Mittwoch, 22. April 2015

The Shawshank Redemption - Die Verurteilten (1994)

http://www.imdb.com/title/tt0111161/

Die Strafe ist verdammt hoch: Zwei Mal lebenslänglich bekommt der Banker Andy Dufresne (Tim Robbins), weil er angeblich seine Frau ermordet hat. Er muss ins Shawshank-Gefängnis, wo er Red (Morgan Freeman) kennenlernt und eine enge Freundschaft mit ihm beginnt. Die Beteuerung seiner Unschuld nimmt Red ihm zwar zunächst nicht ab, aber die Menschenkenntnis und das Verhandlungsgeschick von Andy beeindrucken ihn nachhaltig. Dennoch ist die Zeit im Gefängnis hart, etwa wegen häufiger sexueller Übergriffe. Immerhin gelingt es Andy, die brutalen Gefängnisaufseher von seiner breiten Kenntnis des Steuerrechts zu überzeugen und damit in Abhängigkeit zu ihm zu bringen.

Es ist der Film, der den Titel "Bester Film der Welt" trägt. Stephen King schrieb dazu die Vorlage. Und "Die Verurteilten" hat auch auf jeden Fall alles, was einen guten Film ausmacht. Einen großen Anteil daran hat das nahezu perfekt harmonierende Duo um Morgan Freeman als Insasse Red, aus dessen Perspektive auch der gesamte Plot (ab dem Zeitpunkt von Andys Inhaftierung 1947) erzählt wird, und Tim Robbins als Andy Dufresne. Ohne ausschweifende Dialoge schaffen sie es, den Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Mit viel Witz, jeder Menge Pathos zum Ende hin und einer überragenden Mimik führen sie das Publikum durch beinahe 20 kurzweilige und "einfach so" verstreichende Knastjahre - trotz 143 Minuten Laufzeit. Doch auch Regisseur Frank Darabont hat großen Anteil am Erfolg seines Werks. Durch eine simple und trotzdem fesselnde Erzählstruktur und einer Mischung aus Dramatik, Thrill, roher Gewalt und sogar komödiantischen Dialogen schafft er es, den rauen Alltag im Gefängnis sowie die Entwicklung einer tiefgründigen Freundschaft auf die Leinwand zu projizieren.


"Die Verurteilten" oder im Original "The Shawshank Redemption" ist dabei ein sehr realitätsnah wirkender Film über ein Gefängnis, gemeisselt in die Mauern der rechtsgültigen Gesellschaft. Gegen aussen ist das gefängnis Shawshank ein Ort zur Re-Sozialisierung und Re-Habilitierung. Begangenes Unrecht wird in zukünftiges Recht verwandelt. Freiheitsentzug als Strafe für eine kriminelle Tat, gegen die allgemeingültige Moral, Ethik und Konvention, festgemacht an den Regeln des Gesetzeskodex und dem Wort des Richters. Shawshank ist der Platz, an dem Gerechtigkeit widerfahren soll. Von innen betrachtet ist Shawshank ein Ort der De-Sozialisierung und De-Habilitierung. Ein rechtsfreier Raum, eine eigene Welt, in der das ausserhalb gültige Gut und Böse aufgehoben wird. Freiheitsentzug als Spielball in einem eigenen Mikrokosmos, mit eigener Moral, Ethik und Konvention. Die allgemeingültigen Gesetze für die Gefangenen bestimmen Direktor und Wärter, die untergeordneten Regeln bestimmen die Gefangenen untereinander selbst. Shawshank ist der Platz, an dem Gerechtigkeit nichts weiter als ein inexistentes Wort darstellt.

Andy Dufresne wird von der freien äusseren in diese geschlossene innere Welt verfrachtet. Er ist nicht der Typ, der sich durchsetzen will, weder da, wo er hergekommen ist, noch da, wo er jetzt bleiben muss. Still, überlegt, in sich gekehrt; ein Mann, der an die leise Wahrheit seiner Gerechtigkeit glaubt, anstatt eine laute Lüge für sein Recht zu postulieren. Andy Dufresne setzt sich seine eigenen Regeln, unabhängig von Moral, Ethik und Konvention. Diese Regeln vertritt er zahm und unaufdringlich, nicht polternd, sondern beständig an sich selbst gerichtet und vor allem überlegt. Er ist ein Unschuldiger, im wahrsten Sinne des Wortes. Niemals gibt er seinen Glauben auf, angetrieben von der Hoffnung. Beides wird ihm Stück für Stück genommen. Beides holt er sich auf seine Art Stück für Stück zurück. 


Dieser Film ist einzigartig und glänzt in jeder Kategorie, nichts gibt es, was man an ihm wirklich kritisieren mag. "The Shawshank Redemption" ist ein großartiger Film, genial erzählt, nie langweilig, voller Emotion und Spannung, interessanter Handlung mit genau dem richtigen Gleichgewicht zwischen Drama, Dokumentation und Sozialstudie. Mit einem erstklassigen Cast an, bei dem vor allem die beiden Hauptdarsteller Robins und Freeman besonders herausstechen. Tim Robins ist einfach grandios und Morgan Freeman bestätigt einmal mehr, dass auch er nicht zu Unrecht zu den Größen der Charakterdarsteller in Hollywood gehört, geht er doch perfekt in seiner Rolle auf. Auch Bob Gunton und andere Nebendarsteller, wie zum Beispiel der verstorbene James Whitmore, welcher hier die Rolle des "Knast-Urgesteins" Brooks verkörpert, geben eine fabelhafte Performance ab, der es an nichts mangelt.

Durch solch atemberaubende Leistungen baut der Film eine fantastische Atmosphäre auf, begleitet von einem gefühlvollen und stimmigen Soundtrack, komponiert von Thomas Newman, der ja auch schon oft beweisen konnte, dass er zu den besten Komponisten für Filmmusik gehört. Der Film schafft wenige wirklich bombastische Bilder, aber er kreiert mit exzellenter Kameraführung auf kleinem Raum viele gute und bemerkenswerte Szenen, die glaubhaft das Leben im Gefängnis verdeutlichen. Um authentisch zu bleiben, kommt "Die Verurteilten" ohne überspitzte Gewaltdarstellungen aus, lässt den Zuschauer aber zu jeder Zeit wissen, was passiert und versucht nichts zu vertuschen. So wird Andy oft verprügelt, während die Kamera langsam wegfährt und ihn seinem Schicksal überlässt.

Als Fazit steht fest, "Die Verurteilten" ist einfach ein zeitlosesStück Zelluloid. Dieser Film überrascht jedes Mal erneut und schafft es, den Zuschauer mit seinen sympathischen Hauptcharakteren mitfühlen zu lassen und ihre Freundschaft zu genießen, gleichzeitig aber auch, an gewissen Stellen einen Kloß in meinen Hals zu zaubern und verdammt bitter zu sein. Der Film vermittelt eine wunderbare Botschaft und baut ein fabelhaftes Finale auf, welches zwar große Überraschungen weitestgehend ausspart, aber einfach so rührend ist, dass die Freudentränen noch nach dem Anfang der Credits in den Augen schwimmen. Ohne Zweifel ein Meisterwerk!

[Brooks Brief an Red, nachdem er auf Bewährung entlassen wurde] "Dear fellas, I can't believe how fast things move on the outside. I saw an automobile once when I was a kid, but now they're everywhere. The world went and got itself in a big damn hurry. The parole board got me into this halfway house called "The Brewer" and a job bagging groceries at the Foodway. It's hard work and I try to keep up, but my hands hurt most of the time. I don't think the store manager likes me very much. Sometimes after work, I go to the park and feed the birds. I keep thinking Jake might just show up and say hello, but he never does. I hope wherever he is, he's doin' okay and makin' new friends. I have trouble sleepin' at night. I have bad dreams like I'm falling. I wake up scared. Sometimes it takes me a while to remember where I am. Maybe I should get me a gun and rob the Foodway so they'd send me home. I could shoot the manager while I was at it, sort of like a bonus. I guess I'm too old for that sort of nonsense any more. I don't like it here. I'm tired of being afraid all the time. I've decided not to stay. I doubt they'll kick up any fuss. Not for an old crook like me. P.S: Tell Heywood I'm sorry I put a knife to his throat. No hard feelings. Brooks." - treibt einem einfach Tränen in die Augen.

10/10