Samstag, 28. November 2015

It Follows (2014)

http://www.imdb.com/title/tt3235888/

Die 19-Jährige Jay (Maika Monroe) hat Sex mit Hugh (Jake Weary), ihrem Date. Doch hätte sie vorher gewusst, was der Beischlaf für Folgen haben wird, wäre sie nicht zu dem jungen Mann auf den Rücksitz geklettert. Als sie, noch benommen vom Chloroform und an einen Stuhl gefesselt, wieder aufwacht, erklärt ihr Jay reumütig, dass er einen verstörenden Hintergedanken hatte: Er sei von einem Geist verfolgt worden, den er loswerden und zu diesem Zweck transferieren wollte – ein Ziel, dass er mit dem Sex erreicht habe. Jay glaubt Hugh zunächst nicht, sieht den Geist aber bald mit eigenen Augen, er hat sich in unterschiedlichen Erscheinungen an ihre Fersen geheftet: als nackte Frau, großer Mann und kleines Kind. Um ihn loszuwerden, müsse Jay mit einer anderen Person schlafen. Ob der heimgesuchten jungen Frau ein anderer Ausweg gelingt? Verzweifelt bittet sie ihre Schwester Kelly (Lili Sepe) und ihre Freunde Yara (Olivia Lucardi) und Paul (Keir Gilchrist) um Hilfe…

"Der gruseligste Film des Jahres". Stimmt. Allein schon die Prämisse des Films ist großartig. Durch Geschlechtsverkehr wird "Etwas" weitergegeben, welches denjenigen dann so lange verfolgt, bis er/sie tot ist, oder das "Etwas" ebenfalls durch Sex weitergegeben wird. Die Jungfrauen sind also wieder einmal sicher. Toll ist auch die Tatsache, dass der Dämon jede menschliche Gestalt annehmen kann. So lauert quasi ständig die Gefahr. An jeder Ecke kann also der Tod lauern. Auch die Klangkulisse und der synthie-lastige Soundtrack von Disasterpeace sind ebenfalls großartige Kino-Kunst und schon fast preisverdächtig. In Verbindung mit der starken Kamera-Arbeit erschafft Regisseur David Robert Mitchell eine starke Atmosphäre, die von ersten Minute bis zum Schluss kaum an Intensität verliert. Jump-Scares und überflüssiges Blutgespritze fällt ebenfalls flach. Ein weiterer Pluspunkt, wurde das Horror-Kino doch in den letzten Jahren nur so überflutet mit übertriebenen Splatter-Spektakeln und 08/15-Geister-Jump-Scare-Schwachsinn. Der langsam gehende Dämon tut da sein übriges. Irgendwann achtet man als Zuschauer nicht mehr auf die Akteure, sondern hat nur noch den Hintergrund im Auge und beobachtet.

Leider gibt es ein großes Manko, denn da der geübte Zuschauer weiß, dass der Protagonist/die Protagonistin selten am Anfang oder mittendrin das Zeitliche segnet, besteht nie wirklich Gefahr. Sie entkommt immer. Klar, die Verfolgungsszenen sind gut inszeniert, atmosphärisch, spannend - aber eben auch nie richtig erschreckend. Somit ist "It Follows" ein Horrorfilm, der irgendwie keinen Horror auf den Zuschauer überträgt. Das ändern auch die überdurchnittlich guten Leistungen der Darsteller nicht. Maika Monroe spielt zwar klasse, richtig mitfiebern kann man aber nur bedingt, da auch zu wenig drumherum passiert.

"It Follows" ist aber wirklich keine große Enttäuschung. Man kann mit diesem subtilen Grusel durchaus seine Freude haben, und wenn Ton und Soundtrack nicht mit Preisen überschüttet werden, sollte Hollywood seine Preisepolitik überdenken. Aber schocken, oder ängstigen fällt dem Film schwer. Da nützen dann die Atmosphäre und die tolle Prämisse auch nichts, wenn man den Film ohne Pulssteigerung erlebt. Dennoch ist dieser Film der alten Schule etwas ganz Besonderes und Freunde des Grusels sollten auf jeden Fall einen Blick riskieren.

7/10

The Hobbit: The Battle Of The Five Armies 3D - Der Hobbit: Die Schlacht der fünf Heere 3D (Extended Edition) (2014)

http://www.imdb.com/title/tt2310332/

Als die von Thorin Eichenschild (Richard Armitage) angeführte Zwergen-Truppe ihre Heimat von Smaug (Originalstimme: Benedict Cumberbatch) zurückfordert, entfesselt sie die zerstörerische Kraft des Drachen. Keiner ist mehr sicher vor dem zornigen Ungetüm, das die Seestadt Esgaroth samt Bevölkerung angreift. Ein zermürbender Kampf wird entfacht, der bei allen Beteiligten Spuren hinterlässt. Aber Thorin verweigert den Seestädtern jegliche Hilfe und auch das Gold, das der Drache gestohlen hatte, will er nicht teilen. Hobbit Bilbo (Martin Freeman) versucht, zwischen den Parteien zu vermitteln, doch vergeblich. Thorin hält ihn für einen Verräter und auch Gandalf (Ian McKellen) kann nichts mehr ausrichten. Es wird aufgerüstet und bald stehen sich die Armeen gegenüber – dabei hat bereits eine noch viel dunklere Bedrohung ihr Augenmerk auf den Einsamen Berg gerichtet: Der dunkle Herrscher Sauron kehrt nach Mittelerde zurück und sendet mehrere Legionen Orks in Richtung Erebor. Die Zwerge, Elben und Menschen können ihrer Vernichtung nur entgehen, wenn sie ihre Konflikte außer Acht lassen. Die Schlacht der Fünf Heere beginnt...

Wenn sich das Jahr dem Ende neigt bedeutet das für den Filmfan in den letzten Jahren nur eines: Sichtung der "Extended Version" des neuen (und nun vorerst auch letzten) Abenteuers in Mittelerde. "Die Schlacht der fünf Heere" war in der Kinofassung - und das kann man ehrlich zugeben - der schlechteste Teil beider Trilogien (Der Hobbit/Der Herr der Ringe). Mit einer Wertung von 7,5/10 ist das - wie so oft - Jammern auf hohem Niveau. Die neue erweiterte Fassung verlängert den mit ursprünglich 144 Minuten stattlichen dritten Teil um 20 Minuten auf 164 Minuten. Wie so oft wird der Film dadurch aber auch nicht wesentlich besser, bietet aber hier und da Platz für eine handvoll sinnvolle Erweiterungen und stopft sogar einige Logiklöcher, die in der Kinofassung vielleicht nicht unbedingt auffielen, aber doch für fragende Gesichter sorgten.

Die größten und längsten Erweiterungen gönnt Regisseur Peter Jackson jedoch wieder einmal der gigantischen Schlacht am Ende. So gibt es hier enige neue Szenen mit den Zwergen und endlich wird auch erklärt, wie die 6 so schnell zum Rabenberg kommen. Darunter gibt es einige sehr geniale und gleichzeitig auch witzige Szenen, beispielsweise in der Zwerg Bofur (James Nesbitt) die Kontrolle über den Keulenschwingenden Troll übernimmt und so mal eben das halbe Schlachtfeld aufräumt, indem er einfach ein paar der umherlaufenen Orks zu Tode knüppelt und zu blutigem Brei zermalmt. Gleichzeitig erklärt dies auch das Erscheinen eben diesen Trolls am Ende, denn Legolas benötigt ihn ja dringend um Tauriel zu Hilfe zu eilen. In der Kinofassung war nicht ganz kar woher der Troll so plötzlich kam, sonderlich gestört hat einen dieses jähe Auftauchen aber auch nicht.



Und nicht nur in diesen Szenen merkt man, dass auch am Gewaltgrad, bzw. an den Schlachtszenen geschraubt wurde, die eine FSK 12 reichlich fragwürdig erscheinen lassen. Da werden plötzlich reihenweise Orks blutigst enthauptet, Beine abgerissen (ein Ork "humpelt" sogar noch auf seinen Stümpfen durchs Bild) und Schädel gespalten. Das ist - für die Schalchtszenerie ein großer Gewinn, denn - wenn man ehrlich ist - war dieser in der Kinofassung zwar rauh, aber nicht so schön durchzogen vom Geiste der Schlachten in "Die Rückkehr des Königs". Auch wird hier endlich der Titel des Films erklärt. Denn in der Kinofassung zählt man - selbst mit Mühe - nur vier Heere.



Doch wo Licht ist ist auch Schatten, das wissen eben nicht nur Zauberer und Elben. Denn obwohl es einige sinnvolle Erweiterungen gibt, so wird man das Gefühl nicht los, dass da eben noch mehr drin gewesen wäre. Beispielsweise hat auch Beorn (Mikael Persbrandt) noch einen großen Auftritt in der Schlacht. Dieser ist aber so kurz und im Grunde überflüssig, dass man ihn auch hätte gleich weglassen können. Auch die Coolness von Legolas wurde unnötigerweise aufgewertet. Hatte er in der Kinofassung schon einen übermenschlich coolen Auftritt, indem er die fallenden Steinbrocken hinaufhechtete, um Bolg (John Tui) endlich en Garaus zu machen, so darf er sich hier, kopfüber an einer Fledermaus hängend an noch einer weiteren Orkmeute austoben. Das ist sicherlich auch nett anzusehen, gleichzeitig aber auch zu übertrieben.



So hofft man dann auf einige weitere Erweiterungen am Ende, jedoch macht sich alsbald Ernüchterung breit, denn diese wollen - bis auf die Aufbahrung und Abschiednahme der verstorbenen Zwerge - einfach nicht kommen. So ist immer noch unklar, wann Bilbo die Schatztruhe holte, die in "Eine unerwartete Reise" in der Trollhöhle vergraben wurde, noch wird erklärt, was mit Tauriel geschah. Immerhin bekommt man das erhoffte Ableben Alfrids (Ryan Gage) serviert, welches so herrlich blöd ist, dass man mindestens schmuneln muss und es damit schon wohlwollend verzeiht. Auch die Frage, warum Gandalfs (Ian McKellen) Zauberstab immer mal wieder herumgewirbelt werden muss wird mit einem Augenzwinkern beantwortet. So macht der Extended Cut den dritten Teil insgesamt betrachtet ein wenig sehenswerter als die Kinofassung, lässt ihn aber immer noch auf dem letzten Platz in der Gesamtwertung für alle 6 Filme verweilen.

Man merkt beim "Hobbit" recht deutlich, dass Peter Jackson nur aus der Not heraus auf dem Regiestuhl Platz nahm. Die Detailverliebtheit, die man von ihm aus seiner "Herr der Ringe"-Trilogie kannte ist weitesgehend gewichen. Sicher sind die Schauplätze immer noch schön anzusehen und hervorragend gestaltet, allerdings liegt dies weniger an der Arbeit der Maske, vielmehr an der der Computerzauberer. Und das ist etwas schade, denn gerade beim "Herrn der Ringe" gab es immer wieder das eine oder andere Detail zu entdecken und gerade die Effekte mit den "Bigatures" (scherzhaft so von der Weta-Crew getauft, weil die Modelle doppelt so groß waren wie man sie urspünglich für Filme verwendete - zumindest zur Zeit der Produktion von "Der Herr der Ringe") waren zwar sichtbar, aber auch irgendwie beeindruckend. Hier kommt dies alles - und man kann durchaus sagen fast ausnahmslos - aus dem Computer. Selbstredend sieht das auch besser aus. Allerdings lässt es auch einen gewissen Charme vermissen.

Und was bleibt nun beim finalen Teil vom "Hobbit" übrig? Ein zumindest noch netter Blockbuster mit guter Action und Schauwerten aber so einigen "Muss das jetzt sein?"-Momenten. Es bleibt ein Rätsel, wie man es schafft ein so kleines Buch auf so lange Spielzeit zu strecken und trotzdem ein völlig hektisches Pacing hat. Für nichts wird sich Zeit gelassen, stattdessen ist der Film vollgepumpt mit unnötigen Szenen. Man hätte sich auf das Wesentliche reduzieren sollen. Wirklich nur die Geschichte des kleinen Hobbits erzählen in etwa 2 zweistündigen Filmen. Dann hätte man ziemlich sicher 2 gut unterhaltende locker leichte Filme als kleines Abenteuer verpackt gehabt. Stattdessen hat man 8 Stunden ohne Bindung zu den Charakteren (wer kann schon alle dreizehn Zwerge beim Namen nennen, geschweige denn diese auseinanderhalten?) und eine aufgeblähte Geschichte mit künstlicher aber nie beim Zuschauer ankommende 'Epicness'. Was in den letzten Zeilen so komplett negativ klingt ist einfach die große Enttäuschung, dass der "Hobbit" einfach so viel falsch gemacht hat. Objektiv betrachtet sind die Filme natürlich immer noch sehr gut gemachte Blockbuster, welche aber sicher irgendwo in der großen Masse untergehen werden.

Eben nicht so wie die grandiosen Verfilmungen der Ring-Trilogie.

8/10

[SERIE] Boardwalk Empire, Season 01

http://www.imdb.com/title/tt0979432/

Atlantic City, 1920: Das Seebad hat sich längst zur heimlichen Vergnügungshauptstadt der USA entwickelt und in den USA beginnt die Prohibition: Stadtkämmerer Enoch "Nucky" Thompson (Steve Buscemi) hat nicht vor, sich die Geschäfte dadurch verderben zu lassen, denn klar ist: Die Menschen wollen trotzdem Alkohol trinken. Der Schnaps wird illegal hergestellt und an Geschäfte geliefert. Dafür muss die Polizei bestochen werden; aber das muss Nucky gar nicht, denn sein Bruder ist passenderweise gleich Sheriff der Stadt. Örtliche Politiker halten ebenfalls die Hand auf und so ziehen sich Mord, Erpressung, Schmuggel und Bestechung durch alle Kreise, ohne dass viel dagegen unternommen wird. Der korrupte Politiker übernimmt bald die Kontrolle über Alkoholschmuggel, Glücksspiel und Prostitution und muss sich dabei mit Mafia und FBI herumschlagen...

http://www.imdb.com/title/tt1276201/
1.1 Boardwalk Empire (Boardwalk Empire)
Zu Beginn der Prohibition im Januar 1920 denkt sich der Kämmerer von Atlantic City, Enoch "Nucky" Thompson, einen Plan aus, mit dem er und seine einflussreichen Partner durch den Verkauf von illegal hergestelltem Alkohol reich werden sollen. Nucky wird von der schwangeren Margaret Schroeder aufgesucht, die von ihm Hilfe benötigt, um einen Job für ihren Ehemann zu finden. Jimmy Darmody, Nuckys ehemaliger Schützling, kehrt aus dem Ersten Weltkrieg zurück und hat zugleich ehrgeizige Ideen über seine Zukunft. Er schmiedet eine ungleiche Allianz, die ihn und Nucky in ernsthafte Schwierigkeiten bringen könnte. - 8,5/10

http://www.imdb.com/title/tt1501024/
1.2 Elfenbeinturm (The Ivory Tower)
Nucky bekommt Besuch von dem Agenten Nelson van Alden, der spürt, dass Nucky ein Verbrechen einem Sündenbock angehängt hat. Nucky bittet seinen Bruder, Sheriff Elias Thompson, bei der Schadensbekämpfung um Hilfe. Bevor er abends in die Stadt geht, trifft sich Nucky heimlich mit Margaret, die Hilfe wegen ihrer Kinder benötigt. Nach einem Zwischenfall mit Al Capone und einem Reporter in Chicago bespricht Nucky die bevorstehende Wahl mit seinem Berater Louis Kaestner. - 8/10

http://www.imdb.com/title/tt1558885/
1.3 Endstation Chicago (Broadway Limited)
Nucky geht einen Deal mit dem afroamerikanischen Gangster Chalky White ein, damit sich dieser um die Neuverpackung und den Vertrieb des geschmuggelten Whiskys kümmert. Margaret bekommt durch Nucky einen Job in einer Boutique und trifft dort seine Geliebte Lucy. Agent van Alden erfährt durch brutale Verhörmethoden, dass Jimmy bei der Schießerei im Wald dabei war, eine Entdeckung die Nucky zwingt, eine Entscheidung über Jimmys Zukunft in Atlantic City zu treffen. - 8/10

http://www.imdb.com/title/tt1585675/
1.4 Anastasia (Anastasia)
Jimmy und Al Capone fangen an, sich in Chicago als Gangster zu etablieren. Nach dem Mord an einem Schwarzen lässt Nucky seinen Bruder gegen den örtlichen Ku-Klux-Klan vorgehen, um es sich nicht mit der schwarzen Bevölkerung wegen anstehender Wahlen und seinem Geschäftspartner Chalky White zu verscherzen. Anschließend begeht ein angespannter Nucky mit einem rauschenden Fest, bei dem er Kontakte mit hochrangigen Politikern pflegt, seinen Geburtstag. - 8/10

http://www.imdb.com/title/tt1585674/
1.5 Irische Nächte (Nights In Ballygran)
Das von Nucky anlässlich des St. Patrick’s Days veranstaltete Bankett, das "Celtic Dinner", wird von van Alden, dem sich Margaret als Informantin angedient hat, aufgelöst. Elias Thompson wird zunehmend eifersüchtig auf seinen älteren Bruder. In Chicago begeht Pearl, Jimmys Prostituierte und Liebschaft, Selbstmord, nachdem ihr Gesicht von einem Gangster zerschnitten wurde. Jimmy verfällt dem Opium. Die Gefühle zwischen Nucky und Margaret, der langsam Nuckys Rolle beim Alkoholschmuggel dämmert, werden offenkundig. - 8/10

http://www.imdb.com/title/tt1595390/
1.6 Familienplanung (Family Limitation)
Einer von Nuckys Geldeintreibern wird von einer italienischstämmigen Gaunerbande, den D'Alessio-Brüdern, beraubt. Nucky macht fälschlicherweise Lucky Luciano dafür verantwortlich, der mit Jimmys Mutter intim wird. In Chicago liquidieren Al Capone und Jimmy die Mitglieder einer konkurrierenden Gangsterbande, wodurch Jimmy in Torrios Achtung stark steigt. Nucky besorgt seiner neuen Geliebten Margaret, die in der Boutique "La belle femme" kündigt, eine weitaus bessere neue Bleibe im Wohnviertel der Konkubinen. - 8/10


http://www.imdb.com/title/tt1649463/
1.7 Vergangenheit und Zukunft (Home)
Nuckys und Elias' Vater wird zum Pflegefall, wodurch Nucky seine leidvolle und gewalttätige Kindheit in Erinnerung gerufen wird. In Chicago lernt Jimmy, der wegen seiner Kriegsverletzung in medizinischer Behandlung ist, einen im Gesicht schwer verstümmelten anderen Veteranen kennen, der schließlich als Scharfschütze den Gangster tötet, der Pearl das Gesicht zerschnitt. Lucky Luciano geht eine Zusammenarbeit mit den D'Alessio-Brüdern ein, um Nucky zu schaden. Nucky steckt das Haus seiner Kindheit in Brand, um mit der Vergangenheit abschließen zu können. - 9/10

http://www.imdb.com/title/tt1648275/
1.8 Vertreibung aus dem Paradies (Hold Me In Paradise)
Auf dem Parteitag der Republikaner in Chicago gelingt es Nucky, Warren G. Harding als Präsidentschaftskandidaten der Partei für die Wahl 1920 durchzusetzen. Elias, der Nucky vertritt, wird bei einem Raubüberfall der D'Alessio-Brüder auf eines von Nuckys Casinos angeschossen. Nucky, der spürt, dass sich etwas gegen ihn zusammenbraut, bittet Jimmy, nach Atlantic City zurückzukehren. Margaret kann schwarz auf weiß lesen, dass Nucky eine zentrale Figur im Alkoholschmuggel darstellt. - 8/10

http://www.imdb.com/title/tt1649464/
1.9 Belle Femme (Belle Femme)
Arnold Rothstein und die D'Alessio-Brüder besiegeln offiziell ihre Zusammenarbeit zu dem Zweck, eine neue Alkoholschmuggel-Organisation aufzubauen und Nucky als deren wahrscheinliches Hindernis auszuschalten. Bevor Jimmy Nuckys Auftrag, die D'Alessios zu eliminieren, ausführen kann, wird er von van Alden wegen des Massakers im Wald verhaftet. Allerdings wird van Aldens Hauptbelastungszeuge gegen Jimmy, dessen einstiger Komplize, von van Aldens Untergebenem, Agent Sebso, ermordet, der offensichtlich in Nuckys Diensten steht. Auf dem Boardwalk wird ein Mordanschlag auf Nucky verübt, der von dessen Butler Eddie vereitelt werden kann. Allerdings kommt eine unbeteiligte Frau ums Leben. - 8/10

http://www.imdb.com/title/tt1648274/
1.10 Die Smaragdstadt (The Emerald City)
Nuckys einstiger Partner Mickey Doyle läuft zu Nucky über und informiert diesen über die Pläne Arnold Rothsteins, mithilfe der D'Alessio-Brüder Nucky aus dem Alkoholgeschäft in Atlantic City herauszudrängen. Jimmy schlägt beinahe den Fotografen Robert Dietrich tot, da er ihm eine Affäre mit seiner Frau Angela unterstellt, nicht wissend, dass seine Frau ihn tatsächlich mit Dietrichs Gattin Mary betrügt. Beide Frauen planen, nach Paris zu ziehen. Nachdem bundesweit das Frauenwahlrecht beschlossen wurde, spannt Nucky die eloquente Margaret zu dem Zwecke ein, die Stimmen der Frauen zur Wahl des nächsten Bürgermeisters zu erhalten. Nucky und Chalky White verfolgen einen Plan, die D'Alessios und Rothstein auszuschalten, der allerdings nur teilweise aufgeht. - 8,5/10

http://www.imdb.com/title/tt1651528/
1.11 Dem Ende nah (Paris Green)
Nucky hat emotional belastete Unterhaltungen mit Eli und Margaret wegen seiner Geschäfte einerseits und der Ermordung von Margarets Ehemann andererseits. Diese führen zu dramatischen Umbesetzungen in seinem persönlichen und politischen Umfeld. Jimmy trifft sich mit seinem vermeintlich sterbenden Vater zum ersten Mal seit Jahren, und dies führt dazu, dass er seine Bindungen zu Nucky und beiden Elternteilen neu bewertet. Van Aldens und Agent Sebsos Zusammenarbeit wird durch Van Aldens Verdächtigungen belastet, die nach einer endgültigen Konfrontation bei einer Taufe an einem Fluss endet. Angela bereitet sich darauf vor, vor Jimmy nach Paris zu fliehen, doch muss sie erkennen, dass ihre Unterstützung nicht so stark ist wie sie dachte. - 8,5/10

http://www.imdb.com/title/tt1651529/
1.12 Rückkehr zur Normalität (A Return To Normalcy)
Nuckys Bemühungen zahlen sich aus, da die Republikaner sowohl die Wahl für den Bürgermeister von Atlantic City als auch die des Präsidenten der Vereinigten Staaten für sich entscheiden (beide wurden von Nucky unterstützt). Rothstein muss Frieden mit Nucky schließen, da er dessen politische Kontakte dringend braucht und gibt ihm dafür neben einer Million Dollar den Aufenthaltsort der D'Alessios, die sämtlich ermordet werden. Margaret erfährt von Nuckys im Alter von sechs Tagen gestorbenen Sohn. Nuckys ständige Machtspiele erzürnen sowohl seinen Bruder Elias als auch seinen ehemaligen Schützling Jimmy so sehr, dass diese sich nun mit Nuckys geheimem Gegner, dem "Commodore" Louis Kaestner - Nuckys Vorgänger - gegen ihn verbünden. - 9/10

Was für eine geniale Serie und ein großartiger Auftakt zu einer weiteren Mafia/Gangster/Crime-Reihe! Steve Buscemi als Hauptfigur Enoch "Nucky" Thompson ist beinahe genauso groß wie einst der Pate, berechnend, kühl und irgendwie immer einen Schritt voraus. Dabei geizt die Serie in keinster Weise mit blutigen Schauwerten oder verzichtet etwa auf zeigefreudige Szenen - im Gegenteil. Die Serie wirkt durch und durch authentisch, das Setting ist hervorragend, Kostüme und Sets lassen keinen Zweifel offen: man befindet sich tatsächlich in Amerika zu Zeiten der Prohibtion - mit all seinen kleinen schmutzigen Figuren, Geschichten und man erlebt den Aufstieg eines der größten Gangster (basierend auf Enoch L. Johnson) – der korrupte Bezirkskämmerer von Atlantic County und die wichtigste politische Persönlichkeit der Stadt Atlantic City) dieser Zeit. Toll. Großartig. Genial.

Freitag, 27. November 2015

Bad Boys II (2003)

http://www.imdb.com/title/tt0172156/

Mike Lowrey (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence) sind zurück - und wie immer gilt: Wo diese beiden Cops arbeiten, gibt es viele Explosionen. Ihr Auftrag: Die zwei Chaoten sollen innerhalb einer High-Tech-Spezial-Einheit in Miami dem gefährlichen Drogenbaron Hector Juan Carlos Tapia (Jordi Mollá) das Handwerk legen, der der Polizei bei den Ermittlungen immer wieder durch die Finger rutscht. Sein Aufenthaltsort ist zwar bekannt, wie er die Drogen ins Land schmuggelt jedoch nicht. Daher versucht das DEA (Drug Enforcement Agency) einen verdeckten Informanten bei Johnny einzuschleusen, um dessen Hauptquartier zu infiltrieren. Das Los fällt ausgerechnet auf die ehrgeizige Nachwuchsagentin Sydney (Gabrielle Union), Marcus bildschöne Schwester. Mike und Marcus sind davon verständlicherweise alles andere als begeistert und versuchen alles, um ihr bei ihrem gefährlichen Auftrag zu helfen. Als sich Mike jedoch in Sydney verliebt, treibt dies nicht nur einen Keil zwischen ihre Freundschaft, sondern behindert auch ihren lebensgefährlichen Job...

Michael Bay ist ja einer über den man sagt, dass er nur Blockbusterkino betreibt. Dieses aber auch durch und durch, ohne großen Sinn, ohne große Ideenvielfalt. Auf einen Großteil seiner Streifen scheint das zuzutreffen, vielleicht trifft das sogar auf seine "Bad Boys" zu. Und 8 Jahre nach dem ersten Blockbuster kam "Bad Boys II" in die Kinos. Storytechnisch sicherlich kaum mehr als solide, aber wie sich Martin Lawrence und Will Smith durchs Unterholz der Drogengangs in Miami schlagen, ist schon einen Blick wert.

Die Situationen aus denen sich die beiden mit überbordender Coolness und mit einer stetigen Prise Witz regelmäßig befreien sind teils so lächerlich unmöglich, dass man zwangsläufig schmunzeln muss. Hier ballert Kanonen-Mike cool und stylish (wie er eben ist) den wehleidigen Marcus im Zuge seines fünften Hechtsprungs ein Loch in seinen Allerwertesten und killt nebenbei ganze Drogenbanden im Alleingang - und überdies immer mit einem lässigen Spruch auf den Lippen. Dass das absolut unrealistisch und völlig überzogen ist, dürfte dabei einem 5-jährigen Kleinkind auffallen und trotzdem kann man sich einen Lacher sicher nicht verkneifen. Alle Figuren - und zwar ohne Ausnahme - sind abermals so klischeebeladen, dass es Spaß macht dabei zuzusehen, wie Michael Bay sie aufeinanderprallen lässt. Inmitten der explosiven Verfolungsjagden, in denen Autos und Boote in die Luft gesprengt werden, entdeckt man immer wieder in Zwischensequenzen, wie sich Marcus und Mike gegenseitig süffisant aber urkomisch dissen. Diese Sequenzen sind mitunter nicht einmal schlecht gemacht, sondern sehen unter den ausurfernden Möglichkeiten, die Bay einmal mehr einsetzt, gar nicht mal schlecht aus, wirken in ihrer Absurdität aber teils so abgedroschen, dass man oft nur mit dem Kopf schütteln kann.

Selbst die Gauner auf der anderen Seite sind so überzeichnet, dass man meinen könnte, man wäre in einem Comic von vor 20 Jahren. Und trotzdem sieht man Johnny Tapia (Jordi Mollà) den umbarmherzigen, eiskalten Typen, der sich durch die Gegend massakriert an, der aber im nächsten Moment seiner molligen Tocher sagen muss, wie hübsch sie doch im "pastellfarbenen Kleidchen" aussieht. Marcus und Mike halten währenddessen einem pubertären 15-jährigen, der Marcus' Tochter ausführen will, eine Knarre an den Kopf und sülzen den Kleinen gängstermäßig und völlig ernst noch zwischen Tür und Angel diese Traumvorstellung aus dem Kopf.

Spätestens jetzt bemerkt man, dass in "Bad Boys II" nicht nur coole Typen mit ihren Ballermännern durch die Gegend laufen, um Action-mäßig ein paar Sachen in die Luft zu jagen, man bekommt hier nämlich ganz beiläufig eine recht ordentliche Komödie geliefert, die sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Dass dies im etwas krasseren Gegensatz zum ersten Teil steht ist einerseits erfrischend, andererseits schade, denn mit ein wenig mehr Ernsthaftigkeit und weniger Komödie hätte "Bad Boys II" trotz seichter Story seinen Vorgänger locker in die Tasche stecken können. Denn hier überzeugen ansonsten die vielfältigen Schauplätze, die brachiale Action und der passende Soundtrack. Dass Bay aber den zweiten Teil mit einer schnulzigen Lovestory garnieren muss, lässt einen nur mpüde mit den Augen rollen - aber genauso großzügig darüber hinwegsehen, nimmt dieser Part glücklicherweise nicht den größten Teil des Films in Anspruch. Dank der durchweg hanebüchen unrealistischen, aber doch recht ordentlich gemachten Action und dem drolligen Zusammenspiel zwischen Lawrence und Smith ist "Bad Boys II" sicher kein besserer Film, aber eine mehr als annehmbare Fortsetzung.

7/10

Mittwoch, 25. November 2015

Hana-Bi - Feuerblume (1997)

http://www.imdb.com/title/tt0119250/

Nishi Yoshitaka (Takeshi Kitano) ist ein knallharter Zivilfahnder bei der japanischen Polizei, der durch eine Reihe von schweren Schicksalsschlägen aus der Bahn geworfen wird. Vor Jahren haben er und seine Frau Miyuki (Kayoko Kishimoto) ihre Tochter verloren. Jetzt erfährt er, dass seine Frau unheilbar an Leukämie erkrankt ist. Doch damit nicht genug: Bei einer Überwachung wird sein langjähriger Freund und Kollege Horibe (Ren Osugi) von den Yakuza niedergeschossen und dabei so schwer verletzt, dass er den Rest seines Lebens an den Rollstuhl gefesselt ist. Für Nishi bricht eine Welt zusammen. Enttäuschung, Verzweiflung, Hass und Rachegefühle keimen in ihm auf. Er quittiert den Dienst bei der Polizei und verübt mithilfe der Yakuza einen Bankraub, um mit seiner Frau auf Reisen gehen zu können. Doch die Vergangenheit lässt Nishi nicht los...

Man kennt Takeshi Kitano hauptsächlich für Gangsterfilme, die mit sehr melancholischen Momenten untermalt wurden und auch "Hana Bi" schlägt in dieselbe Kerbe - aber man merkt im Verlauf des Films deutlich, dass er viel facettenreicher und ehrlicher ist. "Hana-Bi" ist dabei vielleicht kein durchweg einfacher, aber eben ein sehr schöner Film. In langsamen Bilder vorgetragen sind die Motive sehr nüchtern und zurücknehmend inszeniert (trotz manch harter Gewaltszene). Der Film selbst blüht - man könnte sagen, eben genau wie die Feuerblume - in einer schönen elegisch-fatalistischen Aura. Er ist eine eindrucksvolle Regieleistung Kitanos. Die Atmosphäre, die dieser Film schafft, und die damit verbundene Wirkung auf den Zuschauer sind einzigartig. Inszenierung, Dramaturgie und Bild unterstützen diese Wirkung sehr und sind Träger dieser.

"Hana-Bi" ist eine Ballade der Gewalt und der Liebe. Die Mischung aus Trostlosigkeit, Minimalismus und Melancholie sprechen den Zuschauer dabei auf emotionaler Ebene an. Eine Geschichte voller gescheiterter Schicksale und trauriger Existenzen, die zusammen mit den restlichen Komponenten des Films ein Gesamtbild ergeben, welches jetzt schon ein wichtiger Teil der japanischen Filmgeschichte ist. Ein hohes Maß an Bildsprache und Symbolik fließt mit ein und in manchen Momenten entwickelt der Film eine wunderbare Poesie, die, wenn man sich auf solcherlei Dinge und die andere Art der Erzählweise im asiatischen Cinema einlassen kann, einen mitnimmt und den Film über begleitet. Ein außergewöhnliches aber auch nihilistisches Werk, bei dem der aufmerksame Zuschauer deutlich spürt, dass der Regisseur etwas aufzuarbeiten hatte. Es ist eine Mischung aus kontemplativer Ruhe, explosiver Gewalt und trockenem Humor. Wunderbar.

8/10

Von CAPELIGHT PICTURES erschien der Film nun endlich auch hierzulande in HD in einem tollen Mediabook:

Dienstag, 24. November 2015

The Hard Way - Auf die harte Tour (1991)

http://www.imdb.com/title/tt0102004/

Der Filmstar Nick Lang (Michael J. Fox) hat endgültig die Schnauze voll von den auf Hochglanz getrimmten Actionfilmen Hollywoods, in denen er regelmäßig die Hauptrolle spielen muss. Sein nächster Film, "Blood on the Asphalt", soll deswegen ein knallharter, realistischer Cop-Thriller werden. Um sich auf seine Rolle vorzubereiten und mehr über den rauen Alltag eines Polizisten auf der Straße erfahren zu können, heftet sich Nick an die Fersen von John Moss (James Woods), einem abgebrühten New Yorker Cop. Der ist jedoch alles andere als begeistert von der Idee, einen neuen Begleiter mitschleppen zu müssen: Schließlich ist Moss gerade einem geisteskranken Serienmörder (Stephen Lang) auf der Spur, weswegen er den unbekümmerten Sonnyboy an seiner Seite so schnell wie möglich vom Hals haben will...

"Auf die harte Tour" ist ein sympathischer Buddy-Movie, der besonders durch seine beiden gut aufgelegten Hauptdarsteller James Woods und Michael J. Fox zu gefallen weiß. Hier sind es eben Michael J.Fox als weichlicher Hollywoodstar und James Woods als klischeehaftes Abziehbild eines typischen Hollywood Cops. Überraschenderweise funktioniert die Konstellation Woods/Fox recht gut, auch wenn sie nicht an die ganz Großen des Genres heranreichen.

Action ist vorhanden, wenn auch nicht ganz so explosiv wie beispielsweise in einem "Lethal Weapon"-Teil, was aber dem Spaß keinen Abbruch tut. Selbst die Story kann mit ein paar guten Einfällen überzeugen. Natürlich darf auch der nötige Witz bei der Sache nicht fehlen. Es gibt in "Auf die harte Tour" wirklich ein paar äußerst lustige und mit Wortwitz gespickte Szenen, die der restlichen Buddy-Movie Konkurrenz durchaus das Wasser reichen können. Der größte Schwachpunkt des Films ist dafür die etwas uninspirierte Geschichte mit dem Party-Killer (beinahe zu wahnsinnig: Stephen Lang), die nie richtig Spannung aufkommen läßt und eher nebensächlich vor sich hin plätschert. Trotzdem ein kleines Highlight in all den Buddy-Action-Komödien.

6,5/10

Montag, 23. November 2015

Mortdecai - Mortdecai: Der Teilzeitgauner (2015)

http://www.imdb.com/title/tt3045616/

Der einfallsreiche Kunsthändler Charlie Mortdecai (Johnny Depp) hat eigentlich alles, was man sich so wünschen kann: Er hat eine wunderschöne Frau, Johanna (Gwyneth Paltrow), an seiner Seite und lebt wie ein König – nur leider ist er auch pleite. Da kommt es ihm nur gelegen, dass ein kostbares Gemälde gestohlen wird und Inspektor Alistair Martland (Ewan McGregor) ausgerechnet ihn damit beauftragt, bei der Suche zu helfen. Mortdecai denkt sich: Wenn er das Bild schon ausfindig machen kann, dann könnte er es doch bei der Gelegenheit und mit Hilfe seines getreuen Dieners Jock (Paul Bettany) auch gleich selbst behalten. Fehlt nur noch ein ausgeklügelter Plan und natürlich viel Glück, denn die Konkurrenz in Form eines international gesuchten Terroristen und eines habgierigen amerikanischen Milliardärs schläft nicht...

Die Gauner-Komödie "Mortdecai" besticht zunächst mit seiner schicken Optik. Die Kulissen sind liebevoll gebaut, die Orte zahlreich, dazu gesellen sich ein paar britisch-schick eingerichtete Häuser und sogar das ein oder andere berühmte Gemälde. Auch die Liste der Schauspieler liest sich wunderbar. Johnny Depp, Gwyneth Paltrow, Ewan McGregor, Paul Bettany und Jeff Goldblum, da kann doch eigentlich nichts schiefgehen? Oh doch, es kann. Die Schauspieler sind als Gesamtpaket leider ziemlich verschenkt. Gwyneth Paltrow spielt zunächst die gelangweilte, zickige Hausfrau, um dann später eiskalt berechnend die Zügel in der Hand zu halten. Das schafft sie allerdings nur, weil sie sämtliche Männer wie durch Magie kontrollieren kann. Gesellschaft in weiblicher Form bekommt sie später von Olivia Munn, die eher an eine Hochglanzschönheit aus der Klatschpresse erinnert. Aber nett anzuschauen sind sie beide, und so ergeht "Mortdecai" sich in antiquierten Frauenbildern, die von verschiedenen Figuren im Film mit Wohlwollen weitergeführt werden.

Immerhin herrscht Gleichberechtigung, denn auch die Herren der Schöpfung kommen nicht besser weg. Johnny Depp gibt seine tausendste Variante des seltsamen, überdrehten und völlig unzurechnungsfähigen Kauzes. Paul Bettany hat seine Momente und wiederkehrenden Running-Gags, schafft es aber im ganzen Film nicht mehr zu leisten als angeschossen oder verprügelt zu werden - oder eben zu vögeln. Immerhin wechselt die Reihenfolge. Jeff Goldblum taucht für wenige Sekunden auf, und man hat ihn zwei Minuten später auch schon wieder vergessen. Und Ewan McGregor teilt sich mit Johnny Depps Charakter den Makel, nicht mit seinem Hirn zu denken. Ihnen allen zuzusehen ist nett und oft auch komisch, aber eben nicht der erhoffte amüsante Film, den der Trailer versprach.

Genau genommen hat "Mortdecai" zwei Sockel. Einer davon ist sein auffälliger Schnurrbart, der andere die Tatsache, dass Depp versucht, einen desorientierten, exzentrischen, reichen aber gleichzeitig verarmten britischen Lord zu spielen. Wer also über Leute lachen kann, die in einen Kaktus greifen, "Auweia!" sagen und weitergehen, der sollte sich hier wohlfühlen. Jedoch hat man mit der offensichtlich auf witzig geprügelten Namensgebung ein weiteres Manko. So heißt beispielsweise Mortdecais Diener/Bodyguard "Jock Strapp" (Jockstrap = Suspensorium). Und wer damit immer noch nicht bedient ist, der darf sich über einen wiederkehrenden (und immerhin zum Schmunzeln anregenden) Würgereflex-Witz freuen. Aber spätestens wenn ein von seiner Frau abgelehnter Johnny Depp dann mit seinem einsamen Ständer in seinem bunten Schlafanzug vor der verschlossenen Schlafzimmertür leidet, macht sich das Mitleid breit. Mitleid, weil nicht so ganz nachvollziehbar ist, wie eine Schauspielgröße wie Johnny Depp an diesen Tiefpunkt gelangen konnte. 

Zum so etwas niveaulosen Humor gesellen sich dann noch dümmliche Dialoge. Und wenn kein Solcher stattfindet, dann wird man mit wenig hilfreichen und nahezu lächerlichen Voice-Overs belästigt. Obendrauf kommt der uninspirierte Soundtrack, der sich diesem belanglosen und vor überholten Klischees nur so triefenden 08/15-Kunst-Heist-Filmchen perfekt anpasst. Natürlich könnte man nun hingehen und den Film auch anders lesen, denn alles an dem Film ist irgendwie gefälscht. Nicht nur die Gemälde, sondern auch die Schauspieler. Sie fälschen ihre Akzente, die Figuren fälschen ihren Reichtum, ihre Arbeit, ihre ganze Art. Und so betrachtet könnte man "Mortdecai" durchaus noch etwas abgewinnen. Aber so nur mäßig amüsant.

5/10 

Sonntag, 22. November 2015

Home Alone 2: Lost In New York - Kevin: Allein in New York (1992)

http://www.imdb.com/title/tt0104431/

Kevin McCallister (Macaulay Culkin) erwischt versehentlich das falsche Flugzeug, als er mit seinen Eltern in den Urlaub fliegen will. Statt wie geplant nach Miami zu jetten, findet sich der Kleine nach der Landung plötzlich im weihnachtlichen New York wieder. Wie praktisch, dass er die Kreditkarte seines Vaters dabei hat – so ist es ein Leichtes, sich erst mal im mondänen Plaza-Hotel einzuquartieren und dort fleißig Eis und Süßigkeiten beim Zimmerservice zu bestellen. Doch nicht nur in Person des misstrauischen Hotelconcierges Mr. Hector (Tim Curry) droht Kevin Ungemacht: Die "feuchten Banditen", die der Sprössling ein Jahr zuvor aus seinem Haus vertrieben und hinter Gitter gebracht hatte, sind aus dem Gefängnis ausgebrochen und stellen dem verlorenen Sohn im Big Apple nach...

2 Jahre nach dem großen Erfolg von "Kevin - Allein zu Haus" kam die Fortsetzung ins Kino. Wie so oft wurde an der Grundidee nicht viel geändert - nur eben der Ort - und genau das ist die Krux bei Fortsetzungen. Und diese ist teilweise so absurd und unglaubwürdig, dass sie damit an Charme einbüsst, den der Vorgänger noch hatte. Im Prinzip handelt es sich um denselben Film, nur ist es eben wie so oft bei Fortsetzungen: höher, schneller, größer, weiter. Wieder gibt es eine mysteriöse Person (dieses Mal in Form einer obdachlosen Taubenlady), die Kevin erst näher kennenlernen muss, wieder sind Marv und Harry am Start, wieder ein Haus voller selbstgebauter Fallen (Hut ab vor diesem Zehnjährigen!), wieder ist Weihnachten.

Im Grunde also genau eine von den Fortsetzungen, die man nicht ausstehen kann und trotzdem: "Kevin - Allein in New York" schafft es hin und wieder einen guten Gag zu platzieren, kann mit neuen (reichlich dämlichen) Figuren aufwarten und überdies freut man sich doch eh, wenn die Gangster, die schon bei der ersten Falle hätten sterben müssen, comichaft eine aufs Dach bekommen. Macaulay Culkin ist hier schon etwas gereift und spielt auch etwas routinierter als im Vorgänger - und damit längst nicht mehr so süß. Allerdings bekommt er auch nicht viele neue Aufgaben geboten. Daniel Stern und Joe Pesci sind wieder fantastisch als Marv und Harry und wirken besonders bei ihren hinterlistigen Dialogen sehr authentisch. Hinzu kommen hier noch Tim Curry und Rob Schneider, die beide urkomisch und eine große Bereicherung für diesen Film sind.

"Kevin - Allein in New York" ist aber zusammenfassend keine sehr originelle Fortsetzung und setzt auf die gewohnten Zutaten, ohne dabei viele neue Ideen einzubringen. Trotzdem kann man seinen Spaß bei diesem herrlichen Film haben und wie schon im ersten Teil ist die Konfrontation zwischen Kevin und den Gangstern das absolute Highlight. John Williams Soundtrack trägt auch wieder viel zum unterhaltsamen Spaß bei. Daher kann man den Film noch gut durchgehen lassen. Ist ja Weihnachten.

6,5/10

ドールズ - Dōruzu - Dolls (2002)

http://www.imdb.com/title/tt0330229/

In "Dolls" stehen drei Paare im Fokus.
Die Beziehung von Matsumoto (Hidetoshi Nishijima) und Sawako (Miho Kanno) wird zerstört, als Matsumoto dem sozialen Druck nachgibt und die Tochter seines Chefs heiratet. Sawako versucht daraufhin, sich umzubringen. Matsumoto holt sie aus dem Krankenhaus - von da an gehen beide schweigsam durch japanische Landschaften, zusammengehalten durch eine rote Kordel.

Auch der arme Fabrikarbeiter Hiro (Kanji Tsuda) hatte mit Ryoko (Chieko Matsubara) eine ihn liebende Freundin, die ihm jeden Tag ein Lunchpaket richtete. Beide saßen auf einer Parkbank während der Mittagspause, bis sich Hiro entschied, seinem Dasein als armer Schlucker zu entfliehen. Er wird Yakuza (japanischer Mafiosi) und Ryoko sieht ihn Jahrzehnte lang nicht wieder. Jeden Samstag sitzt sie auf der Parkbank mit zwei Lunchpaketen und wartet auf Hiro.

Das dritte Paar muss erst zueinanderfinden: Der ebenso beliebte wie einsame Popstar Haruna (Kyôko Fukada) wird durch einen Unfall schwer verletzt - eine ihrer Gesichtshälften ist fortan entstellt. Nach diesem abrupten Karriereende sitzt sie oft alleine an einem Strand. Einer ihrer Fans, der im Straßenbau tätige Nukui (Tsutomu Takeshige), der Haruna abgöttisch verehrt, ist entsetzt und will ihr beweisen, dass er zu ihr hält...

Mit "Dolls" liefert Ausnahmeregisseur Takeshi Kitano ein Fest für die Sinne, ein Film mit einer derart ästhetischen Bildsprache, deren Wirkung man sich kaum entziehen kann. Etwas fordernd und auch viel Interpretationsfähigkeit vorausgesetzt, werden in "Dolls" in drei verschiedenen Episoden über die verschiedenen Formen der Liebe erzählt, die tangential miteinander verknüpft sind - Leidenschaft, Hoffnung, Verzweiflung. Es gibt kaum Filme mit so wenig Dialog, aber "Dolls" ist ein Beispiel dafür, dass Bilder und Gesten Gefühle oft viel intensiver ausdrücken können als Worte. Und genau deshalb fällt es wohl auch schwer für eine Rezension die richtigen Worte zu finden. "Dolls" ist auf seine Art ein poetischer Genuss, unglaublich detailverliebt und mit einem hervorragenden minimalistischem Soundtrack von Joe Hisaishi perfekt vollendet. Dieser Film zeigt die unnahbare Schönheit des Seins, im selbigen Moment jedoch auch die unsagbare Grausamkeit. "Dolls" erzeugt beim Sehen ein unglaubliches Gefühl, denn Bilder, Erzählweise und Stil versetzen einen in eine Art  Trance.

Sicher wird einigen der Film aufgrund seiner Ruhe vielleicht langweilig vorkommen, aber wenn man Kitano kennt, sich darauf einlässt, dann kann es vorkommen, dass man wie hypnotisiert und gefesselt wie schon lange nicht mehr vor dem Bildschirm klebt. Ein wunderbarer Film für melancholische Träumer und feingeistige Arthousefans.

8/10

Von CAPELIGHT PICTURES erschien der Film nun endlich auch hierzulande in HD in einem tollen Mediabook:

Samstag, 21. November 2015

Home Alone - Kevin: Allein zu Haus (1990)

http://www.imdb.com/title/tt0099785/

Kevin McCallister (Macaulay Culkin) hat von allem genug – genug von seinen Eltern, seinen Geschwister und auch der Rest seiner Sippschaft kann ihm herzlich gestohlen bleiben. Man hat es halt nicht immer leicht als jüngster Spross einer großen Familie. Dem gemeinsamen Urlaubsausflug schaut der Dreikäsehoch auch schon mit Schrecken entgegen, warum kann er nicht einfach einmal allein bleiben? Dass sich sein Wunsch schneller als erwartet in die Tat umsetzt, kommt für Kevin dann doch recht überraschend, seine Familie hat ihn während des turbulenten Aufbruchs einfach vergessen und Kevin muss bald merken, dass allein zu sein nicht nur Vorteile mit sich bringt…

Alle Jahre wieder kommt... nein, nicht das Weihnachtskind, aber Kevin. Es ist irgendwie erstaunlich wie ausgerechnet so eine Komödie zum Kult-Klassiker wurde, denn streng gesehen ist der Film ziemlich einfach zusammengestellt. Aber er ist einfach so liebevoll inszeniert, hat einen tollen weihnachtlichen Charme und übermittelt auch fürs jüngere Publikum genau die richtigen Botschaften. Hinzu kommt eine wirklich sehr angenehme Situationskomik. John Williams liefert hier zudem noch einen legendären Soundtrack ab, der sicherlich allen vom Klang her bekannt vorkommen dürfte. Besonders das Stück "Setting The Traps" ist ein stets wiederkehrender und eingänglicher Song, der irgendwie was dezent Episches hat.

Es war die große Karriere des Macaulay Culkin, die leider eine unschöne, dank skrupelloser Eltern, Entwicklung hatte. Doch als Kevin ist er natürlich legendär, tritt hier wie ein selbstbewusster Profi auf und schafft es den Film auf seinen kleinen Schultern zu tragen. Trotzdem sind vor allem die beiden Banditen Marv und Harry. Joe Pesci und Daniel Stern sind perfekt in diesen Rollen und ihre Jagd nach Kevin ist einfach Kult. Auch den alten, mysteriösen Mann aus der Nachbarschaf (gespielt von Roberts Blossom) ist spannend und besonders die wahre Geschichte rund um ihn, weiß zu berühren.

Auch in diese Wertung fließt wieder eine Menge Nostalgie-Bonus mit ein. "Kevin - Allein zu Haus" ist ein herrlich kultiger Weihnachtsfilm. Er übermittelt einfach ein positiv-kitschiges Familienleben und auch wenn einige Situationen schon fast zu sehr an den Haaren herbeigezogen sind, so kann man darüber großzügig immer hinweg sehen und - was das Wichtigste ist - immer wieder schmunzeln.

7,5/10

Fracture - Das perfekte Verbrechen (2007)

http://www.imdb.com/title/tt0488120/

Ted Crawford (Anthony Hopkins) ist ein Profi. Sein Typ wird immer dann verlangt, wenn ein Flugzeug abgestürzt ist. Durch Materialanalysen hilft er dabei, die Schwachstellen der jeweiligen Maschine zu entdecken. Ähnlich dominant ist der reiche Crawford auch im Privatleben. Als er entdeckt, dass seine wesentlich jüngere Frau Jennifer (Embeth Davidtz) eine Affäre mit dem Polizisten Rob Nunally (Billy Burke) hat, schießt er sie eiskalt nieder und ruft die Polizei. Zunächst täuscht Crawford eine Geiselnahme vor, um sich später von dem Geiselverhandler Nunally festnehmen zu lassen. Der junge, ehrgeizige Staatsanwalt Willy Beachum (Ryan Gosling) bekommt den offensichtlich eindeutigen Fall zwischen Tür und Angel von seinem Boss, dem Bezirksstaatsanwalt Joe Lobuto (David Strathairn), aufgedrückt. Die vermeintliche Routineverhandlung vor Gericht endet jedoch im Desaster. Die Tatwaffe ist nicht auffindbar und zudem kommt offiziell heraus, dass Polizist Nunally ein Verhältnis mit der Frau des Angeklagten hatte, die nun im Koma liegt. Staatsanwalt Beachum ist blamiert, weil er völlig uninformiert in den Prozess ging. Seine neue Vorgesetzte Nikki Gardener (Rosamund Pike) stützt ihren Schützling, der seinen Fehler wieder wettmachen will. Von nun liefern sich Beachum und Crawford ein unerbittliches Psychoduell...

Die Frage nach dem perfekten Verbrechen wird wohl für immer ein Mysterium bleiben. Gibt es dieses oder eben doch nicht ? Auch "Fracture" gibt schlussendlich keine genaue Antwort darauf,dennoch nimmt sich der Regisseur Gregory Hoblit genau dieser Frage an und inszeniert mit seinem Film einen spannenden und vor allem schauspielerisch wertvollen Kriminalthriller, der überraschender Weise keinerlei Längen offenbarte. Das Besondere an diesem Thriller ist nicht nur, dass er sich nicht mit der Suche nach dem Täter beschäftigt, sondern auch dass die eigentliche Handlung daraus besteht dem schon bekannten Täter, die Tat nachzuweisen. Was sich langweilig anhört, entpuppt sich jedoch als höchst unterhaltsames Psychospielchen zweier Protagonisten, die beide auf ihre Weise genial sind und dies auch gerne zur Schau stellen.

Schauspielerisch hat man hier mit Ryan Gosling sicherlich die optimale Besetzung des jungen Willy Beachums gefunden. Er als aufsteigender Schauspielstar verkörpert den ebenfalls aufsteigenden Anwalt mit der beachtlichen Verurteilungsquote so frisch und dynamisch, dass eine imposante Leinwandpräsenz entwickelt. Er ist mindestens genauso stark wie der hier auch glänzend aufgelegte Antony Hopkins. Sie liefern beide eine enorm starke Leistung ab und umschiffen so die Längen in der Handlung durch unterhaltsame Dialoge und eine unheimliche Harmonie untereinander. Handlungstechnisch lässt der Film vor allem gegen Ende dann ein wenig Federn, denn man weiß zum Schluss nicht so recht, wie denn jetzt die Zukunft von dem jungen Anwalt tatsächlich aussieht, was sehr verwunderlich ist, da diese doch recht oft angeschnitten wird und ihr eigentlich große Bedeutung zugekommen ist.

Aber unterm Strich überzeugt "Das perfekte Verbrechen" durch den etwas anderen Handlungsstrang und die überdurchschnittlich gute Leistung der überragenden Hauptdarsteller, die dem Film eine gewisse Würze verleihen und ihn nicht im endlosen Mittelmaß verkommen lassen. So kann man sich zum Schluss noch mal auf einen überragenden Showdown freuen, der auch das Schauspielduell Altmeister gegen Jungstar erfolgreich wiederspiegelt.

7,5/10

Freitag, 20. November 2015

Maniac Cop (1988)

http://www.imdb.com/title/tt0095583/

In New York werden immer wieder grausame Morde an harmlosen Passanten verübt. Gerüchte machen den Umlauf, dass ein dem Wahnsinn verfallener Polizist sein Unwesen treibt und wahllos mordet. Während die Polizei den verdächtigen Beamten Jack Forrest (Bruce Campbell) suspendiert und verhört, führt der Killer sein Werk beständig fort. Nur Lieutenant McCrae (Tom Atkins) misstraut den Vorwürfen gegen seinen Kollegen und beginnt, in eigener Sache zu ermitteln. Dabei kommt der erfahrene Gesetzeshüter seinem ebenbürtigen Gegenspieler immer näher.

"Maniac Cop" mit Bruce Campbell und Tom Atkins ist auch so eine kleine Perle der späten 80er Jahre Filme von William Lustig und dieses Mal geht es nicht ganz so ernst zu wie in seinem ikonischen "Maniac" von 1980. "Maniac Cop" ist eine Mischung aus Slasher und Polizeikrimi, mit ansprechenden Darstellern und einer passenden, düsteren Atmosphäre, dem dazugehörigen B-Movie-Charme und einem "Maniac Cop", der - wie so viele Horrorikonen der 80er Jahre - einfach nicht totzukriegen ist. Was an "Maniac Cop" stört, ist die Tatsache, dass aus dem "Maniac Cop" Matt Cordell ein Abklatsch von Jason Voorhees aus der "Friday, The 13th"-Reihe gemacht wurde. Er ist ein stummes, unsterbliches entstelltes Ungeheuer, das einfach so jeden abschlachtet, der gerade seinen Weg kreuzt. Dann aber auch wieder sehr planmäßig immer gerade dort auftaucht, wo es für ihn am zweckmäßigsten ist. Ein Rachefeldzug, wie er ja im Film angesprochen wurde und auch Sinn gemacht hätte, hätte jedenfalls genug Potential gehabt und dem Killer sogar einige Sympathypunkte eingebracht - und letztlich die Spannung noch steigern können.

So ist "Maniac Cop" zwar ein durchaus gelungener Genrebeitrag, der angenehm unterhält, aber der Figur des Killer-Cops hätte ein wenig mehr Charakterzeichnung ganz gut getan. Das Budget war hier mit 1,1 Millionen US-Dollar deutlich höher als bei "Maniac" und das merkt man auch. Die Story ist vielleicht nicht die Innovativste, aber sehenswert ist das allemal und für 80er-Horror Fans sicherlich einen Blick wert. Ein kleiner, netter Gimmick am Rande: Sam Raimi hat hier einen Cameo-Auftritt als Reporter. Nett.

6,5/10

Von NSM Records erschien der Film im limitierten und nummerierten Mediabook:

Insidious: Chapter 3 - Insidious: Chapter 3: Jede Geschichte hat einen Anfang (2015)

http://www.imdb.com/title/tt3195644/

Zunächst fühlen sich Sean Brenner (Dermot Mulroney) und seiner Tochter Quinn (Stefanie Scott) in ihrer neuen Nachbarschaft in Chicago eigentlich ganz wohl. Quinn verknallt sich prompt in den Nachbarsjungen Hector (Ashton Moio), der sie ein wenig von der Trauer um ihre tote Mutter Lillith (Ele Keats) ablenkt. Doch als Quinn das Medium Elise Rainier (Lin Shaye) bittet, für sie in Kontakt zu ihrer Mutter zu treten, kommt es zu einer dramatischen Wendung: Der Ruf des Mediums wird im Jenseits nicht nur von Lillith wahrgenommen, sondern auch von anderen Wesen, die sich nun ihren Weg ins Diesseits bahnen und Quinn heimsuchen. Medium Elise muss nun alles daran setzen, die dunkle und außerordentlich tödliche Macht wieder zu vertreiben und holt sich dafür die Hilfe der Geisterjäger Tucker (Angus Sampson) und Specs (Leigh Whannell).

"Insidious: Chapter 3" - und das muss man vorweg wissen - ist ein Prequel. Weiß man das nicht, so wird man wohl spätestens nach 2 Minuten Film unglaublich verwirrt sein. Die "Insidious"-Reihe war noch nie durch ihre Innovation aufgefallen, ging teilweise schon tief in die Klischees typischer Erschrecker durch Jump-Scares und übernatürlichem Grusel. Bemerkenswert wurde die Reihe erst durch ihre Umsetzung. Der von kreischenden Geigen eingeblendete Titel, die intelligent eingesetzten Schockmomente und schließlich die wunderschönen Ewigreich-Designs. Atmosphäre war immer das Stichwort. "Insidious" war einfach gut gemacht. Auf dieser Ebene schließt der dritte, vom Regisseur James Wan nur noch mitproduzierte Teil immerhin halbwegs gelungen an. Gute Schockmomente, ja, gute Stimmung, eher weniger. Allerdings wäre es auch zuviel, von einer großen Enttäuschung zu sprechen, nur Abstriche wird der Freund der Reihe aber definitiv vornehmen müssen.


Zum einen kümmert sich der Film von Anfang an nicht darum, eine packende Stimmung zu schaffen, sondern verwendet überraschend viel Leinwandzeit auf die Ambitionen der Möchtegernschauspielerin Quinn. Das ist einigermaßen nett, süß, aber bereitet nicht wirklich auf das vor, was plötzlich folgt. Plötzlich gibt es Schockmomente, Jumpscares, die manchmal Wans kluges Timing missen lassen, aber trotzdem effektiv und sehr gruselig sind. Im Gegensatz zu den ersten Teilen erhält der Zuschauer weniger Zeit zur Ruhe zu kommen, beinahe jede Szene wartet mit neuen Schocks auf, eine subtile Annäherung, gerade wie im ersten "Insidious"-Teil, versucht der Film erst gar nicht. Von Licht also in absolutes Dunkel. Plötzlich ist dieser Part aber auch wieder vorbei, als seien die Geister kurzfristig müde geworden. Bis dahin bleibt das Gefühl, unvorbereitet zu sein, halbgar wirkt das ganze, die Geisterschocks scheinen unmotiviert und willkürlich gesetzt. Technisch funktioniert der Film, wirkliche Spannung, abgesehen von einer rein nervlich-körperlichen, will aber nicht aufkommen.

Hintergründe und selbst stimmungsvolle Begründungen für den Geisterterror bleibt einem der Film auch im weiteren Verlauf schuldig. Selbst als im Mittelteil der Charakter des Mediums Elise genauer und dank Lin Shaynes tollem Schauspiel auch markant beleuchtet wird, gelingt es dem Film nicht, wirkliche Stimmung aufzubauen. Die Atmosphäre bindet sich an einzelne, gruselige Szenen mit tollen Ideen (Fußstapfen, Klopfen und vor allem das enorm effektive Kopfkino beim Videogespräch), insgesamt bleibt der Film aber ohne Spannungsbogen. Da hatten die ersten beiden Teile noch deutlich mehr Laufzeit in die Schaffung einer unheimlichen Welt investiert; hier gibt es neben Familiendrama und Schockterror kaum Raum für wirkliche Geschichten. Der Film bleibt eher eine Sammlung gelungener Horrormomente, passables Unterhaltungskino für einen netten Abend.

6,5/10

Exklusiv bei Müller gibt es den Film in einem limitierten Steelbook, passend zum zweiten Teil der Trilogie:

Donnerstag, 19. November 2015

Day Of The Woman/I Spit On Your Grave - Ich spuck' auf dein Grab (1978)

http://www.imdb.com/title/tt0077713/

Jennifer ist Autorin und muss aus der Stadt kommen, um einen freien Kopf zu bekommen und ihr neues Buch fertigzustellen. Sie erregt die Aufmerksamkeit einiger Männer aus der Umgebung, die ihr eines Tages nachgehen. Sie reißen ihr die Kleider vom Leib und vergewaltigen sie wieder und wieder. Doch Jennifer kann den Spieß schließlich umdrehen und nimmt blutige Rache an ihren Peinigern. 

Es ist tatsächlich und auch aus heutiger Sicht nachvollziehbar, dass dieser Film indiziert ist - und das obwohl die Hemmschwelle in den letzten Jahren so weit gefallen ist. Es ist zu einem gewissen Grat sogar verständlich, dass dieser Film verteufelt wird und viele den Kopf schütteln, warum man so was gut finden kann. "Ich spuck' auf dein Grab" ist sicher grenzwertig, wenn nicht sogar grenzüberschreitend. Zumindest für damalige Verhältnisse, denn das Remake bietet einiges mehr an graphischen Szenen. Sonnig-beschaulich startet dieser abgebrühte Rape'n Revenge"-Streifen, um die Idylle dann komplett zu zerstören. Das gibt dem Ganzen noch mehr Beklemmung und wirkt somit abartiger, da nicht von vornherein alles genau nach dem Schemea eines solchen Films abläuft. Dass so etwas polarisiert und ruft sicher bei dem einen oder anderen Abwehrreaktionen hervor.

Und das ist gut nachzuvollziehen, denn "Day Of The Woman" bietet eine derart ausschweifende, gnadenlose und unglaublich unangenehme Szene, die es bis dato wohl selten zu sehen gab. Daher ist "Ich spuck' auf dein Grab" sehenswert, aber nur für Leute, die sich von Filminhalten distanzieren können, Genre-interessiert sind, nicht in allem die Moral finden müssen, menschliche Triebe nach Rache und Vergeltung als solches nachvollziehen können, ohne sie zwangsläufig gutheißen zu müssen, und selbst mit extrem derben Inhalten kokettieren können, wenn sie einen Sinn verfolgen. Das tut "Ich spuck' auf dein Grab". Hinter seiner brutalen Fassade ist er sogar ein Stück Emanzipation. Die Frau wird von den Männern wie ein Stück Fleisch behandelt, erniedrigt und misbraucht, schlägt dafür mit aller Konsequenz zurück und bedient sich ihrer Weiblichkeit als Waffe. "Day Of The Woman" ist daher der passendere Titel, obwohl "Ich spuck' auf dein Grab" die Kompromisslosigkeit ebenso widerspiegelt. Der Film ist aber letztlich kein Meisterwerk und wird vielen ganz übel aufstoßen, ist aber mit Sicherheit auch kein pures perverses Machwerk, als das er gerne vorschnell abgestempelt wird.

6/10