Sonntag, 30. März 2014

[KINO FFFnights] The Green Inferno (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2403021/

Nach einem Flugzeugabsturz findet sich eine Gruppe Studenten und Öko-Aktivisten allein durch den peruanischen Dschungel wieder. Als wäre das nicht schon genug, fliegen plötzlich aus allen Himmelrichtungen Pfeile auf sie zu und versetzen sie in Tiefschlaf. Als die Überlebenden wieder zu sich kommen, stellen sie fest, dass sie "zu Gast" bei genau dem Indio-Volk sind, die sie zu retten versuchten. Schlimm nur, dass es sich bei diesem Volk um Kannibalen handelt...

Eli Roth hatte es bei mir in jüngster Vergangenheit nicht leicht: sein letzter Film "Aftershock" hatte mit etlichen Längen zu kämpfen und kam kaum vorwärts. Beinahe wäre Roth dasselbe auch hier passiert, aber just in dem Moment, in dem ich dachte "Na jetzt fang doch endlich mal an!" explodierte die Maschine des Flugzeugs und holte mich ebenso schnell auf den Boden zurück wie die Protagonisten. Lorenza Izzo gibt dabei eine passable Hauptdarstellerin ab, Ariel Levy einen Kerl, den man mit Freude hasst und Nicolás Martínez den gewohnt Dummbeutel und Adjütanten, der sowieso nicht überleben wird. Die Klischees des Genres werden also vollauf bedient.

Die teils recht grafischen Gewaltszenen werden sehr gezielt und wirkungsvoll eingesetzt - wie man es von Eli Roth eigentlich gewohnt ist. Als Filmemacher ist Roth auf jeden Fall gereift und bietet mit "The Green Inferno" etwas, was keiner seiner vorherigen Filme hatte - nämlich eine sympathische Protagonistin, mit der man mitfiebert und ihr auf jeden Fall wünscht, aus der grünen Hölle zu entkommen. Leider lässt sich Roth trotzdem hin und wieder zu den absurd-infantilen Momenten seiner früheren Filme hinreißen. Das hat der Film nicht nötig und es schmälert leider auch seine ganze Kraft. Dennoch: mit dieser offensichtlichen Hommage an den Kannibalenhorror der "alten Ära" (um mal Filme zu nennen wie "Nackt und zerfleischt" oder "Die weiße Göttin der Kannibalen" oder gar "Lebendig gefressen") kann dieser Hochglanzkannibalenfilm durchaus mithalten.

Selbstverständlich ist es kein Film für einen Oscar, im Gegenteil. Er wirkt billig, ist (insgesamt betrachtet) schlecht gespielt und zeigt an einigen Stellen zuviel. Aber genau deswegen finde ich ihn auch toll. Spannend, aushaltbar grausig und mit der nötigen Affinität zur Selbstironie. So ist "The Green Inferno", der übrigens erst im Herbst 2014 (*geändert im September 2014) Frühjahr 2015 in amerikanischen Kinos anläuft (*geändert im Juni 2015) direkt auf Blu-ray im September 2015 in den USA und März 2016 in Deutschland erscheint, ein netter, anspruchsloser aber unterhaltsamer Kannibalenhorrorfilm. Mir hat der Film jedenfalls Spaß gemacht.

Selbstverständlich ist es kein Film für einen Oscar, im Gegenteil. Er wirkt billig, ist (insgesamt betrachtet) schlecht gespielt und zeigt an einigen Stellen zuviel. Aber genau deswegen finde ich ihn auch toll. Spannend, aushaltbar grausig und mit der nötigen Affinität zur Selbstironie. So ist "The Green Inferno", der übrigens erst im Herbst 2014 Frühjahr 2015 in amerikanischen Kinos anläuft, ein netter, anspruchsloser aber unterhaltsamer Kannibalenhorrorfilm. Mir hat der Film jedenfalls Spaß gemacht.

7/10

[KINO FFFnights] Enemy (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2316411/

Adam Bell (Jake Gyllenhaal) ist ein Geschichtslehrer, der von seinem Leben gelangweilt ist. Dies ändert sich schlagartig, als er eines Abends einen von seinem Kollegen vorgeschlagenen Film sieht: Einer der Darsteller sieht haargenau so aus wie er. Adam stellt Nachforschungen an. Ist dieser Anthony St. Claire vielleicht sein Zwillingsbruder? Seine Mutter (Isabella Rossellini) bestreitet dies. Als Adam schließlich den Kontakt zu Anthony aufnimmt, setzt dies Entwicklungen in Gang, die nicht nur ihrer beider Leben erschüttert, sondern auch das ihrer jeweiligen Freundinnen, Mary (Mélanie Laurent) bzw. Helen (Sarah Gadon)...

Wow, was für ein schwerer Film. Nicht im Sinne von erschreckend. Eher schwer zu durchschauen und noch schwerer zu verstehen. Ein bedrückender und gleichzeitig schöner Film, der einem den Blick ins Innere eines mit sich und seinem Leben zutiefst unzufriedenen Mannes gewährt, dessen wahrer Horror seine eigene Zerissenheit und vielleicht auch Sexualität ist. Komplex statt kompliziert, schwer greifbar und beinahe gänzlich unfassbar.

Jake Gyllenhaal überzeugt in seiner Doppelrolle vollauf. Doch auch seine schwangere Frau (Sarah Gadon) performt das Leiden einer Beziehung gekonnt, die im vermeintlich perfekt eingerichteten Leben und einer traumhaft schönen Wohnung nur so vor sich hin siecht. Mélanie Laurent, die man vielleicht noch als Shosanna in "Inglourious Basterds" kennt, ist eine ebenso perfekte Besetzung für die Rolle der Geliebten.

Die kaum wahrnehmbaren Längen des Films packen den Zuschauer durch seine eigene Neugier auf eine mögliche Auflösung aller Kafkaesk-konstruierten Symboliken und Stimmungen. Diese Spannung ist so unheilvoll wie elektrisierend und lässt einen wie gebannt auf die Leinwand starren und es nicht wagen zu blinzeln, aus Furcht, man könne etwas verpassen. Und dann ist da noch dieser durchgehend trist-gelbe Farbton, den Regisseur Denis Villeneuve benutzt und so für eine fesselnde Atmosphäre sorgt.

Doch klatscht es der Schluss schließlich nur zynisch-pessimistisch an die Leinwand: der Ekel und die Abscheu des Protagonisten vor seinem eigenen Leben sitzt zu tief - ein Entrinnen daraus bleibt Hoffnung, stellt sich mit seinem eigenen Film im Kopf wohl aber nicht ein. Der Zuschauer wird von jetzt auf gleich zurückgelassen, tief  versunken in seiner Gedankenwelt. Ein Film, der geradezu nach Zweitsichtung und definitiv Interpretationshilfe schreit - bei Whiskey und Zigarre.

8/10

CAPELIGHT PICTURES hat sich dem Film angenommen und dazu ein schickes Mediabook heraus gebracht. Das Highlight: der Film "Polytechnique" liegt als deutsche Erstveröffentlichung als BD in dieser Edition bei:

[KINO FFFnights] Død Snø 2 - Dead Snow 2: Red vs. Dead (2014)

http://www.imdb.com/title/tt2832470/

Der zweite Teil zeigt uns den einzigen Überlebenden der Zombie-Attacke des ersten Films. Gemeinsam mit einer professionellen, US-amerikanischen Zombie-Killer-Gang, dem Zombie-Squad, kämpft Martin (Vegar Hoel) nun gegen eine noch größere Armee untoter Nazi-Soldaten. Denn Martin will Rache für seine toten Freunde und schlimmer als seine vorherigen Erlebnisse kann es dieses Mal eigentlich gar nicht mehr werden. Zumindest hofft er das. Doch in seinem Fall war das wohl erst der Anfang allen Übels...

Mit beinahe uneinholbaren Abstand der beste Film der diesjährigen nights. Das hätte ich nicht gedacht. Ich habe tatsächlich knappe 100 Minuten lang am Stück gelacht. So sehr, dass mir manches Mal der Bauch weh tat. Aber von Anfang an.

Der Film beginnt mit einer kleinen Rückblende auf die Geschehnisse in Teil 1. Minimal verändert und ein oder zwei Details unter den Tisch fallen gelassen, aber darüber konnte ich recht großzügig hinwegsehen. Denn was dann kam, war an Genialität an Einfällen und Köstlichkeiten des teilweise sehr schwarzen Humors kaum zu überbieten. Es wäre viel zuviel, die einzelnen Gags aufzuzählen oder gar zu beschreiben. Das muss man einfach gesehen haben.

Es beginnt schon damit, dass Martin's Arm (den er sich im ersten Teil aufgrund eines Zombie-Bisses abtrennen musste) gerettet und wieder angenäht wird - nur leider ist es nicht wirklich seiner - es ist der von Nazi-Zombie Oberst Herzog. Mit diesem hat er eine übernatürliche Kraft und kann sich derer auch nicht erwehren, bzw. sie kontrollieren - da dürfen auch schon mal Kinder dran glauben. Dass das trotzdem noch komisch ist, ist der Situation zu verdanken und der einfachen Tatsache, dass der Streifen sich nicht einmal die Mühe gibt, ernst sein zu wollen. Im Gegenteil: er zitiert ungehemmt aus den "Star Wars"-Filmen, hommagiert gekonnt und vor allem passend Szenen aus bekannten Filmen wie "Platoon" oder "Titanic" - und geizt ebensowenig mit Blut und Splatter. Unglaublich aber wahr: mit Gedärmen kann noch viel mehr gemacht werden, wie hier sehr schön zur Schau gestellt wurde. :)

Wenn sich die "professionelle" Zombie Squad, die nur aus zwei weiblichen und einem männlich Nerd besteht, in Norwegen einreitet geht es richtig los. Die Zombie-Nazis sind entgegen aller Zombie-Konventionen unglaublich intelligent und fies und auch durch Ausweidung nicht aufzuhalten. Als Martin dann entdeckt, dass er durch seinen Zombiearm auch Tote zum Leben erwecken kann, bekommt sein Team noch einen absolut köstlichen und immer leidtragenden kleinen Sidekick-Zombie, der herrlich in das Szenario eingearbeitet wurde.

Und allerspätestens, wenn die "Rote Armee" zum Leben erweckt wird, die hilflose Polizei zusehen muss wie ein friedlicher und gleichzeitig malerischer Vorort zum Schauplatz eines Zombiekrieges wird ist es vorbei: ich konnte nicht mehr vor Lachen. Selbst das Ende kann noch einen drauf setzen und nach dem Abspann kriegt man noch ein kleines Sahnehäubchen, was einen dritten Teil auch wahrscheinlich machen könnte. Wenn der so ist wie dieser Streifen hier: immer her damit!

8,5/10

Als "Limited Edition" im Steelbook erschien im November 2014 der Film in Deutschland ins seiner (unfassbar!) ungeschnittenen Form. Das Steelbook war bereits vor dem VÖ komplett ausverkauft. Es beinhaltet neben dem Film auch ein 36-seitiges Comic zum Film und eine geniale Postkarte.

[KINO FFFnights] Las Brujas de Zugarramurdi - Witching And Bitching (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2404738/

Jose (Hugo Silva) ist der Anführer einer aus der Not geborenen Räuberbande. Als Straßenkünstler getarnt landen sie einen spektakulären Coup und erbeuten einen großen Schmuckschatz. Doch ihre Flucht steht unter keinem guten Stern: Auf dem Weg nach Frankreich passieren sie die in Navarre gelegene Stadt Zugarramurdi. Die Stadt ist fest in den Händen eines Hexenkults, der just einen Sabbat abhält. Angesichts der Horde von Hexen ist die Jose und Co. verfolgende Polizei nun noch das geringste Problem…

"Witching & Bitching" ist eine so schöne und dabei bitterböse Satire auf sämtlichen Feminismus der heutigen Zeit, fast könnte man meinen, Regisseur Álex de la Iglesia hätte mit den Frauen seiner Vergangenheit aufzuräumen, bzw. noch eine Rechnung zu begleichen.

Spanien. Im Vaterland der Machos haben die Männer nichts mehr zu grinsen, denn dominante Ehefrauen, ungerechte Sorgerechtsentscheidungen und Wirtschaftskrise haben überall ihre Spuren hinterlassen. Der als Problemlösung gedachte Raubüberfall geht dazu noch gehörig schief und darum flüchtet das Räuberduo José und Antonio Richtung Grenze - im Gepäck das vorlaute Scheidungskind und den gekidnappten Taxifahrer samt Fahrgast. Die Dialoge - sofern man sie so schnell lesen und verstehen konnte - sind grandios witzig und so voller Naivität und liebenswerter Blödheit, gepaart mit offensichtlichem Unverständnis, dass es eine wahre Freude ist. Schnell ist klar, dass es hier auf keinen Fall Ernst zugehen kann, tragen doch allein schon die Protagonisten des Überfalls Kostüme von Spongebob über Mickey & Minnie bis hin zu dem unsichtbaren Mann, der auch noch stilsicher bei seiner Flucht vor der Polizei gegen eine Laterne rennt.

Der Film nimmt also mit einem Schlag volle Fahrt auf und hält dieses Niveau eigentlich auch immer, obwohl es einige wenige ruhigere Passagen gibt. Diese sind aber so geladen und spannend, dass man eigentlich keine Chance hat, dem Film zu entkommen. Und das ist auch gut so. In dem gekidnappten Taxi mit dem unbeteiligten Fahrgast entwicklet sich bald so etwas wie eine "Mitgehangen-Mitgefangen"-Freundschaft. Und spätestens als die Protagonisten nach Zugarramurdi kommen, gibt es kein Halten mehr. Die Hexen sind herrlich fies und gemein und es ist schön zu sehen, dass sich der anfängliche Streit um das Sorgerecht zu einem regelrechten Krieg zwischen den Geschlechtern entwickelt hat - in den nun nicht nur die Mutter, sondern auch alle Hexen eingreifen. Was für ein Spaß. Für den Running Gag sorgt der eigentlich unbeteilgte Fahrgast, der ja nur auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch war und irgendwie immer der Leidtragende ist. Der Augenschmaus des Films ist zweifellos Carolina Bang als Hexe Eva, die mit ihrer hinterhältigen Art und in engen Lederklamotten immer wieder gern die Blicke auf sich zieht. Nette Blut- und Schockelemente wurden geschickt und glücklicherweise nicht übertrieben verbaut während das Trio alsbald um sein Leben kämpft.

Für ein grandiosen WTF-Moment sorgt dann gegen Ende die Mega-Hexe, die erst einmal besiegt werden muss. Das "Happy End" hatte dann auch noch eine so deftig-böse Note, toll. Alles so köstlich abstrus und lustig - "Witching & Bitching" war einer der besten Filme der diesjährigen nights!

8/10

Exklusiv bei SATURN gibt es den Film im Steelbook in der sogenannten "Limited SILVER CHRIST Edition". Es enthält neben dem Film 5 exklusive Sammelkarten:

[KINO FFFnights] The Sacrament (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2383068/

VICE-Reporter Sam und sein Kameramann Jake haben durch einen Freund von einer mysteriösen Gemeinde Wind bekommen. Mitten in der südamerikanischen Pampa soll ein von US-Bürgern gegründetes, völlig abgeschottetes Paradies namesn "Eden Parish" mit neuer Gesellschaftsordnung existieren. Die Schwester ihres Kollegen Patrick hatte sich der Gruppe angeschlossen und war lange Zeit verschollen. Nun plötzlich bittet sie Patrick, sie schnellstmöglich zu besuchen. Obwohl die Anwesenheit von Presse bisher nicht geduldet war, gelingt es dem Journalisten-Team, das Camp zu besichtigen. Bis auf die schwer bewaffneten Grenzposten scheint die schöne neue Welt bei Tageslicht auch ganz in Ordnung. Aber als die Nacht hereinbricht und Anführer "The Father" seine Schäfchen zum abendlichen Feier-Ritual zusammentreibt, kippt die Stimmung in unheilvolle Bedrohung ...

Found-Footage zum dreihunderachtundzwanzigsten, uuuuuund... verkauft. Regisseur Ti West sah ich zuletzt als Nebendarsteller in "You're Next" - und da war er gleich eines der ersten Opfer. Hier liefert er einen ordentlichen Spielfilm ab, der als Opener für den zweiten Tag der FFFnights gerade recht war. Im Gegensatz zu vielen verwackelten Found-Footage-Streifen ist dieser in einem sehr dokumentarischen Stil gedreht, ohne allzuviel Hektik und Streß - dieser kommt nämlich irgendwann nur beim Zuschauer und beim gezeigten Filmmaterial auf. Denn die Stimmung kippt - man weiß ja von vornherein, dass es hier nicht so abläuft wie es den Anschein hat - als ein kleines Mädchen dem verdutzten Filmteam einen Zettel in die Hände drückt.

"please help us"

Ab dem Zeitpunkt - und das kommt nach der relativ langen Wartezeit bis dahin gerade rechtzeitig - bleibt der Film auf einem elektrisierenden Level der Spannung und obwohl es nicht übertrieben blutig zugeht, ist doch der Massenselbstmord ein sehr emotionales Erlebnis, zumal auch vor Kindern und Kleinkindern nicht Halt gemacht wird. Die 3 Reporter sehen sich plötzlich einer Situation gegenüber, die völlig außer Kontrolle geraten ist - geleitet von abergläubischen Fanatismus , gepaart mit blindem Gehorsam. Als Zuschauer staunt man über so viel offensichtliche Hörigkeit, deren geringster Ansatz der Hinterfragung seitens der Mitglieder von "Eden Parish" sofort im Keim erstickt wird. "The Sacrament" ist ein guter Vertreter des Genres, wenngleich er ein paar Minuten zu lang ist. Hier und da hätte er durchaus eine Kürzung vertragen können, ohne das etwas von der Story verloren geht. Ich finde es übrigens immer noch unlogisch, dass man immer eine Kamera mit sich herumschleppt, wenn man um sein Leben rennt. :)

6,5/10

[KINO FFFnights] Snowpiercer (2013)

http://www.imdb.com/title/tt1706620/

Die Welt im Jahr 2031: Ein Versuch, die globale Erwärmung zu stoppen, ist katastrophal fehlgeschlagen und hat stattdessen die Erde in eine neue Eiszeit gestürzt. Nahezu alles Leben ist ausgelöscht und unter Eismassen begraben. Die wenigen verbliebenen Menschen fristen ein Dasein in ständiger Bewegung: Sie sitzen auf dem Snowpiercer fest, einem gewaltigen Zug, der durch eine ‘heilige’ Maschine gleich einem Perpetuum mobile ununterbrochen angetrieben wird. Über die Zeit hat sich unter den Überlebenden eine Mikrogesellschaft mit einem strikten Kastensystem herausgebildet: Die Insassen der Waggons, die von der Lok am weitesten entfernt sind, gehören der niedrigsten Kaste an und werden dementsprechend von den oberen Kasten unterdrückt und schikaniert. Es kommt zu immer weiteren Spannungen, bis es dem ‘Bodensatz’ der Gesellschaft reicht und sie den Aufstand planen. Bringt eine Meuterei neue Machtverhältnisse oder bedeutet sie den Untergang des letzten Restes Menschheit?

Ich glaube, "Snowpiercer" war der Film des Tages für mich und ich denke auch, dass meine Erwartungshaltungen deswegen einfach zu hoch waren, nachdem ich so viel über den Streifen im Vorfeld gelesen hatte. Es waren allesamt spoilerfreie Kritiken, aber natürlich reimt man sich etwas zusammen. First of all: die Optik ist wirklich großartig und das dreckig-düstere Setting gefiel mir außerordentlich gut. Regisseur Joon-ho Bong macht hier einen echt guten Job und stellt schon so frühzeitig die Weichen für den unausweichlichen Konflikt zwischen Arm und Reich. Die Idee hinter "Snowpiercer" ist eigentlich schön abstrus. Aber vielleicht ein wenig zu abwegig - und auch irgendwie nicht einzigartig. Denn wenn ich das Setting hier statt in einen fahrenden Zug in ein Schiff oder gar eine Raumstation verlagere so hatte ich das Gefühl nur eine Wiederholung altbekannten Stoffes zu sehen. Gleichwohl gibt es in diesem Streifen aber auch so eine unglaubliche Menge an Ungereimtheiten, dass es für mich nicht mehr tragbar war. Selbst wenn es sich um einen Science-Fiction-Film handelt, einem Genre bei dem man sich gerne mal etwas gefallen lässt, so war es für mich ein ganzes Zugabteil zuviel.

Fernab jeglischer Logik oder physikalischen Gesetzmäßigkeit rattert der Zug mit offensichtlich unglaublischer Geschwindigkeit durch die eisigen Landschaften und die zerklüfteten, verlassenen Städte ehemaliger Zivilisationen, durchbricht dabei Eisberge und eisverkrustete Schienen. Ein ganzes Jahr braucht er für eine Umrundung der Welt auf serpentinenartigen Strecken durch alle Kontinente - schon die erste Ungereimtheit. Gehe ich großzügig von dem doppelten Erdumfang aus (in etwa 84.000 km) käme ich auf eine Geschwindigkeit von etwa 9,5km/h. Aber gut, in einem Film wie diesem muss ja nicht alles beinhart logisch und realistisch sein. Was mich eher gestört hat, war die offensichtliche Abkupferung der "Matrix"-Story. Vielleicht ging es tatsächlich nur mir so - aber ich sah die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Filmen im Aufbau, in der Story, im Ende. Auch offensichtliche Filmfehler sind mir hier so stark aufgefallen, dass es beinahe den Anschein hatte, als würde mein Hirn gezielt danach suchen- habe ich mich gar gelangweilt?




Habe ich nicht. Ich wurde unterhalten - und das auch gut. Fernab von allem Herumgemecker hat mir jedoch eines sehr gut gefallen: die Charaktere und die Hauptdarsteller, allen voran Tilda Swinton und Kang-ho Song, der auch wegen seiner Performance vielleicht noch aus "The Good, The Bad And The Weird" im Gedächtnis blieb. Chris Evens ("Captain America") macht seine Sache als Neo... ähhh Anführer der unteren Bevölkerungsschicht glaubwürdig und gut. Auch der Score von Marco Beltrami blieb mir positiv im Gedächtnis. Und selbst der Monolog/Dialog von und mit Ed Harris am Ende des Streifens hatte für mich so eine gewisse Art, die ich einfach mag und auch sehr gern sehe, bzw. höre. Trotzdem täuschen diese postiven Dinge nicht über die Negativen hinweg, noch heben sie sie ganz auf. Der Film hat komischerweise dennoch ein Wiedersehenspotential, welches zwar nicht so hoch ist wie bei anderen vergleichbaren Filmen, aber immerhin. Denn obgleich ich die Story nicht sonderlich originell finde, so ist der Film (trotz einiger winzig kleiner Längen) spannend, ansatzweise philosophisch und sogar lustig - letzteres ist wieder einmal nur Tilda Swinton zu verdanken. Schade, ich hatte mit so viel mehr erhofft. Ich denke, meine Erwartungen waren einfach zu hoch und - I'm sorry - ich kann mich zu keinem besseren Ergebnis durchringen.

6,5/10

Von ASCOT Elite gibt es den Film exklusiv auf BD und DVD im Steelbook.

Samstag, 29. März 2014

[MEET&GREET] Manuel Carballo

Der Regisseur von "Retornados"/"The Returned" war beim Filmfestival in Berlin zu Gast und stellte seinen Film vor. Nach dem Screening stellte sich der Regisseur dem üblichen Q&A, auch wenn er leider - wie er zugab - nur wenig Englisch sprach.



Danach ergab sich natürlich auch noch die Gelegenheit, ein paar Autogramme zu ergattern und dem Herrn für seinen sehr gelungenen Film die Hand zu schütteln.

[KINO FFFnights] Retornados - The Returned (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2093270/

Ein Virus hat sich verbreitet und jeder, der infiziert ist, wird zu einem Zombie. Kate (Emily Hampshire) arbeitet in einem Krankenhaus auf der Rückkehr-Abteilung, in der den Infizierten geholfen wird. Ihr eigener Mann ist auch einer der Patienten und das Medikament, das den betroffenen helfen soll, ist bald aufgebraucht. Die Situation spitzt sich zu und schon bald ist jeder in Gefahr.

Die Idee hinter "Retornados" ist an und für sich genial und ich glaube so auch noch nicht im Zombie-Genre dagewesen. Dabei handelt es sich bei "The Returned" auch nicht um einen reinen Zombiefilm, eher um einen Thriller, der sich aus Elementen des Genres bedient und diese punktuell und zielsicher einsetzt. Soll heißen: es wird nicht übertrieben und man sieht keine Stadt, die von Zombies überrant wird. Viel eher geht es um die Gefahr aus dem Inneren, der alte Konflikt, den man eventl. mit der Angst zwischen gesunden und HIV-infizierten Mneschen vergleichen könnte. Natürlich ist letzteres nur ein Konstrukt, aber es trifft den Punkt: "The Returned" sind ebensolche von der "restlichen Menschheit" - man könnte schon beinahe sagen - verachtete Menschen, denen mit Anfeindung und Abscheu, ja sogar mit Tod gedroht wird. Dieser Punkt ist es, den der Hauptdarsteller Alex (Kris Holden-Ried) so mitfühlend wiedergibt: taff, aber dennoch irgendwie verängstigt und völlig schuldlos.

Die Beziehung zu seinen Freunden ist so glaubhaft und selbst dann noch so nachvollziehbar, als er sich seinen Ihnen als einer der "Returned" offenbart. Man denkt "Ja, so würde ich auch handeln und denken." Dass diese Situation an einem gewissen Punkt kippt, war für mich daher nicht so leicht zu sehen und hat mich etwas überrascht und auch mitgenommen - und mir drängte sich unweigerlich die Frage auf, wie man hier selbst handeln würde - und das ist tasächlich nicht leicht, wenn man eingehend darüber reflektiert. So gelingt Regisseur Manuel Carballo mit seinem Regiedebüt ein absolut spannender und mitreißender Film, über den man bereits während der Sehens nachdenkt und der einen mit einem sehr guten Score, sympathischen Darstellern und kleinen blutigen Einlagen bei Laune hält. Mir hat der Film sehr gut gefallen und hat ein sehr hohes Wiedersehenspotential.

Vor allem das rührselige (aber vorhersehbare) Ende ist gleichzeitig so melancholisch wie passend und vielleicht hätte ich den Film 2 Minuten eher enden lassen, denn ob es das Nachspiel braucht, welches noch die eine oder andere Frage offen lässt - drüber lässt sich sicher streiten. Trotzdem: im ganzen Zombiehorrorfilmeinheitsbrei (ein tolles Wort!) ist "The Returned" ein absolut sehenswerter und vor allem sehr guter Film.

8/10

[KINO FFFnights] Rigor Mortis (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2771800/

Ein Hochhaus, das all jene beherbergt, die nirgends sonst unterkommen. Zu diesen gescheiterten Existenzen gesellt sich Chin. Einst war er ein gefeierter Filmstar, heute sucht er in dem Einzimmerappartement mit Nummer 2442 den Freitod. Doch nicht nur seine Nachbarn schreiten ein - auch den übernatürlichen Bewohnern kommt er nicht so einfach davon. In diesen Gemäuern trifft Schwarze auf Weiße Magie, lassen verschrobene Rentnerinnen tote Ehemänner wiederauferstehen und geschändete Geistermädchen ihren Rachegelüsten freien Lauf. Nein, die erhoffte Anonymität findet Chin hier nicht. Vielmehr zieht es ihn in einen Kampf, der irrwitziger ist als der schneidigste Battle seiner Filmkarriere...

Schon die Eröffnungsszene ist voller Bildgewalt: langsam gleitet die Kamera durch tanzende Feuerfunken. Sie schwebt über einen Toten hinweg, streift eine abgebrochene Klinge, und kommt schließlich über einem Mann, bedeckt mit Mörtel, Staub und Blut zum stehen. Die Klänge des melancholischen Kinderchores verstummen.

Allein diese Eingangssequenz macht es deutlich: "Rigor Mortis" quillt über von stilistischen Feinheiten. Aber das hat asiatisches (Horror-)Kino ja allgemein meist so an sich: es hüllt den Zuschauer in fantastische Bilder und lässt ihn so eben nicht die Dinge sehen, die eine zu frühe Auflösung der Geschehnisse zur Folge hätten. Auch Regisseur Juno Mak  bedient sich dieser eindrucksvollen Optionen und macht so einen guten Job.

Ein düsteres, beinahe dreckiges Setting; freundliche, aber doch mysteriöse Nachbarn; ruhige, langsame Kamerafahrten und haufenweise Blut und Gruselbilder - all das zeichnet "Rigor Mortis" aus. Auch wenn es teilweise sehr schwer ist, der Handlung zu folgen, so ist der Streifen zu keiner Minute langweilig. Hier ein Anzeichen eines Mysteriums, da ein Kinderlachen, dort eine Erscheinung. Man weiß nicht so recht wer auf welcher Seite spielt und was hier eigentlich Phase ist - nur langsam ergeben die Puzzleteile ein Bild. Aber genau das hat mich an diesem Film so fasziniert und bei der Stange gehalten. Dazu passte der unheimlich schöne, ruhige Soundtrack und überhaupt die ganze Stimmung. Das Ende liefert dann noch einmal den zu erwartenden Twist, der dann aber doch nicht ganz so erwartet wurde und dann doch noch einige Fragen stellt, warum dies plötzlich anders scheint als so gesehen und warum und überhaupt?

"Rigor Mortis" liefert einen wahren Bilderrausch, der die Doppelbödigkeit der Handlung und die Abgründigkeit der Figuren beinahe perfekt zur Geltung bringt. Was ihm letztendlich das Genick bricht, ist die Überstilisierung und einige offene Fragen gegen Ende. Dennoch ist der Film allein schon aufgrund seiner Bilder eine Empfehlung wert - vor allem für Freunde des asiatischen Horrorkinos.

7/10

Kaufen bei amazon.de

[KINO FFFnights] In Fear (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2165859/

Lucy (Alice Englert) und Tom (Iain De Caestecker) sind erst seit zwei Wochen zusammen, als ihre Beziehung auf eine harte Probe gestellt wird. Als Überraschung hat Tom für die Nacht nach einem Musikfestival ein Zimmer in einem Hotel auf dem Land gebucht. Doch auf dem Weg dahin erreichen sie plötzlich eine Gabelung, die so gar nicht zu den Instruktionen passt, die ihnen online gegeben wurden. Tom und Lucy bekommen es in der Dunkelheit langsam, aber sicher mit der Angst zu tun. Das Böse treibt dort sein Unwesen und ist ihnen näher, als sie denken.

"In Fear" beginnt wie so viele Filme: ein frisch verliebtes, aber sichtlich unentschlossenes Pärchen wird aus nicht näher definierten Gründen und offenbar schon lange im Vorfeld geplanten Bösartigkeiten auf den Weg zu einem auf Hochglanzbildern angepriesenen Hotel in ein Labyrinth aus Waldwegen, Schotterpisten, Bäumen und Dunkelheit gebracht. Dem Zuschauer wird bald klar, dass dies nicht der richtige Ort für die beiden ist, denn als die Wegweiser zum Hotel irgendwie immer im Kreis führen und sich die allseits bekannte Nervosität einstellt, wenn man sich augenscheinlich verfahren hat, wird auch die Atmosphäre immer bedrohlicher, düsterer und vor allem angenehm spannend.

"In Fear" macht also in der ersten Hälfte alles richtig und überzeugt mit seiner unheimlichen Atmosphäre, gut platzierten Schockmomenten und einem passenden Soundtrack. Die Atmosphäre ist immer knisternd und lässt einem sich oft die Frage stellen wo das hinführen soll ohne dabei lächerlich zu werden. Als sich der Film dann aber der Auflösung und dem Ende nähert schwindet auch eben diese beklemmende Atmosphäre, flammt dann noch einmal kurz auf, um dann ein fragwürdiges Ende zu liefern. Damit ist "In Fear" für mich kein perfekter, aber ein sehr solider Horrorthriller.

6/10

[KINO FFFnights] Wolf Creek 2 (2013)

http://www.imdb.com/title/tt2004432/

Australien: Die deutschen Rucksacktouristen Katarina (Shannon Ashlyn) und Rutger (Phillipe Klaus) sind per Anhalter zum Wolf Creek unterwegs und machen im Outback ungewollt Bekanntschaft mit Mick Taylor (John Jarratt), einer Art Psychokillerversion von Crocodile Dundee. Der Serienkiller mit dem Abschleppwagen hat es erneut auf Backpacker abgesehen und wetzt bereits seine Messer. Der britische Surfer Paul (Ryan Corr) gerät in große Gefahr, als er versucht, jemandem in Not zu helfen.

Der Opener auf  nights 2014 und ein guter Film gleich zum Start des Festivals. Die globale Handlung steht dem Erstling in kaum etwas nach und verändert auch nicht die Grundsätze. Wozu auch? Wieder einmal werden Backpacker, dieses Mal ein deutsches Pärchen, vom Psychopathen Mick aufgegabelt und effektvoll zur Strecke gebracht. Dabei setzt der Film im Gegensatz zu seinem Vorgänger auf wesentlich mehr Brutalität und Splatter und verzichtet dafür auf den Einsatz der langen und schönen Landschaftsaufnahemen, die den ersten Teil noch etwas von der Masse der Slasher-Filme ahoben. Das schmälert auch etwas die durch eben diese Erwartungshaltung angenommene Stimmung, denn die Bedrohlichkeit durch Einsamkeit "in the middle of nowhere" ist hier wesentlich unscheinbarer und damit in den Hintergrund gerückt.

Dafür gehts es aber wesentlich schneller zur Sache und die Gemeinheit von Mick - den Fans ja nun schon kennen dürften - muss sich nicht mehr lange hinter seinen gespielten Freundlichkeit versteclen. Der Film selbst beginnt schnell, bleibt eine ganze Weile spannend und flaut für meinen Geschmack in der 2 Hälfte etwas ab. Ein paar nette neue Ideen (wie zum Beispiel der umfassende Lastwagen-Känguru-Kill, unterlegt mit der Musik von "The Lion Sleeps Tonight") ist echt witzig. Auch die beiden "Deutschen", die ganz offensichtlich und unverhohlen von Amis gespielt werden und der deutschen Sprache nicht so ganz mächtig sind, lassen kaum ein Klischee des Deutschen aus uns sorgen so ebenfalls zumindest für einige Schmunzler.

Wenn dann Mick endlich wieder sein Opfer Paul eingefangen hat (man sollte eben nicht noch die große Fresse haben, wenn man schon von einem Wahnsinnigen verfolgt wird) wird es etwas ruhiger und driftet schon beinahe in den Bereich des Torture-Porn ab. Das Fragespielchen zwischen Mick und Paul erscheint mir hier unpassend, wenn man Micks vorherige Taten kennt und passt für mich nicht ins Schema. Er wirkt unkonsequent (wenngleich witzig), auch wenn die Idee dahinter sicher eine Gute ist. Das Ende ist dann noch einmal herrlich fies und soll dem Zuschauer einmal mehr ins Gedächtnis rufen, dass die Ereignisse auch auf wahren Begebenheit beruhen (was auch schon zu Beginn des Film mittels einer Taxttafel suggeriert wird). Wie geschrieben: ein guter Opener. Jedenfalls lasse ich Vorsicht walten, sollte ich jemals mit dem Rucksack durch Australien wandern.

6,5/10

Exklusiv im Vertrieb von eightyfour Entertainment erschien der Film in seiner ungeschnittenen Form auch im schicken Mediabook, welches den Film zum allerersten Mal in Deutschland ungeschnitten beinhaltet.

Freitag, 28. März 2014

You're Next (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1853739/

Es sollte ein friedliches Familienfest werden: Die Familie Davidson trifft sich, wie jedes Jahr fernab jeglicher Zivilisation in einem Ferienhaus, um den Hochzeitstag der Eltern zu zelebrieren. Crispian Davidson (AJ Bowen) will die Gelegenheit nutzen, um Erin (Sharni Vinson), seine neue Freundin, in den Kreis der Familie einzuführen. Doch das Glück wird urplötzlich von einer Horde axt-schwingender Mörder brutal zerschmettert. Als die Davidsons bereits jede Hoffnung auf Überleben aufgegeben hatten, entwickelt plötzlich jemand ungeahnte Talente...

Endlich mal ein wenig frischer Wind im Home-Invasion-Genre, an welchen ich schon gar nicht mehr geglaubt hatte! Ein gelungener Auftakt für das morgen endlich beginnende FantasyFilmfest nights! Endlich mal keine strunzdummen Protagonisten, die immer nur kreischend die Treppen herauf oder herunterrennen, nur um in einer noch auswegloseren Situation zu sein. "You're Next" ist cleveres, punktgenaues Terrorkino mit teils echt grausigen Splattereinlagen, die eine 18er Freigabe mehr als verdient haben. Und er spielt originell mit den Erwartungshaltungen des Zuschauers.

Meine Erwartungen zu "You're Next" hab ich nach monatelanger Vorfreude aufgrund einiger eher durchwachsener Reviews und geradezu pompösen Verrissen ein wenig nach unten geschraubt. Umso erfreuter war ich, dass der düster-grimmige Streifen ohne weiteres als einer der gelungensten Genre-Beiträge der letzten Zeit bezeichnet werden kann. Horrorfans wurden ja gerade in der jüngeren Vergangenheit nicht sonderlich verwöhnt. "You're Next" gewinnt mit Sicherheit keinen Innovationspreis oder dergleichen und der Film ist Genrebedingt natürlich auch nicht frei von Klischees. Mir schien der Film für einen Horror-Streifen sogar verhältnismäßig logisch, wenn auch nicht besonders wahrscheinlich. Langeweile kommt zu keinem Zeitpunkt auf und von den angesprochenen Klischees - die hier zudem des Öfteren gebrochen werden - leben solche Filme nunmal. Der Twist in der Filmmitte kommt zwar überraschend, doch das hat man in ähnlicher Form schon öfter gesehen. Auch das Motiv scheint gerade gut genug gewesen zu sein, um den Terrorakt zu rechtfertigen: aber mir soll das nur recht sein.


Denn spätestens wenn Sharni Vinson in den Survival-Modus schaltet, sich ihrer Haut erwehrt und im Blutrausch ihre Peiniger nach und nach kompromisslos dezimiert, macht mein Splatter- und Horrorherz wahre Freudensprünge. Die Gute hat sich mit ihrer knallharten What-the-Fuck-Performance direkt in die vordere Reihe meiner allerliebsten Schauspielerinnen gespielt! Dazu kommt ein gelungener Score, eine durchgehend bedrohliche Stimmung, sehr blutige Morde und ein wenig augenzwinkernde Ironie. Die herrlich fiese Schlussszene rockt dann auch nochmal gewaltig und hat mich mit einem zufriedenen Lächeln in den Abspann entlassen. In dieser Art und Weise dürfen mich Horrorfilme zukünftig gerne öfter beglücken! 

8/10

Exklusiv im Mediamarkt gibt es zum Film ein Steelbook. Dieses ist zwar (vor allem innen) sehr schlicht, abr schick ist es allemal:

Donnerstag, 27. März 2014

Jeppers Creepers (2001)

http://www.imdb.com/title/tt0263488/

Das Geschwisterpaar Trish und Darryl befindet sich auf einem einsamen Highway auf dem langen Weg nach Hause. Plötzlich werden sie von einem unheimlichen Truck bedrängt und können nur mit Mühe einen Unfall verhindern. Wenig später sehen sie den Truck am Wegesrand neben einer verfallenen Kirche wieder. Sie beobachten, wie der Fahrer auffällige Bündel in eine Erdröhre wirft - und dann exakt in ihre Richtung blickt. Abermals können Trish und Darryl den wütenden Attacken des Trucks knapp entgehen. Wie magisch angezogen kehren die Teenager zu der Kirche zurück. Als sie die Erdhöhle untersuchen, verliert Darryl den Halt und stürzt in eine düstere Höhle. Was er dort entdeckt, lässt ihm den Atem stocken - und ist doch nur die Ouvertüre zu einer Sinfonie des Schreckens, in der Darryl und Trish die Hauptrollen spielen...

Ein weiterer Film aus der Horrorecke und "Jeepers Creepers", der zumindest einen kleinen Kultstatus besitzt, war mal wieder fällig. "Grundsolide Kost" beschreibt den Film am ehesten. Nach den sehr guten ersten dreißig Minuten sackt das Niveau etwas ab, aber immerhin unterhaltsam bleibt es auch danach noch. Der Wille, den Zuschauer bei der Stange zu halten, ist ganz klar erkennbar. Gelingt insgesamt auch ganz gut, wobei der Grad des gesunden Menschenverstandes einer Sinuskurve gleicht. Mal agieren die Geschwister ganz nachvollziehbar, dann knipsen sie ihr Gehirn aber wieder aus machen sich lächerlich. Merkwürdig, dass nahezu kein Film es auf die Reihe bekommt, durchgängig logisch handelnde Personen zu kreieren. Sei es drum, wenigstens sind die Protagonisten nicht so blöd wie das Vieh aussieht. Dieses billige Flattertier ist der wahre Horror. Insgesamt ist das trotz seiner Schwächen eine annehmbare Angelegenheit. Im Horror-Genre muss man ja ohnehin mit dem geringsten Ansatz von Niveau zufrieden sein.

6/10

Epic - Verborgenes Königreich 3D (2013)

http://www.imdb.com/title/tt0848537/

Als M.K. (gesprochen von Amanda Seyfried) für einige Tage bei ihrem Vater Bomba (Jason Sudeikis) unterkommt, ist sie zuerst wenig begeistert. Ihr Vater redet so leidenschaftlich von Naturstudien und Biologie-Experiementen, lebt sehr zurückgezogen und glaubt an eine geheimnisvolle Welt im Herzen des Waldes. Was M. K. als kleines Kind begeistert hat, hält die nun für abstruse Hirngespinste. Zumindest, bis sie durch einen Unfall geschrumpft und direkt in das magische Reich gebracht wird. Dort trifft sie auf sprechende Schnecken und Kröten, sowie auf den charmanten Nod (gesprochen von Josh Hutcherson). Nachdem sie akzeptiert hat, dass es sich keinesfalls um einen merkwürdigen Traum handelt, lässt sich M.K. auf die fremde Welt ein und entdeckt deren grenzenlose Wunder. Doch der idyllische Frieden ist bedroht, als der hinterlistige Schurke Mandrake (Christoph Waltz) das Reich zerstören will. Ein Kampf zwischen den Kriegern des Waldes und den Schädlingen beginnt und M.K. muss sich entscheiden, ob sie Beistand leisten, oder den Heimweg finden will.

"Epic" ist ein kindgerechter Abenteuerfilm mit einigen Anleihen an festhstehenden Fantasyelementen und man macht keine großen Anstalten, von den altgedienten Storywegen abzudriften. Das Artdesign kann größtenteils sehr überzeugen. Die Leafman sind gut in Szene gesetzt und auch ihre Gegenspieler haben ein gut anzuschauendes Design bekommen und können ihre Bösartigkeit gut rüberbringen. Zur technischen Seite kann ich dann auch nur gutes sagen, die Bilder sind wirklich groß, sehr detailliert und mit fantastischen Farben gestaltet.

Leider kann mich die 08/15-Story nicht ganz so sehr überzeugen und es machen sich doch schon einige Schwächen im Drehbuch bemerkbar. Zu Anfang wird uns ein ganzer Haufen von Haupt- und Nebencharakteren vorgestellt, von denen dann ausgerechnet die interessantesten schnell beiseite gelegt werden. So kann das kleine Blumenmädchen direkt von der ersten Sekunde an die Sympathien des Zuschauers gewinnen, taucht dann allerdings bis zum Schluss nicht mehr auf. Hier spielt sie zwar keine unwichtige Rolle, aber diese Szene hätte meiner Meinung nach viel mehr Emotion bekommen, wenn sie die Heldentruppe den ganzen Film über begleitet hätte. Dafür hätte man ja dann die beiden Schnecken und gleichzeitig schrecklichen Comic Reliefs komplett herausschreiben können, da einem diese schon nach wenigen Minuten auf den Wecker fallen. Auch andere Subplots und Charaktere werden hier und da mal angerissen, nur um gleich wieder auf den nächsten Komposthaufen geworfen zu werden.

Aber ich mache den Film schlechter als er tatsächlich ist. "Epic" kann nämlich durchaus unterhalten, sofern man auf die vorhandenen Schwächen im Skript pfeifen kann. Die angestrebte Zielgruppe wird mit diesem Film garantiert ihren Spaß haben und dies ist für mich Grund genug, eine Empfehlung auszusprechen.

7/10

Kaufen bei amazon.de

Exklusiv bei SATURN gibt es den Film im Steelbook mit Lenticular-Magnetcover:

SAW III (Unrated Director's Cut) (2006)

http://www.imdb.com/title/tt0489270/

Während die Polizei nach einer Reihe weiterer Opfer fieberhaft nach dem Jigsaw-Killer fahndet, erfreut sich dieser bereits an einem neuen sadistischen Spiel. Seine ergebene Schülerin Amanda hat im Auftrag ihres todkranken Meisters die Ärztin Dr. Lynn Denlon in ein leer stehendes Lagerhaus entführt und mit einem hochexplosiven Halsband versehen. Dort soll sie den sterbenden Jigsaw so lange am Leben erhalten, wie das ebenfalls gekidnappte Opfer Jeff benötigt, um einen mörderischen Parcours zu durchlaufen, den das Mastermind mit perversen Überraschungen gespickt hat. Setzt Jigsaws Herzschlag aus, bevor Jeff zurückkehrt, explodieren die Sprengladungen an Dr. Denlons Körper.

Mit "SAW III" beginnt das Franchise immer mehr abzustumpfen, bewegt sich weit weg vom hohen Thriller-Niveau des Erstlings zum reinen Torture-Porn. Das Ganze ist zwar nach wie vor spannend, hat aber vor allem im Mittelteil seine Längen und ist oft auch wirklich lächerlich. Trotzdem wird der Film vor allem gegen Ende hin noch einmal richtig spannend. Dieses Ende hätte eigentlich auch die Reihe beenden sollen, nach meiner Meinung.

Die Splatterszenen sind teilweise echt brutal, aber "Fallen" wie die des Richters sind schon wirklich an den Haaren herbeigezogen und sollen wohl tatsächlichnur Ekel und Abscheu hervorrufen. Dageben ist die Falle "The Twisting Crucifix" oder auch "The Rack" ein wahres Kunstwerk an Fiesheit. Man muss aber sagen, dass einem die Charaktere hier bei weitem nicht so gleichgültig sind wie in so manchem anderen Horrorfilm. Besonders schemrzhaft ist auch die Operation an Jigsaw, bei der die Kamera wirklich immer voll drauf hält und kein Detail der Phantasie überlässt.

Nun ja, mit insgesamt fast 2 Stunden Laufzeit ist der Streifen definitiv zu lang. Mit vorgekaukelten Verknüpfungen, die zwar logisch erscheinen sollen, es aber nicht sind. Noch gut.

6,5/10

Erschienen in einer streng limitierten Auflage von nur 2.500 Stück. Mit einem aus Metall und Leder bestehenden Originalnachbau der umgedrehten Bärenfalle im Maßstab 1:3. Inklusive der bisher unveröffentlichten Versionen von SAW III und SAW 3D!