Mittwoch, 24. Mai 2017

[KINO] Alien: Covenant (2017)

http://www.imdb.com/title/tt2316204/

Der fremde Planet, den die Crew des Kolonisationsraumschiffs Covenant erforscht, wirkt paradiesisch: Doch als die Terraforming-Spezialistin Daniels (Katherine Waterston) und ihre Kollegen, darunter der Android Walter (Michael Fassbender), Christopher (Billy Crudup) und Tennessee (Danny McBride), durch die bergige, bewaldete Landschaft laufen, fällt ihnen vor allem die merkwürdige, beunruhigende Stille auf: Kein Vogel ist zu hören – und auch kein anderes Tier. Bald schon merken die Entdecker, dass sie auf einem Planeten gelandet sind, der lebensfeindlicher kaum sein könnte. Blitzschnelle, hochintelligente und Säure-spritzende Aliens überfallen die Covenant-Crew, töten ein Mitglied nach dem anderen. Und dem Rest der Gruppe wird klar: So weit weg von der Heimat sind sie komplett auf sich allein gestellt...

Nach Ridley Scotts einflussreichen cineastischen Meilenstein "Alien", in dem der Regisseur durch die Verschmelzung von Science-Fiction und kammerspielartigen Horror eine völlig neue Dimension des Terrors schuf, war es in der Vergangenheit faszinierend zu beobachten, wie sich das Franchise unter der Führung wechselnder Regisseure verformte. Während die sieben Jahre später erschienene Fortsetzung "Aliens" von James Cameron mit seinem Fokus auf explosive Action einen ähnlich hohen Status in der Filmgeschichte erzielen konnte wie Scotts Ursprung der Reihe, brachte Regisseur David Fincher mit "Alien³" den ersten Sorgenbringer ins Kino. Infolge der problematischen Produktion und der kontroversen Umstände bei der Veröffentlichung wurde "Alien³" immer mehr zu einer Kuriosität unter den Hardlinern der "Alien"-Fans. Der damalige Regiedebütant David Fincher ist heute nicht nur einer der gefragtesten Regisseure Hollywoods, auch sein Erstlingswerk hat heute aufgrund aufgeheizter Gerüchte über kreative Einmischung, verschollene Szenen und sogar einer vollkommen unterschiedlichen Schnittfassung, die angeblich die ursprüngliche Vision Finchers wiederherstellen sollte, Kultstatus erreicht. Viele waren allerdings der Meinung, dass Finchers Werk ernsthaften Schaden davongetragen hatte und erst in der "Director's Cut Version" seine volle Wirkung entfaltet. Mit "Alien: Resurrection", dem vierten Teil der Reihe übernahm der Franzose Jean-Pierre Jeunet, doch er scheiterte, trotz eigenständiger, markanter Ansätze in den Augen vieler daran, dem Todeskampf in den Weiten des Weltalls noch gelungene Facetten abzuringen.

2012 kehrte Scott schließlich persönlich auf den Regiestuhl zurück, um das Franchise nicht nur zu seinen Anfängen zurückzuführen, sondern noch weiter in die Vergangenheit. "Prometheus" entpuppte sich als Prequel, das die Meinungen der Zuschauer massiv spaltete. Es war ein Werk, das neben der eigentlichen Bedrohung durch die Xenomorphs viel mehr um einen umfassenden Schöpfungsmythos bemüht war, bei dem die Entstehung der Menschheit mit fremdartigen Mysterien und philosophischen Denkansätzen unterfüttert wurde. Scotts Film wurde dabei jedoch von rauen Widersprüchen durchzogen, bei dem die faszinierenden, tiefgründigen Elemente um jegliche Form von Antworten beraubt wurden und der kopflastige Ansatz von der Simplizität der Figuren unterwandert wurde, die zu sehr nach klischeehaften, stupiden Strickmustern geschrieben wurden und sich zeitweise nicht wie die Charaktere verhielten, die sie darstellen sollten. Dennoch war "Prometheus"  ein beeindruckendes, faszinierendes Werk, über dem die ganze Zeit über die Wolke des "unheimlichen Wesens aus einer fremden Welt" schwebte und das lediglich von seiner kuriosen Endsequenz zu Boden gerungen wurde. "Prometheus" bleibt in seiner interessanten Fragestellung so eben leider nur (auf eine seltsame Art) eine Episode.


Mit "Alien: Covenant" inszeniert Scott nun die rachsüchtige und verstörende, filmische Antwort, die sich auf höchst bizarre Weise zwischen sämtliche Stühle setzt. Vorsorgliche Bedenken, bei dem Film handele es sich um puren Fanservice, der vor allem auf Anhänger von "Alien" abzielen sollte, verwirft der Regisseur bereits mit einem Prolog, der Michael Fassbenders Figur aus "Prometheus", Android David,  gewidmet ist. Mit einer Diskussion zwischen ihm und seinem menschlichen Schöpfer greift Scott die Schöpfungsthematik seines Vorgängers unmittelbar auf, um sie in diesem 10 Jahre später angesiedelten Nachfolger wiederum auf andere Weise weiterzuspinnen. Und handwerklich ist dies auch richtig gut gemacht und in einer Düsternis gestaltet, die stellenweise schon satanische Züge annimmt.

Doch die eigentliche Mission der titelgebenden 'USS Covenant', einen 7 Jahre entfernten Planeten zu kolonisieren, um die Menschheit vor dem Aussterben auf der Erde zu bewahren, erweist sich in der Geschichte als wesentlicher Stolperstein, der den eigentlichen Ambitionen von Scotts Film massiv im Weg steht. Die Besetzung des neuen Raumschiffs besteht erneut aus dürftig gezeichneten, überwiegend austauschbaren Figuren. Abgesehen von Michael Fassbender, der mit dem Androiden Walter eine weiterentwickelte Version seiner Figur aus dem Vorgänger verkörpert, soll der Zuschauer in einer überlangen Einleitung hauptsächlich durch den Umstand, dass die Männer und Frauen der Crew Pärchen sind, emotional an die Charaktere gebunden werden. Nachdem die Besatzung einem zufällig abgefangenen Funkspruch von einem nähergelegenen, unbekannten Planeten folgt und nach rund 40 Minuten der Laufzeit eine Expedition unternimmt, um eine mögliche Kolonisierung dieses Planeten in Erwägung zu ziehen, entwickelt "Alien: Covenant" eine kuriose Eigendynamik. Hin- und hergerissen zwischen Überresten aus "Prometheus", bei denen einer bedeutenden Figur des Vorgängers eine besondere Bedeutung zugemessen wird, der absonderlichen Vision einer pervertierten Schöpfungs- und Allmachtsfantasie und Konventionen eines geradlinigen "Alien"-Schockers pendelt das zweite Drittel dieses Films zwischen eindringlichen Schauwerten, beeindruckenden Gedankengängen und konventionellen Horrormomenten, die letztendlich aber so nicht zusammenpassen wollen und einen etwas faden Geschmack hinterlassen. Auch, wenn der Soundtrack von Jed Kurzel so herrlich passend ist und mehr als nur einmal an den düsteren Erstling erinnert.


Spätestens hier ist klar, dass sich Scott und seine Drehbuchautoren In "Alien: Covenant" sehr tief in die Mythologie der Xenomorphs graben, was sicher nicht jedem zusagen wird. Die Hintergründe der ikonischen Alien-Rasse, die sich zunächst im menschlichen Körper einnistet, um auf überaus brutal-blutige Art und Weise aus ihm hervorzubrechen, ist eng mit dem gelungensten Handlungsstrang von "Alien: Covenant" verbunden. Für viele Zuschauer, die sich nicht auf den ambitionierten, gewagten, aber eben auch extrem erklärenden Erzählansatz einlassen wollen, könnte dies eine enttäuschende Entmystifizierung eines bisher effektiv gehüteten Geheimnisses zur Folge haben. Im letzten Drittel, in dem Scott Horror und Spannung mit aggressivem Tempo und unnötigem Spektakel verwechselt, bricht dann aber das interessante Potential des Streifens schließlich endgültig in sich zusammen. Die beunruhigenden, langsamen Kamerafahrten, mit denen "Alien" damals durch die dunklen Gänge des Raumschiffs geschlichen ist und an jeder Ecke pures Grauen versprach, weichen gehetzter, wirkungsloser und blutiger Gewalt, einem abstrusen Plottwist, der lange im Voraus ersichtlich ist und zahlreichen Gedächtnismomenten, die nicht ansatzweise an die eindringliche Atmosphäre vergangener Glanzzeiten anknüpfen können.

"Alien: Covenant" sabotiert hierdurch seine eigenen Ambitionen einer innovativen Schreckensvision, indem der Xenomorph-Aspekt nachträglich eingefügt wirkt und etwas zu lieblos abgehandelt wird. Michael Fassbender und die Geschichte(n) seiner Figur(en) sind das einzige, das diesem Film einige Szenen beschert, die wohlig unter die Haut gehen und großen Horror andeuten, der fernab des eigentlichen Alien-Terrors nie aus sich selbst hervorbrechen darf. Der Film ist in jedem Fall aber sehenswert, wenngleich man die Ansprüche etwas herunterschrauben sollte.

7/10

Dienstag, 23. Mai 2017

The Great Wall 3D (2016)

http://www.imdb.com/title/tt2034800/

William Garin (Matt Damon) und Pero Tovar (Pedro Pascal) reisen im 15. Jahrhundert nach China. Sie kommen hierher, um eine mächtige Waffe zu finden, doch ihnen wird ein wenig freundlicher Empfang bereitet. Die Einheimischen glauben ihnen nicht, dass sie zum Handeln an die Chinesische Mauer gekommen sind. In Gefangenschaft müssen die zwei kampfgeschulten Söldner lernen, dass die fast 9000 Kilometer lange Mauer einst aus einem ganz bestimmten Grund errichtet wurde, auf den die chinesische Armee des Kaisers (darunter Andy Lau und Tian Jing) sich jahrzehntelang vorbereitet hat. Denn alle 60 Jahre versuchen Monster, die letzte Bastion zur Verteidigung der Menschheit zu stürmen.

"The Great Wall" von Yimou Zhang ist ein typischer chinesischer Fantasy-Actionfilm vor einer beinahe-historischen Kulisse. Mit Andy Lau, Matt Damon und Willem Dafoe hat man außerdem drei sehr bekannte Schauspieler gecastet, die sichtbar mit Null-Bock-Attitüde durch den Film schreiten - mit Ausnahme von Matt Damon, der charismatisch und gekonnt, wie immer, seine Sache macht. Hätte den Film ein westlicher Regisseur abgeliefert, man hätte den Streifen getrost in der Luft zerreißen können. Altbekanntes Storygerüst, erwarteter Ausgang, kaum Überraschungen und jede Menge CGI. Doch im Hinblick auf die asiatische Art und Weise kann man dem Film dann doch wieder etwas mehr als nur das Vorgenannte abgewinnen.


Story und Figurenzeichnung heben sich hier wohltuend von den typischen Klischees des/der Genres ab, wenn auch ohne in irgendeiner Form Komplexität oder Tiefe erreichen zu können und - zum Glück - auch gar nicht zu besitzen vorgeben zu wollen. Yimou Zhang ist eigentlich ein Künstler des asiatischen Kinos, der es bis jetzt fast immer schaffte, zwar chinesisches Geld für seine Filme zu nehmen, aber historische Stoffe zu bedienen, die größtenteils frei von Militärpropaganda waren.

Leider ist das diesmal anders. Durchhalteparole wird an Dauerplattitüde gehängt und Matt Damon gibt mit seichtem Hundeblick sein nonverbales 'Okay'. Damit wird aus "The Great Wall" genau der Trash, den der Trailer bereits vermuten ließ. Er bekommt das Kunststück fertig, zwar ziemlich aufwendig aber gleichzeitig auch ganz schön billig auszusehen. Besonders das CGI ist nicht auf Höhe der Zeit, doch auch die sonstige Ausstattung erinnert oft eher an die 80er, als an einen modernen Blockbuster. Da gingen Anspruch und technische bzw. finanzielle Möglichkeiten arg auseinander. Man kann dem Film zu Gute halten, dass er sich nicht lange mit Figureneinführung oder Bestandsaufnahmen aufhält, es geht ziemlich direkt zur Sache. Das ist auch gut so, denn die Story gibt nicht so viel her, als dass man damit viel anfangen könnte.


Der Showdown am Ende, der merkwürdigerweise mit der Mauer gar nichts mehr zu tun hat, ist im Gegensatz zum Kampf zu Beginn weit weniger spektakulär. Seltsame Prioritätensetzung. Überhaupt wirkt der Streifen im Verlauf immer kopfloser, und er war schon zu Anfang leicht neben der Spur. Es ist eben ein Film, der den Anschein erweckt, als wollte er ursprünglich ein ganz großer Epos werden. Gereicht hat es am Ende nur zu einem etwas über den Durchschnitt agierenden Fantasytrash. Sattdessen gibt es einen Actionfilm mit schlechtem CGI, schwacher Charakterzeichnung und einer Menge Fantasy.

6/10

[COLLECTION] The Joker "The Dark Knight" Premium Format Figure

https://www.sideshowtoy.com/

In Gedenken an Heath Ledger und seinen von der Kritik und den Fans gefeierten Auftritt in Christopher Nolans bemerkenswerter Film-Trilogie, präsentiert Sideshow die Joker Premium Format Figur aus "The Dark Knight", passend zur "Batman"- Premium Format Figur.



Im Joker inkarnieren sich Chaos und Anarchie. Die Sideshow Künstler haben jedes eindringliche Detail Heath Ledgers als Batmans größtem Feind eingefangen, von seinem zerzausten grünen Haaren, zu den Falten in seinem Gesicht unter dem dicken Make-up, seinen Narben, die stets ein diabolisches lächeln in sein Gesicht schreiben, bis zum filmauthentischen Kostüm. Er ist schwer bewaffnet und demonstriert sein Gespür für Theatralik mit seiner Visitenkarte. Der über 48 cm große Joker steht auf einer Basis, die eine geborstene Straße Gothams zeigt.


Lizenz: DC Comics
Stil: Premium Format™ Figure
Hersteller: Sideshow Collectibles

Produktgröße: 18" H (457.2mm) x 10" W (254mm) x 10" L (254mm)*
Produktgewicht: ca. 13.00 lbs (5.9 kg)*

Ein Meisterwerk, das die Fans hyperventilieren lässt. 

Mittwoch, 3. Mai 2017

Hellraiser: Inferno (2000)

http://www.imdb.com/title/tt0229440/

Nackte Realität oder perverser Albtraum? Joseph kann es nicht mehr auseinander halten. Während der Ermittlungen in einem Mordfall wird der Cop plötzlich von schrecklichen Visionen gequält. Es ist, als ob sich in naher Zukunft weitere bestialische Morde ereignen würden und er selbst irgendwie darin verwickelt sei. So setzt Joseph alles daran, dem Mörder schnellstens auf die Spur zu kommen. Ein erster Fingerzeig scheint dieser eigenartige, metallische Würfel zu sein, den er am Tatort findet. Doch die Visionen lassen ihn jetzt nicht mehr los. Sie verzerren seinen klaren Blick. Joseph erlebt, wie ein anderes "Ich" offenbar mehr und mehr die Oberhand gewinnt und ihn zu sadistischen Handlungen treibt. Auf der verzweifelten Suche nach einem Ausweg durchlebt Joseph die Hölle.

Der vierte Aufguss des legendären "Hellraiser" von Clive Barker ist weit entfernt von der einstigen Qualität, die die Reihe zu Beginn noch auszeichnete. Im Grunde war spätestens nach "Hellbound: Hellraiser II" die Luft vollkommen raus, fand man doch keinen stimmigen Ansatz mehr, die Hölle und deren Abgesandte, die Zenobiten, in ihrer verstörenden Abgründigkeit und sadistischen Morbidität und Fleischeslust glanzvoll zu inszenieren. Der einst so berüchtigte Titel wurde für immer weitere Billigproduktionen regelrecht missbraucht. Das Ergebnis ist bekannt.

Nichtsdestotrotz ist "Hellraiser: Inferno" - hat man sich erstmal vom Anspruch freigemacht, hier nochmal etwas Großes zu erwarten, ein solide inszenierter wie gespielter Mystery-Thriller, der den Antihelden Detective Joseph Throne auf seiner Suche nach einem sadistischen Serienkiller begleitet. Die Handlung bleibt dabei lange Zeit geradlinig und stringent, ködert nur äußerst selten mit Elementen, die gewissermaßen die DNA der Reihe ausmachen, und gleitet insofern auch erst spät in deutlich verstörendere und verwirrendere Gefilde ab. Scott Derrickson, den man heutzutage im Horrorbereich durchaus als Namen im Kopf präsent hat, inszenierte seinen damals erst zweiten Spielfilm durchaus gekonnt. Auffällig sind in erster Linie die intensiven Farbfilter, die die Traum- und Fantasiewelten, in die der Detective zu rutschen scheint, deutlich von der Realität abheben. Allerdings ist "Hellraiser: Inferno" aufgrund seines geringen Budgets wirklich keine Augenweide. Die Settings vermitteln stark den Eindruck eines TV-Films und erinnern entfernt auch an die heutzutage doch gut produzierten Crime-Serien, die zuhauf auf verschiedenen Sendern ausgestrahlt werden. Tatsächlich war "Hellraiser: Inferno" der erste 'Direct-To-Video'-Ableger nach dem vom Produktionsteam versaubeutelten Vorgänger "Hellraiser: Bloodline".

Letztendlich ist "Hellraiser: Inferno" schlichtweg zu wenig "Hellraiser". Näher am Film ist man mit der Denkweise, dass hier ein Film mit Hellraiser-DNA umgeschrieben wurde. Was den Film trotz alledem in einem adäquaten Mittelmaß hält, sind die verhandelten Themen um Schuld und Sühne und verdrängte Traumata. Selbsterkenntnis wird zum obersten Gebot und, wie für die Reihe üblich, ist dies ein äußerst schmerzhafter Vorgang. Auch wenn die Zenobiten doch arg wenig Auftritte haben, so sind sie doch in ihrer Bedeutung nah am Original. Sie sind Richter aus der Hölle, bereit ihrer Rolle als exekutiver Arm auszuüben. Das Wenige, was dem Zuschauer von "Hellraiser" geboten wird, ist doch recht gut durchdachte Kost. Mit ein wenig Geduld für zähe Ermittlungen im Mittelteil ist das Finale eine ordentlich befriedigende Angelegenheit. Ob es dazu alle diese Twists gebraucht hätte,  wer weiß das schon? Ein Film jedenfalls sollte eben nie intelligenter scheinen wollen, als er tatsächlich ist.

5/10

Von KINOWELT erschien der Film Uncut und Unrated in HD im "2-Disc Limited Uncut Edition" Mediabook. Die "Black Edition" ist sufgrund der Limitierung von 1.000 Stück schon seit langer Zeit ausverkauft.

Street Kings 2: Motor City (Unrated) (2011)

http://www.imdb.com/title/tt1707687/

Marty Kingston (Ray Liotta) ist der Anführer eines Teams von Undercover-Polizisten, die die Drogenszene Detroits bekämpfen. Als nach und nach Kingstons Teammitglieder ermordet werden, schließt er sich mit einem jungen, arroganten Mordermittler (Shawn Hatosy) zusammen, um herauszufinden, was vor sich geht. Doch auf die schockierenden Entdeckungen über Polizeikorruption, die ihnen bevorstehen, sind sie nicht vorbereitet.

"Street Kings 2" beginnt als ein ganz gut gemachter Copthriller, der nur leider völlig uninteressant ausgefallen ist. Mit dem Original hat das nichts zu tun und es ist definitiv nur der Versuch mit dem bekannten Namen mehr Geld zu verdienen. Ansonsten würde sich für den Streifen nämlich wohl kaum jemand interessieren. Trotzdem ist das alles nicht so mies. Am Anfang hat "Street Kings 2: Motor City" nämlich noch gut Schwung, spielt zwar nach dem altgedienten und ausgelutschten Mustern, ist aber dennoch handwerklich souverän gemacht. Aber oje, gegen Ende ist der Film einfach nur noch langweilig und man wartet mehr oder weniger genervt darauf, wer den Zweikampf gewinnen wird. Dies ist zwar nicht schlecht gemacht, aber zu harmlos und zu wenig interessant für ein schon so altbackenes Thema. Die Darsteller spielen aber solide, es mangelt dem Drehbuch jedoch an Ideen, die Atmosphäre versagt überwiegend und der Unterhaltungswert bietet einem nun auch nichts Besonderes. Schade.

4,5/10

Von NSM Records kommt der Film hierzulande ungeschnitten und in HD auch im auf 333 Stück limitierten und nummerierten Mediabook:

Dienstag, 2. Mai 2017

Kiss Kiss Bang Bang (2005)

http://www.imdb.com/title/tt0373469/

Das gebürtige Landei Harry (Robert Downey jr.) gaunert sich planlos durchs Leben in Los Angeles. Nachdem ein Einbruch schief gegangen ist, versteckt er sich mitten in einer Castinggruppe - prompt schlägt man ihn für eine Rolle als Detektiv vor. Zur Vorbereitung soll er den realen privaten Ermittler Perry (Val Kilmer), auch als der schwule Perry bekannt, ein paar Tage lang begleiten. Damit beginnt der Ärger: Nicht nur macht der abgezockt-kaltschnäuzige Perry überhaupt keinen Hehl aus der Tatsache, dass er Harry für den größten Versager auf unserem Planeten hält, auch die Ermittlungen zum Untreueverdacht einer jungen Frau laufen grundsätzlich schief – dank Harrys Einmischung und einer nicht eingeplanten Leiche. Doch damit ist noch lange nicht Schluss. In einer Bar lernt Harry die attraktive Harmony (Michelle Monaghan) kennen, mit der er es sich schon in der ersten Nacht einfach gründlich verdirbt. Doch Harmony kreuzt weiterhin ständig seinen Weg und bittet ihn, – da sie ihn für einen echten Privatdetektiv hält – um Hilfe bei der Aufklärung des Todes ihrer Schwester...

Selbstironie ist eines der wichtigsten Ingredienzen des Buddy-Movie-Genres. Nahezu jeder Film dieser Gattung lebt im Prinzip von den Ungleichheiten und Differenzen zwischen den beiden Protagonisten und zieht daraus meist einen großen Anteil Situationskomik und Humor. "Kiss Kiss Bang Bang", das Regiedebüt des auf Buddy-Movies wie "Lethal Weapon" und "Last Action Hero" spezialisierten Drehbuchautoren Shane Black, bildet da keine Ausnahme. Mit dem Unterschied, dass "Kiss Kiss Bang Bang" rundum als Parodie auf das Genre angelegt ist und die Humorkelle von der ersten bis zur letzten Minute komplett ausschöpft. Der Stoff ist genau richtig für eine skurrile und mit bösem, schwarzem Humor aufgepeppte Kriminalfilmkomödie, die es sich nicht nehmen lässt, neben den typischen Mustern des Film-Noir-Genres gleich noch die gesamte cinematische Scheinwelt Hollywoods auf die Schippe zu nehmen. Neben den meist sehr amüsanten Dialogen - nur von zu Zeit zu Zeit schleicht sich mal ein überflüssiger Flachwitz ein - und der energetischen Straffheit des Regietempos ist es vor allem die Erzähltechnik durch Hauptdarsteller Robert Downey, die den Humor ankurbelt.

Downeys Figur, die Hauptcharakter und allwissender Erzähler zugleich ist, durchbricht des Öfteren die vierte Wand und dringt immer wieder in die visuelle und erzählerische Struktur des Films ein, um beispielsweise anhand einer nachträglich eingefügten Rückblende zusätzliche Hintergrundinformationen einzureichen. Andernorts parodiert er das Überleben seines zuvor in einer Schiesserei anscheinend tödlich getroffenen Kameraden und lässt mit ihm gleich noch einmal alle zuvor verstorbenen Filmcharaktere (und Abraham Lincoln) auftreten. Was ausserdem mehr als nur stimmt ist die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern Downey und Kilmer. Beide hatten anscheinend Spass an ihren Rollen und scheuen sich auch nicht, das auf der Leinwand zu zeigen.

Shane Blacks "Kiss Kiss Bang Bang" ist kein Film der einen vom Hocker reisst und erfindet das Komödienrad nicht neu. Black mischt jedoch die meiste Zeit souverän Versatzstücke des Genres angereichert mit einigen guten neuen Ideen und verpackt das Ganze in der ersten Hälfte mit hohem Tempo und einer hohen Dichte an gelungenen Pointen. In der zweiten Hälfte verliert sich der Film dann teilweise ein kleines bisschen in seiner verworrenen und verwickelten Detektivgeschichte, bleibt aber weiterhin unterhaltsam. Zwei gut aufgelegte Hauptdarsteller runden das Gesamtpaket ab und machen aus "Kiss Kiss Bang Bang" eine angenehme, skurrile und witzige Krimiparodie.

8/10

Montag, 1. Mai 2017

Romeo + Juliet - William Shakespeares Romeo & Julia (1996)

http://www.imdb.com/title/tt0117509/

Die lateinamerikanischen Küstenmetropole Verona Beach ist Schauplatz eines erbarmungslosen Bandenkrieges zwischen Montagues und Capulets. Bei einem Maskenball verlieben sich die jüngsten Zöglinge der verfeindeten Clans, Romeo (Leonardo DiCaprio) und Julia (Claire Danes). Ohne das Wissen ihrer Eltern wollen sich die Verliebten vermählen und hoffen so, die ewige Fehde zwischen den beiden Häusern zu beenden. Als Romeo bei einer Auseinandersetzung den Cousin von Julia tötet, muss er aus Verona Beach fliehen. Doch inzwischen soll Julia auf Drängen ihrer Eltern mit dem einflussreichen Grafen Paris (Paul Rudd) vermählt werden. Um der Hochzeit zu entgehen, bekommt sie von Pater Laurence (Pete Postlethwaite) einen Trank verabreicht, der sie vorübergehend in einen todesähnlichen Zustand versetzt.

Baz Luhrmann macht in seiner Version von Shakespeares "Romeo und Julia " genau das, was er am besten kann: er nimmt ein älteres lyrisches Werk und bringt es in die Gegenwart, bzw. in diesem Falle eben in die Neunziger. Seine Version von "Romeo und Julia" ist zwar auch ein wirklich interessantes, gewagtes Werk, aber einfach zu bunt, zu ausgefallen und abgedreht. Dabei ist die Idee, den Konflikt beider Familien auf das Gangster-Milieu zu transferieren in erster Linie genial, denn der Streit der beiden Gangster-Familien ist im Grunde ein wirklich glaubhaftes Äquivalent zu der Familienfehde aus Shakespeares Original. Aber hier wäre weniger mehr gewesen. Jeder einzelne Charakter geht viel mehr in die Richtung "extrem" als ins dramatische, jedenfalls wenn man von Romeo und Julia selber absieht, die verkörpert durch den jungen DiCaprio und eine bezaubernde Claire Danes ein mehr als gelungenes Pärchen abgeben. An das lyrische Sprechen kann man sich gewöhnen, es ist auch beiweitem nicht schlecht, jedoch transportiert es den Stoff auch nur halbherzig in das Verona von 1996; hier wäre etwas mehr Konsequenz in Bezug auf die Sprache wünschenswert gewesen.

Man kann rein gar nichts gegen Shakespeares geniale Tragödie, und eigentlich nichts gegen die Idee, das Originalstück in die Gegenwart zu stellen, sagen. Im Gegenteil, das Zeitgemäße kann einen interessanten Kontrast bilden und Shakespeares Inhalte eindringlich umsetzen. Nicht umsonst ist dieser Stoff zeitlos. Doch es ist eben ein Baz Luhrmann, und es krankt an denselben Problemen wie in all seine Filme: über weite Strecken kommt es ihm nur darauf an, möglichst schrill und herausfordernd zu inszenieren, mit Typen in Glitzerklamotten in überdrehter Handlung, wobei er Shakespeares Inhalte in recht einfallsloser und unpassender Manier mit Elementen der Gegenwart kontrastieren lässt. Das trifft vor allem auf die erste Hälfte zu, mit der man rein gar nichts anfangen kann. In der zweiten Hälfte ist das Stück mehr auf DiCaprio und Danes alias "Romeo und Julia" fokussiert, woraus Luhrmann seine Gimmicks zum Glück weitgehend fernhält. Nun wird es schaubar und kulminiert in einer bewegenden Schlussphase, die tatsächlich noch die Tragik der Ereignisse an den Zuschauer bringt.

Insgesamt ist es aber das Aushalten nicht wert, auch wenn die bessere zweite Hälfte und das starke Ende mit viel Wohlwollen gerade noch einen "geht so"-Eindruck hinterlassen. So oder so ein recht spezieller Film, der sicherlich nicht jedermanns Sache ist, aber doch für den ein oder anderen obgleich seiner gewagten wenn auch simplen Grundidee von Interesse sein könnte.

6/10