Donnerstag, 30. Juli 2015

X-Men: Days Of Future Past - X-Men: Zukunft ist Vergangenheit (The Rogue Cut) (2014)

http://www.imdb.com/title/tt1877832/

"X-Men: Zukunft ist Vergangenheit", die Fortsetzung von "X-Men: Erste Entscheidung", basiert auf der Comic-Storyline "Days Of Future Past" der Reihe "The Uncanny X-Men". Diese spielt in einer dystopischen Zukunft, in der Mutanten in Internierungscamps gefangengehalten werden und die Erde von den Sentinels beherrscht wird. Unter den Inhaftierten ist auch Wolverine. Es gelingt ihm, durch die Zeit zu reisen, um zu versuchen, den Verlauf der Geschichte zu ändern. Diese nahm ihren Anfang in den 1960er Jahren. Die X-Men kämpfen gegen die Bruderschaft der bösen Mutanten, die sich mit Magneto (Michael Fassbender) und Mystique (Jennifer Lawrence) bereits in "X-Men: Erste Entscheidung" geformt hatte. Als nächsten Schlag planen diese ein Attentat gegen Senator Robert Kennedy, das im Falle eines Erfolges jedoch zu eines Massenverhaftungswelle unter Mutanten und deren Internierung führen würde.

2014 brachte 20th Century Fox die Kinoversion des neuesten X-Men-Films "Zukunft ist Vergangenheit" auf den Markt und lieferte damit in vielerlei Hinsicht ein perfektes Produkt ab. Regisseur Bryan Singer hatte schon damals angekündigt, eine längere Filmversion für den Heimkinomarkt veröffentlichen zu wollen, in welcher vor allem die Mutantin Rogue (Anna Paquin) eine bedeutsame Rolle spielte. Die Handlung des Films bleibt selbstredend überwiegend identisch, trotz neuer und alternativer Szenen. Wer diese noch nicht kennt und sich über deren Qualitäten informiert sehen will, sollte an dieser Stelle einen Blick auf das Review zur Kinoversion werfen. Dieses Review soll somit ausschließlich Stellung zu den neuen und erweiterten Szenen nehmen.


Wie der Editions-Titel bereits verrät, widmet sich ein großer Teil der neuen Szenen der von Anna Paquin dargestellten Mutantin Rogue. Ironischerweise wurden diese Szenen bereits ganz am Anfang der Produktion gedreht, da Paquin terminlich mit den Dreharbeiten zu der Serie "True Blood" ausgelastet war. Im Nachhinein entschied man sich, ihre Rolle aus der fertigen Filmfassung zu streichen und die dadurch entstandenen Lücken mit Ellen Page in der Rolle der Kitty Pryde alias Shadowcat zu füllen. Diese Szenen wurden in der hier vorliegenden Schnittfassung wieder durch die Szenen mit Rogue ausgetauscht, wodurch Kittys Charakter im Umkehrschluss ein wenig in den Hintergrund rückt. Man kann eben nicht alles haben.

Einen großen Teil der neuen Szenen finden sich somit hauptsächlich am Anfang des Films, wenn die Gruppen der Mutanten aufeinandertreffen. Im späteren Verlauf werden immer wieder neue oder alternative Szenen eingestreut, die sich aber perfekt in das Geschehen eingliedern und keineswegs wie aufgezwungenes Stückwerk anfühlen, oder den Film am Ende gar ausbremsen, wie das bei manch anderer Langfassung der Fall ist. Tatsächlich bekommt der Film, der schon in der Kinoversion restlos überzeugen konnte, durch die neuen Szenen etwas mehr Dramatik und Spannung verpasst.


Kurios sind noch ein paar womöglich rückgängig gemachte Zensuren für das ursprüngliche PG-13-Rating und man sollte auch ein paar entfernte Stellen erwähnen, denn wie man anhand der alternativen Kitty-/Rogue-Auflösung am Ende schon erahnen kann, enthält der Rogue Cut keineswegs alles an verfügbarem Material. Neben den zusätzlichen Handlungselementen sind noch ein paar Gewaltspitzen (vor allem kann Wolverine etwas mehr auf den Putz hauen) und ein paar Flüche dazugekommen, die den Film zwar nicht besser machen, aber alles in allem erwachsener wirken lassen. Auch die Sentinels bekommen einen zusätzlichen fetzigen Auftritt verpasst.

Im Grunde kann man durchaus klar sagen: Der "Rogue Cut" ist eine runde Angelegenheit, welche den schon in der Kinofassung sehr gelungenen Film nochmal deutlich aufwertet. Der ein oder andere mag darauf weniger Wert legen, aber man hat sich hier schon durchaus Mühe gegeben, eine eben wirklich umfangreich und somit durchdacht liebevoll abweichende Version anzubieten. Bei einer Differenz von 17 Minuten ist nicht nur mehr als die berüchtigte längere Rogue-Szene enthalten, sondern es fehlen auch manche Szenen der Kinofassung oder sie werden anders aufgelöst, fügen sich aber letztendlich doch gut in das Gesamtbild und man hat sich vor allem auch mit dem Drumherum der Nebencharaktere Mühe gegeben, hier eine "vollständigere" Fassung für Fans abzuliefern. 

8,5/10

Einen Vergleich der beiden Fassungen findet man hier: schnittberichte.com.

Mittwoch, 29. Juli 2015

[KINO] Terminator Genisys 3D (2015)

http://www.imdb.com/title/tt1340138/

Im Jahr 2029 kämpft der Rebellenanführer John Connor (Jason Clarke) gegen die Übermacht des Skynet-Maschinenimperiums. Er schickt seinen loyalen Freund Kyle Reese (Jai Courtney) zurück ins Jahr 1983, um seine Mutter Sarah Conner (Emilia Clarke) vor einem Killer-Roboter zu beschützen und so die Zukunft der Menschheit sicherzustellen. Doch als Kyle Reese im Los Angeles der 1980er ankommt, muss er feststellen, dass die erwartete Vergangenheit nicht mehr existiert. Sarahs Eltern wurden von einem durch die Zeit gereisten Terminator ermordet, ein Android des Modells T-800 (Arnold Schwarzenegger) hatte das 9-jährige Mädchen danach beschützt und großgezogen. Kyle erklärt Sarah, was in der Zukunft geschehen wird, doch sie wehrt sich entschieden gegen die Vorstellung, dass ihre Geschichte schon vorherbestimmt ist – und nimmt den Kampf mit Gegnern wie dem T-1000 (Byung-hun Lee) auf...

Der fünfte Teil des beliebten "Terminator-"Franchise stand wie schon so viele andere Fortsetzungen anderer Reihen vor ihm unter keinem guten Stern: erst wurde im Haupttrailer viel zu viel gezeigt und somit massiv gespoilert, dann kamen merkwürdige und bis zum Erbrechen mit Photoshop bearbeitete Poster heraus und zu guter Letzt wurde der Film von Kritkern in der Luft zerissen. Aber zurecht? Keine Frage, der Film hat gravierende Schwächen und wird auch sicher nicht der Blockbuster des Sommers, geschweigen denn der Film des Jahres werden, doch wenn man die ganze Sache nüchtern betrachtet und mit den so im Vorfeld recht niedrig angesiedelten Erwartungen an den Film herangeht, bekommt man - gerade auch gemessen an dem grauenhaften Vorgänger "Terminator: Salvation" - einen ordentlichen Action-Streifen geboten, der noch dazu eine gute Unterhaltung liefert. Und besonders einer weiß hier extrem gut zu gefallen: Arnold Schwarzenegger.


Es ist sicher von Vorteil, wenn man die Storyline der ersten beiden Teile entweder noch im Kopf oder gerade erst gesehen hat: Kyle Reese wurde ja bekanntlich ins Jahr 1984 zurück geschickt um dort Sarah Connor zu beschützen, die von einem Terminator getötet werden soll. Damit würde er den Tag des jüngsten Gerichts verhindern und somit auch den großen Krieg gegen Skynet. Doch hier (und zu zu Kyles Überraschung) weiß Sarah Connor längst über alles Bescheid und hat einen Beschützer bei sich: den T-800, ein Terminator der umprogrammiert wurde um Sarah Connor seit der frühsten Kindheit zu beschützen. Die Zeitlinie hat sich also komplett geändert und so müssen Sarah und Kyle vor dem gefährlichen T-1000 bereits in frühen Zeiten fliehen.

Damit ist auch klar, warum der Film immer wieder negative Kritiken erfahren muss: diejenigen haben nämlich den Trailer gesehen und der verrät schlicht und ergreifend zu viele Twists. Dadurch wird der Film natürlich komplett überraschungsarm und auch nicht mehr wirklich spannend. Wenn man dazu noch Vergleiche mit "Terminator" und "Terminator 2: Judgment Day" zieht, ergibt die Story des fünften Teils zudem so überhaupt keinen Sinn und reisst tiefe Logiklöcher ind den Gesamtkonstrukt. Betrachtet man "Terminator: Genisys" jedoch als Reboot und somit neuen, eigenständigen SciFi-Actionfilm, ist das ganze Pakt dann doch eine ziemlich unterhaltsame Nummer. Gewürzt wird das Ganze mit einer angenehmen Prise Selbstironie, einem tollen '84er-Nostalgie-Flair, einem guten Soundtrack und mehr als soliden CGI-Effekten. Da verzeiht man auch schnell, dass die Hauptstory eigentlich total unterirdisch geschrieben ist.


Immerhin ist Arnold Schwarzenegger zurück in seiner Paraderolle als "Terminator" und auch der Hauptgrund, weshalb "Terminator: Genisys" trotz aller Defizite überraschend gut gefällt. Er überzeugt komplett in seiner Rolle und man nimmt ihm nach wie vor die Tötungsmaschine ab. Dabei vergisst er auch nicht die nötige Portion Selbstironie ("Ich bin alt, aber nicht veraltet!"). Einfach eine sympathische und kultige Filmfigur. Ganz anders ist es leider bei Emilia Clarke. Sie ist leider eine komplette Fehlbesetzung als Sarah Connor und liefert hier eine viel zu blasse Performance ab. Sie hat eine völlig emotionslose Mimik und spielt nicht mit großer Lust. Es mag auch schwierig gewesen sein eine Schauspielerin zu finden, die Linda Hamilton ersetzen kann.

Immerhin agiert dann wenigstens Jai Courtney besser als in seiner ersten großen Hollywood-Rolle "Stirb langsam: Ein guter Tag zum sterben"), dennoch ist er noch ein sehr weites Stück von einem guten Schauspieler entfernt. Jason Clarke hingegen gibt einen guten John Connor, auch wenn es sehr befremdlich ist, was aus diesem Charakter geworden ist. J.K. Simmons gefällt einmal mehr richtig gut und steht auch für einige lustige Momente, besitzt aber leider auch zu wenig Screentime. Byung-hun Lee als T-1000 kann zwar sehr schön böse gucken (und es ist nett mal wieder einen von der Art zu sehen), aber einem Robert Patrick reicht auch er nicht das Wasser.

Die Dramaturgie holperte zudem mächtig, und der Film hat sichtbar große Balance- und Tempoprobleme. Am Ende versinkt die Geschichte im Action-Einheitsbrei, und spätestens hier muss man wieder einmal den Hut vor James Cameron ziehen, der einfach weiß, wie so etwas gemacht wird. Der hiesige Regisseur Alan Taylor weiß es leider nicht. Erschwerend hinzu kommt, dass der "Terminator: Genisys" den Finger auf die erzählerische Wunde legt: wenn die Gegenwart nicht passt, dann schickt man einfach einen Terminator in die Vergangenheit und ändert sie. Und wenn das nicht klappt, einfach noch mal. Und noch mal. Und noch mal. Und noch mal. Sarah Connor, Kyle Reese und der T-800 retten hier zwar ein weiteres Mal die Welt, aber das hat natürlich keinerlei Relevanz, wenn zu jeder Zeit irgendein weiterer Terminator auftauchen kann.

So ist es im Grunde wie bei "Transformers". Die Story ist totaler Schwachsinn und (auch logisch) sinnfrei ohne Ende, allerdings haben die Filme einen schon  unfassbar hohen Unterhaltungswert. Da muss wirklich jeder für sich selbst entscheiden, ob diese "Hirn raus - Action rein" Filme das Richtige sind. Ich jedenfalls war sehr angenehm überrascht, auch wenn hier beim Drehbuch und beim Cast viel falsch gemacht wurde. Die Action ist nicht übertrieben, aber doch sehr roh, wenn auch blutarm, gehalten. Es wird nicht ewig durch die Luft gewirbelt, sondern sich halt oft einfach nur in die Fresse geschlagen. Unterhaltsam ist er, vielleicht auch überraschenderweise.

7/10

In 6 verschiedenen Editionen erschien der Film für den Heimkinomarkt. Eine der - in meinen Augen - schöneren Edition, die vor allem den Fim auch in 3D bietet - ist das SATURN-exklusive Steelbook mit geprägtem Schriftzug:

Sonntag, 26. Juli 2015

Afflicted (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2309961/

Die langjährigen Freunde Derek (Derek Lee) und Clif (Clif Prowse) haben für den Trip ihres Lebens etwas ganz Besonderes geplant: Eine Weltreise, bei der sie ständig eine Kamera am Start haben wollen, um alles genau zu dokumentieren. Doch das aufregende Unternehmen nimmt unerwartet eine düstere und blutige Wendung. Nach einem One-Night-Stand in Paris entwickelt Derek übernatürliche Fähigkeiten, die schon bald seinen Körper und dann auch seinen Geist lenken. Gemeinsam versuchen die zwei jungen Abenteurer diesem Mysterium auf den Grund zu gehen, bevor Clif sich vollständig in einen anderen Menschen verwandelt. Was geschah in besagter Nacht mit der fremden Frau? Und wird das Filmmaterial ihrer schockierenden Entdeckungen am Ende die einzige "Postkarte" nach Hause sein?

Ein ziemlich eigenartiger Film, den Derek Lee und Clif Prowse (die sich auch selbst spielen) dem Zuschauer hier servieren. Anfangs ähnelt "Afflicted" noch stark "Grave Encounters", das ändert sich jedoch sehr schnell, geht dann in die Richtung "Chronicle" und mutiert letztlich zu einem recht kuriosen Genre-Mix im Found Footage-Gewand. Anfangs noch als eine reine Doku gehalten, entwickelt sich "Afflicted" mehr und mehr zu einer schweißtreibenden Hetzjagd, wobei gar nicht viel mehr zum Handlungsablauf gesagt werden soll, da man hier tatsächlich Gefahr läuft, mit nur einem einzigen falschen Wort einen handfesten Spoiler hinzulegen.

Der Plot ist unterhaltsam, über ein paar logische Fehler kann man großzügig hinweg sehen. Selbst für Freunde des Splatters wird hier so einiges geboten und auch ein paar nette Schockmomente sind vorhanden, stark gegruselt wird man jedoch nicht. Auch an Spannung mangelt es auch nicht. Dabei werden die Nerven aber durch rasante (und teils verwackelte) Action-Szenen immer wieder mal entlastet. Der Film läuft zu 90 % in der Ego-Perspektive, sodass Found Footage-Hasser hier von besser die Finger lassen sollten. Denn wer kein Freund der Handkamera ist wird mit diesem Film sowieso wenig Freude haben. Insgesamt wirkt der Streifen irgendwie innovativ und neu, obwohl er das im Kern ja gar nicht ist.

Die beiden Jung-Regisseure Lee und Prowse haben es tatsächlich geschafft, mit etwas frischen Wind den Erstickungstod dieses Subgenres zu verhindern. Besonders die starken Spezial-Effekte lassen den ein oder anderen miesen Fehlgriff aus dieser Kategorie in Vergessenheit geraten. Nett.

6,5/10

Samstag, 25. Juli 2015

功夫 - Pinyin Gong Fu - Kung Fu Hustle (2004)

http://www.imdb.com/title/tt0373074/

Im Shanghai der 40er Jahre hat der glücklose Möchtegern-Gangster Sing (Stephen Chow) einen großen Traum: Er möchte in die berühmt-berüchtigte "Axt-Gang" aufgenommen werden - denn böse Jungs sind einfach cooler! Doch ehe der Boss Sing als neues Mitglied akzeptiert, muss dieser erst einen harten Test bestehen: Er soll seine Kampfkünste unter Beweis stellen, indem er sich mit der ebenso unausstehlichen wie rabiaten Vermieterin eines heruntergekommenen Häuserblocks und deren scheinbar schwächlichen Mann anlegt. Doch alle Einschüchterungsversuche gegen das ältere Ehepaar und ihre Mieter, die alle nicht das sind, was sie scheinen, schlagen fehl. Denn die Underdogs entwickeln plötzlich außerordentliche Fähigkeiten, wenn es darum geht, ihr Hab und Gut zu verteidigen. Und auch Sing findet bald heraus, dass er ebenfalls über ungeahnte Kräfte verfügt, die ihn zum größten Kung-Fu-Meister aller Zeiten werden lassen. Doch das Schicksal hält noch einen ganz bestimmten Auftrag für ihn bereit...

"So viele Gangster... so wenig Zeit". Stephen Chow liefert mit "Kung Fu Hustle" einfach einen großen, irren, abgefahrenen, völlig übertriebenen, comic-mäßigen Spaß. Mo lei tau heißt der chinesisch-kantonesischem Humor, der mit Slapstick, Wortspiele und parodistische Verweise auf die Popkultur die Lachmuskeln anregen soll. Und das funktioniert bei diesem herrlich übertriebenen Spaß richtig gut.

Hier werden Füße zerquetscht, Köpfe umgedreht, Riesenlippen durch Schlangenbisse erzeugt, Gesichter wie Knete breitgetreten, in Zaubertrankgeschwindigkeit gerannt und unsichtbare Schwerter aus alten asiatischen Instrumenten abgefeuert. Es werden weise Worte kurz vor dem Tod gesagt genauso wie mit Hilfe des Löwenschreis oder der "Hand Buddahs" ganze Häuserblöcke niedergemacht. Hier und da fliegen Chinesen in hohem Bogen durch die Gegend, als wären es Römer in einer kleinen gallischen Provinz.

Absolut überspitzt und jedes Klischee des Kung-Fu-Filmes bedienend, zeigt dieser Film wie man hervorragende Kampfchoreographie gemixt mit Klamauk und Slapstick zu einem äußerst unterhaltsamen Film macht, der zwar alles zeigt das man schon kennt, aber dabei dennoch alles ein bischen anders macht. Und mittendrin findet man immer wieder großartige Brüller wie die Messerszene zwischen dem dünnen und dem dicken Aushilfsgangster. Selbst ein wenig Story ist auch noch drin, aber die ist tatsächlich völlig nebensächlich. Denn "Kung Fu Hustle" hat eigentlich nur ein großes Ziel: Die Lachmuskeln seiner Zuschauer aufs Äusserste zu strapazieren.

Also bitte: bisherige Kenntnisse über Physik zurückstellen und 0 % Realismus erwarten, dann funzt der Streifen. Das ist abgehobenes, megawitziges chinesisches Kino und eine entsprechende Punktevergabe wert.

8/10

Freitag, 24. Juli 2015

[SERIE] Six Feet Under - Gestorben wird immer, Season 05

http://www.imdb.com/title/tt0248654/

Ruth ist am Ende. Bei George ist der Wahnsinn nun voll ausgebrochen und seinen Wahnvorstellungen ist nur noch mit Elektroschocks beizukommen. Nach der Behandlung kommt ein völlig veränderter Mann zu Ruth zurück. So hatte sie sich ihre zweite Ehe nicht vorgestellt. Unterstützung erfährt Ruth unverhofft von Georges Tochter Maggie, die nach L.A. zieht. Auch bei Rico hängt der Haussegen nach seinem Seitensprung schief. Seine Frau kann ihm nicht verzeihen und erinnert ihn bei jeder Gelegenheit an seine Verfehlung. Brenda und Nate scheinen hingegen endlich zusammen ihren Frieden zu findet, doch dann überschattet eine Fehlgeburt von Brenda das neu gefundene Liebesglück. Nate ist es zudem ein Dorn im Auge, dass Brendas Bruder Billy schon mehrere Monate mit Claire zusammen ist und dass die beiden planen zusammen zu ziehen. David und Keith steigen derweil aktiv in die Familienplanung ein, können sich aber nicht zwischen Leihmutterschaft und Adoption entscheiden, was zu ständigen Streitigkeiten führt.

http://www.imdb.com/title/tt0701973/
5.1 Ein Anstrich weißer Farbe (A Coat Of White Primer)
Alles geht drunter und drüber, denn die Hochzeit von Brenda und Nate steht vor der Tür. Doch die beiden sind alles andere als gut aufgelegt, denn Brenda hatte eine Fehlgeburt. Doch die Hochzeit soll trotzdem stattfinden. Auch Billy und Claire können die Finger nicht voneinander lassen und beschließen zusammenzuziehen. Federico hingegen sucht verzweifelt nach einem Hochzeitsdate. - 8,5/10

http://www.imdb.com/title/tt0701983/
5.2 Ich tanze nur für mich (Dancing For Me)
Bei David und Keith dreht sich alles um das Thema Kind: Sollen sie eins adoptieren oder doch lieber eine Leihmutter suchen? Claire hingegen versucht sich künstlerisch zu verändern, doch leider ist ihr Gallerist von der neuen Richtung ihrer Fotos alles andere als begeistert. Dafür läuft es mit Billy immer besser. Der wiederum stellt während eines Essens mit Künstlerfreunden fest, wie sehr er sich verändert hat. - 8/10

http://www.imdb.com/title/tt0701993/
5.3 Halte meine Hand (Hold My Hand)
Während eines Shoppingtrips muss Claire feststellen, dass ihre Kreditkarte gesperrt wurde. Erbost ruft sie bei ihrem Anwalt an, der ihr nüchtern erklärt, dass ihr Treuhandvermögen eingefroren wurde. Denn weder Nate noch ihre Mutter sind begeistert von ihrem derzeitigen Lebenswandel und der Beziehung zu Billy und nicht bereit, diese finanziell zu unterstützen. - 8,5/10

http://www.imdb.com/title/tt0702032/
5.4 Wie die Zeit vergeht (Time Flies)
Nate feiert seinen 40. Geburtstag und Brenda hat ein ganz besonderes Geschenk für ihn: Sie ist schwanger. Nate scheint jedoch weit weniger begeistert als erwartet. Claire hingegen sorgt sich um Billy, der droht, psychisch immer weiter abzudriften. David und Keith dagegen kommen ihrem Kinderwunsch immer näher: Sie machen einer Leihmutter ein offizielles Angebot. - 9/10

http://www.imdb.com/title/tt0701986/
5.5 Pfirsichkompott (Eat A Peach)
Daniel Holzenchenko ist Diabetiker und wird von seiner Familie auf strengste Diät gesetzt. Eines Abends schleicht sich der stille Mann in die Speisekammer und isst genüsslich seine geliebten eingelegten Pfirsiche. Nach seinem Tod wenden sich seine zankenden Verwandten an die Fishers. Währenddessen gerät Claires und Billys Beziehung aus den Fugen, und Claire zieht wieder bei ihrer Mutter ein. Doch Billy will nicht loslassen. Nate und Brenda geraten aneinander, weil Brenda Maya sagen will, dass sie nicht ihre richtige Mutter ist. Ricos Sohn Julio hat Ärger mit einem Mitschüler, und Rico schiebt Julios Verhalten auf die Scheidung. Zudem erzählt er dem Schuldirektor Dinge, die Vanessa in ein falsches Licht rücken. - 8,5/10

http://www.imdb.com/title/tt0702024/
5.6 Ein Regenbogen voller Gründe (The Rainbow Of Her Reasons)
Ruth’ Schwester Sarah überredet ihre Freundin Fiona Lenore Kleinschmidt, sie auf einer Wandertour zu begleiten. Fiona erklimmt mit Sarah einen Berg und kommt dabei ums Leben. Sarah wendet sich an Ruth, die gerade mit George eine neue Wohnung gefunden hat. Sie sind gerade dabei, sich dort einzurichten, und obwohl Ruth Fiona nicht besonders mochte, nimmt sie den Todesfall zum Vorwand, um George in der neuen Wohnung alleinzulassen und Sarah zur Seite zu stehen. Derweil erleben David und Keith zum ersten Mal, was es heißt, Eltern zu sein. Sie nehmen das Pflegekind Anthony und seinen Bruder Durrell bei sich auf. Der elfjährige Durrell ist kein einfacher Junge. Immer wieder legt er sich mit Keith an und bereitet ihm Kopfzerbrechen. Claire hingegen findet einen Job und bringt den ersten Tag im Büro erfolgreich hinter sich. Billy kämpft derweil mit Liebeskummer und sucht Trost bei Nate und Brenda. - 9/10

http://www.imdb.com/title/tt0702027/
5.7 Stille Andacht (The Silence)
Peter Thomas Burns hat keine Lust ins Theater zu gehen, doch seine Frau zwingt ihn mitzukommen. Während der Aufführung hat Peter plötzlich Atemnot und verstirbt noch auf dem Theatersessel. Seine Freundin Maggie wendet sich an Nate, der die Trauerfeier organisieren soll. Derweil erhält Brenda beunruhigende Neuigkeiten von ihrer Frauenärztin. Ihr wird eine Fruchtwasseruntersuchung empfohlen, doch Brenda weigert sich, diesen Test zu machen, was ihre Ehe mit Nate auf eine harte Probe stellt. - 8,5/10

http://www.imdb.com/title/tt0702007/
5.8 Zukunftspläne (Singing For Our Lives)
Die 35-jährige Pilar Sandoval hat drei Hunde an der Leine und fährt schwungvoll auf Rollerblades einen Berg hinunter, als ein Auto sie seitlich erfasst. Ihre schockierten Eltern wenden sich an das Bestattungsunternehmen der Fishers, da sie nur spanisch sprechen. Rico wittert eine Chance, noch mehr Kunden zu gewinnen, indem sie verstärkt die lateinamerikanische Zielgruppe ansprechen. Während Nate und Brenda sich immer häufiger streiten, übergeben David und Keith ihre Pflegekinder für einen Tag in die Obhut von Ruth. - 9/10

http://www.imdb.com/title/tt0701987/
5.9 Zwischen den Welten (Ecotone)
Laurence Hall Matheson geht in den Wäldern wandern, als ihn unerwartet ein Puma anfällt und tötet. Rico kümmert sich allein um die Trauerfeier, da die Fishers ins Krankenhaus gerufen wurden: Nate ist bewusstlos zusammengebrochen, als er von Maggies Sofa aufgestanden ist. Im Krankenhaus stellen die Ärzte fest, dass er eine erneute Hirnblutung hatte und augenblicklich operiert werden muss. Familie Fisher findet sich im Krankenhaus ein, nur Ruth ist nicht zu finden. Was die Familie nicht weiß: Ruth zeltet mit Hiram. In den Wäldern kommt es zum Streit zwischen dem Liebespaar, und Ruth läuft davon. Eine asiatische Reisegruppe nimmt sie wieder mit in die Stadt. - 9,5/10

http://www.imdb.com/title/tt0701975/
5.10 Allein (All Alone)
Nate ist an den Folgen seiner Gehirnblutung gestorben. Sein Tod trifft Familie Fisher wie ein Schlag. Während Ruth sich schwere Vorwürfe macht, nicht da gewesen zu sein, als er starb, nimmt David die Organisation der Beerdigung in die Hand. Doch alte Erinnerungen und Schuldgefühle erschweren ihm die Planung und rauben ihm den Schlaf. Brenda konfrontiert Maggie mit ihrem Wissen um ihre Affäre, doch die Konfrontation kann Brenda nicht die Wut nehmen. Claire flüchtet kurzerhand zu ihrem neuen Freund. Derweil muss Keith sich nicht nur um neue Anzüge für die Kinder kümmern, sondern auch um einen von Rogers widerspenstigen Jungschauspielern. Und dann ist da noch Nates letzter Wille, in einem Park beerdigt zu werden. - 9,5/10

http://www.imdb.com/title/tt0702009/
5.11 Rauschen (Static)
Sechs Wochen nach Nates Tod droht die Familie an ihrer Trauer zu zerbrechen: David wird von Angstattacken gequält, und Ruth ist verzweifelt, weil Brenda Maya zurückhaben will. Der aus dem Krieg heimgekehrte und schwer verwundete Soldat Paul Ronald Duncan nimmt sich das Leben. David und Rico sind tief berührt von dem Verlust der Familie, haben sie doch vor nicht einmal sechs Wochen dasselbe erlebt. Doch auch nach dieser Zeit hat die Familie ihren Verlust nicht verwunden. David wird von Angstattacken geplagt, und Brenda ringt mit Nates Erscheinung, von der sie sich verfolgt fühlt. Ruth hat sich in letzter Zeit um Maya gekümmert, und George und Ruth sind sich dadurch wieder näher gekommen. Doch Ruth möchte ihre Enkelin nun nicht mehr an Brenda zurückgeben. Es kommt zum Streit zwischen den beiden Frauen, der für Brenda eine ungeahnte Wendung nimmt. Claire erscheint derweil betrunken bei der Arbeit und legt sich mit ihren Kollegen an. - 9/10

http://www.imdb.com/title/tt0701989/
5.12 Alle warten (Everyone’s Waiting)
Brenda bekommt ihr Kind zu früh. Das Baby ist sehr schwach und muss vorerst beatmet werden. Ruth ist darüber genauso entsetzt wie Brenda, denn sie sind sich sicher, dass die Familie einen weiteren Verlust nicht verkraften würde. Dazu kommt, dass Brenda immer noch von Nates Erscheinung heimgesucht wird und Angst hat, dass die kleine Willa doch nicht gesund sein könnte. Claire kriegt unverhofft ein Jobangebot aus New York und nimmt es an. Das bedeutet jedoch, dass sie ihre Familie und Ted in Kalifornien zurück lassen muss. Rico will Nägel mit Köpfen machen und sucht sich mit Vanessa eine Immobilie, in welcher er sein eigenes Bestattungsunternehmen eröffnen kann. Dafür will er von David seinen Anteil an der Firma ausgezahlt bekommen. Doch David kann sich das nicht leisten und verkaufen will er das Unternehmen auch nicht. - 10/10

Als 2001 die erste Staffel der innovativen Drama-Serie "Six Feet Under" startet, ahnte wohl niemand, welche ungemeine Bereicherung der Fernsehlandschaft beschert werden würde. Die Serie stand von Beginn an für facettenreich gezeichnete Figuren und kontroverse Inhalte, die in einer selten da gewesenen Offenheit angegangen wurden. Zwischen Drama und schwarzem Humor kämpften die Fishers und ihre Lieben den täglichen Kampf des Lebens zwischen Leichen, Bestattungen und Trauerfeiern. Immer auf der Suche nach der eigenen Identität und mit dem Thema Tod über allem. Mit der 5. Staffel zieht man nun einen Schlussstrich unter ein Serienkonzept, dass nicht zuletzt deshalb so gut ankam, weil die Besetzung der Hauptrollen exzellent gelungen ist. Wie schon in der 4. Staffel sind es insbesondere Michael C. Hall als David und Frances Conroy als Ruth, die mit der Verkörperung ihrer Figur und deren Entwicklung in der 5. Staffel am meisten überzeugen und aus dem insgesamt nach wie vor sehr glaubwürdigen Cast hervorstechen.

Der Trend weg von den schwarzhumorigen, skurrilen Todesfällen hin zu reinen Drama-Inhalten, die sich fast ausschließlich noch mit den Problemen seiner Charaktere beschäftigt, war bereits in der 4. Season auszumachen und setzt sich auch in der 5. Staffel fort. Die Luft ist jedoch etwas raus aus der Figurenentwicklung. Diese treten mehr und mehr auf der Stelle und ergehen sich in altbekannten Problemen. Erst im letzten Drittel findet die Staffel aber zur alten Stärken zurück und überzeugt mit emotionalen und tief bewegenden Momenten. Vor allem aber die wundervoll wehmütige Abschiedsfolge, die dem Zuschauer noch einmal die Endlichkeit aller Dinge vor Augen führt und gleichzeitig doch so hoffnungsvoll für die Botschaft "Nutze jeden Moment und deine Chancen" steht, ist wohl das beste Serienfinale, was es jemals gab.

Nach fünf erfolgreichen Jahren geht mit der 5. Staffel eine Drama-Serie zu Ende, die neue Maßstäbe setzte. Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Alan Ball und sein Team an kreativen Drehbuchautoren und Regisseuren hat einen guten Zeitpunkt für den Abschied von den Fishers gewählt und so vermieden, dass der insgesamt so positive Eindruck dieser Serie verwässert wird.

Aktuell nur auf DVD gibt es alle fünf Staffeln der rabenschwarzen Satire in einer stimmigen Box, die aussieht, wie ein frischer Grabaushub. Das Gras auf der Oberseite ist sogar fühlbar, im Inneren befinden sich 5 schwarze Boxen, die die DVDs im DigiPak beinhalten. Sehr schick, sehr stimmig:

Red Heat (1988)

http://www.imdb.com/title/tt0095963/

Die Sowjetunion in ihren letzten Zügen: Ivan Danko (Arnold Schwarzenegger) ist der härteste Hund bei der Moskauer Miliz. Der linientreue und kampferprobte Polizist hat das Auge des Gesetzes auf den georgischen Drogendealer Viktor Rosta (Ed O’Ross) geworfen, der Kokain ins sozialistische Vaterland verschiebt. Die Festnahme scheint eine Formsache zu sein, doch Rosta kann entkommen und tötet auf der Flucht den Kollegen und besten Freund Dankos. Einige Monate später bekommt Danko eine zweite Chance. Rosta wurde in Chicago wegen eines Rotlichtverstoßes festgenommen und sitzt dort ein. Danko soll den Mörder nach Hause bringen, aber möglichst ohne den Klassenfeind von dem aufkommenden Drogenproblem in der Heimat wissen zu lassen. Als Aufpasser für den russischen Fremdkörper werden die Polizisten Art Ridzik (James Belushi) und dessen Partner Gallagher (Richard Bright) abkommandiert. Die sowjetische Desinformation der amerikanischen Behörden hat fatale Folgen: Als Danko mit dem Gefangenen am Flughafen angekommen ist, wird dieser durch lokale Ghetto-Gangster freigeschossen. Ridziks Partner wird getötet. Das Department hält es daraufhin für eine gute Idee, den Russen und das Großmaul Ridzik auf die Jagd nach dem erneut Geflüchteten zu schicken...

Herrlich harter Actionfilm aus den 80ern. Arnold Schwarzenegger bündelt all sein Schauspieltalent und veranstaltet in ''Red Heat'' ein Mienenspiel der besonderen Art, nämlich gar keins. Er spielt Ivan Danko, ein laufender Wandschrank, Marke russische Eiche in einem makelos sitzenden Anzug in umgekehrter Trapezform. Gesprochen wird nur im Notfall, geschossen beim kleinsten Zwischenfall. Warum? - ''Russische Methode ist ökonomischer''. Die amerikanische Seite wird dafür umso geschwätziger von Laberbacke James Belushi verkörpert. Er ist der Trottel vom Dienst, ''der Experte im Scheiße bauen''. Steckt man beide zusammen erhält man eine Buddy-Cop-Mischung der besonderen Art: der Schwätzer und die Abrissbirne. Aber auch wenn die beiden einen Spruch nach dem anderen raushauen, bleibt ''Red Heat'' harter Actionthrill, der die bleihaltige Luft der 80er atmet.

Kalter Krieg und heiße Ware ist Thema in Walter Hill's "Red Heat". Es ist die erste US-Produktion, die in Russland an Originalschauplätzen drehen durfte, was man zum Beispiel am Vorspann sehen kann. Und Schwarzenegger lernte extra für seine Rolle drei Monate lang Russisch. In seiner Liga sicherlich ein Kultfilm und neben "Terminator" defenitiv Schwarzeneggers Meisterstück in lakonischer Coolness. Szenen wie Schwarzeneggers erster Besuch eines amerikanischen Hotels, das Intro in der Sauna oder generell die komplette Moskau Episode, sind aber im wahrsten Sinne des Wortes pures "Kokainum".

7,5/10

Von Eightyfour Entertainment kommt der Film auch im auf 666 Stück limitierten Mediabook.

U.S. Marshals - Auf der Jagd (1998)

http://www.imdb.com/title/tt0120873/

U.S. Marshal Sam Gerard ist auf der Jagd nach dem Mordverdächtigen Mark Sheridan. Eine fürchterliche Hatz beginnt, bei dem Sam Gerard und sein Team gnadenlos vorgehen. Sheridan ist allerdings ein untergetauchter Superagent, dem von seinen ehemaligen Auftraggebern ein Mord angehängt wurde. Wird der eigentlich Unschuldige seine Unschuld beweisen können, bevor Gerard ihn bezwingt?

Ein Abschreiben, eine Nacherzählung, ein Herunterbeten: aber eigentlich ist "Auf der Jagd" ein spannender Actionthriller der leider ein großes Problem hat. Er ist fast schon eine Kopie des Vorgängers. Wenn man es ganz genau nimmt wurde nur der Hauptdarsteller ausgetauscht. Der Rest ist mehr oder weniger gleich geblieben. Noch einmal durchquert ein (das weiß man von Anfang an) Unschuldiger (ein schaler Harrison-Ford-Ersatz: Wesley Snipes) das halbe Land, um auf eigene Faust (und Waffengewalt) die Schuld einem anderen zuzuschieben - mit angehängtem Epilog, in dem sich das verdeckt haltende Böse offenbart. Naturgemäß überreizt "Auf der Jagd" als ausschlachtende Fortsetzung seinen Lärm. Ob ein Flugzeugabsturz oder ein Sprung auf das Dach eines Zuges: Wie bereits im Vorgänger erfreut sich der Film neben seiner rohen Städtefotografie an seinen kaum digital verwässerten, wiewohl kenntnisreich ausgearbeiteten Stunts. Sonst aber wirkt "Auf der Jagd" massiger und plumper, ist nicht mehr im roten Gaspedalbereich unterwegs, sondern in der verschwurbelten Berichterstattung über Details und Zusammenhänge involviert.

Stuart Baird konnte die Story nicht so bedrückend und spannend inszenieren, wie Andrew Davis es tat. Trotzdem ist dieser Film ein actiongeladener Thriller, welcher durchaus interessant und spannend ist und absolut eine Chance verdient hat. Wenn man mal über die ganzen Unzulänglichkeiten, die eine Kopie nun mal fast zwangsläufig inne hat, hinweg sieht kann dieser Streifen trotz allem doch noch überzeugen. Was an einem wunderbar knurrigen Tommy Lee Jones liegt. Gern schaut man diesem bärbeißigen, schroffen Mann ein zweites Mal bei allerhand cholerischen Krisensitzungen zu.  Robert Downey jr. als milchgesichtiger Special Agent John Royce macht die ganze Geschichte dann noch einmal wesentlich vorhersehbarer, spielt aber immerhion ganz gut. Und auch wenn der Film lange nicht das Level des Vorgängers erreicht, da es ihm einfach an Dramatik und vor allem Harrison Ford fehlt, für einen unterhaltsamen Abend reicht er allemal.

6,5/10

Donnerstag, 23. Juli 2015

Piranha - Piranhas (1978)

http://www.imdb.com/title/tt0078087/

Als von zwei Teenagern nach ihrem Badeausflug nur mehr Fetzen übrigbleiben, stößt die ermittelnde Privatdetektivin Maggie McKeown im abgelassenen Becken auf hochaggressive und für den Einsatz im Vietnamkrieg gezüchtete Killerfische. Diese entkommen in den örtlichen Fluss und richten ein regelrechtes Blutbad an. Unter Einsatz ihres Lebens versuchen Maggie und ihre Helfer der tödlichen Bedrohung Herr zu werden. Wie mehrere nachfolgende Sequels unterstreichen, vergeblich...

Hier zeigt "Gremlins"-Regisseur Joe Dante schon sein ganzes Können und seinen Hang zu bekannten und altgedienten Genrestars wie Kevin MacCarthy, der immer wieder in seinen späteren Filmen auftrat. Als 1975 "Der weiße Hai" die Kinoleinwände bevölkerte, brach kurz darauf eine Welle des Unterwasser-Tier-Horror los. "Piranha" kam 1978 dazu. Joe Dante, der Regiesseur dieses kultigen Trash-Horror-Films lieferte hiermit seine erste richtige Arbeit hab und schuf zugleich einen wichtigen Beitrag für das Horror bzw. Grindhousekino der 70er. Auch wenn der Film zwischen zwei Welten steht (günstiger Mainstream und Grindhouse-Kino) so ist er doch mehr im Bereich der Midnight Movies anzusiedeln. Der Film fährt auch ganz klar im Kielwasser von "Der weiße Hai", ist aber eben kein billiger Abklatsch.

Es ist ein eigenständiger höchst ironischer Film, der mit einigen guten Effekten aufwartet und das Genre liebevoll auseinander nimmt und leicht parodiert. Die Geschichte ist wirklich nichts neues, aber die Art und Weise wie Dante mit den Erwartungen spielt und was er aus dem Script (im Übrigen geschrieben vom späteren Regisseur John Sayles) rausholt ist wirklich gut.

Man bekommt alles geboten, was man sich von so einer Trash-Perle erhofft. Wer sich einfach gut unterhalten lassen will und etwas Grindhouseluft schnuppern will sei dieser Kultfilm ans Herz gelegt. Schmunzeln wechselt sich mit Horror ab und den ganzen Film über hat man ein Grinsen im Gesicht. Aber nicht aus Bosheit, sondern weil Dante immer mit einem Augenzwinkern inszeniert. Spannend und witzig.

7/10

Als 3-Disc Limited Collector's Editon erschien der Film nun endlich in HD von KOCH MEDIA im Mediabook und der Dokumentation "UFOS, Sex und Monster - Das wilde Kino des Roger Corman".

Foxcatcher (2014)

http://www.imdb.com/title/tt1100089/

Der Ringer Mark Schultz (Channing Tatum), der 1984 die olympische Goldmedaille gewonnen hat, hat den Höhepunkt seiner Karriere hinter sich. Er ist gefangen in einem Kreislauf aus täglicher Trainingsroutine und gelegentlichen feierlichen Anlässen, bei denen er Ansprachen hält. Doch dann trifft er den sportbegeisterten Multimillionär John du Pont (Steve Carell). Dieser lädt den Sportler ein, bei ihm unter perfekten Bedingungen das Vorbereitungstraining für die Olympischen Spiele 1988 zu absolvieren. Schultz nimmt das Angebot an und zieht auf du Ponts Farm, wo dessen Team Foxcatcher trainiert. Er wird vom exzentrischen Mäzen mit Luxus umgeben und zu unaufhörlichem Training getrieben. Nach mehreren vergeblichen Versuchen gelingt es Schultz schließlich, auch seinen Bruder und Mentor Dave (Mark Ruffalo) zu überreden, dem Team beizutreten. Als jedoch der Druck auf alle Beteiligten immer weiter zunimmt, drohen sich die aufgebauten Spannungen in einer Katastrophe zu entladen...

Bennett Miller macht es einem als Zuschauer mit seinem Film "Foxcatcher" nicht immer leicht, denn der ganze Film ist wie seine Figuren ziemlich unnahbar, trist und wortkarg. Zudem werden viele Sachen immer wieder nur angedeutet und oberflächlich von außen beleuchtet. Man will zwar mehr über die Charaktere und ihre Beweggründe erfahren, dringt aber nie so richtig zu ihnen durch. Zwar kann man Miller anrechnen dass er den Film komplett ohne Schnickschnack, Effekthascherei oder Pathos inzeniert und dabei ein sehr realistisches und ruhiges Sportdrama abliefert, was aber teilweise einfach zu steril ist um komplett zu fesseln. Was den Film vor der totaler Langeweile rettet sind die drei Hauptdarsteller Carell, Tatum und Ruffalo die so intensiv agieren dass man ihnen förmlich an den Lippen hängt.

Denn obwohl der Film recht spannungsarm über den Bildschirm flimmert, bekommt man dank der vorgenannten Personen doch noch ein sehr intensives, wenn auch stilles Schauspiel geboten. Es ist sehr interessant zu beobachten, wie Steve Carrel abseits altbekannter Pfade wandelt und dabei wirklich zu überzeugen weiß. Seine Darstellung des einsamen und exzentrischen Unternehmers John du Pont ist wirklich große Klasse. Doch auch Channing Tatum macht seine Sache als wortkarger kleiner Bruder ziemlich gut. Die drei interessanten Protagonisten sind praktisch Gegensätze, Ruffalo ist rational, Tatum emotional, Carell machthaberisch. Dank der nicht überzeichneten Charakteren ist der Film eine Charakterstudie, die Handlungen der Personen versteht man nicht, ihre Gedanken werden nicht gezeigt, aber dies ist kein Fehler, sondern die Realität, warum gibt es so viele Konflikte? Genau aus diesem Grund, man kann der Mitmensch nicht durschauen, obwohl die Ziele der Menschen die Gleichen sind. Es ist nicht das Ziel des Filmes, seine Charakteren zu verstehen, sondern sich vorzustellen, was ihre Dränge, Nöte und ihre Vorstellungen vom Leben sind. Der Skript ist für mich das grösste Problem des Filmes, es hat fast keinen Inhalt, natürlich sollte der Film ein Biopic sein, aber da eh nur die wichtigsten Fakten mit dem Geschehenen überreinstimmen, hätte man schon mehr Story reinpacken können.

Aber dank der genialen, dichten Atmosphäre, die auch über irrelevanten Sequenzen und Momenten hinweghalten kann und die Beobachtung der Protagonisten, wie sie auf einzelne Situationen reagieren ist es immer noch ein sehr sehenswerter Film. Wer jedoch einen Sportfilm sucht, der Fall und Aufstieg des Protagonisten rauschend zelebriert bis dem Zuschauer vor lauter Freude das Herz aufgeht, der wird mit dem bedächtigen und nachdenklichen "Foxcatcher" nicht so recht glücklich werden.

7/10

Exklusiv bei Müller gibt es den Film auch im schicken glönzenden und limitierten Steelbook:

 

Mittwoch, 22. Juli 2015

The Fugitive - Auf der Flucht (1993)

http://www.imdb.com/title/tt0106977/

Dr. Richard Kimble (Harrison Ford) ist ein angesehener Chirurg, der wegen angeblichen Mordes an seiner Frau vor Gericht kommt. Obwohl er seine Unschuld beteuert, bekommt er eine Verurteilung. Während des Gefangenentransports gelingt ihm mit Hilfe anderer Häftlinge unfreiwillig eine spektakuläre Flucht nach einem Zugunglück. Fortan jagt Kimble durch Amerikas Nordosten, mit dem Ziel den Mörder seiner Frau zu finden und die eigene Unschuld zu beweisen. Doch der US-Marshal Samuel Gerard (Tommy Lee Jones) ist ihm mit seinem Team unerbittlich auf den Fersen…

"Auf der Flucht" basiert lose auf dem Fall des Sam Sheppard, einem Mediziner, der Opfer eines Justizirrtums wurde und fälschlicherweise wegen Mordes an seiner (schwangeren) Ehefrau angeklagt wurde. Hier ist es Dr. Richard Kimble, perfekt gespielt von Harrison Ford, der "Auf der Flucht" vor U.S. Deputy Marshal Samuel Gerard (nicht minder brilliant: Tommy Lee Jones) ist. Es ist ein nahezu perfektes Katz-und Maus-Spiel; ein geniales Duell zwischen Jäger und Gejagten, Mann gegen Mann, eine perfekte Symbiose zwischen alljenem. Perfekt trifft es vielleicht nicht ganz, aber in diesem Fall mindestens erstklassig.

Er ist zudem der Beweis dafür, dass Serienverfilmungen ihre Daseinsberechtigung haben, denn der ging aus der 60er-Jahre Serie "The Fugitive" hervor.  An "Auf der Flucht" ist vieles bemerkenswert: am auffälligsten ist, dass man mit einem elementaren Rezept für einen guten Thriller gebrochen hat, dem grandiosen Bösewicht. Es braucht nämlich keinen. Denn hier geht es eigentlich nur um einen ständig rennenden und nervös über die eigene Schulter schauenden Harrison Ford und Tommy Lee Jones in der wohl besten Rolle seines Lebens. Seine Figur des Deputy Marshal Samuel Gerard ist eine der großartigsten Ermittlerfiguren, die das Thrillerkino je hervorgebracht hat. Tough, überlegt, knallhart, ironisch und gnadenlos kompetent. Neben ihm bleibt alles andere irgendwie unwichtig. So cool die Verfolgungsjagden auch sind, ist es doch das Psychoduell, das hier die entscheidenden Meter macht.

Zwei Männer. Ein perfektes Duo. Tommy Lee Jones jagt Harrison Ford. Ein Erlebnis. Das ständige Über-die-Schulter-Schauen des Harrison Ford, der so herrlich hilflos schauen kann und das halbe Grinsen einfach genial drauf hat und das bissige Gebahren von Jones, der durch Ronald Nitschke auch noch eine Stimme bekommt, die es absolut in sich hat. Da ist es beinahe nebensächlich, dass sogar Jane Lynch oder Julianne Moore in kleinen Rollen auftreten, dass bei der St. Patrick´s Day Parade die Verfolgungsjagd auf coole Weise entschleunigt wird und das gesamte Marshal-Team einfach grandios zusammengestellt wurde, allen voran Pantoliano und dass der Score von James Newton Howard das Tempo der Geschichte perfekt untermalt. Ein wunderbar stimmiger Thriller. Perfekt zusammengebaut, sehr überlegt besetzt. Davis Regie ist dazu noch grandios, einfach toll, unglaublich packend, sodass man nie von dem Film loskommt. Schön schnörkellos erzählt, ohne Stopps, hier gibt es Action und es wird oft temporeich und rasant. Erstklassig, mit einer passenden Mischung von Intelligenz, Schnelligkeit und Action. Dazu kommt noch eine exzellente Kamera, mit stark gefilmten Actionsequenzen. Zudem gäbe es auch noch recht gut geschriebene Dialoge, ein sehr hübsches Drehbuch, ein paar ordentliche Charaktere, sehr glaubwürdig gestaltet und durchaus auch tiefgründig, eine echte Seltenheit, die man an diesem Werk tatsächlich schätzen kann, noch dazu  gepaart mit ordentlichen Charakterzeichnungen.

"Auf der Flucht" ist sicher einer der besten Action-Thriller, da er alles enthält was für einen Thriller wichtig ist und wirklich bis ins kleinste Detail stimmt, von dem Duell Ford gegen Jones bis zur brillanten Inszenierung, stets hochspannend und fesselnd. Einfach gesagt: Ein Lieblingsfilm, immer wieder toll.

9/10