Sonntag, 31. Januar 2016

The November Man (2014)

http://www.imdb.com/title/tt2402157/

Top-Agent Peter Devereaux (Pierce Brosnan), Code-Name "November Man", hat sich nach seinem letzten Fall in den Ruhestand in die Schweiz begeben. Doch das Idyll währt nicht lange: Peters ehemaliger Chef beordert seinen besten Mann zurück in den Dienst, denn wie es scheint, wurde die Central Intelligence Agency - kurz CIA - von einem Maulwurf infiltriert. Der zurückgeholte Agent soll die Zeugin Alice Fournier (Olga Kurylenko) beschützen und das Komplott aufdecken. Auch auf ihn selbst wurde ein Agent angesetzt, der ihn eliminieren soll. Als Peter entdeckt, dass auch sein ehemaliger Schützling David Mason (Luke Bracey) in die Affäre verwickelt ist und womöglich dem russischen Geheimdienst angehört, gibt es für den Spion kaum noch Anhaltspunkte, wem er trauen kann und wem nicht: Er muss auf eigene Faust ermitteln.

"The November Man" ist ein Action-Thriller mit Pierce Brosnan und Olga Kurylenko. Inszeniert von Roger Donaldson und leider doch wenig erbaulich. So schickt man Ex-"007"-Mime Brosnan zurück an die Front, bewegt sich dabei aber recht undurchsichtig und überfrachtet. Pierce Brosnan agiert zwar sehr gut und weiß seine Schauspielerfahrung als Agent sehr zu gut zu nutzen und die Story ist rasant, nicht sehr tiefgründig, aber mit viel Action verpackt. Leider spinnt sich inhaltlich spinnt ein Netz aus Lügen und Intrigen, bei dem es dem zuschauer oft schwer fällt, allseits den Überblick zu behalten. Wenigstens hat man auf große Spielereien in der geschichte verzichtet; geradlinig wird der Film nach vorne getrieben, ohne Längen und großartiges Liebesgeschnülze. Damit wird "The November Man" zu einem annehmbaren Action-Film für Zwischendurch mit gewissen Parallelen zu vielen artverwandten Vorgängern. Was aber auch nichts an der Tatsache ändert, dass dieser Film auf seineArt zu unterhalten weiß.

6/10

Freitag, 29. Januar 2016

Tomorrowland - A World Beyond (2015)

http://www.imdb.com/title/tt1964418/

Die junge, clevere Casey Newton (Britt Robertson) interessiert sich sehr für Wissenschaft. Eines Tages findet sie eine mysteriöse Anstecknadel, die sie Visionen von einer anderen Welt bekommen lässt und schließlich mit dem einst genialen Erfinder Frank Walker (George Clooney) zusammenbringt. Walker hat jedoch seine frühere Klasse verloren und ist stark desillusioniert. Der Hauptgrund dafür ist, dass er eine Art von Parallel-Universum, das Tomorrowland genannt wird, verlassen musste. Dies traf ihn besonders schwer, da es dort keinerlei Sorgen gab, sondern Frieden und Glückseligkeit herrschten. Seit seinem erzwungenen Abschied aus der Parallelwelt hat David Nix (Hugh Laurie) dort das Sagen und verfolgt seine ganz eigenen finsteren Pläne. Gemeinsam wollen das Mädchen und der Erfinder nach Tomorrowland zurückkehren, um dort alles wieder gerade zu biegen und obendrein den nahenden Weltuntergang zu verhindern.

Auch wenn der Zuschauer bedauernswert wenig Zeit im titelgebenden "Tomorrowland" verbringt, dreht sich im Film alles um die Zukunft. Regisseur Brad Bird schafft hier eine familiengerechte Hommage an positiven Zukunftsglauben - auch in Zeiten großer Unsicherheit, wie mit den einleitenden Worten gleich Bahn gebrochen wird. Und trotzdem entdeckt man immer wieder etwas - und das ist das Schöne - Positives in diesem Film. Sei es der unerschütterliche Optimismus und allgemeine Neugier der Protagonistin oder die explosiv-witzige Art der Athena aus Tomorrowland: beide sorgen immer wieder für Wirbel. Und während der abwechslungsreichen aber teils chaotischen Reise wird auch der Zuschauer dazu bewegt über Ethik und Empathie nachzudenken.

Der Weg nach "Tomorrowland" selbst ist turbulent und oft originell, aber eben auch nicht immer gelungen inszeniert; gerade die Actionszenen pendeln zwischen albern, unübersichtlich und künstlich. Mit Britt Robertson hat sich eine sympathische Newcomerin für die Hauptrolle gefunden, leider kommt sie gegen den Charme und die Souveränität eines George Clooney (obwohl dieser ein wenig lustlos wirkt) ab der zweiten Hälfte nicht wirklich an. Doch insgesamt machen Einfälle wie fliegende Badewannen, historische Raketen und Buttons mit magischen Werbevideos einfach Spaß. Mainstream-Science-Fiction-Eklektizismus inklusive kleinen Steampunkelementen quasi. Dabei schwankt der Film immer wieder zwischen kindergerechter Action-Fantasy, spannendem SciFi-Thriller und fantastischer Zukunfts Dystopie und ist trotz Schwächen ein unterhaltsamer Film, der gerade für Jüngere interessant sein dürfte.

7/10

Bei unseren Nachbarn in Großbrittannien erschien der Film exklusiv im schlichten Steelbook mit dem sagenumwobenen "Tomorrowland"-Button als geprägtes Emblem auf der Front. Leider ohne deutschen Ton, aber die schickeste Edition für den Film.

Donnerstag, 28. Januar 2016

...Altrimenti Ci Arrabbiamo! - Watch Out, We're Mad! - Zwei wie Pech und Schwefel (1974)

http://www.imdb.com/title/tt0069697/

Ben (Bud Spencer) und Kid (Terence Hill) – zwei begeisterte Hobbyrennfahrer – gehen bei einem Cross-Rennen gleichzeitig als Erste ins Ziel und müssen sich den Gewinn in Form eines Strandbuggys teilen. In einem benachbarten Freizeitpark soll deshalb ein Wettessen mit Bier und Würstchen den wahren Sieger ermitteln. Als eine Ganovenbande auftaucht und im Auftrag eines Grundstückspekulanten (John Sharp) versucht, die Bewohner des Stadtviertels zu verschrecken, bilden die einstigen Rivalen sofort ein schlagkräftiges Team. Gemeinsam haben sie nicht nur vier wirksame Argumente gegen das skrupellose Vorgehen der Verbrecher, sondern schließlich auch einen Grund zur gegenseitigen Wiedergutmachung. Im Zuge ihrer Zerstörungsorgie erwischen die Ganoven nämlich auch das neue Gefährt der beiden passionierten Fahrer und sehen sich nun deren Zorn ausgesetzt. Die Gangster lassen ab jetzt nichts mehr unversucht, um Ben und Kid unter die Erde zu bringen, doch die beiden wissen sich zu wehren.

"Rot muss er sein, mit einem gelben Häubchen!"

Das hätte sich der Boss (stilsicher im Schlafanzug) nicht träumen lassen, wohin die Zerstörung eines Strandbuggies führen kann. Gerade noch regeln Bud Spencer und Terence Hill das, wie Männer es regeln: mit Würstchen und Bier, vergreifen sich die Schergen auch schon am brandneuen Buggy, eben jenes Objekt über das sich doch gerade geeinigt werden soll. Finden die beiden gar nicht gut, also nichts wie los und hin zum Boss. Diesem wird dabei in hinreißender Form durch den Doktor (sehr genial: Donald Pleasence) assistiert bzw. er wird durch diesen ferngesteuert. Trotz der albernen Darstellung des Obergauners ist dies damit einer der besten Spencer/Hill-Filme.

Terence Hill und Bud Spencer tun das, was sie am besten können, sie prügeln sich mit Kraft, Einfallsreichtum und einem gesunden Sinn für Anarchie durch die Reihen der Bösewichte bis zu ihrem augenzwinkernden Triumph. Denn wie in fast all ihren Filmen gibt es auch hier nie den absoluten, den ganz großen Gewinn. Es klappt nie so ganz, möglicherweise ist das einer der Punkte, die dieses Wahnsinnsduo immer noch so unglaublich sympathisch wirken lassen. Selbst, wenn man denselben Gag zum 50. Mal hört. Man weiß ja, woher es kommt und das ist gut so, dennschließlich gipfelt die Auseinandersetzung in einer wahnsinnigen Luftballonschlacht. Eben rundum gelungen.

7,5/10

Mittwoch, 27. Januar 2016

Jackie Brown (1997)

http://www.imdb.com/title/tt0119396/

Jackie Brown (Pam Grier) ist Stewardess, doch leider verdient sie zu wenig Geld. Deshalb arbeitet sie für den Waffenhändler Ordell Robbie (Samuel L. Jackson). Der hat sein Vermögen in Mexiko angelegt und lässt sich von Jackie Brown Bargeld in die USA schmuggeln. Als Jackie eines Tages kontrolliert wird, fliegt sie mit 50.000 Dollar und ein paar Gramm Kokain im Handgepäck auf. Der Bundesbeamte Ray Nicolet (Michael Keaton) schlägt Jackie einen Deal vor: Sie soll ihren Auftraggeber Ordell Robbie ans Messer liefern und bekommt dafür Straffreiheit zugesichert...

Obwohl "Jackie Brown" vielleicht der unbekannteste Film von Quentin Tarantino ist und im Vergleich zu Filmen wie "Pulp Fiction", "Kill Bill" oder "Inglourious Basterds" ein wenig verblassen mag, ist es dennoch ein großartiger Tarantino-Streifen, in dem alles mit der Figur Jackie brown steht und fällt. Doch wie kann man die Figur Jackie Brown wohl am besten beschreiben? Sexy, taff, sympathisch, cool, bezaubernd, freundlich, gefährlich... alle Adjektive vereint geben ein Gefühl für die Protagonistin. Aber wenn man von Jackie Brown spricht, spricht man eigentlich von Pam Grier, eine Frau, die zur Entstehungszeit des Filmes ihre goldenen Jahre bereits hinter sich hatte, durch "Jackie Brown" jedoch wohl kurzfristig die Rolle ihres Lebens fand. Dass der Regisseur Quentin Tarantino ein heimlicher Fan von dieser Powerfrau ist, ist wohl kein großes Geheimnis mehr. Und diese Tatsache reibt Tarantino dem Zuschauer auch gewaltig unter die Nase., denn in jeder Szene, in jedem Moment und mit jeder Kameraeinstellung ist Quentin Tarantinos Liebe zu dieser Frau zu erkennen. Es hat den Anschein, dass sich diese Liebe direkt auf den Zuschauer überträgt und man kommt aus dem Staunen angesichts des Schauspiels von Pam Grier kaum noch heraus. Man lässt sich wohl selbst als Jugendlicher regelrecht bezaubern von dieser zum Zeitpunkt des Filmes über 40-jährigen Frau und schämt sich wohl nicht zu sagen, dass man seit der ersten Minute des Films in Pam Grier ein Stück weit verliebt gewesen ist. Pam Grier schafft es, jeden Mann um den Finger zu wickeln und diese Aussage beschränkt sich nicht nur auf die Charaktere im Film. Das kann man sich wohl unter Liebe auf den ersten Blick vorstellen. Aber der Film bietet noch viel mehr. Er bietet vor allem ein exzellentes Storyboard und - neben Pam Grier - einen traumhaften Cast. Samuel L. Jackson, Tarantinos "Stamm-Schauspieler", Michael Keaton, Robert DeNiro, selbst Chris Tucker und Bridget Fonda spielen extrem geniale Charaktere.

Und eines fällt sofort auf: "Jackie Brown" wirkt weniger verspielt und eigenartig als Tarantinos andere Filme. Es scheint so, als wäre das Regiewunderkind sichtlich gereift, auch wenn dieser konventionellere Stil des Filmes bei Kritikern und Zuschauern 1997 eher auf Missfallen gestoßen ist. Völlig zu unrecht, denn auch wenn die erste Buchadaption von Tarantino zur Folge hatte, dass der Coolness-, Action- und Spannungsfaktor etwas nach unten geschraubt wurden, ist die Handschrift des Regisseurs zu jedem Zeitpunkt klar zu erkennen. Geschichte, Charaktere und Dialoge sind nach wie vor großartig und - was viel wichtiger ist - Tarantino-artig. Die eigenwillige Erzählstruktur mit sehr langen, ruhigen Passagen und parallelen Handlungssträngen ist absolut genial und besticht mit punktgenauen Timing. Und erst der Soundtrack! Einmal mehr setzt Tarantino auf Songs aus längst vergessener Zeit und verhilft ihnen so zu neuer Blüte. Man könnte "Jackie Brown" somit irgendwie als Liebesgedicht verstehen. Unterstützt wird dieses durch eine unglaublich tolle Kameraarbeit, die es poetisch schafft, den Zuschauer über eine Laufzeit von fast zweieinhalb Stunden einen tranceartigen Zustand zu versetzen, der einem allerdings weitaus kürzer vorkommt. Es ist ein sehr gewitzter, spannender aber auch durchaus auch ernsthafter Film, dem trotz seiner sanften Art zu keiner Zeit die Luft ausgeht. Großartig.

8,5/10

Seit 2013 gibt es eine schöne Blu-ray-Sammlung zum Kult-Regisseur Quentin Tarantino, die selbstverständlich auch "Jackie Brown" enthält. Ein wunderschönes DigiPak, genial gestaltet und mit goldenen Lettern versehen. Das Teil sollte tatsächlich in keiner Sammlung fehlen:


Sonntag, 24. Januar 2016

The Client - Der Klient (1994)

http://www.imdb.com/title/tt0109446/

Die letzten Worte des Anwaltes Jerome Clifford (Walter Olkewicz) vor seinem Selbstmord bergen gehörigen Sprengstoff, denn der Jurist war mit der Mafia verbandelt. Dem 11-jährigen Mark Sway (Brad Renfro) hat er das Versteck eines getöteten Senators mitgeteilt. Natürlich sind die Kriminellen jetzt hinter dem Kind her, weil sie mit allen Mitteln verhindern wollen, dass der die brisante Information an die Polizei weitergibt. Auch die Ordnungshüter versuchen, Mark Sway in ihrem Sinne zu beeinflussen, sodass der Junge eine Aussage macht. In seiner Not sieht Mark nur einen Ausweg: Er beauftragt die Anwältin Regina Love (Susan Sarandon), seine Interessen zu vertreten. Gemeinsam kämpfen die beiden darum, die gefährliche Wahrheit so aufzudecken, dass Marks Sicherheit nicht gefährdet ist, während es Bundesmarshall Roy Foltrigg (Tomme Lee Jones) nur darum geht, in der Öffentlichkeit einen Erfolg zu feiern.

"Der Klient" ist so ein Film, der zwar nicht auf ganzer Linie überzeugen kann, aber den Zuschauer trotzdem irgendwie mitreißt. Denn obwohl das Ganze natürlich vor allem zum Ende hin etwas sehr gefühlsduselig wird, kann "Der Klient" mit Spannung und Drama punkten. Auch der kleine, mutige Rabauke Mark (solide gespielt von Brad Renfro) wächst einem irgendwann ans Herz. Die Dialoge sind zwar teilweise wirklich sehr einfallslos und der Handlungsstrang, sowie das Ende sind stets vorhersehbar, aber entziehen kann und will man sich diesem kleinen Film einfach nicht. Er ist sehr simpel und gradlinig gestrickt, ohne großartige Twists oder Überraschungen. Irgendwie auch typisch für Grisham-Verfilmungen. Aber egal wie simpel er gestrickt ist, er hat einen guten Cast mit Susan Sarandon, Tommy Lee Jones (in seiner Nebenrolle eigentlich der Beste im ganzen Film) und eben Brad Refno (Kinderdarsteller sollten auch mal gewürdigt werden). Auch der Score passt und somit hat man alles was man erwartet: einen kleinen, feinen Thriller, den man sich, wenn man nur auf Unterhaltung aus ist, gut ansehen kann.

7/10

Airplane II: The Sequel - Die unglaubliche Reise in einem verrückten Raumschiff (1982)

http://www.imdb.com/title/tt0083530/

Eigentlich sollte es eine wunderbare Reise zum Mond werden, aber in Ken Finklemans absurder Komödie macht den Passagieren der Mayflower gnadenlose Schlamperei beim Bau ihres Flugobjektes einen Strich durch die Rechnung. Aufgrund der technischen Unzulänglichkeiten kommt es während des Flugs zu einer Fehlfunktion, der schließlich die beiden Piloten zum Opfer fallen. Der Bordcomputer ändert schließlich den Kurs der Mayflower, so dass diese direkt auf die Sonne zusteuert. Das ist ein Fall für den ehemaligen Air-Force-Piloten Ted Striker (Robert Hays), der mit den technischen Schwierigkeiten der Mayflower bestens vertraut ist, weil die dafür Verantwortlichen ihn in eine Anstalt eingewiesen hatten, um den Pfusch zu vertuschen. Glücklicherweise ist Striker aber ausgebüchst und an Bord der Mayflower gelangt. Jetzt hat der die Gelegenheit, sein Können zu beweisen, um die kritische Situation unter Kontrolle zu bringen.

"Identifizieren Sie sich und nennen Sie mir Ihre Position!" - "Ich heiße Ted Striker und sitze so da mit dem Gesicht nach vorn."

Genau meine Art von Humor. Der Fortsetzung fehlt zwar im Vergleich zum Vorgänger "Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug" an Naturtalent Leslie Nielsen, dafür aber punktet die Raumschiff-Komödie mit einer besseren (weil hören) Gagdichte. Während der Vorgänger zuviele Traum- und Rückblicksequenzen von Striker enthielt, passieren hier einfach die lustigeren Dinge, im Bild, seitlich, dahinter, darüber, überall. So sieht man einen eine Krankenschwester, die an einem Patienten - ganz beiläufig im Hintergrund - einen Ölwechsel wie bei einem Auto durchführt. Auch die Wortspiele sind so krass-genial, dass man selten hinterher kommt, ohne nicht völlig verwirrt zu sein.

"Gentleman, darf ich Sie mit ihrem Captain bekannt machen? Captain Oveur" -"Gentleman, Willkommen an Bord" - "Captain, ihr Navigator Mr. Außer und ihr erster Offizier Mr. Unter." -"Außer" - "Oveur" -"Oveur" - "Unter" - "Gentleman, gehen wir an die Arbeit." - "Außer, haben Sie nicht unter Oveur in der Luftwaffe gedient?" -"Nicht direkt. Formel war Unter unter Oveur und ich war unter Unter" - "Genau." - "Also, Unter, dann waren Sie unter Oveur und über Außer?" -"Genau." - "Ja das ist richtig. Unter war über Außer und ich war über Unter." -"Also wir beide, Unter und ich, waren unter Oveur obwohl ich unter Unter war?" - "Unter war über Außer und ich war über Unter? Hehe. Ja."

Und natürlich darf sich auch hier Robert Hays als Ted wieder diverse Getränke ins Gesicht schütten und seine Sitznachbarn in den Tod reden. Dazu gesellen sich noch William "Overacting" Shatner und Lloyd "Das ist sicher die falsche Zeit, um mit dem Rauchen aufzuhören" Bridges ins muntere Treiben und auch Raymond Burrs Auftritt als Richter ist mehr als gelungen. Stephen Stucker als Jacobs ist wie auch schon im Vorgänger der heimliche Star des Films, der jedes Mal alles falsch interpretiert und ebenso zu wörtlich nimmt. Trotz Gag-Recycling ein mehr als gelungenes Teil.

7,5/10

Act Of Valor (2012)

http://www.imdb.com/title/tt1591479/

Eine Gruppe von Navy SEALs, dargestellt von Originalrekruten der US Navy, muss eine Balance zwischen ihrer Verpflichtung gegenüber ihres Landes, ihres Teams, aber auch ihrer Familien finden, die in der Heimat auf sie warten. Im Auftrag der Regierung begeben sie sich auf eine Mission nach Costa Rica, wo die CIA-Agentin Morales (Roselyn Sánchez) dem Drogenschmuggler Christo (Alex Veadov) in die Hände gefallen ist. Als sie dabei einen perfide geplanten Terroranschlag gegen die Vereinigten Staaten aufdecken, der sich über mehrere Kontinente erstreckt, werden sie auf eine weltweite Fahndung nach dem Drahtzieher Abu Shabal (Jason Cottle) gesandt. Um Millionen Amerikaner vor dem sicheren Tod zu retten, müssen die Navy SEALs ihr Leben riskieren und ein internationales Terrorkomplott vereiteln.

"Act Of Valor". Ein Film über Navy Seals mit tatsächlich echten Navy Seals. Und damit ist schon eines ganz klar, denn wer mit amerikanischem Patriotismus und teilweise sogar Fanatismus nicht zurecht kommt, der sollte einen großen Bogen um diesen Film machen. "Act Of Valor" hat nämlich eben diese "Call Of Duty"-Ästhetik: anspruchslos, glorifizierend, aber absolut bombastisch inszeniert. Dass das Schauspiel eher Laienhaft ist, sei mal dahingestellt. Aber man kann angenehm überrascht von der Performance der Seals sein; schlechtere Leistungen gibt es zuhauf. Aber was besonders gefällt und den Film so sympathisch macht, ist der Verzicht auf "Over The Top"-Action, die hier auch nichts zu suchen gehabt hätte. Hier wird "nur" eine kleine Geschichte erzählt; eine Entführung hier, ein geplanter Terroranschlag da. Auch die Actionszenen sind vergleichsweise simpel, die Feuergefechte mitreißend und spannend, auch ohne bei jeder Gelegenheit ganze Straßenzüge in Schutt und Asche legen zu müssen. Diese "Bescheidenheit" kann man dem Film hoch anrechnen. Zudem lässt die oft eingesetzte "First-Person"-Perspektive den Zuschauer sehr nah am Geschehen teilnehmen, obwohl diese Szenen auch oft Videospielcharakter besitzen. Leider kommt es einem oft so vor, als wäre der Film aus vielen zusammenhangslosen Missionen zusammengestückelt, auch wenn dies gar nicht so ist. Hier fehlt es einfach an Plot für Nicht-Soldaten. Alles in allem aber dennoch kurzweilig und interessant.

6,5/10

Der Film war von UNIVERSUM FILM auch im limitierten Steelbook erhältlich:

Samstag, 23. Januar 2016

Collateral Damage - Collateral Damage: Zeit der Vergeltung (2002)

http://www.imdb.com/title/tt0233469/

Feuerwehrmann Gordy Brewer (Arnold Schwarzenegger) verliert bei einem Attentat, hinter dem der kolumbianische Terrorist Claudio Perrini (Cliff Curtis) steckt, seine Frau Anne (Lindsay Frost) und seinen Sohn Matt (Ethan Dampf). Als er feststellen muss, dass die behördlichen Ermittlungen aufgrund politischer Interessen der USA im Sand verlaufen, und Perrini immer noch auf freiem Fuß ist, entschließt er sich, die Verfolgung in die eigene Hand zu nehmen. Kurze Zeit später sitzt Gordy Brewer im Flugzeug Richtung Kolumbien. Bei der Reise ins Guerrilla-Gebiet, indem sich sein Feind Perrini aufhält, gerät Brewer jedoch ins Visier der kolumbianischen Behörden, die ihn ins Gefängnis stecken. Aber Brewer ist ein Kämpfer, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert. Dank des ebenfalls einsitzenden Sean Armstrong (John Turturro) kann sich der Feuerwehrmann schließlich ins Guerilla-Gebiet durchschlagen. Aber Perrini weiß bereits, dass Brewer kommt, und will ihn unschädlich machen.

"Collateral Damage" ist ein etwas zu stumpfes Selbstjustizkino, dass weder richtig krachende Action, noch eine glaubhafte Rachegeschichte erzählt, weil sämtliche Emotionen des Films, genau wie die Charaktere aus der Konserve stammen. Dass (damals) so viel über diesen Film diskutiert wurde liegt einzig daran, dass der Film ursprünglich kurz nach dem 11. September (nämlich am 5. Oktober) 2001 in den Kinos starten sollte und wegen dem Inhalt erst einige Monate später anlief. Sogar einzelne bereits fertig abgedrehte Sequenzen, in denen man eine von Terroristen eingeleitete und durch Schwarzenegger verhinderte Flugzeugentführung mit Sofia Vergara zeigen wollte, fielen damals der Schere zum Opfer. Ob diese Szenen den Film nun besser oder schlechter gemacht hätten... wer weiß das schon? Gewiss ist aber eines, denn lässt man den Aspekt um die Kontroverse 11. September weg, bleibt kein großer Diskussionsstoff übrig. Auch der Twist am Ende ist etwas zu unglaubwürdig. Und ansonsten gibt es Standardkost für den Actionjunkie: Schwarzenegger jagt den Bösen, prügelt sich hier und da ein wenig, bastelt hier als "MacGyver" und da ein paar Sprengsätze, stürzt von einem Ort zum Nächsten und macht einen auf wütenden Witwer. Letzteres setzt ein gewisse, dramaturgisches Können voraus, was Schwarzenegger aber nun mal eindeutig nicht besitzt.

5,5/10

The Machinist - Der Maschinist (2004)

http://www.imdb.com/title/tt0361862/

Welche Ängste, Sorgen, Schuldgefühle oder Psychosen können einen Menschen so sehr quälen, dass er ein ganzes Jahr nicht schlafen kann? Trevor Reznik (Christian Bale) befindet sich genau in diesem Alptraum: Seit einem Jahr hat er kein Auge zugetan, ohne zu wissen, wieso. Innerhalb dieses Zeitraums hat er durch den Stress körperlich so stark abgebaut, dass von ihm nur noch das Knochengerüst übrig ist. Eines Tages taucht der neue Kollege Ivan (John Sherian) an Trevors Arbeitsplatz auf. Von ihm abgelenkt verschuldet Trevor einen Unfall, bei dem Miller (Michael Ironside) einen Arm verliert. Niemand glaubt Trevor seine Geschichte, da angeblich kein neuer Mitarbeiter im Werk angestellt wurde. Zunächst von Schuldgefühlen zerfressen, verfällt Trevor jedoch bald in Misstrauen. Gibt es ein Komplott gegen ihn? Die Kollegen wollen ihn entlassen sehen und halten ihn für komplett übergeschnappt. Zwischen Miller und Ivan scheint eine Verbindung zu bestehen. Jemand hängt in seiner Wohnung gelbe Zettel mit komischen Rätseln auf. Trevor verfolgt Ivan auf eigene Faust, um Antworten zu erhalten. Wer steckt alles gegen ihn unter einer Decke? Haben sich auch seine engsten Freunde gegen ihn verschworen? Schlussendlich beginnt Trevor, an seinem eigenen Verstand zu zweifeln...

Die Psyche des Menschen ist ein interessantes Kunstwerk, mit einer Menge versteckter Winkel und dem ein oder anderen Irrweg, das weiß auch Regisseur Brad Anderson. Wenn es um Psychothriller geht, dann sind es vor allem diese Vertreter des Genres, die es verstehen den Betrachter mit auf diese Reise ins Innere eines unklaren Verstandes zu nehmen. Es ist in diesem Genre doch der Reiz eben nicht zu wissen was nun real ist und was Hirngespinnst.

 "Der Maschinist" ist hier einer der besten Filme, die dieses komplizierte und von wirklich guten Filmen rar gesäte Genre zu bieten hat. Die Geschichte ist spannend, ungewöhnlich und hält einige interessante Überraschungen bereit. Anderson zeichnet eine verworrene, spannende, dunkle Atmosphäre der Verwirrung, teils mit dystopischen Bildern, immer irgendwie grau und farbarm, beinahe steril und kalt. Untermalt mit einem psychedelischen Soundtrack. Der allerdings entschiedenste und prägenste Baustein im Konstrukt des Films ist Christian Bale. Sowohl vom Schauspiel, als auch körperlich stellt er eine deckungsgleiche Kopie des Charakters dar, den er verkörpern wollte - für die Rolle des Trevor Reznik magerte Christian Bale gezielt um knapp 30 Kilogramm ab, nahezu ein Drittel seines Gesamtgewichts, um den stetig an Gewicht verlierenden Trevor realistisch darstellen zu können. Gesund kann das sicher nicht mehr sein, brachte allerdings der Glaubwürdigkeit seiner Rolle eine Menge. Krass ist auch, das Bale gerade mal ein Jahr drauf durchtrainiert wie eh und je ins Fledermauskostüm in "Batman Begins" schlüpfte.

Der Vergleich zu Filmen wie "Fight Club", "The Sixth Sense" oder auch einigen lyrischen Werken Hitchcock's ist zwar völlig gerechtfertigt, aber "The Machinist" ist doch so vieles mehr. Gewürzt mit Spannung, Verfolgsgungjagden und Verschwörungtheorien verinnerlicht der Film alle guten Eigenschaften seines Genres. Im weiten Feld der Pycho-Thriller ist "The Machinist" ein genialer Geheimtipp, der den großen Namen in manchen Kategorien den Rang abläuft und für seine kurze Laufzeit eine erstaunliche Kraft entfaltet.

8,5/10

Freitag, 22. Januar 2016

The Town That Dreaded Sundown - Warte, bis es dunkel wird (2014)

http://www.imdb.com/title/tt2561546/

65 Jahre sind vergangen, seitdem ein maskierter Serienkiller die Kleinstadt Texarkana terrorisiert hat. Nun scheint die grausame Mordserie jedoch von neuem zu beginnen, wie Jami (Addison Timlin) und ihr Freund Corey (Spencer Treat Clark) am eigenen Leib erfahren müssen – bei einem Angriff des Killers kommt die Highschool-Schülerin gerade so mit dem Leben davon. Ist der nie gefasste Mörder tatsächlich zurückgekehrt oder handelt es sich um einen Nachahmer? Jami versucht nicht nur, die anderen Bewohner der Stadt zu warnen, sondern beteiligt sich selbst aktiv an der Suche nach dem Täter. Da die Polizei unter der Leitung von Sheriff Underwood (Ed Lauter) und dem hinzugerufenen Spezialermittler Lone Wolf Morales (Anthony Anderson) wenig erfolgreich in ihren Anstrengungen ist, stellt das traumatisierte Mädchen bald eigene Nachforschungen an. Unterstützt wird Jami dabei von ihrer Großmutter Lillian (Veronica Cartwright) und ihrem ehemaligen Klassenkameraden Nick (Travis Tope). Währenddessen mordet der Maskierte brutal weiter...

Der Film ist das Remake des 1976er Originals "Der Umleger" und "Warte, bis es dunkel wird" läuft dem Original sogar den Rang ab, auch wenn das kein bahnbrechender Erfolg ist denn eine Perle des Genres war auch das Original ganz Gewiss nicht. Neues gibt es hier nichts, im Gegenteil, es gibt hier etliche Verbindungen zu den "Freitag der 13."-Streifen und dennoch kommt "Warte, bis es dunkel wird" recht bodenständig daher. Auf übermässig viel Computer-Tricks legt Regisseur Alfonso Gomez-Rejon hier keinen Wert. Die meisten Effekte sind handgemacht und obendrein auch ordentlich ausgefallen. Die Story ist ein ganz alter Hut und ohne nennenswerte Wendungen. Umso höher ist die Arbeit der Regie hier zu bewerten denn trotz dieses Makels ist dieser Slasher kein Langweiler, zieht sein Ding konsequent durch, nutzt die Genre-typischen Zutaten geschickt zu seinen Gunsten und überbringt diese unterhaltsam und ohne nervige Klischees, wenn auch diese nicht ganz zu vermeiden waren. "Warte, bis es dunkel wird" ist auch kein komplett sinnloses Gemetzel. Der Regisseur versucht dem leider sehr durchsichtigen Plot immerhin Methode einzuimpfen und teilweise gelingt ihm das auch, was ihm dann, wie schon erwähnt eine handfeste Bodenständigkeit beschert. Für beinharte Slasher-Freunde definitiv eine Empfehlung, alle anderen begeben sich hier auf mitteldünnes Eis, das brechen kann aber nicht unbedingt brechen muss, betreten auf eigene Gefahr...

6/10

Als "Limited Edition" zusammen mit dem Original von 1976 erschien der Film von TIBERIUS FILM auch im Steelbook:

Donnerstag, 21. Januar 2016

Trouble With The Curve - Back In The Game (2012)

http://www.imdb.com/title/tt2083383/

Der alternde Baseball-Talentsucher Gus Lobel (Clint Eastwood) steht vor der Herausforderung, einen neuen Spieler zu finden, da sein Chef Pete Klein (John Goodman) mit dem Gedanken spielt, ihn in den Ruhestand zu schicken. So muss er sich trotz schwindender Gesundheit nach North Carolina aufmachen, um einen vielversprechenden Spieler unter die Lupe zu nehmen. Auf die Reise begleitet ihn seine entfremdete Tochter Mickey (Amy Adams), die ihrem Vater nie verzeihen konnte, dass ihm Baseball wichtiger als die Familie war und ist. Doch sie und Gus staunen nicht schlecht, als sie nach Jahren mal wieder Zeit miteinander verbringen und feststellen, dass es nicht unmöglich ist, alte Denkweisen und Verletzungen hinter sich zu lassen. Doch dann verliebt sich der konkurrierende Talentsucher Johnny Flanagan (Justin Timberlake) in Mickey und Gus hat eine folgenschwere Entscheidung zu treffen.

Mit Clint Eastwood kommen ja nur gute Filme. Eigentlich. Und wären da nicht die beiden großartigen Hauptdarsteller Clint Eastwood und Amy Adams, so wäre "Trouble With The Curve" oder der wenig einfallsreiche deutsche Titel "Back In The Game" eine blank-biedere Schmonzette. In wenigen Szenen schaffen es die zwei einen Anklang an ein Vater-Tochter Drama zu gestalten, welches man überall versteht. Dennoch strotzt der Film im Großen und Ganzen vor amerikanischen Klischees. Man versteht das Fachchinesisch über Baseball kaum und schaut verwundert drein, wenn Worte fallen wie 'Innings' oder 'Curve'. Vielen deutschen Zuschauern (und auch mir) ist diese Sportart eben so nahe wie der Südpol. So kann man auch manche Auseinandersetzung nur schwerlich nachvollziehen, sei es im Management oder im Privaten. 

Der in die Jahre gekommene Spieler-Scout Gus stammt natürlich aus der Vor-Computerzeit (was natürlich auch seinen Job gefährdet), besonders tragisch ist aber der Verlust seiner Sehkraft. Als Freund und Fachkollege vermittelt John Goodman in der Idealbesetzung für diese Rolle zwischen den Fronten. Dann taucht auch noch Jugendschwarm Johnny (Justin Timberlake) auf und baggert Mickey an. Und damit ist das Ende somit bereits klar vorhersehbar. Jede Szene, fast schon jede Dialogzeile zwischen Amy Adams und Justin Timberlake wirken ab dann auch wie aus einem billigen TV-Movie; inklusive dem sich in einer Bar Betrinken, spontan mit den Dorfmenschen tanzen und natürlich nachts bei Mondschein ganz verrückt halbnackt in einen See spingen um sich dort erstmals zu küssen. Zum Glück macht die Romanze zwischendurch mal Pause, sodass sich der 3. Akt komplett auf das Drama und den sportlichen Teil konzentrieren kann. Wäre dies nicht, wäre der Film nur unteres Mittelmaß. So aber gibt es zumindest eine gewisse kleine und ausgleichende Balance nach oben.

6/10

Dienstag, 19. Januar 2016

Punisher: War Zone (2008)

http://www.imdb.com/title/tt0450314/

Sein Hass auf Kriminelle ist extrem, seit marodierende Gangster einst seine Frau und sein Kind töteten. Nun massakriert er als Punisher alles, was auch nur entfernt nach Kriminellem aussieht. Bei einem Routine-Einsatz gegen ein Mafiakartell holt ihn einmal mehr das Pech ein. Versehentlich erschießt er einen Cop und ist zur Flucht gezwungen, bevor er sein Werk am Möchtegern-Paten Billy Russoti (Dominic West) vollenden kann. Schwer verstümmelt erwacht Russoti, ernennt sich kurzerhand zum Überschurken Jigsaw und schwört grausame Rache. Gerade hat Angela Donatelli (Julie Benz), die Witwe des toten Cops, Franks Bußgesuche abgeschmettert, da kreuzt auch schon Jigsaw auf und entführt sie samt ihrer kleinen Tochter. Im Schutz einer angeheuerten Privatarmee erwartet Russoti den Punisher...

"Punisher: War Zone" ist nun schon der dritte und auch härteste Versuch mit teils deftigen Splatter-Einlagen, den Antihelden Frank Castle auf die Leinwand zu bringen. Etwas limitierter im Budget, dadurch aber deutlich gradliniger als die Thomas Jane-Version, geht es hier verdammt blutig zur Sache. Der Look und die Figuren sind viel mehr vom Comic inspiriert als es noch bei den beiden anderen Filmen der Fall war. Das ist sowohl gut als auch schlecht. Einerseits sprüht die Gewalt vor Comichaftigkeit. Auch der Unterhaltungswert, welcher von den verschrobenen Charakteren und Gegebenheiten ausgeht, ist nicht zu verachten. Das Drehbuch ist zudem nicht der Knaller; hier wird doch ziemlich sinnfrei gekillt.

Andererseits kann und sollte man "Punisher: War Zone" zudem nicht so bierernst nehmen oder genauer über ihn nachdenken. Moralisch und ideologisch wird hier selten etwas hinterfragt, was durch die fragwürdige Endszene einmal mehr verdeutlicht wird. Es geht um harte Unterhaltung und ebendiese allein. Die Action ist fantastisch gemacht und Ray Stevenson ist mit seiner ruppigen Art, ein guter "Punisher", kommt aber längst nicht an Thomas Jane heran (Dolph Lundgrens "Punisher" lassen wir mal gleich ganz außen vor). Schade, dass der Bösewicht (Dominic West) hier nicht ganz an das Charisma eines John Travolta herankommt und eben einfach "der Böse" ist. Sein psychopathischer Filmbruder Looney Bin Jim wird von Doug Hutchison gespielt. Beide sind - trotz einiger schauspielerischer Defizite - mit voller Spiellaune dabei. Immerhin. Auf mehrere Schichten bei Ideologie oder Charakterzeichnung wurde dafür gepfiffen, womit man im Prinzip auch noch gut leben kann.

Besser, als wenn man sich nicht entscheiden kann, worauf man bei einem Film den Fokus setzen will. Zwar hatte die Verfilmung von 2004 etwas mehr Stil, dafür ist diese extrem düster, ultra-brutal und schön dreckig. Sogar an etwas Humor wurde gedacht.

"The Punisher: War Zone" ist letztendlich eine verkettete Aneinanderreihung harter bis ultraharter Schießereien und Kampfszenen. Er ist brutales, straightes Actionkino, welches es bestens versteht zu unterhalten und seiner Comicvorlage näher kommt als je zuvor. Darüber hinaus hat der Film aber nicht mehr zu bieten. Wäre er als B-Movie gekennzeichnet gewesen... er hätte mehr werden können.

6/10

Montag, 18. Januar 2016

[KINO] The Revenant - The Revenant: Der Rückkehrer (2015)

http://www.imdb.com/title/tt1663202/

In den 1820ern zieht der legendäre Trapper Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) durch die Weiten der USA, wo er mit einer von Captain Andrew Henry (Domhnall Gleeson) angeführten Expedition dabei ist, den Missouri River zu erforschen. Am Fluss hat er einen unachtsamen Moment - den ein Grizzly ausnutzt, ihn übel zuzurichten. Glass schwebt in Lebensgefahr. Seine Begleiter, unter ihnen der raubeinige John Fitzgerald (Tom Hardy) und der junge Jim Bridger (Will Poulter), glauben nicht, dass er den Vorfall überleben wird und als sie dann Ureinwohner in der Nähe ihres Lagers erspähen, fackeln sie nicht lange. Sie nehmen dem Schwerverwundeten Gewehr, Messer und seine weitere Ausrüstung ab und überlassen ihn sich selbst. Aber überraschend überlebt Glass doch – und schwört allen Begleitern Rache, die ihn zurückgelassen haben. Auf der Suche nach ihnen schleppt sich der verletzte Abenteurer durch die eisige Bergwelt...

"The Revenant - Der Rückkehrer" ist ohne Zweifel eines der einzigartigsten Filmerlebnisse, die das Kino seit ewigen Zeiten zu bieten hat. Ein mit prachtvollen Bildern durchzogener Film, der streckenweise unglaublicher Spannung aufkommen lässt und eine der besten darstellerischen Leistungen seiner Darsteller innehat. So bewegend, aufregend, emotional und oft auch kaum zu ertragen. Irgendwie auch einzigartig in seiner Gesamtheit. Auch ein handwerklich großartiger Film, der in seinen Actionszenen packend ist (der Kampf mit dem Grizzlybär ist wohl einmalig), leider aber auch in der Anfangsphase an seiner eigenen Geschichte krankt. Die Hauptfigur wird zum Tragöden, noch bevor der Zuschauer Zeit hat sie lieb zu gewinnen, ebenso gehen viele andere interessante Charaktere in Gewalt und Schneegestöber unter. In Erinnerung bleibt hier lediglich das beeindruckende steinerne Gesicht des alten Indianerhäuptlings.

Nur selten wurden Bilder in der freien Natur so wunderbar und beeindruckend eingefangen und mit solch trostloser Schönheit in eine Geschichte eingefügt. Immer und immer wieder verblüfft Regisseur Alejandro González Iñárritu mit Bildern von Landschaften, die den Zuschauer einfach ehrfürchtig staunen lassen. Die Kamera dringt an unglaubliche Orte. Völlig zurecht wurde Kameramann Emmanuel Lubezki für einen Oscar in der Kategorie "Best Cinematography" nominiert. Er bewegt die Kamera fließend um die Gesichter herum und dringt immer wieder so nahe an die Schauspieler heran das der Hauch des Atem oder etwa die Tropfen des Schmelzwassers auf der Linse zu sehen sind. In Kampfszenen ist die Kamera so nahe, dass die Schauspieler immer mal wieder gegen diese anstoßen. Fast spürt man selbst die Kälte und die schier unfassbaren Schmerzen, die Leonardo DiCaprios Alter Ego Hugh Glass durchmacht, selbst. Fast schmeckt man das Blut und spürt die Wunden auf seinen eigenen Körper. Dann aber folgt die Leere, mit der ein einsamer Trapper zu kämpfen hat, die schiere Verzweiflung. Das harte Gegenüber von Geist und hilfloser Physis, das hart Existentielle eines wortkargen Films. Nur fragmentarisch werden dabei Hintergründe gezeigt, nur vorsichtig werden Protagonist und Antagonist mittels Parallelmontage gegenübergestellt.

So tief geht der Film, so echt fühlt er sich auch an. Vor allem hängt der Film aber im Wald, am Leib Hughs. Sicher, man könnte jetzt argumentieren, dass dem Film in der einen oder anderen Szene eine Kürzung gut getan hätte, denn wenn Glass sich das fünfte Mal ächzend und stöhnend über die zwölfte Anhöhe schleppt, dann drosselt dies sicher noch mehr das Tempo des ohnehin ruhigen Streifens. Aber gerade auch diese Ruhe ist es, die „The Revenant“ ausmacht. Es ist eben kein Actionfilm, es ist ein Survival-Thriller und die auf dem Papier simpel klingende Story ist in Wirklichkeit ein Epos über Leben, Mut, Stärke, Einsamkeit, Familie, Liebe, Hass, Rache all die fundamentalen Themen des Lebens, eingefangen in dieser Geschichte. Wenn der Film seine stillen, emotionalen Momente hat, ist man als Zuschauer gefesselt. Und dies wird nur durch den gezielt und perfekt gesetzten Soundtrack verstärkt.

Die beiden Hauptfiguren in diesem Film tragen eine Rivalität aus und es ist klar, dass es nur einen Sieger geben kann. Auch wenn man mehr als erahnen kann, wie die Geschichte ausgehen wird, so ist der Weg das Ziel:  alle müssen für sich leiden und kämpfen. Hugh Glass der Mann, der mit der Natur und so um sein nacktes Überleben kämpft; John Fitzgerald (ebenfalls ganz großartig: Tom Hardy) ist der Mensch, der Glass zurück lässt um seine eigene Haut zu rettet und dennoch auch ein Mann der im Verlaufe des Films mit seinen eigenen Ängsten, Minderwertigkeitsgefühlen und seiner eigenen Schwäche kämpft. Und dem bewusst ist, dass er niemals einem Mann wie Glass das Wasser reichen kann. Hardy bringt seiner Figur John Fitzgerald vor allem Tiefe und Glaubwürdigkeit durch sein grandioses Spiel. Und vielleicht sogar etwas Verständnis beim Zuschauer. Lässt aber auch keinen Zweifel daran, dass Fitzgerald ein kaltherziger und im Grunde grausamer Mann ist.

Ja und dann ist dann noch die Hauptfigur, gespielt von Leonardo DiCaprio. Auch er ist völlig zurecht für einen Oscar nominiert. Ohne Zweifel ist DiCaprio mittlerweile einer der besten Schauspieler seiner Generation und vielleicht sogar schon darüber hinaus. Mit "The Revenant - Der Rückkehrer" hat er nun ein weiteres Meisterstück abgeliefert. Diese Hingabe, diese Bandbreite an Emotionen, Brillanz in seiner Darstellung und der Verschmelzung mit seinen Figuren, es ist unmöglich sich Filmfan zu nennen und DiCaprios Brillanz nicht anzuerkennen. Oscar hin oder her - solch eine Darstellung kann keine goldene Statue der Welt gebührend ehren. Und in ein paar Jahren wird man mit Sicherheit DiCaprio ohne Zögern in einer Reihe mit Brando, Pacino, DeNiro oder Hoffman nennen. Die Schmerzen, Qualen, Ängste und Emotionen, die die Figur Hugh Glass durchmacht, werden durch DiCaprio so echt und real wie es nur geht. Und das ist mitreißend, spannend und schlicht und ergreifend unglaublich.

Regisseur Alejandro González Iñárritus, der mit "21 Gramm", "Babel" oder "Birdman" schon großartige Filme schuf, legt seine ganze schöpferische Kraft und Fähigkeit, eine epische Geschichte zu erzählen in die Waagschale und schafft mit "The Revenant" einen anderen Film, einen besonderen Film. Ruhig, besonnen, dann wieder ausbrechend und laut, brachial und sogar schmerzhaft, blutig und dann wieder still, bedächtig, einsam, kalt. Leider zu vorhersehbar in der Handlung und zu gewollt in den Rückblenden, in denen auf bekannte Art und Weise mit dem Protagonisten mitgefühlt werden soll. Erst gegen Ende spitzt sich die Narration zu, nimmt sogar etwas zu viel Dramaturgie auf, lässt den Film fast genretypisch werden, nur um schließlich doch dem Moralischen und Metaphysischen Wert zu zollen. Denn darum geht es Iñárritu doch immer wieder: Um Gerechtigkeit, Schicksal. Das wirkt am Ende sehr kahl, einfach, passend zum reduzierten Setting, aber auch nicht besonders aufregend. Vor allem stiftet es kaum zur weiteren Beschäftigung an. Und so spaltet Iñárritu die Masse an Zuschauern: die einen erleben den Film, leiden und staunen mit, die anderen langweilen sich und verlassen sicher enttäuscht das Kino.

8,5/10

Auch im limitierten Steelbook erhältlich:

Sonntag, 17. Januar 2016

Mutiny On The Bounty - Meuterei auf der Bounty (1962)

http://www.imdb.com/title/tt0056264/

Die historische Meuterei auf dem britischen Dreimaster "Bounty" wurde mehrmals verfilmt. Die Adaption von 1962 ist die erste in Farbe und basiert auf dem gleichnamigen Buch von Charles Bernard Nordhoff und James N. Hall. Die Bounty verlässt Portsmouth im Jahre 1787, das Ziel lautet Tahiti. Captain Bligh (Trevor Howard) ist bereit, wirklich alles dafür zu tun, um die südpazifische Insel schnellstmöglich zu erreichen. In Tahiti kommt die Welt der Crew wie ein Paradies vor, das so ganz anders ist, als die Hölle an Bord des Schiffs. Auf dem Weg zurück nach England hat die Mannschaft genug von den Repressionen des Käptns. Fletcher Christian (Marlon Brando), der Erste Offizier, führt eine Meuterei an. Das Ende vom Lied: Die Aufständischen werden in einem Beiboot ausgesetzt und fahren zurück nach Haiti. Mit neuen Männern und den Liebschaften der Matrosen wird die Gruppe verstärkt. Es soll nun auf die Insel Pitcairn gehen, wo man sich vor der Verfolgung durch die britische Admiralität sicher fühlt...

Die "Bounty" - ihr Name könnte mit Wohltat, Spende, Güte oder gnädiger Gabe übersetzt werden. Schenkt man allerdings nicht Geschichts-, sondern dem Drehbuch zu Lewis Milestones berühmter Verfilmung Glauben, so war der Kapitän der HMS "Bounty" das genaue Gegenteil der Gnade: nicht eiserne Disziplin, sondern ein sadistisches Terrorregiment führte Kaptän William Bligh an Bord. Ja, Trevor Howard als sadistischer Kapitän ohne Rücksicht auf menschliche Verluste, sein ehrgeiziges Ziel unerbittlich vor Augen und Marlon Brando, der sich schleichend zu seinem erbitterten Feind entwickelt, beharken sich mit messerscharfen Dialogen. Ihr brillantes Schauspiel und das der guten Nebendarsteller sowie die imposanten Aufnahmen von hoher See, als auch vom Südseeparadies, lassen die dreistündige Laufzeit des Films wie im Fluge vergehen. Ein Seeabenteuer, das keine Seeschlachten benötigt, um den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen. Doch Hollywoods Filmemacher haben sich die Historie ein klein wenig zurechtgebogen, ist doch mittlerweile erwiesen, dass dieser nicht mehr oder weniger gestreng war als andere Schiffskapitäne seiner Zeit.


Der Aben­teu­er­film "Meu­te­rei auf der Bounty" aus dem Jahr 1962 ist die erste Farb­ver­fil­mung der his­to­risch ver­bürg­ten Gescheh­nisse, die bereits zu dem von Frank Lloyd insze­nier­ten Schwarzweiß-​​Klassiker inspi­rier­ten; sei­ner­zeit mit Charles Laugh­ton und Clark Gable in den Haupt­rol­len. Ein Remake also, aber kein Schlechtes. Im Gegenteil. Für den Regis­seur Lewis Miles­tone sollte es der letzte Spiel­film wer­den bevor er sich in den Fol­ge­jah­ren end­gül­tig aus dem Geschäft zurück­zog. Gedreht hatte er über zehn Monate an Ori­gi­nal­schau­plät­zen auf Tahiti und Moo­rea in Französisch-​​Polynesien mit Ein­hei­mi­schen wie Lai­en­sta­tis­ten. Unter ande­rem weil Mar­lon Brando als Co-​​Produzent das Bud­get immer wei­ter auf­stockte, stan­den am Ende 19 Mil­lio­nen US-​​Dollar Pro­duk­ti­ons­kos­ten zu Buche, von denen die Hälfte allein in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten wie­der ein­ge­spielt wer­den konnte. Die naiven und zum Teil arg kitschigen Szenen auf Tahiti, die zwar einen expliziten Kontrast zu der harten, alltäglichen Seemannsarbeit darstellen sollen, um diese abermals zu unterstreichen, sind leider oft unfreiwillig komisch, dafür überzeugen aber im hohen Maße Kostüme, Austattung und Glaubwürdigkeit.

Der 185-minütige Streifen gilt heute zu Recht als eines der optisch ein­drucks­volls­ten Werke der 60er Jahre - auch ohne einen Oscar gewon­nen zu haben. Obgleich er bei der Ver­lei­hung 1963 neben der Kate­go­rie 'Bes­ter Film' in sie­ben wei­te­ren nomi­niert war. Jene des "Bes­ten männ­li­chen Haupt­dar­stel­lers" gehörte nicht dazu. Dabei besticht das Remake doch in ers­ter Linie durch die über­zeu­gende Beset­zung der Besat­zung und vor allen ande­ren glänzt ein Gold­junge ganz beson­de­rer Art: nicht umsonst gilt der 2004 gestor­bene Mar­lon Brando als viel­leicht bedeu­tends­ter Cha­rak­ter­dar­stel­ler des 20. Jahr­hun­derts - und als eines der letz­ten wah­ren Originale. Dank entsprechend guter Figuren, schöner Charakterzeichnung und der allesbeherrschenden, authentischen Naturgewalt, die eindrucksvoll eingefangen wurde, herrscht ein durchgehend glaubwürdiges Konfliktpotential, das "Meuterei auf der Bounty" zu einem zeitlosen Klassiker macht.

8/10

Samstag, 16. Januar 2016

The Incredible Hulk - Der unglaubliche Hulk (2008)

http://www.imdb.com/title/tt0800080/

Wenn Menschen wütend sind, reagieren sie unterschiedlich. Der eine schreit rum, der nächste lässt seine Aggression an Gegenständen aus. Bruce Banner (Edward Norton) hingegen verwandelt sich in das grüne Monster Hulk, sobald sein Puls die Marke von 200 Schlägen pro Minute übersteigt. Weil General "Thunderbolt" Ross (William Hurt) Hulks Kräfte für militärische Zwecke ausschlachten wollte, floh Banner nach Brasilien. Dort arbeitet er seitdem an Entspannungstechniken und schuftet in einer Limonaden-Fabrik. Durch einen unglücklichen Zufall stößt das US-Militär jedoch auf die Spur des Flüchtigen. Banner muss erneut abhauen und schleicht sich zurück in die USA, wo er mit der Unterstützung von Ross' Tochter Betty (Liv Tyler) nach einer Kur für seinen Zustand forschen will. Dabei wird er erneut von Ross gestört, der die versammelte US-Kriegsmaschinerie auf den grünen Muskelprotz hetzt. Als auch dies nicht hilft, Hulk zu stoppen, setzt sich der kampfbesessene Marine Emil Blonsky (Tim Roth) freiwillig ähnlichen Experimenten wie einst Banner aus, um dem Hulk als würdiger Gegner gegenüberzutreten...

Nach dem genialen "Hulk" von Ang Lee bedurfte es 5 Jahre später einer Fortsetzung, die die Figur des Hulk so langsam aber sicher als weiterführende Origin-Geschichte in das Marvel Cinematic Universe integrieren sollte. "The Incredible Hulk" gilt derweil aber bei vielen Fans als einer der schlechteren Filme der Marvel-Studios, womit ihm allerdings in jeder Hinsicht Unrecht getan wird. Denn Louis Leterrier erreicht eine weitere Stufe auf der Karriereleiter als Regisseur, da er es doch tatsächlich schafft, in einen scheinbar lupenreinen Zerstörungsfilm einige sinnvolle und sehenswerte Actionszenen einzubauen, die etwas kreativer sind als simples "Hulk Smash!". Zu verdanken ist das hauptsächlich dem Einsatz von Tim Roth als Elitesoldat Emil Blonsky: Dieser stellt durch geniale Taktiken trotz anfänglicher physischer Unterlegenheit einen würdigen Gegner für den Hulk dar, dessen Szenen jedoch durch die mit rein menschlichen Kontrahenten, wie die Verfolgungsjagd durch die Slums, in den Schatten gestellt werden. Blonsky selbst ist dabei ein typischer Unsympath, dessen Rolle als Schurke sich natürlich sofort herauskristallisiert, denn obwohl solche einseitig bösen und daher wenig vielschichtigen Antagonisten oft langweilig und eintönig sind, dienen sie hier keineswegs lediglich als Mittel zum Zweck, um die Handlung ins Laufen zu bringen und einen zu besiegenden Bösewicht einzuführen.


Dabei wird auch die Einstellung des Helden beleuchtet, der als Privatperson Bruce Banner die Friedfertigkeit in Person ist, was es aber nicht leichter macht, sich als Hulk zurückzuhalten; einzig und allein die Liebe in Form von Liv Tyler als Betty Ross hat in dem Fall noch Einfluss. Die, die alles durcheinanderbringen, sind die Militärs mit ihrer aggressiven Natur, die ja auch in der Realität Konflikte schaffen, wo eigentlich keine sind. In dieser Rolle leistet hier William Hurt als General Ross gute Arbeit (kann aber Sam Elliot aus dem Vorgänger nicht das Wasser reichen) und als neutraler Charakter zwischen den Fronten, der am Anfang die Helden unterstützt, mit der Zeit aber immer mehr seine eigene Philosophie entwickelt, ist Tim Blake Nelson als Samuel Sterns hervorzuheben. An die Wand gespielt werden die aber trotzdem alle von Edward Norton, der in fast jeder seiner Rollen brillant rüberkommt. Mark Ruffalo ist zwar ein toller Schauspieler und ein richtig guter Bruce Banner bei den "Avengers", aber Edward Norton passt einfach zu gut in diesen Film wenngleich das zu grobe Design des Hulks ist hier etwas weniger ansprechender ist als im Vorgänger und in den späteren "Avengers"-Filmen. Schön ist dennoch, wie der frühere Hulk-Darsteller Lou Ferrigno als Cameo eingebaut wird, Stan Lee sowieso und zusätzlich zum Auftritt von Robert Downey Jr. am Ende, welches auf sehenswerte Weise zu den "Avengers" überleitet. Eine weitere Stärke des Films liegt in seiner Atmosphäre, die sich trotz ein paar eingestreuter Gags ziemlich düster und ernst hält. Zudem wird im Gegensatz zu späteren Marvel-Filmen auch nicht davor zurückgeschreckt Blut zu zeigen, obwohl auf Schönheit von Landschaften und bildgewaltige Szenen wie im Dschungel oder bei den Slums zurückgegriffen wird, die die beeindruckende Ästhetik des Films genauso unterstützen wie der Soundtrack. An Meisterwerke wie die "Dark Knight"-Trilogie, die "Watchmen" oder "V wie Vendetta" kommt "Der unglaubliche Hulk" zwar auf keinen Fall heran, aber unter den früheren Marvel-Filmen hat er ganz klar die grüne Nase vorn.

7/10

Freitag, 15. Januar 2016

Jaws - Der weiße Hai (1975)

http://www.imdb.com/title/tt0073195/

Der kleine Badeort Amity Island wird von einem gefräßigen Hai heimgesucht, der auch gerne mal den ein oder anderen Menschen verspeist. Trotz einiger Todesfälle will der örtliche Bürgermeister (Murray Hamilton) davon aber nichts wissen, der Profit durch die anstehende Badesaison und den Tourismus hat Vorrang. Er verbietet dem Polizeichef, Martin Brody (Roy Scheider), die Sperrung des Strandes. Erst als ein Kind getötet wird, reagiert auch der Bürgermeister. Für einen Tag wird der Strand abgeriegelt, Suchtrupps sollen den Hai finden. Da die Mutter des Kindes ein Kopfgeld auf den Hai aussetzt, wimmelt es am nächsten Tag nur so von Leuten in der Stadt. Jeder will das Ungeheuer finden und töten, Unmengen von Menschen gehen auf Boote und machen sich auf die Jagd nach dem Hai. Die Hatz scheint schnell erfolgreich zu sein, ein Hai wird getötet, Aufatmen bei der Bevölkerung und beim Bürgermeister...

"Der weiße Hai" oder auch "Jaws", so der englische Titel, ist ein wahres Monster von einem Film, der im Jahr 1975 für leere Strände an Amerikas Küsten sorgte. Einerseits, weil man nach der Sichtung des Films nicht mehr einfach so bedenkenlos mit Anlauf eine Arschbombe ins kühle Nass machte, andererseits, weil die Menschen in hunderte Meter langen Schlangen vor den Kinos standen. Somit ist Spielbergs "Der weiße Hai" die Mutter des Sommer-Blockbuster-Kinos. Die damit einhergehende und groß angelegte Marketing-Strategie war daran natürlich nicht ganz unbeteiligt.


Und es gibt noch etwas, denn "Der weiße Hai" spricht in ungeahnter Genialität Urängste des Menschen an. Nein, nicht etwa die Angst vor Haien, eher diese bedrückende Ungewissheit, was in diesem tiefen Dunkel der Ozeane so alles kreucht und fleucht und das diese Wesen natürlich gerade dann an die Oberfläche streben, wenn man im Wasser planscht. Regisseur Steven Spielberg verstand es eben, über die gesamte Laufzeit eine bedrohliche Stimmung zu schüren und sich ebensolcher Ungewissheiten zu bedienen. "Der weiße Hai" ist einer der Filme, die es spielend schaffen, den Zuschauer unter einer schweren atmosphärischen Decke gefangen zu halten. Was hier in einem Furcht hervorruft, sind nicht die offensichtliche Angst in den Gesichtern der Betroffenen und Wissenden, es ist die Unbeschwertheit und Vergnügtheit der Sorglosen und die Gewissenlosigkeit derer, die sich nur um ihren Geldbeutel scheren. Ist die Hysterie dann doch in Gang gesetzt, wird selbst das noch zu einer lukrativen Sache für die Medien. Kritisch auf vielen Ebenen und dabei trotzdem so eingängig, das schafft dieser Film wie kaum ein anderer und macht zudem aus einer simplen Geschichte spannendes Unterhaltungskino. Dass der Ruf der Weißen Haie damit auch arg in Verruf gebracht wurde, ist schade, aber auch der undifferenzierten Haltung mancher geschuldet, die ihren Vorteil daraus ziehen möchten.

Auch die Optik kann noch heute recht hohen Ansprüchen gerecht werden. Dabei waren die Mittel in den 70ern doch eher beschränkt, besonders um eine furchteinflössende Kreatur realistisch darzustellen. Das Modell des Hais ist schließlich gelungen und wurde geschickt und im größtmöglichem Maße wirkungsvoll eingesetzt. Dass man das riesige Monster nur selten und schon gar nicht komplett zu Gesicht bekommt ist dabei eher positiv hervorzuheben, schürt es doch in gewisser Weise sogar noch Ängste vor dem Unbekannten. Das war von Spielberg jedoch noch nicht mal beabsichtigt, der mechanische Hai machte einfach nie das, was er sollte. Der Filmdreh war kurz vorm implodieren: das Drehbuch nicht fertig, Drehzeit von 7 Wochen auf 28 Wochen aufgestockt, ein damaliges No-Go war auch der Dreh auf dem offenen Meer und unter den Umständen ist das Endresultat wahrhaft meisterlich, unterlegt von der Nerven-zerfetzenden Musik von John William. Ein Einspielergebnis von 470 Millionen Dollar bei unter 10 Millionen Dollar Budget machte letzten Endes auch die bis zum Schluss an Spielberg zweifelnden Universal Studios wieder glücklich.

Und nach all den Jahren funktioniert "Der weiße Hai" noch immer hervorragend, die ausgewogene Mischung aus Thiller, einer guten Charakterzeichnung der drei völlig verschiedenen Männertypen, etwas Humor und dem Spiel mit den menschlichen Urängsten ist nahezu perfekt. Leider ist es stereotypisch, genau wie die Hauptfiguren, die gewisse formelhafte Züge annehmen, in denen sich unverhohlen ein Teil der amerikanischen Gesellschaft wiederspiegelt. Vor diesem Hintergrund schaffen die Dialoge und der raffinierte Witz eine weitere tiefere Ebene. Somit fällt sofort die authentische Interaktion zwischen den Figuren auf. Irgendwie wirkt alles so "normal", wobei gerade so ein Tier-Horror-Film doch zu Übertreibungen einlädt. Ein Gefühl, dass sich doch nur höchst selten beim Zuschauer einstellt. Davon abgesehen lässt "Der weiße Hai" durch seine zügige Handlung einfach keine Langweile aufkommen. Die tollen Einstellungen und die alles überdauernde Titelmelodie gibt dem Ganzen eine unverkennbare Note. Auch die geniale Kameraarbeit fällt einem sofort auf, sogar den produktionstechnisch sehr aufwendigen Vertigo-Effekt darf man hier bewundern. Großartig, immer noch Atmosphäre pur und technisch (1975) absolut überragend.

9/10


Zum 25-jährigen Jubiläum erschien der Film auch im limitierten Steelbook. Dieses ist längst ausverkauft und nur noch teuer zu haben. Dafür ist darin enthaltene Blu-ray technisch absolute Spitzenklasse und sie bietet noch einen weiteren Vorteil: nämlich die originale Kinosynchronisation von 1975 und nicht nur die Neusynchronisation von 2004...

Donnerstag, 14. Januar 2016

The Judge - Der Richter: Recht oder Ehre (2014)

http://www.imdb.com/title/tt1872194/

Der smarte Hank Palmer (Robert Downey Jr.) hat seinem kleinen Geburtsort schon vor Jahren den Rücken gekehrt und arbeitet seither als erfolgreicher Anwalt in der Großstadt. Nicht nur räumlich hat er sich weiterbewegt, auch zu seiner Familie hat Hank den Kontakt längst abgebrochen. Als er vom Tod seiner Mutter erfährt, kehrt er das erste Mal nach langer Zeit nach Hause zurück, wenn auch nur sehr widerwillig. Nach seiner Ankunft wird der Großstädter auch gleich mit weiteren familiären Problemen konfrontiert: Sein Vater Joseph (Robert Duvall), der vor seinem Ruhestand als Richter des Städtchens fungierte, leidet an Erinnerungslücken und wird des Mordes angeklagt. Um diesen Anschuldigungen zu begegnen, übernimmt Hank die Verteidigung seines Vaters vor Gericht. Bei seinen persönlichen Ermittlungen findet er mehr über die Familie heraus als ihm lieb ist...

Wenn man an Robert Downey jr. denkt, dann denkt man in den letzten Jahren nur an seine absolut arrogant und überheblich gespielten Rollen als "Tony Stark" in "Iron Man" oder überbordernd und omnipräsent wie die titelgebende Figur in  "Sherlock Holmes". Aber Robert Downey jr. hat noch viel viel mehr drauf; er ist Charakterdarsteller, wandlungsfähig und äusserst überzeugend. Mit seiner Rolle in "The Judge" weiß er gerade letzteres mehr als eindrucksvoll unter Beweis zu stellen. Und das, obwohl ihm mit Robert Duvall, der seinen mürrischen Vater und strengen Richter absolut großartig herüberbringt und die Nominierung für den Oscar 2015 völlig zurecht erhielt, ein starker Schauspieler an der Seite steht und mit dem immer wieder großartigen, wenngleich hier etwas zurückhaltenden Vincent D'Onofrio, einer tollen Vera Fermiga, die Ihren Part auch wunderbar in Szene setzt, und einem fordernden Billy Bob Thornton ein echt geniales Quartett an Kollegen zur Seite steht.

Dank ebenjener Schauspieler kippt die Story glücklicherweise auch nie ins Kitschige, obwohl es so manchen Moment gibt, in dem einem ein Kloß im Halse steckt. Natürlich hat daran auch das gute Drehbuch seinen Anteil, mit tollen Dialogen und einem berührenden Ende der Gerichtsverhandlung, bei dem sich Vater und Sohn endlich die Wahrheit um die Ohren hauen. Genauso wie überraschend tiefgründige Gespräche zu ungewöhnlichen Zeiten passieren und überraschend gute Lebensweisheiten manchmal zu ungewöhnlichen Zeiten in den Sinn kommen, sieht man auch mal zu ungewöhnlichen Zeiten einen überraschend 'einflussreichen' Film. Trotz der langen Laufzeit von 141 Minuten vergeht dieses Drama damit wie im Fluge und trotz des etwas zähen und stellenweise sogar langwierigen Beginns entwicklet sich "The Judge" zu einer sehr spannenden, guten und interessanten Geschichte. Selbst eingestreuter nicht allzu witziger, aber immerhin zum Schmunzeln anregender Humor geben dem Streifen noch eine besondere note und selbst der Soundtrack ist eine kleine Erwähnung wert, denn er ist passend, mit tollen Songs, die die Story einfühlsam begleiten und den Zuschauer mitreißen können. Aber letztlich ist es die Chemie der zwei Hauptdarsteller die "Der Richter" zu einem wirklich gelungenen Film machen.

8/10