Sonntag, 22. Oktober 2017

The Legend Of Awesomest Maximus - 301: Scheiß auf ein Empire (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1059887/

Die Menschen der Antike huldigen ihrem Helden, einer wahren Lichtgestalt, dem Mann unter den Männern: Deppus Maximus (Will Sasso)! Er ist der größte General seiner Zeit und nebenbei ein echter Stümper. Griechenland und Troja befinden sich im Streit. Um einen Krieg zu verhindern wird General Maximus von Looney (Rip Torn), dem König von Troja, mit einem Friedensvertrag zu König Erotik (Khary Payton) von Griechenland geschickt. Doch die Mission wird gefährdet, denn der trojanische Prinz Orlando (Gary Lundy) verliebt sich in Ellen (Sophie Mink), die schöne Frau des griechischen Königs. Währenddessen hat Maximus Streit mit seiner Frau Hotessa (Kristanna Loken) und bereitet sich auf den Kampf gegen den starken Testiclees (Ian Ziering) vor – einem wilden Krieger mit den Bauchmuskeln eines Gottes. Doch das ist längst nicht alles, Maximus' Männer müssen sich zahlreichen weiteren Herausforderung stellen, wie etwa einem riesigen trojanischen Holzpenis...

National Lampoon's "301" reiht sich nahtlos in all die wirklich schlechten Komödien der letzten Jahre ein. Übertriebene Anspielungen (wobei man das schon nicht mal mehr 'Anspielungen' nennen kann) auf sexuelle Handlungen, riesige Holzpenisse oder übermäßig versaute Andeutungen - wer kann wirklich noch darüber lachen? Keiner, der nicht ein Mindestmaß an Niveau hat. Immerhin rutscht aber "301" nicht komplett auf de Schiene des "Pipi-Kaka"-Humors ab, sondern behält gerade noch so ein wenig Oberwasser.  Das Highlight des Films, wenn man es so überhaupt nennen kann, war das Intro. Ansonsten gab es nur eine weitere Szene, die man ansatzweise lustig finden kann - und das war das "Footballspiel". Ian Ziering tut das, was er am besten kann: er "glänzt" in seiner Rolle als Testiclees (das hiesige Pendant zu Achilles), der - ähnlich wie das mythische Vorbild - nur dort verletzt werden kann, was später die Bezeichnung dafür sein wird. Genau. Hilfe!

Ansonsten sticht der Film höchstens noch durch den recht hohen Tittenfaktor und die damit verbundene Fleischbeschau hervor. Aber um ein paar nackte Brüste und sich räkelnde minimalbekleidete Frauen zu sehen, braucht den Film keiner. Skurril-ansehnlich war ansonsten nur noch die "heiße" Sexszene mit Kristanna Loken. Aber wer sich dafür diesen Film reinzieht, ist mindestens masochistisch veranlagt. Eigentlich hat dieser auf Krampf zusammengewürgte Schnodder aus "Troja", "Alexander", "Gladiator" und "300" gar keine Punkte verdient, aber für Intro, die Footballszene und den Tittenfaktor, der einem zwischendurch wie Seelenbalsam vorkommt, kann man Gnaden(stoß)punkte vergeben. Und welche Blitzbirne auch immer auf die Idee gekommen ist, den titelgebenden "Helden" "Awsomest Maximus" mit "Doofus Maximus" zu übersetzen, gehört standrechtlich erschossen.

3,5/10

Freitag, 20. Oktober 2017

Addams Family Values - Die Addams Family in verrückter Tradition (1993)

http://www.imdb.com/title/tt0106220/

Onkel Fester (Christopher Lloyd) verguckt sich in das neue Kindermädchen Debbie (Joan Cusack), das vorgibt, mit der ungewöhnlichen Familie zurechtzukommen, aber ein dunkles Geheimnis birgt. Sie plant, Fester zu heiraten und nach der Hochzeit zu töten, um die Versicherungsprämie zu kassieren. Da Wednesday (Christina Ricci), eines der Kinder aus der Addams-Family, Debbies schändlichen Plan durchschaut hat, sorgt das pfiffige Kindermädchen dafür, dass Wednesday in ein Sommercamp abgeschoben wird. Aber die Möglichkeit, ungestört Onkel Festers Tod herbeizuführen, nützt Debbie wenig, weil gängige Methoden völlig wirkungslos bleiben und bei den Mitgliedern der Addams-Fmily nur zur Erheiterung beitragen...

"Die Addams Family in verrückter Tradition", die Fortsetzung zur 1991er Serien-Adaption "Die Addams Family", hat etws inne, was nicht viele Fortsetzungen von sich behaupten können: sie ist gleichauf mit dem schon großartigen ersten Teil. Die Sprüche sind sogar fieser und pointierter, die Szenen makaberer und die Story ist unterhaltsam. Ausgereift und perfekt, weiß "Die Addams Family in verrückter Tradition" durchgehend zu unterhalten und einem ständig ein fieses Lächeln auf die Lippen zu zaubern.

Szenen wie das ständige Umbringen-Wollen des Babys oder das "Casting" der Babysitterinnen sind nur der Auftakt. Mit dem Auftauchen von Joan Cusack gehts erst richtig los. Die spielt die fiese Babysitterin und mörderische Schwarze Witwe so durchtrieben, hassenswert und durchgedreht, dass es eine wahre Freude ist. Fester kann einem schon leid tun, obwohl gerade seine ständigen Überlebenskünsten einen oft zum Lachen bringen. Lloyd und Cusack sind ein "Traumpaar" und spielen Huston und Julia, ja in Teil 1 noch die uneingeschränkten Hauptfiguren, problemlos an die Wand und degradieren sie zu beinahe Nebenfiguren.

Aber der eigentliche Star ist diesmal ohne Wenn und Aber Christina Ricci. Tochter Wednesday im ach so fröhlichen Sommercamp ist einfach in jeder Sekunde komisch, und diese merkwürdige Mädchen in Schwarz bringt einen bösen Spruch nach dem anderen und ist durch ihre Gesichtsblässe und Kaltschnäuzigkeit einfach nur gespenstisch. Das Highlight: Wednesday versucht sich, anzupassen, und zwingt sich unter enormen körperlichen Anstrengungen ein Lächeln aufs Gesicht. Grandios! Dazu kommen dann noch u.a. das mörderische Thanksgiving-Schauspiel oder das Foltern der unanständigen Kinder, denen Fröhlichkeit mit Hilfe von Disney-Videos aufgezwungen wird. Verrückte Ideen im Minutentakt sorgen somit für Unterhaltung pur. Von Vetter It will man da erst gar nicht anfangen. Genial.

8/10

Monster Trucks (2016)

http://www.imdb.com/title/tt3095734/

Nichts wie weg aus seiner Heimatstadt in North Dakota und dem damit verbundenen Leben, das ist der Traum, den Highschool-Schüler Tripp (Lucas Till) lieber früher als später in die Tat umsetzen würde. Früh machte sich sein Vater aus dem Staub, weshalb er ohne ihn aufgewachsen ist und das Verschwinden des Papas nie ganz überwunden hat. Wohl auch deshalb gerät er häufiger mal in Schwierigkeiten. Um aber endlich aus der Stadt verschwinden zu können, braucht er ein Auto, doch sein aus Einzelteilen selbstgebauter Truck fährt nicht mehr. Nach einer Reihe von mysteriösen Unfällen trifft Tripp eines Tages auf ein merkwürdiges, aber harmloses Monster, das eine Vorliebe für hohe Geschwindigkeiten und Benzin hat und gern den Motor in Tripps Truck ersetzt – das Ticket, um die Stadt zu verlassen. Doch Tripps neuer Freund hat auch Feinde und er muss ihn gemeinsam mit seinen Freunden Meredith (Jane Levy) und Sam (Tucker Albrizzi) beschützen...

Die Grundidee ist so absurd, kindlich naiv und lachhaft, das es bei vielen wohl das Kind im Manne hervor holt. Bei dem anspruchslosen Außenseiterabenteuer darf man sich schon fragen, an welche Zielgruppe es eigentlich gerichtet ist. Immerhin geht es hier um ein graufarbenes , tentakeliges CGI-Monster, das sich von Öl ernährt, sich auf einem Schrottplatz mit einem Teenie anfreundet und sich dann in einen Truck versteckt, weil bewusstes Monster natürlich auch gejagt wird. Nebenbei macht das schleimige Tentakelmonster den schrottreifen Truck wieder fahrtüchtig und fungiert als Motor, was zu ganz unglaublichen Vefolgungsjagden führt. Aber Filme wie diesen braucht es. Und zwar sehr, allerdings nur in einem bestimmten Alter. Dies ist so ein Titel, den man als Grundschüler problem- und gefahrlos sehen kann und vermutlich unwahrscheinlich cool findet: Aliens die in Autos kriechen, jugendliche Helden die mit aufgemotzten Karren dann durch die Gegend brettern und eben jede Menge gewaltfreier Action. Dabei sei gesagt daß die technische Umsetzung solide ist, der Held liebenswert und die Aliens zwar Zahnbewehrt und schleimig, aber auch unglaublich niedlich und knuddelig; ebenso daß Jane Levy im Film ist was auch immer einen Pluspunkt darstellt. Am Ende ein putziges Filmchen mit - eben Monstern und Trucks. Dass es bei genauerer Betrachtung das ein oder andere Logikloch gibt und alles doch recht spannungsarm vonstatten geht: geschenkt.  "Monster Trucks" ist eben ein Kinderfilm aber auch für junggebliebene und nicht verbohrte Erwachsene durchaus einen Blick wert.

6,5/10

Divergent - Die Bestimmung: Divergent (2014)

http://www.imdb.com/title/tt1840309/

Das Chicago der Zukunft ist abgeschnitten von der Außenwelt und die Menschen werden entsprechend ihrer Eigenschaften in fünf unterschiedliche Gruppen eingeteilt. Sie heißen Ferox (die Furchtlosen), Altruan (die Selbstlosen), Cadnor (die Freimütigen), Ken (die Gelehrten) und Amite (die Friedfertigen). Wenn die jugendlichen Bewohner 16 Jahre alt werden, bekommen sie die einmalige Möglichkeit, ihre Fraktion zu wechseln. Beatrice Prior (Shailene Woodley) ist in der Altruan-Fraktion aufgewachsen, war aber nie ganz zufrieden damit. Bei ihrem Eignungstest erhält sie allerdings ein außergewöhnliches Ergebnis: Mit ihren Charaktereigenschaften passt sie zu drei Fraktionen – damit ist sie eine „Unbestimmte“. Die gelten als gefährlich für den gesellschaftlichen Frieden und werden deshalb unter dem Kommando der skrupellosen Jeanine Matthews (Kate Winslet) gejagt. Beatrice muss fortan ihre wahre Identität verbergen und sich für eine Fraktion entscheiden. Während Beatrice ihrem Trainingsleiter Four (Theo James) immer näher kommt, macht Konkurrent Peter (Miles Teller) der jungen Frau das Leben zur Hölle...

Ähnlich wie die "Tribute von Panem" bewegt sich auch "Die Bestimmung: Divergent" als Jugendroman-Verfilmung mit negativer Utopie-Attitüde in etwa gleichen Gefidlen. Diese Filme haben ja zur Zeit Hochkonjunktur. Alle wollen vom "Panem"-Kuchen ein Stück abhaben. So ist der überlange Action-Sci-Fi-Blockbuster "Die Bestimmung" nur ein weiteres Zielgruppen-Vehikel, das sein jugendliches Publikum dort abholen möchte wo es angeblich steht, mit ihren Sehnsüchten, Unsicherheiten und Lebenswirklichkeiten.


Die Grundidee, die zugegebenermaßen durchaus Parallelen zu vorgenanntem Film aufzuweisen hat, weiß prinzipiell erst einmal zu überzeugen. So wird in der ersten halben Stunde auch auf eine dichte Atmosphäre gesetzt, die ein Ambiente schafft, dass den Zuschauer gespannt bei der Sache werden lässt. Das Ganze wird dann noch von einer großartigen Besetzung gekrönt, vor allem Shailene Woodley und Miles Teller überzeugen. Kate Winslet fühlt sich ein wenig unterfordert an, gern hätte man von ihr mehr gesehen. Doch nach der ersten halben Stunde schwächt die Story aber deutlich ab. So kann der Plot nicht mehr so recht überzeugen, bzw. wird ein wenig monoton und auch die Inszenierung wirkt streckenweise mehr und mehr fahrlässiger.


So löst sich die Anfangs so dichte Atmosphäre nahezu in Luft auf und auch der Soundtrack ebbt in stoische Klangwelten ab, die vielleicht anfangs noch gut einleiten, gegen Ende hin aber auch mehr und mehr gewöhnlich klingen und die Szenerie geradezu beiläufig untermalen. Das ist eigentlich nicht schlecht, aber hier fällt es besonders negativ auf. Im Sinne von "gewollt und nicht gekonnt". So werden verschiedene Remixe von aktuellen Chart-Hits verwendet, was leider ziemlich einfallslos wirkt.

Zudem bekommen viele Charaktere auch nicht genügend Raum, um sich zu entwickeln. Dadurch verliert man sie schnell aus dem Sinn und kann hat kaum einen Protagonisten, mit dem man sich identifizieren kann. Durch diese wenigen, jedoch grundlegenden, Schwächen wirkt besonders die zweite Hälfte des Filmes relativ langatmig. Zusammenfassend weist "Divergent" durchaus gute und sogar recht spannende Ansätze auf, kann diese jedoch nicht weiter ausbauen. Ebenso ist es mit dem romantischen Unterton, der den Film umhaucht, so stimmt zwar die Chemie zwischen Woodley und James, sie wird jedoch nicht weiter vertieft, sondern bleibt stets oberflächlich. Unterm Strich kann man nur bedingt eine Empfehlung für "Divergent" aussprechen. Er hat durchaus seine Momente und gerade das erste Viertel ist sehr stark. Schade, dass das Ganze dann ein wenig im Sande verläuft, so dass am Ende kein vollends gelungener Eindruck zurückbleibt.

6/10

Donnie Brasco (1997)

http://www.imdb.com/title/tt0119008/

FBI-Spitzenmann Joe Pistone (Johnny Depp) schleust sich als Undercover-Agent Donnie Brasco in die Mafia ein. Vier Jahre liefert er - völlig auf sich und seine Fähigkeiten angewiesen und unter ständiger Lebensgefahr - dem FBI wichtige Informationen über den Gangster-Clan, um die Bande für immer zu zerschlagen. Immer tiefer und tiefer gerät Donnie in den Sog der Kriminalität. Schließlich wird er zur rechten Hand des berüchtigten Mafioso Lefty Ruggiero (Al Pacino), dessen Vertrauen und Freundschaft er gewinnen kann. Als den Gangstern klar wird, dass in ihren Reihen ein Verräter sitzt, bleibt Donnie Brasco nur noch eine Chance. Auf der Flucht vor den skrupellosen Killern der Mafia muss er Lefty dem FBI ans Messer liefern, bevor es ihm selber an den Kragen geht...

"Donnie Brasco" ist in einfachen Worten ausgedrückt eine mehr als gelungene Mafia-Milieustudie. Zumal der Streifen nicht die in Saus und Braus lebenden Clanbosse zeigt, sondern sich auf die in prekären wirtschaftlichen Verhältnissen lebenden Kleinganoven fokussiert. Die dazu passende, leicht angegrindelte Sechziger-Jahre-Optik tut ihr übriges und schafft einen stimmigen und mit guter Atmosphäre gefällig inszenierten Mafiathriller. Dabei sind echte Spannungspunkte eher dünn gesät, die ruhige Grundstimmung punktet mehr mit einer latent interessanten Thematik. Inszenatorisch weitestgehend sachlich bis unspektakulär mutet Donnie Brasco somit wie eine nüchterne, faktentreue Wiedergabe der realen Ereignisse an. Ganz so ist es nicht, denn Mike Newell fokussiert sich eindeutig auf die Beziehung seiner beiden Hauptfiguren und das massive Identitäts- und Loyalitätsdilemma welches damit einhergeht. Allein deswegen war die Überlänge absolut nötig, dadurch konnten die Hintergründe und die Charaktere gut ausgeleuchtet werden, was dem Streifen viel an Tiefgründigkeit beschert.

Interessant vor allem die Figur des Lefty (Al Pacino), einem Verlierer innerhalb des Verbrecherclans, ein kleines Rädchen im Getriebe, das durch seine Ungeschicklichkeit immer ein solches bleiben wird. Im beruflichen Umfeld kommen einem solche Typen immer wieder mal unter, kleine Schreibtischtäter, die – wie man so schön sagt - eine große Zukunft hinter sich haben. Lefty erkennt und versteht die Mechanismen der Organisation, kann diese für sich aber nicht vollends ausschöpfen. Anders als Joe/Donnie (Johnny Depp), der die Gunst der Bosse rasch zu erringen weiß und eine entsprechende 'Karriere' beginnt. Bei diesem ist vor allem die charakterliche Wandlung von Joe zu Donnie von Interesse, macht er sich den Mafia-Habitus mehr und mehr zu eigen (bzw. muss es machen), entfremdet sich damit von seiner Frau und seiner Familie und nähert sich zunehmend der Clan-Familie an. Das erklärt sich natürlich mit der Gefahr, in der Joe und seine Familie schweben, ist aber auch aus jenem Aspekt interessant, dass ein Mensch ja auch immer das Produkt seiner Umwelt ist. Anpassung, das sogenannte Hineinwachsen in ein Umfeld, eine Firma, eine Clique. Joe droht sich in dieser Rolle zu verlieren, das FBI zieht die Reißleine jedoch rechtzeitig. Bei der Ehrung seiner Verdienste meint der aufmerksame Zuschauer, sogar etwas Wehmut über den Verlust seiner ihm während der Operation ans Herz gewachsenen Verbrecher-Freunde zu erkennen.

Vom erfahrenen Cast bekommt man in "Donnie Brasco" durch die Bank weg Qualität geboten, die zum Großteil bekannten Darsteller machten ihre Sache sehr gut. Al Pacino und Johnny Depp ein kongeniales Duo, stellte die Befindlichkeiten ihrer Charaktere und die Beziehung ihrer Figuren zueinander gut dar. Vor allem Pacino passte die Rolle wie die Faust aufs Auge. Michael Madsen tat, was er am Besten konnte, den unterschwelligen Psychopathen mit latent vorhandenem Aggressionspotential kann er wie kein zweiter. Anne Heche als zunehmend verzweifelte Ehefrau spielt ebenfalls sehr glaubwürdig. Alle anderen schwanken von solide bis gut. Obwohl der Film mit den erlösenden Worten "Komm Joe, wir gehen nach Hause" die Story um Joe Pistone versöhnlich abschließt, die finale, die wichtige Szene spielt sich eigentlich vorher ab. Lefty, der mit all seinem erlernten Anstand nicht mit dem Schicksal hadert, sondern es wie ein echter Wise Guy hinnimmt. Wie ein Mann von Ehre. Seine spärlichen Wertsachen ablegt, sich von seiner Lebensgefährtin beruhigend, unaufgeregt verabschiedet und einfach kurz nochmal weg muss. Ein würdevoller Abgang.

"Donnie Brasco" ist lange nicht so atmosphärisch wie "GoodFellas" oder die "Godfather"-Trilogie und sicher auch nicht derart fantastisch inszeniert. Dennoch schafft es der Film, abgesehen von wenigen Längen, den Zuschauer zu fesseln. Der Start ist mitunter etwas holprig, aber gegen Ende hin gleicht der Streifen dies aus. Vor allem die Bindung zwischen Pacino und Depp, die ihre Rollen großartig spielen, ist eines der Kernelemente dieses großartigen Mafiastreifens und geht vor allem zum Schluss wahnsinnig unter die Haut. "Donnie Brasco" hat zwar seine Schwächen, aber verstecken muss er sich auch nicht, zumal der Film auf wahren Begebenheiten basiert und passend realistisch umgesetzt wurde, sowohl thematisch wie auch im engeren Sinn. Für Genrefreunde und Filmliebhaber eine absolute Empfehlung.

8,5/10

Von TURBINE Medien kommt der Film als Erstauflage im auf 1.000 Stück limitierten Mediabook und weltweit erstmalig mit der Kino- und Langfassung auf BD in HighDefintion.


Donnerstag, 19. Oktober 2017

Twins - Twins: Zwillinge (1988)

http://www.imdb.com/title/tt0096320/

Die Zwillinge Julius (Arnold Schwarzenegger) und Benedict (Danny DeVito) das Ergebnis eines genetischen Experiments, bei dem der Versuch unternommen wurde, das perfekte Kind zu zeugen. So ist Julius nicht nur mit überdurchschnittlicher Intelligenz gesegnet, sondern besitzt auch noch eine erstaunliche Physis, wohingegen sein Bruder - ein versehntliches Nebenprodukt des Experimentes - zu einem untersetzten Kleinkriminellen geworden ist. Da es sich um ein geheimes Experiment handelte, wurden die Brüder nicht von der Existenz des jeweils anderen unterrichtet. Als Julius nach Jahren erfährt, dass er einen Zwillingsbruder hat, macht er sich sofort auf nach Los Angeles, um seinen Bruder zu suchen...

"Twins" ist ein zeitloser Feel-Good Movie aus der 80er Jahren. Arnold Schwarzenegger und Danny DeVito sind Zwillinge, welche "nur ihre Mutter auseinander halten kann". Allein schon mit dieser Tagline ist klar, wohin die Reise geht. Regisseur Ivan Reitman, der sich für viele ähnlich gelagerte Komödien verantwortlich zeichnete, macht auch hier nach altbewährtem Rezept weiter: leichtfüßig, unbeschwert und mit einer gesunden Mischung aus Humor und Action bringt er mit Schwarzenegger und DeVito, die später in der Komödie "Junior" erneut zusammen arbeiteten, ein gutes Team auf die Leinwand. Passt nicht? Passt doch! Die zwei haben Charme und verzaubern mit ihren Gags ihr Publikum. Schwarzenegger beweist mit "Twins", dass er mehr als nur eine menschliche Maschine und sogar ein halbwegs guter Comedy-Actor ist. Er und DeVito sind irgendwie das perfekte Leinwand-Paar. "Twins" bietet aber leider nur eine recht durchschnittliche Story mit etwas Klamauk rundherum. Im Kino damals ein Riesenhit, hat der Film über die Jahre doch etwas Staub angesetzt und wird die heutige Jugend nur schwerlich erreichen. Dennoch ist er für die Generation Achtzig irgendwie ein kleiner Klassiker. Nett anzusehen und unterhaltsam.

6/10

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Tschick (2016)

http://www.imdb.com/title/tt4911940/

Eigentlich kann sich der 14-jährige Maik Klingenberg (Tristan Göbel) nicht beschweren, denn dank seiner wohlhabenden Eltern verbringt er seine Tage in eine schicken Haus mit Swimmingpool. Nur leider droht ihm für die großen Ferien auch die große Langeweile, denn seine Mutter steckt in einer Entzugsklinik und sein Vater muss auf „Geschäftsreise“ mit seiner Assistentin. Doch dann kreuzt Tschick (Anand Batbileg) auf - und der Sommer scheint gerettet. Denn Tschick, der aus dem tiefsten Russland stammt und in einem der Hochhäuser in Berlin-Marzahn lebt, hat einen Kleinwagen geklaut. Prompt brechen die zwei Freunde ohne Karte, Kompass und Ziel auf und machen gemeinsam die ostdeutsche Provinz unsicher...

Man hätte kaum einen passenderen Regisseur als Fatih Akin für die Verfilmung des gleichnamigen Romans "Tschick" von Wolfgang Herrndorf aus dem Jahr 2010 wählen können. Der gebürtige Hamburger ist ein Meister in kantigem deutschem Kino und schafft meistens die Gratwanderung zwischen gespielter Coolness und kindischem Klamauk. "Soul Kitchen" war 2009 ein leuchtendes Beispiel dafür, dass auch Deutschland schwarzen Humor beherrscht und dabei sogar gelegentlich in die Weiten des Slacker-Films abdriftet. Genau dieser liebevolle Hang zur Anarchie wohnt auch "Tschick" inne. Akin zeigt seine Charaktere mit Fehlern aber ohne diese dafür bloßzustellen. Viele eher ist Maiks Dasein als Außenseiter ein notwendiger Schritt in sein erwachsenes Leben. In seinen besten Momenten zeigt "Tschick" eine ungemeine Liebe zu jugendlicher Naivität und unreflektiertem Tatendrang und macht aus ihm einen durch und durch sympathischen Film, den man aufgrund seiner knuffigen (und doch unheimlich ehrlichen) Art einfach nur ins Herz schließen kann.

Der Freak und der Assi lassen die zwangbehaftete Normalität hinter sich und suchen das Abenteuer - an dem folgenden Roadtrip ist zwar auf den ersten Blick nichts besonders, das Märchen von "diesem einen perfekten Sommer in der Jugend" hat jeder Zuschauer bereits x-mal gesehen, und doch reißt "Tschick" im seiner frechen Leichtigkeit unheimlich mit. Weil er Herz hat, die richtigen Aussagen zum Jungsein trifft und sich mit Inbrunst für Individualität und ein Ausbrechen aus der öden Norm stark macht. Mit angenehm verschrobenen Figuren gesegnet, in seinen vielen kleinen Momenten herrlich charmant und mit augenzwinkerndem Blick auf Gesellschaft und Co. bewaffnet, macht diese Reise im Lader ebenso viel Spaß, wie sie im Kern sehr wahres über das Aufwachsen trägt.

Man könnte "Tschick" vorwerfen ähnlich wie Oskar Roehlers Filme zu sein. Komplett auf hip gebürstet, ohne über eine inhaltliche Rechtfertigung nachzudenken. In diese Richtung macht auch "Tschick" ganz klar Fehler, jedoch ohne komplett darin zu versinken. Man merkt Akins Film an, dass er gerne Seite an Seite mit "Trainspotting" und ähnlichen Generationenportraits stehen möchte. Maiks Off-Kommentar ist in seiner zynischen Abgebrühtheit damit auch eher ein Störfaktor als wirklich ein großes Plus für den Film. Immer wieder Gerät der Film damit in eine unangenehme Grauzone, in der auch mal Fremdschämen angesagt ist. Letzteres ist tatsächlich ein Faktor, der einem Film locker mal das Genick brechen kann. Oftmals, gerade gegen Anfang, drohten gerade längere Szenen mit Maik auch in diese Ecke abzurutschen, bis dann Tschick auftritt. Jungschauspieler Anand Batbileg ist derart gut gecastet, dass man - auch ohne den Roman zu kennen - ihm die Rolle zu Einhundert Prozent abkauft. Er wirkt, als hätte man den Charakter direkt von den Seiten in die Realität übertragen. Batbileg bringt den hochsympathischen Grundtenor von Tschick haargenau auf die Leinwand. Letztendlich entspringen den vielen Momenten mit Tschick auch Akins größte Stärken.

Wenn Isa, Maik und Tschick im See baden gehen, Maik langsam seine Sexualität entdeckt und Isa mit einer schmutzigen Kiste nach Prag fährt, entwickelt "Tschick" eine Energie und Schamlosigkeit, die man lange nicht mehr in deutschen Jugendfilmen bewundern durfte. Klar, immer wieder ist das Schauspiel etwas ungelenk und immer wieder wirkt der Film in seiner Dramaturgie zu abgekürzt, dennoch hat "Tschick" das Herz am rechten Fleck und trifft genau da, wo man es erwarten würde: mitten ins Herz. "Tschick" ist ein kleiner, rotzfrecher Film, der sich gerne auch mal "Jugendfilm" nennen darf. Klasse!

8/10