in "Der ewige Gärtner" allgegenwärtig, überall lauert er, wartet darauf, seine eisigen Finger auszustrecken, während Protaganist Justin in körnig-ruhelosen Bildern näher zu seiner Frau findet, sich mit ihrem Wesen auseinandersetzt und ihre inneren Antriebe versteht, als es ihm in Lebzeiten jemals möglich gewesen wäre. Das mag pathetisch klingen, ist in "Der ewige Gärtner" aber mit einem selbstverständlichen Naturalismus verknüpft, der all die Regungen und Handlungen seitens Justin ehrlich, nachvollziehbar und gleichermaßen tieftraurig erscheinen lässt. "Der ewige Gärtner" ist noch Kino, das Emotionen ohne Manipulationsmechanik weckt, das keinen Retortencharakter pflegt und sich darüber hinaus sogar erlauben kann, die Liebe über Zeit und Raum zu stellen, ohne in Rührseligkeit zu versinken.

Trotzdem kann der Film erst gegen Ende noch einmal überzeugen und es verbleibt der Eindruck, dass etwas mehr Schonungslosigkeit und vielleicht auch noch ein wenig mehr Direktheit diesem Politthriller gut getan hätte. Aber dahin muss der/die Zuschauer/in es erst einmal schaffen. Eine derart interessante Thematik, die so viel hergibt, dabei aber einfach unter der laschen Inszenierung des Filmes leidet, wirklich schade. Doch die Message weiß sich durchzusetzen und somit bleibt "Der ewige Gärtner" und dessen Leid am Ende wenigstens nicht allzu belanglos. Eine Empfehlung bekommt der Streifen aber dennoch nicht. Dafür kommt zu oft die Lust auf, einfach wegzuschalten.

5/10

Sonntag, 17. September 2017

Road House (1989)

http://www.imdb.com/title/tt0098206/

Dalton (Patrick Swayze) ist gebildet, kann aber auch ordentlich austeilen. Als Türsteher hat sich der Philosophie-Absolvent und Karatekünstler einen Namen gemacht. Sorgt jemand für Ärger, schmeißt Dalton ihn raus - diskret, aber unnachgiebig. Wesentlich schwieriger für ihn ist der Umgang mit dem skrupellosen Bandenchef Brad Wesley (Ben Gazzara), der Daltons neuen Arbeitsplatz, das "Double Deuce", um jeden Preis unter Kontrolle bekommen will. Seine Versuche, Dalton zum Seitenwechsel zu bewegen, schlagen fehl, sodass der Umgangston nun rauer wird. Außerdem kommt erschwerend hinzu, dass der clevere Türsteher ausgerechnet mit Dr. Elizabeth Clay (Kelly Lynch) anbandelt, der Ex von Wesley. Bald nimmt der Konflikt die erste tödliche Wendung und allen Beteiligten wird schlagartig der Ernst der Lage bewusst...

"Ich möchte, dass ihr nett seid. So lange, bis ihr nicht mehr nett sein sollt." - ist nur eine der unzähligen Weisheiten von Dalton (Patrick Swayze), Philosoph und Rausschmeißer auf dem zweiten Bildungsweg, Fachgebiet: dreckige Spelunken mit professionellen Personalschulungen und vollem Körpereinsatz wieder salonfähig machen. Patrick Swayze ist der John Rambo der Kneipenszene, näht sich selbst ohne eine Miene zu verziehen im Hinterzimmer zusammen, trägt die 80er Vokuhila voller Stolz und weiß aus eigener Erfahrung: "Schmerzen tun nicht weh!"

Generell ist Schmerzfreiheit bei "Road House" nicht von Nachteil. Wer auf eine vernünftige Geschichte, sinnvolle Dialoge, gut choreographierte Kampfszenen und geschmackvolle Frisuren Wert legt, sitzt hier am komplett falschen Tresen. Wer sich jedoch genau über solche Fließband-Entgleisungen voll mit schier unglaublichen Absurditäten amüsieren kann, ist im Proll-Action-Wunderland im 80er-Style goldrichtig. Ein Feuerwerk der markigen Oneliner ("Sir zu mir zu sagen ist das gleiche wie ein Plumpsklo im Fahrstuhl einzubauen, das passt einfach nicht."), in dem sich Patrick Swayze mit aller Macht von seinem "Dirty Dancing"-Schmuse-Image freikloppt. Ein zarter Flirt am Rande ist zwischen den Kneipenschlägereien und Martial Arts-Gymnastik am See trotzdem drin. Dieser besteht aus der hübschen Ärztin (Kelly Lynch), die unglaublich angeturnt wird, wenn Dalton vor der Kneipe das Gesocks durch den Staub prügelt. Ja, das könnte alles so schön sein, wenn da nicht der unvermeidliche Oberschurke wäre.

Brad Wesley (Ben Gazzara), der stinkreiche Fiesling, gut zu erkennen am Helikopter und Plantagenbesitzer-Hut, sieht es überhaupt nicht gerne, wenn sich jemand an seinem Eigentum vergreift. Nicht nur die hübsche Ärztin, natürlich ist das ganze Nest gemeint, das unter seiner Fuchtel steht. Wirtschaftlich ist es da sehr sinnvoll, auch noch gut ein Viertel der ansässigen Immobilien in die Luft zu sprengen, um seinen Anspruch als Alpha-Männchen druckvoll zu untermauern. Gut, dass Dalton da nicht alleine in die Schlacht ziehen muss. Unterstützung gibt es von der grauen Eminenz der Kneipen-Schubser-Innung, Sam Elliott als Wade Garrett. Ein unschlagbares Team, mag man denken, bis der Ton merklich rauer wird und einfache Keile als Druckmittel nicht mehr ausreicht. Im letzten Drittel geht es derbe zur Sache und was das heißt, merken Warrett’s Handlanger am eigenen Kehlkopf. Der ohnehin mit Abstand leicht homoerotisch angehauchte Flair des Films bekommt beim blutigen Finale von Dalton und Gegner am See reichlich unfreiwillig-komisches Futter, Road, pardon, Roundhouse-Kicks inklusive, nur ohne Happy End.

"Road House" ist da immer für eine Überraschung gut. Genau genommen ist es ein furchtbar bekloppter, hochgradig lächerlicher und sich dessen wohl nicht im gesamten Ausmaß bewusster Film, gerade deshalb irrwitzig unterhaltsam und in seinem selbstbewussten Auftreten fast schon ein Kunststück. Kann man eigentlich nur lieben oder hassen.

7/10

Samstag, 16. September 2017

Polo de Limón: Roman Za'ir - Lemon Popsicle: Baby Love - Eis am Stiel 5: Die große Liebe (1983)

http://www.imdb.com/title/tt0086926/

Benny verliebt sich unsterblich in Playboy Bobbys kleine Schwester Ginny, die - auch wenn der große Bruder entschieden Einhalt gebieten will - schon kräftig ihre Frau steht. Eine wahre Leidenszeit beginnt für die beiden, während Bobby freilich keine Gelegenheit ausläßt, sich seines lockeren Images würdig zu erweisen. Nur Jonny, der immer kurz vorm Anschneiden der Zuckertorte von einer Pechsträhne verfolgt wird, hat wiedermal ernsthafte Schwierigkeiten auf allen Freispuren. Aber, keine Angst: Flotte Sprüche helfen immer wieder über die Runden...

Einer der schönsten Teile, denn es geht um die große Liebe, eine verbotene Liebe zwischen Benny und der jungen Jeanny, die die kleine Schwester des Draufgängers Bobby ist. Dabei scheint der Ärger natürlich vorprogrammiert zu sein und es entwickelt sich eine Art Romeo und Julia mit Spielort in Tel Aviv. "Baby Love" ist somit ein ganz guter Teil, vor allem, wenn man bedenkt, dass der Klamauk des letzten Teils beträchtlich zurückgefahren wurde und somit eigentlich gar nicht mehr vorhanden ist.

Die Liebesgeschichte zwischen Benny und Bobbys Schwester (die bis dahn noch nie erwähnt wurde) ist ganz süß anzusehen und damit ist es gut, dass dieser Teil wieder etwas ernster wird. Leider sind aber auch die Gags nicht ganz so gelungen sind wie zuvor, denn größtenteils kopieren/wiederholen sie nur das, was in den vorigen Teilen schon in voller Breite ausgerollt wurde. Die Schmonzette, die dadurch auch leider nicht ganz so charmant ist wie die der ersten Teile, rückt viel zu sehr in den Vordergrund und lässt den Spaß, den die Reihe eigentlich verkörpert, etwas in den Hintergrund rücken.

Sogar der Soundtrack ist hier etwas schwächer als zuvor, wenn auch natürlich immer noch ganz in Ordnung. " Lemon Popsicle: Baby Love" ist aber immer noch ein guter Film, der einfach das Problem hat, dass er ein wenig im Schatten seiner großen Vorgänger verkümmert. Er kommt nur in wenigen einfach nicht an diese Messlatte heran und wird zu keinem Zeitpunkt so witzig wie es zum Beispiel "Hasenjagd" oder "Liebeleien" waren.

6/10

The Texas Chainsaw Massacre - Blutgericht in Texas (1974)

http://www.imdb.com/title/tt0072271/

18. August 1973, Texas: Ein Friedhof wurde geschändet, die Leichen aus ihren Gräbern entfernt und zu bizarren Figuren angeordnet. Sally Hardesty (Marilyn Burns) und ihr im Rollstuhl sitzender Bruder Franklin (Paul A. Partain) sind besorgt, dass auch das Grab ihres Großvaters verwüstet wurde. Also reisen sie mit Sallys Freund Jerry (Allen Danziger), ihrer besten Freundin Pam (Teri McMinn) und deren Freund Kirk (William Vail) nach Texas. Als sie feststellen, dass die Ruhestätte intakt ist, fahren sie weiter zu dem alten, verlassenen Hof der Familie Hardesty. Unterwegs nehmen sie einen etwas kauzigen Anhalter (Edwin Neal) mit, den die Gruppe aber aufgrund dessen merkwürdigen Verhaltens wieder auf die Straße setzt. Wenig später erreichen die Freunde eine Tankstelle. Dort bekommen sie zwar kein Benzin, dafür jedoch hat ein alter Mann (Jim Siedow) einen wichtigen Rat: sie sollen umkehren! Doch die jungen Leute schlagen die Warnung in den Wind. Schließlich entdecken Kirk und Pam ein Haus und wollen die Bewohner nach Benzin fragen. Sie ahnen nicht, dass dort das leibhaftige Grauen wohnt: eine degenerierte Sippe, die ihr Heim mit menschlichen und tierischen Überresten dekoriert. Ein Familienmitglied, Leatherface (Gunnar Hansen), trägt Maske und Kettensäge...

Frei nach den grausamen Taten des Massenörders Ed Gein, der in den USA der fünfziger Jahre aktiv war, schuf Tobe Hooper im Jahre 1974 den bis heute wohl bekanntesten aller Horrorfilme: "The Texas Chainsaw Massacre". Und was diesen Film bis zum heutigen Tag so verstörend macht, ist nicht der Gewalt zu verdanken, von der es in einem Film mit dem reißerischen Titel (übersetzt) "Kettensägenmassaker" überraschend wenig gibt, sondern an der nervenzerreißenden Atmosphäre und wie realistisch sich der Film im Vergleich zu so vielen anderen Slashern anfühlt. Schon in den ersten Minuten weiß Regisseur Tobe Hooper eine unvergleichlich ungemütliche Atmosphäre zu erzeugen, als eine Gruppe Freunde dazu einwilligen, einen Fremden auf der Straße in ihren Wagen zu lassen. Doch statt dass wir schon im Voraus wissen, was auf die jungen Erwachsenen zukommt, verzichtet der Regisseur weitestgehend auf gruselige, laute Musik, die dem Zuschauer direkt verrät, dass sie Gefahr erwartet. Genau wie die Gruppe hat das Publikum nicht die leiseste Ahnung, was auf es zukommt, es wirkt fast schon so, als würde man sie auf ihrem Horrortrip begleiten.


Selbst Leatherface, einer der berühmtesten Gesichter im Horror-Genre bekommt keinen großen Auftritt wie so viele andere Killer, sondern kommt ganz natürlich um die Ecke ohne einem aufgezwungenen Jumpscare-Soundeffekt und schlägt genau den Charakter zu Boden, von dem man bei jedem anderen Horrorfilm nicht erwartet hätte, dass er als erstes ins Gras beißt. Genau das macht "The Texas Chainsaw Massacre" so grandios: er hält sich an keine Horrorfilm-Formel, trotz der altbekannten Prämisse. Es gibt keine Heldenmomente; kein überzogenes Drama mit trauriger Musik, wenn einer der Hauptcharaktere weg vom Fenster ist, der ganze Film dreht sich nur darum, zu überleben und dem Wahnsinnigen mit der Kettensäge zu entkommen.


Nicht nur das Setting unterscheidet Hoopers Werk von vorherigen Produktionen, denn The Texas Chainsaw Massacre bricht konsequent mit konventionellen Strukturen und Strategien des Horrorgenres. Statt wohligen Grusel aufzubauen, prägte The Texas Chainsaw Massacre den Begriff des Terrorfilms, der sein Publikum mit größtmöglicher Eskalation konfrontiert, der nicht selten auch eine degenerierte Perversion innewohnt: wo Geister und Vampire noch als Werkzeuge höherer Mächte wirken und ihrem Tun zumindest eine immanente Logik zugrunde liegt, gebären im Terrorfilm Stumpfsinn und Wahnsinn der Menschen groteske Bluttaten, deren Wesen keinerlei Funktion mehr erfüllt, sondern vollkommen sinnlos erscheint. Wo altmodische Horrorfilme unsere Synapsen mit schemenhaften Gruselsymptomen lediglich anregen, agiert der Terrorfilm absolut konkret, überfährt und überfordert uns mit seiner so anarchischen wie stumpfen Direktheit.

Und trotz der über 40 Jahre, die der Film auf dem Buckel hat, gehört vor allem das letzte Drittel des Films zu einer der verstörendsten Sequenzen, die man je gesehen hat. Statt dass der Film den Zuschauer Luft lässt und nur mit seinen blutigen Toden unterhält (die man eigentlich so gut wie gar nicht sieht), wie es so viele Filme heutzutage tun und sich als Slasher ausgeben, terrorisiert der Film auch den Zuschauer selbst. Der Film ist ungemütlich, dreckig, nicht vorhersehbar und schlägt dem Zuschauer oft genug ins Gesicht, sodass man in den letzten Minuten verzweifelt hofft, dass sich für wenigstens eine Person alles zum Guten wendet. Selten fühlt sich ein Horrorfilm so echt an, selten wurde ein Slasher so unkonventionell erzählt und in Szene gesetzt. Hut ab!

8,5/10

Von TURBINE Medien kommt der Film als deutsche Erstauflage ungeschnitten und unzensiert im auf 5.000 Stück limitierten DigiPak auf BD in HighDefintion.

Freitag, 15. September 2017

Johnny Mnemonic - J0HNNY_MN3M0N1C - Vernetzt: Johnny Mnemonic (1995)

http://www.imdb.com/title/tt0113481/

Im Jahre 2021 wird die Welt von High-Tech-Konzernen beherrscht, anarchistische Hacker treiben im globalen Datennetz ihr Unwesen und handeln mit Informationen, dem wertvollsten Gut überhaupt. Die Hälfte der Erdbevölkerung leidet am "Nerve Attenuation Syndrom" (NAS), für das es bisher kein Heilmittel gibt. Johnny (Keanu Reeves) ist ein mnemonischer Kurier und schmuggelt gestohlene Daten mittels einer in seinem Gehirn implantierten Speicherkarte. Ein mächtiger Pharmacom-Konzern beauftragt ihn, 320 Gigabyte an wichtigen Information von Beijing nach Newark zu bringen, was seine Kapazitäten jedoch weit überschreitet. Obwohl eine Überlastung seines Gehirns seinen Tod bedeuten könnten, nimmt er den Auftrag an. Geplagt von Flashbacks seiner Kindheit, die er zugunsten eines größeren Datenspeichers geopfert hat, bleiben Johnny nur noch 24 Stunden um die Informationen aus seinem Kopf zu bekommen. Doch das erweist sich als schwieriger als erwartet, denn plötzlich sind ihm nicht nur die Besitzer der Daten hinter ihm her, sondern auch eine Untergrundorganisation, die ein Heilmittel für NAS in den verschlüsselten Informationen vermutet...

"Johnny Mnemonic" ist, einfach geschrieben, eine dünne Story geschickt verpackt in eine interessante Aufmachung. Der Actionfilm basiert auf der Kurzgeschichte "Der mnemonische Johnny" von William Gibson, der dem Science-Fiction Sub-Genre Cyberpunk angehört. Nachdem dessen Roman "Neuromancer" ein enormer Hit wurde, haben die Fans eine Verfilmung dessen ungeduldig erwartet, obwohl es hieße, dass Gibsons Werke nicht als Film funktionieren würden. Es wurde viel spekuliert und Gerüchte in die Welt gesetzt um vermeintliche Verfilmungen, bis sich zwei sogar wirklich als Neuromancer-Verfilmungen entpuppten. Die eine ist "Johnny Mnemonic" und die andere stellte sich schließlich als "The Matrix" heraus. In beiden spielt Keanu Reeves die Hauptrolle. Zum Ärger der Fans wurden jedoch nur Figuren und Schauplätze der Kurzgeschichte "Der mnemonische Johnny" verwendet, die Handlung der Protagonisten wurde gänzlich verändert und so fielen die Kritiken auch ziemlich vernichtend aus.

Wenn man aber weder die Kurzgeschichte noch irgend einen Roman dazu gelesen hat, relativiert sich alles. Die Kulissen von "Johnny Mnemonic" sind tatsächlich phantastisch gestaltet, auch die Kostüme von J-Bone (Ice-T) und seiner Crew waren (für die Zeit) nahezu genial. Besonder gefällt jedoch die Aufmachung der Computervernetzungen, diese ganze Animation und die gemalten, comicartigen Bilder, die hin und wieder im Film zu sehen sind. Der Film stammt aus den 90ern und man bekommt komischerweise aber immer das Gefühl, einen 80er Jahre Klassiker zu sehen, was im Grunde ziemlich cool ist. Die Storyline hingegen ist ziemlich platt. Sie beginnt mit einem richtig spannenden Einstieg, verläuft irgendwann im Mittelteil zu sehr in Herumgerenne und einsilbigen Dialogen und findet auch bis zum Ende nicht komplett zu alter Form zurück. Es ist so simpel wie möglich: Johnny muss seine Daten aus dem Kopf kriegen und läuft von einer Station zur nächsten. Klar gibt es währendessen ein wenig  Action zu sehen, diese flaut jedoch schneller ab, als sie gekommen war.

So dümpelt der Film ein wenig dahin, kann jedoch mit einem spannenden Showdown wieder etwas an Fahrt gewinnen. Hauptdarsteller Keanu Reeves spielt nicht überragend, aber auch nicht schlecht. Neben Dina Meyer und Dolph Lundgren (den man anfangs kaum erkennt), Takeshi Kitano und Udo Kier liefert er aber immer noch eine ganz passable Performance ab, während einem alle anderen Darsteller nahezu "verheizt" vorkommen, da sie nur wenig bis gar nicht beleuchtet werden. Seis drum, "Johnny Mnemonic" unterhält, wenn auch nur knapp über dem Mittelmaß. Die Ausarbeitung der Cyberwelt ist dafür ein wahrer Hochgenuss.

6,5/10

Von TURBINE Medien kommt der Film als Erstauflage im auf 1.000 Stück limitierten Mediabook und weltweit erstmalig auf BD in HighDefintion, inkl. der japanischen Langfassung (OmU).

Dienstag, 12. September 2017

Body Of Lies - Der Mann, der niemals lebte (2008)

http://www.imdb.com/title/tt0758774/

Der CIA-Agent Roger Ferris (Leonardo DiCaprio) arbeitet undercover im Nahen Osten. Seine Aufgabe ist es, den USA wichtige Informationen im Kampf gegen den Terrorismus zu verschaffen. Dabei wird er von seinem Verbindungsoffizier Ed Hoffman (Russell Crowe) von Langley aus mit Instruktionen versorgt. Mit dem Mobiltelefon am Ohr und den Augen auf dem Satellitenschirm, der jede Bewegungen von Ferris erfasst, ist Hoffman stets live mit dabei. Als Europa von mehreren schweren Bombenanschlägen erschüttert wird, soll Ferris die Urheber aufspüren. Er versucht, das Netzwerk des Terrorchefs Al-Saleem (Alon Aboutboul) zu infiltrieren, jedoch ohne einen entscheidenden Schritt voranzukommen. In Jordanien sucht er deswegen die Zusammenarbeit mit Hani Salaam (Mark Strong), dem zwielichtigen Chef des jordanischen Geheimdienstes. Ferris muss Salaam vertrauen, um an Ergebnisse zu kommen. Doch sein Vorgesetzter Hoffman hat andere Pläne für die Operation...

"Ein Menschenleben ist oft nicht mehr Wert als die Information, die man aus diesem herausquetscht!" - allein mit dieser Aussage im Film ist "Body Of Lies" auch nach fast 10 Jahren noch ein leider allzu aktueller Film zum großen "Schachbrett des Terrors". Hier sind Menschenleben nicht viel wert, im Gegensatz zu Informationen, wen man als nächstes gegeneinander ausspielen, foltern oder töten muss, um an die nächsten Informationen zu kommen, bis man der Hydra endlich wieder mal einen Kopf abschlagen kann.

Der Agenten-Action-Thriller von Altmeister Ridley Scott spielt auf sehr hohem Niveau, sodass man es sich kaum leisten kann auch nur eine Minute zu verpassen. In gewohnter Scott-Qualität, sehr stylish, durchdacht und modern in Szene gesetzt - wie man es erwarten würde. "Body Of Lies" ist aber nicht nur deswegen ein sehr guter Film. Er versucht, das Handeln und Denken der USA mit ihrer Nahost-Politik anschaulich darzustellen, welches bestimmt wird von Paranoia, Weltführungsanspruch und teilweise sogar verzerrter Wahrnehmung der Realität. Dazu kann Scott mit seinem Schauspielgespann Russell Crowe und Leonardo DiCaprio aus dem Vollem schöpfen, die beide mit einer sehr starken Leistung aufwarten. DiCaprio kann als Agent, dessen Ansichten zum Erreichen des großen Ziels langsam ins Straucheln geraten, souverän überzeugen. Crowe schiebt auf dem Schachbrett, welches augenscheinlich mehr als 64 Felder zu haben scheint, die Figuren von der amerikanischen Seite aus ins Spiel. Sein Charakter ist recht selbstgefällig, skrupellos und nicht weniger fanatisch. Seine Schach-Figuren bewegt er oft ganz beiläufig, während er sich um seine Kinder kümmert, sie zur Schule bringt und dabei wie selbstverständlich über Exekutionen spricht oder nur frühstückt. Die daraus resultierende und kalkulierte Ineffizienz zwischen beiden führt dazu, dass selbst der jordanische Geheimdienst mit seinen begrenzten Mitteln zum Erfolg kommt, während die Amerikaner eher das Bild von Hazardeuren abliefern. Das dürfte der Realität überraschend nahe kommen - man merkt schlicht, dass hier nicht Michael Bay Regie führt.

Matchwinner des Films ist aber mal wieder ganz klar Mark Strong als Leiter des jordanischen Geheimdienstes, der 'Fingernagelfabrik'. Seine Aura gleicht der eines lauernden Raubtieres, elegant in der Erscheinung, immer bereit zum tödlichen Sprung. Eine geniale Vorstellung. Im Film wird immer wieder gesagt, dass "in diesem Mist niemand unschuldig sei", und genau darauf wird es hinaus laufen. Der Plot des gut zweistündigen Films ist offensichtlich durchdacht und hochspannend, wenn auch manchmal etwas weit hergeholt. Jedoch fällt dies gegenüber der ansonsten hohen Qualität und der Kernaussage von "Body Of Lies" kaum ins Gewicht. Es ist ein leicht nachhaltiger Agenten-Thriller mit sehr gutem Cast in geleckter Optik, brisant, elektrisierend und verzwickt, aber sicherlich auch 10 Minuten zu lang.

8/10

Montag, 11. September 2017

Ninja Assassin (2009)

http://www.imdb.com/title/tt1186367/

Raizo (Rain) ist einer der gefährlichsten Auftragskiller der Welt - seit ihn der Ozuno-Clan als Kind aus der Gosse geholt und zu einer perfekten Tötungsmaschine ausgebildet hat. Aber als die Geheimorganisation, die viele bloß für einen Mythos halten, seine Freundin brutal hinrichtet, bricht Raizo mit dem Clan - und verschwindet. Nun bereitet er seine gnadenlose Rache vor und wartet. Währenddessen stößt Europol-Agentin Mika Coretti in Berlin auf dunkle Geldgeschäfte, die eine mysteriöse Killerbande aus dem Fernen Osten mit politischen Morden in Verbindung bringt. Obwohl es ihr Vorgesetzter Ryan Maslow ausdrücklich untersagt, schnüfflt sie in streng geheimen Unterlagen herum, um die Wahrheit herauszufinden. Doch durch die Ermittlungen gerät sie plötzlich selbst ins Visier des Ozuno-Clans. Er schickt sein Killerteam, angeführt von dem brutalen Takeshi, um Mika Coretti für immer zum Schweigen zu bringen. Raizo gelingt es zwar, sie zu retten, doch er weiß: Der Clan wird nicht eher ruhen, bis sie beide ausgelöscht sind. Sie geraten mitten in Berlin in ein tödliches Katz- und Mausspiel. Jetzt kommt es für Raizo und Mika darauf an, einander zu vertrauen und zusammenzuhalten, wenn sie überleben und den Ozuno-Clan zur Strecke bringen wollen...

Eins vorweg: man sollte bei einem Titel wie "Ninja Assassin" keinen Actionthriller mit spannenden Intrigen auf internationaler Ebene rechnen, sonder eher mit Ninjas, die irgendwelche Leute niederstrecken. Und genau das bekommt man zusammen dem üblichen cineastischem Aufbau: das Training der Jungen, die diszipliniert und in höchster Perfektion ausgebildet werden, um schließlich einen Hauptdarsteller zu bekommen, der durch seine Ausbildung ein Übermensch geworden ist und sich immer wieder an Szenen aus seiner Vergangenheit erinnern kann, um in einer aussichtslosen Situation, eine, seiner Herkunft gerechten Aktionen zu bringen, um schließlich den Kampf gegen einen weiteren, aber viel böseren Übermenschen zu gewinnen. Dazu bekommt man noch eine austauschbare Liebesgeschichte, die einen mäßig bis gar nicht mitnimmt. In diesen Punkten macht "Ninja Assassin" also nichts neu.

Deswegen bleibt "Ninja Assassin" nur noch die Action um zu punkten. Diese ist konsequent mit CGI Blut, welches noch nie schlechter ausgesehen hat, und Albernheiten überladen, was dem Film kurioserweise unterhaltsam macht. Der Protagonist wird mit (gefühlt) 20 Shuriken durchlöchert, um danach von einem Hochaus zu fallen und das ganze zu überleben. Oder mit einem Katana einmal quer durch den Bauchbereich geschnitten, um hinterher eine kümmerliche Schnittwunde davon zu tragen. Solche Szenen sind bei "Ninja Assassin" keine Seltenheit und quasi andauernd wird Raizo zerfleischt, nur um danach die nächsten 20 Ninja zu zerschlagen, als wären das nur irgendwelche Stümper und hätten keine ähnliche Ausbildung durchgemacht. Der Film ist daher durchweg unspannend und die Schauspielerei aller Beteiligten macht es nicht besser.  Als wäre das nicht genug, übertreiben es die Macher ab einem gewissen Punkt mit der Unlogik und dem ganzen CGI-Splatter, dass man öfter, zum eigenen Erstaunen, laut loslachen muss, nur um im nächsten Moment wieder den Kopf zu schütteln. Dieser (in gewissen Szenen an "Mortal Kombat" erinnernder Verschnitt macht irgendwo doch noch Laune, ist nicht zu lang oder zu kurz und bietet für einen Hirn-raus/Action-rein-Abend durchaus ganz gute Unterhaltung.

5,5/10

Samstag, 9. September 2017

The Ice Storm - Der Eissturm (1997)

http://www.imdb.com/title/tt0119349/

Die 70-er Jahre in den USA bei Lichte besehen: Die sexuelle Aufklärung tobt und mit ihr der Partnertausch, die Wasserbetten und der schlechte Geschmack. Der Regisseur Ang Lee zeichnet das Leben von zwei benachbarten wohlanständigen Mittelstandsfamilien. Papa Ben Hood von der einen Familie hat ein Verhältnis mit Mama Carver von der anderen Familie. Bens Frau ist neurotisch: Sie stiehlt kräftig in Läden und liest Sexualratgeber. Wer selbst so sehr mit seiner eigenen Entwicklung beschäftigt ist, kommt nicht dazu, sich um seine pubertierenden Kinder zu beschäftigen. Und so mündet der Film bei aller vorhergehenden Komik in einen Eissturm und einem tragischen Ende...

Ein Film für Cineasten und Zuschauer mit Verstand. Der Film hat einen subtilen Humor und durchleuchtet die törichte, amerikanische Familie der 70er Jahre. Eine Gesellschaftsstudie. November 1973, Thanksgiving-Wochenende. Die Watergate-Affäre hat erst begonnen, der Vietnam-Krieg ist bereits zu ende, die sexuelle Revolution hat inzwischen auch die Vorstädte der Ostküste erreicht. Zwei benachbarte, befreundete Familien. Beide sind nur auf den ersten Blick glücklich. Der introvertierte Paul (Tobey Maguire) fährt aus dem Internat heim. Während Paul für eine Mitschülerin (Katie Holmes) schwärmt, wird seine Schwester (Christina Ricci) vom ältesten Sohn (Elijah Wood) der Nachbarn angehimmelt. Seine Mutter (Joan Allen) ist vom Familienalltag frustriert, sein Vater (Kevin Kline) steigt der Nachbarin (Sigourney Weaver) nach. Affären, Betrug und Verletzlichkeit verbinden die Eltern, die vergeblich versuchen eine funktionierende Scheinrealität aufrecht zu erhalten. Die Unsicherheit des Erwachsenwerdens und vorsichtige Zuneigung zueinander verbinden die Kinder. Nach und nach erst offenbaren sich die tiefen, emotionalen Risse in der nur äußerlich makellosen Fassade. Der titelgebende Eissturm ist dabei lediglich Katalysator einer Zerrissenheit, die sich schon längst ihren Weg in die Familien gesucht hat. Am Ende wird er seine Opfer fordern, physisch wie psychisch. Und Ang Lee hält dies in grandios bitteren, zärtlichen Aufnahmen fest.

Lee rekonstruiert einerseits sehr detailliert die US-Gegenwart der 70er und demontiert andererseits, die damalig herrschenden familiären Sitten aufgrund der sozialen Umbrüche. Dies weckt Zweifel am angeblichen Erfolgsmodell der Liberalisierung, die sich in den Staaten breit machte. Die beiden bürgerlichen Familien dienen hier als Spiegelbild der amerikanischen Gesellschaft der 70er. Die "Schlüsselparty" ist nicht nur ein Relikt jener Zeit. Sie dient innerhalb der Handlung auch als Verweis auf den Egoismus der Erwachsenen. Die Folge dieser gesellschaftlichen Zusammenkunft sind Konflikte und die Besinnung auf einstige Werte. Auch wenn Ang Lee eine recht einseitige und teilweise zynische Abrechnung betreibt, ist sein Sozialdrama stilistisch beeindruckend und emotional intensiv. Einzig das moralgetränkte Ende will nicht ganz so recht passen. Aber sei's drum. "Der Eissturm" ist nicht nur wegen der herausstechenden Besetzung sehenswert, er gehört aufgrund Story, Inszenierung, Aussage und Empfindlichkeit definitiv zu Ang Lees besten Werken.

8/10

Freitag, 8. September 2017

Moonlight (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4975722/

Der neunjährige, "Little" genannte Chiron (Alex R. Hibbert) spricht nicht viel. Er frisst den Kummer in sich hinein, den seine alleinerziehende Mutter Paula (Naomie Harris) mit ihrer Cracksucht verursacht. Es braucht eine Ersatzfamilie, den Drogenhändler Juan (Mahershala Ali) und dessen Freundin Teresa (Janelle Monáe), damit sich der Junge langsam öffnet. Als Teenager (Ashton Sanders) hat Chiron dann starke Probleme an der Highschool – weil er anders ist, mit seinem besten Kumpel und Schulkameraden Kevin (Jharrel Jerome) die ersten homosexuellen Erfahrungen macht. Schließlich, mit Ende 20, hat Chiron die Opferrolle abgelegt. Er nennt sich Black (Trevante Rhodes) und macht sein Geld als Drogendealer. Ein überraschender Anruf von Kevin (André Holland) aber löst etwas in ihm aus: Der Freund von früher, inzwischen ein Koch, bittet Black, ihn in Miami zu besuchen...

"Wer bist du?" wird Chiron am Ende des Films gefragt und genau darum geht es auch in diesem Werk. Inwieweit ist der Selbstentwurf von äußeren Faktoren bedingt? Inwieweit lassen sich die widrigen Umstände einer Vita überwinden? Was erfasst uns so im Kern, dass es noch lange Zeit nachwirkt und sich gar als konstitutiv für unsere Identität darstellt? In drei ruhigen, sehr gefühlvollen Episoden jenseits von Kitsch, Gefühlsduselei und Klischees werden drei Lebensabschnitte punktuell beleuchtet, die aber freilich nicht beliebig daher kommen, sondern maßgeblichen und tiefen Einblick in den unsicheren und in seiner Entfaltung gehemmten Charakter des Filmhelden gewähren. Man fühlt sich ein in den von der Welt gebeutelten jungen Mann, der sich kaum bis nicht auszudrücken vermag, aber durch kathartische Entladungen letztlich zunehmend auf die Bahn der Selbstfindung geleitet wird. Die drei Geschichten sind in sich rund und könnten auch alleine stehen, weiten im Gesamtgefüge aber freilich den Horizont.


"Moonlight" ist nicht deshalb ein so guter Film, weil es ein "schwarzer Film" ist, sondern weil es ein guter Film ist. Die rassische Frage ist dabei weitgehend irrelevant, die gesamte Story würde in einem White Trash Setting in etwa ebenso aussehen. Es ist das Soziale, nicht die Hautfarbe, auf das hier fokussiert wird. Es ist ein sensibles Portrait eines Außenseiters, der in einer machohaften Umgebung bereits in der Schule gemoppt wird, weil er anders ist, von schmächtiger Statur und schwul. In drei Kapiteln wird ein Großteil des Lebens von Chiron (Ashton Sanders, Alex R. Hibbert, Trevante Rhodes) beschrieben: Vater auf und davon, Mutter (eindrucksvoll Naomie Harris ist ein Junkie) und nur der Drogenboss der Gegend Juan (Mahershalla Ali) nimmt sich seiner an.

Aus der durchgängig dichten Atmosphäre ragen wegen ihrer darstellerischen Brisanz besonders drei Szenen heraus: als Chirons Freund Kevin (André Holland) ihn am Strand 'berührt', was ihn zeitlebens geprägt hat, dann Chirons Gespräch mit seiner Mutter, die einen Entzug macht und schließlich der Besuch Chirons nach Jahren bei Kevin. Die letzte Einstellung lässt es offen, was da zwischen den beiden Männern läuft. Überhaupt bleibt die Kamera auch schon vorher diskret auf Distanz. Der homoerotische Aspekt ist zwar latent vorhanden, bleibt aber letztendlich marginal.

Entscheidend ist, was aus Chiron und Kevin geworden ist: der eine tritt in die Fußstapfen seines Ersatzvaters. Ein Muskelprotz mit Goldkette und goldene Grills im Mund. Der andere hat eine Tochter und arbeitet als Koch. Zwei Optionen, die belegen, dass es fifty-fifty steht, was man aus seinem Leben macht, egal welche Hautfarbe man hat. Das ist genau das Verhältnis zwischen Nature und Nurture sagt die Wissenschaft. Das Original meint "Im Mondlicht sehen die farbigen Jungs blau aus". "Moonlight" ist ein sehr guter und ungemein berührender Film. "Moonlight" hat seine Lorbeeren und auch die Oscars allemal verdient.

8,5/10

Von DCM Film Distribution kam der Film auch im schicken, limitierten und glanzveredelten Mediabook.

The Night Before - Die Highligen drei Könige (2015)

http://www.imdb.com/title/tt3530002/

Viele Menschen nehmen das Weihnachtsfest zum Anlass, besinnliche und ruhige Tage im Kreise ihrer Liebsten zu verbringen. Eine ganz andere Tradition pflegen jedoch die drei High-School-Freunde Ethan (Joseph Gordon-Levitt), Isaac (Seth Rogen) und Chris (Anthony Mackie). Jedes Jahr treffen sie sich am Heiligen Abend, um New York City unsicher zu machen und es auf einer fetten Party so richtig krachen zu lassen. Obwohl die Männer mit zunehmendem Alter mehr und mehr an den Spuren der exzessiven Nacht zu knabbern haben, denken sie nicht daran, bei ihrer jährlichen Sause einen Gang runterzuschalten. In diesem Jahr aber wissen die Herren, dass ihr letztes weihnachtliches Treffen ansteht. Unterschiedliche Lebenswege zeichnen sich ab, zu denen auch die Familiengründung gehört: Isaac und seine Freundin Betsy (Jillian Bell) werden ein Baby bekommen. Also will das Kumpel-Trio noch mal so richtig die Sau rauslassen und auf der besten Weihnachtsparty überhaupt abfeiern. Im Gepäck haben die Jungs ein Geschenk von Betsy: eine bunte Mischung diverser Drogen...

"The Night Before" ist ein Film über einen wilden, aufregenden Partyabend und aber auch gleichzeitig eine irgendwie doch besinnliche Weihnachtskomödie, die schön unklischeehaft ist und manch witzige Anspielung auf Weihnachten und Weihnachtsfilme (inkl. der sehr freien Interpretation der "Weihnachtsgeschichte" von Charles Dickens) beinhaltet. Die Geschichte der drei Jungs hat eine nette Tradition und es macht Spaß, die drei, die eine sehr gute Chemie besitzen, zusammen zu sehen; doch es geht nicht nur um Partymachen und Freundschaft, auch in den einzelnen Storysträngen, von denen jeder weitestgehend interessant ist, stecken weihnachtliche Botschaften. Seth Rogen ist zwar fast den ganzen Film auf Drogen, doch dadurch entstehen viele absurde und dadurch witzige (sofern man auf Rogen-Humor steht) Situationen und auch innerhalb der verschiedenen Trips gibt es immerhin Abwechslung.

Anthony Mackie bleibt hier am blassesten und hat auch verglichen die am wenigsten spannende Geschichte. Joseph Gordon-Levitt ist als sympathischer Loser das Herz des Films und seine Szenen zusammen mit der tollen Lizzy Caplan sind die Highlights des Films, weil sie sehr schlagfertig sein kann und die ernsthaften, emotionalen Momente zwischen den beiden gut funktionieren. Auch in den Nebenrollen ist der Film gut besetzt, keiner versaut seine Stelle; hier ist Michael Shannon als undurchsichtiger Dealer ist ein echtes kleines Highlight. Aber auch der Grinch, Jillian Bell und Mindy Kaling sorgen für einige Lacher. Diese Mischung aus Bromance- und weiblichem, aber gleichzeitig auch derbem Humor gibt ihm viel Abwechslung, sodass ich einige Male herzlich auflachen musste. Dadurch und durch die interessante narrative Struktur wird der Film nie langweilig, sondern bleibt durchweg unterhaltsam.

"Die Highligen drei Könige" ist damit definitiv kein neuer "Weihnachtsklassiker" aber die bei dem bescheuerten deutschen Titel befürchtete Katastrophe ist es auch nicht. Seth Rogen und seinen Humor muss man schon mögen, allerdings ist der Witz "Menschen auf Drogen machen komische Sachen" langsam etwas ausgelutscht.

6,5/10

Leprechaun - Leprechaun: Der Killerkobold (1993)

http://www.imdb.com/title/tt0107387/

Es ist nicht leicht, rechtzeitig ans Ende eines Regenbogens zu gelangen (zudem wenn er bekanntlich zwei Enden hat), um sich des dort vorzufindenden Goldtopfes zu bemächtigen. Und so ist einem Leprechaun, dem grüngewandeten kleinen Mann, das schwer erlaufene Gold mehr als lieb und teuer. Wehe dem also, der ihm den Topf abspenstig zu machen gedenkt! Und so folgt der Leprechaun (Warwick Davis) Dan O'Grady (Shay Duffin) in die Staaten, nachdem dieser dem Kobold das Gold abgeluchst hatte. Nachdem der Leprechaun O'Gradys Gattin getötet hat, gelingt es O'Grady den bösen Zwerg mithilfe eines vierblättrigen Kleeblatts in eine Kiste zu bannen, bevor ihn ein Hirnschlag niederstreckt. Zehn Jahre später zieht  J. D. Redding (John Sanderford) mit seiner halwüchsigen Tochter Tory (Jennifer Aniston) in das Farmhaus, nicht um die düstere Geschichte wissend. Bei Renovierungsarbeiten durch Nathan (Ken Olandt) und seinen Bruder Alex (Robert Hy Gorman) sowie den zurückgebliebenen Kumpel Ozzie (Mark Holton) wird der Leprechaun unbeabsichtigt befreit. Und dieser setzt sofort alles daran, sein Gold zurückzubekommen - notfalls mit todbringender Gewalt.

"Leprechaun" von Mark Jones wäre gerne hemmungsloses 80er Horror-Trash-Amüsement. Doch so wenig er zeitlich noch in dieses Jahrzehnt passt, so wenig gelingt es ihm auch, eine kurzweilige und bündige Horrorshow mit viel gewolltem und ungewolltem Humor zu inszenieren. Dabei ist der titelgebende grüne Kobold von der Insel wohl eine der interessantesten, weil merkwürdigsten und eigenwilligsten Figuren der Horrorfilmgeschichte. Entgegen der vielen altbekannten Bösewichte, die mit ihrer unterschiedlichen Bewaffnung und einem festen Vorsatz zu töten ausgestattet sind, liegen dem Leprechaun vor allem zwei Dinge am Herzen: Gold und saubere Schuhe. Die Gleichung ist mit diesem Wissen leicht: Wer das Gold des Kobolds stiehlt, wird getötet; wer dreckige Schuhe trägt oder besitzt, bekommt sie geputzt. Als wäre das nicht schon schräg genug, macht der Winzling, der im Übrigen grandios von dem kleinwüchsigen Warwick Davis verkörpert wird, aus jeder Konfrontation mit seinen Opfern ein tödliches Spiel, das von seinem allgegenwärtigen Gackerlachen begleitet wird. Dieser Knirps hat einfach immer eine Menge Spaß und setzt dem grimmigen Ernst vieler Slasher eine kindlich verspielte Seite gegenüber - obwohl natürlich hier wie in ähnlich gelagerten Horrorstreifen im Endeffekt gemordet wird.

Aber trotz dieses irrwitzig unterhaltsamen Antagonisten ist "Leprechaun" nicht mehr als eine wirre und überwiegend langweilige Nummern-Revue. Während jede einzelne Jagd- und Killsequenz für sich genommen mit sprühenden Einfällen verspielt und amüsant daherkommt, ist das restliche Handlungsgeschehen inklusive aller beteiligten Figuren ein Totalausfall. Entweder wurde dem Drehbuch zu wenig Zeit gewidmet oder es wurde schlichtweg verhunzt, denn selten hat man so überwiegend leblose und unsympathische Figuren in ein wirres Spektakel geschickt. Selten war ein Horrorfilm so zerfahren inszeniert, dass das erste Auftreten des Bösewichts viel zu früh kommt, um dann im Anschluss in ein wüstes "Ups, da bin ich wieder!" ohne erkennbare Logik zu verfallen. Es fehlt "Leprechaun" an alle Ecken und Enden an einer narrativen Gesamtstruktur, die das Kasperletheater des grünen Winzlings in eine konsumierbare Form gießt. So bleiben am Ende zweifellos einige Höhepunkte im Gedächtnis, sodass jeder für sich selbst entscheiden sollte, ob er das nötige Sitzfleisch für die volle Spielfilmlänge mitbringen will.

4,5/10

Donnerstag, 7. September 2017

[KINO] American Made - Barry Seal: Only In America (2017)

http://www.imdb.com/title/tt3532216/

Der Pilot Barry Seal (Tom Cruise) nutzt in den 80er-Jahren seinen Flugschein, um mit Drogen- und Waffenschmuggel das große Geld zu machen. Einen wesentlichen Teil seiner illegalen Aktivitäten wickelt er dabei im kleinen Örtchen Mena im US-Bundesstaat Arkansas ab. Doch seine Erfahrung als Schmuggler macht ihn auch für die CIA interessant, die ihn schon bald für verdeckte Operationen in Südamerika rekrutiert. Barry entdeckt jedoch schnell, dass er weiterhin mit den verschiedensten Parteien Geschäfte machen kann und so verstrickt er sich in ein kompliziertes Netz aus Machenschaften, an dem amerikanische Geheimdienste, Guerrillakämpfer aus Nicaragua und das von Drogenbaron Pablo Escobar geführte Medellin-Kartell beteiligt sind. Schon bald macht ihn sein Doppelleben als Schmuggler und Geheimagent zu einem der reichsten Männer der USA, doch das zieht schnell neue Probleme nach sich...

Es gibt wahre Geschichten, für die Drehbuchautoren eigentlich nur dankbar sein können. Die von Pilot Barry Seal, der während der Hochphase des kolumbianischen Drogenhandels für die Kokain-Könige (u.a. Pablo Escobar) schmuggelte und zeitgleich außerdem für den CIA arbeitete und im Flug über den mittelamerikanischen Raum Fotos schoss, ist so ein Fall. Als fiktive Handlung würde man sie wohl als zu konzipiert, übertrieben und schlicht und ergreifend unrealistisch abtun. Als historische Begebenheit offenbart die Geschichte aber alles, was ein gut unterhaltender Film bieten sollte: eine interessante Hauptfigur, ein gelungener Spannungsbogen und die Erkenntnis, dass selbst absurdeste Dinge möglich sind. Dieses Gesamtpaket wird dazu von der flotten und stilistisch sauberen Inszenierung von Regisseur Doug Liman komplettiert, der nach "Edge Of Tomorrow" erneut mit Tom Cruise zusammenarbeitet, der hier zwar erneut sein Sonnyboy-Image pflegt, aber anders als im Flop "Die Mumie" verkommt es hier nicht zum öden Exzess. Seine Darstellung bleibt trotz seines tpyischen Lächelns stets menschlich und es ist gerade diese Charakterisierung, die dazu führt, dass viele Szenen des Films erst richtig kraftvoll wirken. Wobei "Barry Seal: Only In America" keine Produktion ist, die sich selbst so ernst und wichtig nimmt. Mit den Werkzeugen der sanften satirischen Überzeichnung und ironischen Stichelei wird zum einen die Zeitepoche immer wieder als ambivalent entlarvt, zum anderen wird die wirklich absurde Situation, in der sich der Titelheld befindet, als schlechter Witz präsentiert.

Liman macht von Beginn an kein großes Geheimnis daraus, dass "Barry Seal: Only In America" vor allem ein primäres Ziel hat, nämlich für knapp 2 Stunden wunderbar zu unterhalten. Die Story ist zweifellos nicht neu, die Thematik wurde schon oft in Filmen und Serien aufgegriffen, dennoch hat der Film sehr viel Charme. Er ist ein durch und durch kurzweiliger, wunderbar konsumierbarer und dabei wirklich nicht dummer Unterhaltungsreigen, der das Publikum durchaus fassungslos zurück lassen könnte. Doch darauf zielt Liman nicht ab. Viel mehr setzt er auf eine Art Verwunderungs-Effekt. Irgendwann lösen die einzelnen Fäden, mit denen Seal agiert, nur noch Verblüffung aus. Dass dahinter im Grunde nur die typisches Geschichte einer Figur steht, die dank Glück, Zufall oder Schicksal an die richtige, bzw. falschen Kontakte gerät und damit zu schmutzigen Reichtum kommt, ist verzeihlich. Vor allem wenn es eben so einnehmend dargeboten wird wie hier. Außerdem verzichtet "Barry Seal: Only In America" weitestgehend darauf seine Titelfigur zu läutern. Der Barry am Ende des Films ist zwar nicht mehr der gleiche wie zu Beginn, oder zur Hochphase seines Schaffens, aber dem Zuschauer wird keine allzu große, moralische Botschaft vor die Stirn geknallt, kurz bevor der Abspann einsetzt. Das ist erfrischend.

Wie es sich für Cruise gehört, macht er seine Stunts natürlich wieder alle selber. Aber nicht nur das, denn Cruise flog auch die waghalsigen Flugzeugstunts selber, praktisch, wenn man einen Flugschein hat. Auch ansonsten verzichtet Liman zum großen Teil auf CGI. Die Locations fühlen sich zu jedem Zeitpunkt sehr organisch und echt an, die Action ist sehr gut inszeniert, das eingesetzte CGI fällt kaum bis gar nicht auf. Die Kameraarbeit ist abwechslungsreich, Liman ist immer mitten im Geschehen, ab und zu wirkt "Barry Seal: Only In America" dabei wie eine Dokumentation. Auch abseits von Hauptdarsteller Tom Cruise kann der Cast überzeugen. Domhnall Gleeson als Strippenzieher spielt sehr motiviert, Sarah Wright als verzweifelte Ehefrau von Barry Seal ist glaubwürdig. Der restliche Cast macht ebenfalls einen guten Job, auch wenn der Star des Films ganz klar Tom Cruise ist. In den knapp 115 Minuten gibt es so gut wie keine Verschnaufpause und zum Glück keine unnötigen Längen. Ohne Schwächen ist "Barry Seal: Only In America" aber dann auch nicht. Das größte Vergehen den Films ist, dass er oftmals mit seinem eigenen Potenzial protzt, aber es teilweise komplett verschläft, wirklich einzusetzen. Vor allem bei den Nebenfiguren ist das deutlich zu erkennen. So wird z.B. plötzlich ein Kleinstadt-Sheriff (Jesse Plemons, Fargo) eingeführt und welche Aufgabe dieser innerhalb der Handlung haben wird, wird von Liman szenisch sehr klar aufgezeigt. Doch wie die meisten Nebenfiguren mit Potenzial dieser Produktion wird er einfach fallen gelassen.

Dennoch bleibt der Streifen eine einnehmende Geschichte, verpackt in eine flotte, ironisch fixierte, aber niemals alberne, Inszenierung und Tom Cruise in Bestform. Dass der Film immer wieder mit seinem vorhanden Potenzial protzt, dieses aber leider nie wirklich konsequent zu nutzen vermag ist der wohl der größte Makel dieses dennoch empfehlenswerten Biopics.  "Barry Seal: Only In America" ist charmant, streckenweise irre witzig und einfach perfekte Unterhaltung, der es sicherlich an etwas Substanz fehlt, aber vermutlich wollten Cruise und Liman auch gar nicht mehr.

8/10

Awake (2007)

http://www.imdb.com/title/tt0211933/

Auf den ersten Blick führt Clay Beresford (Hayden Christensen) ein privilegiertes Leben. Als Erbe schwimmt er im Geld und schließt internationale Wirtschaftsverträge ab, während zuhause seine bildhübsche Verlobte Sam (Jessica Alba) wartet. Leider hat Clay aber nur ein schwaches Herz. Als ihm endlich eine Transplantation zugesagt wird, bittet er seinen Freund, den Chirurg Jack Harper (Terrence Howard), den Eingriff vorzunehmen. Trotz heftiger Einwände seiner Mutter Lilith (Lena Olin), die ihren Sohn lieber in den Händen eines erfahreneren Arztes sehen würde, legt Clay sich auf Jacks OP-Tisch. Doch die Narkose schlägt fehl. Vollkommen bewegungslos bekommt er mit, wie sein Herz den Körper verlässt - und wie die Chirurgen einen mörderischen Plan beginnen...

Die Grundidee ist ziemlich reizvoll. Die eigene Herz-OP bei vollem Bewusstsein mitzuerleben, ohne sich äußern zu können ist eine grauenvolle Vorstellung. Da steckt richtig viel Potenzial drin. "Awake" nutzt das leider nicht vollends nicht aus. Statt sich auf diese Situation und die dabei entstehende Gefühlswelt des bemitleidenswerten Protagonisten zu konzentrieren, (was z.B. in "Buried" oder "127 Hours" prima funktioniert hat) wird einem ein vollkommen überkonstruierter und nicht mal ansatzweise glaubhafter Verschwörungsthrillerplot aufgetischt, der sich unserem Helden (Hayden Christensen) anhand von Erinnerungen und Jenseitsgrenzerfahrungen erschließt. Gut für ihn, dass seine Peiniger ihren Plan und ihre Motive im OP nochmal haarklein aufrollen, somit ist er schnell voll im Bilde. Und der Zuschauer leider auch, der spätestens ab der Hälfte ahnt, wohin das Ganze geht. Damit hätte der gesamte Plot auch in einen Kurzfilm gepasst und mit 81 Minuten ist das Regiedebüt von Joby Harold ja eigentlich schon nicht lang. Aber man fühlt sich unterhalten und milde spannend ist die ganze Story auch noch.

Genau genommen erzählt "Awake" zwei Handlungsstränge gleichzeitig. Einmal von der Tatsache, das Clay seine OP mit erlebt und einmal von der, die im Trailer dummerweise gespoilert wird. Daher sollte man diesen - sofern man ihn nicht schon gesehen hat - ganz schnell links liegen lassen. Alle Schauspieler erbringen eine solide Leistung; Christensen, Howard und Alba sind in ihrer schauspielerischen Limitation völlig ausreichend für diese Art von Erzählung, aber wirklich überzeugen kann nur Lena Olin. Ein unaufdringlicher Soundtrack und schön gefilmte Bilder tun ihr übriges um einen Film zu liefern, der für einen guten Unterhaltungswert sorgt. Nicht zu lang, nicht zu schwer. Okay.

6,5/10

The Deer Hunter - Die durch die Hölle gehen (1978)

http://www.imdb.com/title/tt0077416/

Michael (Robert De Niro), Steven (John Savage) und Nick (Christopher Walken) sind drei befreundete, russisch-stämmige Stahlarbeiter aus Pennsylvania. "Serving God and country proudly" steht auf einem großen Spruchband, als die drei Männer in den Vietnamkrieg ziehen. In der grünen Hölle werden sie schnell mit allen Grausamkeiten konfrontiert, die dem indochinesischen Konflikt immanent sind. Michael, Steven und Nick müssen zusehen, wie nordvietnamesische Soldaten unschuldige vietnamesische Bauern, vor allem Frauen und Kinder, töten und geraten alle drei in Gefangenschaft des Vietcong. Zusammen mit anderen traumatisierten Gefangenen zwingt der Vietcong die drei zu einem bestialischen "Spiel", in dem sie sich nacheinander einer Art russischem Roulette unter einem Bild Ho Chi Minhs aussetzen müssen. Michael aber findet eine Möglichkeit, dem selbstmörderischen Spiel zu entkommen...

Was kann einen Menschen aus der Bahn werfen und zu einem seelischen Wrack machen? Was könnte den Rahmen des Erträglichen sprengen, die Feder aus dem Antrieb springen lassen oder das Fass zum überlaufen bringen? Die Antworten darauf sind wohl so verschieden wie vielzählig. Aber nicht selten würde 'Krieg' genannt werden. Mit herausragenden Leistungen bringen Robert DeNiro, Christopher Walken und John Savage die körperliche und seelische Versehrtheit der Kriegsveteranen näher als es eigentlich noch nötig wäre. Eine 3 stündige Reise durch das vom Vietnam-Krieg traumatisierte Amerika der 70er, vom lebensbejahenden "Can't Take My Eyes Off You", über zwei Tropfen Wein auf einem Brautkleid und dem Irrsinn des Russischen Roulettes hin zum fantastischen Score Stanley Meyers, den erhabenen Panoramabildern Vilmos Zsigmonds bis zum finalen, bitter-trotzigen "God Bless America".

Eigentlich ist "The Deer Hunter" in erster Linie eine Freundschaftsgeschichte von drei jungen Männer, die aus dem gleichen Provinznest stammen, in patriotischer Absicht in den Krieg ziehen und letztlich verwundet zurückkehren. Dafür setzt der Film auf ein dreiteiliges Handlungsgerüst. Die drei Teile unterscheiden sich nicht nur handlungsmässig voneinander, sondern auch in deren Stimmungsbild. Sinnbildlich gibt es in den drei Teilen jeweils Einzelszenen wie auch Musikstücke, die den Seelenzustand der Protagonisten bestens dokumentieren. Im ersten Teil erlebt man dies in der halbstündigen Hochzeitsfeier, im zweiten Teil kann dies in der aufreibenden russischen Roulette-Szene und im dritten Teil wahrscheinlich in der Wiederbegegnung zwischen Linda und Michael beobachtet werden. Auch die Musik scheint sich diesem Konzept unterworfen zu haben. Anfangs trällern die Protagonisten fröhlich das erwähnte Musikstück "Can’t Take My Eyes Off You " und am Ende setzt "God Bless America" den Schlusspunkt. Es ist wohl auch bezeichnend, dass Musik in der Kriegsepisode keine Rolle mehr spielt.

Michael Ciminos Antikriegsdrama muss man dabei in Laufzeit und Tempo allerdings auch als Herausforderung benennen. "The Deer Hunter" ist möglicherweise nicht immer auf den Punkt inszeniert, aber auch gerade das erste Drittel mit der extrem langen Hochzeitsfeier ist passend, denn hier und auch beim ersten Jagdausflug findet eine ganz starke Charakterisierung aller Figuren statt, die Cimino auch gerne mal nur "im kleinen Rahmen" zelebriert. Der eingeschworenen Clique pennsylvianischer Stahlarbeiter wünscht man eigentlich nur das Beste für die Zukunft, was hier aber niemandem gegönnt wird, wenn die Bestie Krieg erst einmal von der Leine gelassen ist und sich durch Körper, Seelen, Träume und Herzen der Veteranen aber auch der Daheimgebliebenen beißt, während sie durch die erstickende Trostlosigkeit der heimischen Industriestadt streift.
 Die drei Stunden Laufzeit sind also durchaus angemessen und es gibt kaum Hänger. "The Deer Hunter" ist definitiv ein Meisterwerk, das man sich immer wieder anschauen kann. Was an diesem Film besonders gefällt, ist, dass Cimino die Handlung mit ausgesprochen visuellen Mitteln zu erzählen weiss. Es passiert auf den ersten Blick wenig und auch auf viele Worte wird verzichtet, doch Cimino lässt die Bilder und die Stimmungen für sich sprechen, die wohl sehr viel über den Gemütszustand der Protagonisten erzählen. Diese Erzählweise kann nur funktionieren, wenn hier richtig gute Schauspieler am Start sind. Diese findet der Zuschauer in Christopher Walken, Meryl Streep und dem überragenden Robert DeNiro, derhier erneut eine wahnsinnig guter Performance abliefert, weil er die Ambivalenz vom aggressiven, sensiblen und bedrückten Mann grandios widergibt. Zudem gibt es einige herausragend inszenierte Einzelszenen, die einen auch nach Filmende nicht mehr loslassen.

Alles in allem ist "Die durch die Hölle gehen" ist eine niederschmetternde Charakterstudie und dabei ungemein eindringlich, extrem langsam ohne auch nur eine Spur langweilig zu sein. Wenn man Interesse an spätem 70er-Jahre Kino hat, bekommt man hier ein cineastisches Monument vor den Latz geknallt, welches man nur mit Sauerstoffflasche erklimmen sollte und dem Wissen im Hinterkopf, dass der Abstieg hart ist und noch lange nachwirken wird.

8,5/10

Von Eightyfour Entertainment kommt der Film auch im auf 333 Stück limitierten Mediabook.

Mittwoch, 6. September 2017

Polo de Limón 4: Sapiches - Lemon Popsicle: Private Popsicle - Eis am Stiel 4: Hasenjagd (1982)

http://www.imdb.com/title/tt0084629/
Die Sommerferien sind für unsere drei Teenager diesmal frühzeitig beendet, denn sie müssen in ein Jugendlager, wo sie militärischer Drill erwartet. Benny und Johnny kommen mit ihren Eltern im Schlepptau im Camp an, um sich aufnehmen zu lassen. Während die Eltern ihnen Patentrezepte für das Kasernenleben erteilen, nimmt Bobby noch von seinen diversen Freundinnen Abschied. Es dauert nicht lange, bis sich die drei mit einigen jungen Damen anfreunden, die im benachbarten Camp stationiert sind. Benny, romantisch und sensibel, verliebt sich in Betty, die ausgerechnet die Tochter des Generals ist. Betty entschießt sich, Benny nichts von ihrem Vater zu erzählen, um sich zu vergewissern, dass seine Liebe nichts mit ihrem Vater zu tun hat. Dieses Geheimnis bleibt natürlich nicht lange verborgen und Komplikationen folgen.

"Lemon Popsicle" geht in die vierte Runde und vom ehemaligen Ton ist kaum mehr etwas übrig geblieben. Nun ja, die Reihe war immer schon eine Komödie, aber Klamauk war sie bis dato nie. Genau das ändert sich mit "Eis am Stiel: Hasenjagd". Dieses Mal müssen die ewig scharfen Jungs zur (israelischen) Armee und erleben hier ihre skurrilen und erotischen Abenteuer, die teilweise immer noch witzig sind und über den ganzen Film hinweg amüsieren und unterhalten können. Damit man aber nun nicht allzu irritiert ist, sollte an dieser Stelle erwähnt werden, dass der dicke Johnny in Teil 3 & Teil 4 'Momo' heißt, wobei der ursprüngliche Momo seit dem letzten Teil Bobby genannt wird, diesen Namen aber bis zum Ende der Serie beibehält. Ansonsten tritt in "Eis am Steil 4: Hasenjagd" zum ersten Mal der etwas nervende, aber gewitzte Gegenspieler Joseph Shiloach auf, der die Figur des Unteroffiziers Ramirez verkörpert.


Die Sprüche und Dialoge sind merklich flacher, die komödiantischen Einlagen werden zotiger, doch der Charme der Reihe bleibt merkwürdigerweise erhalten. Es ist nicht mehr die kitschige Schmonzette, die teilweise noch im Finale von Teil 1 und Teil 2 durchbrach und ernste Töne werden hier nur selten angeschlagen. Dafür macht der vierte Ableger unheimlich viel Spaß und sorgt noch heute für den ein oder anderen Lacher und ist damit immer noch eine ganz spezielle Perle der Filmgeschichte. Der musikalische Auftritt der "Drei Grazien" ist dabei eindeutig der Höhepunkt des Films.

6,5/10

The Mission - Mission (1986)

http://www.imdb.com/title/tt0091530/

Es ist 1750 und der Vatikan versucht nach herben Fehlschlägen erneut, einen Prediger in den Dschungel Argentiniens zu schicken. Und tatsächlich kann der Jesuit Gabriel (Jeremy Irons) duch Musik auf seiner Oboe die Guaraní überzeugen. Unterstützung bekommt er von Ex-Sklavenhändler Mendoza (Robert De Niro), der versucht, auf diesem Weg für seine Sünden zu büßen. Doch die Guarané geräten in Gefahr, als der Vertrag von Madrid die Grenze zwischen dem verklavten portugiesischen Brasilien und den spanisch kolonialisierten Ländern Südamerikas neu festlegt. Damit geraten die Guaraní in ein Gebiet, indem die Sklaverei erlaubt ist – und die Mission nicht mehr unter dem Schutz der Kirche steht...

Manchmal erscheint es einem so, als wäre die Welt nur ein großes Dorf. Die Jahre, in denen es noch etwas zu entdecken, echte Abenteuer, gab, sind vorbei. Wieder und wieder wurde die Welt vermessen, dank Globalisierung reist selbst eine Jeans durch 30 Länder und wenn wir wollen, dann bringt uns ein Pauschalflug weiß Gott wohin. Das hat wahrlich seine Vorzüge, aber dennoch sehnt man sich manchmal nach jenen Zeiten, in denen die Welt noch von schwarzen Flecken geprägt war. Auch deshalb ging vom Dschungel seit jeher eine große Faszination aus, die er sich bis heute erhalten konnte. Denn entgegen aller Wahrscheinlichkeit hausen darin noch immer Stämme, die sich in den letzten Jahrhunderten kaum weiterentwickelt haben. Schon im 18. Jahrhundert war das nicht anders und schon damals mussten die vermeintlich höher entwickelten Eindringliche feststellen, dass sie einiges von den Ureinwohnern zu lernen hatten.

Historisch akkurat platziert sich "The Mission" in einem solchen Ballungszentrum in Südamerika. Bei einem opulent eingefangenen Wasserfall treffen Sklavenhändler, Jesuitenmönche und Ureinwohner aufeinander. Das Hauptmotiv des Films ist von religiöser und kolonialistischer Natur. Beruhend auf wahren Ereignissen schildert Regisseur Roland Joffé den 1750 unternommenen Versuch der katholischen Kirche, die Ureinwohner Argentiniens vom christlichen Glauben zu überzeugen. Jeremy Irons agiert hervorragend als unbeirrbarer Gesandter des Vatikan. Seine ruhige, von Überzeugungskraft geprägte Art ist einfach wunderbar und wird mit großartigen Szenen demonstriert. An seiner Seite steht mit Robert de Niro ein gebrochener Mann, der sich als Weggefährte des von Irons gespielten Gabriel von seinen Sünden reinwaschen will. De Niro spielt großartig, schafft es in vielen Situationen einfach mit seiner Mimik so viel zu sagen, wie kaum ein zweiter. Gekonnt wird die langsam heranwachsende Beziehung zwischen den Christen und den Guarané beschrieben. Die anfängliche Skepsis gegenüber den Fremden weicht einer Herzlichkeit, die ihresgleichen sucht. Auch hier entsteht wieder ein fast dokumentarischer Eindruck, wenn die Ureinwohner Südamerikas im Fokus stehen. Alles wirkt authentisch, hätte genauso stattfinden können, auch wenn die Kamera nicht vor Ort gewesen wäre. Die Authentizität ist einfach nur atemberaubend. Konflikte jedenfalls sind in diesem Film vorprogrammiert und dass diese nicht lange auf sich warten lassen, macht schon die aller erste Szene deutlich. Die Leiche eines Priesters treibt durchs Wasser, untermalt von den ungewohnten, aber sehr wirkungsvollen Klängen Ennio Morricones. Davon ausgehend verhandelt "The Mission" eine Vielzahl an Fragen über Schuld, Verantwortung, Glaube und Macht. Dabei wird nicht jedem Themenkomplex die nötige Fürsorge zuteil und dennoch vermengt der Film alles zu einem stimmigen Gesamteindruck. Schnell entwickelt sich ein nicht reizloses Für- und Gegeneinander der unterschiedlichen Parteien, diverse Motivation werden innerhalb eines höheren Kontextes hinterfragt und in Wechselwirkung zueinander gesetzt. Dabei ist "The Mission" stets zugute zu halten, dass er obgleich aus der Perspektive der Mönche geschildert, nie deren Seite bevorzugt. Jeder kann und darf von jedem lernen, doch weil sich manch einer dafür zu stolz ist, endet es in mutwilliger Zerstörung. Auch das ist eine Erkenntnis, die man mühelos aus der Geschichte ziehen kann und die in "The Mission" Anwendung findet. Der Schlussakkord hingegen gewährt Hoffnung, appelliert an den Selbsterhaltungstrieb des Menschen und zeigt, dass ein Wiederaufbau stets möglich ist. Einmal mehr offenbart sich "The Mission" als ehrlicher und menschlicher Film, den man gesehen haben sollte.

"The Mission" ist ingesamt betrachtet ein bildgewaltiger Selbstfindungstrip in den Tiefen des südamerikanischen Dschungels, der einen großartig aufgelegten Robert De Niro und einen nicht minder gekonnt agierenden Jeremy Irons an die Grenzen ihrer Belastbarkeit treibt. Das vielschichtige Abenteuerdrama bleibt vielleicht an einigen Stellen zu oberflächlich, ist aber nicht zuletzt aufgrund eines genialen Morricone-Scores auf jeden Fall eine Sichtung wert.

7,5/10

Dienstag, 5. September 2017

Crying Freeman - Crying Freeman: Der Sohn des Drachen (1995)

http://www.imdb.com/title/tt0112750/

Die verwaiste Malerin Emu O'Hara (Julie Condra) wird Zeuge eines schrecklichen Mordes am Yakuza Takeshi Shimazaki (Kevan Ohtsji). Seltsamerweise wendet sich der Mörder danach an Emu und stellt sich ihr als Yo (Mark Dacascos) vor, dabei läuft ihm eine einzelne Träne die Wange hinab. Diesen einprägsamen Moment kann Emu einfach nicht vergessen und zeichnet das Gesicht des Killers immer wieder, nicht ahnend, dass sie sich schon mitten im Fadenkreuz des Verbrechens befindet. Denn Shido Shimazaki (Mako), der Vater des getöteten Yakuzas und selbst Anführer einer kriminellen Organisation, versucht die Polizei gegen den Auftragskiller Yo in Stellung zu bringen. Um Beweise für die Schuld Yos zu präsentieren, soll Emu als Zeugin auftreten. Dabei wird sie erneut mit Yo konfrontiert, der wieder zuschlägt. Jetzt ist auch ihr Leben in Gefahr, da sie als mehrfache Zeugin das Geheimnis um Yo lüften könnte. So gerät der Killer in einen Gewissenskonflikt.

Für Junkies im Bereich des Eastern dürfte "Crying Freeman" wohl zum Nonplusultra gehören. Es ist die beeindruckende Ästhetik in der Auseinandersetzung eines chinesischen Geheimbundes zur Rettung der Nation gegen die japanische Yakuza. Dabei wird überwiegend mit Schusswaffen hantiert, weniger mit Schwertern oder Martial Arts.
Atmosphärisch gekonnt von Christophe Gans mit düsteren Bildern umgesetzt, erledigt der chinesische Top-Killer 'Freeman' die Japaner gleich im Dutzend, doch die schlagen zurück. Die Auseinandersetzung findet zunächst in Kalifornien statt, wobei eine Künstlerin im Freien mitansieht, wie der Freeman drei Yakuza erledigt. Dafür müsste sie eigentlich auch getötet werden, doch der Freeman verliebt sich. Die Narration ist sehr schlicht, oft passiert wenig und genau das ist es was diesen Film auszeichnet, er nimmt sich die Zeit die er braucht um seine einfache und doch sehr interessante Geschichte voll aufzuzeigen, lässt sie sich ganz entfalten.

Anfangs wird dadurch auch eine interessant anmutende Story aufgezogen, doch die läuft spürbar auf Sparflamme. Die Handlung ist nur ein undurchsichtiges Hin und Her des Freeman mit seinem Helfer gegen die Yakuza, wobei die asiatischen Gesichter (teils auch noch mit Sonnenbrillen) manchmal sogar die Unterscheidung schwer machen, wer auf welcher Seite steht. Doch das ist nicht so wichtig - hier zählt nur die Form und die Ästhetik. Von daher, und der eingebauten Love Story, erinnert das etwas an den späteren "House Of Flying Daggers". Die erste Hälfte hat etwas Packendes, Interessantes (auch über die Frau, die der Freeman verschont), das in der zweiten Häfte verlorengeht. Die Aktionen werden immer abstruser und lassen auch in der Ästhetik nach, wobei es zum Ende beinahe noch kitschig wird. Dennoch ein insgesamt guter Film, dessen starke Optik für 1995 überrascht und wesentlich moderner anmutet.

7/10

Von TURBINE Medien kommt der Film als Erstauflage im auf 1.500 Stück limitierten Mediabook und weltweit erstmalig auf BD in HighDefintion.