Dienstag, 22. Mai 2018

The Killing Of A Sacred Deer (2017)

https://www.imdb.com/title/tt5715874/

Der erfolgreiche, charismatische Herzchirurg Steven (Colin Farrell) und seine Ehefrau Anna (Nicole Kidman), eine angesehene Augenärztin, leben mit ihren Kindern Bob (Sunny Suljic) und Kim (Raffey Cassidy) das scheinbar perfekte Leben: Man versteht einander und kann sich Luxus leisten. Steven hat eine Freundschaft zum 16-jährigen, vaterlosen Teenager Martin (Barry Keoghan) aufgebaut. Nachdem dessen Vater bei einer von ihm durchgeführten Operation starb, hat Steven den Jungen unter seine Fittiche genommen. Der Chirurg und Martin sehen sich regelmäßig und Steven lernt auch seine Mutter (Alicia Silverstone) kennen. Doch dem Teenager geht es nur um Rache. Er will Steven zu einer schrecklichen Tat zwingen, indem er ihn auf teuflische Art erpresst...

Der Film handelt von der gutsituierten Familie Murphy, die zu der amerikanischen Oberschicht gehört und in einem Vorort in einem großen Haus lebt. Der Vater Steven ist Arzt an einem Krankenhaus, die Mutter Anna ist Hausfrau. Die zwei Kinder, Tochter Kim und Sohn Bob, gehen zur Schule. Der Familie geht es gut. Der Vater fährt einen pompösen Wagen, das Familienleben ist harmonisch, offene Probleme gibt es nicht. Bis ein mysteriöser 16-jähiger Junge namens Martin auftaucht und sich zuerst mit dem Vater und dann mit der gesamten Familie anfreundet. Ab da beginnt die albtraumhafte Geschichte des Filmes.

Regisseur und Autor Yorgos Lanthimos machte zuletzt mit "The Lobster" auf sich aufmerksam, einer phytonesken Satire und Groteske. Und hier schon scheinen sich Hauptdarsteller und Regisseur gefunden zu haben, denn auch in "The Killing Of A Sacred Deer" spielt Colin Farrell die tragende Rolle. Der etwas ungewöhnliche, beinahe schon merkwürdige Filmtitel "The Killing Of A Sacred Deer" hingegen bezieht sich auf die griechische Mythologie in der es um Agamemnon geht, der zu Beginn des Trojanischen Krieges in einem Wald einen heiligen Hirsch tötete und daraufhin zur Strafe Artemis, der Göttin des Waldes, seine Tochter Iphigenia als Opfer anbieten musste. Darum geht es auch im weitesten Sinne in der Filmstory und desweiteren: im Film hat Kim Murphy, die Tochter des Arztes, eine Klassenarbeit über Iphigenie geschrieben.

"The Killing Of A Sacred Deer" wird als Drama/Horror geführt. Aber er ist mehr ein Drama. Ein Drama ohne Emotion, was erschreckender wirkt als die Vision an sich. Aber schaut man noch genauer hin, kann vom Horror kaum die Rede sein. Er schildert zwar beängstigend, gruselig und grausam wie sich das Familienleben, das bisher so gut funktionierte, von einer harmonischen Idylle zu einem egoistischen Kampf auf Leben und Tod untereinander entwickeln kann, aber der Film entlarvt auch, wie heuchlerisch und verlogen das Familienleben sein kann, das oft nur darauf ausgerichtet ist, nach außen hin eine heile Welt vorzugaukeln. Die gelegentlich vorgebrachte Auffassung, "The Killing Of A Sacred Deer" sei primär ein Rachethriller, ist daher Unsinn. Martin steht zwar mit seiner Vergeltung im Vordergrund der Geschichte, sein Handeln ist jedoch nur der Anstoß für die eigentliche Filmhandlung, die im Mittelpunkt steht, nämlich den schmerzliches Zerfall einer Familie.

Geradezu genial ist der originelle Plot, dessen Grundidee unverkennbar auf der oben skizzierten Episode aus der griechischen Mythologie basiert. Auch wenn die Story außergewöhnlich ist, kommt der Film dank der ausgezeichneten Inszenierung atmosphärisch glaubwürdig rüber. Alles wirkt steril, viel zu sauber und auf Hochglanz poliert, eine Filmsprache, die Yorgos Lanthimos hervorragend beherrscht. Schauspielerisch überzeugt vor allem Barry Keoghan, der brillant den Martin spielt. Seine monotone Art ist gespenstisch, fesselnd und vereinnahmend. Dass mit dieser emotionslosen Monotonie in der Stimme dramaturgische Effekte erreicht werden sollten, ist damit vollends gelungen. Es ist jedoch manchmal zu überspitzt. Das schmälert aber die insgesamt gute Bewertung des Filmes nicht. Schauspielerisch vorzüglich sind darüberhinaus - ganz klar - Colin Farrell in der Rolle des Vaters Steve Murphy und Nicole Kidman als Mutter Anna Murphy. "The Killing Of A Sacred Deer" ist unbedingt sehenswert, aber definitiv nichts für Mainstreamer oder einen leicht-unterhaltsamen Abend.

8/10

Der Film erschien in Deutschland von Alamonde Film ungeschnitten im limitierten Mediabook.

Montag, 21. Mai 2018

Insidious: The Last Key (2018)

https://www.imdb.com/title/tt5726086/

Parapsychologin Elise Rainier (Lin Shaye) wohnt mittlerweile mit den zwei Geisterjägern Specs (Leigh Whannell) und Tucker (Angus Sampson) zusammen. Gemeinsam sind sie die Firma Spectral Sightings, die auf das Austreiben von Dämonen spezialisiert ist, die aus einer Parallelwelt angreifen. Ihr neuester Fall führt das ungleiche Trio in Elises Vergangenheit – in ihr Elternhaus in New Mexico, wo sie als Kind Schreckliches erlebte und in dem nun eine andere Familie in Gefahr ist. Elise muss sich ihrer Vergangenheit und ihrer größten Angst stellen und es mit einer unsterblichen Kreatur namens Key Face aufnehmen, einem Dämon, den sie als Kind versehentlich befreite. Sollte ihr das gelingen, sind all die von Key Face gefangenen Seelen frei, doch sollte sie scheitern, wird auch Elises Geist für immer der Verdammnis anheimfallen...

Der australische Filmemacher James Wan besitzt das Geschick, bestimmten Genren neues Leben einzuhauchen oder diese gar neu zu erfinden, wie mit seinem Film "SAW". Er gab dem Haunting-House-Genre mit "The Conjuring" ein frisches Gewand und dem Genre des Dämonen-Horrorfilms mit seinem großartigen "Insidious" eine neue Dimension des Grusels. Auch bei der Fortsetzung von "Insidious" führte er noch Regie, aber danach machte sich die Reihe selbstständig, behielt aber Leigh Whannell als Drehbuchschreiber. Mit "Insidious: The Last Key" geht der Dämonengrusel in die vierte Runde.

Auch in diesem Teil schaffen die Filmemacher es, eine intensive Spannung aufzubauen. Die Geschichte wurde ebenso wie die ersten drei Teile von Leigh Whannell geschrieben und von Adam Robitel, welcher bisher wenige Erfahrungen als Regisseur gesammelt hatte, solide inszeniert. Der Film besticht durch eine neue Geschichte mit einer fast komplett unabhängigen Dämonengeschichte. Vor allem die Episoden, welche in der Vergangenheit spielen, besitzen durch ihren Retro-Charme und ihre wunderbaren Jungdarsteller eine besondere gruselige Atmosphäre, welche die Zuschauer durch die enorme Anspannung in die Sitze drückt. Dabei geht die Rechnung auf, mit falschen Schreckmomenten in die Irre zu führen und mit einem wieder einmal sehr unheimlichen Dämon Alpträume zu erzeugen. Leider kann diese Spannung nicht vollends auf die Geschichte in der Gegenwart übertragen werden. Das liegt vor allem an der Ausgestaltung der Rollen. Elise als Sympathieträger wirkt zu abgebrüht und ihre Geisterjäger-Assistenten blödeln zu viel herum, als dass sie irgendwelche Sympathien verdient hätten. An diesen Stellen scheitert auch der Versuch Humor hinzuzufügen. Ohne diesen wären Adam Robitel und seiner Crew ein durchweg unheimlicher Film gelungen, der zwar das Genre nicht neu erfindet, aber noch nicht so abgebrühte Gruselfreunde sicherlich erfreuen wird.

"Insidious: The Last Key", der vierte Teil Reihe, besticht mit seiner gruseligen Geschichte, oft sogar funktionierenden Jump-Scares und sehr guten Kinderdarstellern. Und obwohl manche Elemente aus Gründen der Unterhaltung zu sehr überzeichnet wurden, kann der Film mit seiner packenden Unterhaltung und der unvorhersehbaren Story immer noch gut und fesselnd unterhalten.

6/10

Sonntag, 20. Mai 2018

[KINO] Deadpool 2 (2018)

https://www.imdb.com/title/tt5463162/

Wade Wilson alias Deadpool, der im ersten Film fies entstellt und genetisch verändert wurde, wird vom Schicksal ein weiteres Mal so richtig ins Gesicht gepisst. Zum Glück nimmt ihn sein X-Men-Kumpel Colossus (Stefan Kapicic) mit ins Refugium der Mutanten, einem abgelegenen Anwesen. Hier trifft Deadpool seine Kumpanin Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) wieder, die inzwischen erwachsen geworden ist – und lernt dummerweise auch den Superschurken Cable (Josh Brolin) kennen, der hinter dem wütenden Teenager-Mutanten Russell (Julian Dennison) alias Firefist her ist. Deadpool weiß, dass er Cable nicht alleine wird plattmachen können. Also trommelt er seine eigene Crew Superhelden zusammen, die X-Force, mit unter anderem Domino (Zazie Beetz), Zeitgeist (Bill Skarsgård), Weasel (T.J. Miller) – und dem Normalo Peter (Rob Delaney), der absolut gar keine Superheldenkräfte hat, aber die Stellenanzeige gut fand...

Deadpool ist zurück. Die Fortsetzung verspricht bereits in den Trailern derben Humor, bessere, härtere Action und neue, interessante Charaktere. Mit einem gewohnt gut gelaunten Ryan Reynolds, einem Josh Brolin als kantigen Gegenspieler und Action-Regisseur David Leitch, der mit "John Wick" und "Atomic Blonde" bereits gut unterhielt, sollte diesem Vorhaben nichts im Wege stehen. Und das tut es auch nicht.

Denn "Deadpool 2" bieten vor allem eines: mehr von der bewährten Formel. Die Geschichte ist hierbei noch am überraschendsten, entfernt man sich doch zunächst recht weit von der Klischee-Liebesgeschichte des Vorgängers. Auch wenn der Film gegen Ende wieder ein wenig an Vorhersehbarkeit gewinnt und gerade Comic-Fans nie überrascht sein dürften, stellt sich die Geschichte als angenehm frisch heraus. Innovativer hätte es aber trotzdem sein dürften, wirken die Versatzstücke doch teils bekannt. Dabei ist die "X-Force" noch der beste Gag. Aber ein frecher Deadpool darf auch gerne beim Drehbuch frecher sein. Dafür kann das Sequel mit deutlich emotionaleren Szenen punkten. So ist die Figur Deadpool doch eigentlich ähnlich tragisch, wie andere bekannte Helden. Das typische Augenzwinkern kann sich zwar meistens nicht verkniffen werden, die tragischen Momente sind nichtsdestotrotz wirkungsvoller als erwartet und fügen sich hervorragend ein.

Bei der "Deadpool"-Reihe geht es aber natürlich vor allem um die Gags und hier funktioniert die Fortsetzung hervorragend, wenn auch mit klitzekleinen Mankos. Ja, die Sprüche und Referenzen sitzen wie gewohnt, in der Ausführung fühlt man sich allerdings mehrfach an den Vorgänger erinnert. Das Schema ist dasselbe. Ryan Reynolds kopiert sich zwar nicht, aber er bedient sich doch sehr stark. Die originellen, neuen Ideen bleiben leider aus, wodurch "Deadpool 2" insgesamt leicht überraschungsärmer und routinierter ist. Was aber auch nicht wirklich schlimm ist. Punktum: hier kommt nicht viel Neues, aber es passt und reicht aus, um für Unterhaltung zu sorgen. Sollte man nun von einer Fortsetzung wie dieser einfach mehr zu erwarten? Vermutlich nicht. Ähnliches gilt auch für die Action. David Leitch ist definitiv ein guter und mittlerweile erfahrener Action-Regisseur; im Vorfeld auch schon groß gelobt, sollte die Action deutlich besser sein. Die Action und der Blut-Anteil ist auch besser, allerdings nur leicht. Von dem Geschick eines David Leitch ist nur wenig zu sehen. Tim Miller hatte mit "Deadpool" schon einen vernünftigen Job gemacht und wenn vorne nicht "David Leitch" draufgestanden hätte, dann wäre es kaum einem Kinogänger aufgefallen. Leitch verzichtet hier auffallend oft auf längere, choreographierte Kamerafahrten. Der Schnitt ist zwar gut und knackig, hinter der Härte und Brachialität eines "John Wick" bleibt "Deadpool 2" allerdings zurück.

Zum Glück kann man festhalten, dass "Deadpool 2" seinen kleinen, charmanten Underdog-Status beibehalten hat. Auch in die Fortsetzung floss nicht allzu viel Budget, was einerseits den Charakter und Charme des Films unterstreicht, andererseits aber auch Spielraum für größere Möglichkeiten, wie etwa der Etablierung in das "X-Men"-Universum oder überhaupt die MARVEL-Spielwiese lässt. Dafür können die neuen Figuren glänzten. Cable und Domino sind eine hervorragende Erweiterung. Beide funktionieren, sind cool und bringen frischen Wind in die noch frische Reihe - und noch mehr Gags. Auch hier allerdings wieder ein kleiner Kritikpunkt: Josh Brolin als Cable hätte gerne noch wuchtiger, brutaler und dreckiger daherkommen dürfen.

Alles in allem bietet "Deadpool 2" mehr vom Gleichen und bringt herrliche Gags (besonders noch in den Post-Credit-Szenen) und der kleine Maßstab des Vorgängers wurde beibehalten. "Deadpool 2" ist ein herrlicher, teilweise zum Brüllen komischer Spaß, der nicht ganz an den Vorgänger heranreicht, aber für absolute Unterhaltung sorgt.

8,5/10

Mittwoch, 9. Mai 2018

Knock Off - Knock Off: Der entscheidende Schlag (1998)

https://www.imdb.com/title/tt0120724/

In Hongkong freut sich der Amerikaner Marcus Ray (Jean-Claude Van Damme) bereits auf den Reibach, den er mit dem Verkauf von Markenjeans macht. Doch leider entpuppen sich die Hosen als nichts weiter als billige Fälschungen. Ray und sein neuer Partner Hendricks (Rob Schneider) stecken in der Klemme, erst recht, als sich ihre amerikanische Kontaktperson Karen Leigh (Lela Rochon) als CIA-Agentin herausstellt, die ihnen mit Gefängnis droht, falls sie nicht kooperieren. Doch damit nicht genug der Probleme. Bei einem Treffen mit dem CIA-Agenten Harry Johansson (Paul Sorvino) findet Ray heraus, dass dieser in Wahrheit ein Doppelagent ist und für die russische Mafia arbeitet. Johansson offenbart Ray außerdem Überraschendes zu seinem Partner Hendricks. Auch dieser ist nicht der, der er auf den ersten Blick zu sein scheint. Gleiches gilt auch für die imitierten Jeans: Die Beinkleider sind der im wahrsten Sinne des Wortes explosive Höhepunkt eines perfiden Plans der Russenmafia...

Van Damme in HongKong, das hat schon in "Geballte Ladung: Double Impact" sehr gut funktioniert - und tut es auch Jahre später ebenso in Tsui Harks "Knock Off", der zweiten Zusammenarbeit der beiden nach dem ebenfalls ordentlichen aber deutlich westlicheren "Double Team". "Knock Off" ist mal ein etwas anderer van Damme-Film. Nicht die üblichen One-on-One-Kämpfe, sondern eine abwechslungsreiche Story bekommt man hier zu sehen. Ein Manko ist aber, dass es zu viele Charaktere (und Statisten) gibt, die dauernd die Seiten wechseln. So sieht man am Ende nicht mehr richtig durch, wer denn nun zu den "Guten" und wer zu den "Bösen" gehört.

Van Dammes Kampfkünste sind hier weniger gefragt, ein viel effektiveres Mittel sind Schusswaffen, die in diesem Film oft zum Einsatz kommen. Allerdings heißt das nicht, dass man Jean-Claude van Damme gar nicht ohne Waffen in Aktion sieht. Vereinzelt kommt man dann doch noch in den Genuss seiner hervorragenden Kampfakrobatik; nur wird in "Knock Off" eben nicht soviel Wert darauf gelegt. Die Schusswechsel werden ziemlich oft in Zeitlupen-Studien serviert, was ganz nett anzuschauen ist. Jedoch tragen diese Zeitlupen dazu bei, dass man in der ganzen Hektik in manchen Szenen schon mal den Faden verlieren kann. Es wird einen nämlich teilweise ein Feuerwerk an (zum Teil auch harter) Action geboten. Das Ende stellt auf jeden Fall einen furiosen Höhepunkt dar.

Ein paar Unglaubwürdigkeiten gibt es auch. Da wäre zum Beispiel der Sprung des Autos auf den eisenharten Container. Der Sprung ist dabei noch gar nicht mal so unrealistisch, aber dass das Auto dann mit ein paar Beulen fröhlich weiter fährt, grenzt schon an ein physikalisches Wunder. Schauspielerisch kann keiner über sich hinauswachsen. Insgesamt bekommt man durchschnittliche Leistungen zu sehen. Wen ein humoriger Zusatz nicht stört, der wird an "Knock Off" definitv seinen Spass haben. Hier gibts Action satt, tolle Kulissen und darüberhinaus gut aufgelegte Darsteller. Über die leicht absurde Story sieht man da doch gerne hinweg.

7/10

Von NAMELESS Media kommt der Film ungeschnitten/unrated in HD im auf 222 Stück limitierten Mediabook:

Dienstag, 8. Mai 2018

7광구 - 7 Gwanggu - Sector 7 (2011)

https://www.imdb.com/title/tt1934381/

Südlich der Insel Jeju auf dem Ölbohrturm Eclipse ist Hae-jun (Ji-won Ha) Verantwortlicher für die Ausrüstung. Jeong-man, ein früherer Kollege von Hae-juns Vater, schließt sich der Crew als Kapitän an. Eigentlich soll er nur die Abberufung des Schiffes überwachen, aber er schlägt vor, ein letztes Mal eine Bohrung vorzunehmen. Nach dreiwöchiger Vorbereitung taucht Hae-jun mit dem neuen Rekruten in die Tiefe: Als das Equipment versagt, sinkt er auf den Boden des Meeres. Kurz darauf leben Crewmitglieder ab, einer nach dem anderen, und ihre Leichen sind bösartig verstümmelt. Die wenigen Überlebenden entdecken bald eine transparente Unterwasserkreatur. Hae-jun und seine Kollegen müssen ums bittere Überleben kämpfen...

Die Bohrinsel-Truppe im koreanischen Sci-Fi-Horror "Sector 7" ist durchweg sympathisch und bis das Monster auf der Bildfläche erscheint auch sehr amüsant. Die Story selber ist nicht brandneu. Sie erinnert schon etwas an "The Thing" oder "Alien", aber eben auf einer Bohrinsel und auf koreanisch. Natürlich muss man sich in einigen Momenten auf etwas Overacting einstellen, aber im Allgemeinen bleiben die Darsteller weitestgehend auf dem Teppich und machen ihre Sache solide. "Sector 7" ist optisch hervorragend. Die Bohrinsel bietet ein grandioses und atmosphärisch dichtes Setting. Außerdem muss man die tolle Kameraarbeit loben. Doch das größte Manko ist, dass das Monster sichtbar computeranimiert ist. Es sieht zudem aus, als wäre es direkt aus dem Spiel/Film "Doom" entnommen und hier platziert worden. Aber dafür sind das Design dieses CGI-Ungetüms und auch wie es ins Bild eingepflegt wurde große Klasse. Mit altbackener, hunderte Male durchgekauter Story und dem letztgenannten Manko unterhält "Sector 7" dennoch kurzweilig durch Humor, Dramatik und jeder Menge over the top-Action.

6,5/10

Mr. Holmes (2015)

https://www.imdb.com/title/tt3168230/

Sherlock Holmes (Ian McKellen) hat es mittlerweile auf stolze 93 Jahre gebracht und lebt zurückgezogen in seinem Landhaus in Sussex. Über Heldengeschichten, die im Kino über ihn erzählt werden, kann der in die Jahre gekommene Meisterdetektiv nur den Kopf schütteln, ist doch das meiste glattweg erfunden. Nie trug er die legendäre Kappe und überhaupt bevorzugte er schon immer Zigaretten. Tagsüber widmet sich Holmes nun der Bienenzucht und weist Roger (Milo Parker), den Sohn seiner Haushälterin Mrs. Munro (Laura Linney), in die Geheimnisse der Imkerei ein. Die beiden sind die einzigen, die er in seiner Nähe duldet. Doch manches Mal kommen die Erinnerungen an alte Fälle gegen seinen Willen auf, insbesondere an diesen einen, in dem eine wunderschöne Frau in Gefahr war: Ann Kelmot (Hattie Morahan). Ob Holmes den ungelösten Fall noch knacken kann, obwohl sein Gedächtnis schwindet?

"Mr. Holmes" ist ein äußerst liebevoll und detailliert ausstaffierter Film über einen Sherlock Holmes mit einsetzender Demenz, der sich als Hobbyimker an die Küste von Dover zurückgezogen hat. Die neueste Verfilmung um die Detektivlegende beschäftigt sich vordergründig mit dem Altern eben jener. Ian McKellen arbeitet als ein auf 93 Jahre gealterter Sherlock Holmes die eigene Vergangenheit auf, kämpft mit dem Vergessen und erzählt die Geschichte schließlich auf seine Art neu. Die Erzählweise ist dabei derart ruhig, sanft und beherrscht, dass derjenige, der die letzten, meist actionreicheren Holmes Verfilmungen kennt, möglicherweise kaum glauben mag, dass es sich hier um den selben Charakter handeln mag. Diese Ruhe macht allerdings gar nichts, da sie dem Mythos zu einer nie dagewesenen Glaubhaftigkeit verhilft und ihn dadurch um einiges greifbarer macht, als es zum Beispiel die Guy Ritchie-Filme taten.

Im Gegensatz zu anderen Holmes-Verfilmungen steht hier nicht ein nahezu unlösbarer Fall im Vordergrund, der dann spektakulär aufgelöst wird, sondern "nur" das rätselhafte Sterben seiner Bienen. In mehreren Zeitebenen wird hauptsächlich Holmes als Mensch, die Bewältigung seiner Demenz, das Verhältnis zu seiner Haushälterin und deren Sohn sowie die Aufarbeitung eines unglücklich verlaufenen Falls bearbeitet. Verglichen mit dem "Hund von Baskerville" klingt das erstmal langweilig, ist es aber keineswegs und die Balance zwischen Drama und Krimi wird mit gelegentlichen Humoreinlagen aufgelockert. Wie nicht anders zu erwarten, hat Ian Mc Kellen die Leinwand ab der ersten Szene fest im Griff und wird von hervorragenden Nebendarstellern unterstützt, ein Sonderlob gilt Milo Parker, der den scharfsinnigen Roger angesichts seines Alters schon bemerkenswert charismatisch spielt.

Klassische Spannung braucht man bei "Mr. Holmes" nicht erwarten, im Vordergrund steht ein Drama, das Hauptdarsteller Ian McKellen eine nuancierte, ungemein vielschichtige und auch ironisch gebrochene Interpretation seiner Figur ermöglicht. Und auch wenn man den Film nicht unbedingt als hochspannend bezeichnen kann, so fesselt er doch auf eine emotionale Weise, die einen nach dem Abspann zufrieden zurück lässt.

8/10

Sonntag, 6. Mai 2018

[KINO FFFnights] Ruin Me (2017)

http://www.imdb.com/title/tt4807272/

Eine Gruppe Fremder wird mit verbundenen Augen mitten im Wald ausgesetzt. Dort liegt für jeden ein Rucksack bereit, ausgestattet mit jeweils einem speziellen Gegenstand, der im Laufe des Spiels zur Anwendung kommen soll. So sitzt die arme Alex dank ihres Freundes Nathan nun also mit einem Haufen Gruselfreaks fest, die untereinander über Filmzitate und Horror-Klischees fachsimpeln. Und selbst für die Geeks sind Realität oder Fake in diesem Schreckszenario kaum zu unterscheiden, so unglaublich einfallsreich und perfekt in allen Details ist das Event gestaltet. Aber darum geht der Spaß ja auch, oder...? 

Jedes Jahr strömen tausende Horrorfans in Spukattraktionen und nehmen an Horror-Events mit Freunden teil um sich zu gruseln. Aber was passiert, wenn eine dieser Erfahrungen offenbar doch nicht nur gespielt ist und sich fürchterlicher verkehrt anfühlt? Genau das passiert in Preston DeFrancis Spielfilmdebüt "Ruin Me". Im Film spielt Marcienne Dwyer Alex, eine Frau, die von ihrem Freund Nathan zu einem 36-stündigen Camping-Ausflug namens "Slasher Sleepout" gezerrt wird. Während des Campingausflugs lösen Alex, Nathan und eine kleine Gruppe Fremder Rätsel im Stile eines 'Escape Rooms' oder des 'Geocachings' lösen, während "Slasher Sleepout"-Mitarbeiter alles versuchen, sie vor Ablauf der 36 Stunden zum Aufgeben zu bringen. Es ist alles Spaß und Spiel, bis nach und nach Teilnehmer der Gruppe verschwinden. Doch es endet nicht beid er Frage, wer dafür verantwortlich ist und nun, da alle "Sleepout"-Teilnehmer brutal ermordet werden, muss Alex, die, wie man erfährt ein größeres Drogenproblem hatte, herausfinden, ob diese Ereignisse echt sind, ein Teil des Spiels, oder ob ihr Verstand ihr Streiche spielt.
Es ist schon früh offensichtlich, dass "Ruin Me" nicht zu wissen scheint, was er sein will. Manchmal fühlt es sich an, als ob es "The Final Girls" sein möchte, aber mit weniger Humor, manchmal "Freitag, der 13." mit weniger Blut und Finesse. Es gibt Momente, in denen sich der Film wie ein Melodram anfühlt und dann tatsächlich so behäbig wird, dass es Augenrollen hervorruft. Was die Schauspielerei betrifft, spielt Marcienne Dwyer Alex überzeugend genug, um den Zuschauer hinters Licht zu führen, während sie gleichzeitig einlädt, sich um ihre Vorgeschichte und ihr Überleben zu kümmern. Allerdings fällt keiner der Schauspieler wirklich sehr auf. Alle sind einfach in Ordnung und machen sich so zu anständigen, entbehrlichen Opfern für einen Slasherfilm. Erst wenn der Film sich ins Dramatische verschiebt, werden seine Schwächen sichtbar, vor allem innerhalb der Beziehung von Nathan (Matt Dellapina) und Alex 'Ex-Freund Jared (Sam Ashdown).


Trotz dieser Mängel ist dieser Film nicht schlecht. Im Gegenteil, "Ruin Me" ist zum größten Teil sehr unterhaltsam und macht sogar Spaß. Es gibt sogar einige Witze und Anspielungen für Horror-Fans und es ist im gesamten Film interessant, etwas über Alex 'zwielichtige Vergangenheit und die Motivation für die "Slasher Sleepout"-Morde zu erfahren. Das Problem ist, dass "Ruin Me" sich aus so vielen Filmen und Genres auf einmal anlehnt. Daher verliert sich "Ruin Me" im Meer der Meta-Horror- und Slasher-Filme und wird weiter begraben unter Filmen, die diese Idee viel erfolgreicher ausgeführt haben (wie "Scream" oder "The Final Girls"). Nichts bringt "Ruin Me" wirklich in Verlegenheit - er ist brauchbar, aber nicht überragend.

6,5/10