Mittwoch, 28. Juni 2017

Laid To Rest (Unrated) (2009)

http://www.imdb.com/title/tt1228933/

Wer in einem Sarg liegt, steht nicht mehr auf. Normalerweise. Doch normal scheint für die junge Frau in der Leichenhalle kaum etwas, als sie erwacht. Sie kennt weder ihren eigenen Namen, noch weiß sie, wie sie an diesen Ort geraten ist. Nur als plötzlich ein alter Mann vor ihren Augen erstochen wird, weiß sie eines sicher: Sie soll das nächste Opfer sein! Ihren Todeskampf will der Killer mit der silbernen Totenkopfmaske mit seiner Videokamera filmen. Nur knapp entkommt sie ihrem Schicksal. Vorerst - denn der Mörder ist ihr schon auf den Fersen. Eine Nacht des Grauens beginnt und endet in einem Nerven und Gliedmaßen zerfetzenden Finale...

"Laid To Rest" ist kein Meisterwerk an Story oder spannender Geschichte. Nein, der Streifen wirklich nur eine brutale Goreparade mit expliziten Gewalttätigkeiten, die - und damit kommen wir zum Pluspunkt - optisch wirklich vorzüglich aussehen. In puncto handgemachte Effekte befindet man sich zweifellos in den Händen von Profis, denn der rote Lebenssaft fließt zeitweise recht kreativ und in beachtlichen Mengen aus den hilflosen Opfern des Killers. Und auch dieser Killer namens Chromeskull (Nick Principe) sieht passabel aus, hat nur den Nachteil, dass er kaum Angst einjagt, wie es große Vorbilder im Slasher-Genre vormachten. In seinem bescheidenen Verschlag bunkert er dafür ganze Friedhöfe an zerhackten Körpern.

Leider hat man es, wie so häufig bei solchen Machwerken, versäumt, ein paar ordentliche Schauspieler zu rekrutieren. Einzig Lena Headey und Kevin Gage sind noch bekanntere Namen, bleiben aber beide blass und austauschbar. Man sieht: Akteure die ihr Handwerk beherrschen, geben sich wohl nur ungern her, um als charakterloses Schlachtfutter an der Messerklinge zu enden. Ihr Verhalten ist dazu noch so uneinholbar blöde, dass man sich einfach nur wünscht, dass wirklich keiner der Treibjagd des Killers entkommt. Manche Charaktere scheinen einer Art Selbstmordkommando anzugehören, wenn man sieht, wie primitiv ins Verderben gerannt wird. Anstatt sich in Sicherheit zu bringen rennt man dem blutgeilen Schlachter ins offene Messer. Nun ja. Dass das noch Spaß macht liegt wirklich nur am Effekt und rein dafür ist "Laid To Rest" tatsächlich ein Vorzeigefilm.

5,5/10

Von DRAGON erschien der Film zusammen mit dem zweiten Teil "Chromeskull: Laid To Rest 2" im auf 1.000 Stück limitierten Mediabook.

Män Som Hatar Kvinnor - Verblendung (Director's Cut) (2009)

http://www.imdb.com/title/tt1132620/

Mehr als 40 Jahre liegt das Verschwinden von Harriet nun schon zurück, doch beschäftigt es ihren Onkel Henrik Vanger (Sven-Bertil Taube) bis zum heutigen Tage. Jedes Jahr zum Geburtstag bekommt er eine getrocknete Blume geschenkt, so wie es die Nichte des Großindustriellen einst zu tun Pflegte. Mit 82 Jahren unternimmt der Patriarch einen letzten Versuch, herauszufinden, was mit Harriet passierte. Er engagiert den Journalisten Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist), der nach einem Artikel über den Industriellen Wennerström (Stefan Sauk) gerade wegen Verleumdung zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde und vor dem beruflichen Aus steht, um für ihn auf Spurensuche zu gehen. In der Einsamkeit der verschneiten Insel Hedeby, auf der die Familie Vanger in aller Abgeschiedenheit lebt, macht sich Blomkvist an seine vermeintlich unlösbare Aufgabe - und entdeckt tatsächlich Hinweise. Dabei unterstützt ihn Lisbeth Salander (Noomi Rapace), eine verschlossene junge Hackerin mit Punk-Outfit und tiefen seelischen Wunden...

Die knappen drei Stunden des Director's Cut's von "Verblendung" wirken eindeutig nach. Drei Stunden lang Zähneklappern, Zittern und aufgerissene Augen. So düster und so gelungen können es einfach nur die Skandinavier. Abgrundtief böse Fieslinge, atemberaubende Filmmusik und sagenhafte Performances der Schauspieler sorgen tatsächlich dafür, dass die ganze Zeit lang so etwas wie ein unangenehmer Filter über dem Ganzen liegt, denn diese Atmosphäre hat einen solch beklemmenden Einfluss auf den Zuschauer, dass man sich nur mäßig entspannen kann. Hin und wieder gibt's dann ja aber doch mal einen Sonnenstrahl, bevor die Dunkelheit zurückkehrt und packende Momente wunderbar erzählt werden. Mit dem Auftakt zur "Millennium"-Trilogie bekommt man es mit einem der besten Thriller überhaupt zu tun.

Obwohl der Film eine ruhige Erzählweise hat, ist permanent eine knisternde Spannung vorhanden. Der Streifen ist zudem nichts für schwache Gemüter, denn wir bekommen hier eine wirklich harte Szenen zu sehen. Für permanente Begeisterung sorgt das starke Duo Blomkvist und Salander (Michael Nyqvist und Noomi Rapace) und wie sie an den Fall heran treten. Der Film weist einige kleinere aber auch einige größere Änderungen zur Literaturvorlage auf, was weiterhin nicht schlimm ist, da diese Vorgänge immer dem Mediumswechsel geschuldet sind und so auch sehr aufmerksamen und detaillierten Lesern immerhin eine kleine neue Sichtweise der Geschichte geboten werden kann. Expositorisch nimmt sich der Film weniger Zeit und besitzt nicht ganz die Dichte der Romanvorlage. In der ersten Hälfte hetzt er, gerade die Figur des Mikael Blomkvists, von einer Entdeckung zur nächsten. Dennoch ist das Tempo zu keinem Zeitpunkt zu hoch. Dem Charakter von Lisbeth Salander wird dabei, wenn auch auch nur in geringem Maße, mehr Aufmerksamkeit geschenkt, während es bei Blomkvist mehr denn je um den Fall geht. Die kühle schwedische und TV-Film-Optik hilft dabei die triste Stimmung des Romans "eins-zu-eins" einzufangen und vermag einen, auch wenn man die Vorlage gelesen hat, wieder an den Punkt zu versetzen jede neue Entdeckung mit angehaltenem Atem zu verfolgen.

Unterm Strich ist "Verblendung" ein unglaublich starker, intensiver und tiefsinniger Thriller, der wieder einmal zeigt was für geniale Filmemacher in Skandinavien zu finden sind. Jeder Krimi- und Thriller-Fan sollte diesen Film auf seiner Liste haben, Freunde des skandinavischen Kinos sowieso.

8,5/10

Von WARNER Bros. kommt die "Millennium"-Trilogie im silbernen DigiPak. Enthalten sind jeweils die "Director's Cut"-Versionen der 3 Filme und jede Menge Bonusmaterial.

Montag, 26. Juni 2017

[SERIE] Sherlock, Season 04


http://www.imdb.com/title/tt1475582/

Sherlock ist zurück - aber kann das Spiel einfach so weitergehen? Während Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) auf Moriartys nächsten Schachzug aus dem Grab wartet, stehen Dr. John Watson (Martin Freeman) und Mary (Amanda Abbington) vor einer mindestens so großen Herausforderung: der Geburt ihres Kindes. Der rätselhafte Fall einiger zerstörter Thatcher-Büsten mündet in der dramatischen Erkenntnis, dass aus dem Spiel tödlicher Ernst geworden ist und nichts mehr so sein wird, wie es war...

http://www.imdb.com/title/tt3538760/ 
4.1 Die sechs Thatchers (The Six Thatchers)
Mit "Die sechs Thatchers" startet der erste von drei neuen Filmen aus der weltberühmten britischen "Sherlock"-Reihe: Benedict Cumberbatch in der Titelrolle muss sich diesmal als Schutzengel seiner Freunde beweisen, die in einen mysteriösen Fall verwickelt sind und ins Visier eines Killers geraten. Der Gedanke, dass sein totgeglaubter Rivale Moriarty – aus dem Diesseits oder Jenseits - seine Finger im Spiel hat, versetzt den Meisterdetektiv in helle Aufregung. Mark Gatiss - Drehbuchautor und Darsteller von Mycroft Holmes in Personalunion - legt falsche Fährten, die selbst den genialen Detektiv täuschen. Die Geschichte verbindet Motive aus Sir Artur Conan Doyles "Die sechs Napoleons" und der mystischen Erzählung "Begegnung in Samarra" über die Unentrinnbarkeit des Schicksals. Eine Videobotschaft lässt Sherlock (Benedict Cumberbatch) an Moriartys Tod zweifeln: Hat sein Rivale diese vorher aufgezeichnet – oder tatsächlich auf mysteriöse Weise überlebt? Nun sehnt Sherlock ungeduldig den nächsten Schachzug des raffinierten Verbrechers herbei. Leider lässt dieser auf sich warten. Weder die Patenschaft für das Baby seiner Freunde Watson (Martin Freeman) und Mary (Amanda Abbington) noch die für ihn kinderleichten Fälle von Inspector Lestrade (Rupert Graves) bieten dem unterforderten Meisterdetektiv einen erfüllenden Zeitvertreib. Als er beim mysteriösen Tod eines jungen Mannes auf ein scheinbar unbedeutendes Detail aufmerksam wird, erwacht sein Instinkt: Dass im Haus von dessen Eltern eine Statue der früheren Premierministerin Thatcher zerstört wurde, führt zu einem faszinierenden Rätsel: Jemand ist auf der Suche nach etwas Kostbarem, das er in der Büste vermutete. Da es davon noch fünf weitere Exemplare gibt, macht sich Sherlock auf die Jagd nach dem Einbrecher (Sacha Dhawan). Dass er Moriarty hinter allem vermutet, steigert den Reiz. An dem Fall zeigt auch Mary besonderes Interesse, verschweigt jedoch, was er mit ihrer Vergangenheit zu tun hat. Bald schon gerät sie in Gefahr... - 8,5/10

http://www.imdb.com/title/tt3845888/ 
4.2 Der lügende Detektiv (The Lying Detective)
Im zweiten der drei neuen "Sherlocks" begibt sich Titelheld Benedict Cumberbatch aus der Depression und Drogensucht in höchste Gefahr, um einen Serienmörder zu entlarven – und die Freundschaft von Watson wiederzugewinnen. Damit greifen die Macher sehr frei auf Sir Arthur Conan Doyles "Der sterbende Sherlock Holmes" zurück: Darin täuscht der Held eine todbringende Vergiftung vor, um einem Mörder ein Geständnis zu entlocken. Als teuflischer Antiheld Culverton Smith gibt Toby Jones ein grandioses Gastspiel. "Der lügende Detektiv" ist einer der abgründigsten Filme der weltberühmten britischen Krimireihe: Schuld und Täuschungen stehen im Zentrum der Geschichte und verändern das Verhältnis zwischen Watson und Holmes. Gleichzeitig sorgen die rasante Erzählweise, atemberaubende Einstellungen und pointierte Dialoge wie immer für höchsten Unterhaltungswert. Sherlock (Benedict Cumberbatch) hofft vergeblich, dass Watson (Martin Freeman) ihm nicht die Schuld an dem Tod von Mary (Amanda Abbington) gibt. Den schmerzhaften Verlust seines einzigen Freundes betäubt er selbstzerstörerisch mit Drogen. Wie im Rausch erscheint ihm eine Klientin, die den Detektiv mit einem ungewöhnlichen Auftrag aufsucht: Sie ist sich sicher, dass ihr Vater einen Mord begangen hat, und möchte nun wissen, wer das Opfer war. Beim Täter handelt es sich um den Geschäftsmann Culverton Smith (Toby Jones), der sich der Öffentlichkeit als kinderliebender Wohltäter präsentiert. Ihm möchte der raffinierte Ermittler eine Falle stellen, um ein Geständnis zu entlocken. Sherlock, alles andere als in Bestform, merkt jedoch nicht, dass er Teil einer Inszenierung ist. Das Spiel bestimmen nicht nur seine mysteriöse Klientin und der gerissene Smith, sondern auch Mary, die sich mit einer vor ihrem Tod aufgenommenen Botschaft an ihn wendet. Während sich Mrs. Hudson (Una Stubbs) und selbst Sherlocks zynischer Bruder Mycroft (Mark Gatiss) um ihn sorgen, bleibt der trauernde Watson unversöhnlich. Er versucht, mithilfe einer Psychologin (Sian Brooke) den Verlust seiner Frau und eigene Schuldgefühle aufzuarbeiten. Dass Mary - in seiner Einbildung stets an seiner Seite - alles vorausgesehen hat, ahnt er nicht. Sie hat einen Plan geschmiedet, der Holmes und Watson wieder zusammenführen kann. - 9,5/10


http://www.imdb.com/title/tt3845892/ 
4.3 Das letzte Problem (The Final Problem) 
Der letzte der drei neuen "Sherlock"-Filme bietet ein furioses Finale: Hauptdarsteller Benedict Cumberbatch muss in ein verdrängtes Kapitel der Kindheit seines Helden eintauchen und ein Rätsel lösen. Sian Brooke, in den vorigen beiden Folgen in die Reihe gekommen, hat nun ihren großen Auftritt als hochgefährliche Psychopathin, die ihren Bruder in ein Katz-und-Maus-Spiel zwingt. Die Drehbuchautoren Mark Gatiss und Steven Moffat zeigen noch einmal, was die Faszination der weltweit erfolgreichen Fernsehfilme ausmacht: exzellente Schauspieler, die rasante Erzählung mit vielen gewagten Wendungen, befeuert durch brillante Dialoge. In "Das letzte Problem" sorgen zudem Anspielungen an Klassiker des Mystery- und Horror-Genres für genial gesetzte Schauermomente. Sherlock (Benedict Cumberbatch) will um jeden Preis herausfinden, was es mit seiner Schwester auf sich hat, die seit seiner Kindheit totgeschwiegen wird. Zusammen mit Watson (Martin Freeman) stellt er seinem Bruder Mycroft (Mark Gatiss) eine Falle, um diesen zum Reden zu bringen. Was die beiden erfahren, bringt sie zum Schaudern: Die psychotische Eurus (Sian Brooke) lebt auf einer geheimen Gefängnisinsel, auf der die "Unverwahrbaren" weggesperrt werden. Es handelt sich um die gefährlichsten aller Verbrecher, die weder therapiert noch in einer normalen Haftanstalt kontrolliert werden können. Gemeinsam mit Mycroft fliegen die Freunde auf die Gefängnisinsel. Dort begegnet Sherlock einem Dämon, der schon sehr lange auf ihn wartet: seine abnorm intelligente Schwester, die bereits als Kind getötet hat, mit dem totgeglaubten Moriarty (Andrew Scott) im Bunde ist und Menschen auf beängstigende Weise zu manipulieren weiß. So gelang es Eurus trotz der Sicherheitsverwahrung, Sherlock als Klientin in London aufzusuchen und sich in das Leben von Watson einzuschleichen. Auf Sherrinford hat die Gefangene heimlich die Kontrolle übernommen, selbst der Gefängnisdirektor (Art Malik) ist machtlos. Für Sherlock, Watson und Mycroft beginnt in den Zellen ein Spiel auf Leben und Tod, bei dem sich der Detektiv seiner eigenen verdrängten Kindheit stellen muss. - 9/10

Firewalker - Feuerwalze (1986)

http://www.imdb.com/title/tt0091055/

Der eher weniger erfolgreiche Glücksritter Donigan (Chuck Norris) und sein Partner Leo (Louis Gossett Jr.) jagen einem Aztekenschatz nach, dessen Aufenthaltsort sie mit der Karte der schönen Fremden Patricia Goodwin (Melody Anderson) zu bestimmen gedenken. Auf der Jagd danach geraten sie auch mit dem machtgierigen Schamanen "El Coyote" (Sonny Landham) aneinander, der mit bösen Absichten in die Fußstapfen seines Großvaters "Feuerwalze" treten und den Fund verhindern will. Doch so leicht geben die zwei Haudegen nicht auf - mit großer Klappe und blanken Fäusten stellen sie sich dem Bösen entgegen...

"Feuerwalze" aus der Cannon-Schmiede versucht unumwunden und ganz klar auf der "Indiana Jones"-Erfolgswelle mitzuschwimmen, hat dabei aber nur mäßigen Erfolg. Chuck Norris und Louis Gossett, jr. harmonieren zwar als Duo, prügeln und kalauern sich aber mit zu vielen dümmlichen Witzchen und Wortspielereien durch den gesamten Film auf der Suche nach einem Aztekenschatz durch Mittelamerika. Was am Anfang noch ganz witzig sein mag, nervt ab einem gewissen Zeitpunkt (und der kommt früh!) nur noch. Die dünne Handlung zieht sich erbarmungslos dahin, da wohl kein Drehbuch für mehr als 30 Minuten vorhanden war, die Gags sind schon nach drei Szenen komplett aufgebraucht und selbst die Action – man hat immerhin Chuck Norris – ist kaum vorhanden und wenn sie kommt, dann ist sie auch noch beschämend herzlos. Insgesamt ist "Feuerwalze" also eher billig und blöde aber aufgrund der Ungezwungenheit auch seltsam unterhaltsam. Auch dass die beiden Hauptdarsteller in für sie so ungewohnten Rollen zu sehen sind, macht den Film nur noch einmal interessanter. Das Sahnehäubchen ist die erwähnte grelle deutsche Synchronisation, ohne die der Film nichtmal halb so vergnüglich wäre und die ohne einen Hehl daraus zu machen an die Sprüche in den Spencer/Hill-Streifen erinnert. Wenn die nur nicht ganz so flach wären...

6/10

Von NSM Records kommt der Film hierzulande ungeschnitten und in HD auch als "Limited Collector's Edition" im Mediabook:

Freitag, 23. Juni 2017

World War Z (Extended Action Cut) 2013)

http://www.imdb.com/title/tt0816711/

Ex-UN-Mitarbeiter Gerry Lane (Brad Pitt) befindet sich mit seiner Familie gerade in Philadelphia, als die Hölle um sie herum losbricht. Was nach dem typischen Stau zur Rush Hour aussieht, entpuppt sich als Vorbote der Apokalypse. Horden von Untoten stürzen die Welt, wie Lane sie kannte, ins Chaos. Nur mit Glück gelingt ihm und seiner Familie die Flucht, doch kurz nach ihrer Rettung durch Lanes früheren Arbeitgeber wird ihm eine schwere Aufgabe auferlegt: Will Lane seine Familie dauerhaft in Sicherheit wissen, muss er seinen alten Job wieder annehmen und in einer riskanten Mission die Ursache der Katastrophe ergründen. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, denn die Infektion breitet sich rasend schnell aus...

Dass die Produktion von Filmen nicht immer reibungslos läuft, ist mittlerweile Alltag in der Industrie. Nach dem Ende der Hauptdreharbeiten kommen Produzenten, Studio oder Filmemacher des Öfteren zu dem Schluss, dass ihnen noch Szenen fehlen oder sie mit dem gedrehten Material nicht völlig zufrieden sind. Reshoots sind dann oft die Folge und zumeist schlägt das keine großen Wellen. Anders bei "World War Z". Das 190 Millionen Dollar teure Werk vom deutschen Regisseur Marc Forster war eigentlich fertig gedreht, doch als die Studioverantwortlichen die erste Rohversion sahen, waren sie erschrocken. Speziell ging es hier um den 3. Akt, der nach der Jerusalem-Sequenz folgt und in Moskau spielt. Pitts Charakter ist hier einige Monate später zu sehen, wie er mit der russischen Armee in einer großen Schlacht gegen die Zombies kämpft. Alles ziemlich düster und so gar nicht Hollywood-like für ein derart hochbudgetiertes Massenprodukt. Die Bosse entschieden sich, nochmals 20 Millionen Dollar in die Hand zu nehmen und Autor Damon Lindelof zu verpflichten, der ein komplett neues Ende schrieb. Ein gefundenes Fressen für die Schwarzmaler, deren Voraussagungen trotzdem nicht Realität werden sollten.

"World War Z" schaffte in der Kinoversion ein weltweites Kinoeinspiel von ca. 540 Millionen Dollar. Dass diese enorme Summe erreicht werden konnte, lag natürlich auch an einem Faktor, der dem Film zunächst auch als Stolperstein prophezeit wurde: dem PG-13-Rating, weclhes auch Jugendliche ins Kino lockte. Nun dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben, welche Aspekte das Zombiegenre ausmachen und die überwältigende Anzahl aller Produktionen zelebriert diese auch nur zu gerne. Gerade, wenn man sich die enorm zeigefreudige Serie "The Walking Dead" ins Gedächtnis ruft, deren großer Erfolg sicher einer der Hauptgründe ist, warum die Untotenthematik in den letzten Jahren wieder salonfähig geworden ist, wirkte diese niedrige Freigabe fast wie eine Warnung für eingefleischte Fans. Dass letztendlich aber doch ein sehr brauchbarer Actionfilm aus "World War Z" geworden ist, liegt aber an der Story und der darstellerischen Leistung. Die Effekte sind dem Budget entsprechend gut geraten und Langeweile kommt trotz der allseits bekannten Zombieregeln nicht so schnell auf. Bleibt noch die Sache mit der fehlenden Härte, die für viele unvereinbar mit dem Genre gilt. Nun hat man dafür den "EXtended Action Cut" angefertigt. Fast 7 Minuten länger läuft er und zeigt deutlich, wie umfassend die Eingriffe für die niedrige US-Kinofreigabe waren. Es gibt keinerlei Erweiterungen im Story- oder Charakterbereich, alles bezieht sich auf Gewalt- oder Spannungsmomente. Die rückgängig gemachte Zensur in Verbindung mit der hinzugefügten Gewalt und Action verleiht dem Film einen deutlichen Pluspunkt, auch, wenn er dadurch bei weitem nicht zu einem brutalen Splatterfest wird. Dass die FSK, sonst gerne auch mal recht sensibel bei zu viel Zeigefreudigkeit, auch der Extended-Fassung die 16er-Einstufung gab, unterstreicht dies. Die Extended Fassung ist der Kinofassung in jedem Fall vorzuziehen.

7/10

Bei amazon.de gibt es exklusiv ein DigiPak, dass den Film in der ungeschnittenen Kinofassung in 3D enthält und auf einer weiteren Blu-ray den "Extended Action Cut". Außerdem ist ein exklusives Art-Book enthalten, dass in Auszügen das Design des Films bespricht.


The Ambulance - Ambulance (1990)

http://www.imdb.com/title/tt0099026/

Er baggert eine wildfremde Frau auf der Straße an - und prompt kippt die Lady mitten auf der 5th Avenue um. Der schnodderige Comic-Zeichner Josh Baker staunt nicht schlecht, als seine neue Traumfrau nach diesem Einstand in einem Ambulanzwagen verschwindet, zunächst auf Nimmerwiedersehen. Josh läßt sich nicht abwimmeln und stößt bei seinen Nachforschungen auf eine Organisation, die mit Menschen als Versuchskaninchen experimentiert. Von nun an steht natürlich auch er auf der Abschußliste des mordlustigen Krankenwagens. Mit dem alten Sensationsreporter Elias, der dem fahrenden Blechsarg mit seiner Vorkriegskamera zu Leibe rückt, und der Polizistin Sandra nimmt Josh den Kampf gegen die Medizin-Gangster auf. Mit sehr eigenwilligen Methoden. Nach einer Prügelei gerät der lädierte Held selbst in den gefräßigen Ambulanzwagen, dem er mit viel Ungeschick mitsamt der Bahre mitten auf einer Hauptverkehrsstraße entkommen kann. Schließlich stolpert er im Centralpark über eine Frauenleiche und damit, unfreiwillig, in den Final-Fight gegen die Bosse des Syndikats.

"The Ambulance" ist eine nette, kleine B-Movie-Perle, mit der Regisseur Larry Cohen sehr erfolgreich dem klassischen Thriller-Kino nacheifert. Mit ungewöhnlich viel Starpower (im Sinne von hochkarätigen Darstellern - Eric Roberts, James Earl Jones, Stan Lee) weiß "The Ambulance" geschickt mit Großstadt-Paranoia zu spielen und einen Schauer beim nächsten Sirenenklang zu erzeugen. In einer Mischung aus ironisch-anarchischem Witz, gemischt mit einer Prise Horror, Action und Thriller ist "The Ambulance" ein leider viel zu wenig beachteter Film, der noch dazu über seine gesamte Laufzeit wunderbar unterhält und genau die richtige Dosierung aus all den oben genannten Genreelementen findet, damit der Zuschauer bei der Stange bleibt.

Cohen gab seinen Charakteren (und vor allem Hauptdarsteller Eric Roberts, der mit Vokuhila den Geist der 80er geradezu versprüht) viel Ironie mit auf den Weg, was die Stimmung des Films nicht ganz so ernst sein lässt, sondern - trotz der vielen bösartigen Szenen - einen gewissen coolen Unterton verpasst. Angesichts des mehr als geringen Budgets bastelte Cohen hier einen Film zusammen, der trotz aller fehlender Geldmittel enormen Spass macht. Mit grosser Handwerklicher Begabung schafft er es, stimmungsvolle Genre-Kost abzuliefern und so ist "The Ambulance" tatsächlich ein echter Geheimtipp unter den B-Movies in diesem Genre und vielleicht sogar darüber hinaus. Es ist defintiv einer von Cohens besten Filmen, der leider häufig übersehen wird. 

7/10

Von KOCH Media erschien der Film im limitierten Mediabook. Dieses beinhaltet den Film auf Blu-ray und DVD, sowie eine weitere DVD mit Bonusmaterial zum Film.

Donnerstag, 22. Juni 2017

T2 Trainspotting (2017)

http://www.imdb.com/title/tt2763304/

20 Jahre nachdem er Edinburghs Stadtteil Leith hinter sich gelassen hat und sich einem bürgerlichen Leben zuwendete, kehrt Mark Renton (Ewan McGregor) in seine Heimatstadt zurück, wo sich manches geändert hat und vieles gleich geblieben ist, und wo seine alten Freunde und Bekannten, darunter Spud (Ewen Bremner), Sick Boy (Jonny Lee Miller) und Begbie (Robert Carlyle), schon auf ihn warten. Allesamt sind sie zwar mittlerweile weg vom Heroin, doch führen deswegen noch längst keine Leben in geordneten Bahnen. Und nicht bei allen ist die Freude über den Rückkehrer gleich groß: Mit Spud und Sick Boy knüpft Renton schnell wieder an alte Zeiten an, aber alle drei versuchen tunlichst zu verhindern, Begbie über den Weg zu laufen, der unlängst aus dem Gefängnis ausgebrochen ist und nicht sonderlich gut auf Renton zu sprechen ist...

Das wohl größte Problem, was "T2 Trainspotting" besitzt, ist wohl, dass man zwingend den Vorgänger gesehen haben muss, um überhaupt etwas von der geschichte zu verstehen. Das wohl größte Glück, was "T2 Trainspotting" besitzt, ist wohl, dass Regisseur Danny Boyle es geschafft hat, 20 Jahre(!) nach "Trainspotting" die originale Besetzung, bis in kleinste Bebenrollen wieder vor die Kamera zu holen und so einen extrem authentischen zweiten Teil abzuliefern. Um es an dieser Stelle aber gleich vorweg zu nehmen, "T2 Trainspotting" hat weder den Spirit seines genialen Vorgängers, noch seinen drastischen Drang zum Unkonventionellen. Mark Rentons Rückehr nach Edinburg folgt nicht den selbstzerstörerischen Pfaden seines jugendlichen Pendants, stattdessen ist es ein wehmütiger Blick auf vertane Chancen, de Zauber des Augenblicks, ein Exkurs über die Reue und versuchte Wiedergutmachung und der Angst darüber was noch kommen mag.


Die mitunter noch vorkommenden drastischen Szenen des Konsums härterer, klassischer Drogen sind nun endgültig im hässlichen Rahmen angekommen. War der erste Teil auch noch irgendwie ein Bildnis dessen, wie junge Menschen fernab vom bürgerlichen Mileu ihren ganz eigenen zynischen, wie letztendlich bitteren Weg in ihrer Verachtung und Kritik an dieser gingen, so geht "T2 Trainspotting" ganz andere, erwachsenere Wege. Die Möglichkeiten der (scheinbar) eskapistischen Suchtausübung sind nun vollkommen zumindest im kleinbürgerlichen Rahmen angelangt.

Rentons Aussagen zu Facebook, Twitter, sozialer Vernetzung geben bittere Auskunft darüber, denn spätestens wenn Mark ein passioniertes Update seines "Choose Life!"-Monologs abliefert, lässt T2 Trainspotting tief in die Seele eines Menschen blicken, der abgestumpft und vor der Wirklichkeit geflohen ist. "Choose Facebook, Twitter, Instagram and hope that someone, somewhere cares", erklärt Mark verzweifelt seinem Gegenüber, um die Welt um ihn herum als das Alien zu identifizieren. "Choose reality TV, slut shaming, revenge porn. Choose a zero-hours contract, a two-hour journey to work. And choose the same for your kids, only worse, and smother the pain with an unknown dose of an unknown drug made in somebody’s kitchen." Am Ende sind es allerdings nicht die Menschen, die Marc so anekeln, sondern er selbst. Hinter der coolen Pose versteckt sich in Wahrheit ein wütendes Geständnis und die frustrierende Erkenntnis, dass sich eben doch nichts verändert hat. So hat seine für ihn prophetische Aussage aus Teil 1, in der Männer und Frauen irgendwann geschlechterlose, zynische Arschlöcher sein werden, sich für ihn zumindest in traurige Bitterkeit bewahrheitet.


Vorallem ist es eben jenes Suchtmittel, welches eben gerade daran interessiert ist, dass die Gesellschaft auf einen aufmerksam wird. Dass von dieser keine Nachsicht mehr zu erwarten ist, so sehr man auch wünscht Anschluss an ihr zu finden, ist schon seit dem ersten Teil keine zentrale Erkenntnis mehr und so geht in "T2 Trainspotting" letztendlich mehr um die Versöhnung im kleinen Freundeskreis und Familie, zumindest derer, die es davon auch verdient haben. Wer einen Nachfolger erwartet hat, in dem es genauso grell und bunt zur Sache geht, der hat sich für die Figuren in "Trainspotting" nie interessiert. Die Prämisse, für den Moment zu leben, wird hier ad absurdum geführt. Die Entschuldigung, falsche Entscheidungen der Vergangenheit für eine verkorkste und unumkehrbare Zukunft heranzuziehen, wird mit diesem Teil nochmals unterstrichen. Und so schließt sich mit dieser Fortsetzung der Kreis um die Freunde aus Edinburgh - auch wenn es ganze zwanzig Jahre gedauert hat.

8/10

Von SONY Pictures Home Entertainment kam der Film auch im limitierten und beidseitig geprägtem Steelbook. Dieses war bereits vor dem Tag der Veröffentlichung ausverkauft: