Dienstag, 12. Dezember 2017

Sleepy Hollow (1999)

http://www.imdb.com/title/tt0162661/

Constable Ichabod Crane (Johnny Depp) hat Ermittlungsmethoden, die für das Jahr 1799 ungewöhnlich sind - er setzt auf Verstand und Logik als einzigen Kriterien, um Motive und Täter aufzuspüren. Im kleinen Ort Sleepy Hollow soll er den Morden an einem angesehenen Bewohner, seinem Sohn und einer weiteren Person nachgehen, denen allen der Kopf abgeschlagen wurde. Die Köpfe der Opfer sind verschwunden, und die Einwohner – allen voran Bürgermeister Philips (Richard Griffiths), der Notar Hardenbrook (Michael Gough), der Arzt Dr. Lancaster (Ian McDiarmid) und Reverend Steenwyck (Jeffrey Jones) – erzählen dem verdutzten Crane eine merkwürdige, für ihn schier unglaubliche Geschichte: Der Mörder sei ein Toter, ein ehemaliger hessischer Söldner (auf Seiten der britischen Armee), der seinen Gegnern vor Jahren während des Unabhängigkeitskrieges die Köpfe abgeschlagen habe, bis man ihn selbst enthauptete und irgendwo in den Wäldern verscharrt habe. Der kopflose Reiter sei nun auf der Suche nach seinem Kopf und würde nicht eher ruhen, bis er ihn gefunden habe...

Tim Burton begibt sich mit "Sleepy Hollow" erneut in den Märchenwald und es ist eine wenig überraschende Erkenntnis, dass er sich dort ganz vorzüglich auskennt. Herausgekommen ist ein Film von einer überwältigenden Atmosphäre, die einen aber zu keinen Zeitpunkt überfährt, nie aufgesetzt oder künstlich wirkt, sondern einfach ein perfekte Melange aus Geschichte, Stimmung und Optik bietet. Und man wünscht sich danach fast mehr davon - das eine oder andere Grimm'sche Märchen in dieser Machart... ja, das wäre was.

Doch zurück zum Film. Im Grunde ist "Sleepy Hollow" eine mystische Kriminalgeschichte. Der leicht affektierte Polizist Ichabod Crane wird in das düstere Örtchen 'Sleepy Hollow' geschickt um einige seltsame Mordfälle aufzuklären und ist nebenbei ganz allein dafür zuständig, diesem Film seinen stillen, humoresken Unterton zu verleihen. Außerdem scheint dieser Ichabod Crane die Geburtsstunde eine ganz bestimmten Rollentypus zu sein, den Johnny Depp danach immer wieder bediente. Besonders dieser eine Piratenkapitän ist das in laut, was Mr. Ichabod Crane in leise ist. Hier gefällt das umso mehr, da es eben recht still und verhalten ist.

Aber man muss hier auch gar nicht soviel Worte verlieren, da es weder die Schauspieler sind, die "Sleepy Hollow" zu solch einem Vergnügen machen, noch ist es die Story an sich. Es ist dieser dunkle Wald in den man entführt wird, diese alte Welt in der die Grenzen noch schwammig waren in Bezug darauf, was man glaubte und was nicht. Und genauso wie Dorfbewohner in einer ungewissen Angst leben, sich vor einem Phantom fürchten, oder eben auch nicht, so ist genau dieser Umstand auch der Motivationsmotor für den Zuschauer. Gibt es das wirklich? Es ist möglich, da es in diesem tiefen Wald einiges gibt. Oder will doch wieder ein Regisseur den Zuschauer nur an der Nase herumführen? Tim Burton jedenfalls scheint nicht der zu sein, der sich um so was Gedanken macht. Er will seine Geschichten erzählen, sie ausschmücken wie Märchen und den Zuschauer mit Bildern verzaubern und verführen. Er akzeptiert kleine Geschichten als das, was sie sind, solange er etwas spezielles für sich in ihnen finden bzw. sehen kann. Er plustert sie nicht auf und macht sie nicht künstlich komplizierter - was ja doch meist auch gar nicht funktioniert. Ein moderner Märchenerzähler, dass ist wohl das, was Tim Burton am besten beschreibt. Und erzählte er vorher meist Geschichten für etwas kleineren, so beginnt er mit "Sleepy Hollow" damit, nur auch Schauermär für die größeren Leute zu erzählen.

8,5/10

Montag, 11. Dezember 2017

Monkey Shines - Der Affe im Menschen (1988)

http://www.imdb.com/title/tt0095652/

Der Sportler Alan Mann (Jason Beghe) wird von einem Truck erfasst und ist danach querschnittsgelähmt. Er hat Schwierigkeiten mit der Situation umzugehen, denkt oft an Selbstmord und lässt jegliche Lebensfreude vermissen. Doch sein Freund Geoffrey (John Pankow) arbeitet an einer Lösung: er hat es geschafft, menschliche Hirnzellen in einen Affenkörper zu transplantieren und verschafft Alan dadurch eine helfende Hand im Haushalt. Das Experiment scheint sehr erfolgreich zu laufen. Alan versteht sich gut mit seinem Äffchen Ella und findet neuen Lebensmut. Doch Ella will als einziges Lebewesen in Alans Gunst stehen. Vor allem Familie Mann scheint in den Augen des Affen im Weg zu stehen und Ella begegnet den Familienmitgliedern mit Aggressionen. Ella wird immer gefährlicher und schließlich kommt es zu einem erschütternden Todesfall...

Nachdem Regisseur George A. Romero mit "Day Of The Dead" einen der wohl besten Zombiefilme aller Zeiten abgeliefert hatte, widmete er sich dem heißbegehrte Tierhorror-Genre. Überraschenderweise gelang Romero mit seinem Beitrag ein ernster und auf seine Geschichte bedachter Streifen, der sich von anderen Subgenre-Beiträgen abhebt.

"Monkey Shines" möchte eine Story erzählen und er möchte auch einen ordnungsgemäßen Spannungsbogen aufbauen. Dies gelingt aber leider nicht so ganz wie gewollt. Der Film leidet etwas an seinem langsamen, beinahe schon behäbigen Erzählstil. So richtig spannend wird es erst zum Schluss. Da allerdings entfaltet der Streifen eine gute Spannung, Atmosphäre und auch ein klein wenig Horror. Man könnte praktisch meinen, der Film traut sich zu Beginn nicht aus sich herauszugehen. Beeindruckend sind auch die Aufnahmen mit dem Äffchen "Boo". Da hier ausschließlich mit einem echten Affen gedreht wurde, gewinnen die Szenen noch mehr an Intensität. Man hätte dem Affen einen Oscar verleihen sollen. Romero gab sich mit seinem Killer-Äffchen-Streifen sichtlich Mühe. Zwar kam hier kein Meisterwerk zum Vorschein, aber immerhin ein ganz guter und streckenweise spannender Film, der nicht viel Wert auf blutige Effekte legt, sondern seiner Geschichte treu bleibt. "Monkey Shines" ist mit Sicherheit einen Blick wert, denn auch wenn der Film viel zu spät richtig Fahrt aufnimmt, einen gewissen Reiz hat er schon.

6/10

Von NSM Records kommt der Film hierzulande ungeschnitten und in HD im auf 222 Stück limitierten Mediabook:

Sonntag, 10. Dezember 2017

Drive Angry 3D (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1502404/

John Milton (Nicolas Cage) ist zwar seit Jahren tot. Doch das hindert den Schwerkriminellen keineswegs darin, aus der Hölle auszubüchsen und sich an die Fersen einer satanischen Sekte unter der Führung des irrsinnigen Apokalyptikers Jonah King (Billy Burke) zu heften. Die nämlich haben nicht nur seine Tochter verführt und schlussendlich umgebracht, sondern wollen nun gleich noch seine kleine Enkeltochter auf den Opfer-Altar bringen, um so den Leibhaftigen auf die Erde zu rufen. Der ärgert sich derweil enorm über Miltons Ausbruch und hetzt ihm seine rechte Hand hinterher – den „Buchhalter“ (William Fichtner). Dem rätselhaften Hölleburschen fällt es leicht, der Spur der Verwüstung zu folgen, die Milton und seine Begleiterin Piper (Amber Heard) derweil angerichtet haben. Dann schaltet sich auch noch die Polizei ein...

Ein Film wie ein Sampler. Er stopft Elemente von Filmhits aus den letzten Jahren ineinander: das ganze hat Anteile von "Death Proof", "Shoot 'em Up", "Crank" und diversem Fantasykram. Heraus kommt eine wilde Mischung, die man hemmungslos genießen kann wenn man ein paar Abstriche macht: zum Beispiel Nicolas Cage. Mit der schlechtesten Frisur überhaupt (dagegen war selbst die "Con Air"-Matte kleidsam) gibt er den eiskalten Rächer, was aber nicht viel mit Schauspielerei zu tun hat und wäre der Film nicht aufwendig genug fürs Kino wäre dies die Eintrittskarte in die "Direct-to-DVD"-Hölle.


In der Tat ist eine ganze Menge zusammengeklaut, insbesondere die Szene in der Cage Sex hat während drum herum die Schurken einfallen und er den Beischlaf nicht unterbricht während er in alle Richtungen ballert – das wirkt wie Copy and Paste aus "Shoot 'em Up". Aber die Pluspunkte überwiegen trotzdem: Amber Heard hat zwar eigentlich nur die klassische Rolle der Frau, ist aber als flotter Hingucker atemberaubend und gibt einen höchst sympathischen Charakter mit Seele, William Fichtner hat scheinbar einen Heidenspaß als fieser Höllenvollstrecker und kann sich das fröhliche Grinsen kaum aus dem Gesicht wischen - und dann ist da noch der "Rausch": der Film setzt auf ein hohes Tempo und zieht den Zuschauer geradezu mit, das Actionlevel ist hoch und der Adrenalinrausch immens.

Da muss man es auch verkraften dass es - gelinde gesagt -ultra-brutal zugeht; man kann es kaum anders beschreiben. Insbesondere kommt die Nummer natürlich gut in 3D. Da fliegen Körperteile aus der Leinwand das es eine wahre Freude ist. Unterm Strich ist der Film hochpolierter Edeltrash: übelst mies eigentlich, aber spannend, vergnüglich und mitreißend. Auch wenn die Szene mit dem Tanklaster der übelste Spezialeffekt sei langem ist. Hirnverbrannt und dumm, aber irgendwie ein Heidenspaß.

6/10

Freitag, 8. Dezember 2017

아가씨 - Agassi - The Handmaiden - Die Taschendiebin (Langfassung) (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4016934/

Korea in den 1930er Jahren, während der Besatzung durch die japanischen Invasoren: Die junge Sookee (Kim Tae-Ri) ist eine gerissene Taschendiebin, die sich von der reichen japanischen Erbin Hideko (Kim Min-Hee) als Dienstmädchen einstellen lässt. Sookee zieht auf das abgelegene Anwesen, auf dem Hideko völlig zurückgezogen mit ihrem Onkel Kouzuki (Jin-Woong Cho) lebt. Was Hideko allerdings nicht weiß: Sookees Anstellung als Dienerin ist Teil eines perfiden Plans, den sie zusammen mit einem Heiratsschwindler (Jung-Woo Ha), der sich als Graf Fujiwara ausgibt, ausgeheckt hat. Der falsche Graf und das Dienstmädchen planen, die junge Erbin um ihr gesamtes Vermögen zu erleichtern. Und zunächst läuft alles wie am Schnürchen – bis ganz unerwartet Sookee und Hideko echte Gefühle füreinander entwickeln...

Der Originaltitel des zehnten Films des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-Wook, "Agassi" bedeutet so viel wie "Lady" und transponiert die Handlung vom viktorianischen England in das von Japan besetzte Korea der 1930er Jahre. Die in ärmlichen Familienverhältnissen aufgewachsene Sook-Hee (Kim Tae-ri) wird in das Anwesen der jungen Lady Hideko (Kim Min-hee) als deren Dienerin eingeschleust, um sie dazu zu bewegen, den undurchsichtigen Grafen Fujiwara (Ha Jung-woo) zu heiraten, der sich ihr Erbe durch einen Hochzeitsschwindel erschleichen will. Hideko kann das Erbe als Alleinstehende nicht selbst antreten und muss dazu heiraten. Weiterhin plant Graf Fujiwara Hideko anschließend in eine Irrenanstalt einweisen zu lassen und sich das Geld dann mit Sook-Hee zu teilen. Allerdings muss auch Hidekos Onkel Kouzuki (Cho Jin-woong) umgangen werden, der durch eine Heirat seiner eigenen Nichte ebenfalls an deren Erbe gelangen will.

Je weniger man vorweg vom Verlauf von "Die Taschendiebin" erfährt, umso besser kann man sich von den vielen Wendungen des Handlungsverlaufs überraschen lassen, und davon hat der Film eine Menge, bis zu einem bestimmten Punkt im Film an dem die komplette Geschichte um 180 Grad kippt und den Zuschauer völlig im Regen stehen lässt. Dabei ist der Film so gut in seiner Erzählweise konstruiert, dass dieser Twist absolut reibungslos wirkt und man sich gefühlt nahtlos in diese neue Richtung mitreißen lassen kann. Wovon der Film ebenfalls eine Menge hat, ist Sex. Generell ist die Geschichte über weite Strecken erotisch sehr stark aufgeladen und gipfelt in einer der expliziteren Sexszenen des modernen Mainstream-Kinos. Dennoch verkommt diese überdeutliche Darstellung niemals zum Selbstzweck, sondern ist absolut relevant für den Verlauf der Geschichte, die Entwicklung der Charaktere und die emotionale Bindung (oder auch) Distanzierung der Figuren. Schauspielerisch bewegt sich "Die Taschendiebin" ebenfalls auf dem höchsten Level. Gerade die beiden Hauptdarstellerinnen sind absolut glaubhaft und bis auf einen kleinen Moment von Kim Min-Hee, der allerdings auch nur den Bruchteil einer Sekunde ausmacht, war ich durch die Leistung aller Beteiligten von Anfang bis Ende in der Geschichte gefangen.

Etwas im Film verdient noch einen eigenen kleinen Absatz in dieser Rezension, und damit ist das Haus gemeint, in dem die Ereignisse der Geschichte stattfinden. Wie bei Stanley Kubriks "The Shining" oder Norman Bate’s Motel aus "Psycho" hat das Anwesen in "Die Taschendiebin" einen eigenen Charakter und wirkt wie ein lebender, atmender Organismus. 


Es ist ein gewaltiges Anwesen, in das die junge Sookee einzieht. Ein Anwesen, das sich in elegante Speisesäle, winzige Schlafkammern und eine düstere Bibliothek verästelt. Halb viktorianisch, halb traditionell japanisch erscheint es wie Kintsugi-Porzellan, zusammengekittet aus den Scherben zweier Kulturen. So wie das Haus mehrere Epochen der Architektur in sich vereint, so führt auch "Die Taschendiebin" verschiedene Fragmente zusammen: die Geschichte des virtuosen Thrillers entstammt Sarah Waters im viktorianischen England angesiedelten Roman "Solange du lügst", doch Park Chan-wook verlegt sie in das japanisch besetzte Korea der Dreißigerjahre den 20. Jahrhunderts, das er in opulentem Szenenbild und nicht minder akribisch gearbeiteten Kostümen präsentiert. Der Stil kreuzt westliche Gotik mit traditionell japanischem Baustil. Alles in diesem Gebäude hat Struktur, stark gemusterte und im Stil konträr laufende Tapeten, extrem kräftige und dunkle Farben, und der stete Wechsel zwischen klaustrophobisch wirkenden Korridoren und weitläufigen Eingangshallen und Gärten werden von Regisseur Park Chan-Wook mit absoluter Perfektion in Szene gesetzt. Durch die Verwendung der Arri Alexa in Kombination mit einer anamorphen 1974er Kameralinse von Hawk und der meisterhaften Beleuchtung schafft Park es, ein visuelles Meisterwerk auf die Leinwand zu bringen. Es ist ein wunderschöner Film.

Jo Yeong-Wook komponierte einen Soundtrack, der permanent Gänsehaut verursacht. Gerade das Stück "My Tamako, My Sook-Hee" ist der Wahnsinn und begleitet die beste Szene im Film. Die Musik erzeugt Spannung oder unterstreicht Humor, wenn es nötig ist, und trägt in den richtigen Momenten zur emotionalen Tragweite der Szenen bei. Ein Soundtrack, wie er funktionieren und klingen muss. Dadurch dass viele der Stücke Walzer sind, wirkt der klassische Soundtrack oft sehr europäisch und erzeugt hier und einen Moment oder ein Gefühl, das vielleicht an Filme wie "Die fabelhafte Welt der Amelié" erinnert.

Die Langfassung von "Die Taschendiebin" hat eine Lauflänge von 168 Minuten und ist somit 24 Minuten länger als die Kinofassung. Nichtsdestotrotz kann man nicht so weit gehen, die Langfassung als "ungeschnitten" oder gar als "Director’s Cut" zu bezeichnen. Park Chan-Wook erzählte in einem Interview, er habe sich im Grunde von den Koreanischen Fans dazu breitschlagen lassen, so viel von dem gedrehten Material im Film unterzubringen, wie nur irgend möglich, und brachte den Film mit längerer Laufzeit für eine exklusive, einmalige Aufführung ins Kino und veröffentlichte ihn anschließend auch in dieser Fassung für koreanisches PayTV. Aufgrund der Tatsache, dass jedes Standbild ein Gemälde ist, durchaus nachvollziehbar. Und auch, wenn man bereits die Kinofassung wirklich gut fand, ist die Langfassung aus allen soeben genannten Gründen definitiv die zu bevorzugende Fassung.

9/10

Von KOCH Media erschien der Film in der "Limited Collector's Edition" im Hardcoverschuber mit umfassenden Buch zum Film, Setcards und natürlich der Kino- und Langfassung auf DVD und Blu-ray.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Wrecker - Wrecker: Death Truck (2015)

http://www.imdb.com/title/tt4227282/

Emily (Anna Hutchison) und Lesley (Andrea Whitburn) machen einen Road Trip durch die Wüste. Zunächst haben die besten Freundinnen noch Spaß, doch dann entscheidet sich Emily für eine Abkürzung über eine wenig genutzte Straße. Dort rücken sie ins Visier eines mörderischen Truckers, der von nun an nichts unversucht lässt, um die beiden mit seinem massiven Gefährt von der Straße zu drängen...

"Wrecker: Death Truck" ist der hässliche, peinliche, kleine Möchtegern-Doppelgänger von Filmen wie "Joy Ride" und "Duell". Nur leider ist dieses Machwerk hier auf mehreren Ebenen seinen Vorbildern alles andere als ebenbürtig. Neben den von Anfang an völlig talentfreien Darstellern bis zu den sich immer wiederholenden Szenarien ist dieser Film eine einzige Qual. Die Fahrzeuge fahren völlig sinnfrei die immergleichen Streckenabschnitte hin und her. Dazu Filmfehler, die selbst ein Blinder bemerkt: mal spiegelt sich das Kamerafahrzeug im Lack wieder, mal tauchen in einer Einstellung mehrere Fahrzeuge auf, nur um Sekunden später bei der nächsten Einstellung wieder verschwunden zu sein und ständig tauchen Objekte binnen Sekunden mal auf der Fahrer-, mal auf der Beifahrerseite auf.

Kurzum: All jene Filmfehler, die von Komödien wie "Black Dynamite" genüsslich aufs Korn genommen werden, werden hier unverblümt und mit der vollen Ernsthaftigkeit begangen. Ansonsten wird hier völlig ungeniert auf der gesamte Klischee-Klaviatur dieses Genres gespielt. Man ist sich hier wirklich für keine Plattitüde zu schade und unterm Strich bietet "Wrecker" damit nicht nur flache Charaktere, miese Dialoge und dumme Handlungsverläufe, sondern auch extreme Blutarmut und kaum Spannung. Und das ist nicht gerade das, was man von einem Film erwarten würde, in dem die Protagonisten bei 120 Meilen pro Stunde über schmale Bergpässe gejagt werden...

3/10

Montag, 4. Dezember 2017

Colors - Colors: Farben der Gewalt (Unrated Cut) (1988)

http://www.imdb.com/title/tt0094894/

Die Straßenbanden von Los Angeles: Sie sind fast noch Kinder, bekämpfen sich aber bis aufs Blut. Um die Welle der Gewalt einzudämmen, setzt eine Spezialeinheit des LAPD den erfahrenen Polizeioffizier Bob Hodges (Robert Duvall) auf die Jugendlichen an. Ihm zugeteilt wird der junge Danny McGavin (Sean Penn). Doch mit seinem aggressiven Verhalten bringt der heißspornige Neuling schnell die Gangs gegen sich auf. Die beiden völlig gegensätzlichen Cops finden sich schon bald mitten im Krieg zwischen den rivalisierenden Bloods und den Crips wieder, die selbst vor Mord - auch an Polizisten - nicht zurückschrecken...

Mit "Colors" gelingt Dennis Hopper 1988 ein erstaunlich stilsicherer Blick auf die Gang-Szene von Los Angeles und gleichzeitig ein herausragender Beitrag zum sogenannten Police-Procedural-Film. Die Grundkonstellation von "Colors" dürfte dem Zuschauer bekannt vorkommen: ein Copthriller aus Los Angeles mit einem erfahrenen Polizisten und einem jungen Heißsporn als schicksalsträchtiges Doppelgespann. Probleme sind natürlich vorprogrammiert. Nur spielt es nicht wie im sehr populären Fuqua-Streifen "Training Day" zur Jahrtausendwende, sondern Ende der 80er Jahre. Es ist ein Buddy-Movie, dem allerdings der kumpelhafte Humor anderer Vertreter wie "Red Heat" aus dem gleichen Jahr und der "Lethal Weapon"-Reihe abgeht. Die Konstellation des erfahrenen Cops, der einen Rookie unter seine Fittiche nimmt, war auch 1988 nicht mehr neu, wird aber von Robert Duvall und Sean Penn mit feinfühliger Schauspielkunst zum Leben erweckt. Hopper führt den Zuschauer mit voller Inbrunst in diese Zeit zurück. Da reicht es schon, wie die Kameraführung es im Vorspann vollführt, lediglich aus dem fahrenden Polizeiwagen auf die unterschiedlichsten Straßenzüge zu blicken.

Wie es Dutzende Filme vor und nach ihm gezeigt haben, hatte die Stadt immer ihre Vorzüge und zugleich ihre Schattenseiten. Eine solche sind die blutigen Bandenkriege, womit der Film sogleich startet und damit auch Bezug auf die damalige Realität genommen hat (unter anderem die real existierenden Gangs namens 'Crips' und 'Bloods'). Die Aufklärung einer Schießerei bildet den Auftakt, dessen Handlungsstrang aber neben der charakterlichen Ausgestaltung unserer beiden Protagonisten vergleichsweise locker weitergeführt wird. In diesem Fall kann man das dennoch sehr mögen. Sowieso ist die große Stärke des Films viel mehr die detaillierte Gesellschaftsstudie und ein Einblick in den generellen Umgang der Polizeiapparate mit diesem Thema. Sanfter, abgeklärter Kumpelton oder hartes, konsequentes Eingreifen? Die beiden tollen Hauptdarsteller Robert Duvall und Sean Penn verkörpern diesen Kontrast durch ihr Auftreten auf sehr eindrucksvolle Weise, ohne jedoch dies unnötig plakativ auszureizen. Final wird die ansonsten sehr differenziert ausgearbeitete Geschichte nachvollziehbarerweise auf einen dramatischen Höhepunkt zulaufen, mit einer sehr interessanten Epilogszene hat Hoppers Regiearbeit einen starken Nachhall hinterlassen. Gutes Ding.

7/10

Von CAPELIGHT PICTURES erschien der Film in beiden Versionen (Kinofassung und der hier besprochene Unrated Cut) in HD in einem tollen Mediabook in VHS-Optik:

Sonntag, 3. Dezember 2017

Dr. Giggles (1992)

http://www.imdb.com/title/tt0104139/

Der kleine Evan muss miterleben, wie sein Vater, ein angesehener Arzt, zum gefährlichen Serienkiller wird, in der Hoffnung, die todkranke Mutter zu retten. Viele Jahre später entkommt der inzwischen erwachsene Evan aus seiner Nervernheilanstalt, nachdem er einen Wachmann im Operationssaal einer sehr tödlichen Behadnlung unterzogen hat. Er kehrt zurück in seine Heimatstadt Moorehigh und ist vom gleichen Wahn getrieben wie sein Vater - um jeden Preis das passende Herz zu finden. Dabei will er auch gleich den Mord an seinem Vater rächen, den die Bewohner damals lynchten.

"Dr. Giggles" ist eine unterhaltsame Slasher-Komödie, der es leider an Spannung fehlt. Dafür ist die Handlung aber generell recht ausgewogen und wird in angemessener Geschwindigkeit erzählt, sodass keine Längen entstehen. Außerdem kann Larry Clarke viel überbrücken, da er den psychopathischen Arzt Dr. Giggles herrlich skurril spielt, ihn jedoch hätte vielleicht etwas beängstigender praktizieren lassen können. Doch da so ein Arztkoffer zum Glück viel hergibt, fallen seine alternativen Behandlungsmethoden ideenreich und teilweise herrlich makaber aus. Zudem sind auch die Einsatzorte abwechslungsreich gestaltet und er hat immer einen passenden, sarkastischen Spruch auf den Lippen. Leider wird vieles nur angedeutet oder passiert im Off. Außerdem hätte neben den bissigen Kommentaren noch etwas schwarze Situationskomik nicht geschadet. Geschenkt.

Neben dem Haupt-Handlungsstrang gibt es noch zwei weitere. Und zwar bekommt man noch einige Passagen aus Dr. Giggles Kindheit zu sehen, die dem Zuschauer nahelegen, woran sein Vater arbeitete, was die Bewohner aufgrund dessen mit ihm anstellten, wie der Kicher-Knirps entkommen konnte und warum er zum verrückten Doktor wurde. Ein weiterer Handlungsstrang handelt von Jennifer Campbell (Holly Marie Combs), die mit einem Herzklappenfehler zu kämpfen, Probleme mit der Stiefmutter und den üblichen Stress mit dem Freund hat. Doch Jennifer ist auch die perfekte Patientin für Dr. Giggles, um das unvollendete Werk seines Vaters fortzuführen. Also dauert es nicht lange, bis sich beide in die Arme laufen. Das heißt, dass beide sogar etwas charakterliche Tiefe bekommen. Nicht schlecht. Auch das Finale enttäuscht nicht und deswegen ist - insgesamt betrachtet - "Dr. Giggles" dem Genre-Freund durchaus zu empfehlen.

6,5/10

Von X-CESS ENTERTAINMENT erschien der Film uncut und in HD im limitierten Mediabook.