Montag, 24. Juli 2017

The Dark Half - Stephen Kings Stark (1993)

http://www.imdb.com/title/tt0106664/

Der renommierte Schriftsteller Thad Beaumont begeistert mit seinen Romanen die Kritiker. Doch das große Geld verdient er mit reißerischer Horror-Lektüre, die er unter dem Pseudonym George Stark verfasst. Sein literarisches Doppelleben droht ein plötzliches Ende zu nehmen, als ein Erpresser auftaucht, der Thads zweite Identität enttarnen könnte. Aus der Not heraus beschließt Thad, dem Erpresser zuvorzukommen und sein Alter Ego selber zu enthüllen. George Stark wird dabei im Rahmen der Enthüllungsstory symbolisch zu Grabe getragen. Doch Stark scheint nicht einfach so sterben zu wollen – im Gegenteil, er nimmt körperliche Gestalt an und entsteigt seinem Grab. Kurz darauf geschehen in Thads Umfeld einige Morde, die auf ihn als Täter hindeuten...

"The Dark Half" ist guter und atmosphärisch dichter Stoff, welcher Zombie-Meister George A. Romero hier abliefert. Auch wenn man "The Dark Half" an jeder Ecke die "Direct-to-Video"-Qualität ansieht, versprüht er doch diesen gewissen Charme den viele der alten King-Verfilmungen mitbringen. Filme und Bücher sind dazu ja auch immer ein heikles Thema. Da tut es oft gut, wenn man den Film unabhängig von der Buchvorlage einordnet. Und "Stark" ist mal eine recht spannende Stephen King-Adaption geworden, die gleich mit zwei tollen Hauptdarstellern sowie einer düsteren Atmosphäre punkten kann. Allein schon Timothy Hutton mimt seine Figuren Thad/George sehr passend. Die Story wird ohne Langeweile erzählt und hat schicke Morde sowie einen ziemlich fiesen Killer zu bieten. Nur leider wurden mir zuviele Hintergründe und Informationen aus dem Buch nicht übernommen, das ist bei fast allen Verfilmung das Problem - daher auch das losgelöste Betrachten.

Der Film gehört dann zu den wenigen, wirklich sauber verarbeiteten und inszenierten Filmen des Stephen King. Die Story wird Mystiker wohl mehr ansprechen als Horror-Fans. Der Score verdient dabei besondere Erwähnung, denn das, was Christopher Young hier abliefert geht unter die Haut und ins Hirn. Er versteht es einfach jederzeit perfekt die Stimmung zu unterstreichen. Alles in allem und in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um einen Film ohne großes Budget handelte ist es doch ein recht guter Streifen geworden, den man Mystery- und Horrorfans gleichermaßen empfehlen kann.

7/10

Von OfDb Filmworks erschien der Film als ungeprüfte und ungeschnittene Fassung als "Collector's Edition" im DigiPak. Allerdings ist die Auflage stark limitiert.

Sonntag, 23. Juli 2017

xXx: Return Of Xander Cage - xXx: Die Rückkehr des Xander Cage 3D (2017)

http://www.imdb.com/title/tt1293847/

Auf Bitten seines Kontaktmannes Agent Augustus Eugene Gibbons (Samuel L. Jackson) kehrt der für tot gehaltene Extremsportler Xander Cage (Vin Diesel) aus seinem selbstauferlegten Exil zurück, um erneut als Geheimagent für die US-Regierung zu arbeiten. Dieses Mal muss er eine ebenso unaufhaltbare wie zerstörerische Waffe namens „Die Büchse der Pandora“ bergen. Zeitgleich machen sich jedoch auch der sinistre und mit Waffen wie Fäusten tödliche Xiang (Donnie Yen) und dessen Schergen daran, die todbringende Technologie in ihren Besitz zu bringen. Zusammen mit seinem neuen Team kampfbereiter adrenalinsüchtiger Profis (u.a. Deepika Padukone, Ruby Rose, Rory McCann und Nina Dobrev) findet sich Xander schon bald in einer tödlichen Verschwörung wieder, in die sogar Repräsentanten auf Regierungsebene verwickelt sind...

Mit „xXx: Return Of Xander Cage“ kehrt ein Franchise in die Kinos zurück, mit dessen Fortsetzung 12 Jahre nach dem Sequel des Auftakts vermutlich eher die wenigsten gerechnet hätten. Auch wenn Hauptdarsteller Vin Diesel im Jahr 2002 nach seinem Mitwirken im ersten "The Fast And The Furious" mit "xXx" Chancen auf ein potentielles zweites Standbein hatte, blieb sein Auftritt als Extremsportler und Geheimagent Xander Cage ein einmaliger. Das drei Jahre später gefolgte Sequel mit Ice Cube in der Hauptrolle geriet zur finanziell enttäuschenden Angelegenheit, von dem Diesel bereits vorab Abstand nahm, nachdem selbst ihm das Drehbuch nicht zusagte. "xXx: State Of The Union" war ein Film, über den man angesichts seiner Qualität ohnehin lieber schnell den Mantel des Schweigens hüllte und der ebenso schnell wieder in Vergessenheit geriet.  


Nachdem sich die "The Fast And The Furious"-Filmreihe zum kommerziellen Kassenschlager entwickelte und einen Teil auf den anderen folgen ließ, versuchen sich Paramount Pictures im Jahr 2017 nun mit Diesel als zugkräftigen Star an einer Wiederbelebung des "xXx"-Franchise. Obwohl Xander Cage im zweiten Teil eigentlich für tot erklärt wurde, zeigt sich dieser in "xXx: Return Of Xander Cage" quicklebendig. Sein offensichtliches Wohlbefinden wird dadurch untermauert, dass er zu Beginn mit Skiern durch den Dschungel der Dominikanischen Republik brettert, sich auf einem Skateboard von einem Auto über die Straße ziehen lässt und anschließend, nachdem er seinen Verfolgern entkommen ist, die vermutlich attraktivste Frau der gesamten Region ins Bett bekommt.


Nach diesem Auftakt von D. J. Carusos Film könnte man meinen, dass das bisherige Konzept von Xander Cages Lebensstil mit voller Absicht keinen Veränderungen unterzogen wurde, doch der Regisseur dreht zusätzlich sämtliche Regler auf Anschlag. In "xXx: Return Of Xander Cage" wird nicht einfach nur dem altbewährten "größer, schneller, lauter"-Rezept gefolgt, das für zahlreiche Fortsetzungen im Blockbuster-Sektor zum Einsatz kommt, sondern ein völlig bizarres Paralleluniversum entworfen, das mit der Realität kaum noch etwas gemeinsam hat.


Die Jagd nach einem Gerät, mit dem sich Satelliten manipulieren und zum Absturz bringen lassen und das in falschen Händen somit zur mächtigen Waffe geraten könnte, entwickelt sich ab der Hälfte des Films zum fast schon kindlichen Wettstreit zwischen zwei Teams von Geheimagenten, die aus unterschiedlichen Gründen agieren. Dialoge, bei denen gefühlt jeder zweite Satz aus einer lässigen Bemerkung, einer gewitzten Anspielung oder abgebrühten Machismen besteht, Figuren, die sich vornehmlich in coolen Posen üben und Action-Setpieces, die sämtliche Grenzen der Logik aushebeln, physikalische Gesetzmäßigkeiten an den Rand des Wahnsinns befördern und Greenscreen-Effekte, die matschige Texturen aus dem Computer geradezu zelebrieren, sind die Bausteine dieses grellen Spektakels.


Auch wenn das Drehbuch von F. Scott Frazier deutlich zu lange braucht, um sämtliche Mitglieder des illustren Ensembles zusammenzuführen, aufeinander einzuspielen und im Schatten von Diesel, der sich nach wie vor als eher klobiger Sympathieträger aufspielt, von der Leine zu lassen, versprüht "xXx: Return Of Xander Cage" aufgrund der konsequent haarsträubenden Vermengung pubertärster Schauwerte, auf Krawall gebürsteter Stereotypen und einer sichtbaren Freude am irrationalen Exzess einen infantilen Unterhaltungswert, der in den besten Momenten durchaus ansteckend ist.

Wenn sich drei der Figuren in einer Konfliktsituation entschärfte Granaten wie bei einem ausgelassenen Brettspiel über den Tisch zurollen, Kämpfe in einem Flugzeug trotz eines Verlusts der Schwerkraft ausgetragen oder Motorräder zu Jetskis umfunktioniert werden, während Caruso alles wie ein protziges Musikvideo inszeniert, schwingt sich dieser Film in Höhen auf, in denen selbst die realitätsfremden letzten Teile der "The Fast And The Furious"-Reihe vergleichsweise wie subtile Charakterstudien wirken. Sicherlich hätte es den dritten Teil, der sein gesamtes Potential an Größenwahnsinn nicht einmal voll ausschöpft, nicht unbedingt gebraucht. Kurzweiligen Spaß kann man mit diesem Abenteuerspielplatz des albernen Schwachsinns und freudig zelebrierten Irrsinns aber trotzdem haben.

5,5/10

Samstag, 22. Juli 2017

See No Evil 2 (2014)

http://www.imdb.com/title/tt3106120/

Die Medizinstudentin Amy (Danielle Harris) arbeitet nebenbei im Leichenschauhaus der Stadt und verbringt einen Großteil ihrer Zeit daher mit toten Körpern. Als ihr Geburtstag ansteht, wollen ihre Freunde um Tamara (Katharine Isabelle) die Studentin an ihrem Arbeitsplatz im Krankenhaus mit einer großen Party überraschen. Die Rechnung geht auch auf, die Freude ist entsprechend groß, doch wenig später sind sie selbst die Überraschten. Denn im Untergeschoss des Gebäudes erwacht die einäugige Leiche des Psychopathen Jacob Goodnight (Glenn Jacobs) wieder zu neuem Leben. Mit Messer und Säge erweitert der Haken-Killer sein Arsenal und verwandelt die Geburtstagsparty der Freunde in ein grausames Schlachtfest...

Nach der Tragödie im Blackwell Hotel werden die Körper vom vermeintlich toten Killer Jacob Goodnight (WWF-Star Glenn 'Kane' Jacobs) und neun seiner Opfer in das Leichenschauhaus überführt, wo die Mitarbeiter gerade eine Geburtstagsfeier feiern. Natürlich wird die Party von ihm gestört. Der erste Teil war ein ordentlicher Slasher, der nur wegen seiner unglaublichen Over-the-top-Morde in Erinnerung blieb. Obwohl nicht sonderlich kommerziell erfolgreich, bekommt der Streifen Jahre später eine Fortsetzung. Regie führten (überraschenderweise) die Soska-Schwestern, die sich mit "American Mary" bei Genre-Fans einen Namen gemacht haben.

Leider ist das Ergebnis definitiv ein künstlerischer Schritt zurück. Sie opferte ihren vormals hoch entwickelten Stil für einen moderaten, durchschnittlichen Flick. Die Tötungen sind unterwältigend und die Schwestern schaffen es nie, die labyrinthische Struktur des Leichenhauses kreativ oder überhaupt zu nutzen. Wrestling-Star Kane poltert im Walk'n'Kill-Modus wie zufällig durch die Gänge und wirkt dabei wie ein netter Kerl, der zufällig sieben Fuß groß ist und aus Versehen Schlachtwaffen in der Hand hat. "See No Evil 2" will und wird kein Klassiker sein, aber er versucht zumindest durch einen langsamen Spannungsbogen und etwas Gemetzel die Uralt-Formeln des Slashers zu bedienen. Das ist dann eher redundant und kann wohlwollend als Hommage an all die Myers, Kruegers und Voorhees gesehen werden - oder als reines pflichtschuldiges Vergnügen der Soska Sisters.

4,5/10

Von NSM Records kommt der Film hierzulande ungeschnitten und in HD im Mediabook:

Donnerstag, 20. Juli 2017

[KINO] Valerian And The City Of A Thousand Planets - Valerian und die Stadt der tausend Planeten 3D (2017)

http://www.imdb.com/title/tt2239822/

Im 28. Jahrhundert sorgen der Spezialagent Valerian (Dane DeHaan) und seine Kollegin Laureline (Cara Delevingne) für Recht und Ordnung in der Galaxis. Ihr neuester Auftrag, den sie vom raubeinigen Commander Arün Filitt (Clive Owen) bekommen haben, führt die beiden ungleichen Gesetzeshüter in die gigantische Metropole Alpha, in der unzählige unterschiedliche Spezies aus verschiedensten Teilen des Universums zusammenleben. Mit der Zeit haben sich die Bewohner der Stadt einander so stark angenähert, dass sie all ihr Wissen vereint haben und dies zum Vorteil für alle nutzen. Allerdings kann sich längst nicht jeder mit den herrschenden Verhältnissen anfreunden. Einige schmiedeten insgeheim Pläne, die nicht nur Alpha, sondern die gesamte Galaxis ins Chaos stürzen könnten. Valerian und Laureline setzen alles daran, das drohende Unheil abzuwenden...

Man könnte Luc Bessons neues Science Fiction-Epos "Valerian und die Stadt der tausend Planeten" im Grunde knapp zusammenfassen: "Das fünfte Element" trifft "Avatar". Genau 20 Jahre nach Luc Bessons Mega-Hit "Das fünfte Element" hat sich der Franzose wieder an eine ähnlich geartete Thematik herangewagt, die außerdem auf dem Comic "Valerian" aus den sechziger Jahren basiert. Eigentlich wollte Besson den Comic bereits viel früher verfilmen, doch die Thematik galt lange Zeit als schlichtweg unverfilmbar. Und bereits der malerische Anfang zeigt auch eindrucksvoll warum: die Szenarien sind so phantasievoll, dass das Intro nahezu 100% CGI sind. Das ist einerseits gut, da sich Besson so auch voll in 3D ausleben kann, andererseits wirkt der Film dadurch etwas steril und geradezu zu sauber.


Schön aber zu sehen, dass Besson nicht gleich Megastars als Protagonisten besetzte. Die beiden Spezialagenten Valerian (Dane DeHaan, dem eigentlich aufgrund seines Auftretens eher die Rolle eines Schurken zu Gesicht steht) und Laureline (Cara Delevingne, aufreizend, sexy und unglaublich faszinierend) sind angenehm frische Gesichter mit einer starken Präsenz und erfrischend passend. Das liegt auch am perfekten Zusammenspiel der beiden - man nimmt ihnen schlicht alles ab. Ein großer Kritikpunkt sind allerdings die fehlenden Background-Infos zu den Hauptfiguren Valerian und Laureline. Der Film fühlt sich an als wäre er bereits der zweite Teil einer Weltraumsaga.

Aber wie bei "Das fünfte Element" ist "Valerian" ein echtes Design-Monster. Jedes Detail, Szenario und Kostüm ist derart stilvoll, dass es den Zuschauer fast schon erschlägt. Kein Wunder, schließlich hatte Besson eine clevere Idee: er suchte zusammen mit Joe Zee, Chefredakteur von Yahoo Style, sowie Olivier Bériot, dem Kostümbildner des Films, öffentlich rund 20 talentierte Designer, die als Lohn für die besten Einsendungen 1.000 Dollar sowie die Umsetzung des Kostüms im Film bekamenund wer ganz genau hinschaut, entdeckt sogar Aliens (und Unterarten) aus "Das fünfte Element".


Darüber hinaus ist "Valerian" rein techniscch betrachtet 'State of Art', da die Grenze zwischen CGI und realen Charakteren so gut gelungen ist, dass man Unterschiede zwar wahrnimmt, sich diese aber hervorragend in das Gescehen einfügen. Allerdings müssen CGI-Hasser auf der anderen Seite auch damit leben, dass nahezu jedes Bild in irgendeiner Art mit CGI behaftet ist. Die größte Schwäche des Films ist aber der Plot, denn ein richtiger Spannungsbogen entsteht nicht. Soll heißen: man weiß, worauf das alles hinauslaufen wird. Die starke moralische Botschaft (Weltfrieden und Liebe) wird dem Zuschauer außerdem fast schon aufgezwungen. Das ist nicht unbedingt schlecht und hat in dieser Form auch schon in "Das fünfte Element" funktioniert, hinterlässt aber den Geschmack eines etwas altbackenen Brotes.


Der bis dato "teuerste Film Europas" gewinnt aber dennoch ganz schnell die Herzen der Zuschauer. Bessons Kreativität strahlt von jeder Szenerie, besonders in den ersten zwei Akten des Films. Er hat die schönsten und fantasievollsten Bilder, die man seit Langem in einem Science-Fiction-Film zu sehen bekommen hat und man kann schon sagen, dass man ein solches Wunderwerk an Phantasie und überbordender visueller Imagination im Kino lange nicht mehr gesehen hat. Toll.

7,5/10

Mittwoch, 19. Juli 2017

Assassin's Creed 3D (2016)

http://www.imdb.com/title/tt2094766/

Der Mörder Callum Lynch (Michael Fassbender) wartet im Todestrakt in Texas auf seine Hinrichtung. Doch in letzter Minute wird der Häftling im Auftrag der Firma Abstergo Industries in die Einrichtung der Wissenschaftlerin Sophia Rikkin (Marion Cotillard) in Madrid gebracht, in der Patienten mit hoher Gewaltbereitschaft geheilt werden sollen. Bald darauf aber bringt Callum in Erfahrung, dass hinter der Organisation des visionären Generaldirektors Alan Rikkin (Jeremy Irons) die moderne Inkarnation des Templerordens steckt. Ihre Mission ist es, den sagenumwobenen Apfel aus dem Garten Eden ausfindig zu machen und mit ihm den Willen der gesamten Menschheit zu kontrollieren – und Callum soll dabei helfen. Mittels einer von Sophia entwickelten Maschine namens Animus durchlebt er die Erinnerungen seines Vorfahren Aguilar de Nerha, einem Mitglied der Assassinen zur Zeit der Spanischen Inquisition. Nur der kampferprobte Mörder weiß, wo sich das biblische Objekt der Begierde befindet. Während er als Aguilar die Vergangenheit durchlebt und so die Templer immer näher zum Apfel führt, eignet sich Callum mehr und mehr Fähigkeiten seines Vorfahren an, die ihm in der Gegenwart im Kampf gegen die Nachfahren der Templer nützlich werden...

Die visuellen Stärken hat der furios inszenierte Sci-Fi-Actioner "Assassin’s Creed" mit der Literaturverfilmung gemein, aber die überaus kryptisch dargebotene Handlung lässt ein wirkliches Eintauchen in die Weiten des "Assassin’s Creed"-Universums kaum zu - die Geschichten der zahlreichen, zumindest im Ansatz spannenden Figuren werden nur oberflächlich und im Eiltempo abgehandelt. Als Videospielverfilmung begeht "Assassin's Creed" zudem den größten Fehler, den man nur machen kann: Sie führt ihr "Kredo" ad absurdum. Während die "Assassin's Creed"-Videospiele ihre Faszination immer aus epischen Storylines in der Vergangenheit zog und die Gegenwart nur in Rahmenhandlungen stattfand, kehrt die Verfilmung dieses Prinzip einfach um. Was die Macher dazu bewogen hat, bleibt unklar.

Nun ist also die Haupthandlung in der Gegenwart angesiedelt, die Faszination ist dahin, dazu gesellen sich endlose und nervige CGI-Flüge, alles wirkt gewollt, aber nicht gekonnt. Die wenigen Szenen in der Vergangenheit - einem wirklich interessantem Setting, der spanischen Inquisition - sind belanglos und wirken so, als hätte man den langjährigen Fans nur ein Zugeständnis machen wollen. So viel Potential wird hier verschenkt, die Charaktere werden nicht mal ansatzweise ausgearbeitet, die Action bleibt emotionslos. Was hätte das für ein Film werden können, hätte man dieses "Kredo" der Games beachtet und die Haupthandlung dort spielen lassen.
Aber nein, es geht weiter in der Vergangenheit. Ohne Spannung, ohne große Charakterzeichnungen, ohne Emotionen. Wer ist wer und was soll das alles? - das wird nur oberflächlich abgearbeitet. Alles wirkt kalt, wie am Reißbrett entwickelt. Zugegeben - ein paar Schauwerte sind wirklich gelungen, doch das geht im unpassenden Soundtrack und der Flut von mal passenden, mal unpassenden aber fast immer als solche zu erkennenden CGI-Effekten unter. Es ist tatsächlich enttäuschend, was Kurzel / Fassbender hier an den Tag legen, war die letzte Zusammenarbeit der beiden ("Macbeth") doch ein Paukenschlag und wirklich sehenswert. "Assassin's Creed" wird sicherlich nicht als schlechteste Videospielverfilmung aller Zeiten in die Geschichte eingehen (dafür hat Uwe Boll schon gesorgt), dafür wird sie sicher schnell aus dem Gedächtnis der Zuschauer verschwinden. In ein paar Jahren wird sich daran niemand mehr erinnern - und das ist vielleicht ganz gut so.

5/10

Donnerstag, 13. Juli 2017

[KINO] Spider-Man: Homecoming 3D (2017)

http://www.imdb.com/title/tt2250912/

Nach seinem Aufeinandertreffen mit den Avengers ist Peter Parker alias Spider-Man (Tom Holland) wieder zurück in New York, wo er bei seiner Tante May (Marisa Tomei) wohnt. Seitdem er mit bzw. gegen die anderen Helden kämpfte, fragt er sich, ob er mit seinen herausragenden Fähigkeiten nicht mehr machen sollte, als nur die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft zu sein, die den einen oder anderen Einbruch verhindert und Taschendiebe stoppt. Doch daneben muss der von seinem neuen Mentor Tony Stark (Robert Downey Jr.) geförderte Jugendliche auch noch den Alltag auf die Reihe bekommen, den Alltag als Teenager an einer Highschool. Blöd, dass ausgerechnet in dieser Situation ein Bösewicht für Unruhe sorgt, der technisch bestens ausgestattet ist und von Rachedurst getrieben: der Vogelmann Vulture (Michael Keaton)...

Mit seinem nunmehr dritten Reboot schwingt sich der rot-blaue Held zurück auf die große Leinwand. Was bereits in "Captain America: Civil War" für eine (angekündigte) Überraschung sorgte, wird nun fortgeführt und endlich Spideys Geschichte weiterentwickelt, sein Charakter beleuchtet und natürlich sein Wesen getestet. Und man sollte sich nun bei dieser Version des Spider-Man über eines im Klaren sein: es kein junger Erwachsener wie einst Tobey Maguire und auch kein cooler Draufgängertyp wie der großartige Andrew Garfield. Der Zuschauer begleitet in "Spider-Man: Homecoming" den fünfzehnjährigen Peter Parker und darauf muss man sich einlassen können, denn der Typ ist genauso flapsig und vorlaut, sogar teilweise genauso nervig wie in den Comics. Und das ist dann vielleicht sogar die größte Stärke des Films.

Trotzdem ist alles hier altbekannt und doch auch irgendwie anders: bei diesem Solo-Ausflug wird sogar etwas schizophren vorgegangen weil "Spider-Man: Homecoming" im Grunde zwar ein eigenständiges Ding sein soll, sich aber andererseits an die Handlungen von "The Avengers" nahtlos anknüpft und Dinge daraus als bekannt voraussetzt. Obendrein ist "Spider-Man: Homecoming" eine Origin-Story und wiederum auch nicht, denn Peter Parker hat im Film bereits seine Superkräfte und beginnt nicht bei Null, ist aber unsicher, unerfahren und muss sich seinen Platz bei den Avengers erkämpfen, seine Stärken und Schwächen (vor allem die) ausloten. Und der Film der dabei rausgekommen ist hat eben alle Qualitäten eines typischen Marvel-Titels: lang, groß, laut, gigantische Action die - nebenbei bemerkt - in 3D super aussieht und einen humorigen Grundton einschließlich einiger netter Gags auffährt. Aber auch hier bleibt der Gegner blass, selbst wenn sich mehr Mühe gegeben wurde, "Vulture" (dennoch großartig gespielt von Michael Keaton) eine Art Geschichte und Motivation zu geben. Das kennt man schon.

Eigentlich und oberflächlich also kaum etwas zu bemängeln, aber es gibt eben nichts Innovatives oder Neues und wenn man hinter die Fassade schaut wird es plötzlich delikat. Denn wenn man etwas bemängeln wöllte, dann der holprige Versuch der Eingliederung ins MCU, auch wenn einige bekannte Figuren aus anderen MCU-Filmen ihren Auftritt haben und eine davon sogar überraschen kann. Und mal abgesehen vom Anzug, der Spider-Man plötzlich eine Art "Iron Man"-Maskerade mit allerlei Gimmicks verleiht. Und das ist ein ganz kritischer Punkt, wenn der neue Spider-Man Anzug ebenso technisch ausgestattet ist und Peter oftmals die Arbeit abnimmt. Zu bemängeln gibt es dann auch die zahllosen Filmfehler und physikalischen Blödsinnigkeiten, die sogar im Sinne eines Superheldenfilmes sauer aufstoßen. Darüber hinaus ist auch die Figurenbesetzung etwas fehlgeschlagen, denn auch wenn man versucht, altbekannte Charaktere einzubringen, so sollte man sie doch so lassen wie sie in den Comics waren, Stichwort: MJ. Alles andere wird Unsinn und stößt dem Comicfan auch vor den Kopf.

Doch trotz all dieser Negativpunkte hat der neue "Spider-Man" irgendwo dann doch sein Herz am rechten Fleck. Die Stimmung passt, die Unterhaltung ist gegeben und sogar eine großartige Wendung weiß den Zuschauer eiskalt zu überraschen. Neben dem ganzen Bumm und Krach ist nämlich der neue "Spider-Man" etwas näher am Comic und auch wenn seine Origin-Story nur darauf abzielt im kommenden "Avengers: Infinity War" mitspielen zu können, so hinterlässt "Spider-Man: Homecoming" insgesamt einen positiven Eindruck. Es ist beileibe nicht der beste Film und auch nicht das beste Reboot (dafür war Andrew Garfield zu perfekt), aber es ist eine neue Art Spinne - und die kann man durchaus empfehlen.

7,5/10

Mittwoch, 12. Juli 2017

Ice Age: Collision Course - Ice Age: Kollision voraus! 3D (2016)

http://www.imdb.com/title/tt3416828/

Noch immer ist Rattenhörnchen Scrat (Stimme im Original: Chris Wedge) mit seiner heiß geliebten Nuss beschäftigt. Doch dieses Mal setzen seine Missgeschicke eine Kette von Ereignissen in Gang, die sogar die ganze Welt bedrohen: Denn bei seinen Abenteuern stößt er zufällig auf ein UFO, das im Eis eingefroren war, bringt es zum Starten und schießt damit ins Weltall. Dort sorgt er dafür, dass nicht nur viele kleine Meteoriten auf die Erde stürzen, sondern auch ein riesengroßer droht, den gesamten blauen Planeten zu vernichten. Für das Mammut Manny (Ray Romano / deutsche Stimme: Thomas Nero Wolff), Faultier Sid (John Leguizamo / Otto Waalkes) und Säbelzahntiger Diego (Denis Leary / Thomas Fritsch) beginnt die aufregende Suche nach einer Möglichkeit, die Katastrophe abzuwenden. Dabei stehen ihnen viele alte und neue Kumpanen zur Seite. Bei der Absturzstelle eines Meteoriten, der vor langer Zeit schon auf der Erde aufprallte, machen sie dann eine erstaunliche Entdeckung...

Es fällt tatsächlich schwer, den nunmehr fünften Teil der "Ice Age"-Reihe zu bewerten, wenn man die anderen Teile im Blick hat. Gut, spätestens seit "Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los" wurde die Reihe so abstrus und blöde, dass nicht mehr viel mit dem Erstling "Ice Age" zu tun hatte, aber sie sorgte immerhin für lustige, wenngleich ab hier quietschbunte und völlig übertriebene Unterhaltung. "Ice Age: Kollision voraus!" bleibt sich und der Reihe damit aber treu. Allerdings kämpft der Film mit der eigenen Einordnung im Vergleich zu den anderen Teilen. Dies führt zu einigen Anschlussfehlern in der Narration. Auch wenn mit Buck ein bekannter Charakter aus "Ice Age 3: Die Dinosaurier sind los" zur Herde dazustößt, bleibt er nur als Mittel zum Zweck in Erinnerung. Der gute Freund Louis von Ellie aus "Ice Age 4: Voll verschoben" taucht gar nicht mehr auf, dafür ist Ellie plötzlich mit Julian verlobt - einem Mammut von dem man vorher noch nie etwas gehört hat. Ohnehin liegt der Fokus weniger auf Charaktervorstellung und -entwicklung, sondern auf fantastisch animierter Action.


Dennoch ist kaum zu fassen, wie enttäuschend dieser fünfte "Ice Age"-Film ist. Nahezu jeder Gag ist total fehlplatziert und nur selten wirklich witzig. Zusätzlich bekommen wir diesmal Fantasy-Elemente geboten, die einfach gar nicht in diese Welt passen. Man bekommt UFOs zu sehen, die im Weltraum umher schweben und im späteren Verlauf haben wir es sogar mit magnetischen Zauberkristallen zu tun, die ewig jung machen. Wenn man da an den ersten Teil denkt, bei dem das Thema Eiszeit noch ein authentisches Bild übermittelte, hat dieser fünfte Teil rein gar nichts mehr mit diesem "Ice Age " zu tun. Der gesamte Film ist äußerst anstrengend und selbst die Momente mit Scrat sind maßlos übertrieben und äußerst unlustig.


Auch bei den Charakteren gibt es nicht so viel positives zu berichten. Manny äfft die ganze Zeit eigentlich nur den (völlig uninteressanten) Freund seiner Tochter nach und hat alles, was ihn einst so toll machte (seinen Zynismus), verloren. Aber in diesem Zusammenhang muss man die deutsche Synchronarbeit loben. Durch den Tod von Arne Elsholtz bekam Manny eine neue Stimme und die klingt fast 1:1 wie seine alte Stimme. Hut ab dafür. Sid hat sich eigentlich nicht viel verändert und sorgt zumindest für einige Lacher. Leider wirkt seine Lovestory total bescheuert und hat einen katastrophalen Ausgang. Diego verkommt hier total im Hintergrund und hat eigentlich kaum erwähnenswerte Momente. Ellie bleibt komplett blass und auch Peaches nervt weiterhin enorm, besonders in Kombination mit ihrem Freund.


Der Film versucht zudem noch, drei Antagonisten hinein zu bringen, die aber unbeschreiblich schlecht geschrieben sind und eigentlich nur für einen einzigen Zweck hinein geschrieben wurden. Buck ist zwar teilweise unterhaltsam, aber an manchen Stellen auch etwas anstrengend. Und als wäre das nicht schlecht genug, sind auch noch alle Szenen mit Scrat komplett humorfrei und nun völlig übertrieben. Damit wird "Ice Age: Kollission voraus!" zum mittelprächtigen Fehlschlag. Die Gags sitzen nicht, die Story ist einem "Ice Age" unwürdig und die meisten Charaktere nerven total. Ein paar Trostpunkte gibt es für den Soundtrack und für die Animationen und weil Kinder vielleicht noch bisschen Spaß haben werden.

5,5/10